3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis und Feuer 01. (George R. R. Martin)

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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon Atramento » 17.11.2013, 20:37

Wenn ich das mal überlebe ... :beckon:

Rezension: Das Lied von Eis und Feuer - Die Herren von Winterfell 01

Nach einer Lesezeit von einem Monat - in meinem Fall stets ein schlechtes Zeichen, was die Bewertung angeht - habe ich das Buch beendet. Auf mich macht es einen durchwachsenen Eindruck. Ich finde, dass der Hype um diese Reihe zu viel verspricht, was das Buch nicht gänzlich halten kann.

Inhalt:
Der Berater des Königs wird ermordet, daraufhin macht sich ein Teil einer am Hof eher selten gesehenen Familie, dessen Oberhaupt seit seiner Jugend mit dem König befreundet ist, auf in den Süden, während der andere noch weiter in den Norden zieht und der dritte Teil auf der Burg bleibt.

Mehr braucht es nicht, um den Grundinhalt dieses Buches zu beschreiben.

Hinzu kommen die Intrigen, die zum Tod des Beraters geführt haben - daran sind natürlich nicht wenige Menschen und Familien beteiligt, sowie die Kinder des vom Thron gestoßenen alten Königs und ihr Vorhaben, ebendiesen zurück zu erobern. Schon entsteht „A Game of Thrones“ wie es im ersten Teil des englischsprachigen Originals heißt.

Um ehrlich zu sein, habe ich mehr, als nur das erwartet. Die Handlung des ersten Buches ist mir zu dünn. Ein wenig Geplänkel, das auf zweidrittel der Seiten nicht in Gang kommen will. Erst im letzten Drittel steigt die Spannung und die Handlung nimmt Fahrt auf. Und dann … dann ist Ende im Gelände. Buch vorbei.

Am schlimmsten ist allerdings, die Vorhersehbarkeit der Handlung. Sämtliche Dinge, die ich mir zu Beginn dachte, sind im Laufe des Buches eingetreten (habe die Serie nicht gesehen, sonst wäre das dämlich). Um ehrlich zu sein, habe ich selten eine so vorhersehbare Handlung gehabt. Wo diese überraschenden Wendungen sein sollen? Keine Ahnung. Dadurch wurde es leider noch langweiliger. Haben nicht manche auch noch irgendwas von episch gesagt … ô.o Episch … episch … klingt nicht nach diesem ersten Teil.

Beispiel: Ich wette, dass die Dracheneier echt sind, dass Prinz Joffrey nicht der Sohn vom König ist, oder der König demnächst stirbt (die Sache mit dem Hirschgeweih und den Schattenwolfen zu Beginn). Und noch anderes. Bin gespannt, wie viel davon richtig ist …

SPOILER IM FOLGENDEN!

