[Histo] 13. November 1872 (Teil 2/3)

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[Histo] 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 13.01.2015, 21:33

Die zwei Männer waren mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen gewesen. So schnell wie ihre Füße sie tragen konnten und die Umstände es zuließen, waren sie zu unserer Rettung herbeigeeilt. Und es war wohl ihrer großen Angst um uns zuzuschreiben, dass es in dem Moment und auch später nie Ärger wegen unseren Leichtsinnes gegeben hatte.

Richtiges Leben kehrte wieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte. Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben.
Draußen war der Wind zum Sturm geworden und alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich. Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte.
Mein Vater und die anderen Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte ihm helfen, doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste. Es war erschreckend mit anzusehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte. Doch die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten und wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. Gelegentliches Hochwasser ja, aber das? Wo würde das enden? Würde es rechtzeitig enden?

An jenem Nachtmittag wurde es schon um drei dunkel, gut eine Stunde eher als sonst. Mit dem Einbruch der Dunkelheit kam auch Vater nach Haus. Er war pitschnass, das Wasser lief nur so an ihm herab. Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus.
„Wir haben alles erdenklich mögliche getan“, sagte er beim Abendbrot. „Der Rest liegt allein in Gottes Hand.“
Bevor wir zu Bett gingen, verbarrikadierte er noch unsere Haustüren. Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke davor. Scheinbar ging er vom Schlimmsten aus, was mir Angst einflößte. Und wie als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: „Keine Sorge. So schlimm wird es nicht.“ Aber überzeugt klang es nicht.

Als ich gegen halb acht mein Licht löschte, hatte ich meine Zweifel, ob ich überhaupt Schlaf finden würde, denn der Sturm pfiff heulend durchs Gemäuer und jede Böe schien das ganze Haus bedenklich wackeln zu lassen. Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.

Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November, als ich und meine Schwestern, mit denen ich im Dachgeschoss ein Zimmer teilte, von unserer Mutter geweckt wurden. Im spärlichen Licht der Öllampe sah ich, dass sie weinte und mit der anderen Hand fest ihre Bibel umschlossen hielt. „Das Wasser“, winselte sie, „das Wasser steigt immer höher und höher.“
In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen und er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen und wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir draußen.
„Wo ist Vater?“, fragte ich.
„Er…er ist draußen“, antwortete Mutter, obgleich ich merkte, dass sie nicht antworten wollte.
„Was?“, rief ich entsetzt. „Was macht er? Ich muss ihm helfen!“ Doch energisch wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, packte sie mich und zog mich an sie. „Nein, er schafft das schon“, hauchte sie verzweifelt in mein Ohr.
Erst später erfuhr ich, was Vater gemacht hatte. Er war Zimmermeister und hatte einen kleinen Schuppen, in dem bestes, zugeschnittenes Kiefernholz lagerte, das zum Bau eines neuen Lotsenhauses genutzt werden sollte. Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte.
Einige Zeit später, in der die jaulenden Gespenster des Windes immer und immer wieder ums Haus jagten, es schüttelten und das Donnern des Meeres immer lauter wurde, hörten wir Vater unten das Haus betreten.
„Vater!“, rief ich und wollte zu ihm, doch Mutter hielt mich wieder zurück. „Nein, ihr bleibt hier. Hier, die Lampe lasse ich euch. Ich gehe zu eurem Vater und helfe ihm.“ Ich wollte wiedersprechen, doch wusste ich, dass es besser war zu gehorchen. Ich hatte erst fast dafür gesorgt, dass sie uns nicht wiedersehen sollte und das wollte ich ihr ein weiteres Mal ersparen.
„Hannes, du bist der älteste. Pass gut auf deine Schwestern auf, hörst du?“, sagte sie und stieg hinab. Sogleich klammerten sich die beiden kleinen an mich und ich wollte alles Erdenkliche tun, um sie zu beschützen, notfalls mit dem Leben.
Minuten verrannen, eine Stunde verging, eine zweite. Und ich musste all meine Kraft zusammennehmen um dem Drang zu widerstehen, herunterzuklettern. Immer wieder hörte ich die Schritte und Stimmen meiner Eltern. Und immer wieder fragten mich meine Schwestern, warum unsere Eltern denn nicht heraufkämen. Und über allem Bangen und Warten brüllte und tobte der Orkan, der das Reetdach bedenklich hin- und herschwanken ließ und den Regen mit solcher Macht gegen das Haus warf, dass es nicht mehr wie das Prasseln von Regen klang, sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, das auch noch immer sein geisterhaftes, gequältes Heulen von sich gab. Und obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.

Endlich kamen Vater und Mutter herauf. Sie hievten die wertvollsten Sachen ins Zimmer, wobei ich ihnen half. Die wertvollsten Bücher, Bilder, Kleider und alles Silberbesteck trugen sie herauf, ebenso Essen und Trinken. Und schließlich auch noch unseren Hund, unsere Katze und unsere kleine Ziege Anna. Erschöpft sanken sie zu Boden. Mein Vater war schrecklich bleich und er war klitschnass; ob nun vom Regen oder vom Schweiß, wusste ich nicht.
„Lieber Herrgott“, keuchte er schwer. „Wenn das so weitergeht, bleibt kein Stein auf dem anderen stehen.“
„Das Haus von den Wichmanns ist schon weg“, jammerte meine Mutter und klammerte sich noch fester an die Bibel.
Die Wichmanns! Ihr Sohn Georg war gestern noch beinahe im Binnensee ertrunken und sollte er nun tatsächlich…? Ich mochte nicht drüber nachdenken. Meine Schwestern begannen zu weinen, doch wir konnten sie nicht trösten…wir wussten keinen Trost.



Fortsetzung folgt... :writing:


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Re: 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon inmutanka » 14.01.2015, 15:29

Hallo,
anbei meinen Senf zu deiner Geschichte. Ich gestehe, ich habe den 1. Teil nicht gelesen, sieh es mir also nach, wenn ich etwas bekrittle, was dort gezeigt/erklärt etc. wird. Ansonsten pick dir heraus, was dir richtig erscheint.
Alles in allem ist es eine spannende Geschichte. Großes Lob.
Was mir aufgefallen ist: du hast sehr viele *dass*/*als* Sätze drin sind und für meinen Geschmack haben zu viele Sätze den gleichen Rhythmus.
Wortwiederholungen markiere ich (kann sein, dass ich was übersehen habe), RS und Satzzeichenfehler lasse ich außen vor.
LG
Inmutanka

Die zwei Männer waren mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen gewesen. So schnell wie ihre Füße sie tragen konnten und die Umstände es zuließen, waren sie zu unserer Rettung herbeigeeilt. Und es war wohl ihrer großen Angst um uns zuzuschreiben, dass es in dem Moment und auch später nie Ärger wegen unseren Leichtsinnes gegeben hatte.


