[Histo]13. November 1872 (Teil 3/3)

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[Histo]13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 18.01.2015, 14:40

Lange Zeit verharrten wir in dem Zimmer. Vater stieg immer wieder hinab um die gesicherten Bereiche des Hauses zu begutachten. Schon seit Längerem war ein dumpfes Stampfen zu hören, das immer näher zu kommen schien. Es mischte sich mehr und mehr mit dem gewaltigen Brausen des Meeres.

Die Zeit verstrich. Der Morgen musste bereits nahen, doch es wurde nicht heller. Es war ohnehin dunkel, da die Fenster alle dichtgenagelt waren. Dennoch merkte man, dass kein Anzeichen der Dämmerung auszumachen war. Mit wenig Hunger mühten wir uns damit ab, das Frühstück runterzubekommen. Mutter hatte dabei auch die Ziege gemolken, sodass es wenigstens frische Milch gab.
Draußen war das Stampfen immer lauter und bedrohlicher geworden, erklang einem in den Ohren wie die gewaltige Trommel im Orchester der Naturgewalten, in dem der Sturm der Dirigent war. Ein dumpfer Schlag gegen das Haus, das in seinen Grundmauern bedenklich wackelte, ließ uns alle zusammenfahren. Da! Ein weiteres Mal! Vater stieg wieder hinab, erneut ging ein Ruck durch das Haus und uns selbst.
Plötzlich sprang Vater die Stufen wieder herauf, sein Gesicht vor Panik verzerrt: „Los! Alle Mann rauf auf den Boden! Schnell!“
Noch ehe wir fragen konnten, was denn vorgefallen sei, hörten wir, wie mit lautem Getöse die Fenster zerbarsten und die Tür eingedrückt wurde. Holz knackte, knirschte und brach, Glas klirrte, irgendwas fiel dumpf zu Boden. Dann wurde alles übertönt von dem Lärm der reißenden Wassermassen, die gurgelnd und wild um sich schlagend ins Haus einfielen und den gesamten Flur überfluteten. Eine neue Welle brach herein und spülte sogar bis zu uns hinauf. Mit wild schlagenden Herzen eilten wir die Leiter zum Boden empor, das Weinen der Kleinen wurde noch lauter und auch ich konnte mich meiner Tränen nicht erwehren.
Nun hockten wir auf dem viel zu kleinen Boden mit den Tieren und zwei Broten. Alles andere hatten wir in der Eile zurücklassen müssen. Ich schaute ungläubig zu, wie das Wasser das Zimmer unter sich begrub und nun förmlich die Leiter emporgeklettert kam.
„Hier sind wir nicht sicher“, meinte meine Mutter und begann zu beten.
„Werden wir sterben?“, fragte Lisa, die jüngste Schwester. Niemand vermochte darauf eine Antwort zu geben.
Die Zeit verrann elendig langsam. Mutter redete währenddessen beruhigend auf die Kleinen ein, ohne dabei immer wieder von Neuem ein Gebet anzustimmen. Vater fischte aus den unter uns weilenden Fluten, die, Gott sei Dank, aufhörten zu steigen, meine eigene Bibel heraus. Immer wieder wurden schwere Teile, schwimmende Holzbanken und anderes gegen das Mauerwerk geworfen, das komplette Haus wankte hin und her, drohte zusammenzufallen. Plötzlich schrie Mutter auf, wir alle fürchteten, dass unser Ende nahte, als mit lautem Getöse der Schornstein vom Dach gerissen wurde, Ziegelsteine mit lautem Gepolter herniederfielen und ein großes klaffendes Loch ins Dach gerissen geworden war.
„Schnell, wir müssen es flicken, sonst reißt uns der Sturm das ganze Dach weg!“, rief mein Vater und ich half ihm, das Loch notdürftig mit Decken und Säcken zu stopfen. Eine gewaltige Kälte drang herein und das Pfeifen des Windes hallte schmerzend in meinen Ohren wieder. Es schneite nun sogar und als wir fertig waren, zitterte ich am ganzen Leib. Wir drängten zusammen, um uns gegenseitig zu wärmen, während unser Hund immer wieder gegen den Orkan anbellte…

Nie werde ich die Stunden vergessen, diese unerträglich langen Stunden, in denen wir auf dem Boden ausharrten. Diese grässlichen Geräusche hören mussten. Alles um uns rumorte, wackelte, klirrte, schepperte, ächzte, gluckerte, plätscherte. Ein Mal donnerte ein Brecher mit solcher Gewalt gegen das Gemäuer, dass wir dachten, es wäre vorbei. Insgesamt, so glaube ich heute, hatte ich in jenen Stunden mindestens ein dutzend Mal mit dem Leben abgeschlossen. Trotz all des guten Zuredens von Seiten unseres Vaters.
Wie ein Wunder ließ im Laufe der Stunde der Sturm nach. Und ganz plötzlich war alles ruhig. Kein Heulen, keinen Pfeifen vom Wind, kein Prasseln von Regen. Nur das Gluckern des Wassers, das noch in unserem Haus war, ertönte und das immer noch leise Wimmern meiner Schwestern. Als mein Vater die Säcke und Decken aus dem Loch im Dach entfernte, stellten wir überrascht fest, dass es bereits dunkel war und über uns der dunkelblaue Nachthimmel thronte. Seine Sterne funkelten so herrlich und auch der kreidebleiche, fast volle Mond strahlte uns so unschuldig an, als wäre nie etwas gewesen.

Später am Morgen, nachdem wir noch ein wenig Schlaf gefunden hatten, wurden wir von Ide Tönnesen und dem Lotsenknecht von unserem Boden geholt. Das Wasser hatte sich schnell zurückgezogen. Der Morgen war so friedlich, der Himmel strahlte im hellsten Blau, keine Wolken waren zu sehen und die Sonne lachte auf uns herab. Das Meer lag so ruhig und im tiefsten, schönsten Blau gefärbt da, dass man kaum glauben konnte, was wir in den letzten Stunden erlebt hatten und die See wie ein wildes, reißendes Tier in unser Haus eindringen sahen, das bereit war, uns zu verschlingen.
Unser Haus, sowie fast alle unserer kleinen Siedlung, war eine einzige Ruine. Die Mauern waren dermaßen eingedrückt, das wohl nur eine einzige große Welle gereicht hätte, um es einstürzen zu lassen. Wundersamerweise war aber keiner von uns Bewohnern, somit auch nicht der kleine Georg, in den reißenden Fluten umgekommen. Dafür war so gut wie das gesamte Vieh ertrunken. Unser Kornspeicher, Vaters Werkstatt und fast alle Möbel waren weg. Wir standen vor dem Nichts. Und selbst die Holzbrücke, die vom Land zur Tiefe hinüberführte war weg. Nur noch die Pfosten erinnerten an ihr einstiges Bestehen.
„Es ist schlimm, das stimmt“, sagte mein Vater. „Die Hauptsache ist aber, dass uns nichts passiert ist.“
Er lachte, ja, er lachte, obwohl er alles verloren hatte, womit er Geld verdiente. Und doch lachte er. Sein Lächeln ließ auch meine Trauer verschwinden und einer Zuversicht weichen. Und wir gingen zu ihm und umarmten uns alle.
Wir hatten das Schlimmste erlebt, was einem widerfahren konnte. Wir waren dem grausigen Tod um Haaresbreite entkommen, hatten dafür alles andere verloren. Doch das lag nun hinter uns und unser Blick ging nach vorne in die Zukunft.
„Es ist vorbei…“, sagte ich erleichtert.



Hier schließe ich nun mein Bericht und mahne dich an, werter Leser! Denke nie, dass der Mensch über allem Herr werden kann. Die Natur wird niemand zähmen können. Und wenn…ja, wenn es uns doch gelingen sollte…dann würden wir damit unseren eigenen Untergang besiegeln. Denn schrieb nicht schon einst Theodor Fontane: Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand? Und wäre es nicht der größte Tand, an die Natur Hand anzulegen?
Wer weiß…

Das Sturmhochwasser in der Ostsee im November 1872 überspülte rund ein Drittel der Insel Fehmarn, machte mehrere Hektar Land für immer unbrauchbar und nahm 56 Hektar mit sich. In den Fluten ertrank ein erheblicher Teil des nützlichen Viehs, auch Menschenleben waren zu beklagen (genaue Anzahl unbekannt). Der höchste Wasserstand wurde bei 3,49 über NormalNull (NN) gemessen, der Schaden belief sich auf knapp eine Million Mark. Die in der Geschichte erwähnte „Tiefe“ (später Alte Tiefe genannt) wurde verlassen und eine neue Siedlung erbaut, die heute den Namen Neue Tiefe trägt.
Das größte bekannte Sturmhochwasser kostete im deutschen Ostseegebiet knapp 300 Menschen das Leben, an die 15000 Menschen wurden obdachlos und mehr als 2500 Gebäude zerstört.

