[Fanty]Adyria (1.2 Kapitel)

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[Fanty]Adyria (1.2 Kapitel)

Beitragvon Angelstar » 16.08.2014, 21:53

adyria-1-1-kapitel-t51066.html -> Hier geht es zurück!

Ich nickte nur. „Du wirst in die Menschenwelt geschickt…“, murmelte er und wippte mit seinen Beinen herum.
Was? Ich-Ich konnte nicht dorthin… Warum sollte ich überhaupt dorthin? Viele Fragen drängten sich in meinen Kopf, wurden aber nicht ausgesprochen.
Ich musste aufpassen, dass mir keine Träne hinunterrollen würde. „Und-Und was ist mit meinen Eltern?“, murmelte ich traurig und mit gesenktem Kopf.
Er dachte nach, erwiderte dann aber: „Die werden es schon erfahren!“ Als ich etwas sagen wollte, kam der Direktor mir zuvor: „Clara, du musst wissen, dass es nicht gut ist in diesem Alter schon in die Menschenwelt geschickt zu werden… Du bist die Jüngste! Keine andere Zwischenweltlerin verstößt gegen so viele Gesetze…“
Einigermaßen fühlte ich mich erniedrigt, doch trotzdem konnte ich noch meine letzte Kraft fangen und antwortete: „Aber… Meine Eltern müssen doch einverstanden sein, oder?“
Der Direktor schüttelte den Kopf. „Das hat nichts damit zu tun. Wenn du gegen mehrere Gesetze verstößt, dann passiert so etwas.“
„Aber…“
„Kein Aber. Du musst dorthin und aussuchen kannst du es dir sowieso nicht.“
„Ich will meine Eltern wenigstens noch sehen“, jammerte ich.
„Sie werden dir schon Briefe schreiben“, erwiderte er ausweichend. Noch nie hatte ich den Direktor so kalt gesehen. Es klang, als hätte er kein Mitgefühl…
Als ich mit den Gedanken bei ihm war, konnte ich die Träne nicht mehr aufhalten, welche schon auf dem Weg zu meinem Kinn meine Wange hinunterrollte. Erst jetzt leuchteten die Augen des Direktors auf und er murmelte: „Es wird schon alles gut… Ich versprich es dir!“ Er machte eine kleine Pause. „Komm einmal her. Dann kann ich dir zeigen, wie man etwas bei einer Person einträgt“ Dabei srach der Direktor noch laut, doch dann flüsterte er noch: „Das darf niemand sehen“ Mit seinem Mund formte er noch ein „Pssh“.

Ich erhob mich von dem Sessel, ging um den Tisch herum, bis ich beim Direktor ankam. Ein weißes großes Ding hielt er in der Hand, an dem er immer wieder herumdrückte. Es war wie ein kleiner Computer mit Tastatur. „Das ist der Monitor, welcher die Verbindung zu dem Rat erstellt. Hier muss ich drücken“ Er drückte auf einen großen lilafarbenen Knopf. „Und dann kommen gleich diese Felder: Name, Schule, wie viele Eintrage und was für Einträge diese Person besitzt“
Ich sah ihm zu, wie er meinen Namen eintippte, genauso wie meine Schule. Insgesamt hatte ich acht Einträge.
„So und jetzt würde mich bald der Rat anrufen, dass das Taxi da ist…“
„Warten Sie… Wie lange muss ich dortbleiben?“, fragte ich und erwartete eine Antwort.
„Ich erwarte ein Jahr, kommt aber auch auf dein Verhalten in der Menschenwelt an. Der Rat kann die Dauer verkürzen- aber auch verlängern…“
Die nächsten Minuten waren so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Kein einziges Geräusch störte die Ruhe und niemand sprach. Ich begutachtete lediglich das Telefon, welches jeden Moment klingen könnte.
Wir warteten schon fast darauf, dass es läutete und so war es auch…
Kling. Kling. Kling.
Der Direktor ging zum Telefon hin und nahm den Hörer. Er antwortete nichts. Nach einigen Minuten war das „Gespräch“ beendet. Ich sah ihn nur noch hoffnungsvoll an.
Ich musste mit den Tränen kämpfen. Jeden einzelnen Moment drohten sie hinunterzurollen und sich über das ganze Gesicht zu verteilen. „Das Taxi ist da“

