Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

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Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Jacky » 05.02.2010, 23:49

Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Hast du ein richtig großes Projekt, das dir so richtig wichtig ist?
Worum geht es (ganz grob)?
Schiebst du es schon lange vor dir her?
Wenn ja, wie lange?
Was hindert dich daran anzufangen?
Hast du schon einmal versucht in der Vergangenheit anzufangen?
Hat es dir geholfen?
Du hast in jedem Augenblick die Freiheit zu entscheiden was wichtig ist und wie du darauf reagierst.

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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon T.K. » 06.02.2010, 12:07

Hallo ihr Lieben...

Derzeit schreibe ich tatsächlich an einem größeren Projekt (Fantasy / Vampire). Ich habe lange alles mögliche ausprobiert und mit der Schreibwerkstatt zusammen noch mal ein ganz neues Schema angefangen, wie ich an dieses Werk herangehen möchte.
Zum Beispiel habe umfassende Steckbriefe geschrieben und werkel nebenbei fast ständig an dem Plot herum. Immer wenn mir etwas einfällt, kommt es auf die Liste und wird eingeschoben und angepasst.
Außerdem habe ich mit dem Gedanken gespielt tatsächlich zu jedem wichtigen und zu jedem interessanten (ob wichtig oder nicht) Charakter eine Vorgeschichte zu schreiben. Nicht nur wie sie der Steckbrief schon beinhaltet, sondern so wie es von Jacky in diesem Beitrag beschrieben wurde.
Also kann ich durchaus sagen: Ja... Der Tipp ist gut und das Lesen dieses Vorgehens hat mich nur noch einmal darin angespornt diesen Plan auch umzusetzen und Seite um Seite die Vergangenheit meiner Charaktere zu schildern (womit man bei der Menge an inzwischen entstandenen und interessanten Charaktere wahrscheinlich schon ein ganzes Buch füllen könnte).
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Brianna » 06.02.2010, 16:00

Ach, ich liebe Jackys Blog. Da weiß ich nachher immer, dass ich nicht die einzige bin, sondern dass andere Autoren genau die gleichen Erfahrungen machen wie ich. Nicht, dass ich euch das gönne :wink: aber es ist einfach gut zu wissen, dass es mir nicht alleine so geht.

Ja ich hab / hatte auch so ein Projekt. Mein heiliger Gral quasi. Ich hab es mir ausgedacht als ich ca. 16 Jahre alt war. Dann hab ich aber erst eine andere Geschichte geschrieben weil ich mich für mein Heiligtum nicht bereit genug fand. Dann hab ich ca. 2 Jahre gar nicht geschrieben, aber weiter Ideen für mein Projekt gesammelt. Beim NaNo hab ich dann endlich angefangen nach so vielen Jahren die Geschichte aufzuschreiben. Und was ist passiert?
Sie ist vom Heiligtum zum "Übungs-Lückenfüller" geworden. :evil: Das ist nämlich ein großes Problem, wenn man Ideen zu lange liegen lässt. Man wird älter, verändert sich und somit verändert sich auch der Blick auf die Geschichte. Ich kann mich heute nur noch bedingt in die Idee von damals einfinden. Die Protagonisten sind jetzt alle ca. 6 Jahre (verdammt ich bin alt, hat jemand Faltencreme? :shock: ) jünger als ich, jetzt fällt es mir wesentlich schwerer mich in ihre Gefühlswelt zu versetzen als damals.
Wie löse ich das ganze?
Wie schon gesagt, ich schreibe das Projekt trotzdem zu ende auch wenn es nicht so gut wird, wie es in meinem Kopf sein sollte. Aber ich muss es einfach loswerden, sonst habe ich den Kopf nicht frei. Außerdem hab ich beim korrigieren viel über meinen Schreibstil und meine Fehler gelernt, das ist doch auch etwas.
Außerdem schreibe ich gleichzeitig an meinem neuen Projekt, das mir letztens einfach so zugeflogen ist. Es hat mich diese Begeisterung gepackt, von der Jacky auch berichtet. Dieses berauschende Gefühl, noch stärker als ich es früher für mein altes Projekt empfunden habe. Nur diesmal werde ich nicht warten es aufzuschreiben. Ich habe aus den Fehlern des alten Projektes gelernt. Das neue werde ich in Ich-Perspektive schreiben und es wird auch hier in Deutschland spielen und nicht irgendwo in Amerika (so wie mein altes Projekt). Das macht es für mich deutlich einfacher es zu schreiben und gibt dem ganzen auch mehr Authentizität. Ich liebe es an dem Projekt zu schreiben, es fließt einfach aus mir heraus. Hängt vielleicht damit zusammen, dass es sehr nah an meinem richtigen Leben ist...

