101 Satzanfänge

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Draghir » 10.10.2009, 20:55

Ich werde mir die Liste bei der nächsten Überarbeitung von meinen Texten mal neben die Tastatur legen.

So weit ich das sehe ist mein häufigstes Wort im Satzanfang "Ich" ...

Wie wäre es eigentlich mit einem kleinen Makro für Word oder Open Office: Zufalls-Satzanfang-Generator. Auf Knopfdruck wird dann ein zufälliges Wort aus der Liste eingefügt oder zumindest angezeigt, wenn einem nichts gescheites einfällt.
Draghir
 
Beiträge: 24
Registriert: 10.10.2009, 10:13
Wohnort: Köln

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Sofian » 10.10.2009, 21:12

Wie wäre es eigentlich mit einem kleinen Makro für Word oder Open Office: Zufalls-Satzanfang-Generator. Auf Knopfdruck wird dann ein zufälliges Wort aus der Liste eingefügt oder zumindest angezeigt, wenn einem nichts gescheites einfällt.


Sowas wär mal echt hilfreich. Meine Sätze fangen größtenteil noch immer mit [Name] oder er/sie an...

Gruß, Sebastian
Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.
Neuer Blogartikel: [5 Gründe] Warum mich die Fantasy nervt
Benutzeravatar
Sofian
Co-Administrator
 
Beiträge: 6103
Registriert: 05.08.2009, 02:10
Wohnort: Herne
Blog: Blog ansehen (26)

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Maal » 10.10.2009, 22:26

Sowas wär mal echt hilfreich. Meine Sätze fangen größtenteil noch immer mit [Name] oder er/sie an...

Hm... meint ihr? Ich glaube das Problem liegt ganz woanders, man kann doch nicht einfach zufällig Wörter wählen, die müssen doch zum Inhalt passen. Wenn jemand einen Satz häufig mit er/sie beginnt, dann verrät das eher wie er/sie herangegangen ist um entsprechenden Satz zu formulieren. Da war wohl im Hinterkopf die Frage: Was macht er/sie jetzt... dann kam im Satzanfang die entsprechende Antwort: Er...
Es wäre hier vielleicht ein bißchen mehr geholfen, wenn man sich die besondere Stellung des Satzanfangs insofern verdeutlicht, dass es primär bestimmt nicht so schlimm ist, wenn 3 oder auch mal 5 Sätze mit dem Wort ein beginnen, wenn denn eine neue wesentliche Informationen dem Leser präsentiert wird:
Ein Gepard näherte sich ihm...
ist sicher unter Umständen ein brauchbarer Satzanfang, besser als:
Er sah wie sich ihm ein Gepard näherte...
Abgesehen davon, dass dieser neue Anfang umständlicher ist, braucht er länger um zu der neuen und somit fesselnderen Information zu kommen... nämlich der gefährlichen Raubkatze.
Nun ok dieses vorherige Beispiel war recht künstlich...
wenn weil gelegentlich usw. Sätze kann man nur verwenden, wenn der Rahmen es zuläßt...
also was tun mit den Handlungsätzen, in denen der Held aktiv wird?
Nun häufig braucht man zum Aktivwerden Gegenstände... z.B. ein Schwert und den Fokus des Leser auf dieses gleich zu Beginn des Satzes lenken ist sicher nicht das Schlechteste:
Statt: Er Schwang sein Schwert...
Warum nicht schreiben:
Sein Schwert beschrieb einen großen Bogen und ...
Statt zu schreiben: Er leuchte die Höhle mit seiner Taschenlampe aus...
Warum nicht schreiben:
Der Lichtkegel der Taschenlampe holte aus der Dunkelheit
Wie gesagt... der die das und ein alles nicht so schlimme Worte weil das zweite Wort beim Eindruck des Satzanfanges gleich mitgenommen wird... und hier machen sich auch Sinneseindrücke recht gut...
Ein seltsamer Geruch... breitete sich aus
statt:
Er roch...
Naja ich glaube damit sollte ich erstmal meine Sichtweise ausreichend dargelegt haben, aber vielleicht sieht es ja wer ganz anders...

