360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag (Patrick Rothfuss)

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360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag (Patrick Rothfuss)

Beitragvon Schreibwerkstatt » 22.03.2009, 08:36

Titel: Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag
Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Klett-Cotta

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Schreibwerkstatt
 
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360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag (Patrick Rothfuss)

Beitragvon RianeFinn » 22.03.2009, 08:36

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Zuerst dachte ich, dieses Buch wäre furchtbar. Der Protagonist ist ein berühmter, aber geheimnisvoller Mann, der alles weiß und alles kann, der sich alles merken kann und alles durchschaut, der schnell lernt und den alle lieb haben.
Aber die eigentliche Story beginnt erst, wenn er einem Chronisten seine Biographie diktiert. Dort wirkt er direkt viel sympatischer, da er eben im Alter von elf Jahren noch sehr unerfahren ist, eine Menge Fehler macht und nicht mal annähernd so klug ist wie zu Beginn des Buches. Von da an hat mich seine Geschichte gefesselt.


Es ist einfach spannend erzählt, mit sympatischen Charakteren und einer wunderbaren Mischung aus Abenteuern, Liebe und den Dummheiten eines unerfahrenen Jungen.
Liebe Grüße, Riane
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik.

Beitragvon sb » 22.03.2009, 15:39

Was mir an dem Buch am besten gefallen hat, war die Sprache. Kvothe erzählt die Geschichte und genau das Gefühl hatte ich beim Lesen: Eine Geschichte erzählt zu bekommen. Ich habe es allerdings im Original gelesen und kann zu der Sprachqualität der Übersetzung deshalb nichts sagen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, aber bevor ich weiß, ob und wie Pat Rothfuss die offenen Enden aus dem ersten Band zu einem schlüssigen Ganzen verweben wird, halte ich mich mit einem Gesamturteil zurück.
Und der nächste Band erscheint - im Original - ganz sicher nicht (wie amazon.de noch behauptet) im April 2009. (Kann man in Patrick Rothfuss's Blog nachlesen)

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Das Szenario ist - zumindest im ersten Band - klassisches Fantasy, allerdings ohne Elfen oder Orks oder sonstige, bei anderen Autoren geklaute, Kreaturen. Damit landen wir in einer irgendwie vorindustriellen Welt in der Magie eine gewisse Rolle spielt. (In gewissen Sinne ersetzt Magie technische Errungenschaften wie z.B. elektrisches Licht) Neben Menschen gibt es noch so etwas wie Dämonen und die geheiminsvollen Chandrian, sowie - im ersten Band - einen Haufen Andeutungen. (”Ich habe mit Göttern gesprochen”). Was die Chandrian eigentlich sind, versucht Kvothe herauszufinden. Das Rätsel um die Chandrian ist irgendwie mit der vorherrschenden Religion verwoben, hat also durchaus Background. Was man nicht unbedingt von allen Nebenfiguren sagen kann. Aber erstens ist dies erst das erste Drittel des Buches und zweitens beschränkt uns die konsequente Ich-Perpsektive eben auf Kvothes Sicht der Dinge und Personen.
Der erste Band erzählt im Wesentlichen nur aus Kvothe's Kindheit und Jugend. Aber da sich das vielseitig hochbegabte Kerlchen nicht immer unbedingt wie ein Kind benimmt und die Ereignisse auch wenig mit dem zu tun haben, was Kinder normalerweise so beschäftigt, ist es ganz sicher kein Kinderbuch.


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360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik.

Beitragvon DarkUmbra » 09.08.2010, 12:33

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Um Kvothe, den wohl berühmtesten Magier der Zivilisierten Welt, ranken sich wilde Geschichten und Gerüchte. Man nennt ihn Kvothe den Blutlosen, Kvothe den Arkanen, Kvothe den Königsmörder. Doch niemand weiß wirklich, was es mit diesem Mann auf sich hat. Ist er überhaupt ein Mensch? Manche sagen sogar, er wäre ein neuer Chandrian, ein Dämon, der nur existiert, um alle Lebenden zu terrorisieren. Und sein Haar wäre so rot wie das Blut, das er vergieße.

Doch niemand vermag zu sagen, wo sich Mythos von Wahrheit trennt. Dies könnte nur Kvothe – falls er überhaupt noch lebt. Die Frage ist nur, ob er überhaupt gelebt hat oder ob er nur Gespinst der Geschichtenerzähler ist.

Devan Lochees, von allen nur „Der Chronist“ genannt, hat interessante Gerüchte gehört: Gerüchte über den Aufenthaltsort der umstrittenen Gestalt. So macht er sich auf den Weg nach Newarre, eben diesem Ort.
Kurz bevor Der Chronist sein Ziel erreicht hat, trifft er des Nachts im Wald auf einen Mann, der in einen Kapuzenmantel gehüllt an einem Lagerfeuer sitzt. Dieser offenbart ihm, dass es gefährlich ist, sich im Wald herumzutreiben, da die Gegend seit einiger Zeit von spinnenartigen Dämonen heimgesucht wird. Mit diesen Worten wird Lochees ein Knüppel in die Hand gedrückt und schon kurz darauf greifen die schwarzen Dämonenwesen an. Doch vom Kampf bekommt Lochees nicht viel mit: er wird von einem Spinnendämon angesprungen, fällt, schlägt mit dem Kopf auf und ist bewusstlos.
Als Der Chronist wieder zu sich kommt, findet er sich in einem Wirtshaus in Newarre wieder. Und als er den Fremden, den er im Wald getroffen hatte, den Wirt mit den leuchtend roten Haaren, wieder sieht, ist ihm klar: er hat Kvothe gefunden.
Lochees überredet ihn, seine Geschichte aufschreiben zu dürfen, damit Licht ins Dunkel gerät. Kvothe ist nur unter der Bedingung einverstanden, dass Der Chronist jedes Wort so niederschreibt, wie es ihm diktiert wird. Nicht sollte verändert werden, nichts verfälscht.

Und so erzählt Kvothe von seiner Kindheit, dem Arkanisten Abenthy, der sein Freund und Lehrer wurde, dem tragischen Mord an seiner Familie durch die Chandrian, sein Leben als Betteljunge und dann später von seinem Leben an der Arkanen Universität, die er durch eine Empfehlung von Abenthy besuchen konnte.

Es ist die Geschichte eines Menschen, der viel miterlebt und gelitten hat, immer begleitet von Rachegedanken, die er seit dem Mord an seiner Familie hegt. Es ist die Geschichte eines jungen Magiers, der sich von dem Namenszauber, der ihm einmal fast das Leben gekostet hätte, die Macht verspricht, es mit diesen feigen Dämonen aufnehmen zu können. Doch es ist auch die Geschichte eines begeisterten Musikers, dessen Gesang und Lautenspiel die Menschen berührt, und eines Jungen, der schüchterne Erfahrungen mit der Liebe macht.


Viele Werke werden mit J.R.R. Tolkien oder Cornelia Funke verglichen oder sogar gleichgesetzt, doch bis jetzt habe ich kein Buch gelesen, das dies mehr verdient hätte, als Der Name des Windes!
Ich kann dieses Buch nur auf´s Wärmste empfehlen und warte schon voller Ungeduld auf die Fortsetzungen. Der Name des Windes ist meiner Meinung nach ein gelungener Auftakt zu einer fantastischen Triologie.
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik.

Beitragvon tenebrae » 10.08.2010, 23:06

Da ist mir doch dieser Rezensions-Thread ins Auge gesprungen und ich dachte gleich, dass ich zu dem Buch was schreiben muss. Es ist zwar schon über ein halbes Jahr her, dass ich das Buch gelesen habe, aber dennoch denke ich, dass man grade dann einen etwas neutraleren Blick hat als direkt nach dem Lesen, wenn alles noch frisch ist.

Zum Schreibstil an sich muss ich sagen, dass ich das Buch ziemlich gut geschrieben fand (habe es im Original gelesen) und vor allem die Beschreibungen, aber auch die inneren Monologe bzw. die Ausformulierung der Gedanken des Charakters ziemlich gelungen fand.

Zum Inhalt, ohne zuviel zu verraten, sage ich offen nur, dass ich da ein wenig geteilter Meinung bin. Es kommt sehr stark auf die nächsten Bände und den Abschluss der Geschichte an, ob es für mich konsistent und somit auch gut ist. Wenn diese meine brennenden Fragen beantworten würden, dann kann ich generell noch sagen: Top.

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Was ich am Interessantesten und auch sehr spannend empfand, war der Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, obwohl die Gegenwart zum Teil doch etwas kurz gekommen ist. Die Idee von der Geschichte in der Geschichte und der Art, wie und warum Kvothe sie erzählt, finde ich gut und auch gut umgesetzt. Vor allem die Erzählpausen und der Wechsel in die Gegenwart sind immer gelungen und beleben die Geschichte aus meiner Sicht ungemein.

Die Geschichte an sich finde ich ganz gut, wobei mich, wie bereits andere erwähnt haben, am Anfang der Charakter Kvothe doch etwas erschreckt hat, da er bereits so toll, bekannt und mächtig ist, dass eine Geschichte mit ihm keinen Spaß machen würde. Daher finde ich die Rückblende als eigentliche Geschichte ganz gut gewählt.
Auf der anderen Seite werfen die Ereignisse in der Gegenwart für mich doch auch eine ganze Menge Fragen auf, die zumindest in diesem Band nicht beantwortet werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Kvothes Geschichte über seine Vergangenheit drei Bücher umfasst (1. - 3. Tag, an denen er erzählt). Ist die Geschichte dann wirklich komplett erzählt? Irgendwie habe ich daran im Buch gezweifelt, denn es passiert zu viel in der Gegenwart. Vor allem die Frage nach den Chandrian stellt sich mir? Hat Kvothe ihr Geheimnis bereits ergründet oder nicht?
Eigentlich ist es ja gut, wenn ein Buch (vor allem ein erster Teil) so viele Fragen aufwirft, solange es sie beantworten kann. Ob die drei Bände (wenn es denn drei sein sollen) das können? Ich hoffe es. Aber eigentlich würde ich mir einen vierten Band wünschen, der die Geschichte in der Gegenwart zu Ende bringt. Von daher auch hier: top Buch, macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik.

Beitragvon Cairiel » 05.01.2012, 19:52

Der Name des Windes - ein durch Zufall gekauftes Buch, in das ich mich sofort verliebt habe. :love:

Sehr toller Schreibstil, fantastische Beschreibungen, gut ausgearbeitete Charaktere. (Ich sag nur: Elodin! :lol: ) Ein wenig stört mich, dass Kvothe so übermäßig talentiert ist, aber glücklicherweise hat er sich mit genügend Problemen auseinander zu setzen, ausgelöst durch seine jugendliche Ungestümheit.

Noch ein kurzer Zusatz zu den Rezensionen vor mir: Ich habe sowohl das englische Original als auch die deutsche Übersetzung gelesen und finde letzteres besser. :thinking: Wirklich großartige Übersetzer, die beiden.

Mein allerliebstes Lieblingsbuch, ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen.
Großes Danke an die Schreibwerkstatt
"Der Verfluchte", Weltenschmiede-Verlag 2013
"Vampires Dawn - Reign of Blood", Weltenschmiede-Verlag 2013
"Der Herr der Schwarzen Schatten", ohneohren-Verlag 2014
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik.

Beitragvon Hacoon » 29.02.2012, 13:04

Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Für die letzten hundert Seiten habe ich am längsten benötigt, da ich das Buch immer wieder weggelegt habe. Ich wollte einfach nicht auf der letzten Seite ankommen :(

Der berühmt und berüchtigte Kvothe erzählt einem Chronisten seine Lebensgeschichte. Wie er zudem wurde, wer er heute ist, aber auch, warum andere so von ihm denken.
Es gibt also zwei Zeitliche Handlungsstränge:
Kvothes Vergangenheit, die wunderschön mit inneren Dialogen geschmückt sind und hier und da durch Kvothes "heutigem" Wissen erklärt oder ergänzt werden.
Zum anderen die Zeitschiene, während er seine Geschichte erzählt.

Kvothe ist Gary Stue! Zumindest das dachte ich, als es losging und der junge Knabe innerhalb kürzester Zeit alles lernte, alles konnte, alles wusste! Aber Wissen, bedeutet nicht immer Weisheit und das erklärt Patrick Rothfuss wunderschön.
Der Schreibstil wurde ja hier schon mehrfach gepriesen udn auch der Übersetzer hat hier hervorragende Arbeit geleistet.
Was mir auch besonders gefallen hat:
Rothfuss nimmt Klischees auf die Schüppe!
Kvothe begegnet einem weisen Mann, der scheinbar dazu in der Lage ist das Rätsel um die Chandrian zu lösen. Doch dann beschreibt er, in dem gewohnten erzählerischen Ton des Kvothes, dass dies ja keine Geschichte aus einem Buch sei, sondern die Realität. Der weise Mann wird abgeführt und Kvothe (immer noch ein junger Knabe) macht sich nicht die Illusion diesen zu befreien. Wie auch? Er ist nur ein kleiner Junge!
Gleiches passiert mit Szenen, in denen man denkt: jetzt küssen die sich. Oder jetzt kommt das.
Nein, Kvothe macht deutlich, dass dies die Realität ist und das es anders kommt.

Außerdem erzählt der "berühmte Kvothe" wie er zu seinem Ruhm gekommen ist und was tatsächlich dahinter steckt. Ein Trick, eine Lüge, ein Gerücht, die Wahrheit, der Aberglaube eines Hinterwäldlers!

Neben der schönen Erzählweise, hat sich Rothfuss auch Lieder und Gedichte und Sagen ausgedacht, die sich wunderschön anhören und mich gar an Tolkiens "Hobbit" erinnert haben. (Und mit diesem Lob geh ich penibel um)

Kontra: Zugegeben, es gibt hier und da vielleicht eine "Länge" die einigen nicht gefallen wird. Ich wurde damit zufrieden gestellt, dass die zwischenmenschlichen Beziehung mit seinen Freunden erklärt oder verdichtet wurden. Dinge sind passiert, die für die Geschichte vll nicht ungemein wichtig sind, aber die "Welt" füllten und erklärten!

Dieses Buch kann ich nur jedem empfehlen und auch wenn der Preis fast unverschämt hoch ist, so lohnt er sich allemal!
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon Lykos » 01.11.2013, 22:28

Hi :D
Für mich definitiv eines der besten Fantasybücher die ich kenne. Die Geschichte ist spannend, wird selten langweilig. Sie zieht einen in ihren Bann, ebenso die Welt und die ganze Atmosphäre.
Nur wenigen Büchern gelingt es, eine einmal aufgebaute Atmosphäre so lange zu halten. Diesem hier schon.
Der Schreibstli wurde zwar schon ungefähr zwanzig mal erwähnt, aber ich denke er ist es würdig, auch ein einundzwanzigstes mal genannt zu werden ;)
Im Moment fällt mir niemand ein, der vom Schreibstil an Rothfuss ranreicht... vom Stil her unübertroffen.
Und das meine ich wirklich so.
Was gibt es noch zu sagen, dass hier noch nicht gesagt wurde? Eigentlich nichts...
Ein sehr sehr gutes Buch, dass hoffentlich bald auch in Deutsch und in billigerem Taschenbuch erscheint...
Lg,
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon Mindelu » 14.11.2013, 13:55

Was haben in letzter Zeit alle mit diesem Wort "Chronik".

Wenn ich das nur sehe oder höre, rollen sich mir schon die Fußnägel.
Ich weiß das ist grade sehr oberflächlich von mir, aber wenn ich als Kunde zur Zeit ein Buch mit dem Wort sehe, würde ich es nicht kaufen. :(
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon Allvater » 24.01.2015, 21:13

Da würdest du bei diesem Buch aber einen Fehler machen. ^^

Ich bin einer dieser Leser, die mit der Ich-Perspektive absolut gar nichts anfangen können. Umso bestürzter war ich, als nach 3-4 Kapiteln dieser wunderschöne Erzählstil in eben diese wechselte.

Zuerst wollte ich gar nicht weiterlesen. Das Buch sogar verkaufen. Doch dann zwang ich mich, denn der Anfang war einfach so gut geschrieben, dass der Rest nicht schlimmer werden konnte. Und ich wurde mit einer tollen Geschichte belohnt :)

Beim zweiten Band muss ich nur bemängeln, dass er es etwas ausführlicher hätte schreiben können...doch dafür ist dieses Thema ja nicht da ^^ :)
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon Flemeth » 13.02.2015, 18:28

Bin immer wieder erstaunt, wievielen Leuten dieses Buch gefällt. Ich für meinen Teil kann nur sagan: Nö, kann gar nichts damit anfangen.

Ich lese Fantasy um mich in eigentümliche Welten voller Konflikte zu begeben. Nicht mal annähernd verspüre ich den schönen mulmigen Nervenkitzel einer gut durchgeplotteten Geschichte, indem dem Leser gerade so viel an Information zugeworfen wird, dass er sich in der Welt zuhause fühlen kann und eine Ahnung dafür entwickelt, wann jemand in sein Verderben rennt, eine Wandlung durchmacht, eine falsche Entscheidung trifft, oder eben doch genau nicht.

Rothfuss aber setzt mir eine gezähmte Welt vor, die so gefährlich und fremd ist wie ein Spaziergang im Garten - die typische england-ische Mittelalter-mit-mehr-Wissenschaft Welt, nur noch ein Stück langweiliger und schwammiger.