Doch bevor ich hier zu viel erzähle, was eigentlich nichts mit Anfangsproblemen zu tun hat, gebe ich lieber den Rat von vorhin noch mal: fangt um jeden Preis an! Sonst verliert ihr irgendwann die Beziehung zu der Idee, auch wenn sie noch so genial ist! So das war jetzt das Wort zum Sonn... äh Samstag. 8) Jacky hat viele gute Tipps gegeben, da wird es bestimmt leicht sein sich endlich durchzuringen und anzufangen.
Was, wenn ich zu schlecht bin, um es so aufzuschreiben, wie es sein müsste - wie es in meinem Kopf bereits existiert?
Also die Frage stelle ich mir auch oft. Aber ich denke man kann mit mehr Übung immer näher an seine Vorstellung im Kopf drankommen. Mein altes Projekt ist zum Beispiel viel weiter von meinem Kopfkino entfernt als mein neues.
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon freakingmuse » 06.02.2010, 23:31

Meinen heiligen Gral habe ich angefangen zu schreiben, ohne zu wissen, dass er es ist. Das war durchaus hilfreich ;)
Mittlerweile arbeite ich noch immer daran bzw. warte darauf die Endkorrektur durchzuführen, wenn sich meine Betaleser mal irgendwann melden (bei einigen habe ich die Hoffnung aufgegeben, bei anderen weiß ich, dass sie im Stress sind).
Daher hatte ich das Problem mit dem Anfang nicht.

Um genau zu sein hatte ich das noch nie.
Ich mache mir keine/kaum Gedanken, bevor ich anfange eine Geschichte zu schreiben und plane auch nichts.
Ich fange einfach an, frei nach dem Motto "Nicht denken, nur schreiben".

Der erste Satz ist für mich nicht wichtig. Entweder ich habe einen Satz im Kopf aus dem dann eine Geschichte wächst oder ich tippe einfach irgendetwas und ändere ihn später.
Der einzige Grund, warum ich Geschichten vor mir her schiebe ist, dass ich mit einer Anderen noch nicht fertig bin.
Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich Romane nicht zu Ende schreibe, wenn ich mittendrin unterbreche, lasse ich es und treibe mich selbst zum Ende.
Für mich gibt es keine Pausen. Ich gehe von einem Romanprojekt ins nächste. Diese konstante Arbeit erleichtert es und lässt keine Hemmungen zu. Wie ich immer wieder sage, die erste Fassung darf so Scheiße sein wie sie will, dafür muss man einfach gut korrigieren ;)

Ich glaube, die erste lange Geschichte ist immer die größte Herausforderung. Wenn man diese einmal geschrieben hat, dann weiß man, dass man es kann (wir lassen mal dahin gestellt, wie schlecht diese erste Geschichte ist, es geht nur um das Schreiben und Beenden. Als ich meinen ersten "Roman" vor ein paar Jahren nochmal gelesen habe, wusste ich echt nicht, ob ich lachen oder weinen soll, so grottig war er ;) ).

Vorher anfangen.
Ich habe noch nie, bevor ich angefangen habe an einer Geschichte zu schreiben, über das Vorher geschrieben. Aber ich habe darüber geschrieben während oder nachdem ich eine Geschichte bearbeitet habe. In die Vergangenheit der Figuren zurück zu reisen hilft mir sie besser zu verstehen. Ich habe eine Extraordner und auch einige Notizbuchseiten mit lauter Kurzgeschichten aus der Vergangenheit meiner Charaktere, die ich nie verwenden werde und die nie wichtig sein werden für irgendwen außer für mich.
Aber sie haben mir geholfen Beziehungen besser zu versehen und die Handlung der Charaktere. Es ist also ein Tipp, den ich mit vollem Herzen empfehlen kann.

