[Liebe]"Am See" (Arbeitstitel)

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]"Am See" (Arbeitstitel)

Beitragvon Weltliebende » 10.06.2015, 22:05

Diese Geschichte hat noch keinen richtigen Titel, ich bin vergeblich auf der Suche und komme damit irgendwie nicht voran. Für Vorschläge bin ich daher sehr dankbar. :)

( Um vielleicht ein paar erste Unklarheiten zu klären: Es handelt sich um zwei Mädchen, die nicht Beziehung sind/waren. )

Ihre Finger berühren sanft meinen Nacken, so sanft, dass es sich beinahe anfühlt, als würde sie mich gar nicht wirklich berühren, mehr wie viele winzige elektrische Funken zwischen unseren Körpern.
Mein Kopf ist auf meine Hände gestützt, ich schließe die Augen und ich kann die warme Sonne auf meinen Lidern fühlen. Die Stromstöße wandern weiter nach unten, meine Wirbelsäule entlang und für einen kurzen Moment sind ihre Finger auf meiner Haut, das einzige existierende auf dieser Welt.
Es fühlt sich richtig an, richtig und so gut. So gut, aber unwirklich, wie in einem dieser verrückten Träume, in denen man ahnt, dass alles nur Schein ist, aber aus denen man nicht erwachen will weil sie zu schön sind. Zu schön, um wahr zu sein.
Doch das hier ist kein Traum, es passiert wirklich, ihre Finger sind echt und sie sind wirklich und echt auf meiner Haut. Und weil das schon den Stillstand der Welt für mich bedeutet, ist das Gefühl ihrer sanften, trockenen Lippen auf meiner Schulter einfach unbeschreiblich. Ich frage mich, ob der plötzliche, kalte Schatten, den die große graue Wolke über uns wirft, oder die Tatsache, dass sie es endlich zulässt, dass sie es endlich und wahrhaftig zulässt, alle Härchen auf meinem Körper aufstehen lässt. Kurz spiele ich mit dem Gedanken diese Überlegungen laut auszusprechen, habe das Bedürfnis alles was in meinem Kopf vorkommt mit ihr zu teilen, doch ich habe zu große Angst den Moment zu zerstören, denn in mir ist diese leise Vorahnung, dass es der einzige seiner Art sein wird.

Der See vor uns ist still. Keine einzige kleine Bewegung an der Oberfläche. Als würde er unsere Geschichte nicht stören wollen, doch die einzigen, die in dieser Geschichte vorkommen, sind wir selbst. Das Rauschen in den Baumkronen, das Hundegebell in der Ferne, die langsam untergehende Sonne. Nichts von alledem zählt gerade, da sind nur wir.

Und dann scheint ihr warmer Atem sich immer mehr von mir zu entfernen. Ihre Lippen lassen von meinem Nacken ab und ich wage nicht mehr zu atmen. Langsam drehe ich mich zu ihr um, inständig hoffend, dass es einen Grund gibt, sich von mir abzuwenden. Einen ganz banalen Grund und dass sie mir sofort ihre Nähe zurückgibt. Doch ich war noch nie gut im lügen, ich glaube mir ja nicht einmal selbst. Sie sieht mich an, sieht mir so tief in die Augen, wie keiner sonst das kann. „Ich wüsste einfach nur gern, wann es passiert ist“, sagt sie, ringt mit sich selbst die Worte auszusprechen. „Wann ist das alles so kompliziert geworden?“ Ich schließe die Augen. Fühle mich voll und leer und geliebt und verloren auf einmal. Denke dann für eine kurze Zeit wirklich ernsthaft über ihre Frage nach, während sie die Arme um ihre Beine schlingt, Halt bei sich selbst sucht. „Ich weiß es nicht. Vielleicht war es nie einfacher.“ Ich will sie berühren, will ihre Hand nehmen, will dass sie mich umarmt, sich an mir festhält, doch der Moment der Nähe ist vergangen, ich habe meine Chance verpasst.

„Vielleicht“, sage ich dann, „ist auch nichts auf der Welt wirklich kompliziert. Ja, viel mehr sind wir es, die Dinge schwieriger machen, als sie wirklich sind.“
Sie starrt in Richtung Wasser, doch ihre Augen fixieren keinen festen Punkt. Ich weiß genau, dass sie gerade über all das nachdenkt. Darüber, wie unser Leben wäre, wenn wir es uns nicht schwieriger machen würden, als es ist. Darüber, was passieren würde, wenn wir einfach zusammen sein könnten, wenn wir einfach einmal unseren Gefühlen folgen würden ohne Rücksicht zu nehmen auf die anderen. Wie es wäre, wenn es gar keine anderen gäbe, nur uns, so wie an diesem Nachmittag. Könnte sie es dann immer zulassen? Könnte sie mich dann lieben?

