Aller Anfang ...

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Beitragvon ThetaHelion » 07.05.2015, 19:30

Hallo liebe Schreibwerkstättler,

mein bisheriges Schaffen war ausschließlich auf den privaten Bereich beschränkt, aber ich möchte mich gern entwickeln und vor allem herausfinden, auf welchem Stand mich erfahrene(re) Autoren einstufen würden. Obwohl ich für mich selbst schon viel geschrieben habe, fühle ich mich gerade wie beim ersten Fahrradfahrversuch und hoffe, dass sich das ein oder andere Stützrad findet.

Ich hatte mir bis heute noch nie wirklich tiefer gehende Gedanken zu einem Charakter gemacht, der bei einem Leser ein initiales Interesse wecken soll und vielschichtig genug ist, damit er ein paar hundert Seiten füllen könnte. Aus diesem Grund möchte ich euch gern Nick vorstellen und würde mich sehr darüber freuen, wenn ich die ein oder andere Anmerkung dazu erhalten würde, vor allem natürlich was gelungen oder nicht gelungen ist und was ich verbessern, noch hinzufügen oder weglassen sollte.

===

Nick 2.0

Nicklas Feinel, kurz Nick, steht wenige Tage vor seinem 28. Geburtstag. Schon während der Schwangerschaft gab es Komplikationen und beginnend mit der Geburt verbrachte er über die Jahre hinweg mehr Zeit angeschlossen an Maschinen, als mit allem anderen. Nick war von schmächtiger Statur, Anstrengungen erschöpften ihn aber zusätzlich viel schneller als andere Kinder. Freunde fand er als Kind fast nur im Krankenhaus und denen ging es meist noch schlechter als ihm selbst. Für die Ärzte war er ein Rätsel. An die Patientenmonitore angeschlossen blieb er stabil, davon entkoppelt verschlechterte sich sein Zustand binnen weniger Tage.

Sein Leiden kostete die Familie viel Kraft. Untersuchungen und Therapieversuche zehrten an den Finanzen. Es zeigte sich, dass die nächtliche Überwachung seiner Werte ausreichte, um ihn bei mäßiger Belastung über den Tag zu bringen. So konnte er wenigstens zur Schule gehen, als er alt genug war, blieb jedoch ein Außenseiter mit nur wenigen Freunden.

Nick war trotz seines Leidens recht aufgeweckt und hatte Freude am Lernen und Büchern. Viel Zeit verbrachte er in der Werkstatt seines Vaters und lernte dort einiges über Elektronik. Erstaunlicherweise hielten seine Kräfte dabei viel länger durch. Was lag näher, als das kleine Geschäft seiner Eltern später einmal zu übernehmen.

Mit gerade einmal 25 musste er, früher als erwartet, in die Fußstapfen seines Vaters treten, der nach einem Unfall in der Werkstatt pflegebedürftig wurde. Nick versuchte alles, doch er war alles andere als ein guter Geschäftsmann. Je schlechter das Geschäft lief, desto häufiger verbrachte er die Abende in Kneipen und Bars, begann zu spielen und zu trinken. Er hatte erstaunliches Glück an Automaten und hielt den Laden damit eine Zeit lang über Wasser. Bald durfte er aber an Automaten nicht mehr spielen, da man ihm ohne es nachweisen zu können als Elektronikspezialist unterstellte, diese zu manipulieren.

In einer Kneipe, redselig unter Alkohol, geriet Nick an die falschen Leute und ließ sich auf die schiefe Bahn bringen. Er stellte in der Not, entgegen seiner Überzeugung, sein Wissen um Elektronik und Sicherheitsanlagen gegen Geld in den Dienst zwielichtiger Gestalten und hielt von da an mit diesen Zusatzverdiensten, die offiziell noch Spielgewinne waren, den Laden seiner Eltern am Leben. Es dauerte nicht lange, bis das Gesetz auf ihn aufmerksam wurde, aller Vorsicht zum Trotz.

