[Humor]Altweibersommer

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Altweibersommer

Beitragvon DrJones » 23.03.2015, 20:58

Hier ein Beispiel für einen Bewusstseinsstrom, wie ihn Menschen von sich
blasen, wenn sie in Quatschlaune kommen…


Altweibersommer

„Macht zu schaffen — diese Hitze! Jaaa. Ja ja. Ne! Neee, du! Noch was nehmen noch. Ja! Schlückchen rein noch. Ja ja. Danke. Ach du, da ist die Franziska konsequenter jetzt mit dem Lütten. Ja ja. Schwieriger Fall. Engelchen wird Bengelchen! Jaa. Nee, da greift sie jetzt durch jetzt. Sagt einmal: ‚Stop!‘ und Zack! und aus die Maus! Lässt sich nichts mehr gefallen von dem Bengel! Blödes Balg dis! Was? Kann ich nich sagen? Wieso denn nich? Doch! Kann ich! Ja jaa, mag — also lieb den ja auch. Ja jaaa! Aber manchmal da ... und Zack und aus! Auch so undankbar! Da bringt man dem Schokolade mit — die teure, und der so: Grinst, dreht sich weg, sagt kein Wort … Bengel! Jaaa, mag den ja auch! Ja ja. Ach, nee. Nee, du! Wollen sich jetzt — ja, danke, ruhig noch’n Stückchen vom Käse! Ja!— also woll’n sich jetzt so’n Gartenhäusel bauen. Ja, ist so’n vier mal sechs Meter Ding! Ja ja. Und da brauchen sie ne Genehmigung von der Gemeinde für. Nee! Wieso? Die brauchen da keine Genehmigung! Nur, wenn die Hütte fünf Meter vorm Haus steht. Sie brauchen also ne Genehmigung! Na, sag‘ ich doch! Jaaa. Die immer mit ihren Plänen! Ach so heiß heute! Ja ja. Altweibersommer [lacht]! Wir so, ne? Also zuerst die Franziska und der Wolle dis teure Bad im Keller so. Fünfzehn Mille weg! Futsch! Nee, nich fünfzehn — siebzehn! Musst schon zuhören, Efie! Also sechszehn Mille fürs Bad verplempert und jetzt diese Hütte! Der ist doch langweilig, sag ich Euch!
Immer zu Hause hocken mit dem Lütten, natürlich wird se da irgendwann meschugge! Na — ABS hat der. Was? Was? Ach, ADS, heißt dis? Na gut, dann hat er eben AHS! Wie auch immer … Nich, nich? Schreit se immer rum mit dem Freddy! Jetzt aber einmal und Zack! Sag ich Euch! Kaffe? Ach, für mich nich! Jaa … Und wo bleibt mein Käffchen? Neee! Will ich doch! Na jaa! Danke, Schlückchen rein! Jaaa! Mmmh, guter Kaffe! Ach neee! Jaaa … Nun hat’se schon wieder’n Nest in der Hecke! Na, die Franziska! Na ja! Prall wie’n Ballon, sag‘ ich Euch! Jaaa! Dis hätt’s auch schon, sagt die Ärztin. Na, dis AHS! Ist doch klar! Wie dis da von da drinnen gegen trampelt! Wie so so’n - so’n Pferd! Na, sag ich doch! Ach, nee du! Jaa …“
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Re: Altweibersommer

Beitragvon Heribertpolta » 01.04.2015, 15:46

Hallo DrJones,

wenn absolut keiner antworten will, dann mache ich es eben. Ihr unkommentierten und ich - schon langsam tun wir mir leid.

Wie du mir schon erklärtest, haben wir es hier mit einigen Damen beim Kaffee-Klatsch zu tun; wobei natürlich nur eine der FRauen zu hören ist. Die Geschichte fand ich beim ersten Mal lesen etwas verwirrend, vor allem, weil doch sehr viel Ne und Nee und Neee darin vorkommen. Aber auch ja, jaa und auch jaaa. Doch nach mehrmaligem lesen stellte sich bei mir tatsächlich ein ordentliches Kopfkino ein.

Beim lesen sehe ich eine alte Schachtel in einem Biergarten mit Bekannten. Sie dürfte etwa 60 sein und sie trägt eine altergemäße Dauerwellenfrisur, da das Haar der Frau, ein Weibstück aus der Arbeiterklasse, mit den Jahren und schlechter Pflege, ziemlich ausgedünnt ist.

Die Frau ist eher übergewichtig und trägt ein schlecht sitzendes Sommerkleid mit Blumenmuster darauf; Bauch und Titten zeichnen sich stark ab und unter den Spagetti-Trägern kann man die grauen Träger des Busenhalters sehen.

Ja jaa, mag — also lieb den ja auch. Ja jaaa! Aber manchmal da … und Zack und aus!


Das abgehackte mag kann ich nicht ganz nachvollziehen und das zack müsste eher klein geschrieben werden, glaube ich.

Da bringt man dem Schokolade mit — die teure, und der so: Grinst, dreht sich weg, sagt kein Wort … Bengel!


Das blau markierte gefällt mir gut, es stellt dar, wie manche Leute reden - ganz einfach. Schätze, dass ihr Vater, aber auch später ihr Mann, allesamt Bergmänner oder Bierfahrer gewesen sind.