Zu Beginn erfährt der Leser durch den Prolog, dass in den Wäldern hinter der so genannten Mauer Wesen leben, die besser nicht über jeden Schutzwall kommen. Diese Wesen sind Untote (davon gab es bisher nicht genug), die gemein als „die Anderen“ oder „Weiße Wanderer“ bezeichnet werden.
Dann geht die Handlung bei Familie Stark weiter. Der Leser lernt sie ein wenig kennen. Sämtliche Mitglieder werden vorgestellt, ebenso wie die zugehörigen Menschen der Burg Winterfell.
Wie bereits erwähnt, erreicht der König Winterfell und bittet den Lord sein neuer Berater zu werden.
Daraufhin wird die Familie in Stücke gerissen (einer dahin, der andere dorthin).
Jetzt wäre es natürlich langweilig, wenn nicht die erste Intrige angedeutet wird. Dabei wird ein Kind von Lord Stark lebensgefährlich verletzt. Während der Vater loszieht, bleibt die Mutter mit dem Kind daheim, wo kurze Zeit später ein völlig unverdächtig wirkender Auftragsmörder auftaucht, der die Lady so gar nicht darauf aufmerksam macht, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. So bleibt man unauffällig ;) Das Kind überlebt, so dass die Lady ihrem Mann hinterher reist, um ihn zu warnen.
Ab da beginnt die Suche nach Antworten, wo selbstverständlich alle Mitmischen, die gerade nichts Besseres zu tun haben. Wäre toll, wenn der Leser zu diesem Zeitpunkt nicht schon wüsste, wer die Intriganten sind. Deswegen sind kurzerhand die anderen so undurchschaubar und scheinen die Seiten zu wechseln wie es gerade passt (letzteres gefällt mir)!
Gleichzeitig kommt der andere Teil der Familie an der Mauer an und beginnt dort seine Ausbildung. Keine paar Monate später wird der Onkel im Prolog bereits erwähnten Wald vermisst … der kommt bestimmt wieder ^^
Und noch gleichzeitiger wird der Plan, den Thron zurückzuerobern von den letzten Überlebenden der alten Königslinie auf dem anderen Kontinent geplant und durch eine Heirat mit einem der dortigen Reiterlords vorangetrieben. Letzterer soll die benötigte Arme stellen. Davon weiß der König natürlich, weil es überall von Spionen nur so wimmelt. Keine Überraschungen also (obwohl ich ein Fan von diesem Khal - Anführer der Reiterhorde und dessen Kultur bin. Sehr interessant).
Derweil nimmt die nervenaufreibende Suche nach der Wahrheit seinen Gang. Beim Turnier zu Ehren von Lord Starks neuer Position sterben eben die wichtigen Zeugen, aber macht nichts. Abhilfe gibt es am Hof an jeder Ecke … man darf nur nicht misstrauisch werden.
Gegen Ende - sprich die letzten 200 Seiten - wird es dann Spannend. Endlich kommt in die Theorie der Intrige ein wenig Praxis. Endlich fangen die Personen an zu handeln (Entführungen, Morde, Ungerechtigkeiten, List, Flucht vom Königshof). Zuvor sind die schließlich bloß von A nach B geführt worden. Man sieht deutlich die vielen Zufälle, die sie zu einer Handlung bringen. Lord Stark wendet sich sogar gegen den König, legt sein Amt nieder, nimmt es auf der letzten Seite wieder an, macht weiter. Gut so! Moment … Was?
Abgesehen davon, dass bei denen wieder alles schick ist, entwickelt sich der Rest zu etwas sehr brenzligem. Der Krieg droht jetzt ebenfalls aus dem Inneren.

FORTSETZUNG FOLGT …

Charaktere:
Im Grunde sind die Charaktere gut herausgearbeitet und durchdacht. Eine sonderliche Entwicklung ist bisher bei keinem zu erkennen. Mir erscheinen sie natürlich, aber auf Grund der langweiligen Story sehr zäh und eben … auch langweilig. Andere sind überspitzt (Gnom, Lennister). Es gibt nur wenige Ausnahmen (Arya, Jon, Daenerys und Lord Strak, den ich auf Grund seiner Einstellung mag).

Nebencharaktere haben im Übrigen weinig Überlebenschancen ;)

Sprache, Stil & Verständlichkeit:
Die Sprache ist gut und stellenweise witzig. Im gleichen Zug aber auch langweilig und zäh. Der Autor schreibt ordentlich bis gut, aber nicht so hervorragend, wie es einige behaupten. Mir ist auf jeden Fall ein durchwachsener Spracheindruck geblieben.

Vom Stil her gebraucht der Autor viel zu viele Rückblenden. Viele Kapitel beginnen mit einer Geschichte, Erinnerung, u.ä. aus der Vergangenheit. Die Gespräche hingegen sind sehr schön. Manchmal sind es der Beschreibungen zu viel und zu lang. Und dennoch empfinde ich die Welt als solide. Wer die atemberaubende, bis ins kleinste Detail erdachte und mit dem Leser geteilte Welt sieht, kann mir gerne die Textstellen nennen.

Verständlich ist zumeist alles. Nur am Beginn können die vielen Namen einen Verwirren. Allerdings ist das Register hinten nicht nötig. Wer mag, kann natürlich trotzdem darin lesen wie in einem Geschichtsbuch mit Namensauflistungen.

Einige haben sich über die eingedeutschten Namen beschwert. Mir haben sie gefallen (obwohl ich eher fand, dass die im Englischen merkwürdig sind. Z.b. Ser und Sir oder Maester und Master … komische Schreibweise ^^). Jedenfalls mit den Eingedeutschten kein Problem. Da sollte sich lieber über den Inhalt aufgeregt werden ;)

Spannung:
Kann ist leider bis auf die letzten Seiten nicht finden. Und dafür mehr als die Hälfte eines Buches lesen zu müssen, ist wirklich nicht das, was ein gutes Buch liefern sollte.