Liebe Grüße

Maal
Überzeugend ist ein starkes Wort, denn überzeugend ist man nicht sofort.
Benutzeravatar
Maal
 
Beiträge: 793
Registriert: 19.12.2008, 15:41
Wohnort: Göttingen

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Grogromalz » 10.10.2009, 22:53

Hmm, ja. Das leuchtet in der Tat ein.
Danke für den Tipp, Maal.
:twisted:
Grogromalz
 
Beiträge: 334
Registriert: 10.06.2009, 23:07

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Steel Lily » 28.10.2009, 03:15

Nun... Wie kommt man eigentlich darauf, Satzanfänge zwingend abwechseln zu wollen?

Subjekt/Prädikat/Objekt ist das Gängiste. Es ist nichts Falsches daran.

Satzanfänge verhärten sich leicht, wenn man sie allzu gezwungen mit Umstandswörtern, Adjektiven oder Zeitbestimmungen begonnen werden.

Achtet doch einmal selbst drauf, wenn ihr lest.
Ich nehm nur grad mal die Romane, die ich im Moment um mich liegen hab:

Ein Beispiel (entnommen aus Zafón - Der dunkle Wächter) Ich schreibe nur die Satzanfänge dieses Absatzes auf:
Ismael nickte... Sein Onkel wischte... Das letzte Mädchen... Die einzige Liebe... Als Onkel und Neffe...

Kathleen E. Woodiwiss:
Marelda blieb vor dem Spiegel... Das schwarze Haar... In der Hoffnung, dass... Sie warf sich... Die Wahl dieses... Ein Mann musste sich...

Judith McNaught:
Victoria fuhr herum... Sie legte ihre Hand... Das Gefühl brachte... Sie kannte ihn... Nervös fragte sie... Sie spähte unsicher... (Dialoge) Ein leises Lachen rollte...

Tonny Vos:
Lettie blieb... Beim sanften Licht... Lettie war höchst... Sie sah sich... Sie hatte die Berichte... Duncan riss... Angus nickte... Aus den Augenwinkeln...

Es ist doch die Kunst, klare Sätze zu schreiben und das Verb aktiv und nah am Subjekt. Der Leser sollte durch die Reihenfolge der Wörter so rasch wie möglich wissen, um was es sich im Satz dreht und WER da WAS macht.
Steel Lily
 
Beiträge: 337
Registriert: 21.02.2009, 14:20

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon TinyTin » 28.10.2009, 10:34

Natürlich verraten Schreibratgeber nicht alles und überall fehlt etwas ... auch Seiten wie die von Eschbach oder andere Schriftstellertipps haben bestimmt große Lücken - aber ganz ehrlich?
Auf KEINER dieser Seiten, in KEINEM dieser Bücher habe ich was von wechselenden Satzanfängen gelesen.
Klar, ich habe gewiss auch nicht die Weisheit der Schriftstellerei mit den Löffeln gefressen, weil ich drei, vier Bücher dazu gelesen habe und im allgemeinen wahnsinnig viel lese, aber Lily (^^) hat Recht.
Schaut mal in eins der Bücher die gerade um euch herum liegen - bitte kein Fachbuch ;)

Intutiv machen es viele nämlich richtig und beginnen Sätze mit dem Subjekt.
Natürlich soll man das auch nicht ständig und immer, aber es ist die gängste, leicht verständlichste, oft aktivste und übliche Art einen Satz zu beginnen. Außerdem kann man hier dann nämlich wunderbar varieren: Sie, Isabel, das Mädchen, die Frau... was auch immer. Oder man schaut wo genau der Fokus ist, wie Maal bereits erwähnte - wobei wir da auch wieder beim Subjekt sind nur eben z.b. das Schwert statt des Protas in den Vordergrund stellen.

Gleich zu Anfang in der Schule bekommt man beigebracht, dass man nicht immer mit "Er/sie" anfangen soll - unsere 3. Klässler sammeln mal wieder gerade ihre Saztanfänge (dann, plötzlich, auf einmal, danach, später, schließlich ...), aber gleichtzeitig sammeln sie auch so unendlich viele Adjektive, damit ein Text schöner wird - und wenn man das dann vergleicht sollte man sich vielleicht einmal überlegen, dass das was man in der Schule beigebracht bekommt nicht zum großen Schriftstellertum reicht :mrgreen:

LG
Tin
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!
Benutzeravatar
TinyTin
Inaktiv
 
Beiträge: 260
Registriert: 04.01.2009, 16:59
Wohnort: NRW

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Elia » 28.10.2009, 23:37

Hallo!

Zu Allererst: niemand soll sich persönlich angegriffen fühlen, das ist ausschließlich ein fachlicher Beitrag. Nicht bös gemeint.