Spoiler: Anzeigen
Nick 1.0

Nicklas Feinel, kurz Nick, steht wenige Tage vor seinem 28. Geburtstag. Er ist der nette junge Mann von nebenan. Zu den Nachbarn stets freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend, war er früher zudem ein guter Schüler und Sportler. Obwohl er nicht unattraktiv war, hatte er kaum Freunde und ständig wechselnde Beziehungen. In der Schule konnten ihn die Wenigsten leiden und nicht selten wurde er Opfer von Gemeinheiten bis hin zu Verfolgungsjagden und Prügeleien. In der Oberstufe ließ zumindest das nach und er wurde einfach nur gemieden und ausgeschlossen, was nach Theorie einiger Lehrer und Psychologen daraus resultierte, dass er bei vielen Dingen immer ein kleines bisschen besser war als die anderen, auch wenn er das nie an die große Glocke hing. Er war weder ein Genie noch überragendes Ass, aber ihm schienen seine Erfolge praktisch ohne Mühe in den Schoß zu fallen. Zugegeben, er war nicht sonderlich zugänglich, dazu langweilten ihn seine Altersgenossen und ihre Banalitäten zu sehr. In gewisser Weise liebte er damals das Alleinsein mit seinen Gedanken sogar.

Nick wohnt noch bei seinen Eltern und hätte eigentlich seinen Fähigkeiten entsprechend schon ein beliebiges Numerus Clausus Studium hinter sich haben sollen, doch er hat nie damit begonnen. Immerhin sollte er auch schon seit gut drei Jahren tot sein. Bei seiner Geburt wurde ein unbekannter Gendefekt festgestellt, der sich auf Nicks Stoffwechsel auswirkt und es wurde ihm keine hohe Lebenserwartung prognostiziert, wenngleich nicht abzusehen sein würde, wie sich der Defekt bis dahin bemerkbar machen könnte. Anhand ähnlicher Erkrankungen und den über die Jahre regelmäßig kontrollierten Blutwerten, schätze man ein Versagen des Organismus auf etwa sein 25. Lebensjahr.

Vielleicht hat Nick aus diesem Grund keinen echten Selbsterhaltungstrieb und nimmt mit was er kriegen kann. Die Familie hatte schwere Zeiten durchzustehen, doch Mutter und Vater versuchen trotzdem jeden Tag als Geschenk zu sehen, auch wenn sie aus beruflichen Gründen wenig Zeit für ihren Sohn haben und er so praktisch allein in der elterlichen Wohnung wohnt. Nachts jobbt er als Barkeeper, wo er als Zuhörer geschätzt wird, der auch den ein oder anderen Ratschlag parat hält. Meist gibt er das verdiente Geld in Clubs oder für Adrenalinkicks wieder aus und besucht im Zuge dessen nicht selten Krankenhaus und Ausnüchterungszelle. Schon früh hat er sich abgewöhnt, Dinge von bleibendem Wert anzuschaffen und ihm genügen die flüchtigen Bekanntschaften in der Nacht zur Befriedigung seiner sozialen Bedürfnisse.

Nick nimmt die Welt vorrangig rational wahr. Begeisterung und Leidenschaft kann er nur selten entwickeln, es sei denn es geht um ihn selbst. Viele alltägliche Ereignisse würdigt er mit kaum mehr als Gleichgültigkeit, doch ein Ereignis soll diese Gewohnheit bald ändern.
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 10.05.2015, 20:05, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon Maggi1417 » 07.05.2015, 20:14

Als Medizinerin muss da jetzt leider Fragen, was für eine Stoffwechselerkrankung das sein soll, die ihn voraussichtlich im 3. Lebensjahrzehnt tötet, ihn bisher aber weder mental noch körperlich irgendwie einzuschränken scheint.
Mir fällt da keine Erkrankung ein.

Ansonsten ließt er sich leider ein bisschen wie ein Gary Stu. Freundlich, bescheiden, ein guter Zuhörer, hoch intelligent, ein guter Sportler. Etwas viel auf der Haben-Seite, finde ich.

Am interessantesten finde ich noch den Aspekt, dass er offenbar Schwierigkeiten hat, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.
Da wüsste ich dann aber gerne, warum das so ist.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon ThetaHelion » 07.05.2015, 20:32

Maggi1417 hat geschrieben:Als Medizinerin muss da jetzt leider Fragen, was für eine Stoffwechselerkrankung das sein soll, die ihn voraussichtlich im 3. Lebensjahrzehnt tötet, ihn bisher aber weder mental noch körperlich irgendwie einzuschränken scheint.
Mir fällt da keine Erkrankung ein.