Und während ich eine solche Geschichte geschrieben habe, habe ich übrigends bemerkt, dass so viel mehr in der Vergangenheit zweiter Charaktere, die ich eigentlich schon ewig kenne, steckt, dass es wohl mein nächstes NaNoWriMo Projekt werden wird. So kanns gehen :)
If the doctor told me I had six minutes to live, I'd type a little faster. -Isaac Asimov
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Sofian » 07.02.2010, 00:25

Ja, auch ich habe meinen Heiligen Gral, meinen Augapfel und die Geschichte, die mich seit knappen 2(!) Jahren rumtreibt. Erst war es nur eine grobe Idee, die ich immer mehr ausgebaut habe. Dann habe ich angefangen.

Mein heiliger Gral ist "Die Wölfe". Es geht eigentlich um einen jungen Erwachsenen namens Aaron, der in den Kriegswirren, die sein Tal erleben muss, eine zentrale Rolle einnimmt. Er findet sich in einer Dreiecksgeschichte wieder, versucht, seine Lieben zu retten und fällt dabei Korbinian von Immergrün, rechtmäßiger Erbe des Fürstentitels und Anführer des Widerstands, ins Auge, sodass Aaron im Widerstand rasch aufsteig. (Das ist echt nur gaaaaannnnnnnzzzz grob)

Im ersten Jahr habe ich eigentlich nur darüber nachgedacht, Karten gezeichnet, Charaktere, Religionen etc entwickelt, hab die Welt ins kleinste Detail ausgetüftelt. Und erst dann habe ich angefangen zu schreiben. Wirklich angefangen habe ich dann erst ein Jahr später. Und bin, kurz nachdem ich hier was eingestellt hatte, erstmal total deprimiert gewesen. Ich war total begeistert von meinem ersten Absatz, der da lautete:

Verschlafen lag das kleine Dorf zwischen den Hügeln, über denen sanfter Nebel waberte. Nichts in diesem Bild störte die Idylle, während rot- goldenes Sonnenlicht langsam die Hänge hinaufkroch und dabei sanft die taubesetzten Grashalme berührte. Auch zeugte nichts davon, dass das Dorf bewohnt gewesen wäre und nicht etwa von Riesen in die Landschaft gesetzte Modelle. Nichts, außer dem schneeweißen Dampf, der aus der Dorfmitte in seichten Kringeln emporstieg.


Der natürlich als Anfang echt grottig ist. Er wandelte sich im Laufe der Zeit in:

Ein Knall riss Aaron aus seinem Schlaf. Emily! Er schüttelte den Kopf, er hatte geträumt. Langsam setzte er sich auf.


Der als Anfang schon viel mehr taugt. Allerdings bin ich dann wieder, um Spannung aufzubauen, in eine etwas andere Richtung geschritten und arbeite seitdem daran, den Plot dieser Richtung anzupassen. Und langsam wird es auch.

Ich habe auch schon versucht, in der Vergangenheit anzufangen, aber da mein Aaron ein totaler Langweiler ist, war das nicht sonderlich interressant.
Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.

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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Pusteblume » 07.02.2010, 14:55

Ja sowas, Jacky kannst du Gedanken lesen?
Genau dieses Thema beschäftigt mich derzeit. Ich plane schon lange für ein größeres Projekt und nehme mir ständig vor endlich mit dem Schreiben anzufangen. Aber irgendwie gelange ich dann doch nie an den Punkt an dem meine Finger in die Tasten hauen.
Es ist gut zu wissen, dass ich mit diesem Problem nicht allein dastehe. Und ich denke ich werde die Idee mit den Vorgeschichten ausprobieren, vielleicht kann ich dadurch tatsächlich auch noch ein paar Plotlöcher stopfen, die hier und da noch auftauchen;)
es grüßt,
Pusteblume
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Sajenn » 08.02.2010, 16:31