Ich habe mir den letzten Absatz des 1. Teiles durchgelesen. Für mein Gefühl passt die Erzählzeit nicht zum vorigen Absatz, dazu nachher mehr.

- Die zwei Männer waren mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen gewesen – das es 2 Männer sind, hast du schon im Absatz davor erwähnt und hier zählst du sie quasi auf, also kann *Die zwei Männer* hier raus.
*mein Vater* - vllt. Ansichtssache, aber *mein* könnte gestrichen werden. Es ist ein Ich-Erzähler und wessen Vater sollte es sonst sein?
So, für mich würde es sich so lesen:

So schnell wie ihre Füße sie trugen und es die Umstände zuließen, eilten Vater und Nachbar Ide Tönnesen zu unserer Rettung herbei. Es war wohl ihrer großen Angst um uns zuzuschreiben, …


Richtiges Leben kehrte wieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte. Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben.


- Richtiges Leben kehrte wieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte. –
* Richtiges Leben* - gibt es in diesem Zusammenhang ein *Falsches Leben*? Ich würde nur *Leben bzw. Das Leben* schreiben.
* frottiert* - Frottee bzw. frottieren scheint mir ein Wort des 20. Jhdts zu sein und passt für mich nicht in diese Zeit.

- Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben. – Warum bleibst du nicht bei Ich-Erzähler? Bsp.: Ich sah ihr an, …

Ich würde 2 Sätze daraus machen:

Ich sah ihr an, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte. Doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wieder bekommen zu haben, um diesen Vorsatz umzusetzen.


Draußen war der Wind zum Sturm geworden und alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich. Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte.


- … alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. – Wenn du *alle Anzeichen* schreibst, dann will ich als (boshafter ;) ) Leser wissen: Welche Anzeichen denn? Umgehen könntest du solche Gemeinheiten mit: alles deutete darauf hin oder und es schien, dass …

- Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich. – ein schönes Bild!

- Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte. - liest sich umständlich. * Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen* - Wenn du den Regen erwähnst, dann spielt es in diesem Falle keine Rolle, ob er jetzt einsetzt oder schon 30 Minuten runterprasselt:

Starker Regen vermischt mit Graupel wehte wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang über das Land und verhinderte jegliche Sicht.


*übers* = Umgangssprache, *klare* würde ich streichen.

Mein Vater und die anderen Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte ihm helfen, doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste. Es war erschreckend mit anzusehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte. Doch die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten und wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. Gelegentliches Hochwasser ja, aber das? Wo würde das enden? Würde es rechtzeitig enden?


- Mein Vater und die anderen Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte ihm helfen, doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, - s. o. mit *mein Vater* m. M. n. würden die Sätze nichts verlieren, wenn du schreiben würdest:

Vater und die (anderen) Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte helfen, doch Mutter hielt mich zurück und steckte mich in das Bett.


- Ich wollte ihm helfen, doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste. – Ich würde 2 Sätze daraus machen.

* in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste* - liest sich etwas krumm. Vllt.: Unruhig stand ich immer wieder auf und sah durch das Fenster hinaus.

- Es war erschreckend mit anzusehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte. - Auch hier würde ich nicht allgemein schreiben, sondern direkt beim Ich-Erzähler bleiben

Es erschreckte mich zu sehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte. Oder: Zu sehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte, war erschreckend.


Wobei für mich der Schreck/die Furcht noch nicht so richtig herüber kommt. Es liest sich irgendwie abgeklärt/mit Distanz.

- … und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. – und begruben auch bald den nahen Strand unter sich.

- Würde es rechtzeitig enden? – Da fehlt mir was, a la: Würde es rechtzeitig enden, bevor es unser Dorf erreichte? Wobei du für mein Gefühl auch den Satz streichen könntest. Wo würde das enden? – reicht vollkommen.

An jenem Nachtmittag wurde es schon um drei dunkel, gut eine Stunde eher als sonst. Mit dem Einbruch der Dunkelheit kam auch Vater nach Haus. Er war pitschnass, das Wasser lief nur so an ihm herab. Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus.


- gut eine Stunde eher als sonst – würde ich streichen. Wenn es bereits um 3 Uhr nachmittags dunkel wird, ist das außergewöhnlich in unseren Breiten.

- Mit dem Einbruch der Dunkelheit kam auch Vater nach Haus. Er war pitschnass, das Wasser lief nur so an ihm herab. – *pitschnass* liest sich – kindlich? Würde für mich nicht zum übrigen Text passen. Falls du es beibehalten willst, würde ich mich entweder für *pitschnass* oder *das Wasser lief nur so an ihm herab* entscheiden.

* Mit dem Einbruch der Dunkelheit kam auch Vater nach Haus.* - Da du zuvor schon erwähnt hast, dass es um 3 Uhr Dunkel wurde, genügt hier: Mit der Dunkelheit …
Solltest du am *pitschnass* hängen, würde ich schreiben: Mit der Dunkelheit kam Vater pitschnass nach Hause.

- Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus. – für mich ist Optimismus ein anderes Wort für Hoffnung, eines würde daher reichen.
Weiterhin würde ich den Satz umstellen:

Sein abgehärmtes Gesicht zeugte nicht von Hoffnung.


„Wir haben alles erdenklich mögliche getan“, sagte er beim Abendbrot. „Der Rest liegt allein in Gottes Hand.“
Bevor wir zu Bett gingen, verbarrikadierte er noch unsere Haustüren. Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke davor. Scheinbar ging er vom Schlimmsten aus, was mir Angst einflößte. Und wie als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: „Keine Sorge. So schlimm wird es nicht.“ Aber überzeugt klang es nicht.


- Bevor wir zu Bett gingen, verbarrikadierte er noch unsere Haustüren. – na ja, ich lebe am Rhein und wenn ich befürchten würde, er könne uns überfluten, würde ich nicht zu Bett gehen, sondern die ganze Zeit am Fenster hocken und lauern. Das kommt mir nicht glaubwürdig rüber, dass sie ins Bett gehen in dieser Situation.
* unsere Haustüren* - mehrere Türen?

- Scheinbar ging er vom Schlimmsten aus, was mir Angst einflößte. – Wieso *scheinbar*? Schon der Satz *„Wir haben alles erdenklich mögliche getan“, sagte er beim Abendbrot. „Der Rest liegt allein in Gottes Hand.“* sagt für mich, dass es schlimm werden könnte.

- Und wie als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: - Sorry, aber von der Wortwahl liest es sich seltsam/abgehoben/wie eine Stelle aus der Bibel und passt nicht zum Rest. Und wo soll er ihm die Furcht sonst ansehen, wenn nicht im Gesicht? Vllt.

Als er meine Furcht sah, kam er zu mir und sagte lächelnd:


Als ich gegen halb acht mein Licht löschte, hatte ich meine Zweifel, ob ich überhaupt Schlaf finden würde, denn der Sturm pfiff heulend durchs Gemäuer und jede Böe schien das ganze Haus bedenklich wackeln zu lassen. Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.


