Achtung! Hochspannung! - Im Konflikt [12]

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Achtung! Hochspannung! - Im Konflikt [12]

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Achtung! Hochspannung! - Im Konflikt [12]

Hat das mit den Konfliktsituationen durchspielen gut geklappt?
Hast du auch innere Konflikte eingebaut?

von © Jacky

 
Ich werde nicht müde, zu betonen: Der Konflikt ist der Motor jeden erzählenden Textes. In einer Geschichte soll etwas geschehen, sagt ja schon das Wort. Eine Geschichte, in der nichts geschieht, sollte man "Stillstände" nennen. Eine Geschichte ohne Konflikt ist wie ein Krokodil ohne Zähne, wie ein Schuljunge ohne Ausreden, wie ein Hase ohne Pemmerl, wie ... na gut, lassen wir das ...

Obwohl mir Deine Vorliebe, Hohenlohe, zu harmonischen Dingen sehr sympathisch ist, führt dennoch an diesem Grundsatz kein Weg vorbei (wie Du selbst einräumst).

Indes ist es mir zu mager, was wir hier zum Thema "Konflikte" finden. Ich habe seinerzeit meine Soziologieprüfung auf der Uni mit sehr gut abgelegt (bitte entschuldigt die kleine Eitelkeit), wobei mein Lieblingsgebiet die Konfliktsoziologie war. Keine Angst, ich werde hier nicht zu dozieren anfangen, aber vier Hinweise möchte ich doch zu bedenken geben:

1. Es gibt viele unterschiedlich organisierte Konflikte. Als Schreiberling sage ich: Gott sei Dank, Schreibstoff ohne Ende ... Von der Ein-Personen-Ebene (z.B. der Staatsanwalt müsste seine Ehefrau einsperren, will aber seinen Kindern nicht die Mutter nehmen), über Gruppenebene (z.B. rivalisierende Jugendbanden in der Bronx) bis hin zu Konflikten auf Völkerebene oder ganzen Ideologien (z.B. Kalter Krieg, islamistischer Fundamentalismus).

2. Wir Schreiberlinge neigen dazu, die sog. "intrapersonalen Rollenkonflikte" (landläufig auch "innere Konflikte" genannt) überzubewerten. James Bond etwa plagen derlei Konflikte überhaupt nicht ...

3. Erst wenn mehrere Konflikte, üblicherweise in unterschiedlichen Ebenen ineinandergreifen wird es richtig interessant. Das passiert z.B. wenn ein Einzelschicksal in den Ersten Weltkrieg eingebettet wird (z.B. "Im Westen nichts Neues" etc.). Hier müssen wir Schreiberlinge uns geradezu als "Konfliktmanager" (in unserem höchst speziellen Sinn) erweisen. Das ist die Herausforderung, die unserer würdig ist.

4. Der Konflikt ist weniger eine Frage der Charakterisierung der Protagonisten, sondern eine Frage des Plots. Dieser entwickelt sich nämlich entlang des Konfliktes. Das verleiht Dynamik und gibt unseren Protagonisten die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Dadurch werden diese psychologisch interessanter.

zorro

von © zorro

Re: Achtung! Hochspannung! - Im Konflikt [12]

 
Hallo!

Ich habe in meiner Characterausarbeitung zwar viele Konflikte eingebaut, allerdings habe ich Schwierigkeiten, diese in einer starren Aufgabenstellung gut auszuarbeiten bzw. darzulegen. Das wird mich noch einiges an Übung kosten.

Zumal mir meistens nicht einmal wirklich klar wird, was zum Konflikt zählt. Oder ist damit jegliche auftauchende Schwierigkeit gemeint?

Ich neige dazu, nur größere Konflikte bereitzustellen, weil mir beispielsweise schwierige Entscheidungen irgendwie so nahe stehen, dass ich die schon gar nicht mehr als Konflikt ansehe. Abhärtung vielleicht...

Naja, ich habe meine beiden Stützpfeiler (Protagonist und der vorläufige Antagonist) nach deinem Charakterkurs ausgearbeitet, aber auf die Konflitkaufgabe verzichtet. Im Alltag funktionieren die beiden immerhin, obwohl ich oft dazu neigte, eine Katastrophe geschehen zu lassen *grins*

Das Konfliktthema wird mich also eine Weile beschäftigen.

Lg,
Nadine

von © Nadine M.

Re: Achtung! Hochspannung! - Im Konflikt [12]

 
Als Konflikt zählt eigentlich alles, wo zwei gegenläufige Zielstellungen oder Meinungen aufeinander treffen.

  • Anna und Peter haben Jahrestag, Anna will zum romantischen Abendessen ins Restaurant, Peter will zu Hause bleiben und Fußball gucken = Konflikt.
  • Auch innere Konflikte zählen definitiv dazu: Paul möchte Eva seine Liebe gestehen, aber er traut sich nicht, weil sie ihn abweisen könnte = Konflikt.
  • Jens möchte von der Arbeit nach Hause gehen, aber eine gruppe betrunkener Jugendlicher verstellt den kürzesten Weg = Konflikt.
Daraus folgt dann halt die Frage, wie sie mit dem Konflikt umgehen.

  • Setzt Anna sich durch und sie gehen Essen? Schreit Peter sie an oder gibt er nach ohne lange zu überlegen?
  • Überwindet Paul seine Angst oder nimmt er es sogar schweigend hin als Thorsten sich an Eva ran macht?
  • Macht Jens einen Umweg, um nicht mit den Betrunkenen aneinander zu geraten? Wechselt er nur die Straßenseite? Oder bahnt er sich sogar einen Weg durch den Pöbel?
Die Antworten auf diese Fragen geben einen tiefen Einblick in die Psyche deines Charakters, dadurch lernst du, wie er in Konfliktsituationen reagiert, ob er sich ihnen stellt, ihnen ausweicht, sie ignoriert oder sie sogar provoziert.

Das ist der eigentliche Punkt dieser Übung. Herauszufinden, wie dein Charakter wahrscheinlich reagiert, wenn er mit irgendwem oder irgendwas aneinander gerät. Sie ist dafür da, ihn für dich selbst vorhersehbarer zu machen.

Schließlich wird er im Laufe der Geschichte - hoffentlich - in eine Menge Konfliktsituationen kommen und da ist es immer gut, wenigstens ein ungefähres Gefühl dafür zu haben, was wahrscheinlich passieren wird. Bzw. wenn genau das nicht passieren soll, einen verdammt guten Grund dafür zu finden.

lg
Jacky ;)

von © Jacky