Bei jedem Schritt, den ich setzte, schnaufte ich hoffnungslos auf und suchte irgendeine Gelegenheit zu fliehen. Ich wollte all das nicht durchstehen oder überhaupt zu der Menschenwelt gelangen. Es sollte dort schrecklich sein, ein grausamer Ort…
Als ich draußen ankam, sah ich sofort das Taxi, welches flog. Es war eines der „wichtigen“ Sorte, die anderen fuhren, aber dieses schwebte, wie der Sessel, ungefähr 80 Zentimeter über dem Boden.
„Clara May?“, fragte der Fahrer, welcher gerade ausstieg und mich herbeiwinkte.
„Ja“, meinte ich mit einer etwas traurigen Stimme und sah mich noch um. Meine letzten Schritte hier in der Zwischenwelt für ein Jahr… Ich hatte Angst.
„Wir müssen los! Sonst funktioniert nichts nach dem Plan“, schimpfte er mürrisch. Ich nickte noch kurz, hob dann meinen Fuß und stieg in das hohe Taxi.
Als ich drinnen war, stieg der Fahrer auch ein und fragte mich: „Wo ist dein Gepäck?“ Wo war wirklich mein Gepäck? „Ich glaube, es wird noch geliefert“, stotterte ich und trotzdem versuchte ich ruhig durchzuatmen. Hatte ich überhaupt ein Gepäck?
Alles wird gut, Clara, redete mich mir ein. Es half nicht wirklich, denn das Einzige was verschwand, war die Hoffnung. Nur dieses hässliche Gefühl von Sehnsucht verbreitete sich durch meinem Körper. Es fing schon in den Zehen an, krabbelte in den Magen und schoss demnächst bis hinauf zu meinem Kopf. Ein schreckliches Gefühl… Immer wieder versuchte ich es loszuwerden, nicht daranzudenken, doch es wurde dadurch nur schlimmer. Es tat schon fast weh, die anderen, meine Familie zu vermissen und dennoch verdrängte ich es. Nur Sekunden konnten mich von diesem Leid befreien, dann kam wieder alles zurück… Die Bilder, Verletzungen und Personen. Alles lief in einem Film ab, als würde gleich mein Todeszeitpunkt stehen. Es war schrecklich. Ich hatte Angst und jetzt, durch diese Bilder, noch mehr.
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Re: Adyria (1.2 Kapitel)

Beitragvon Hyena » 19.08.2014, 08:07

Hallo, Angelstar :)

Zu lange schon steht dein schöner Text hier unbeantwortet. Ich werde mich ein wenig mit ihm befassen, dabei aber berücksichtigen, dass du erst 12 bist.

Was? Ich-Ich konnte nicht dorthin… Warum sollte ich überhaupt dorthin?

Da dies nur ihre Gedanken sind, würde ich sie hier nicht stottern lassen. In Gedanken stottert man eher selten :wink:

„Das hat nichts damit zu tun. Wenn du gegen mehrere Gesetze verstößt, dann passiert so etwas.“
Gesetze sind meistens sehr genau formuliert. Darum wäre es gut, wenn wir hier eine genaue Anzahl erfahren würden. Wenn im Gesetzesbuch wirklich nur "mehrere" steht, dann könnte man ziemlich willkürlich entscheiden, wer verbannt wird - der eine schon bei 3 Vergehen, der nächste erst bei 30 usw. Das wäre ziemlich ungerecht.


Dabei srach der Direktor noch laut

Hier fehlt ein p, es muss heißen sprach. Das "noch" würde ich weglassen.

„Warten Sie… Wie lange muss ich dortbleiben?“, fragte ich und erwartete eine Antwort.

Wenn man fragt, erwartet man eigentlich immer eine Antwort, darum brauchst du das nicht extra noch einmal schreiben. Es reicht ein fragte ich.