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Re: 13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon beatrice » 01.06.2015, 17:03

Hallo Zukunftsträumer,
ich habe eben deine drei Teile am Stück gelesen und versuche mich jetzt mal an einem Kommentar :wink:


Zuerst einmal ein paar allgemeine Dinge, die mir aufgefallen sind:

Dein Text ist hervorragend recherchiert, realitätsnah und spannend. Es hat mir Spaß gemacht ihn zu lesen und zu kommentieren. Auch finde ich deinen Aufbau sehr gelungen, die persönliche Geschichte von Hannes, hat mich gut nachempfinden lassen, wie sich das damals zugetragen hat. Deine Anregung mit Fontane's Zitat hat mich zum Nachdenken gebracht. Am Ende noch die Fakten präsentiert zu bekommen, fand ich hilfreich und es hat mein Interesse geweckt. Auch schreibst du anschaulich und kraftvoll, insbesondere bei den Unwetterszenen. Ich konnte förmlich den Salzgeschmack des Meeres auf der Zunge schmecken und den Sturm heulen hören. Alle Dialoge sind realistisch, authentisch und verleihen dem Text Spannung! Es hat wirklich Spaß gemacht ihn zu lesen.

Insbesondere im ersten Teil ist mir aufgefallen, dass du sehr viele Schachtelsätze verwendet hast. So gut es geht, habe ich versucht, Verbesserungsvorschläge und Alternativen zu finden. Häufig fängst du die Sätze auch mit "doch" oder "und" an, auch dafür habe ich versucht Alternativen zu finden. Im ersten Teil wechselst du außerdem häufiger von der personalen Perspektive von Hannes in die "wir" Form. Meiner Meinung nach nimmt das dem Text die persönliche Note. Das "wir" kannst du durchaus ein paar Mal einsetzen, schließlich interagiert gerade am Anfang eine Gruppe von Kindern und alle tun mehr oder weniger dasselbe. Zu den Stellen, an denen es mich ein wenig gestört hat und auch aus dem Text herausgebracht hat, habe ich dir unten genauere Erläuterungen gegeben. Als letztes ist mir noch aufgefallen, dass du an zwei Stellen Zusammenfassungenbzw Erklärungen des Geschehens verwendest. Die erste fand ich sehr passend, bei der zweiten war ich mir nicht sicher. Bei beiden Malen wurde die Spannung aus dem Text genommen, jedoch sehe ich auch, dass das gut zu deiner Zeitzeugenerzählung passt. Schließlich ist es nicht nötig, alles bis ins Detail auszuführen, da der Erzähler sich schließlich "erinnert".

Aber nun genug der Allgemeinheiten, ich gehe mal ins Detail!


Den Titel finde ich schlicht und passend, alternativ könnte ich mir aber auch einen Bezug zum Unwetter/Hochwasser vorstellen, da das ja, wie du am Ende geschrieben hast, das größte bekannte Sturmhochwasser im deutschen Ostseegebiet war!


Es war ein Dienstag, der 12. November 1872, an dem das Unglück seinen Lauf nahm.


Ich würde an dieser Stelle noch gar nichts vom Unwetter sagen, im ersten Satz sind die Leser sowieso gespannt auf die Geschichte, meiner Meinung nach geht eher etwas an Spannung verloren, wenn der Leser bereits jetzt von einem Unglück erzählt bekommt.

Schon an jenem Morgen, wo alles noch düster war, pfiff der Wind barsch um uns herum und immer wieder prasselten Regentropfen, eiskalt und spitz wie Nadeln, in unsere Gesichter,das[s] wir unsere Schals enger um uns schlangen.


Ich glaube, du kannst "wo alles noch düster war" aus dem Text streichen, denn das bläht den Satz nur unnötig auf. Dass der Wind barsch pfeift, erzeugt bereits Spannung! Auch würde ich den Schachtelsatz auftrennen, das "und" herausstreichen und stattdessen einen neuen Satz mit "immer" beginnen. Das Fettgedruckte gefällt mir sehr gut! Ich kann mir richtig vorstellen, wie sehr die Tropfen auf der Haut schmerzen. Mein Vorschlag:
     Schon an jenem Morgen pfiff der Wind barsch um uns herum. Immer wieder prasselten      Regentropfen, eiskalt und spitz wie Nadeln, in unsere Gesichter, dass wir unsere Schals enger um      uns schlangen.


Und wir waren ausnahmsweise froh, als wir die Schule erreicht hatten.


Anstatt mit "und" anzufangen, würde ich den Satz umstellen:
     Ausnahmsweise waren wir froh, als wir die Schule erreicht hatten.

Später, die erste Pause war zu Ende gegangen, in der sich keiner bei dem Hundewetter draußen zu vergnügen wusste, da betrat der alte Herr Schloen, unser Klassenlehrer, mit besorgter Miene das Klassenzimmer.


Irgendetwas stört mich an diesem Satzbau. Ich würde die Sätze trennen. Mit meiner Verbesserung bin ich auch nicht ganz zufrieden, aber ich hoffe, ich kann dir eine Anregung geben:

     Da sich keiner bei dem Hundewetter draußen zu vergnügen wusste, war die erste Pause wenig      ereignisreich zu Ende gegangen. Unser Klassenlehrer, Herr Schloen, betrat mit besorgter Miene das Zimmer.


Schneller als sonst legte sich der Tumult, denn jeder sah, dass irgendwas Arges im Raum lag.


Der Satz gefällt mir, allerdings benutzt du zweimal das Wort "liegen", besser: dass irgendwas Arges im Raum "stand" oder "schwebte".

„Liebe Kinder“, begann der Lehrer und ergriff energisch das Revers seines Jacketts. [,]„Aufgrund der momentanen Wetterlage sehe ich mich gezwungen, in Absprache mit meinen Kollegen, euch Schüler von der Tiefe zu euren Eltern nach Hause zu schicken.“


Anstatt dem Punkt müsste da ein Komma stehen.
Ich habe mir überlegt, dass du "In Absprache mit meinen Kollegen" sogar herauslassen könntest, sonst wird der Satz wieder schachtelig. Ich weiß nicht, ob jemand das so sagen würde.

Drei Jungs von der Tiefe ließen einen zu lauten Jubel von sich hören. Aber auch ich stand der Nachricht nicht abgeneigt gegenüber.


Das gefällt mir gut, denn es baut Spannung auf!
Den zweite Satz könntest du entweder durch Komma an den ersten hängen, denn es ist ein Nebensatz. Genauso gut, kannst du das aber auch so lassen, um seine Meinung zu betonen.

„Ja, ja, freut euch nur“, entgegnete Herr Schloen sichtlich verärgert.[,] „Es geschieht nur zu eurem Besten. Packt eure Sachen und seht zu, dass ihr verschwindet. Und schlagt den Weg über den Damm am Strand ein, denn es wurde gemeldet, dass mit Hochwasser zu rechnen ist.


Wieder anstatt dem Punkt ein Komma. Auf mich wirkt der Lehrer, als wünsche er den Kindern Böses(packt eure Sachen und verschwindet), und ist nicht nur verärgert. Vielleicht könntest du das Gesagte abändern:

"Das Unwetter ist schlimmer, als ihr glaubt. Es wurde gemeldet, dass mit Hochwasser zu rechnen ist. Seht zu, dass ihr heil nach Hause kommt und schlagt den Weg über den Damm am Strand ein. "

Eiligst packten wir unsere Sachen und verließen unter den neidischen und auch bösen Blicken der anderen den Raum. Ich hörte gerade noch, wie Herr Schloen das Thema „Geometrie“ ansprach. Erleichtert atmete ich aus, denn ich hasste Geometrie und alles, was mit Zahlen zu tun hatte.
Doch als wir hinaus traten in den eisigen Wind und es wieder zu regnen begann, da [u]wich die Euphorie und missmutig traten wir den Heimweg an.[/u]


Das Fettgedruckte gefällt mir sehr gut, dieser Einblick in seine Überlegungen. Geometrie eignet sich hervorragend dazu zu zeigen, dass er froh ist, nach Hause zu gehen.

Mich gefällt im unterstrichenen Teil die "doch-da" Konstruktion nicht und ich glaube, dass "verflog" treffender ist, als "wich". Alternative:
     Doch im eisigen Wind und Regen, verflog die Euphorie und so traten wir missmutig den Heimweg an.
oder auch
     Doch als wir in den eisigen Wind hinaustraten und es wieder zu regnen begann, verflog die Euphorie und...

