Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Julestrel » 31.10.2015, 19:07

Und viele Autoren, um zum Thema zurückzukommen, schreiben ja gar nicht "an" fremden Orten, weil ihnen Deutschland oder deutsch sein peinlich ist, sondern aus Reiselust, aus Spaß an anderen Ländern usw. Problem ist nur, wie ich bereits schrieb, dass man viele Details gar nicht recherchieren kann, dass es schwer ist, sich da total anzupassen.

Mein Eindruck ist da ein anderer, gerade wenn man sich hier in der SWS ode bei den Autoren von E-Book-Labels umschaut: Deutschland ist uncool, USA (bedingt auch UK) sind cool. Ich wage mal zu behaupten, dass das je nach Genre auch auf die Leser zutrifft. Bei einem Lokalkrimi natürlich weniger als bei YA :)


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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Nigromantia » 31.10.2015, 19:20

Mein Eindruck ist da ein anderer, gerade wenn man sich hier in der SWS ode bei den Autoren von E-Book-Labels umschaut: Deutschland ist uncool, USA (bedingt auch UK) sind cool. Ich wage mal zu behaupten, dass das je nach Genre auch auf die Leser zutrifft. Bei einem Lokalkrimi natürlich weniger als bei YA :)


Das ist sicher richtig, und gerade bei der anfangs genannten Autorin beziehungsweise dem Rat ihres Lektors. Aber sicher ist es auch cooler, weil viele noch nie da waren und sich so an den "coolen" Ort schreiben müssen. Zudem gibt es ja auch Bücher deutscher/deutschsprachiger Autoren, die in Schweden spielen, oder Afrika, das hatte ich auch mehr im Hinterkopf, als ich das schrieb.
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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Badabumm » 31.10.2015, 19:27

Nigromantia hat geschrieben:Aber sicher ist es auch cooler, weil viele noch nie da waren und sich so an den "coolen" Ort schreiben müssen.

Das ist ein guter Einwand. Der Weltraum im Roman ist ja auch viel cooler als in Wirklichkeit (wenn auch nicht ganz so kalt...).
Aber die Recherche kann einem den Spaß verleiden. Habs am eigenen Leib erfahren. Hier gilt es, ergonomisch und pragmatisch an die Sache ranzugehen: "Schluss - bis hierher und nicht weiter. Der Rest ist Phantasie!"

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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Amilyn » 31.10.2015, 21:07

Badabumm hat geschrieben:
Amilyn hat geschrieben:Allerdings spielen meine Geschichten auch ausschließlich im englischsprachigen Raum. Es fällt mir einfach viel leichter, (...)

Warum? Kommst du von dort?


Nein, und ich kann komischerweise auch gar keinen richtigen Grund dafür nennen, warum es mir so widerstrebt, meine Sachen in Deutschland spielen zu lassen. Ich muss mich auch sehr dazu durchringen, ein Buch zu lesen, das in Deutschland spielt, hauptsächlich wegen den Namen. Wobei ich gerne die Sachen von Rita Falk, Nele Neuhaus und Sebastian Fitzek lese. Wenn man mal drin ist, ist es mit den deutschen Namen dann auch gar nicht mehr so schlimm (außer bei Fitzek, irgendwie krieg ich Thriller und Deutschland im Kopf nicht ganz zusammen).

Sicher liegt es zum großen Teil daran, dass wir alle von den Medien amerikanisiert werden. Gute deutsche Filme sind selten, Serien noch seltener. Deutsches Kino ohne Schweiger oder Schweighöfer findet praktisch nicht statt.

Aber was der andere Teil ist... = ?

Ich wollte mal eine Geschichte über eine Dreiecksbeziehung schreiben und hatte die Gesichter von 3 deutschen Schauspielern dazu im Kopf, also dachte ich, ich siedele das ganze dann auch mal in Deutschland an. Aber alleine das Namenfinden war mir die reinste Qual, und nach ein paar Absätzen war dann auch Schluss... Schade eigentlich, war ne super Idee... :roll: Vielleicht versuch ich's noch mal...
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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Kari » 31.10.2015, 21:53

Amilyn hat geschrieben:Ich muss mich auch sehr dazu durchringen, ein Buch zu lesen, das in Deutschland spielt, hauptsächlich wegen den Namen.