Stimmung:
Ist die Spannung nicht da, fehlt mir in der Regel ebenso die Stimmung. Von der Zähheit und der Langeweile der Charaktere, sowie der Handlung habe ich meinen Eindruck geschrieben.

Titel/Cover:
Gefällt mir. Sieht angenehm in seinen Farben aus. Das Cover passt zum Inhalt des Buches, da es das Wappen der Starks zeigt. Ebenso bezieht sich der Titel auf die Familie.

Fazit:
Im Ganzen kann ich dem Buch wenig abgewinnen. Wo der Autor ein Meister von Charakteren, Sprache, Handlung, usw. sein soll, erschließt sich mir schwer. Selbstverständlich will ich nicht leugnen, dass der Mann was kann. Da gibt es noch deutlich schlimmere Bücher.

Für mich ist dieses Buch zu hoch gelobt worden. Über die ganze Reihe spreche ich nicht, die habe ich noch nicht gelesen, doch dieser erste Teil kann definitiv nicht die Versprechen einhalten.

Inzwischen (sprich heute) habe ich mir die ersten Folgen der Serie angesehen … schaut besser die Serie und spart das Buchgeld. Wirklich. Die Serie ist um einiges besser.

Jedenfalls hole ich mir Teil 02 nur, weil der im Original zum ersten Band gehört.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 4/5
Sprache, Stil & Verständlichkeit : 3/5
Spannung: 1/5
Stimmung: 1/5
Titel/Cover: 4/5

Gesamteindruck: 3/5 (sehr knapp ... eigentlich bei 2,6) :thinking:

Nachtrag:

Lykos hat mich per PN angeschrieben (ich wusste es :mrgreen: ) und mir den Hinweis gegeben, dass die Exposition eben sehr lang ist. Dazu möchte ich sagen, dass ich das Buch so sehe, wie es ist und keine Rücksicht auf die Teilung im dt. nehme bzw. darauf, dass nur 1/3 des englischen Originals daraus besteht. Und selbst 1/3 wäre mir zu lang um darauf zu warten, dass irgendwas passiert :whistle: Das zu der Erklärung, dass es sich um die Einleitung handelt und die Geschichte erst danach so richtig losgeht.
Schreiben ist mein Leben? Nein. Ich will schließlich nicht während einer Schreibblockade sterben. ;D

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon Kelpie » 19.11.2013, 11:27

Beim ersten Lesedurchgang war ich von dem Buch sehr beeindruckt. Um die Unterteilungen Atramentos aufzunehmen, wäre meine Bewertung etwa folgendermaßen ausgefallen:

Inhalt: 4/5
Charaktere: 5/5
Sprache, Stil & Verständlichkeit : 5/5
Spannung: 5/5
Stimmung: 5/5
Titel/Cover: 4/5

Wohlgemerkt habe ich alle Bücher gelesen und habe mir gerade bei den letzten Kapiteln des letzten Bandes sämtliche Nägel abgekaut, da ich hoffte, Martin würde einige Konflikte noch auflösen, bevor ich auf das nächste Buch warten müsste (noch dazu bereitet mir sein hohes Alter Sorge und dass ich das Ende womöglich nie erfahren werde, weil er wegen schlechter Gesundheit o.Ä. stirbt)....

Inzwischen lese ich die Reihe zum zweiten Mal (v.a. nachdem ich einige Parallelen zu meinem eigenen Werk aufgedeckt habe und nun nochmal kontrollieren möchte, wie viele Parallelen es tatsächlich sind - schreibe-ich-eine-kopie-t47223.html) und sollte anmerken, dass ich dazwischen auch das neue Buch "Der Heckenritter von Westeros" gelesen habe.
Mittlerweile habe ich die Vermutung, dass Martin enorme Probleme hat, einen in sich schlüssigen Roman zu Ende zu schreiben und eher dazu neigt, das zu tun, was ich unter "Smalltalk-Geschichten" verstehe: einfach drauflosschreiben, egal wie sinnlos die Geschichte werden wird. Für Übungen mag das in Ordnung sein, aber so etwas zu veröffentlichen finde ich für den Leser lästig. Letzteres Buch wurde m.E. nur aufgrund des Schreibstils und Martins Berühmtheit veröffentlicht, nicht weil die Handlung es wert gewesen wäre.

