Hi, das ist mein erstes "Werk" hier in der schreibwerkstatt. Ich wollte mal erfahren, was ihr davon haltet. Kommentare würden mich freuen.
Lg, Homer
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Amerika
Seit Jahren hatte es nicht mehr geschneit. Klimaexperten hatten sogar die Vermutung angestellt, dass es nie wieder in dieser Region schneien würde. Und jetzt schneite es. Und es war nicht nur ein leichtes Schneetreiben, nein, der Winter war ernsthaft zurückgekommen. Die Straßen waren nicht mehr befahrbar, mehrere Häuser wurden wegen Einsturzgefahr geräumt.
Nun stapfte eine erbärmlich aussehende Gestalt durch den erwähnten Schnee und man sah ihr bei jedem Schritt die Schmerzen an, die sie verspürte. In den Straßen hielt sich sonst keiner mehr auf, wenn es nicht unbedingt nötig war. So stapfte die Gestalt also allein durch die Straßen der Stadt, das Ziel die ganze Zeit vor Augen. „Sei pünktlich“, hieß es in dem Schreiben, also hatte sie alle paar Minuten nach der Uhrzeit gefragt.
Als sie sich langsam und erschöpft auf einer Bank niederließ, ahnte sie noch nicht, was passieren würde.
Sie wollte gerade wieder aufstehen, da wurde sie mit einem festen Griff von hinten gepackt und zurück auf die Bank gezerrt. Eine zweite Gestalt war erschienen, die Hände auf die Schulter der Ersten gepresst. „Was willst du?“, fragte die Erste. Dann schien es, als quollen ihr die Augen heraus. Ein kurzer Schrei. Dann war es still. Die zweite Gestalt schüttelte den Kopf, als sie auf die Leiche schaute, und drehte sich um. Niemand hatte sie gesehen, so nahm sie an. Sie stapfte los und war schon um die nächste Straßenecke verschwunden.
Am nächsten Morgen stand es groß in der Zeitung: „Schon wieder ein Mord“. Die Presse lies sich diese Möglichkeit, auf der örtlichen Polizei herum zu hacken, nicht entgehen. Der dritte Mord in einer Woche. Das war Rekord. Hauptkommissar Monet schlich auf seinen Arbeitsplatz zu. Zehn Überstunden hatte er wegen der Mordserie gemacht – vergeblich.
Nun häuften sich schon wieder die Akten auf seinem Schreibtisch und er konnte es gar nicht glauben, dass schon wieder Freitag war. Freitag. Bandentag. Heute würde ganz bestimmt wieder viel passieren, was heißt, dass es in den zwei Stunden am Samstagmorgen genug für zehn zu tun gab. Aber Monet war allein. Ganz allein. Tja, dachte er sich, um diese Uhrzeit ist noch niemand da. Sieben Uhr morgens.
Das Telefon klingelte. „Ja?“, meldete er sich. Das mit dem Namen hatte er sich abgewöhnt, seid er erfahren hatte, dass sein Telefon abgehört wurde. „Ist da Monet?“ - „Wer ist da?“
Monets Stimme schauderte bei der Vorstellung, erpresst zu werden. „Ich möchte eine Aussage machen. Zur Mordserie.“ So schnell hatte sich Monet das nicht gedacht. „Morgen“, tönte es aus dem Flur. Sein Chef war gekommen. Monet flüsterte in den Hörer: „Was möchten Sie sagen?“ – „Die letzte Leiche, die von gestern Abend, die kenne ich. Ist meine Kollegin gewesen, drei Jahre. Dann hat sie einen Bullen geheiratet und hatte einen Arbeitsunfall. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.“ - „Darf ich Ihren Namen erfahren?“ - „Das tut nichts zur Sache. Ich will nur sagen, dass ich ihn gekannt habe. Und dass ich wissen will, wer ihn umgebracht hat. Wer die Leiche ist – fragen Sie Ihren Chef.“ Und dann legte er auf. Verwirrt schaute sich Monet um. Nun, er würde erst einmal frühstücken. Dann würde er zur Leiche fahren. Nein, vorher musste er zum Chef. Vor allem. Denn der fährt in den Urlaub. Nachher. Zaghaft klopfte er an die Tür seines Vorgesetzten. „Herein“, kam es von innen. Er betrat den großen Raum und schaute sich um. Es war sehr dunkel, nur die Schreibtischlampe des Chefs brannte. Dieser war in einem braunen Anzug gekleidet, mit einer Krawatte, in der für gewöhnlich eine Krawattennadel steckte. Doch heute fehlte die Nadel. Das war sofort zu sehen, zumindest für einen Spitzenermittler, wie Monet einer war. „Ihre Nadel hast du wohl schon in den Koffer gesteckt“, scherzte Monet. „Oh, die habe ich heute wohl vergessen!“, seufzte der Vorgesetzte. Monet grinste, sagte, was er machen würde und verließ den Raum wieder.
Er verdrängte bewusst die Frage nach dem Namen der Leiche. Er dachte es sich schon. Der Chef war rot angelaufen, wahrscheinlich war ihm aufgefallen, dass er auch sein Taschentuch mit den Buchstaben ‚A. M.’ geschmückt war, das waren die Anfangsbuchstaben seines Freundes – ja, kurz nach seiner Hochzeit wurde er homosexuell und hinterging seine Frau - nicht in der Brusttasche stecken hatte. Naja, dachte Monet, vor einem Amerikatrip ist man bestimmt aufgeregt. Aber Hunger hatte er jetzt keinen mehr und so ging er direkt zum Tatort. „Irgendwelche Spuren?“, fragte er einen Mitarbeiter der Spurensicherung. „Wir sind erst seit ein paar Minuten da“, antwortete dieser. Monet sah sich um. Auf dem Boden zusammen gesackt lag eine Frau, etwa 50 Jahre alt. Monet konnte keine Spuren auf Mord feststellen, da bemerkte er ein kleines Loch im Rücken. Erstochen, dachte er sich, genau den tödlichen Nerv getroffen. Er untersuchte den Tatort nach einer Nadel oder Ähnlichem, mit dem die Frau getötet worden sein könnte. Nichts. Doch – da blinkte etwas unter einer Bank, direkt neben der Leiche. Monet bückte sich und fand noch etwas Müll, Taschentücher, Spielkarten und Zigaretten. Er hob die Nadel auf. Blut war an der Spitze. Etwas auf dem Boden fiel ihm auf. Ein Taschentuch war bestickt. Es war auch kein Papiertaschentuch, sondern ein Stofftaschentuch. A. M. zierte das Tüchlein. Tja, dachte er, fast wäre ich aufgeflogen. Anton Monet steckte sich Nadel und Tuch in die Tasche, schließlich musste er es seinem Freund zurückgeben, sah sich um und ging davon. Zum Flughafen. Ins Flugzeug. Nach Amerika.
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