Es sollte dort schrecklich sein, ein grausamer Ort…

Hier würde mich interessieren, was für Gerüchte sie denn gehört hat, die ihr Angst machen, z.B. "Es sollte dort Bla geben" oder "Man erzählte sich, dass...", "Meine Eltern sprachen manchmal heimlich über ..."

„Ja“, meinte ich mit einer etwas traurigen Stimme und sah mich noch um.

"Etwas" traurig finde ich zu wenig für jemanden, der gerade gewaltsam aus seiner Familie und seiner Heimat gerissen wird.

Stell dir vor, du gehst nichts ahnend zur Schule, plötzlich kommt die Polizei, nimmt dich mit und erzählt dir, du müsstest nun für mindestens 1 Jahr ganz allein nach Indonesien reisen. Was würde dir durch den Kopf gehen? Wo liegt Indonesien überhaupt, spricht man dort irgendeine Sprache, die ich kenne? Werden die Leute gastfreundlich sein und mir helfen oder sind das Kannibalen, die mich am liebsten im Suppentopf sehen? Du würdest fieberhaft überlegen, was du denn alles so für Gerüchte über das Land gehört hast, ob du dich an eine Doku im Fernsehen erinnerst etc. Du würdest vielleicht schon überlegen, wie du heimlich wieder von dort fliehen und nach Hause reisen kannst.

Stell dir diese Situation vor und wie du dich fühlen würdest, was dir durch den Kopf gehen würde - und dann übertrage das auf deine Geschichte. Deine Protagonistin hat noch viel zu wenig Angst :)

„Wo ist dein Gepäck?“ Wo war wirklich mein Gepäck? „Ich glaube, es wird noch geliefert“, stotterte ich und trotzdem versuchte ich ruhig durchzuatmen. Hatte ich überhaupt ein Gepäck?
An sich gut geschrieben, es zeigt die Unsicherheit der Protagonistin, aber du hast drei Mal Gepäck.

Es half nicht wirklich, denn das Einzige was verschwand, war die Hoffnung.
Hier ist mir wieder zu wenig. Es muss doch noch mehr geben, was verschwindet, was in ihr zerbricht

Es tat schon fast weh, die anderen, meine Familie zu vermissen und dennoch verdrängte ich es. Nur Sekunden konnten mich von diesem Leid befreien, dann kam wieder alles zurück… Die Bilder, Verletzungen und Personen. Alles lief in einem Film ab, als würde gleich mein Todeszeitpunkt stehen.
Was für Bilder? Wie sah der Film in ihrem Kopf aus? Ein paar Beispiele würden sich hier gut machen :)

Fazit:

Ich finde die Idee von einem Mädchen, dass aus einer geheimnisvollen magischen Welt in unsere verbannt wird, sehr spannend und für eine 12-jährige schreibst du wirklich schon gut! Was ich mir für den Text wünschen würde, ist, dass du:

1. Die Gefühle der Protagonistin deutlicher herüber bringst
2. Dir genau überlegst, wer das Urteil überhaupt verhängt hat und die konkrete Anzahl der Vergehen
3. Mehr mit konkreten Beispielen arbeitest, damit ich mir etwas genaueres unter ihren Ängsten vorstellen kann.

Bleib dran :D

Liebe Grüße
Hyena
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Re: Adyria (1.2 Kapitel)

Beitragvon Cookie2609 » 07.01.2015, 20:29

Hallo Angelstar :)

Es ist jetzt zwar schon eine Weile her, dass du deinen Text hochgeladen hast, vielleicht schaust du ja trotzdem mal vorbei und liest dir das hier durch :wink:
Erst einmal, Respekt, dass du in deinem Alter schon solche Texte schreiben, die meisten in diesem Alter interessieren sich ja nicht einmal für so etwas :mrgreen:
An sich ist die Handlung recht spannend und auch die Idee ist gut. Daran weiterzuschreiben würde sich sicherlich lohnen.