„Tut mir leid“, sagt sie, und ihre Augen starren immer noch ins leere, „ich kann das alles nicht.“ An ihrer Stimme höre ich, dass sie kurz vor den ersten Tränen ist. Ich will sie umarmen und küssen und wachrütteln und schreien 'Doch, du kannst.', doch wir wüssten beide, dass es nicht wahr ist. Dass wir nie das wären, was wir uns manchmal erträumen, dass manche Dinge einfach komplizierter sind, als sie sein sollten. Und deshalb umarme ich sie nicht und küsse sie nicht und schreie sie nicht an. „Manchmal reicht es auch einfach, etwas wirklich zu wollen.“, sage ich sanft und lege meine Hand neben sie, auf die warmen Kiesel. Sie nickt, wischt sich eine Träne von ihrem Kinn und dann legt sie ihre Finger auf meine. „Selbst wenn man weiß, dass man es nie haben kann.“
Sometimes people are beautiful
Not in looks
Not in what they say
Just in what they are.
(Markus Zusak)
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Re: "Am See" (Arbeitstitel)

Beitragvon PrinzessinSelenia » 12.06.2015, 16:27

Liebe Weltliebende

Dein Text hat mir sehr gut gefallen. Die Sätze und Formulierungen sind sehr schön zu lesen. Du hast auch die Stimmung und das Bild der Situation gut rüber gebracht. Man kann sich alles gut vorstellen.
Ist es eine Szene aus einer längeren Geschichte? Denn anscheinend haben die beiden ja eine Vorgeschichte.
Während des Lesens habe ich mich gefragt wieso die beiden nicht zusammen sein können und wieso sie dort sind. Schade das das nicht beantwortet wird.
Ich mag ja diese theatralischen Liebesszenen. Die Gefühle und Gedanken der Figuren wirken sehr echt.

Noch einige Sätze die mir aufgefallen sind:

Mein Kopf ist auf meine Hände gestützt, ich schließe die Augen und ich kann die warme Sonne auf meinen Lidern fühlen.


Vorschlag: Den Kopf auf die Hände gestützt, schliesse ich die Augen und kann dabei die warme Sonne auf meinen Lidern fühlen.

Die Stromstöße wandern weiter nach unten, meine Wirbelsäule entlang und für einen kurzen Moment sind ihre Finger auf meiner Haut, das einzige existierende auf dieser Welt.


Das Wort Stromstösse zerstört ein wenig die zärtliche Stimmung, denn mit dem Wort verbindet man ja eher negatives. Vielleicht noch einmal "die Funken" ?

Es fühlt sich richtig an, richtig und so gut. So gut, aber unwirklich...


"Es fühlt sich richtig an. Richtig und gut und dennoch unwirklich..."

Als würde er unsere Geschichte nicht stören wollen...


Ich würde das Wort Geschichte hier weglassen: "Als würde er uns nicht stören wollen...

...doch die einzigen, die in dieser Geschichte vorkommen, sind wir selbst


Der Satz passt für mich nicht da rein. Der See ist ja keine Person die in der Geschichte vorkommt.

Und dann scheint ihr warmer Atem sich immer mehr von mir zu entfernen.


Eher:"Doch dann scheint ihr warmer Atem..."

Doch ich war noch nie gut im lügen, ich glaube mir ja nicht einmal selbst.


Sie hat doch gerade gar nicht gelogen, sie hat sich mehr etwas gewünscht oder etwas gehofft, oder?
Also vielleicht eher: "Aber ich weiss schon, das das nicht stimmt..."

Wie es wäre, wenn es gar keine anderen gäbe, nur uns, so wie an diesem Nachmittag. Könnte sie es dann immer zulassen? Könnte sie mich dann lieben?


Die Stelle gefällt mit sehr gut!

Ausserdem ist mir aufgefallen, dass du viele, sehr lange Sätze hast mit Kommas, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob man nicht einen Punkt setzten muss. Allerdings bin ich in den Kommaregeln nicht allzu gut.

Das Ende gefällt mir auch. Die Szene ist wirklich sehr schön und gefühlvoll, aber wie schon gesagt, ich würde gerne etwas mehr über den Hintergrund erfahren.