- Als ich gegen halb acht mein Licht löschte, hatte ich meine Zweifel, ob ich überhaupt Schlaf finden würde, denn der Sturm pfiff heulend durchs Gemäuer und jede Böe schien das ganze Haus bedenklich wackeln zu lassen. – würde ich mehrere Sätze machen.
Frage: Der Sturm pfiff durch das (durchs = Umgangssprache) Gemäuer? Ist das Haus so löchrig gebaut? Oder eher *um das Gemäuer*?

Um halb acht löschte ich das Licht. Der Sturm pfiff heulend um das Gemäuer und jede Böe ließ das Haus bedenklich wackeln. Ich zweifelte, in dieser Nacht Schlaf finden zu können.


- Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen. – liest sich, als würde jemand einem Arzt einen Bericht abliefern. Auf den Tag bzw. die Ereignisse brauchst du nicht mehr einzugehen, die hast du ja bereits erzählt. Einfacher:

Doch die Erschöpfung war zu groß und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.


Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November, als ich und meine Schwestern, mit denen ich im Dachgeschoss ein Zimmer teilte, von unserer Mutter geweckt wurden. Im spärlichen Licht der Öllampe sah ich, dass sie weinte und mit der anderen Hand fest ihre Bibel umschlossen hielt. „Das Wasser“, winselte sie, „das Wasser steigt immer höher und höher.“


- Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November, als ich und meine Schwestern, mit denen ich im Dachgeschoss ein Zimmer teilte, von unserer Mutter geweckt wurden. – Sorry, die genaue Bezeichnung - am Morgen des 13. November – reißt aus dem Lesefluss und zerreißt die Spannung.

Gegen vier Uhr weckte Mutter meine Schwestern und mich


Frage: Klar gab es damals schon Uhren. Was mich wundert ist jedoch die ganzen genauen Zeitangaben. Ich denke, ein normaler Haushalt hatte eine Wand-/Standuhr in der guten Stube. Ansonsten schaute man auf die Kirchturm-/Rathausuhr, oder? Aber so wie heute, wo jeder eine Armbanduhr bzw. einen Wecker neben dem Bett stehen hat und in jedem Zimmer in irgendeiner Form die Uhrzeit abgelesen werden kann, dürfte es nicht gewesen sein. Daher: Woher weiß er also so genau die Uhrzeit?

- winselte sie – wenn sie *winselt*, dann stelle ich mir eine absolut hilflose Frau vor. Kann sein, dass ich ein falsches Bild habe, aber jemand, der mit dem blanken Hans aufwächst und mit ihm lebt, dazu noch eine Mutter mit Kinder, die sie schützen muss/will, die stelle ich mir nicht gerade winselnd vor, sondern eher zupackend und entschlossen.

In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen und er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen und wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir draußen.


Ich würde mehrere Sätze machen.
- In der Tat war – braucht es nicht.

- mit aller Gewalt aufbrechen - niemand kann etwas ohne Gewalt *aufbrechen*

Inzwischen war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen. Er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden und versuchte, sie aufbrechen. Das wilde Tosen der Wellen hörten wir, als stünden wir direkt am Meer.


„Wo ist Vater?“, fragte ich.
„Er…er ist draußen“, antwortete Mutter, obgleich ich merkte, dass sie nicht antworten wollte.
„Was?“, rief ich entsetzt. „Was macht er? Ich muss ihm helfen!“ Doch energisch wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, packte sie mich und zog mich an sie. „Nein, er schafft das schon“, hauchte sie verzweifelt in mein Ohr.
Erst später erfuhr ich, was Vater gemacht hatte. Er war Zimmermeister und hatte einen kleinen Schuppen, in dem bestes, zugeschnittenes Kiefernholz lagerte, das zum Bau eines neuen Lotsenhauses genutzt werden sollte. Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte.


- antwortete Mutter, obgleich ich merkte, dass sie nicht antworten wollte. – schön, dass er es bemerkt, ich als Leser bemerke nichts davon.

- Doch energisch wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, packte sie mich und zog mich an sie. - * zog mich an sie* - zog mich an sich. –Allerdings hätte mir eine Umarmung, von mir aus ein Umklammern oder Drücken besser gefallen als das.

- hauchte sie verzweifelt in mein Ohr – hauchte sie – würde mir genügen, die Verzweiflung kommt rüber und ob sie es direkt ins Ohr haucht oder nicht, ist uninteressant.

- Erst später erfuhr ich, was Vater gemacht hatte. Er war Zimmermeister und hatte einen kleinen Schuppen, in dem bestes, zugeschnittenes Kiefernholz lagerte, das zum Bau eines neuen Lotsenhauses genutzt werden sollte. Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. – Die Einleitung braucht es m. M. n. nicht.

Vater war Zimmermeister. Später erfuhr ich, dass er die im Schuppen gelagerten und für den Bau des neuen Lotsenhauses bestimmten Kieferholzbretter verwendet hatte, um eine weitere Barrikade rund um das Haus zu bauen.


- Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte. 2 x *brachte*.

Einige Zeit später, in der die jaulenden Gespenster des Windes immer und immer wieder ums Haus jagten, es schüttelten und das Donnern des Meeres immer lauter wurde, hörten wir Vater unten das Haus betreten.


Wortwiederholung: Erst später/ Einige Zeit später

Wenn so ein Orkan tobt, wie können sie dann hören, dass er das Haus betritt? Nehme ich dir so nicht ab.
- immer und immer wieder – könnte für mich raus, hat für mich etwas von Effekthascherei

„Vater!“, rief ich und wollte zu ihm, doch Mutter hielt mich wieder zurück. „Nein, ihr bleibt hier. Hier, die Lampe lasse ich euch. Ich gehe zu eurem Vater und helfe ihm.“ Ich wollte wiedersprechen, doch wusste ich, dass es besser war zu gehorchen. Ich hatte erst fast dafür gesorgt, dass sie uns nicht wiedersehen sollte und das wollte ich ihr ein weiteres Mal ersparen.
„Hannes, du bist der älteste. Pass gut auf deine Schwestern auf, hörst du?“, sagte sie und stieg hinab. Sogleich klammerten sich die beiden kleinen an mich und ich wollte alles Erdenkliche tun, um sie zu beschützen, notfalls mit dem Leben.


- „Vater!“, rief ich und wollte zu ihm – Ausrufezeichen zeigt an, dass er es ruft.

- doch wusste ich, dass es besser war zu gehorchen. – könnte für mich raus. Denn danach lieferst du ja die Erklärung.

- und ich wollte alles Erdenkliche tun, um sie zu beschützen, notfalls mit dem Leben – das kommt mir ein wenig zu plötzlich und daher unglaubwürdig dick aufgetragen. Bisher hat er sich (zumind. in diesem Teil) nicht sonderlich um seine Schwestern gesorgt. Um das (für mich!) glaubhaft zu machen, solltest du ich vorher schon besorgt zeigen, wie er z. B. sich um die Schwestern kümmert, tröstet (obwohl er selbst die Hosen voll hat) usw.