Hauptverantwortlicher dafür ist einerseits der sehr schwerfällige, vorhersehbare Aufbau der Geschichte, noch viel mehr aber der Protagonist namens Kvothe (ein weiterer Kritikpunkt sind die Namen, sowohl der Örtlichkeiten als auch der Charaktere. Das meiste davon hört sich an, wie zufällig zusammengewürfelte Silben, die im Hinblick auf Sprache, Kultur, Abstammung, etc. einach nur willkürlich und unnatürlich klingen und keinen Sinn machen) seinen Freunden auch bekannt als Superman. Denn er weiß alles und er kann alles. Ja, ernsthaft. Mal abgesehen davon, dass er blendend aussieht, alle Frauen auf ihn fliegen, er als Schauspieler allen die Show stiehlt, seine Singstimme einfach nur wunderschön ist und gestandene Männer zum Weinen bringt, er eine Bazillion Sprachen spricht (eine davon hat er übrigens innerhalb eines Tages gelernt. Faszinierend, nicht?) uvm. Rothfuss wird auch nicht müde immer mal wieder zu erwähnen, dass Kvothe das feuerroteste Flammenhaar, sowie die geheimnisvollsten und tiefgründigsten grün funkelnden Augen der Welt hat. Der Rest der Charaktere teilt sich in zwei Klassen: Jene die ihn lieben, und jene die ihn nicht lieben. Jene die ihn nicht lieben, sind übrigens verachtenswerte, schlechte Menschen, die ihn nur deshalb nicht lieben, weil sie selbst so ungeliebt sind und einfach nicht kapieren wie faszinierend Kvothe ist!

Wenn aber mal nicht alles so läuft, wie Kvothe es will, etwa wenn ihm der Eintritt in eine Schule verwehrt wird (wo er all seinen Talenten den eigentlich nicht mehr nötigen Feinschliff verleihen möchte), und zwar weil er 1. kein Empfehlungsschreiben hat 2. kein Geld hat 3. zu jung ist hält er einfach mal so eine flammende Rede (das wär auch ein guter Zeitpunkt gewesen um nochmal die Farbe seines Haars zu erwähnen. Rot, wenns wer vergessen hat.) und erklärt den Professoren, dass er der beste Student sein würde, den diese Schule je gesehen hat. Und die Professoren so: "Okay."

Alles in allem kann man sagen, das Buch war für mich so was wie Twilight im Fantasy-Setting mit omnikompetenten Protagonist. Jeder der sich davon angsprochen fühlt: Zugreifen! Und an alle anderen: Oh Mann, ihr hater, kapiert doch endlich mal, wie faszinierend Kvothe ist...

Ach ja, zum viel gerühmten Schreibstil: War für mich zu 50 % ganz okay (wobei meine Ansprüche an den Schreibstil im Fantasybereich jetzt nicht allzu groß sind) und zu 50 % schwülstig, klischeebeladen und möchtegern-poetisch. Ich hab das Buch auf Englisch gelesen und wunderte mich, dass Passagen wie diese nicht dem Lektor zum Opfer gefallen sind:

"My heart is made of stronger stuff than glass. When she strikes she'll find it strong as iron-bound brass, or gold and adamant together mixed. Don't think I am unaware, some startled deer to stand transfixed by hunter's horns. It's she who should take care, for when she strikes, my heart will make a sound so beautiful and bright that it can't help but bring her back to me in winged flight."

Oder die Beschreibung seiner Herzdame:

"Say this, that she was dark haired. There. It was long and straight. She was dark of eye and fair complected. There. Her face was oval, her jaw strong and delicate. Say that she was poised and graceful... Finally, say that she was beautiful. That is all that can be well said. That she was beautiful, through to her bones, despite any flaw or fault. She was beautiful, to Kvothe at least. At least? To Kvothe she was most beautiful."