„He wo willst du denn hin?“, fragte mich Friedrich, der älteste von uns, als ich den Weg zum Strand einschlagen wollte.
„Na, zum Strandwall. Du hast doch gehört, was der alte Schloen gesagt hat.“
Doch Friedrich winkte ab. „Ach, der alte Hasenfuß. Der Weg ist viel zu weit und vor allem so schrecklich uneben. Wir nehmen den normalen Weg über Sahrensdorf und die Wiesen. Der ist kürzer und leichter.“
„Ja, aber…“
Doch er war schon losgegangen und alle zogen mit ihm.


Schöne Dialogpassage, kann mir vorstellen, dass sie wirklich so miteinander reden! Sehr realistisch! Das letzte "doch" würde ich ersetzen:
     Er fackelte nicht und war schon losgegangen, alle zogen mit.
oder
     Aber er war schon losgegangen und alle zogen mit.
oder
     Alle zogen mit, denn er war schon losgegangen.
oder
     Als er losging, zogen alle mit.

Nur meine Schwestern waren geblieben und schauten mich fragend an. Und was blieb mir anderes übrig, als mitzugehen?


Ich würde das "und" weglassen und nur schreiben:
      Was blieb mir Anderes übrig, als mitzugehen?
Hier wird "Anderes" groß geschrieben.

So zogen wir stumm quer durch die Felder.
Und auch wenn die Dörfer nicht weit auseinanderlagen, so schien der Weg nicht kürzer zu werden. Immerhin hatten wir das Glück, das [s]der Wind uns von hinten in den Rücken blies und uns voranschob. Doch die Kälte, die er mit sich brachte war dennoch schlimm genug.


Anstatt dem "stumm", das hier meiner Meinung mit dem "quer" ein wenig holprig klingt, würde ich schreiben:
     So zogen wir quer durch die Felder, ohne ein Wort zueinander zu sagen.

Statt "und auch wenn" würde ich "obwohl" schreiben.
     Obwohl die Dörfer nicht weit auseinanderlagen, schien der Weg nicht kürzer zu werden.

Doch die Kälte, die er mit sich brachte war dennoch schlimm genug.


Mir gefällt die "doch-dennoch" Konstruktion nicht so gut, ich würde einfach das "dennoch" nach vorne setzen.
     Dennoch war die Kälte, die er mit sich brachte, schlimm genug.

Wir waren alle froh, als wir den Schutz des Dorfes erreicht hatten. Auf den Straßen erblickten wir niemanden[,] außer einem Huhn, das wohl irgendwo ausgebüxt war. Hinter einigen Fenstern sah ich besorgte Blicke von den Bewohnern.


Das Fettgedruckte spricht mich an. Schön, wie du die Ruhe vor dem Sturm beschreibst und ein bisschen gruselig, nur ein Huhn zu sehen.

Da ich an der Stelle "besorgte Blicke von den Bewohnern" irgendwie kurz im Lesen stoppen musste, würde ich entweder schreiben:

     Bewohner mit besorgten Mienen
oder
     wie die Bewohner besorgte Blicke wechselten

Friedrich wollte eine Pause machen, ehe wir den letzten Abschnitt des Heimwegs bewältigen wollten, doch diesmal stellte ich mich quer und trieb alle zum Weiterziehen an. Zu meiner Freude stimmten mir auch alle zu. So verließen wir wieder das Dorf und steuerten auf den Binnensee zu.


Ich würde hier den Konjunktiv verwenden:
     bewältigten
Das wieder würde ich hinter "das Dorf" stellen:

     das Dorf wieder

Mir ist aufgefallen, dass du in den Sätzen zuvor "zu" schon zweimal benutzt hast. Auch wenn mir das Verb "steuerten" sehr gut gefällt, wäre vielleicht das eine Alternative:

     und folgten der Straße in Richtung Binnensee.

„Verdammt, was ist denn hier los?“, fluchte der kleine Karl-Matthäus neben mir. Wir hatten die seichte Kurve, die den See vom Dorf her verdeckte, hinter uns gelassen und erstarrten alle, als wir sahen, dass der Weg komplett überflutet war.


Ich finde, der zweite Satz ist sehr lang. Vielleicht kannst du ihn auftrennen. Eine mögliche Version wäre:

     Die seichte Kurve, die den See vom Dorf her verdeckte, lag hinter uns. Anstelle des Weges      schwappte uns das Wasser entgegen. Als wir das sahen, erstarrten wir.
Gerne kannst du aber auch lassen, dass der Weg komplett überflutet war! Das war nur ein wenig Ausprobieren von meiner Seite :wink:


Das Wasser, das in den letzten Tagen so verdächtig niedrig geblieben war, hatte sich nun mit aller Wucht in den Binnensee geworfen und ihn über die Ufer treten lassen. Der Weg war verschwunden und nur noch das Reet lugte wie lange, dürre Arme heraus und bog sich im Wind.


Im ersten Satz habe ich versucht, die "dass" Konstruktion aufzulösen, aber auch dein Satz ist völlig in Ordnung. Was dir besser gefällt!
     In den letzten Tagen war der Pegel verdächtig niedrig geblieben, aber jetzt hatte sich das Wasser      mit aller Wucht in den Binnensee geworfen und ihn über die Ufer treten lassen.

Dann ist mir aufgefallen, dass du von dem Reet schreibst, aber von mehreren Armen. Vielleicht wäre es besser "das Reet" nur mit einem Arm zu vergleichen, auch finde ich "dürr" besitzt schon viel Ausdruck in sich, sodass du "lang" als Beschreibung nicht mehr brauchst.

     Vor uns war der Weg verschwunden, nur noch das Reet lugte wie ein dürrer Arm heraus und bog      sich im Wind.

Selbst von der kleinen Kohlhofinsel war nicht mehr viel zu sehen. Aber dahinter erblickten wir endlich die wenigen Häuser der Tiefe und die Brücke, die hinüberführte.


Hier würde ich noch das "aber" ersetzen, damit hast du dann einen geeigneten Anfang für einen Haupstatz:

     Selbst von der kleinen Kohlhofinsel war nicht mehr viel zu sehen. Erst dahinter erblickten wir      endlich die wenigen Häuser der Tiefe und die Brücke, die hinüberführte.

„Wir hätten doch über den Wall gehen sollen“, schimpfte ich und deutete nach links zum Damm hinüber. Er war nicht weit weg, aber das Wasser versperrte uns den Weg. „Und was machen wir jetzt?“, fragte ich Friedrich.
„Warum glotzt ihr mich alle so an?“, war seine ratlose Antwort.
„Den ganzen Weg zurückzugehen ist sinnlos“, sagte ich und überlegte.


Ich persönlich schreibe gerne mit wenigen Adjektiven, daher könnte man das "ratlos" meiner Meinung nach auch weglassen. Aber das ist wirklich persönlicher Geschmack!

Und die Lösung, die ich hatte, war sicherlich nicht die schlaueste, aber die einfachste. Ich und noch vier waren die größten und wir beschlossen die kleinsten von uns auf die Schultern zu nehmen und den Rest an der Hand mit uns zu führen und durchs Wasser zu waten um die Straße, die zu unserer Siedlung führte, zu erreichen.


Ich denke, das kannst du verkürzen zu "Meine Lösung".

die Schlaueste, die Einfachste, beides wird groß geschrieben

Im ersten Moment hat mir diese Konstruktion nicht ganz so gut gefallen, denn es ist wieder ein relativ komplizierter Satz, daher mein Vorschlag:
     Die Größten unter uns, ich und noch weitere vier, beschlossen die Kleinsten auf die Schultern zu      nehmen und den Rest an der Hand mit uns zu führen, um das andere Ufer zu erreichen.

Ich finde aber man könnte durchaus sagen "Ich und noch vier waren die Größten". Es ist schließlich eine Erzählung, vielleicht redet der Erzähler ganz einfach so.

Das Wasser war anfangs nicht so hoch, wie ich erwartet hatte. Es ging uns „nur“ bis zur Hüfte. Doch es war kalt und wir verloren schnell jegliches Gefühl in unseren Beinen, was das Vorwärtskommen zusätzlich zum Strom des Wassers erschwerte. Dazu kam noch, dass meine Schwester auf Dauer nicht so leicht war, wie sie aussah.