Interessehalber (auch wenn es ziemlich off-Topic ist, Entschuldigung): Was hindert dich daran, deinen Charakteren englischklingende (Vor/Spitz)Namen zu geben und die Geschichte trotzdem in Deutschland spielen zu lassen? So unüblich sind Verkürzungen wie Jennifer zu Jenny nicht und ein paar Namen klingen im Deutschen und im Englischen auch gleich (Philipp, Linda, Kevin, Ben bspw.)
Nur weil die Geschichte in Deutschlang spielt, müssen die Charaktere ja nicht Johann-Wolfgang oder Hilde heißen :wink:
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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Amilyn » 31.10.2015, 22:26

Kari hat geschrieben:
Amilyn hat geschrieben:Ich muss mich auch sehr dazu durchringen, ein Buch zu lesen, das in Deutschland spielt, hauptsächlich wegen den Namen.


Interessehalber (auch wenn es ziemlich off-Topic ist, Entschuldigung): Was hindert dich daran, deinen Charakteren englischklingende (Vor/Spitz)Namen zu geben und die Geschichte trotzdem in Deutschland spielen zu lassen? So unüblich sind Verkürzungen wie Jennifer zu Jenny nicht und ein paar Namen klingen im Deutschen und im Englischen auch gleich (Philipp, Linda, Kevin, Ben bspw.)
Nur weil die Geschichte in Deutschlang spielt, müssen die Charaktere ja nicht Johann-Wolfgang oder Hilde heißen :wink:


Oh Mann, ich glaub, ich schmeiß gerade meine NaNo-Pläne über den Haufen :shock: :lol: Linda und Philipp sind wirklich ganz gute Namen... Na ja, ich hab ja noch ein paar Stunden zum Überlegen, was ich ab Morgen schreibe *schwitz/kreisch/lach*
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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Milch » 01.11.2015, 00:03

Badabumm hat geschrieben:
Ist uns die USA oder England so vertraut wie Deutschland?
Ich wage es zu bezweifeln, manches in USA ist uns doch arg fremd.

Das kann man wohl erst beurteilen, wenn man dagewesen ist. Die meisten, die ich kenne, waren für ein, zwei Wochen mal "drüben" und da kann man natürlich nicht tief eintauchen. New York, Grand Canyon, Yellowstone in fünf Tagen... Aber zusammen mit der alltäglichen US-Medienberieselung bekommt man das Gefühl, "alles zu wissen".


Na ja, ob man direkt da gelebt haben muss, aber ob man ein Land versteht, wenn man ein paar Sehenswürdigkeiten abklappert. Aber sich allein auf Networkserien zu verlassen, reicht wahrscheinlich nicht aus, weil manche Themen bewusst ausgeklammert werden.
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Re: Als deutscher Schreiber englische Handlungsorte wählen?

Beitragvon Leslie » 04.11.2015, 21:34

Hallo Rabenfeder,

mir ging es ganz genauso. Ich hatte mir vorgenommen, keinen Roman zu schreiben, der an einem Ort spielt, den ich nicht kenne. Nun hat es sich aber so ergeben, dass eine Nebenfigur meines Romans aus Glasgow kam. Zunächst stellte das kein Problem da, bis sich während des Schreibprozesses diese Nebenfigur zur Hauptfigur entwickelt hat und sie große Sympathien trug. Durch diese Figur habe ich angefangen, mich mehr für ihre Lebenswelt zu interessieren. Ich habe Filme geschaut, die in Glasgow spielten, ich habe mich über ihr soziales Umfeld informiert und schließlich bin ich selbst dorthin geflogen. Mittlerweile bin ich daher völlig anderer Meinung: dadurch, dass ich mich so sehr in diese Figur hereingefühlt habe, habe ich komplett neue Dinge erfahren und Orte entdeckt. Die Stadt Glasgow hat mich letzten Endes so fasziniert und interessiert, dass ich jetzt plane, mein Masterstudium dort zu machen. Ich würde mich also nicht von meiner Idee abbringen lassen - du musst allerdings auch bereit sein, dich wirklich auf deinen Schauplatz einzulassen.

Liebe Grüße
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