Ansonsten ließt er sich leider ein bisschen wie ein Gary Stu. Freundlich, bescheiden, ein guter Zuhörer, hoch intelligent, ein guter Sportler. Etwas viel auf der Haben-Seite, finde ich.

Am interessantesten finde ich noch den Aspekt, dass er offenbar Schwierigkeiten hat, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.
Da wüsste ich dann aber gerne, warum das so ist.


Vielleicht hätte ich mit ergänzen sollen, dass die Geschichte einen fiktionalen Hintergrund haben wird und wie du dir wahrscheinlich schon gedacht hast, es sich hierbei um keine medizinisch fundierte (deswegen unbekannte) Krankheit handelt.

Ich gebe zu, in der Charakterbeschreibung ohne den wahren Grund dürften insbesondere medizinisch gebildete Leser abwinken. Ich bin mir nun unsicher, ob es Sinn macht, an dieser Stelle bereits das "Geheimnis" dahinter zu lüften, weil eigentlich sollte das der Aha-Effekt für den Einstieg ins Buch sein und Aufhänger für die gesamte Geschichte.

Ich wüsste nur nicht, wie ich das Ganze besser verpacken könnte als eine schlichtweg falsche Diagnose, die auf Basis unzureichendem Kenntnisstandes der zu diesem Zeitpunkt anerkannten Medizin gestellt wurde, aber eben nicht ungewöhnlich genug erschien, um mehr als nur regelmäßige Routineuntersuchungen anzustellen.

Ich habe aber das Gefühl, die Erklärung wird dich nicht zufriedenstellen. :lol:

Über die Sache mit dem Überschuss auf der Haben-Seite muss ich nachdenken, vor allem warum du das so empfindest und ich noch nicht. Vielleicht liegt es an unterschiedlicher Bewertung der Schwachpunkte. Hoch intelligent ist aber offenbar falsch rüber gekommen. Da muss ich deutlicher machen, dass es eher überdurchschnittlich ist.

In jedem Fall aber gute Denkanstöße. Danke dafür. :)
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon Justin » 07.05.2015, 20:52

Ich musst Maggi Recht geben (wie immer) - Nick ist mir zu glatt - zu langweilig.
Warum soll ich eine ganze Geschichte über einen Nerd, der bindungsunfähig ist und mit knapp 30 noch bei Mutti wohnt, lesen? Gähn...

Der Genedefekt ist uninteressant wenn er keine Auswirkung auf sein Leben hat. Erzählt er so was auf Partys um sich interessant zu machen? Da er bis jetzt keine Frau ins Bett damit locken könnte, merk man wie interessant das Thema ist. Gähn...

Da musst gewaltig was passieren, dass ich nach drei Seiten weiter lese. So was wie "Into the Night" mit Jeff Goldblum.

Solche Figuren sind nur interessant wenn man sie in extreme Situation werfen und schauen wie sie absaufen :twisted: Um dann sich auf zu rappeln und sich wieder hoch zu kämpfen und dabei sich in was anderes zu verwandeln.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon ThetaHelion » 07.05.2015, 21:39

Im Normalfall wären das meine Aufzeichnungen, die sonst keiner zu Gesicht bekommen würde, sondern erst im Kontext. Wie dem auch, da muss ich jetzt durch. 8)

Justin hat geschrieben:Ich musst Maggi Recht geben (wie immer) - Nick ist mir zu glatt - zu langweilig.
Warum soll ich eine ganze Geschichte über einen Nerd, der bindungsunfähig ist und mit knapp 30 noch bei Mutti wohnt, lesen? Gähn...


Die Sache mit dem glatt muss ich selbst erst erfassen, warum mir das noch nicht so vorkommt. Nerd im Sinne von Außenseiter ist er und das passt für den Plan. Bezüglich der Lebenssituation möchte ich nur daran erinnern, dass er eine recht fatale Diagnose hat und man jeden Tag mit dem Schlimmsten rechnen muss, da erschien mir eine eigene Wohnung unpassend, aber das ließe sich einfach ändern und würde sich nicht schwer auswirken.

Justin hat geschrieben:Der Genedefekt ist uninteressant wenn er keine Auswirkung auf sein Leben hat. Erzählt er so was auf Partys um sich interessant zu machen? Da er bis jetzt keine Frau ins Bett damit locken könnte, merk man wie interessant das Thema ist. Gähn...