Mein Herzblut-Projekt schleppe ich mit mir rum, seit ich 15 bin. Das sind bisher 6 Jahre und mit der Zeit ist die Geschichte mit mir gewachsen.
Ursprünglich wollte ich die Geschichte von zwei Menschen schreiben, die sich mit der Zeit emotional verlieren, verpackt in Fantasy. Mir als 15-Jährige, gerade verlassen von ihrem ersten Freund, kam das gerade recht.
Mit der Zeit hat sich aus der ersten Idee ein kleines Universum ergeben. Ich hänge aber immer noch am Plot, der immer noch wächst.
Meine Problem ist nicht der Anfang, sondern das "festlegen". Ich weiß, WAS für eine Geschichte ich schreiben will, aber meine Idee und mein Universum so zu biegen, dass es in meine Vorstellung passt, hindert mich stark.
Wahrscheinlich habe ich mich trotz der jahrelangen Veränderungen zu sehr auf bestimmte Details festgelegt.

Seit Anfang des Jahres arbeite ich jedoch intensiver an der ganzen Sache. Ich will nun mich endlich mal am Schopfe packen. Ich hoffe, ich bekomme einen Plot hin, wie ich ihn will. Wenn nicht, wird daran gearbeitet, bis ich habe, was ich will.
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Vridil » 12.02.2010, 11:41

Mein Projekt ist eigentlich vor 4 Jahren im Urlaub entstanden. Mich hat es da ganz plötzlich gepackt und Ideen sind gesprudelt. Diese hab ich dann auch ganz brav aufgeschrieben, aber bis heute habe ich meinen Schreibblock von damals nicht wiedergefunden. Das war echt frustrierend und ich war viel zu blockiert, um mit etwas Neuem anzufangen.
In den Weihnachtsferien habe ich mich dann hingesetzt und versucht mich daran zu erinnern und angefangen meine Welt zu bauen. Ich glaube inzwischen hat meine Idee nichts mehr mit der Ursprungsgeschichte zu tun, aber das macht nichts. Das Projekt wurde immer größer und größer, mit mehr Facetten, so dass ich fast Angst habe mich selber darin zu verlieren und den Überblick nicht behalten zu können.
Irgendwie gelingt es mir noch nicht ganz, den Plot volständig zu bauen. Mich hat ein Blogeintrag von Jacky inspiriert mehr über meinen Bösewicht nachzudenken und zu wissen, warum er tut, was er tut und was er eigentlich will und warum. Jetzt sitze ich Stunden vor meinem Laptop und versuche darüber nachzudenken, aber da kommt nichts.
Dann habe ich den neuen Blog gelesen und auch einen Blick in die Vergangenheit riskiert. Ohne groß darüber nachzudenken habe ich drauflosgeschrieben und es floss quasi aus mir raus. Unbewusst habe ich mir Antworten auf gleich mehrere Fragen gegeben, Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie noch unklar waren. Das war echt befreiend und sehr hilfreich.
Das ist wirklich eine tolle Hilfe! Danke.
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Jacky » 12.02.2010, 11:47

Sehr viele, sehr interessante Einsichten. Am meisten freut es mich natürlich für die, wo der Blogartikel geholfen hat :D

Deshalb werf ich einfach mal ein Tschakkaaa in die Runde und freu mich schon auf weitere Antworten.

lg
Jacky ;)
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Brianna » 13.02.2010, 14:16

Da fällt mir noch was ein. Seit dem letzten NaNo mache ich es meist so, dass ich die Ideen sofort aufschreibe, also eigentlich ausschreibe. Das kann eine ganze Szene oder nur einige Sätze sein. So muss man quasi nicht mit dem ersten Satz anfangen ;) Nur wenn ich keine Zeit / Lust habe, dann manche ich mir Notizen, die ich aber versuche alsbald abzuarbeiten. So hat man nicht immer dieses "leere Blatt Gefühl". Man kann dabei gut diesen "oh ich behandel mein heiliges Projekt wie ein rohes Ei und packe es in Watte, ich fange erst an wenn alles perfekt ist [was es eh nie sein kann]" Effekt abschütteln. So hab ich ganz nebenbei schon 10.000 Wörter geschrieben, was wirklich eine Überraschung war.