Minuten verrannen, eine Stunde verging, eine zweite. Und ich musste all meine Kraft zusammennehmen um dem Drang zu widerstehen, herunterzuklettern. Immer wieder hörte ich die Schritte und Stimmen meiner Eltern. Und immer wieder fragten mich meine Schwestern, warum unsere Eltern denn nicht heraufkämen. Und über allem Bangen und Warten brüllte und tobte der Orkan, der das Reetdach bedenklich hin- und herschwanken ließ und den Regen mit solcher Macht gegen das Haus warf, dass es nicht mehr wie das Prasseln von Regen klang, sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, das auch noch immer sein geisterhaftes, gequältes Heulen von sich gab. Und obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.


- Minuten verrannen, eine Stunde verging, eine zweite – s. o. meinen Einwand bzgl. Uhr

- Und ich musste all meine Kraft zusammennehmen um dem Drang zu widerstehen, herunterzuklettern. - *und* würde ich streichen.

- sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, - *eher* würde ich streichen.

Endlich kamen Vater und Mutter herauf. Sie hievten die wertvollsten Sachen ins Zimmer, wobei ich ihnen half. Die wertvollsten Bücher, Bilder, Kleider und alles Silberbesteck trugen sie herauf, ebenso Essen und Trinken. Und schließlich auch noch unseren Hund, unsere Katze und unsere kleine Ziege Anna. Erschöpft sanken sie zu Boden. Mein Vater war schrecklich bleich und er war klitschnass; ob nun vom Regen oder vom Schweiß, wusste ich nicht.


- Sie hievten die wertvollsten Sachen ins Zimmer, wobei ich ihnen half. – Umdrehen: Ich half ihnen, die …

- Und schließlich auch noch unseren Hund, unsere Katze und unsere kleine Ziege Anna. – Hm, die Ziege hat einen Namen/wird namentlich genannt, aber Hund und Katze nicht?

- er war klitschnass – s. o. zu *pietschnass*

- ob nun vom Regen oder vom Schweiß, wusste ich nicht. – würde ich streichen.

„Lieber Herrgott“, keuchte er schwer. „Wenn das so weitergeht, bleibt kein Stein auf dem anderen stehen.“
„Das Haus von den Wichmanns ist schon weg“, jammerte meine Mutter und klammerte sich noch fester an die Bibel.
Die Wichmanns! Ihr Sohn Georg war gestern noch beinahe im Binnensee ertrunken und sollte er nun tatsächlich…? Ich mochte nicht drüber nachdenken. Meine Schwestern begannen zu weinen, doch wir konnten sie nicht trösten…wir wussten keinen Trost.


- keuchte er schwer – gibt es auch ein *keuchte er leicht*?
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Re: 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon Joyfully » 14.01.2015, 19:12

Hallöchen Zukunftsträumer,

da ich mich schon mit dem ersten Teil deiner Geschichte beschäftigt habe, möchte ich auch auf die Fortsetzung eingehen. Auch hier schaffst du es, eine gute "Unwetterstimmung" und die nötige Dramatik aufzubauen. Du benutzt schöne und ansehliche Bilder und abgesehen von ein paar Unstimmigkeiten die inmutanka schon erwähnt hat, verhalten sich deine Charaktere wieder sehr authentisch. Man wird richtig in das Geschehen mit hinein genommen, das motiviert zum Weiterlesen.
Auch zu einigen stilistischen Dingen hat inmutanka schon Stellung bezogen und ich stimme da in allen Punkten zu. Ich glaube, dein Stil würde noch mehr gewinnen, wenn du einige Passagen kürzer, aber dafür klarer ausdrückst. Es fiel verhältnismäßig oft der Tipp, dieses und jenes wegzulassen - ist vielleicht schade, macht den Text aber viel flüssiger und somit besser lesbar. Manchmal (und beim Schreiben sogar wirklich oft) ist weniger mehr. :wink: Ich muss aber auch sagen, dass ich diesen Teil schon eindeutiger fand, von den Formulierungen her.
Andererseits merkt man auch ganz klar, dass du einen eigenen Stil hast und den sollst du dir auch nicht nehmen lassen! Wenn es eben zu deinen Texten dazu gehört, dass man an manchen Sätzen etwas "knabbern" muss und du damit für DICH einverstanden bist (denn prinzipiell schreibst du ja für niemand anderen), dann lass es so stehen. Nicht jeder (Hobby)Schriftsteller kann von sich behaupten, einen wirklich individuellen Stil zu haben, bei dir lese ich den aber ganz schön heraus und je mehr ich lese, desto mehr gefällt er mir! :2thumbs:

Ein paar Dinge im Detail:

So schnell wie ihre Füße sie tragen konnten und die Umstände es zuließen, waren sie zu unserer Rettung herbeigeeilt.

Für meinen Geschmack geht diese Rettung ein wenig zu schnell voran. Im ersten Teil baust du unglaublich viel Spannung mit der Wanderung durch das Wasser auf und endest, wenn plötzlich zwei Männer winken. Dieser Teil beginnt mit der Auflösung, dass es sich um den Vater und den Nachbarn handelt und zack - schon sitzt der Bub in der Wohnstube und wird "frottiert" (ob es nun zeitgemäß ist oder nicht, ich finde das Wort super :mrgreen: ). Kann natürlich sein, dass sich dieser Eindruck legt, wenn man die Geschichte nicht in drei Teilen, sondern am Stück liest ... aber so ist es ein wenig wie "Ich baue Spannung auf, ich baue Spannung auf, wer sind wohl diese Männer, was wollen sie nur? Haha, schon gerettet."
Ich hoffe du weißt, was ich meine. :mrgreen:

Richtiges Leben kehrte wieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte.

inmutanka hat schon erwähnt, dass "weinen" und "winseln" nicht unbedingt zu einer Mutter in jener Zeit passen und auch hier finde "meine weinende Mutter" etwas unglücklich ausgedrückt. Man stellt sich vor, dass die Frau ihr halb erfrorenes Kind unter dauerndem Schluchzen abtrocknet, dass ihr ganzes Körper durchgeschüttelt wird und sie dabei eigentlich ein traurigeres Bild abgibt als der Sohn selbst.
Das Leben kehrte wieder in meinen Körper zurück, nachdem mich meine Mutter unter mühsam zurückgehaltenen Tränen ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte.
Es ist mehr als verständlich, dass der Mutter zum Weinen zu Mute ist, aber ihrem Kind geht es wohl kaum anders und ich glaube, dass sie eher versucht, für den Sohn stark zu bleiben, als sich ihrer eigenen Trauer so ganz hemmungslos hinzugeben.
Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben.

Diese Bemerkung passt dann auch nicht wirklich zu dem Bild der Mutter aus dem vorigen Satz.

Draußen war der Wind zum Sturm geworden und alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich. Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte.

Diesen Absatz finde ich super und sehr stimmungsvoll!

Mein Vater und die anderen Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte ihm helfen

Es würde besser passen, wenn du "Ich wollte ihnen helfen" verwendest, weil es sich ja um mehrere Männer handelt, die draußen beschäftigt sind.

doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste.

1. Hier ist die Reaktion der Mutter wieder sehr glaubhaft.
2. Vielleicht liegt es daran, dass wir Zimmer mit großen Fenstern gewohnt sind, aber der Übergang von "nicht im Bett bleiben können" zu "nach draußen schauen müssen" erschließt sich mir nicht ganz.
(...) doch meine Mutter hielt mich zurück und steckte mich ins Bett. Dort konnte ich jedoch nicht bleiben, es zog mich sofort zum Fenster hin und ich stand auf, um einen besorgten Blick hinaus zu werfen.

Doch die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten und wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. Gelegentliches Hochwasser ja, aber das? Wo würde das enden? Würde es rechtzeitig enden?

Beim ersten "Und" würde ich einen neuen Satz anfangen.
Doch die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten. Wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. (...)
Der restliche Absatz ist wieder stimmig. Allgemein finde ich hier die kurzen Sätze passender, weil sie dann quasi wie die direkten Gedanken der Figur gelesen werden können.

Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus.

Auf das "und" kannst du verzichten, indem du es durch ein Komma ersetzt, das vereinfacht das Lesen.
Sein Gesicht war abgehärmt, es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus.
Für mich ist Hoffnung und Optimismus übrigens nicht dasselbe. Hoffnung ist ein Gefühl, den man auf ein bestimmtes Ereignis bezieht, Optimismus eher eine Art Lebenseinstellung, die man auf alle möglichen Ereignisse und den Umgang mit Ihnen anwendet. Ich finde "Hoffnung" hier passender. Wäre der Vater ein optimistischer Mensch, würde er versuchen, auch jetzt nicht den Glauben an einen guten Ausgang der Situation aufzugeben, aber genau das passiert. (Was ja auch sehr verständlich ist.)

„Wir haben alles erdenklich mögliche getan“

Entweder "erdenklich" oder "möglich" kannst du streichen, dann wird der Satz prägnanter und drückt genau aus, was der Vater fühlt.
"Wir haben alles uns Menschen mögliche getan" (wurde auch einen guten Kontrast zum folgenden Kommentar über Gott herstellen)
oder
"Wir haben alles Erdenkliche getan"
Dass er sich danach auf Gott beruft unterstreicht seine Verzweiflung und passt einwandfrei, auch auf den zeitlichen Rahmen.

Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke davor.

Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte zusätzlich Sandsäcke auf, um bestmöglichen Schutz zu gewährleisten.

Und wie als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: „Keine Sorge. So schlimm wird es nicht.“ Aber überzeugt klang es nicht.

"Und wie als" sind quasi drei Satzanfänge in einem, das Wörtchen "da" als Einleitung in den Nebensatz bläht auch weiter auf.
inmutankas Vorschlag zu diesem Satz finde ich gut, würde ich auch so schreiben.

ob ich überhaupt Schlaf finden würde, denn der Sturm pfiff heulend durchs Gemäuer und jede Böe schien das ganze Haus bedenklich wackeln zu lassen. Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.

Die Frage, die sich der Protagonist stellt, ist angebracht. Deine Erklärung, warum es ihm letztendlich doch gelingt, auch. Also passt alles zusammen.

Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November

Hier habe ich dasselbe Problem wie inmutanka auch. Die genaue Zeitangabe stört den Lesefluss und ich zweifle ein wenig daran, dass der Erzähler im "Herbst seines Lebens", also gute fünfzig Jahre später, noch die genauen Daten/Wochentage/Uhrzeiten weiß. Natürlich bieten Zeitangaben immer einen guten Einstieg in den neuen Satz, aber wenn man sie zu häufig und zu genau verwendet, kann der Leser schnell denken, er hätte einen Polizeibericht vor sich.
- Es war ein Dienstag, der 12. November 1872
- Später, die erste Pause war zu Ende gegangen
- An jenem Nachtmittag wurde es schon um drei dunkel
- Als ich gegen halb acht mein Licht löschte
- Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November

Hier sind alle Zeitangeben, die du innerhalb der ersten beiden Teile verwendest. Die beiden grün markierten funktionieren meiner Meinung nach sehr gut, weil du sie mit einem Ereignis verknüpfst (Ende der Pause und Eintreten der Dunkelheit). Sie haben somit eine Relevanz für die Geschichte, die anderen eher nicht. Ob der Protagonist das Licht nun um halb acht oder um halb neun löscht, ist für den Handlungsverlauf ziemlich egal, genauso, ob er um vier oder fünf wieder aufwacht. Diese beiden Zeitangaben kannst du sehr vereinfachen, in dem du die Uhrzeit einfach weglässt.
"Als ich am Abend mein Licht löschte" und "Als ich in der Nacht/früh am Morgen wieder aufwachte"
Das macht den Text gleich weniger förmlich. :wink:

Im spärlichen Licht der Öllampe sah ich, dass sie weinte und mit der anderen Hand fest ihre Bibel umschlossen hielt. „Das Wasser“, winselte sie, „das Wasser steigt immer höher und höher.“

Hier passt es gut, dass du Mutter nun wirklich weint, weil das Ausmaß der Gefahr immer realer wird. Ebenso ist das Bild mit der Bibel stimmig. Nur das "winseln" ist auch meiner Meinung nach etwas zu viel.
"Das Wasser", schluchzte sie leise, "das Wasser steigt immer höher und höher."
Natürlich kann man auch hier argumentieren, dass eine Mutter vielleicht versuchen wird, vor ihren Kindern stark zu bleiben, um diese nicht weiter einzuschüchtern. Aber nachdem nun alle Familienmitglieder einen furchtbaren Tag voller Angst und Sorge hinter sich gebracht haben, ist dieser "Schwächeanfall" sehr verständlich.

In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen und er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen und wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir draußen.

Hier kannst du prinzipiell auf beide "und" verzichten.
In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen, er brüllte vor den Fenstern und zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen. Wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir ihnen direkt gegenüber.
Hier gefällt mir außerdem, wie deutlich du die Entwicklung beschrieben hast:
Draußen war der Wind zum Sturm geworden -> In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen

So spürt der Leser die drohende Gefahr in genau dem Maße, wie sie die Protagonisten am eigenen Leib erfahren. Ganz toll! :2thumbs:

Doch energisch wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, packte sie mich und zog mich an sie. „Nein, er schafft das schon“, hauchte sie verzweifelt in mein Ohr.

Hier gibt es wieder zwei Bilder der Mutter:
Nr. 1: energisch - passt zum zeitlichen Kontext. (Das kann man natürlich auch nicht verallgemeinern, aber inmuntanka hat diesbezüglich schon recht, eine zu "weiche" Mutter hätte wohl wenig Chancen gehabt.)
Nr. 2: verzweifelt - passt zum bisherigen Bild, was du uns von der Mutter gegeben hast, nicht aber zu ihrer "energischen" Handlung.
Am besten entscheidest du dich entweder für "Mutter A" oder "Mutter B". Lass sie entweder insgesamt "energischer" sein oder komplett verzweifeln. Es liegt bei dir. :wink:
"zog mich an sie" klingt für mich auch recht unbeholfen. Wie wäre es mit "sie zog mich dicht an ihren Körper"?

bestes, zugeschnittenes Kiefernholz

Hier hast du ein Attribut ("bestes") und einen Zustand ("zugeschnittenes"). Beides direkt hinter einander liest sich ohne weitere Erklärung recht seltsam.
Wie wäre es mit "bestes, bereits zugeschnittenes Kiefernholz"? Dann kann man mit dem "zugeschnittenen" mehr anfangen.

Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte.

Hier finden sich gleich drei Dopplungen.
Er hatte schnell erkannt, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte und benutzte das gute Holz, um eine weitere Barrikade zu errichten. Wie ihm das alleine gelungen war, ist mir bis heute ein Rätsel. Ich weiß nur, dass seine Bemühungen nicht zum gewünschten Ergebnis führten.
Die Formulierung "dass es nichts brachte" ist auch relativ umgangssprachlich.

„Vater!“, rief ich und wollte zu ihm, doch Mutter hielt mich wieder zurück. „Nein, ihr bleibt hier. Hier, die Lampe lasse ich euch. Ich gehe zu eurem Vater und helfe ihm.“ Ich wollte wiedersprechen, doch wusste ich, dass es besser war zu gehorchen. Ich hatte erst fast dafür gesorgt, dass sie uns nicht wiedersehen sollte und das wollte ich ihr ein weiteres Mal ersparen.

Ich und ich und ich und ... ist dein Charakter etwa ein kleiner Egoist? :wink:
"Vater!", rief ich und wollte zu ihm, doch Mutter hielt mich zurück. "Nein, ihr bleibt hier! Ich werde zu eurem Vater gehen und ihm helfen." Beinahe hätte ich ihr wiedersprochen, aber ich wusste, dass es besser war, zu gehorchen. Durch meine Schuld hätte sie um ein Haar ihre drei Kinder verloren, das wollte ich ihr nicht noch einmal antun.
Wenn das "Ich" nicht gerade am Satzanfang steht, dann fällt es nicht so sehr auf. Eine kleine Umstellung hilft da oft schon. "Erst" und "fast" klingen ähnlich und müssen nicht doppelt vorkommen. Den Abschnitt mit der Lampe habe ich jetzt weggelassen, weil er den Lesefluss irgendwie stört, aber du kannst ja die Lampe einfach in einer Handlung der Mutter bei den Kindern lassen.
("Sie stieg die Treppen herab und lies die Lampe bei uns stehen ...")
Hier ist die Mutter übrigens wieder sehr energisch und bestimmt, das passt gut.

Und ich musste all meine Kraft zusammennehmen um dem Drang zu widerstehen, herunterzuklettern.

Das "Und" am Satzanfang finde ich hier wieder sehr ausdrucksstark.

Und immer wieder fragten mich meine Schwestern, warum unsere Eltern denn nicht heraufkämen. Und über allem Bangen und Warten brüllte und tobte der Orkan, der das Reetdach bedenklich hin- und herschwanken ließ und den Regen mit solcher Macht gegen das Haus warf, dass es nicht mehr wie das Prasseln von Regen klang, sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, das auch noch immer sein geisterhaftes, gequältes Heulen von sich gab. Und obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.

Aaaber ...zu viel des Guten ist eben manchmal zu viel. :D Der zweite Satz ist außerdem sehr lang geworden.
Immer wieder fragten meine Schwestern, wann unsere Eltern denn nun heraufkommen würden. Ich vertröstete sie mit vagen Antworten, weil ich es selbst nicht wusste, Über allem Bangen und Warten tobte der Orkan, er lies das Reetdacht bedenklich hin - und herschwanken und warf den Regen mit einer solchen Macht gegen das Haus, dass es mehr nach dem ungeduldigen Schaben eines Ungeheuers klang. Der Wind mischte sich in diese Geräuschkulisse ein, in dem er ein gequältes, nahezu geisterhaftes Heulen von sich gab. Obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.

wobei ich ihnen half

"wobei ich ihnen endlich helfen konnte" würde dem Satz noch etwas mehr Bedeutung geben. Dann hängt er nicht so sehr in der Luft herum. :wink:

Mein Vater war schrecklich bleich und er war klitschnass

Diesen Satz kannst du noch etwas eleganter formulieren, wenn du das "und" und das zweite "(er) war" weglässt. Dass er klitschnass ist, ist auch selbstverständlich bei der Wetterlage. Ich würde den Fokus mehr auf das bleiche Gesicht legen, damit deutest ja schwere Erschöpfung oder auch eine beginnende Krankheit an. Diese Tatsache ist somit viel interessanter.
Mein Vater war schrecklich bleich, jegliches Leben schien aus seinem Gesicht gewichen zu sein.

„Das Haus von den Wichmanns ist schon weg“, jammerte meine Mutter und klammerte sich noch fester an die Bibel.

Jetzt jammert sie wieder. Hmm, man könnte meinen, diese Mutter ist schizophren. Oder gibt es zwei? :wink:
"Das Haus von den Wichmanns ist schon weg", berichtete meine Mutter mit Tränen in den Augen. Dabei klammerte sie sich noch fester an die Bibel.

Ihr Sohn Georg war gestern noch beinahe im Binnensee ertrunken und sollte er nun tatsächlich…?

Was du hier ausdrücken möchtest wird wahrscheinlich klarer, wenn du Georgs Rettung betonst, und nicht den "Beinahe-Untergang".
Ihren Sohn Georg hatten wir gestern noch aus dem Binnensee retten können, und nun sollte er tatsächlich ...?


Meine Schwestern begannen zu weinen, doch wir konnten sie nicht trösten…wir wussten keinen Trost.

Hier wirken die "..." etwas fehl am Platz.
Meine Schwestern begannen zu weinen, doch wir konnten nichts dagegen tun. In dieser Stunde fiel niemanden auch nur ein einziges, tröstendes Wort ein.