Auch, wenn ich mich unbeliebt mache, aber ich bin derselben Meinung wie Tin und Lilli und muss heftigen Einspruch bei manchen der Satzanfang-Vorschlägen einlegen.

"Sodass" ist NIEMALS ein Satzanfang.

Sodass gehe ich ins Kino? (Verb nachgestellt)
Sodass grün ist die Welt? (Adjektiv nachgestellt)
Sodass Häuser sind gelb? (Substantiv nachgestellt)

Ehrlich, ich verstehe nicht, wie das funktionieren soll. Ebenso wie "weil", sorry, aber was soll das für ein Satz werden?

"Weil die Häuser grün sind, finde ich sie nicht." Ok, das ginge, aber doch nur als Antwort auf etwas. Hier muss eine Frage vorher gewesen sein, warum sollte das "weil" sonst in den Vordergrund gestellt werden? Also:

"Warum findest du sie nicht?" - "Weil die Häuser grün sind."

"doch" sollte man ebenso selten wie "und" und "oder" benutzen.

Jedenfalls... was ich eigentlich sagen wollte ( nein, ich will mich nicht an einzelnen Wörtern aufhängen, das hat mich nur sehr gewundert) sind die normalen Satzanfänge im Deutschen nun mal Subjekte. 90% der Satzanfänge sollten Subjekte sein, alles andere klingt geschraubt, sorry. Klar, nicht immer nur "sie ging, sie sah, sie dachte". Aber Sie ging, Susi sah, Das Mädchen dachte, das geht. Oder "Das/Ein Kind rief nach der Mutter", Ihr Auge ruhte auf.. alles Subjekte.
Bei den Subjektanfängen gibt es derart viele Varianten, dass man sich nichts abbrechen muss, um sie zu variieren. Ganz im Gegenteil, das klingt dann aufgesetzt.
Daher... was du schreibst, Jacky, ist nicht falsch oder so. Aber ich finde einfach, der Eindruck entsteht, dass man derart variabel schreiben soll, dass das Subjekt am Satzanfang in den Hintergrund rückt.
Ein Buch ist wie ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinguckt.
- Georg Christoph Lichtenberg
Benutzeravatar
Elia
 
Beiträge: 124
Registriert: 06.03.2009, 22:49

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon Angioletta » 07.03.2010, 19:21

Ich denke nicht, dass das Subjekt in akuter Gefahr ist oder dass der Artikel dies nahelegt.
Eine der wichtigsten Ideen war ja auch, dass das grammatische Subjekt, das bisher immer der Protagonist war, auch ein anderes sein kann: Das Schwert, das er führt, der Klang, den er hört.
Was klingt besser?

1) Sie hörte in der Ferne einen dröhnenden Glockenton. Sie fragte sich, ob das nun die Geburt des Thronfolgers anzeigte. Das würde ihr Ende bedeuten. Prota schleppte sich weiter. Und weiter. Und weiter. Sie schaute sich um. Sie hatte den Gipfel fast erreicht, aber sie fühlte, wie ihre Knie nachgaben....

2) Aus der Ferne dröhnte der Glockenton an ihre Ohren. War der Thronfolger nun geboren? Das würde ihr Ende bedeuten. Dennoch schleppte sie sich weiter, immer weiter. Schließlich sah sie sich um: Der Gipfel ragte einladend über ihr, fast hatte sie ihn erreicht, aber sie fühlte, wie ihre Knie nachgaben...
Benutzeravatar
Angioletta
 
Beiträge: 335
Registriert: 03.03.2010, 14:58
Wohnort: NRW

Re: 101 Satzanfänge

Beitragvon MetalCristopher » 26.02.2011, 20:49

Wow diese Liste ist einfach fantastisch jetzt habe endlich ein paar Ideen mehr ein richtig guten Satzanfang zu gestalten. Weil ich bei meinem Projekt oft die gleichen Anfänge nehme.
Hoffe diese Liste erweitert sich weil sie sehr Hilfreich ist :shock:
Cristopher :ghost:

Dude! Give me a pencle and a piece of paper I got a great Idea! Man darf Fehler machen, doch man sollte an ihnen nicht zerfallen.
Benutzeravatar
MetalCristopher
 
Beiträge: 34
Registriert: 25.02.2011, 22:46

Vorherige

Zurück zu Schreiben-Lernen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste