[Tragik]Abenteuer

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Abenteuer

Beitragvon eingenickt » 28.12.2013, 16:18

Abenteuer

Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe. Wie konnte es nur dazu kommen? Verschwommene Bilder der Vergangenheit blitzen auf, dann wieder das Rot der Gegenwart. Das Blut war überall. Eine Pfütze hat sich gebildet und der Gestank von Eisen lag in der Luft.

Ich erinnere mich an Triebwerkgeräusche und tropische Hitze. Erinnere mich an Männer, die Macheten trugen und hinter uns her gerannt sind. Ich erinnere mich an Dunkelheit.

Auch jetzt höre ich die scheppernden Geräusche der Triebwerke. Wir haben es ins Flugzeug geschafft.

Ich verstand nichts von Medizin, das Pressen meiner Hände war nicht mehr als eine Tat aus Verzweiflung und Angst. Angst, meinen Bruder zu verlieren. Immer mehr Erinnerungen bildeten eine Kette aus Ereignissen. Und alles nur weil wir beide endlich mal ein Abenteuer erleben wollten.
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Re: Abenteuer

Beitragvon TRichter » 29.12.2013, 00:38

Hallo,

ich finde es schwierig, diese Passage zu bewerten. Ist eben ein reiner Stimmungsbericht und dafür vielleicht ein wenig zu knapp. Außerdem scheinst du gelegentlich mit der Zeit durcheinander zu kommen.

Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe.


Also entweder: Die Welt flog, als ich beide Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders presste.

oder

Die Welt ist geflogen, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe.

Eine Pfütze hatte sich gebildet und der Gestank von Eisen lag in der Luft.


Ich erinnere mich an Triebwerkgeräusche und tropische Hitze. Erinnere mich an Männer, die Macheten trugen und hinter uns her rannten. Ich erinnere mich an Dunkelheit.


Ich verstand nichts von Medizin, das Pressen meiner Hände war nicht mehr als eine Tat der Verzweiflung und Angst. Angst, meinen Bruder zu verlieren. Immer mehr Erinnerungen bildeten eine Kette aus Ereignissen. Was für welche? Und alles nur weil wir beide endlich mal ein Abenteuer erleben wollten. Was für eins?


Wie gesagt, wahrscheinlich soll das "nur" eine stimmungsvolle Beschreibung sein, aber auch dafür ist es imo zu knapp und diese Sache mit den Zeiten solltest du korrigieren. Was dir allerdings gut gelingt, ist das Beschreiben der Verzweiflung im letzten Absatz und das auch nur mit wenigen Worten.
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Re: Abenteuer

Beitragvon Mandarine » 30.12.2013, 03:10

Hallo eingenickt,

das ist mein erste Kommentar hier, ich hoffe, er ist trotzdem konstruktiv genug.

Zunächst möchte ich sagen, dass du mich gut eingefangen hast mit deinem ersten Satzteil. "Die Welt flog" beschreibt so viel. In so einem moment, spürt man glaube ich auch nicht anderes. Einfach nur, dass die Welt, die Zeit an einem vorrüberfliegt.

Gut hat mir auch diese Passage gefallen:
dann wieder das Rot der Gegenwart
Ich finde es immer wesentlich schöner, wenn man Bilder nicht mit einfachen Worten beschreibt sondern wieder Bilder einsetzt.

Mir ist auch aufgefallen, wie du in den Zeiten springst. Wenn du damit keine tiefere Absicht verfolgst, änder sie. Es verwirrt und liest sich auch nicht schön. Mut zum Präterritum, wie mein Deutschlehrer immer sagte. Perfekt kann jeder :D

Leider fehlt auch mir ein Bisschen der Hintergrund. Du lässt dem Leser viel Raum, um sich seine eigene Geschichte zu bauen. Das ist gut - aber es ist ja deine Geschichte, also musst du eine Art Gerüst geben, an dem der Leser seine Gedanken emporwachsen lassen kann. So zumindest meine Meinung.

Letzter Vorschlag: ich glaube, hier
Und alles nur ,weil wir beide endlich mal ein Abenteuer erleben wollten.
muss ein Komma rein. Aber das ist nur mein Gefühl, vielleicht irre ich mich.

Immer mehr Erinnerungen bildeten eine Kette aus Ereignissen
Den Satz würde ich so stehen lassen. Er ist so stark, dass er keine Erklärung braucht für mein Empfinden.

Alles in allem gefällt mir dein Text sehr gut, wenn auch etwas kurz. Vielleicht gibst du uns ja noch ein Gerüst. Ich würde mich freuen.

Grüße,
Mandarine

Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur.
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Re: Abenteuer

Beitragvon eingenickt » 01.01.2014, 14:16

Danke für die Konstruktiven Kommentare!

Die Zeitfehler sind natürlich peinlich und nicht zu entschuldigen. Ich habe die gesamte Geschichte
geändert und in Präsenz umgeschrieben. Ich finde, dass es sich jetzt so besser ließt.

Und ja, ich lasse zu viel offen. Ich mag es, wenn man seine eigene Fantasie nutzen kann - aber hier ist dann vielleicht zu viel offen, stimmt.

Ich werde das überarbeiten. Danke für die hilfreichen Kommentare!

Frohes neues Jahr!
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Re: Abenteuer

Beitragvon Träumerin25 » 02.01.2014, 13:57

Hallo eingenickt!

Erst mal ein frohes neues Jahr! :trefoil:
Ich finde deine Geschichte wirklich toll, weil ich selbst auch oft solche ähnlichen "Gedanken getriebenen" Geschichten schreibe. Man kann sich gut in deinen Protagonisten hineinversetzen. Ich finde es auch gut, dass du dem Leser viel Freiraum für seine eigenen Fantasien gibst.

Erinnere mich an Männer, die Macheten trugen und hinter uns her gerannt sind


Allerdings gibt es hier für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Freiraum, denn du schreibst am Ende ja nur, dass sie ein Abendteuer erleben wollten und nicht, dass sie irgendetwas verbrochen haben und deshalb gejagt werden. Vielleicht könntest du an dieser Stelle einfach noch einen Gedanken einfügen, wo dein Protagonist sich an etwas erinnert, das den Männern mit den Macheten nicht gefallen hat. Einfach, damit man versteht, warum der Bruder verletzt wurde und warum sie gejagt wurden.

Ich erinnere mich an Dunkelheit.


Eigentlich finde ich das Element Dunkelheit sehr schön, nur hast du es vielleicht nicht ganz so schön "verpackt". Ich fände es besser, wenn du schreiben würdest: Und Dunkelheit. Das klingt irgendwie unheimlicher, gefährlicher und vor allem auch trauriger. Und auch bei dem Satz davor (siehe oben) würde ich das "Erinnere mich" rausstreichen. Dadurch verhinderst du eine Wortwiederholung.

Zu den Sachen mit den Zeitsprüngen und dem Komma muss ich eigentlich nichts mehr sagen, das haben Mandarine und TRichter schon erledigt. Ich stimme den beiden da übrigens zu.

So, ich hoffe, du kannst etwas mit meinem Kommentar anfangen. :D
Ansonsten noch viel Spaß beim Schreiben! :pc: :writing: :reading:

Lg Träumerin25
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Re: Abenteuer

Beitragvon eingenickt » 02.01.2014, 16:56

Hallo Träumerin25,

dir auch ein frohes neues Jahr und Danke für deinen Kommentar.

Deine Änderungsvorschläge haben mir gut gefallen, dass werde ich wohl so machen, danke!
Und ja, der Leser weiß nicht, warum sie gejagt wurden, das fehlt dann noch, hast du recht.