Beautifulbeautifulbeautiful....würg.
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon Allvater » 13.02.2015, 20:58

Ja da muss ich dir Recht geben. Er glorifiziert die elende Denna schon sehr arg. Wobei ich bei Devi nicht sicher bin, ob sie ihn nur um den Finger wickeln will, oder ihn wirklich interessant findet. Und bei Fela liegt es ja mehr an der Tatsache, was er für sie getan hat, so dass sie ihn aus einem neuen Licht betrachtete. Das kommt doch immer wieder vor. Mann rettet Frau und sie verliebt sich in ihn. ^^

Auch muss ich zugeben, dass einige Abschnitte an der Universität etwas langatmig sind. Gerade deshalb hatte ich im zweiten Band diese anfängliche Ausführlichkeit etwas vermisst, da dieser erste Teil viel schneller abgehandelt wurde. Doch ich persönlich fand diese Sygaldrie/Technomantie Sachen ziemlich interessant. Und er hat es durchaus sehr glaubwürdig verkauft, was mir beim Lesen gut gefallen hatte.

Aber mir gefällt die Art und Weise wie Rothfuß schreibt, auch wenn es ziemlich blumig ist, im Vergleich zu den sonstigen derben Büchern die ich sonst so lese. Im ersten Buch wird es, wenn man nur auf Spannung aus ist, erst interessant, wenn er den Namen des Windes ruft. Doch das bedeutet nicht, dass die vorherigen Seiten langweilig wären. Es ist halt etwas anderes, als das ewige Kämpfen und durch die Lande ziehen, was die anderen Fantasybücher bieten.

Dass Kvothe übernatürlich begabt ist, sehe ich persönlich aber nicht als Negativ an. Warum denn nicht? Es ist eine Fantasywelt und es gibt in der Highfantasy doch immer wieder solche Charaktere. Und manche Genres beschäftigen sich nur mit solchen Leuten. ;)
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Re: 360893815X - Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chron

Beitragvon schreiberling » 25.04.2015, 10:26

Also ich bin über dieses Buch zweigeteilter Meinung.

Sprachlich finde ich es top. Der Einsteig zieht einen sehr effektiv in die Handlung rein ist interessant, man will mehr über den Prota und seine Welt erfahren.


Wo für mich die Probleme losgehen ist bei der doch arg dick aufgetragen beschriebenen und für mich zu lang dauernden Zeit in der Stadt als Strassenjunge, wo für mich auch nie plausibel war warum er nicht versucht einen Job als Lehrling oder Gehilfe irgendwo Arbeit zu ergattern (immerhin ist er anders als die anderen Strassenkids ein gebildeter Jugendlicher sogar mit magischen Fähigkeiten, der mit Sicherheit ein guter Lehrjunge für einen Kaufmann wäre). Und nein, die Traumatisierung durch den Tod seiner Eltern halte ich hier für keine hinreichend gute Erklärung, weil im Strassenleben findet er sich auch ganz akzeptabel zurecht.

Aber okay, das nehme ich noch hin.

Wo ich anfange auszusteigen ist die Universität. Und spezifisch die Klischee-Antagonisten auf die er dort trifft. Da gibt es den Professor der ihn hasst und es auf ihn abgesehen hat, den älteren, adeligen Mitschüler der es auf ihn abgesehen hat und sich trotz seines Alters wie ein 12jähriger extremer Schulhof Bully aufführt und dann hat Prota sowohl under den Profs als auch den Mitschülern sowas wie einen Fanclub. Und dann muss ich ellenlang lesen wie er sich an der Uni mit diesen wenig glaubwürdigen Antagonisten fetzt. Mehr passiert nicht.

Ausserdem habe ich nie begriffen was der gute Kvothe an dieser Tussi für einen Narren gefressen hat. Okay, sie war die allererste Frau in seinem Leben auf die seine erwachenden Hormone angesprungen sind als er 15 war. Das ist für mich eine simple Jugendschwärmerei und warum die dann zu seiner zwischenmenschlich-erotischen Dauerobsession ausartet erschliesst sich für mich ganz einfach nicht, vor allem auch weil sie mir nie sonderlich interessant oder sympatisch rüberkam. Und das Wiedertreffen dieses Jugendschwarms als er an der Uni war schien mir auch an den Haaren herbeigezogen.

Wie gesagt, von mir gibt es hier eine sehr gemischte Bewertung, weil ich Anteile sehr sehr gut finde, sprachlich, Weltenbau, Magiesystem und wie es beschrieben wird, interessanter Aufbau mit dem Chronisten als Zuhörer von Kvothes Erzählungen. Und dann die anderen Teilen wo mir nur der Mund offen stehenbleibt wie amateurhaft das ganze konstruiert ist, zB die mangelnden Charakterisierung seiner Freunde, die eindimensionalen zweitrangigen Bösewichte die ihn an der Uni plagen, das Ausfransen des Plots in völlig irrelevante Füller-Details, die unglaubwürdige Romanze
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