Der Gendefekt hat vollumfänglich Auswirkung auf sein Leben und er geht damit nicht hausieren, weil er von den tatsächlichen Auswirkungen nichts bewusst weiß. Das mit den Partnerinnen scheine ich auch nicht präzise genug rübergebracht haben, denn die Beziehungen und Nachtbekanntschaften waren mit Sicherheit nicht platonisch, nur eben schnell wieder zu Ende.

Justin hat geschrieben:Da musst gewaltig was passieren, dass ich nach drei Seiten weiter lese. So was wie "Into the Night" mit Jeff Goldblum.

Solche Figuren sind nur interessant wenn man sie in extreme Situation werfen und schauen wie sie absaufen :twisted: Um dann sich auf zu rappeln und sich wieder hoch zu kämpfen und dabei sich in was anderes zu verwandeln.


Das war der Plan, weil ich mich als ehemaliger PnP-Spielleiter in diesem Bereich gerade für den Anfang am sichersten fühle.

Ich danke auch dir für die ehrlichen Worte. :D
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon Libelle » 07.05.2015, 21:59

Ich muss den anderen leider auch zustimmen. Besonders Maggi mit der »Haben-Seite« hat es sehr treffend formuliert.

Er war weder ein Genie noch überragendes Ass, aber ihm schienen seine Erfolge praktisch ohne Mühe in den Schoß zu fallen.

Irgendwie klingt das krampfhaft danach, als ob der irgendwie als »normal« dargestellt werden soll, aber die allertollsten Eigenschaften hat und dafür, dass er ja kein überragendes Ass ist, finde ich es seltsam, dass er mit Kusshand an jeder beliebigen Uni genommen worden wäre. So etwas finde ich immer total unglaubwürdig. Fällt in die Kategorie von: »Sie sah weder besonders gut aus, noch besonders schlecht, aber die Typen rannten ihr nur so hinterher.«

Er ist nicht unattraktiv, war aber trotzdem Opfer von wilden Verfolgungsjagden und Prügelattacken? Was war er denn für ein Typ? Weshalb sollten ihm seine Mitschüler das antun? Warum hat er sich in die Opferrolle drängen lassen? Wieso wurde der in der Oberstufe gemieden?
Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass niemand grundlos gemieden wird, egal ob das Meiden nun gerechtfertigt ist oder nicht.

dass er bei vielen Dingen immer ein kleines bisschen besser war als die anderen, auch wenn er das nie an die große Glocke hing

Ich kannte einige unbeliebte Leute, mich eingeschlossen, in der Schule. Niemand wurde je gehänselt, weil er irgendwas nicht groß an die Glocke hing. Selbst Schulnoten waren an sich irrelevant, denn es gab auch gute beliebte Schüler, vor allem in der Oberstufe kurz vorm Abi. Vornehmlich war es eine Frage des Andersseins und des Benehmens.

Diejenigen, die richtig aktiv gehasst wurden, waren in der Regel Schüler, die andere [Objektfall] von oben herab behandelt haben, hinterfotzig versucht haben, die Schulhierarchie hinaufzulästern, was selbst bei den Außenseitern nicht so toll ankam, und die üblichen Petzen, Heulsusen und Muttersöhnchen.
(Naja, kann nur fürs Gymnasium sprechen, nicht für andere Schulformen.)

Fast alle Ausgrenzten, die ich kenne, haben die Schuld für die Ausgrenzung stets nur bei anderen gesucht und niemals sich selbst hinterfragt und sich auch nie die Mühe gemacht, daran etwas zu ändern. Ich weiß natürlich, dass das nicht politisch korrekt ist, Selbstdarstellungen zu hinterfragen.

Trotzdem würde ich an deiner Stelle Nicks Vorgeschichte überdenken und ihm vielleicht ein paar Macken mit auf den Weg geben, um ihn glaubwürdiger zu gestalten. Jemand, den die »Altersgenossen und ihre Banalitäten« langweilen, hält sich ganz offenbar für etwas Besseres und lässt das die Mitmenschen z.B. in Form von Desinteresse spüren. Anscheinend weiß er ja genau, was nicht banal ist. Was mag das wohl sein?