Ich bin selbst erst 16 und das Alter fällt beim Schreiben bzw. Lesen schon auf, was aber an sich nicht weiter schlimm ist. Es gibt nur ein paar Kleinigkeiten, die man vielleicht ändern sollte.
Was? Ich-Ich konnte nicht dorthin…

Hier erst einmal das Stottern weglassen, ist in einer wörtlichen Rede an sich nicht schlecht, gehört aber nicht in Gedanken. Dann sind die drei Punkte am Satzende überflüssig, einer reicht vollkommen aus finde ich.
Auch etwas, das man bei wörtlicher Rede an sich machen kann, ansonsten aber eher vermeiden sollte.

Was ich sprachlich bei dir gut finde, sind die Verben, die du immer mit der wörtlichen Rede verbindest. Viele junge Schreiber neigen dazu, immer das Wort "Sagen" zu benutzen, du hast da aber so einiges an Abwechslung eingebracht. Sehr gut!

Als ich mit den Gedanken bei ihm war, konnte ich die Träne nicht mehr aufhalten, welche schon auf dem Weg zu meinem Kinn meine Wange hinunterrollte. Erst jetzt leuchteten die Augen des Direktors auf

Warum weint sie, wenn sie mit den Gedanken bei ihm ist? Sollte nicht eher die Tatsache, dass sie aus ihrer Welt verbannt wird, sie zu, Weinen bringen? Vielleicht so etwas:
So sehr ich es auch versuchte, es gelang mir nicht, meine Gedanken von dem abzulenken, was mit bevorstand. Verzweifelt versuchte ich, gegen die Tränen anzukämpfen doch schließlich rollte doch die erste Träne meine Wange hinunter.

„Es wird schon alles gut… Ich versprich es dir!“

"Ich verspreche es dir!"

Insgesamt eine super Idee, finde ich schön, dass du so etwas aufschreibst, mach auf jeden Fall weiter so!
Achte beim Schreiben einfach ein bisschen auf die Ausdrücke und Sätze die du verwendest und wie der Leser sie versteht.

Liebe Grüße,
Cookie :D
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Re: [Fanty]Adyria (1.2 Kapitel)

Beitragvon Arya007 » 24.10.2015, 17:23

Hey Angelstar,
bin durch Zufall auf deinen Text gestoßen und hab erst mal den 1. Teil gelesen. Zu dem war allerdings schon alles gesagt :girl:
Das Forum ist zwar schon etwas älter, hoffe aber, dass du trotzdem noch hier vorbeischaust und das liest
Eine echt tolle Idee und ein verdammt guter Text!

Nur ein paar kleine Verbesserungsvorschläge:

Angelstar hat geschrieben:wippte mit seinen Beinen herum.

Vielleicht liegt es an meinem komischen Gehirn, aber wie wippt man mit den Beinen? Die Formilierung klingt toll, ich kann mir nur rein gar nichts darunter vorstellen. Das "herum" kannst du, meiner Meinung nach, weglassen. So wird die Formulierung klarer.

Angelstar hat geschrieben: Du musst dorthin und aussuchen kannst du es dir sowieso nicht.

wie wäre es mit: Du musst dorthin, ob du willst oder nicht.
Ist aber reine Geschmacksache :D

Angelstar hat geschrieben: Erst jetzt leuchteten die Augen des Direktors auf und er murmelte: „Es wird schon alles gut… Ich versprich es dir

es heißt ich verspreche. Ansonsten ein total gelungener Satz!

Angelstar hat geschrieben:Ich musste mit den Tränen kämpfen. Jeden einzelnen Moment drohten sie hinunterzurollen und sich über das ganze Gesicht zu verteilen. „Das Taxi ist da“

Genial! Ich würde zur Spannungssteigerung noch einen Absatz vor den Taxisatz setzten

Fazit: dein Text ist verdammt gut! Als einziges fällt mir noch auf, dass du ziemlich oft "welche" verwendest, anstatt "die" aber das ist Geschmackssache
Weiter so, ich würde gerne noch mehr lesen
Lg Arya
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