3492301835 - Die Eisfestung (Gabriele Hoffmann)

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3492301835 - Die Eisfestung (Gabriele Hoffmann)

Beitragvon Dargos » 16.10.2014, 01:34

Titel: Die Eisfestung: Hamburg im kalten Griff Napoleons
Autor: Gabriele Hoffmann
Verlag: Piper

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Dargos
 
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Re: 3492301835 - Die Eisfestung (Gabriele Hoffmann)

Beitragvon Dargos » 16.10.2014, 01:41

"Mit Schnee, Eis und Pferdemist macht er aus der Stadt eine feindselige Trutzburg. Im bitterkalten Winter des Jahres 1813 verbarrikadiert sich Napoleons gefürchteter Marschall Davout mit seinen Soldaten in Hamburg. Für die Bürger der Stadt folgen erbarmungslose Monate, in denen Frost, Hunger und Seuchen sowie Angst und Hass regieren."

Der Russlandfeldzug war verloren und Napoleon hatte seinem Marschall Davout die Verantwortung übertragen die Stadt Hamburg in eine Festung zu verwandeln und unter allen Umständen bis zu seiner Rückkehr zu verteidigen. Er selbst wollte den Winter über eine neue Armee ausheben und im Frühling die verlorenen Regionen zurückerobern.
Davout gab sich alle Mühe dem Befehl folge zu leisten und verteidigte die Stadt sogar noch als Napoleon bereits abgedankt hatte und sich auf der Insel Elba im Exil befand.
Dies gelang ihm, weil er dank eines äußerst kalten Winters zusätzliche Mauern aus Schnee und Eis errichten konnte. Dadurch verwandelte er Hamburg in eine regelrechte Eisfestung.
Parallel dazu beutete er die Bürger geradezu aus um seine Soldaten zu versorgen, neu auszurüsten und unterzubringen. Mehr als passiven Widerstand konnten die Bürger allerdings nicht leisten, da der Marschall alle aktiven Widerstände im Keim erstickte, beispielsweise indem er Kanonen auf das Innere der Stadt richten ließ, ständig bereit zu tun was nötig ist um Ordnung zu schaffen.
Am besten lässt sich die Situation wohl durch folgendes Zitat beschreiben: „Davout befolgte die Anordnungen Napoleons mit einer Härte und Unbeirrbarkeit, die selbst seine Offiziere erschreckte.“


Basierend auf „Tagebüchern, Briefen, Zeitungsberichten, Memoiren und neuesten Forschungsergebnissen“ behandelt dieses Buch ein beeindruckendes Stück hamburger Stadtgeschichte.
Die Augenzeugenberichte bringen einem nahe wie es gewesen sein muss einen ganzen Winter lang mit wenig Essen und viel Dreck und Unrat auf den Straßen einer Belagerung standhalten zu müssen.
Viele halten sich den Winter über mit dem Hass auf die Franzosen und der Hoffnung auf eine baldige Befreiung durch die Aliierten am Leben.



Was mich besonders faszinierte:

Auch wenn die Berichte der Zeitzeugen eigentlich im Vordergrund stehen, ist es der Marschall, der mich am meisten fasziniert hat.

Trotz seiner Härte halte ich Davout für einen besonders interessanten und kontrastreichen Charakter. So lässt er auf der einen Seite kurz vor dem Winter 20.000 Einwohner aus der Stadt ausweisen, weil sie für eine Belagerung nicht genügend Vorräte besitzen und somit eine Gefahr für ihn und seinen Auftag darstellen. (Die meisten von ihnen sind daraufhin gestorben.)
Auf der anderen Seite wird wohl niemand erwarten, dass der sogenannte „Eiserne Marschall“ und von Napoleon nur als „die Peitsche“ Bezeichnete eine wirklich liebenswürdige und zärtliche Beziehung zu seiner Frau unterhielt. Wann immer möglich fand sogar während des Krieges ein Briefaustausch zwischen beiden statt in denen er auch die „schrecklichen Gesetze des Krieges“ beklagte, die dazu führten die Einwohner aus der Stadt zu verweisen.

Weiterhin hatte ich vorher noch nie von einem Marschall namens Davout gehört, aber ich war eh nur ein Laie auf dem Gebiet, der das Buch aufgrund eines Tipps gelesen hat.
Namen wie Marschall Ney oder Murat waren da schon eher ein Begriff und dennoch wird Davout als einer von Napoleons besten, manchmal sogar als der beste und ungeschlagene Marschall bezeichnet.
Für so einen hohen Geltungsrang den man ihm zuspricht, findet er meiner Meinung nach in der Literatur nur sehr wenig Beachtung.



Fazit:

Wer sich für die Geschichte der Stadt Hamburg oder die Franzosenzeit interessiert, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten, da es hauptsächlich auf Augenzeugenberichten aufgebaut ist und somit eine authentische Stimmung über das damalige Leben vermittelt.
Nach diesem Buch wollte ich auch unbedingt mehr über den Marschall Davout erfahren, aber die Literaturauswahl ist wirklich nicht sehr beeindruckend. Sogar die Staatsbibliothek in Hamburg spuckt nur 10 Titel aus und davon ist die Hälfte leider auf Französisch.


Einziges Manko des Buches ist meiner Meinung nach die Karte der Stadt, die weiter hinten im Buch mit abgedruckt ist. Wer sich in Hamburg überhaupt nicht auskennt, dem wird die leider nichts nützen.
Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, hatte ich mir eine zu dieser Zeit passenden Karte gegooglet. (Hamburg während der Belagerung von 1813-1814)
Wenn man das sieht, wird einem erst klar wie sehr sich die Stadt von damals bis heute verändert hat. Viele Stadtteile, Straßennamen und ähnliches sind noch immer erhalten, aber z.B. von der damaligen Stadtmauer bestehen leider nur noch kleine Teile während auf großen Teilen heute die Bahn verläuft.
Dargos
 
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