Hier hat es mich ein wenig gestört, dass du die "wir"-Form verwendest. Gerade in diesem Moment hast du die Möglichkeit Hannes' persönliche Sichtweise zu nutzen, um den Wahnsinn dieser Situation zu verdeutlichen.
In meinem Verbesserungsvorschlag habe ich die Sätze gekürzt, außerdem die ersten beiden zusammengefügt, das "nur" zeigt schließlich bereits seine Erwartungshaltung, die Anführungszeichen benötigst du gar nicht. Ich habe versucht alle inhaltlichen Aspekte miteinzubeziehen:

     Anfangs ging mir das Wasser nur bis zur Hüfte, aber die Kälte drang bis in die Knochen. Gegen      den Strom zu laufen, erschwerte das Vorwärtskommen. Zu schnell verlor ich jegliches Gefühl in      meinen Beinen. Dazu kam noch, dass meine Schwester auf Dauer nicht so leicht war, wie sie      aussah.

„Ich hab Angst“, wimmerte sie auf meinen Schultern.
„Brauchst du nicht“, erwiderte ich und hatte Mühe, nicht mit den Zähnen zu klappern.


Diese Passage hat mich sehr berührt! Ich konnte mich in ihn hineinversetzen und habe mitgelitten!

Doch was wir da taten, war irrsinnig. Der Wind wurde stärker und trieb die Wellen immer höher uns entgegen.


Gerade bei diesem Satz ist mir aufgefallen, dass du das Wort "doch" sehr oft als Satzanfang verwendest. Meiner Meinung ist der Satz an sich bereits wirkungsvoll. So könntest du das doch einfach herauslassen:
"Was wir taten, war irrsinnig."

Hier ist das "uns" an der falschen Stelle, es müsste heißen:
Der Wind wurde stärker und trieb uns die Wellen immer höher entgegen.

Meine Schwester kreischte auf, als der kleine Georg plötzlich von einer Welle gepackt wurde und unterging. Mit lautem Kreischen kam er zwar wieder zum Vorschein, doch er war durch und durch nass und sein bitterliches Weinen tönte uns in den Ohren.


Toller, emotionaler Moment!

Du verwendest allerdings zweimal Kreischen, außerdem das Wort "doch". Ich denke, du könntest schreiben:
     Zwar kam er wieder zum Vorschein, aber er war durch und durch nass und sein bitterliches      Weinen tönte uns in den Ohren.

oder anstatt "uns" das persönlichere "mir" schreiben, um wieder zu Hannes' Perspektive zurückzukehren.
     sein bitterliches Weinen tönte mir in den Ohren.

eventuell könntest du auch "tönte" mit "schmerzte" ersetzen


Und auch meine Kräfte ließen merklich nach und wieder war es so, dass der Weg immer weiter als kürzer wurde. Meine Schritte wurden kürzer und langsamer, die Kälte kroch meinen Körper empor, lähmte ihn mehr und mehr. Jegliches Gefühl stumpfte ab. Ich begann meine Umgebung auszublenden und mich nur noch aufs Gehen zu konzentrieren. Es konnte doch nicht mehr weit sein.



Ich empfinde "und auch meine Kräfte....bis....kürzer wurde" als Wiederholung, aber du kannst es auch drinnen lassen, vielleicht hilft es, tiefer in die emotionale Lage von Hannes einzutauchen.

Zum Fettgedruckten: Schön! Ich kann mich super in ihn hineinversetzen!

„Komm, Johannes, wir müssen weiter“, rief Friedrich zu mir herüber. „Es ist nicht mehr weit.


Der Dialog ist gut, allerdings nutzt du im ersten Satz bereits weiter und im darauffolgenden Abschnitt erneut weiter. So wirkt das "weit" auf mich wie eine Wiederholung. Vielleicht passt ein: " Wir haben es fast geschafft." ?

„Ja, ja“, antwortete ich geistesabwesend und holte im Schritt weiter aus, verlor dabei fast das Gleichgewicht und wenn ich gefallen und ins Wasser gestürzt wäre, dann wäre es wohl aus gewesen. Doch ich blieb auf den Beinen und mühte mich weiter, nur den brüllenden Wind in den Ohren. So merkte ich auch als letzter, dass alle stehengeblieben waren und zum Damm schauten, auf dem zwei Männer standen und uns zuwinkten und zuriefen.


Herrlicher Spannungshöhepunkt!

Das unterstrichene "weiter" könntest du sogar herausnehmen. Der Satz wirkt allein schon durch das Verb "ausholen".
Die "und"-Verknüpfung brauchst du meiner Meinung nach gar nicht, du kannst einfach einen Punkt setzen und mit "Wenn" den neuen Satz beginnen.
"Letzter" wird groß geschrieben.


Die zwei Männer waren mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen gewesen. So schnell wie ihre Füße sie tragen konnten und die Umstände es zuließen, waren sie zu unserer Rettung herbeigeeilt. Und es war wohl ihrer großen Angst um uns zuzuschreiben, dass es in dem Moment und auch später nie Ärger wegen unseren Leichtsinnes gegeben hatte.


Den ersten und den zweiten Satz könntest du verbinden, ich denke, durch den Zusammenhang kommt es gut heraus, dass sie die beiden Männer auf dem Damm sind. So müsstest du das nicht noch extra erklären. In diesem Moment fällt die vorher aufgebaute Spannung sehr schnell ab, auf der anderen Seite passt das gut zu deiner Erzählform. Wie ich das verstanden habe, ist es der Bericht des Zeitzeugen Johannes, sodass erklärende und zusammenfassende Abschnitte zum Text gehören. Ich würde allerdings im zweiten Satz nicht mit "und" anfangen, sondern einfach mit dem nächsten Wort "es". Meiner Meinung nach ist das stilistisch schöner. Mein Vorschlag daher:

     Mein Vater und unser Nachbar Ide Tönnesen waren so schnell ihre Füße sie tragen konnten und      die Umstände es zuließen zu unserer Rettung herbeigeeilt. Es war wohl ihrer großen Angst      zuzuschreiben, dass es in dem Moment und auch später nie Ärger wegen unseres Leichtsinns      gegeben hatte.

Richtiges Leben kehrte wieder in meinen Körper, nachdem mich meine weinende Mutter ordentlich frottiert und in trockene Sachen gesteckt hatte. Es war ihr anzusehen, dass sie uns dreien am liebsten die Leviten gelesen hätte, doch sie war viel zu glücklich darüber, uns heil wiederbekommen zu haben.
Draußen war der Wind zum Sturm geworden und alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er noch weiter an Kraft gewinnen würde. Mit wütendem Grollen und schrillem Pfeifen fegte er über uns hinweg und trieb das Wasser immer wilder vor sich her, dass die See einem einzigen Weiß voller emporgeschleuderter Schaumkronen glich.


Starker Absatz, das Unwetter ist toll beschrieben, ich kann förmlich spüren, wie der Wind durch mein Zimmer fegt! Insbesondere das Fettgedruckte hat mich mitgerissen!

Dazu hatte es so stark zu regnen begonnen, dass der Regen, in den sich auch noch Graupel mischte, wie ein wild hin- und her gerissener Vorhang übers Land wehte und jegliche klare Sicht verhinderte.


Der Satz ist sehr lang, vielleicht wäre anstatt "wild hin-und her gerisssener", "aufgebauschter" oder "aufgeblähter" verkürzend und trotzdem treffend?

Doch die Mole konnte das Wasser nicht aufhalten und wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben. Nie zuvor hatte ich das gesehen. Gelegentliches Hochwasser ja, aber das? Wo würde das enden? Würde es rechtzeitig enden?


Hier nutzt du erneut das Wort "doch". Eine Alternative wäre vielleicht
Irgendwann konnte die Mole das Wasser nicht mehr aufhalten. Wie ein hungriges Monster schoben sich die Wellen in den See und hatten auch bald den nahen Strand unter sich begraben.

Zum Fettgedruckten: Hat mir gefallen, dass du Fragen einsetzt. Sie bauen zusätzlich Spannung auf.
Mit dem Einbruch der Dunkelheit kam auch Vater nach Haus.


Schreibst du absichtlich "nach Haus", um es authentischer zu machen, weil das die Art des Erzählers ist zu sprechen? Dann würde ich es so lassen. Ansonsten würde ich "nach Hause" schreiben.

Sein Gesicht war abgehärmt und es zeugte nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus.


Unter "abgehärmt"kann ich mir leider nichts Konkretes vorstellen. Es ist vermutlich Geschmackssache, aber ich habe beim Lesen sehr gerne ein Bild vor Augen. Irgendwie gelingt es mir aber nicht, den Vater in dieser Situation zu visualisieren. "Nicht gerade von Hoffnung oder Optimismus" erscheint mir als ein wenig zu schwach dargestellt, für seine Stimmung.

Vielleicht ist sein Gesicht von Sorgenfalten durchzogen? Oder er lässt vor Erschöpfung die Schultern hängen? In den Abschnitten vorher nutzt du tolle Beschreibungen für das Unwetter und die gesamte Szenerie, vielleicht fällt dir hierzu auch noch etwas ein?