Anhand ähnlicher Erkrankungen und den über die Jahre regelmäßig kontrollierten Blutwerten, schätze man ein Versagen des Organismus auf etwa sein 25. Lebensjahr.

Selbst mir als Nicht-Mediziner kommt dieses plötzliche Organversagen sehr abwegig vor. Auf welcher Basis sollten die Ärzte das festgestellt haben, wenn Nick nie Probleme hatte und der Gendefekt zudem unbekannt ist? Wie stellst du dir denn die Szene beim Arzt vor? »Hm, keine Ahnung, was du hast, aber so’n anderer Typ hatte was ähnliches, also wirst du etwa in deinem 25. Lebensjahr tot umfallen.« Was soll das bitte für ein Arzt sein, der so munter mit einer Todesdiagnose um sich wirft?

Welche Funktion hat die Todesprophezeihung eigentlich innerhalb deiner Geschichte? Wenn es dir nur um die Gleichgültigkeit geht, könntest du auch andere, alltäglichere Begründungen wählen.

Ich finde, dass die Figur Nick momentan irgendwie zusammengekleistert wirkt und kein rundes Bild ergibt.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon schreiberling » 07.05.2015, 22:28

ThetaHelion hat geschrieben:===

Nick wohnt noch bei seinen Eltern und hätte eigentlich seinen Fähigkeiten entsprechend schon ein beliebiges Numerus Clausus Studium hinter sich haben sollen, doch er hat nie damit begonnen.

Vielleicht hat Nick aus diesem Grund keinen echten Selbsterhaltungstrieb und nimmt mit was er kriegen kann.

Nachts jobbt er als Barkeeper, wo er als Zuhörer geschätzt wird, der auch den ein oder anderen Ratschlag parat hält.

Dinge von bleibendem Wert anzuschaffen und ihm genügen die flüchtigen Bekanntschaften in der Nacht zur Befriedigung seiner sozialen Bedürfnisse.




ThetaHelion hat geschrieben:Nick nimmt die Welt vorrangig rational wahr. Begeisterung und Leidenschaft kann er nur selten entwickeln, es sei denn es geht um ihn selbst. Viele alltägliche Ereignisse würdigt er mit kaum mehr als Gleichgültigkeit, doch ein Ereignis soll diese Gewohnheit bald ändern.:



Das ist für mein Gefühl kein konsistentes Psychogramm.

Ist der Typ nun so rational drauf weil er gehemmt ist und traut sich nur mit Kicks und Substanzen aus sich rauszugehen und zu fühlen (eigentlich ist er garnicht der rationle Typ, das ist nur eine Fassade zum Selbstschutz)?

Oder ist er tatsächlich eher der nüchtern-rationale Typ? Warum ist er dann auf Kick-Suche? Halte ich hier für nicht konsistent.

Und warum ist er so lethargisch dass er nie ein Studium angefangen hat? Hat er depressive Tendenzen? Ist er irgendwie unsicher? Hat er keinen Bock mehr auf eine Lernsituation nachdem Schule für ihn sozial gesehen ziemlich scheisse war?


Wenn du ihm so psychische "hangups" verpasst, dann müssen sie in sich betrachtet psychologisch stimmig sein.


Die Menschliche Psyche ist ein System, das als System funktioniert.

Du kannst nicht einfach wahllos ein paar verschiedene Eigenschaften und Macken aus dem Baukasten nehmen und sie dienem Prota verpassen. Die müssen als in sich geschlossenes internes System funktionieren können.

ZB

Durch die Mobbingsituationen ist er in sozialen Situationen gehemmt. Eigentlich ist er der lebendige Typ, aber durch die Hemmung hat er sich eine rationale, funktionierende Fassade angeschafft damit keiner merkt wie es ihm wirklich geht. Deswegen leidet er an depressiven Tendenzen weil er das was er eigenlich ist nicht ausleben kann. Deshalb lässt er die Sache mit dem Studium so schleifen. Aufgrund des mangelnden Selbstwerts in sozialen Situationen sucht er sich auch in wechselnden sexuellen Abenteuern Kicks, vor zu viel Nähe in einer Beziehung hat er nämlich Angst und lehnt eine solche unbewusst deshalb ab.

Verstehst du? Du musst psychologische Macken als kausale Kette aufbauen die irgendwo eine Ursache hat und dann auf verschiedenen Ebenen eine Kaskade von Symptomen verursacht.