Danke für deinen hilfreichen Kommentar :)
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Re: Abenteuer

Beitragvon Zotto » 18.03.2014, 22:19

eingenickt hat geschrieben:Abenteuer

Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe. Wie konnte es nur dazu kommen? Verschwommene Bilder der Vergangenheit blitzen auf, dann wieder das Rot der Gegenwart. Das Blut war überall. Eine Pfütze hat sich gebildet und der Gestank von Eisen lag in der Luft.

Ich erinnere mich an Triebwerkgeräusche und tropische Hitze. Erinnere mich an Männer, die Macheten trugen und hinter uns her gerannt sind. Ich erinnere mich an Dunkelheit.

Auch jetzt höre ich die scheppernden Geräusche der Triebwerke. Wir haben es ins Flugzeug geschafft.

Ich verstand nichts von Medizin, das Pressen meiner Hände war nicht mehr als eine Tat aus Verzweiflung und Angst. Angst, meinen Bruder zu verlieren. Immer mehr Erinnerungen bildeten eine Kette aus Ereignissen. Und alles nur weil wir beide endlich mal ein Abenteuer erleben wollten.


Hey eingenickt,

ich habe deine Geschichte gelesen und äußere mich mal zu ihr.
Bei deinem ersten Satz stockte ich.

Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe.


Das ist für mich irgendwie missverständlich. Er presst mit beiden Händen auf die klaffende Wunde. Das könnte man vielleicht runder formulieren.

Die Welt flog? Meinst du damit, dass der Protagonist verwirrt ist und sich alles um ihn herum dreht? Oder flog die Zeit nur so, als diese Schocksituation eintrat?
Du schilderst sehr gelungen die innere Rückblende eines Mannes, der eine traumatische Situation durchlebt hat. Du kommst dabei mit wenigen Worten aus und der Leser ist gefordert. Deine Geschichte mutet fast alptraumhaft an. Ein Fiebertraum aus dem unendlichen Dschungel. Ich bin etwas zwiegespalten, da ich einerseits sehr gerne mehr Informationen zu der Geschichte erfahren hätte, andererseits aber auch gerade diese Ungewissheit schätze. So kann der Leser interpretieren.
Alles in allem ein Lob von mir. Ein atemberaubender Anfang, der auch eine Weiterführung verdient hätte.
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Re: Abenteuer

Beitragvon HappyGirl » 19.03.2014, 16:49

Hallöle :)

Ich fange einfach mal direkt an ;)

Zu erst einmal gefällt mir dein Titel sehr gut! Jedoch finde ich es schade, dass man am Ende über das eigentliche Abenteuer nicht wirklich etwas erfährt, daher ist der Titel nicht ganz so passend. Trotzdem mag ich ihn :D

Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders gepresst habe

Dieser Satz jedoch hat mich sofort ins stolpern gebracht. Ich musste ihn mehrmal lesen, bis ich ihn ganz verstanden habe. Vielleicht schreibst du lieber: "Die Welt flog, als ich mit beiden Händen auf die klaffende Wunde am Hals meines Bruders presste." Das liest sich irgendwie flüssiger als "gepresst habe".

Verschwommene Bilder der Vergangenheit blitzen auf, dann wieder das Rot der Gegenwart.

Diesen Satz finde ich super gelungen!!

Ich erinnere mich an Triebwerkgeräusche und tropische Hitze. Erinnere mich an Männer, die Macheten trugen und hinter uns her gerannt sind. Ich erinnere mich an Dunkelheit.

Hier vielleicht lieber: "Ich erinnere mich an Triebwerkgeräusche und tropische Hitze. An Männer, die Macheten trugen und hinter uns her rannten. Ich erinnere mich an Dunkelheit." Finde ich klint besser. Ist aber Geschmackssache denke ich.

eine Tat aus Verzweiflung und Angst

Die stelle würde noch mehr wirken, wenn du "aus reiner Verzweifelung" schreibst.

Das offene Ende gefällt mir an sich ganz gut. Dein Text könnte jedoch auch gut eine Einleitung, oder ein Prolog für eine längere Geschichte sein. Auf jeden Fall macht er Lust und Neugier auf eine Fortsetzung ;)
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