Fazit: Am Anfang hat Martin sich beim Lied von Eis und Feuer noch streng an seine ursprüngliche Idee gehalten - so scheint es mir - aber mit Fortschreiten der Reihe und ihrem Erfolg, überspannte er den Bogen zusehends. Ich mag lange Buchreihen wirklich gerne, aber in diesem Fall glaube ich den Kern der Geschichte verloren und es wird für Martin schwierg bis unmöglich werden, ein Ende zu schreiben, das alle Fäden, die er nicht nur begonnen, sondern äußerst dramatisch und detailgetreu weitergesponnen hat, zusammenzuknüpfen, ohne dabei kitschig zu werden oder alles in äußerst zweifelhaftem Licht des Zufalls erscheinen zu lassen.
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon lunedai » 25.11.2013, 23:45

Ich glaube bei dieser Reihe geht ganz viel verloren, wenn man die Bücher nicht auf Englisch liest. (v.a von der Mittelalter-Englischen Atmosphäre, mal abgesehen von Wortwitzen, die ja leider selten perfekt übersetzt werden können...)
Die ersten 3 Bände hab ich nur auf Englisch gelesen, aber ich hab mir 2 Episoden auf Deutsch angesehen und hmmm ... man kann es eh in allen möglichen Foren lesen...die Übersetzung ist teilweise grauenhaft (und extrem inkonsequent was Eigennamen betrifft!). (Casterly Stein?! Jon Schnee????! wtf...)

Deshalb möchte ich jedem ans Herz legen, der einigermaßen Englisch kann, das Buch im Original zu lesen.
(Außerdem kann man so über 100,- einsparen, weil man die ersten 5 Teile in der Box für gerade einmal 25,- auf amazon bekommt, während die Deutschen Bücher alle so um die 15,- kosten...also 10x15!)

Was mir am Buch gefällt:

-statt schwarz und weiß, ist alles grau
-jeder kann sterben, niemand ist sicher
-spannende Wendungen
-unterschiedliche Charaktere, die ihre eigenen Ziele verfolgen
-Charaktere die nachvollziehbar handeln
-Fantasybuch, wo es Menschen mit (relativ) normalen und aussprechbaren Namen gibt
-nicht zu viel Magie am Anfang; die Magie wird mit der Zeit mehr und mehr und man kann sich gemeinsam mit den Charakteren wundern, was alles möglich ist :wizard:

und natürlich Tyrion! :D


Was mir nicht so gut gefällt:

-in manchen Kapiteln passiert relativ wenig
-ich mag Catelyn einfach nicht :XD:


Achtung evtl. Spoiler, wenn man nicht die ersten 3 Teile (englische Bücher) bzw. 6 Teile (deutsche Bücher) kennt!
Spoiler: Anzeigen
-das ganze "God of Light"-Zeug und das die God of Light Anhänger so stark sind
-Dany gurkt am "anderen Ende der Welt herum" (sie soll endlich nach Westeros zurückkehren)
-die Wölfe spielen keine wichtige Rolle (im Moment...außer vielleicht Ghost)
-die Starks treffen sich nicht mehr bzw. verpassen sich ganz knapp - ich hoffe das ändert sich im 4. oder 5. Teil...
Zuletzt geändert von lunedai am 13.10.2015, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon Cynric » 03.01.2014, 19:35

So, nachdem ich nun den sechsten Band so gut wie durch hab, geb ich mal einen weiteren Eindruck von der Serie (keine Angst, ich werde nicht spoilern, zumindest nicht vom Inhalt her):
In Band 5 sind mir besonders zum Ende hin die detaillierten Beschreibungen einiger Geschlechtsteile aufgefallen (darunter ein ganzer Absatz darüber, wie hässlich Tyrion Lennisters Penis ist). Ganz ehrlich: Sowas will ich einfach nicht wissen :XD: Ich meine, ich lerne die Charaktere gern von Kopf bis Fuß kennen, aber eine gewisse Intimität möchte ich dann doch bewahren :XD: Es würde mir vollkommen reichen, wenn man sagt "der Penis ist hässlich", aber eine so ausführliche Beschreibung find ich ... Naja :/

Dann habe ich jetzt noch mehr den Eindruck, dass George R. R. Martin damit angeben will, dass er sich so viele Namen ausdenken kann. Da waren jetzt in Band 5 und 6 mindestens drei oder vier Absätze drin, die ich übersprungen habe, weil da wirklich NUR Namen aufgezählt wurden. Ich erinnere mich an einen, als Tyrion eine Gruppe Dornischer empfängt. Da stand dann in bestimmt 10-12 Zeilen, wer alles mit ihm geritten ist. Und nichts für ungut, wenn man so lange nur liest "Das sind Ser Flint, neben ihm Ser Robin, Lord Beric, Lord Oswell, Ser Tarly, Ser Umber, Edric Sturm, Jon Fünfrosen usw." (nicht auf die Korrektheit achten, aber andere Namen fielen mir spontan nicht ein), dann kotzt mich das einfach nur an und ich überspringe es einfach, weil die Namen in aller Regel sowieso unwichtig sind, bis auf einen oder zwei.