Bevor wir zu Bett gingen, verbarrikadierte er noch unsere Haustüren. Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke davor.


Hier musste ich ein wenig überlegen, was denn als Alternative für das Zweite "davor" herhalten könnte.

     Er schob jeweils einen gewaltigen Holzbalken davor und stapelte Sandsäcke an der Innenseite      hoch.


Scheinbar ging er vom Schlimmsten aus, was mir Angst einflößte.


Gefällt mir gut! Wieder ein Einblick in Johannes' Eindrücke, der die Spannung steigert.

Und wie als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, da kam er zu mir und sagte lächelnd: „Keine Sorge. So schlimm wird es nicht.“ Aber überzeugt klang es nicht.


Diesen Satz würde ich vereinfachen zu:

     Als sähe er in meinem Gesicht die Furcht, kam er zu mir und versicherte mir:

Doch die Erschöpfung angesichts des Tages und seiner Ereignisse war zu groß, um sie ohne Schlaf durchstehen zu können. Und ehe ich mich versah, war ich eingeschlafen.


Du nutzt zweimal das Wort "Schlaf". Ich persönlich würde im zweiten Satz "eingeschlafen" durch "eingeschlummert" oder "eingenickt" ersetzen. Inhaltlich mag ich diese Zeilen sehr! Kann ich nur allzu gut nachempfinden!

In der Tat war der Sturm zu einem Orkan herangewachsen und er brüllte vor den Fenstern, zerrte an den Läden, als wolle er sie mit aller Gewalt aufbrechen und wir hörten das wilde Tosen der Wellen, als stünden wir draußen.


Anstatt die Hauptsätze aneinander zu reihen und den Satz sehr lang werden zu lassen, könntest du die beiden "und" hinausstreichen, Punkte setzen und aus dem einen Satz drei Sätze machen.

Erst später erfuhr ich, was Vater gemacht hatte. Er war Zimmermeister und hatte einen kleinen Schuppen, in dem bestes, zugeschnittenes Kiefernholz lagerte, das zum Bau eines neuen Lotsenhauses genutzt werden sollte. Doch als er gesehen hatte, dass der bisherige Schutz nicht ausreichte, hatte er das Holz genommen und verbaute es als weitere Barrikade rund um das Haus. Wie er das alleine fertigbrachte, weiß ich bis heute noch nicht. Ich weiß nur, dass es nichts brachte.


Dieser Abschnitt hat mich aus dem Lesefluss herausgebracht. Ich denke die Information, dass der Vater Tischler ist und was er jetzt während des Sturms macht, ist wichtig, vielleicht könnte man sie aber auch häppchenweise einbauen. Oder anstatt das Ganze zu erklären, könnte man ebenso beschreiben, wie der Sturm sosehr an dem Haus rüttelt, dass Sandsäcke und Holzbarren nicht mehr ausreichen. Das könnte entweder eine Überlegung von Hannes sein, oder vielleicht könnte man es in einen Dialog mit der Mutter einbauen. Oder anstatt Hannes erklären zu lassen, dass er die Information erst später erfährt, könntest du den Leser die Information zu einem späteren Zeitpunkt direkt mit Hannes erfahren lassen. Ich könnte ir vorstellen, dass das direkt im nächsten Abschnitt gut passt, wenn die Mutter dem Vater zu Hilfe kommt. Den Dialog könntest du weiter ausbauen.
An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, was die beste Lösung ist. Mich persönlich hat der Rückblick ein wenig herausgekickt. Wenn du das trotzdem so lassen möchtest, finde ich, ist das auf der anderen Seite durch die Erzählform begründbar und wie ich schon erwähnt hatte, zusammenfassende und erklärende Abschnitte passen ja auch zu deiner Textgattung.

„Hannes, du bist der älteste. Pass gut auf deine Schwestern auf, hörst d
u?"

Der "Älteste" wird groß geschrieben.

Und über allem Bangen und Warten brüllte und tobte der Orkan, der das Reetdach bedenklich hin- und herschwanken ließ und [*,]den Regen mit solcher Macht gegen das Haus warf, dass es nicht mehr wie das Prasseln von Regen klang, sondern eher wie das widerwärtige Schaben eines Ungeheuers, das auch noch immer sein geisterhaftes, gequältes Heulen von sich gab.


Ich würde die beiden "und" und das "auch noch immer" streichen. Ich glaube sie sind gar nicht nötig. Obwohl das ein sehr langer Satz ist, finde ich, dass er dir gelungen ist. Er ist anschaulich und mir gefällt insbesondere deine Beschreibung vom "widerwärtigen Schaben eines Ungeheuers".

Und obwohl ich mir nichts anmerken lassen und mutig sein wollte, zitterte ich am ganzen Körper.


Auch hier würde ich einfach mit "Obwohl" beginnen.

Die wertvollsten Bücher, Bilder, Kleider und alles Silberbesteck trugen sie herauf, ebenso Essen und Trinken.


Im Satz davor benutzt du schon das Wort wertvoll. Ich denke, du könntest einfach schreiben:
Bücher, Bilder, Kleider und alles Silberbesteck

Und schließlich auch noch unseren Hund, unsere Katze und unsere kleine Ziege Anna.


Hier genauso, das "und" könntest du wegstreichen und mit "Schließlich anfangen. Sehr putzig, dass die Ziege einen Namen hat!

Mein Vater war schrecklich bleich und er war klitschnass;


Da man weiß, dass es um den Vater geht, könntest du "er war" direkt streichen.

„Wenn das so weitergeht, bleibt kein Stein auf dem anderen stehen.“


Anderen wird groß geschrieben.

Ich hatte den Eindruck, dass der zweite Teil leichter zu lesen war, als der Erste. Du hast weniger Schachtelsätze verwendet. Mir fiel es leicht, sich in die Situation hineinzuversetzen, du hast Spannung aufgebaut, durch deine Wortwahl hast du es geschafft mich zu fesseln, in die Geschichte hineinzuziehen und ich konnte das Meersalz auf der Zunge spüren und den Sturm heulen hören! Hat sehr viel Spaß gemacht das zu lesen!

Der Morgen musste bereits nahen, doch es wurde nicht heller. Es war ohnehin dunkel, da die Fenster alle dichtgenagelt waren.


Das Wort dichtgenagelt ist mir nicht bekannt. Meintest du abgedichtet oder zugenagelt?

Draußen war das Stampfen immer lauter und bedrohlicher geworden, erklang einem in den Ohren[,] wie die[eine] gewaltige Trommel im Orchester der Naturgewalten, in dem der Sturm der Dirigent war.


Hier bin ich mir leider selbst nicht sicher mit den Zeiten. Ich würde aber "wurde das Stampfen immer lauter" schreiben.

als mit lautem Getöse der Schornstein vom Dach gerissen wurde, Ziegelsteine mit lautem Gepolter herniederfielen und ein großes klaffendes Loch ins Dach gerissen geworden war.


Getöse und Gepolter sind bereits eindrucksvolle Substantive, die das Adjektiv "lauter" gar nicht mehr nötig haben. Mein zweiter Verbesserungsvorschlag ist Geschmackssache. Ich würde anstatt "herniederfielen" "herunterfielen" schreiben. Auch bei diesem Mal bin ich mir unsicher mit den Zeiten, würde aber "entstand" schreiben.

dass wir dachten, es wäre vorbei.


Hier hatte ich kurz den Eindruck, dass der Sturm vorbei wäre. Wäre "aus" nicht das treffendere Wort?

keinen Pfeifen vom Wind, kein Prasseln von Regen.


Sicherlich hast du dich vertippt, es sollte "kein" Pfeifen heißen.

Seine Sterne funkelten so herrlich und auch der kreidebleiche, fast volle Mond strahlte uns so unschuldig an, als wäre nie etwas gewesen.


Ich würde das "so" streichen.

Später am Morgen, nachdem wir noch ein wenig Schlaf gefunden hatten, wurden wir von Ide Tönnesen und dem Lotsenknecht von unserem Boden geholt.


Kurz zuvor schreibst du noch von der Nacht. Ich würde den Satz umstellen:

Nachdem wir noch ein wenig Schlaf gefunden hatten, wurden wir schließlich am Morgen von Ide Tönnesen...

Das Wasser hatte sich schnell zurückgezogen.


Vielleicht "bereits"? Das schnell ist in Ordnung, wäre aber passender, wenn er gesehen hätte, wie sich das Wasser zurückzieht. So wie ich das verstanden habe, war das Wasser allerdings gar nicht mehr da.

der Himmel strahlte im hellsten Blau, keine Wolken waren zu sehen und die Sonne lachte auf uns herab. Das Meer lag so ruhig und im tiefsten, schönsten Blau gefärbt da,


Da du zweimal das Wort "blau" verwendest, würde ich beim ersten Mal nur schreiben:
     der Himmel strahlte, keine Wolken waren zu sehen...
so vermeidest du die Wiederholung.

was wir in den letzten Stunden erlebt hatten und die See wie ein wildes, reißendes Tier in unser Haus eindringen sahen, das bereit war, uns zu verschlingen.