Sagen wir mal er ist in sich unsicher. Dafür gibt es eine Menge mögliche Bewältigungsstrategien. ZB narzisstisches Verhalten, den Clown spielen, verbissenes Leistungsdenken, Leistungsverweigerung, sozialer Rückzug, Gewalttätigkeit,
Du brauchst erst einen Kernkonflikt und dann kannst du dir überlegen, was für ungesunde Bewältigungsmechanismen hat der Typ am Laufen um das zu kompensieren.



Ich sehe es mit der Stoffwechselerkrankung auch wie Maggi. Such dir eine real existierende Krankheit wenn er eine solche haben soll und halte dich soweit an die Symptome die da vorhanden sind, dass es glaubhaft wirkt.



Ich finde den Typen wie von dir beschrieben übrigens strunz-langweilig und potentiell nervtötend.
Zuletzt geändert von schreiberling am 07.05.2015, 22:48, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon schreiberling » 07.05.2015, 22:32

Libelle hat geschrieben:Selbst mir als Nicht-Mediziner kommt dieses plötzliche Organversagen sehr abwegig vor. Auf welcher Basis sollten die Ärzte das festgestellt haben, wenn Nick nie Probleme hatte und der Gendefekt zudem unbekannt ist? Wie stellst du dir denn die Szene beim Arzt vor? »Hm, keine Ahnung, was du hast, aber so’n anderer Typ hatte was ähnliches, also wirst du etwa in deinem 25. Lebensjahr tot umfallen.« Was soll das bitte für ein Arzt sein, der so munter mit einer Todesdiagnose um sich wirft?

Welche Funktion hat die Todesprophezeihung eigentlich innerhalb deiner Geschichte? Wenn es dir nur um die Gleichgültigkeit geht, könntest du auch andere, alltäglichere Begründungen wählen.

Ich finde, dass die Figur Nick momentan irgendwie zusammengekleistert wirkt und kein rundes Bild ergibt.




Jepp, jemanden der nie irgendwelche ernsthaften Symptome zeigt würde man garnicth erst auf einen Gendefekt testen. Das ist ausserdem ein Verfahren, dass noch garnicht so lange auf dem Markt ist. Wenn er jetzt erwachsen ist kann er nicht als Kind getestet worden sein.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon ThetaHelion » 07.05.2015, 23:32

Ich habe es nicht anders gewollt und ich denke besser hätten die Schwächen wohl kaum analysiert werden können. Besser jetzt als nach 400 Seiten von denen nur ich die letzten 397 kenne. :lol:

Mal sehen, ob ich die richtigen Schlüsse ziehen kann und mich mal an eine grundlegende Überarbeitung mit mehr Konsistenz heranwage.

Bitte nicht auf den Hut da am Boden treten, da stehe ich gerade drunter. Vielen Dank für die umfangreichen Ausführungen und die investierte Zeit.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon schreiberling » 08.05.2015, 00:38

ThetaHelion hat geschrieben:Ich habe es nicht anders gewollt und ich denke besser hätten die Schwächen wohl kaum analysiert werden können. Besser jetzt als nach 400 Seiten von denen nur ich die letzten 397 kenne. :lol:

Mal sehen, ob ich die richtigen Schlüsse ziehen kann und mich mal an eine grundlegende Überarbeitung mit mehr Konsistenz heranwage.

Bitte nicht auf den Hut da am Boden treten, da stehe ich gerade drunter. Vielen Dank für die umfangreichen Ausführungen und die investierte Zeit.




Ach ja, bei deiner Aufzählung der Sinne in deiner Signatur hast du den Frohsinn und den Unsinn vergessen :XD:
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon Libelle » 08.05.2015, 02:19

ThetaHelion hat geschrieben:Bitte nicht auf den Hut da am Boden treten, da stehe ich gerade drunter.


Lass dich nicht entmutigen. Niemand hier will deine Ideen oder gar dich schlecht machen.

Vielleicht hilft es dir, wenn du deine Figur erst einmal nicht so detailliert ausstaffierst, sondern dich mehr auf die Handlung konzentrierst und Nick daraufhin zuschneiderst. Eine interessante Handlung benötigt meiner Ansicht nach nicht zwangsläufig Figuren, die selbst voller krasser Ideen stecken, bei denen der Leser gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt.