Die ausufernden Beschreibungen des Essens, der Kleidung und der Landschaft wurden ja schon ein paar Mal genannt. Die nehmen in meinen Augen auch immer mehr zu. Ist zwar an sich nichts verkehrtes, aber manchmal würde ich mir doch gern irgendwie ein eigenes Bild machen. Vor allem gibt es da Kapitel, wo man so ein Eindruck hat, dass die handelnde Figur nur eine Treppe rauf oder in ihrer Zelle auf und ab geht, während die restlichen fünfzehn Seiten des Kapitels nur aus Beschreibungen oder Erinnerungen bestehen (wobei ich letzteres super finde!). Ich habe es schon mal zu ein paar Freunden gesagt: Die Romane könnte man locker um die Hälfte verkürzen und es würde immer noch genauso viel passieren und sich vermutlich immer noch genauso spannend lesen, wenn nicht sogar spannender.
Wenn ich allein daran denke, dass George Martin in einem Interview sagte, das neue Buch würde über 1800 Seiten haben, dann frage ich mich ernsthaft, wie viele Penis-Beschreibungen und Namensaufzählungen er da noch mit reinwirft :XD:

Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass mir die Serie gefällt. Vor allem deswegen, weil es kein Kitsch-Fantasy ist, wo die Guten immer die Guten sind und am Ende gewinnen und die Bösen sind halt die Bösen und kriegen ihre Strafe. Der Held kriegt dann das hübsche Mädel ab und alle sind glücklich und zufrieden. Und natürlich ist jeder der Helden ein Prinz und jede Burg duftet nach Lavendel und Rosen.
Nein, Westeros ist dreckig, düster, brutal und häufig vulgär. Und vor allem ist es relativ realitätsnah und nicht mit so übertrieben vielen Fantasy-Elementen ausgeschmückt, was diese Welt für mich irgendwie greifbarer macht. Ich selbst fände zwar noch mehr Fantasy gar nicht schlecht, aber wie gesagt: Diese Buchreihe ist mal was Anderes und hebt sich, finde ich, etwas von der grauen Masse ab. Was mir vor allem sehr gefällt, ist die Tatsache, dass es nicht eine Deus Ex Machina gibt, wie sie ja vor allem in Fantasyromanen oft eingesetzt wird, indem etwas Übernatürliches passiert. Nein, die Handlung wird hier wirklich fast ausschließlich durch das Handeln der Protagonisten vorangetrieben. Und wenn doch mal unerwartet Hilfe kommt, dann nur, weil andere Protagonisten entweder durch Zufall oder bewusst an diesem Punkt eingreifen. Finde ich sehr schön!

Auch wenn meine negativen Punkte jetzt von der Masse her überwiegen, so finde ich trotzdem, dass "Das Lied von Eis und Feuer" wirklich sehr gute Fantasyliteratur ist. Denn ich bin jemand, der sich an stilistischen Mäkeln (wie etwa die ellenlangen Aufzählungen) nicht so extrem stört, als eher daran, dass eine Handlung irgendwie unschlüssig oder einfach einfallslos ist. Und die Handlung in diesen Romanen ist top, da kann ich nicht meckern. Sie wird zwar langsam total ausufernd und man hat schon irgendwie das Gefühl, dass George Martin alles nur so schrecklich wie irgendwie möglich gestalten möchte, indem einfach 9/10 Plänen schiefgehen, aber der Plot wirft immer wieder neue Überraschungen auf. Und gerade weil einfach alles schiefgeht und so viele Protas sterben, weckt das meine Neugier darauf, wie es denn um Himmels Willen weitergehen soll.

Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, wie mein Leseerlebnis mit den folgenden vier Bändern aussieht :D

Noch eine kleine Anmerkung: Wer sich eine richtig gute Parodie auf die Serie ansehen will, sollte sich mal South Park S17E07-09 ansehen. Hab schon lange nicht mehr so gelacht :XD:
Hier ein Vorgeschmack: http://www.youtube.com/watch?v=zof2kdGrFjQ
Fantasie bleibt ein Menschenrecht: Wir schaffen in unserem Maß und in unserer abgeleiteten Art, weil wir erschaffen wurden; und nicht nur erschaffen, sondern erschaffen im Abbild und in Ähnlichkeit mit dem Schöpfer. - J. R. R. Tolkien
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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon Helfstyna » 27.09.2014, 14:25

Ich habe lange gezögert zum "Song of Ice an Fire" zu greifen und auch die Serie habe ich lange Zeit nicht gesehen, einfach weil mich die durchschnittliche Fantasy langweilt und kaum ein Autor es je geschafft hat, eine Welt zu erschaffen, die mich wirklich fesselt und mich nicht ständig genervt mit den Augen rollen lässt.

Anders ist es bei GRR Martin.
Was ich besonders mag, sind eigentlich genau die Punkte, die von vielen als Kritik angebracht wurden. Es gibt nicht den einen großen Helden mit Gefolge, der von Aufgabe zu Aufgabe stolpert und ein Abenteuer an das nächste reiht, nur um siegreiche - oder zumindest mit einem Lerneffekt - aus dem Ganzen hervorzugehen.
Es wird in epischer breite eine eigene Gesellschaft, Zeit, Welt mit ihren Menschen, Konflikten und Kriegen vor dem Leser ausgebreitet. Es gibt nicht den einen Helden, die Guten sind nicht nur Gut, nichts ist schwarz und Weiß sondern alles wechselt in unzähligen Schattierungen von Grau. Das macht das Ganze in meinen Augen so real und interessant zu lesen.

Die Geschichten von dem einen Auserwählten, der durch die fantastische Welt zieht um die eine Aufgabe zu lösen, habe ich so oft gelesen und gefesselt hat sie mich nie. GRR zeichnet ein Gemälde an Figuren und Handlungen, nicht immer eine "spannende" Geschichte in der viel Aktion geboten ist, aber in der es immer etwas zu sehen gibt und auch wenn die Figuren sich nicht immer so verhalten, wie die Leser es sich wünschen und die Situationen sich nicht immer so ergeben, wie man es in der Geschichte um den literarischen Helden gewöhnt ist, macht es die ganze Sache nur realitätsnaher.
Es gibt den Deus ex machina eben nicht, der immer alles zum Guten wendet und die "Guten" sind eben nicht immer die, denen die Götter und das Schicksal hold sind.

Die TV Serie ist ganz nett, wobei es mir persönlich etwas auf die Nerven geht, dass man sich oftmals mehr auf dir oberflächlichen Schauwerte konzentriert... gerade in der ersten Staffel hat man den Eindruck als hätten die Autoren für zusätzlich erfundene Sexszenen Extra-Bonus bekommen :roll:
"Time to play, he whisperd to them and winked.
And the stars winked back, for Peter's smile is a most contagious thing"
Brom The Child Thief
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Re: 3442247292 - Die Herren von Winterfell. Das Lied von Eis

Beitragvon HannahBoll » 11.10.2015, 07:56

Ich habe zuerst zwei Staffeln der Serie gesehen, bevor ich das Buch gelesen habe. Normalerweise sagt man ja, dass man das Bücher vorher lesen soll, aber es hat mich gar nicht gestört. Weil ich erst relativ spät angefangen habe, GRRM zu lesen, war dieser Hype schon sehr groß. Dementsprechend waren auch meine Erwartungen.
Eifrig wie ich bin, habe ich natürlich gleich zum englischen Original gegriffen.
Was mir gleich zuallererst aufgefallen ist: Die extreme Werbung über auf und in dem Buch. Ich will den ersten Band einer Fantasy-Serie lesen, ohne mit der Anzeige genervt zu werden, dass "demnächst" die 3. Staffel raus kommt. Außerdem bin ich nicht so blöd, um unter dem Lesen zu vergessen, wie der Autor heißt oder welches Titel das Buch trägt. Wird ja in der Kopfzeile jeder Seite angemerkt. Und auch das Cover sowie die allererste Seite sind voll von Werbung.
Ist das der amerikanische Stil? Ich weiß es nicht. Das ist nicht mein Fachgebiet.
Ansonsten gefällt mir das Layout gut und es ist erstaunlich, dass man sich ein gutes Buch unter 10€ mit über 800 Seiten kaufen kann ... Auch die Größe ist angenehm.