Fazit:

Die Spannung aus dem ersten Teil bleibt in jedem Fall erhalten, sie steigert sich sogar. Am Ende sieht man fünf Personen auf einem Dachboden sitzen, die Eltern vollkommen durchnässt, zwei kleine Kinder, die weinen, ein Junge, der verzweifelt versucht, stark zu bleiben. Hui, da möchte wohl niemand tauschen. Wie ich schon oben erwähnt habe, finden sich in diesem Text viel weniger "Stolpersteine", er lässt sich recht flüssig lesen. Am Verhalten der Mutter könntest du noch etwas arbeiten, die Schwestern vielleicht mehr erwähnen, sie haben ja bestimmt am meisten Angst. Die Reaktionen von Johannes und dem Vater finde ich sehr gut dargestellt und auch realistisch. Der Leser will jetzt wissen, was mit dieser armen Familie passiert ... und ob du sie alle überleben lässt.
Ich bin jedenfalls gespannt!
Deine große Stärke sehe ich auf jeden Fall im Spannungsaufbau und in der Plotentwicklung. Stilistisch kann man hier und da noch etwas feiner werden, aber das übt man ja in jedem Text, in jedem Wort, in jedem Kommentar ... bleib dran!
Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen. :wink:

Viele liebe Grüße,
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the man who never reads lives only one.
- George R.R. Martin
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Re: 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 14.01.2015, 21:29

Guten Abend inmutanka!

Vielen Dank für die Mühe und die Zeit, die du für meine Geschichte gemacht geopfert hast. :curtsey:

Als ich mir deinen Kommentar durchgelesen habe, war ich anfangs doch ein wenig...naja...geschockt. Da liest man rüber und liest man rüber und dann gibt es doch so viel, was man bemängeln kann. In einigen Punkten stimme ich dir auch zu, bin noch am Überlegen, ob die Zustimmung in der Mehrheit ist, in anderen wiederum nicht oder bin ich mir nicht schlüssig. Einige Dinge, die du angemerkt hast, kann ich wiederum nicht nachvollziehen...tja, das liegt wohl am jeweiligen Verständnis des Menschen. Gott sei Dank sind wir ja alle unterschiedlich!

inmutanka hat geschrieben:*übers* = Umgangssprache,


Die Umgangssprache ist überwiegend so gewollt. Denn nicht ich bin es, der da schreibt. Das ist ein Zeitzeuge, oder wie joyfully so schön erklärt hat, ein Mann ohne schriftstellerische Ambitionen. Zur Erklärung: Teil 1. :mrgreen:

inmutanka hat geschrieben:Frage: Klar gab es damals schon Uhren. Was mich wundert ist jedoch die ganzen genauen Zeitangaben. Ich denke, ein normaler Haushalt hatte eine Wand-/Standuhr in der guten Stube. Ansonsten schaute man auf die Kirchturm-/Rathausuhr, oder? Aber so wie heute, wo jeder eine Armbanduhr bzw. einen Wecker neben dem Bett stehen hat und in jedem Zimmer in irgendeiner Form die Uhrzeit abgelesen werden kann, dürfte es nicht gewesen sein. Daher: Woher weiß er also so genau die Uhrzeit?


Diese Angaben habe ich aus einem zeitgenössischen Bericht bezogen, in dem der Erzähler dies genauso wiedergibt. Die einzige Erklärung wäre, dass derjenige und so auch mein Prota später vielleicht mal seine Eltern gefragt hat, wie spät es zu jenem Zeitpunkt war und vielleicht erinnerte sich und er schrieb es so nieder.

inmutanka hat geschrieben:- keuchte er schwer – gibt es auch ein *keuchte er leicht*?


Also ich keuchte sehr schwer, nachdem ich mich durch deinen Kommentar gearbeitet hatte... :ill:

Aber Danke!


Hallo joyfully!

Vielen Dank, dass du dir auch in diesem Teil wieder die Arbeit gemacht hast und mir "treu" geblieben bist. :mrgreen:

Joyfully hat geschrieben:Auch zu einigen stilistischen Dingen hat inmutanka schon Stellung bezogen und ich stimme da in allen Punkten zu. Ich glaube, dein Stil würde noch mehr gewinnen, wenn du einige Passagen kürzer, aber dafür klarer ausdrückst. Es fiel verhältnismäßig oft der Tipp, dieses und jenes wegzulassen - ist vielleicht schade, macht den Text aber viel flüssiger und somit besser lesbar. Manchmal (und beim Schreiben sogar wirklich oft) ist weniger mehr. Ich muss aber auch sagen, dass ich diesen Teil schon eindeutiger fand, von den Formulierungen her. Andererseits merkt man auch ganz klar, dass du einen eigenen Stil hast und den sollst du dir auch nicht nehmen lassen! Wenn es eben zu deinen Texten dazu gehört, dass man an manchen Sätzen etwas "knabbern" muss und du damit für DICH einverstanden bist (denn prinzipiell schreibst du ja für niemand anderen), dann lass es so stehen. Nicht jeder (Hobby)Schriftsteller kann von sich behaupten, einen wirklich individuellen Stil zu haben, bei dir lese ich den aber ganz schön heraus und je mehr ich lese, desto mehr gefällt er mir!


Behaupte ich auch nicht. Wenn ich auch zugebe, dass meine Art vom Schreiben für andere nicht ganz einfach ist. Das haben mir schon andere hier bestätigt. Dabei habe ich mich hier in dieser Geschichte doch recht arg zurückhalten, sonst hätte ich für das bisher Erzählte nicht zwei Teile gebraucht sondern wahrscheinlich acht! :oops: Was das angeht, bin ich schon auf dem Weg der Besserung, wenn es auch sehr schwierig ist, von seinem, wie du sagst "Stil" loszukommen.


Joyfully hat geschrieben:Für meinen Geschmack geht diese Rettung ein wenig zu schnell voran.


Das habe ich mir gedacht, nachdem ich gelesen hatte, wie deine Anspannung am Ende des ersten Teils anstieg. Da sagte ich mir schon: oje, da wird einer aber enttäuscht sein. :XD:

Ich werde den Text wohl ohnehin nochmal überarbeiten müssen und auch die Mutter muss ich mir wohl noch mal vornehmen...

Vielen Dank nochmals!

Liebe Grüße

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Re: 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon inmutanka » 15.01.2015, 09:13

Sorry für den Schock.

Bzgl. Umgangssprache: Wenn der Prota in Umgangssprache erzählt, dann darfst du das nicht (in diesem Teil) an 3 - 4 Wörter festmachen. Dann müssen mehr auftauchen, eventl. auch Ausdrücke aus dieser Zeit.

Bzgl. Uhrzeit: Auch mit deiner Erklärung ist es für mich nicht stimmig. 1872 + einfacher Zimmermann = da hängt nicht in jedem Raum eine Uhr. Selbst wenn du die Daten aus irgendwelchen alten Berichten hast, sind sie für die Story irrelevant, weil du ja aus Hannes Sicht schreibst. (m. M.)