Frage dich: Wie muss Nick sein, damit du diese eine großartige Szene so schreiben kannst, wie sie dir schon seit Wochen/Monaten/Jahren vorschwebt, damit es auch beim Leser »richtig« ankommt?
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon ThetaHelion » 08.05.2015, 08:04

schreiberling hat geschrieben:Ach ja, bei deiner Aufzählung der Sinne in deiner Signatur hast du den Frohsinn und den Unsinn vergessen :XD:


Dann wären's aber nicht mehr fünf. Wobei die sich ohnehin recht ähnlich sind. :lol:

Da fällt mir ein, wie taucht man so tief ein in die Psychologie? Beruflich? Generell interessiert? Notwendige Recherchearbeit?

Libelle hat geschrieben:Lass dich nicht entmutigen. Niemand hier will deine Ideen oder gar dich schlecht machen.

Vielleicht hilft es dir, wenn du deine Figur erst einmal nicht so detailliert ausstaffierst, sondern dich mehr auf die Handlung konzentrierst und Nick daraufhin zuschneiderst. Eine interessante Handlung benötigt meiner Ansicht nach nicht zwangsläufig Figuren, die selbst voller krasser Ideen stecken, bei denen der Leser gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt.

Frage dich: Wie muss Nick sein, damit du diese eine großartige Szene so schreiben kannst, wie sie dir schon seit Wochen/Monaten/Jahren vorschwebt, damit es auch beim Leser »richtig« ankommt?


Ach was. Bis die Tränen getrocknet waren und ich den Bildschirm wieder unverschwommen erkennen konnte, hatte ich Zeit zum Nachdenken. :lol: Mir fielen spontan die ersten Schritte in meinem Job ein und das fiese Stechen im Ego, als meine ersten Layouts gnadenlos abgeschmettert wurden. Ich denke, heute liefere ich ganz passable Arbeit ab, von daher klopfe ich mir einfach wieder den Staub ab und weiter geht's. :)

Der Inhalt dieser ersten Lektion war wahrscheinlich notwendig, um einfach noch einmal vor Augen geführt zu bekommen: Schlampigkeit, Unsicherheit und Oberflächlichkeit werden gnadenlos enttarnt. Bleibe in dem Bereich, in dem du dich auskennst und taste dich langsam vor - wobei ich überrascht von deiner Betrachtung bezüglich Ausgrenzung war, aber gut, das ist bei mir 25 Jahre her, als ich mich davon lösen konnte.

Ich nehme an, als nächsten Schritt sollte ich vielleicht noch meinen momentanen Stil zur Durchsicht schicken. Ich befürchte, da könnte es noch einmal hart werden, aber ich wüsste dann zumindest wo ich gerade stehe.

Wie stand erst neulich auf dem Abreißkalender: Erfolg ist einmal mehr aufstehen als umfallen.
Schau her, ich stehe wieder. :lol:
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 08.05.2015, 08:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon schreiberling » 08.05.2015, 08:32

ThetaHelion hat geschrieben:
schreiberling hat geschrieben:
Da fällt mir ein, wie taucht man so tief ein in die Psychologie? Beruflich? Generell interessiert? Notwendige Recherchearbeit?




Indem man wegen einer psychischen Krankheit berentet ist und sich selbst mit derlei Scheisse abplagt. Und auch in Kreisen verkehrt wo es Menschen mit ähnlich gelagerten Problemen gibt mit denen man dann darüber redet wie es anderen geht.

Ist durchaus nützlich wenn du einen Charakter entwickeln willst um auszuarbeiten wie der tickt, was ihn antreibt und umtreibt.

Weil ernsthafte Psychische Probleme sind ja nur eine extremere Ausprägung von Dingen die jeder Gesunde in abgeschwächter Form auch erlebt.
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon ThetaHelion » 08.05.2015, 09:54

schreiberling hat geschrieben:Indem man wegen einer psychischen Krankheit berentet ist und sich selbst mit derlei Scheisse abplagt. Und auch in Kreisen verkehrt wo es Menschen mit ähnlich gelagerten Problemen gibt mit denen man dann darüber redet wie es anderen geht.

Ist durchaus nützlich wenn du einen Charakter entwickeln willst um auszuarbeiten wie der tickt, was ihn antreibt und umtreibt.