Genug über Oberflächliches aufgeregt, jetzt nehm ich mal den Stil auseinander.
Kurz gesagt: Ich habe mehr erwartet. Wenn ein Buch so hoch gepriesen wird, dann will ich mehr und nicht ... das.
Ja, es ist etwas Neues. Und das verkauft sich gut, das Alte an Fantasy ist ja schon ziemlich ausgelutscht. Nur kam ich gar nicht damit klar, dass die Sichtweise so schnell wechselt wie in einem Film. Man fängt an das Buch zu lesen. Prolog ist okay. Nicht zu außergewöhnlich, aber sehr spannend und gut, dann beginnt's richtig. Bis jetzt noch etwas ganz Bekanntes und Vertrautes. Als fleißiger Leser versucht man, alles zu verstehen, sich Namen einzuprägen und wie die Personen zu einander stehen. Also schön. Die vielen Details sind ja mal heftig, aber man schafft es. Irgendwann hat man sich halbwegs auf einen Charakter eingelassen - und dann wechselt die Sichtweise. Okay. Akzeptieren wir es. Alles also von vorne. Irgendwann hat man sich wieder eingefunden und lässt sich gerade auf den Charakter ein - dann wechselt die Sichtweise plötzlich wieder?! Aha?
Irgendwann hat man nur noch unzählige Charaktere, die dem Wissenstand des Lesers zufolge, nichts miteinander zu tun haben und plötzlich ist man auf Seite 100 und jeder wurde nur angeschnitten und nicht genauer "unter die Lupe" genommen. Diese schnellen Wechsel waren mir echt zu viel und fast schon hätte ich das Buch weg gelegt. Ich kannte aber die Serie schon und dachte mir "Es kann nur besser werden". Also lese ich weiter. Nach 100 Seiten hatte ich nun echt das Gefühl, dass irgendetwas mehr passiert, als Gerüchte hochzuschaukeln und von Nebensächlichkeiten zu erzählen, die mich eigentlich nicht interessieren. Ab da wurde es dann auch besser und ich konnte mich in Martins ungewöhnlichen Aufbau einfinden, der mich aber bis zum Schluss stören wird (sollte ich die Reihe fortsetzen).
Das Buch wirkt auf mich, als wäre es nach einem Filmablauf aufgebaut. Leider verliert man bei so vielen Wechseln den Anschluss. Im Film nimmt man viel schneller viel mehr Aspekte wahr und die Information schneller auf, wenn man dann zu einem Charakter "zurückspringt", ist der zeitliche Abstand noch nicht so groß. Man findet sich leichter ein. Geschrieben ist so etwas leider nicht so einfach umzusetzen und kurz habe ich mich auch gefragt, ob das einfach nur ein ausgeschriebenes Drama ist.

Serie oder Buchreihe?
Unglaublich, dass ich das einmal sage:
Aber ich kann echt die Serie "A Game of Thrones" vor den Büchern empfehlen. Die Charaktere sind tiefer und für mich nachvollziehbarer, kommen mir Arya und Sansa (und einige andere) im Buch doch zu sehr wie Stereotypen vor. Auch passt da der häufige Wechsel der Sichtweise besser rein. Und nicht zuguterletzt, hat man die Serie einfach gut umgesetzt.

Schlussendlich würde ich Martins Werk nicht in die Tonne kloppen, aber dieser extreme Hype bezogen auf die Bücher ist für mich schwer nachvollziehbar. Vielleicht rührt er auch nur vom Erfolg der Serie her, wer weiß.
Das Englisch ist gut zu lesen und einfach. Nichts hoch Gestochenes. Selten, dass ich ein Wort nachschlagen muss. Auch von der ausdrucksweise ist das Werk sehr stimmig, aber es ist sehr störend, wenn eine Handlung unterbrochen wird, um über ganze zwei Seiten über den Hintergrund einer Nebenfigur zu berichten, die in der folgenden Szene stirbt. Für was habe ich das dann gelesen? Das macht das unschöne Ende nicht dramatischer, solange Martin den Tod einer Person beschreibt wie "Ach ups, jetzt ist's passiert. Wir gehen am besten alle weiter."
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