Das ist zwar eine tolle und anschauliche Beschreibung, inhaltlich jedoch eine Wiederholung. Ich denke es reicht aus, zu schreiben
     was wir in den letzten Stunden erlebt hatten

Tolle Moral am Ende, dieser Einschub gefällt mir gut und hat mich zum Nachdenken angeregt! Ist auch ein schöner Schluss. Dass du dann noch die Fakten anbringst finde ich sehr interessant! Ein spannendes Thema, das du da gewählt hast! Wie kamst du auf die Idee? Schreibst du öfter historisch-fundierte Texte? Mir hat es sehr viel Freude bereitet, deinen Text zu lesen, ich fand ihn inhaltlich logisch und auch spannend. Dass ich dazu ein wenig Hintergrundwissen erhalten habe, freut mich auch!

Ich bin sehr gespannt, was du sonst noch so schreibst!

Liebe Grüße,
Bea

PS: Und entschuldige die Rechtschreibfehler und Editorfehler! Ich hab nochmal drübergeschaut, bin mir aber sicher, dass ich welche übersehen habe! Das ist mein allererster Kommentar in der Schreibwerkstatt, hoffe du nimmst es mir nicht übel! :oops: :wink:
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Re: 13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 09.06.2015, 21:44

Hallo, Beatrice!


Erst mal herzlich Willkommen in der Schreibwerkstatt, ich wünsche dir viel Spaß hier bei uns und dass die Arbeit dich weiterbringen möge.

Auch vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hatte die Geschichte gar nicht mehr wirklich auf dem Radar, hatte auch nicht mehr damit gerechnet, dass sich da noch jemand zu melden würde. Für einen Neuling wie dich war er natürlich ein gefundenes Fressen. Denn wo lässt es sich besser kommentieren als bei einer Geschichte, die scheinbar kein anderer eines Kommentares für würdig hält. Vielen Dank also, du hast meine Selbstzweifelt ein wenig gelindert. :D
Und Respekt, dass du alle drei Teile auf einmal kommentiert hast. :2thumbs:

beatrice hat geschrieben:Insbesondere im ersten Teil ist mir aufgefallen, dass du sehr viele Schachtelsätze verwendet hast.


Jaja, das alte Lied! :roll:

beatrice hat geschrieben:Tolle Moral am Ende, dieser Einschub gefällt mir gut und hat mich zum Nachdenken angeregt!


Das sollte er auch. :wink:

beatrice hat geschrieben:Wie kamst du auf die Idee?


Wie du vielleicht an meinem Profil ja bereits gesehen hast, wohne ich ja an dem Ort des Geschehens. Und da ich nichts mehr liebe, als wenn der Sturm meine Haare zerzaust und ich das Meer mit aller Wucht sich am Strand brechen sehe, habe ich beides miteinander verbunden. Aus demselben Grund habe ich das Thema auch in der achten Klasse als Thema meines Referats ausgewählt. Auch wollte ich ein wenig darauf aufmerksam machen, dass die Natur das Meer nicht nur zu Schandtaten an der Nordseeküsten anstiften kann, sondern auch bei uns. Auch in der "geschützten" Ostsee. Es war also ein kleines "Hallo-Wach!" meinerseits.

beatrice hat geschrieben:Schreibst du öfter historisch-fundierte Texte?


Sagen wir's mal so: ich habe es öfters mal versucht. Das hier ist aber der erste Text, den ich in der Richtung veröffentlicht habe. Nicht nur hier, sondern überhaupt.

beatrice hat geschrieben:Ich bin sehr gespannt, was du sonst noch so schreibst!


Ich weiß nicht, ob darauf wirklich gespannt sein sollte. :mrgreen:

beatrice hat geschrieben:PS: Und entschuldige die Rechtschreibfehler und Editorfehler! Ich hab nochmal drübergeschaut, bin mir aber sicher, dass ich welche übersehen habe! Das ist mein allererster Kommentar in der Schreibwerkstatt, hoffe du nimmst es mir nicht übel!


Ach was, kenne ich nur zu gut. Man liest drüber und noch einmal und trotzdem ist es nicht perfekt. Das hast du an meinem Text ja auch mehrmals feststellen dürfen.

beatrice hat geschrieben:Liebe Grüße,Bea


Liebe Grüße zurück und nochmals vielen Dank für deine Mühe!

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Re: 13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Yorinde » 29.06.2015, 14:08

Hallo Zukunftsträumer!
Auch wenn der letzte Kommentar schon zwanzig Tage her ist, wollte ich auch noch ein paar Anmerkungen zu deinem Text dalassen.
Vorweg: Ich habe nur den dritten Teil gelesen, aber dachte mir, ich kommentiere trotzdem, denn mir ist dabei etwas interessantes aufgefallen. Denn gesetz dem Fall, die würdest deine Geschichte als Dreiteiler veröffentlichen und jemand liest nur den dritten Teil... Egal. :-)

Zukunftsträumer hat geschrieben:Schon seit Längerem war ein dumpfes Stampfen zu hören, das immer näher zu kommen schien.


Aha, dachte ich, da verbarrikatiert sich eine Familie in einem Haus vor der herannahenden Front. Weit gefehlt.

Zukunftsträumer hat geschrieben:Dann wurde alles übertönt von dem Lärm der reißenden Wassermassen, die gurgelnd und wild um sich schlagend ins Haus einfielen und den gesamten Flur überfluteten.


Ein Lob an die Atmosphäre, die du im ersten Absatz geschaffen hast! Ich dachte wirklich, da rollt ein Kriegsheer auf ein kleines Dorf zu, am Ende war es aber "nur" eine Flut und diese bricht mit eben dieser Kraft einer Armee über die Menschen herein. Gut geschrieben!

Ein paar kleine Gedanken noch zur einen oder anderen Formulierung:

Zukunftsträumer hat geschrieben:da die Fenster alle dichtgenagelt waren.


Mir persönlich würde "vernagelt" statt "dichtgenagelt" besser gefallen.

Zukunftsträumer hat geschrieben:Mit wenig Hunger mühten wir uns damit ab, das Frühstück runterzubekommen. Mutter hatte dabei auch die Ziege gemolken, sodass es wenigstens frische Milch gab.


Hat die Mutter während des Frühstücks die Ziege gemolken? Denn so klingt es. Wenn sie die Ziege schon vorher gemolken hat, stört das "dabei". Wenn die Mutter während des Essens melkt, ist alles ok.:-)

Zukunftsträumer hat geschrieben:Als mein Vater die Säcke und Decken aus dem Loch im Dach entfernte, stellten wir überrascht fest, dass es bereits dunkel war und über uns der dunkelblaue Nachthimmel thronte.


Wortwiederholung "dunkel" - ich würde den Satz etwas einkürzen:
Als mein Vater die Säcke und Decken aus dem Loch im Dach entfernte, stellten wir überrascht fest, dass über uns bereits der dunkelblaue Nachthimmel thronte.

Zukunftsträumer hat geschrieben:Unser Haus, sowie fast alle unserer kleinen Siedlung, war eine einzige Ruine.


Unter einer Ruine stelle ich mir eigentlich etwas anderes vor. Das Dach ist ja (fast) intakt geblieben und alle Wände stehen - noch. Wahrscheinlich unbewohnbar, aber in meiner Vorstellung hat eine Ruine zumindest kein Dach mehr.

Zukunftsträumer hat geschrieben:Unser Kornspeicher, Vaters Werkstatt und fast alle Möbel waren weg.


Kornspeicher und Werkstatt sind weg - total nachvollziehbar. Wohin aber sind die Möbel verschwunden, wenn alle vier Wände noch intakt sind? Kleinmöbel können sicher aus dem Fenster gerissen werden, wohl kaum ein Kleiderschrank, ein Herd oder ein Ehebett. Dass die Möbel zerstört sind, wäre hier wohl einleuchtender.

Alles in allem ein gelungener Text, keine groben Schnitzer, ordentliche Grammatik. Dein Ausdruck und dein flüssiger Schreibstil gefallen mir gut. Viel Erfolg weiterhin! :-)
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Re: 13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 10.07.2015, 13:04

Hallo, Yorinde!

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Yorinde hat geschrieben:Auch wenn der letzte Kommentar schon zwanzig Tage her ist, wollte ich auch noch ein paar Anmerkungen zu deinem Text dalassen.