Weil ernsthafte Psychische Probleme sind ja nur eine extremere Ausprägung von Dingen die jeder Gesunde in abgeschwächter Form auch erlebt.


Gewisse Erfahrungen habe ich damit leider auch, nur weitgehend ohne das Reden. :?
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Re: Aller Anfang ...

Beitragvon Libelle » 08.05.2015, 15:11

ThetaHelion hat geschrieben:Der Inhalt dieser ersten Lektion war wahrscheinlich notwendig, um einfach noch einmal vor Augen geführt zu bekommen: Schlampigkeit, Unsicherheit und Oberflächlichkeit werden gnadenlos enttarnt.


Da muss ich dich mal kurz korrigieren: Erst einmal ist es völlig in Ordnung, bei seinem »ersten Fahrradfahrversuch« in der Öffentlichkeit unsicher zu sein.
Schlampigkeit würde bedeuten, dass du die Figurenbeschreibung absichtlich hingeschlampt hast, was ich aber nicht glaube. Die Beschreibung von Nick las sich für mich, als hättest du dir durchaus Gedanken gemacht.
Oberflächlichkeit … ok, wenn man immer nur privat geschrieben hat, merkt man vielleicht nicht, wie das Erdachte auf andere wirkt. In der eigenen Fantasie klingt erst einmal vieles einleuchtend. Nur ob es vom Leser wie erhofft verstanden wird, steht auf einem anderen Blatt.

Dass man als Autor, dessen Werke noch nicht so viel von Fremden auseinandergenommen wurden, mit etwas Pech in die typischen Fettnäpfchen tritt, ist ebenfalls normal und kein Zeichen von Talentlosigkeit.

Insofern lass den Hut doch demnächst am Haken.

Ich befürchte, da könnte es noch einmal hart werden, aber ich wüsste dann zumindest wo ich gerade stehe.


Sieh’s mal so: Wir sind hier so ziemlich unter uns. Du hast alle Möglichkeiten, deine Texte zu überarbeiten und gefahrlos Meinungen einzuholen. Außerdem wächst du an der Erfahrung. Insofern würde ich mir keinen großen Kopf machen.

Stell dir mal vor, ein Verlag hätte deine Geschichte veröffentlicht und dir flattern Hunderte empörter Leserbriefe ins Haus, hättest fast nur 1-Stern-Rezis auf Amazon und weißt nicht, was du »falsch« gemacht hast und hast vor allem keine Chance, das besagte Werk zu verbessern!

Indem man wegen einer psychischen Krankheit berentet ist und sich selbst mit derlei Scheisse abplagt. Und auch in Kreisen verkehrt wo es Menschen mit ähnlich gelagerten Problemen gibt mit denen man dann darüber redet wie es anderen geht.

Ich möchte noch hinzufügen, dass man stets (selbst)kritisch bleiben sollte. Menschengruppen neigen dazu, sich gegenseitig selbst zu bemitleiden und den Blick für die Realität zu verlieren. Nicht viele sind in der Lage, sich selbst Fehler einzugestehen oder gar daran zu arbeiten.
Leute, die in Kliniken waren, haben mir teilweise erzählt, dass sich die viele Gruppen gegenseitig hochschaukeln und es verdammt schwer sei, sich da nicht mitreißen zu lassen. Das Anspruchsdenken wächst rasant innerhalb einer Interessensgemeinschaft.

Als Autor läuft man Gefahr, sich von Gruppenmentalitäten einnehmen zu lassen, so dass das Werk am Ende schnell zur oberflächlichen Selbstdarstellung einer Figur verkommen könnte, die sich von jedem und allem schlecht behandelt fühlt und dafür vom Erzähler noch uneingeschränkt Zustimmung erhält. Die Figur ist dann nichts weiter als so’ne Mary Sue oder ein Gary Stu für psychisch Kranke.

Auf Tumblr im HAES-Bereich finden sich jede Menge solcher Geschichten, bei denen der diskriminierte »Held« am Ende aufsteht, empört eine ellenlange Rede hält, der alle gebannt lauschen, und anschließend sind alle Zuhörer beeindruckt und applaudieren. Wie im richtigen Leben …
Zuletzt geändert von Libelle am 12.05.2015, 19:10, insgesamt 1-mal geändert.
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