Ach so heiß heute!


Das gefällt mir. Passt da gut rein.

Kaffe? Ach, für mich nicht! Jaa … Und wo bleibt mein Käffchen?


Der Widerspruch in diesem Satz erschließt sich mir hier nicht ganz.

Also, du hast hier meiner Meinung nach eine ganz flotte Geschichte geschrieben, die eindeutige Bilder erzeugt und auch auf etwaiges Alter und sozialen Stand schließen lässt. Jedoch finde ich es etwas problematisch, dass von einem Tischgespräch nur eine Person zu hören ist. Anders als am Telefon, bekommt man ja eigentlich die Gespräche der Tischgenossen gut mit.

Ich mag deine Geschichte und du bist sicher froh, endlich eine verdiente Antwort bekommen zu haben. Jetzt bist du wieder oben angekommen.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Altweibersommer

Beitragvon DrJones » 01.04.2015, 21:27

Hallo Heribert,

Vielen Dank für Deinen super hilfreichen Kommentar!


Heribertpolta hat geschrieben:Hallo DrJones,

wenn absolut keiner antworten will, dann mache ich es eben. Ihr unkommentierten und ich - schon langsam tun wir mir leid.

"tun wir mir leid" ... wie cool!

Wie du mir schon erklärtest, haben wir es hier mit einigen Damen beim Kaffee-Klatsch zu tun; wobei natürlich nur eine der FRauen zu hören ist. Die Geschichte fand ich beim ersten Mal lesen etwas verwirrend, vor allem, weil doch sehr viel Ne und Nee und Neee darin vorkommen. Aber auch ja, jaa und auch jaaa. Doch nach mehrmaligem lesen stellte sich bei mir tatsächlich ein ordentliches Kopfkino ein.

Ja verwirrend beim ersten Mal. Seehr gut. So hatte ich's geplant. Kennst Du das auch?: Jemand
monologisiert/bewusstseinstromt und man versteht KEIN Wort! Widersprüche über Widersprüche - selbst in einem
Satz. Daher immer das "Jaaa, neee." Und auch die Sache mit dem Gartenhäuschen.


Beim lesen sehe ich eine alte Schachtel in einem Biergarten mit Bekannten. Sie dürfte etwa 60 sein und sie trägt eine altergemäße Dauerwellenfrisur, da das Haar der Frau, ein Weibstück aus der Arbeiterklasse, mit den Jahren und schlechter Pflege, ziemlich ausgedünnt ist.

Darf ich das in meiner nächsten Geschichte übernehmen? Herrlich!
Und präzise hergeleitet. Völlig richtig alles!


Die Frau ist eher übergewichtig und trägt ein schlecht sitzendes Sommerkleid mit Blumenmuster darauf; Bauch und Titten zeichnen sich stark ab und unter den Spagetti-Trägern kann man die grauen Träger des Busenhalters sehen.

Lol! Genau das! Warum nicht? Ich darf's nehmen? Kostenlose, geniale Stilblüten!


Ja jaa, mag — also lieb den ja auch. Ja jaaa! Aber manchmal da … und Zack und aus!


Das abgehackte mag kann ich nicht ganz nachvollziehen und das zack müsste eher klein geschrieben werden, glaube ich.

Ja, wäre korrekter. Na die Frau sagt zuerst "mag", das ist ihr peinlich, sie steigerts auf "lieb".

Da bringt man dem Schokolade mit — die teure, und der so: Grinst, dreht sich weg, sagt kein Wort … Bengel!


Das blau markierte gefällt mir gut, es stellt dar, wie manche Leute reden - ganz einfach. Schätze, dass ihr Vater, aber auch später ihr Mann, allesamt Bergmänner oder Bierfahrer gewesen sind.

Hey Heribert ... ich darf's nehmen? :)

Ach so heiß heute!


Das gefällt mir. Passt da gut rein.

Kaffe? Ach, für mich nicht! Jaa … Und wo bleibt mein Käffchen?


Der Widerspruch in diesem Satz erschließt sich mir hier nicht ganz.

Zuerst sagt sie nein, ohne nachzudenken, sieht, wie den anderen eingegossen wird,
kriegt Trinkneid und will dann auch. Um sich nicht die Blöße zu geben, tut sie so,
als wäre sie absichtlich übergangen worden.


Also, du hast hier meiner Meinung nach eine ganz flotte Geschichte geschrieben, die eindeutige Bilder erzeugt und auch auf etwaiges Alter und sozialen Stand schließen lässt. Jedoch finde ich es etwas problematisch, dass von einem Tischgespräch nur eine Person zu hören ist. Anders als am Telefon, bekommt man ja eigentlich die Gespräche der Tischgenossen gut mit.

Das stimmt schon. Ja. Ich habe es quasi aus ihrem Kopf heraus geschrieben und Handlung im
Monolog umschrieben.


Ich mag deine Geschichte und du bist sicher froh, endlich eine verdiente Antwort bekommen zu haben. Jetzt bist du wieder oben angekommen.


Auch nochmal vielen Dank für Deine Antwort. Wahrscheinlich kommen sie Ostern alle wieder raus
aus der Kohlemine...

Herzlichen Gruß,

DrJones
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