Das ist doch egal, wie lange der her ist, solange etwas dabei ist, was mir hilft! :mrgreen:
Und außerdem: Zeit ist relativ!

Yorinde hat geschrieben:Aha, dachte ich, da verbarrikatiert sich eine Familie in einem Haus vor der herannahenden Front. Weit gefehlt.


Tja, das kommt davon, wenn man "nur" den dritten Teil liest. Hat oftmals seinen Grund, warum man von einer Geschichte mehrere Teile reinstellt, oder?

Yorinde hat geschrieben:Als mein Vater die Säcke und Decken aus dem Loch im Dach entfernte, stellten wir überrascht fest, dass über uns bereits der dunkelblaue Nachthimmel thronte.


Sehr schön! Übernehme ich!

Yorinde hat geschrieben:Wohin aber sind die Möbel verschwunden, wenn alle vier Wände noch intakt sind? Kleinmöbel können sicher aus dem Fenster gerissen werden, wohl kaum ein Kleiderschrank, ein Herd oder ein Ehebett. Dass die Möbel zerstört sind, wäre hier wohl einleuchtender.


Ja, das war wirklich unglücklich geschrieben. Das bringt mich aber wieder zu dem, was ich am Anfang geschrieben habe. Wenn bei einem Kommentar etwas dabei ist, was einem weiterhilft, dann ist es völlig egal, wie "spät" er kommt. Und dass du mir diesen peinliche Fehler nach "so" langer Zeit noch vor die Augen geführt hast, ist mehr als hilfreich! :D

Also, wie gesagt, vielen Dank dafür und einen schönen Tag noch!

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Re: 13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Akirai » 02.08.2015, 15:53

Und ich bin hängen geblieben. :mrgreen:

Hallo Zukunftsträumer!

Dann lass ich mich von dir mal ins Jahr 1872 entführen. Gerade gehe ich so die mir bekannten Schlachten im Kopf durch, aber spontan fällt mir nichts ein - ich bin neugierig. Und gespannt 8)
Ich gehe beim Lesen immer so vor: Ich zitiere den ganzen Abschnitt und schreibe direkt und unverfälscht in deinen Text, was mich an welcher Stelle stört. Du sitzt sozusagen mit in meinem Kopf und liest mit :lol: Ich hoffe, ich kann dir behilflich sein!

Zukunftsträumer hat geschrieben:Lange Zeit verharrten verharren kenn ich nur bei Bewegungen ... aber in einem Zimmer? Hm... wir in dem Zimmer. Vater stieg immer wieder hinab um die gesicherten Bereiche des Hauses zu begutachten überprüfen? Begutachten klingt so, als würde er ihnen einen Qualitätsstempel verpassen :mrgreen: . Schon seit Längerem war ein dumpfes Stampfen zu hören, das immer näher zu kommen schien. Es mischte sich mehr und mehr mit dem gewaltigen Brausen des Meeres. Ich bin gespannt. Worum geht es gerade?

Die Zeit verstrich. Der Morgen musste bereits nahen, doch es wurde nicht heller. Es war ohnehin dunkel, da die Fenster alle dichtgenagelt waren. dann macht der Satz keinen Sinn :lol: . Bzw. es klingt so, als hättest du dich als Autor gerade eben korrigiert - den Eindruck würde ich nicht erwecken wollen. Dennoch merkte man, dass kein Anzeichen der Dämmerung auszumachen war. Mit wenig Hunger mühten wir uns damit ab, das Frühstück runterzubekommen. Hier hätte ich gerne eine Beschreibung des Zimmers. Mutter hatte dabei auch die Ziege gemolken, sodass es wenigstens frische Milch gab.
Draußen war das Stampfen immer lauter und bedrohlicher geworden, erklang einem in den Ohren wie die gewaltige Trommel im Orchester der Naturgewalten, in dem der Sturm der Dirigent war. geile Beschreibung!Ein dumpfer Schlag gegen das Haus, das in seinen Grundmauern bedenklich wackelte, ließ uns alle zusammenfahren. Da! Ein weiteres Mal! Vater stieg wieder hinab, erneut ging ein Ruck durch das Haus und uns selbst. Bomben? Kanonen? O_O
Plötzlich sprang Vater die Stufen wieder herauf, sein Gesicht vor Panik verzerrt: „Los! Alle Mann rauf auf den BodenDachboden? :mrgreen: Denn normalerweise würde man "runter auf den Boden" und "rauf aufs Dach" erwarten, du mischst aber beiden und das wirkt unbeabsichtigt lustig :mrgreen: ! Schnell!“
Noch ehe wir fragen konnten, was denn vorgefallen sei, hörten wir, wie mit lautem Getöse die Fenster zerbarsten und die Tür eingedrückt wurde. Sie kommen!!! Holz knackte, knirschte und brach, Glas klirrte, irgendwas fiel dumpf zu Boden. Dann wurde alles übertönt von dem Lärm der reißenden Wassermassen, die gurgelnd und wild um sich schlagend ins Haus einfielen und den gesamten Flur nur den Flur? In meiner vorstellung ist die unterste Etage schon halb versunken. Und was war jetzt das Stampfen? Doch keine Kanone? :? überfluteten. Eine neue Welle brach herein und spülte sogar bis zu uns hinauf. Mit wild schlagenden Herzen eilten wir die Leiter zum Boden empor, das Weinen der Kleinen wurde noch lauter und auch ich konnte mich meiner Tränen nicht erwehren. Also spätestens jetzt ärgert es mich, dass du nichts vom Zimmer, der dort verharrendne Familie und der Ziege geschrieben hast. Das würde ich unbedingt vorher einbauen!
Nun hockten wir auf dem viel zu kleinen Boden mit den Tieren und zwei Broten. Alles andere hatten wir in der Eile zurücklassen müssen. Ich denke mir, dass die eigentlich die ganze Zeit schon auf gepackten Kisten saßen. Und dann nur zwei Brote? Schlechte Vorbereitung, wenn die Flut praktisch schon seit Stunden an der Haustür klopft. Ich schaute ungläubig zu, wie das Wasser das Zimmer die erste Etage? unter sich begrub und nun förmlich würde ich weglassendie Leiter emporgeklettert kam emporkletterte?.
„Hier sind wir nicht sicher“, meinte keuchte, wimmerte, flehte, stöhnte, wisperte - aber nicht "meine" :mrgreen: meine Mutter und begann zu beten.
„Werden wir sterben?“, fragte Lisa, die jüngste Schwester. Lass mich in ihre großen, vor Schreck geweiteten Augen blicken! (ergo: ein bisschen mehr "Angst"-Beschreibung darf ruhig sein :wink: Niemand vermochte darauf eine Antwort zu geben.
Die Zeit verrann elendig langsam. Mutter redete währenddessen beruhigend auf die Kleinen ein, ohne ohne? ... Den Satz verstehe ich nicht ... du willst mir doch sagen, sie beruhigt die Kinder und im nächsten Moment betet sie wieder panisch, oder?dabei immer wieder von Neuem ein Gebet anzustimmen. Vater fischte aus den unter uns weilenden Fluten, die, Gott sei Dank, aufhörten zu steigen, meine eigene doppelt gemoppeltBibel heraus. Immer wieder wurden schwere Teile, schwimmende Holzbanken und anderes gegen das Mauerwerk geworfen, das komplette Haus wankte hin und her, drohte zusammenzufallen. Plötzlich schrie Mutter auf, wir alle fürchteten, dass unser Ende nahte, als mit lautem Getöse der Schornstein vom Dach gerissen wurde, Ziegelsteine mit lautem Gepolter herniederfielen und ein großes klaffendes Loch ins Dach gerissen geworden war.ich würde daraus kürzere Sätze machen und das "plötzlich" an den wegfliegenden Schornstein hängen. Denn erst fliegt der Schornstein plötzlich weg und dann schreit Mutter auf :wink:
„Schnell, wir müssen es flicken, sonst reißt uns der Sturm das ganze Dach weg!“, rief mein Vater und ich half ihm, das Loch notdürftig mit Decken und Säcken zu stopfen fliegt das nicht auch alles wieder weg?. Eine gewaltige Kälte drang herein und das Pfeifen des Windes hallte schmerzend in meinen Ohren wieder. Es schneite nun sogar und als wir fertig waren, zitterte ich am ganzen Leib. Wir drängten zusammen, um uns gegenseitig zu wärmen, während unser Hund immer wieder gegen den Orkan anbellte…