LG
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Re: 13. November 1872 (Teil 2/3)

Beitragvon Akirai » 02.08.2015, 16:12

Zukunftsträumer hat geschrieben:Die zwei Männer waren mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen gewesen kann weg ;). So schnell sie konnten?wie ihre Füße sie tragen konnten und die Umstände es zuließen, waren sie zu unserer Rettung herbeigeeilt. [color=#0000BF]ach, woher wissen sie denn, dass die Kinder dort sind und nicht auf dem Damm?[/color]Und es war wohl ihrer großen Angst um uns zuzuschreiben, dass es in dem Moment und auch später nie Ärger wegen unseren Leichtsinnes gegeben hatte. den Satz verstehe ich nicht ... O.o

Richtiges Leben kehrte erstwieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte. Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben.
Draußen war der Wind zum Sturm geworden und alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich. Dazu hatte es so stark zu regnen stürmen? Dann vermeidest du die "Regen" Dopplungbegonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte.
Mein Vater und die anderen Männer der Siedlung waren damit beschäftigt, alles sturmfest zu machen. Ich wollte ihm helfen, doch meine Mutter hielt mich zurück, steckte mich ins Bett, in dem ich aber nicht bleiben konnte und immer wieder nach draußen schauen musste. Es war erschreckend mit anzusehen, mit welcher Macht das Meer draußen gegen die Steinmole prallte und wie hoch die Gischte spritzte. Doch Wieso doch?die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten und wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. Gelegentliches Hochwasser ja, aber das? Wo würde das enden? Würde es rechtzeitig enden?

An jenem Nachtmittag wurde es schon um drei dunkel, gut eine Stunde eher als sonst. Mit dem Einbruch der Dunkelheit nacht?kam auch Vater nach Haus. Er war pitschnass, Den anfang würde ich weglassendas Wasser lief nur so an ihm herab. Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus. und sein Blick sorgenvoll?
„Wir haben alles erdenklich mögliche entweder alles Erdenkliche oder alles Mögliche :wink: getan“, sagte er beim Abendbrot. „Der Rest liegt allein in Gottes Hand.“
Bevor wir zu Bett gingen, verbarrikadierte er noch unsere Haustüren mit einem gewaltigen Holzbalken und schob Sandsäcke davor?. Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke davor. Scheinbar ging er vom Schlimmsten aus, was mir Angst einflößte. Und wie als sähe scheinbar sah erer in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: „Keine Sorge. So schlimm wird es nicht.“ Aber überzeugt klang es nicht.

Als ich gegen halb acht mein Licht löschte, hatte ich meine Zweifel, ob ich überhaupt Schlaf finden würde, denn der Sturm pfiff heulend durchs Gemäuer Haus?und jede Böe schien das ganze Haus bedenklich wackeln zu lassen. Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.

Es war gegen vier Uhr am Morgen des 13. November, als der Esel nennt sich immer zuerst :P :lol: ich und meine Schwestern, mit denen ich im Dachgeschoss ein Zimmer teilte, von unserer Mutter geweckt wurden. Im spärlichen Licht der Öllampe sah ich, dass sie weinte und mit der anderen Hand fest ihre Bibel umschlossen hielt. „Das Wasser“, winselte sie, „das Wasser steigt immer höher und höher.“
In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen und er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen und wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir draußen.
„Wo ist Vater?“, fragte ich.
„Er…er ist draußen“, antwortete Mutter, obgleich ich merkte, dass sie nicht antworten wollte.
„Was?“, rief ich entsetzt. „Was macht er? Ich muss ihm helfen!“ Doch energisch wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, packte sie mich und zog mich an sie. „Nein, er schafft das schon“, hauchte sie verzweifelt in mein Ohr.
Erst später erfuhr ich, was Vater gemacht hatte. Er war Zimmermeister und hatte einen kleinen Schuppen, in dem bestes, zugeschnittenes Kiefernholz lagerte, das zum Bau eines neuen Lotsenhauses genutzt werden sollte. Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte.
Einige Zeit später, in der die jaulenden Gespenster des Windes immer und immer wieder ums Haus jagten, es schüttelten und das Donnern des Meeres immer lauter wurde, hörten wir Vater unten das Haus betreten.
„Vater!“, rief ich und wollte zu ihm, doch Mutter hielt mich wieder zurück. „Nein, ihr bleibt hier. Hier, die Lampe lasse ich euch. Ich gehe zu eurem Vater und helfe ihm.“ Ich wollte wiedersprechen, doch wusste ichich kann weg, dass es besser war komma zu gehorchen. Ich hatte erst fast dafür gesorgt, dass sie uns nicht wiedersehen sollte und das wollte ich ihr ein weiteres Mal ersparen. weeeg mit dem Satz, mich stört er :mrgreen:
„Hannes, du bist der älteste. Pass gut auf deine Schwestern auf, hörst du?“, sagte sie und stieg hinab. Sogleich klammerten sich die beiden kleinen an mich und ich wollte alles Erdenkliche tun, um sie zu beschützen, notfalls mit dem Leben.
Minuten verrannen, eine Stunde verging, eine zweite. Und ich musste all meine Kraft zusammennehmen um dem Drang zu widerstehen, herunterzuklettern. Immer wieder hörte ich die Schritte und Stimmen meiner Eltern. Und immer wieder fragten mich meine Schwestern, warum unsere Eltern denn nicht heraufkämen. Und über allem Bangen und Warten brüllte und tobte der Orkan, der das Reetdach bedenklich hin- und herschwanken ließ und den Regen mit solcher Macht gegen das Haus warf, dass es nicht mehr wie das Prasseln von Regen klang, sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, das auch noch immer sein geisterhaftes, gequältes Heulen von sich gab. Und obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.

Endlich kamen Vater und Mutter herauf. Sie hievten die wertvollsten Sachen ins Zimmer, wobei ich ihnen half. Die wertvollsten Bücher, Bilder, Kleider und alles Silberbesteck trugen sie herauf, ebenso Essen und Trinken. Und schließlich auch noch unseren Hund, unsere Katze und unsere kleine Ziege Anna. Erschöpft sanken sie zu Boden. Mein Vater war schrecklich bleich und er war klitschnass; ob nun vom Regen oder vom Schweiß, wusste ich nicht.
„Lieber Herrgott“, keuchte er schwer. „Wenn das so weitergeht, bleibt kein Stein auf dem anderen stehen.“
„Das Haus von den Wichmanns ist schon weg“, jammerte meine Mutter und klammerte sich noch fester an die Bibel.
Die Wichmanns! Ihr Sohn Georg war gestern noch beinahe im Binnensee ertrunken und sollte er nun tatsächlich…? Ich mochte nicht drüber nachdenken. Meine Schwestern begannen zu weinen, doch wir konnten sie nicht trösten…wir wussten keinen Trost.



Ok, Fazit: Raus mit den Schachtelsätzen und den "und" Anfängen, außerdem doppelst du ab und an unbeabsichtigt. Aber ich finds spannend und fast schon schade, dass ich teil 3 jetzt schon kenne :mrgreen:

LG
Aki
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