Liebe Grüsse
Selenia
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Re: "Am See" (Arbeitstitel)

Beitragvon Alesán » 12.06.2015, 16:37

Hallo!
Alles in allem hat mir deine Geschichte bis jetzt gut gefallen. Du beschreibst sehr detailliert die Gefühle und Gedanken der Erzählerin. Hierbei geht mir jedoch ein wenig die Beschreibung der Umgebung ab. Ich weiß nur, dass sie sich an einem See befinden. Aber ich weiß nicht, wie groß dieser See ist, bzw. wo am See sie sich befinden. Am Strand, auf einer Wiese mit einem See dahinter? Außerdem hoffe ich, dass das noch nicht die ganze Geschichte ist, und es noch eine Fortsetzung gibt. (Im Titel stand nirgendwo, dass vielleicht noch weitere Teile folgen.) Sonst wäre das Ende für meinen Geschmack nämlich ein wenig zu offen. Ich würde mich dann fragen, warum sie nicht einfach zusammen sein können und in welcher Hinsicht sie auf andere Rücksicht nehmen müssen. Weiters haben mich folgende Dinge irritiert:

Ist es für den Text wichtig, dass beide Figuren Mädchen sind bzw. soll es am Text erkennbar sein? Meiner Meinung nach kommt das bei der Ich-Erzählerin nämlich nicht eindeutig hinüber.

Ihre Finger berühren sanft meinen Nacken, so sanft, dass es sich beinahe anfühlt, als würde sie mich gar nicht wirklich berühren, mehr wie viele winzige elektrische Funken zwischen unseren Körpern.
Mein Kopf ist auf meine Hände gestützt, ich schließe die Augen und ich kann die warme Sonne auf meinen Lidern fühlen. Die Stromstöße wandern weiter nach unten, meine Wirbelsäule entlang und für einen kurzen Moment sind ihre Finger auf meiner Haut, das einzige existierende auf dieser Welt.

Dadurch, dass ich nicht weiß, in welcher Position sich die Erzählerin befindet, wird diese Situation für mich schwer vorstellbar. Liegt die Erzählerin auf dem Bauch, sitzt sie auf dem Boden oder auf einer Bank oder steht sie gar?

Ich frage mich, ob der plötzliche, kalte Schatten, den die große graue Wolke über uns wirft, oder die Tatsache, dass sie es endlich zulässt, dass sie es endlich und wahrhaftig zulässt, alle Härchen auf meinem Körper aufstehen lässt.

Da du vorhin die Sonne als warm beschrieben hast, habe ich mir eigentlich einen schönen Sommertag mit vielleicht ein paar Schäfchenwolken vorgestellt. Die graue Wolke passt hier für mich überhaupt nicht ins Bild. Außerdem wandern Wolken meines Erachtens langsam, vor allem, wenn kein Sturm geht, was hier der Fall zu sein scheint. Daher frage ich mich, wie der Schatten der Wolke so plötzlich kommen kann. Vielleicht kann man als mögliche weitere Erklärung für das Frösteln auch eine Brise Wind verwenden.

[...] denn in mir ist diese leise Vorahnung, dass es der einzige seiner Art sein wird.

Ich finde, das "ist" kann man hier auch schöner ausdrücken zum Beispiel durch "befinden" oder "entstehen".

[...] die langsam untergehende Sonne.

Diese Information hätte ich gerne schon weiter oben, um mir die Situation besser vorstellen zu können.

Und dann scheint ihr warmer Atem sich immer mehr von mir zu entfernen.

Meiner Meinung nach klingt "und" am Satzanfang nie schön, und da das "Dann" ohnehin bereits den Satz einleitet, würde ich es einfach weglassen.

Langsam drehe ich mich zu ihr um, inständig hoffend, dass es einen Grund gibt, sich von mir abzuwenden. Einen ganz banalen Grund und dass sie mir sofort ihre Nähe zurückgibt. Doch ich war noch nie gut im lügen, ich glaube mir ja nicht einmal selbst.

Lügen und Hoffen sind zwei unterschiedliche Handlungen. Beim einen weiß man, dass eine Tatsache nicht so ist, wie man sie darstellt, beim anderen hat man Visionen, die noch nicht eingetreten sind und dies auch nicht müssen, von denen man aber will, dass sie eintreten. Deshalb belügt sich die Protagonistin auch nicht selbst, wenn sie hofft, dass es einen Grund gibt, weshalb der letzte Satz für mich einen Widerspruch darstellt.

„Wann ist das alles so kompliziert geworden?“

Was genau ist kompliziert geworden? Für mich befinden sich hier einfach nur zwei Leute an einem See, die sich sehr gerne haben und sich das gegenseitig zeigen. Von etwas Kompliziertem war bis jetzt nie die Rede. Wenn es jedoch ein großes Problem gibt, das beide nicht ansprechen wollen oder verdrängen oder beides, dann sollte für meinen Geschmack schon etwas früher darauf hingewiesen werden. Zum Beispiel durch abschweifende Gedanken der Ich-Erzählerin, die um dieses Problem kreisen, es aber noch nicht genau definieren (wenn du nicht zu viel verraten willst). So wirkt das Ganze für mich, als wäre eben noch alles in bester Ordnung gewesen und nun taucht plötzlich wie aus dem Nichts ein Problem auf, von dem ich nicht so genau weiß, um was es sich handelt.

Ich hoffe, ich konnte dir hiermit ein bisschen helfen,
Alesán.
Alesán
 
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