Nie werde ich die Stunden vergessen, diese unerträglich langen Stunden, in denen wir auf dem Boden ausharrten. Diese grässlichen Geräusche hören mussten. Alles um uns rumorte, wackelte, klirrte, schepperte, ächzte, gluckerte, plätscherte. würde ich umdrehen: erst süßes plätschern, dann donnerndes brausen und gurgeln, am Ende rumoren und wackeln. (also halt eine Art Klimax, denn mit "plätschern" verniedlichst du alles in meinen Augen Ein Mal donnerte ein Brecher mit solcher Gewalt gegen das Gemäuer Gemäuer für mich = hässliches altes gruseliges Haus. Absicht? :mrgreen: , dass wir dachten, es wäre vorbei. Insgesamt, so glaube ich heute, hatte ich in jenen Stunden mindestens ein dutzend Mal mit dem Leben abgeschlossen. Trotz all des guten Zuredens von Seiten unseres Vaters und der Mutter 8) .
Wie ein Wunder ließ im Laufe der Stunde vorhin dauerte es noch Stunden! :Oder Sturm nach . Und ganz plötzlich war alles ruhig. Kein Heulen, keinen Pfeifen vom Wind, kein Prasseln von Regen. Nur das Gluckern des Wassers, das noch in unserem Haus war, ertönte ein Gong ertönt. Aber gluckern? dringt vielleicht bis nach oben?und das immer noch leise Wimmern meiner Schwestern. Als mein Vater die Säcke und Decken aus dem Loch im Dach entfernte, stellten wir überrascht fest, dass es bereits dunkel war ab hier Punkt, der Rest ist doppelt gemoppeltund über uns der dunkelblaue Nachthimmel thronte. Seine Sterne funkelten so herrlich und auch der kreidebleiche, fast volle Mond strahlte uns so unschuldig an, als wäre nie etwas gewesen.

Später am Morgen, nachdem wir noch ein wenig Schlaf gefunden hatten, wurden wir von Ide Tönnesen und dem Lotsenknecht von unserem Boden geholt. wie? mit Booten?Das Wasser hatte sich schnell zurückgezogen. Ok, wohl doch zu Fuß :mrgreen: Der Morgen war so friedlich, der Himmel strahlte im hellsten Blau, keine Wolken waren zu sehen und die Sonne lachte auf uns herab das ist aber ganz schönes Cliché-Happy-Ever-After hier :wink: . Das Meer lag so ruhig und im tiefsten, schönsten Blau gefärbt da, dass man kaum glauben konnte, was wir in den letzten Stunden erlebt hatten und die See wie ein wildes, reißendes Tier in unser Haus eindringen sahen, das bereit war, uns zu verschlingen.
Unser Haus, sowie fast alle unserer kleinen Siedlung, war eine einzige Ruine. Die Mauern waren dermaßen eingedrückt, das wohl nur eine einzige große Welle gereicht hätte, um es einstürzen zu lassen. ach, und der letzte Sturm hatte keine großen Wellen? War sowieso überrascht, wenn Holz kracht und splittert, reißt es da nicht Stützpfeiler um? Wundersamerweise war aber keiner von uns Bewohnern, somit auch nicht der kleine Georg, in den reißenden Fluten umgekommen. Pardon, aber muss ich Georg kenne? :mrgreen: Dafür war so gut wie das gesamte Vieh ertrunken Nein! Ziege und Hund waren mit auf dem Dachboden! :geek: . Unser Kornspeicher, Vaters Werkstatt und fast alle Möbel waren weg. Wir standen vor dem Nichts. Und selbst die Holzbrücke, die vom Land zur Tiefe hinüberführte war weg hatte der Sturm forgerissen?. Nur noch die Pfosten erinnerten noch an sie?an ihr einstiges Bestehen.
„Es ist schlimm, das stimmt“, sagte mein Vater. „Die Hauptsache ist aber, dass uns nichts passiert ist.“
Er lachte, ja, er lachte, obwohl er alles verloren hatte, womit er Geld verdiente. Und doch lachte er. Sein Lächeln ließ auch meine Trauer verschwinden und einer Zuversicht weichen. Und wir gingen zu ihm und umarmten uns alle.
Wir hatten das Schlimmste erlebt, was einem widerfahren konnte. Wir waren dem grausigen Tod um Haaresbreite entkommen, hatten dafür alles andere verloren. Doch das lag nun hinter uns und unser Blick ging nach vorne in die Zukunft.
„Es ist vorbei…“, sagte ich erleichtert.



Hier schließe ich nun mein Bericht und mahne dich an, werter Leser! Denke nie, dass der Mensch über allem Herr werden kann. Die Natur wird niemand zähmen können. Und wenn…ja, wenn es uns doch gelingen sollte…dann würden wir damit unseren eigenen Untergang besiegeln. Denn schrieb nicht schon einst Theodor Fontane: Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand? Und wäre es nicht der größte Tand, an die Natur Hand anzulegen?
Wer weiß…

Das Sturmhochwasser in der Ostsee im November 1872 überspülte rund ein Drittel der Insel Fehmarn, machte mehrere Hektar Land für immer unbrauchbar und nahm 56 Hektar mit sich. In den Fluten ertrank ein erheblicher Teil des nützlichen Viehs, auch Menschenleben waren zu beklagen (genaue Anzahl unbekannt). Der höchste Wasserstand wurde bei 3,49 über NormalNull (NN) gemessen, der Schaden belief sich auf knapp eine Million Mark. Die in der Geschichte erwähnte „Tiefe“ (später Alte Tiefe genannt) wurde verlassen und eine neue Siedlung erbaut, die heute den Namen Neue Tiefe trägt.
Das größte bekannte Sturmhochwasser kostete im deutschen Ostseegebiet knapp 300 Menschen das Leben, an die 15000 Menschen wurden obdachlos und mehr als 2500 Gebäude zerstört.

Zurück zu Teil 2: http://www.schreibwerkstatt.de/13-november-1872-teil-2-3-t52709.html


Hm, ok! Fazit:

Deine Geschichte hat einige richtig gute Ansätze und sehr sehr schöne Formulierungen. Was mir fehlt, ist
a) Gefühl. Drama, Baby, Drama! Immerhin sterben die (beinahe, oder sie glauben es zumindest :mrgreen: )
b) Beschreibung der örtlichkeit: Wie sieht das Zimmer aus, das haus, wer ist dort alles, wie die Familie ...

Joa. Sonst hattest du keine Fragen?

... Oh. Ich sehe gerade, ich bin bei Teil 3 eingestiegen, ich Trottel :oops: . Gut, gehe ich Teil 1 und 2 auch noch lesen :wink:

LG
Aki

EDIT: so, alles gelesen. Mein Fazit bleibt bestehen: Einige sehr schöne Ansätze, vom Handwerklichen her finde ich alles gut (auch wenn die Mutter mir nicht sonderlich gefällt, aber das ist Geschmackssache). Verfeinern würde ich den Stil (Stichwort: Schachtelsätze und "und"-Anfänge). Weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Schreiben und herzlichen Dank für den spannenden Text! :girl:
Don't only practice your art, but force your way into its secrets.
For it and knowledge can raise men to the divine - Beethoven
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Re: [Histo]13. November 1872 (Teil 3/3)

Beitragvon Zukunftsträumer » 11.08.2015, 20:19

Guten Abend, Akirai!

Vielen Dank für deinen Kommentar, pardon, deine Kommentare zu meinem kleinen "Bericht", denn als solcher war der Text im Großen und Ganzen gedacht. :D

Ich finde es immer wieder erstaunlich, überraschend und erschreckend, dass ein "Kommentator" auch nach noch so vielen anderen Vorbeiträgen und nach so "langer" Zeit dem Schreiber, gut, in meinem Sinne, dem Hobbyschreiber, immer noch Fehler aufzeigt, die man eigentlich hätte sehen müssen, würde man an der einen oder anderen Stelle nachdenken :roll: . Man kann noch so oft drüberlesen, der nächste findet immer wieder was! :D

Akirai hat geschrieben:Oh. Ich sehe gerade, ich bin bei Teil 3 eingestiegen, ich Trottel . Gut, gehe ich Teil 1 und 2 auch noch lesen


Ja, das wäre durchaus angebracht. :mrgreen: Viele Dinge klären sich dann im Laufe der Geschichte. Dann würdest du auch den kleinen Georg kennen. :wink:

Akirai hat geschrieben:(Stichwort: Schachtelsätze und "und"-Anfänge).


Dem ist nichts weiter hinzuzufügen! :oops: Das liebe alte Problem! Ich komme einfach von diesem Stil, der sich in meinen Ohren doch sooo gut anhört, nicht los! :roll:


Wie gesagt, vielen Dank nochmals, über den einen oder anderen Vorschlag werde ich nachdenken. Auch dir viel Spaß und Erfolg beim Schreiben!

Wiedersehen! :beckon:
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