Anfangen

Tipps, Ratschläge und Hilfen zum Schreiben. Wie machst du das? Hilfe bei Blockaden, Hemmungen und Anfangsschwierigkeiten

Anfangen

Beitragvon Frederica » 09.10.2015, 00:44

Hallo,
ich habe mich hier angemeldet, weil ich ein ganz persönliches Projekt anfangen möchte. Mein Bruder ist vor 2 Jahren gestorben, und bei der Sammlung von Erinnerungen, die ich zu einem Album für Familienmitgliedern verarbeiten wollte, kam mir die Idee, das Ganze auch als halb-biografische Geschichte auszuarbeiten. Also basierend auf echten Erlebnissen gepaart mit ein paar Ausarbeitungen/ Ausschmückungen eine Geschichte schreiben über das Leben meines (behinderten) Bruders und seinen Tod sowie parallel, als Gegenstück, das Leben einer Bekannten, die sich vermutlich selbst getötet hat.
Soweit, so gut.
Einen groben Handlungsverlauf hätte ich, nur merke ich, dass ich sehr zusammenfassend schreibe und mir sowohl die Ausarbeitung - detaillierte Beschreibung - fehlt, als auch überhaupt mal Ideen dazu.

Nun wollte ich mal fragen, ob folgendes ein gutes Vorgehen wäre:
1. Schreiben, was einem einfällt, also einfach mal Kapitel 1 schreiben.
2. Ausarbeiten: Szenen ausweiten, Dialoge hinzufügen, Details hinzufügen, Beschreibungen hinzufügen.
3. Formulierungen verbessern.
4. Spannungsbogen einbauen.

Was tut man dagegen, dass sich das Ganze wie ein Tagebuch liest?

Hier mal ein Absatz eines ersten Kapitels. Der Rest der ersten 3 Seiten liest sich genauso beschreibend. Was müsste ich mit dem Text konkret - als Methode - machen, um von diesem tagebuchartigen wegzukommen?
Könnte man so einen Satz ausweiten auf einen längeren Absatz, durch Einfügen von Beschreibungen, Beispielen - Oma meinetwegen auf den Markt folgen, sie andere Leute treffen lassen, ein Frühstück beschreiben mit Dialog etc.? Was müsste man konkret angehen - die Wohnung beschreiben, die Kleidung, den Hintergrund der beiden (Lebensgeschichte), einen Streit einfügen etc.? Ist es sinnvoll, so eine Absatz auszubauen oder sollte man ihn lieber zusammenfassen? Wie prüfe ich, welche der beiden Methoden für einen bestimmten (Ab-) Satz sinnvoller ist? Gibt es dafür irgendwelche Kriterien?

Nachdem Opa in Rente gegangen war, stellte sich heraus, dass Oma und er verschiedene Ansichten von einem geruhsamen Rentnerleben hatten. Oma wollte gern früh aufstehen, einen strammen Spaziergang machen, der auf dem Markt endete, danach das Frühstück zubereiten, gemeinsam essen – im Sommer auf dem Balkon – dann etwas Ordnung schaffen, spazieren gehen, Mittagessen zubereiten, wieder gemeinsam essen, etwas unternehmen, um dann abends, nach dem Abendessen, gemütlich die Füße hochzulegen, gemeinsam fernzusehen und dabei vielleicht ein bisschen zu stricken.


LG von
Frederica
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Re: Anfangen

Beitragvon Anchesa » 09.10.2015, 08:56

Hallo Frederica!
Du hast Recht, der Absatz liest sich sehr beschreibend. Das kann stellenweise durchaus interessant und unterhaltend sein, aber auf Dauer wird dem Leser wohl irgendwann die Lust vergehen. Jeder schreibt anders und so hat auch jeder eine andere Methode zu plotten, also die Handlung aufzubauen. Vielleicht musst du da erstmal was suchen, was für dich passt. Wenn du schon eine grobe Handlung hast, dann würde ich schauen, ob ich nicht den gesamten Spannungsbogen schon in die gesamte Handlung einbaue, BEVOR ich losschreibe. Das ist natürlich Geschmackssache, hilft mir persönlich aber zum Beispiel ungemein.

Es gibt verschiedenen Methoden, um einen Plot auszuarbeiten, vielleicht solltest du dir diese erstmal ansehen und dich für eine Entscheiden. Dafür kannst du mal auf Jackys Blog schauen, dort wird zum Beispiel die Schneeflockenmethode erklärt. VIelleicht ist das ja was für dich:
http://www.schriftsteller-werden.de/kre ... methode-1/

Zu deinen anderen Fragen. Also ich finde man kann etwas beschreiben, wie du das oben gemacht hast, wenn es um etwas grundsätzliches geht. Also ihre Gewohnheiten in einem Absatz beschreiben, finde ich völlig in Ordnung. Aber wenn die Geschichte richtig anfängt, wenn der Punkt kommt, an dem die eigentliche Handlung ins Rollen kommt (ein einschneidendes Erlebnis zm Beispiel: Harry Potter bekommt den Hogwarts Brief, Kadness opfert sich als Tribut etc) dann sollte man mehr aktiv erzählen (also finde ich jetzt). Das heißt die Handlung nicht beschreiben, sondern aktiv erleben lassen eben mit Dialogen etc.

Alternativ kannst du dir den Tagebuchstil natürlich auch zu Nutze machen und ganz bewusst ein Buch in Tagebuchform schreiben. Es gibt viele, die so erfolgreich geworden sind. Allerdings schaden auch hierbei Dialoge nicht.
Mein Selbstprojekt: Einen Roman schreiben in 6 Monaten!
Ich würde mich über eure Unterstützung freuen!
https://buchatelier.wordpress.com/
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Re: Anfangen

Beitragvon Vaerson » 09.10.2015, 15:58

Mein Beileid.

Ich würde einfach schreiben (So wie du es geplant hast - nur würde ich zuerst eine komplette Rohfassung schreiben): Du hast ja schon ein grundlegendes Konzept und kennst die Geschichten, die du erzählen willst. Allerdings - Es könnte auch abdriften, emotional überlagert werden und anders werden, als du dieses Werk gerne hättest. Auf der positiven Seite könnte es auch anders werden, als du es erwartet hättest, instinktivere und tiefere Gefühle zeigen und über ebendiese andere Erzählzweige entwickeln. Ob es eine gute Vorgehensweise ist, kann ich dir nicht sagen, denn das ist von Person zu Person unterschiedlich und du musst es letztendlich einfach ausprobieren.
Was den beschreibenden Stil angeht: Er ist in diesem Ausschnitt nicht fehl am Platz und ich hätte gerne noch den Nächsten gelesen. Denn es lag ja schon ein Konflikt darin und gerne hätte ich gewusst, was der Großvater sich unter seinem Rentnerleben vorgestellt hat. Dass der Erzählstil nicht aktiver wird, halte ich bei einem so emotionalem Thema für ausgeschlossen.
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Re: Anfangen

Beitragvon Maggi1417 » 09.10.2015, 19:33

Ich bin ja sonst immer dafür, sich viel mit Technik und Struktur auseinander zu setzten und sein Handwerk anständig zu erlernen, aber in deinem Fall würde ich das nicht so eng sehen.
Du schreibst, wenn ich das richtig verstanden habe, für dich selbst, um deine Erfahrungen zu verarbeiten. Dann würde ich auch einfach drauflos schreiben. Dir alles von der Seel schreiben, was in deinem Kopf herumschwirrt und gar nicht darauf zielen, dass das Buch jemand anderes außer dir und deinen Nächsten lesen soll.

Meiner Meinung nach kann man nur schwer gleichzeitig für die eigene Seel und für Leser schreiben. Einen Roman ist im Grunde eine sehr technische Angelegenheit und man muss das ganze objektiv und nüchtern angehen, um das Beste aus seiner Idee rausholen. Ich denke, es könnte dir bei einem Thema, dass dir so nahe geht, schwierig werden.
Wenn der Roman kommerzielle funktionieren soll, dann musst du den Wert für den Leser über deine Emotionen beim Schreiben stellen. Mit anderen Worten, du wirst vermutlich viel ändern und anpassen müssen, um eine tragbare Romanstruktur zu basteln. Kannst du das? Fakten ändern, Ereignisse erfinden, Zeiträume zusammenkürzen oder ausdehnen, Menschen streichen oder hinzuerfinden. Willst du das überhaupt? Oder ist es dir nicht lieber, unabhängig vom Unterhaltungswert, deine Geschichte zu erzählen?
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Re: Anfangen

Beitragvon Alys » 09.10.2015, 22:15

Mich würde (als Leser) in dem Fall der tagebuchartige Stil auch nicht stören.

Was Du schreiben willst, ist ja im Grunde genommen kein Roman, sondern eine bzw. zwei Biographien - klar, Du willst sie auschmücken, Gedanken mit einfließen lassen etc, aber dennoch sind die Lebenswege der beiden Personen das Grundgerüst Deiner Geschichte.
Biographien oder Tagebücher lesen sich anders als Romane. Wenn Du Dein Werk jemals veröffentlichen wirst (egal ob für die breite Masse oder nur wenige Exemplare für nahestehende Personen), dann werden Deine Leser das auch wissen und an Dein Buch mit einer anderen Erwartungshaltung herangehen, als ein einen Roman. Sie wollen dann etwas über das Leben der beiden Personen und Deine Verarbeitung ihrer Geschichte lesen, und erwarten keinen Plot mit perfekter 3-Akt-Struktur und ausgefeiltem Spannungsbogen.

Also schreib erstmal für Dich, wie es Dir gefällt und guttut. :)
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Re: Anfangen

Beitragvon Kelpie » 14.10.2015, 23:31

Ich habe zwar bei weitem nicht solche Erfahrungen gemacht, aber ebenfalls mal eine Art Aufzeichnung der Vergangenheit begonnen, um etwas zu verarbeiten. Angefangen habe ich damals einfach irgendwie. Ein Gedanke der Gegenwart, wie eine Art Prolog. Der Rest ergab sich von selbst, wenn man erst mal in diesem "Flow" drinnen ist. Die Struktur des Buches,der Aufbau. Mitunter gar nicht chronologisch, aber das finde ich bei solchen Texten auch nicht schlimm. Das Wichtigste ist einfach mal anfangen und drauf los schreiben.
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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