Allerdings:
Jetzt habe ich aber ein bisschen Angst, dass ich dadurch viel für den Papierkorb schreibe.
Ich habe noch nicht richtig geplottet und recherchiert auch nicht wirklich viel. Wenn sich nun beim Plotten oder Recherchieren noch was ändert und ich alles umschreiben muss?
Hat das jemand auch schon mal so wie ich gemacht? Kann das funktionieren? Sonst plotte ich immer recht vollständig und dies ist jetzt völliges Neuland für mich.
Ich finde es einfach super angenehm eine Idee dann zu schreiben, wenn sie noch frisch ist. Dann ist alles irgendwie intensiver.
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Suzulein » 16.02.2010, 16:04

Oh ja, immer diese Anfangsprobleme, das kenne ich nur zu gut...
Hast du ein richtig großes Projekt, das dir so richtig wichtig ist?

Ja, abgesehen davon, dass mir jede noch so kleine Idee (zumindest im ersten Moment) wirklich richtig wichtig ist, gibt es dieses eine Projekt, dass mich immer wieder heimsucht.
Schiebst du es schon lange vor dir her?
Wenn ja, wie lange?

Also, im Grunde genommen ist es ein Hauptcharakter, der mich immer wieder quält. Das erste Mal habe ich sie "getroffen", als ich irgendwo um die 12-14 war. Das sind *rechne* immerhin schon etwa 8 Jahre O.O
Die ursprüngliche Geschichte um diesen Char herum hat mit der momentanen nur noch sehr entfernt etwas gemeinsam. Mit der Zeit haben sich immer wieder Kleinigkeiten geändert, bis sich irgendwann über Jahre hinweg gar nichts mehr getan hat.
Das hat sich dann vor inzwischen schon etwas mehr als einem halben Jahr geändert (da bin ich auf die Schreibwerkstatt gestoßen :wink: ) Ich habe geplottet und Steckbriefe gemacht und mir alles mögliche überlegt, das Hauptcharakterphantom aus der Vergangenheit hatte endlich richtig gestalt angenommen, aber nachdem dann alles stand, war es wieder da: ich konnte nicht anfangen :evil:
Was hindert dich daran anzufangen?

Das habe ich mich dann auch gefragt. Zuerst dachte ich, ich sei bloß zu faul. Aber warum habe ich es dann geschafft, andere Geschichten zu schreiben? Sicher, diesen Erfolgsdruck "es muss wunderbar werden, das ist dein Herzensprojekt" hatte/ habe ich noch immer, aber dem begegne ich im Moment mit "bewusst schlecht schreiben" (An der Stelle ganz ganz vielen lieben Dank für die ganzen Tipps und Hilfen, ohne die ich bestimmt noch nicht so weit wäre, wie ich mir jetzt einbilde zu sein 8) )
Ich habe hier von dem Tipp gelesen, den ersten Satz zu überspringen und erst einmal die Szenen zu schreiben, die man schon genau vor Augen hat. Ein paar Szenen sind auch wirklich dabei rumgekommen, aber viel mehr konnte ich nicht schreiben, weil ich wissen musste, wieviel Informationen ich schon am Anfang preisgebe. Ohne Anfang wusste ich das natürlich nicht. Doofe Situation. Und wieder tat sich über längere Zeit nichts...
Hast du schon einmal versucht in der Vergangenheit anzufangen?
Hat es dir geholfen?

Ehrlich gesagt ja, ich habe es zuvor schon einmal ausprobiert. Und meiner Prota bin ich noch ein ganzes Stück näher gekommen, als ich gedacht hätte, dass es möglich wäre. Nur in meinem Projekt wollte sich einfach nichts tun.
Dann habe ich Jackys Beitrag gelesen und noch mal genauer nachgedacht, bis mir endlich klargeworden ist, dass nicht meine Prota, sondern die andere Hauptchara, die sich vor dem halben Jahr beim Plotten entwickelt hat, das Problem war. Denn zu der hatte ich eigentlich gar keinen Bezug. Ich wusste zwar alles über ihre Vergangenheit, was passiert war und wie es sich in die Geschichte einfügt, aber wie sie sich gefühlt hat, klar, erahnen konnte ich es, aber wirklich in sie hineinversetzt hatte ich mich nie. Tja, das habe ich dann nachgeholt und seit ein paar Tagen fluppt es in meiner Geschichte seit langem mal wieder. :mrgreen: Der Anfang ist geschrieben, ein kleines Verknüpfungsproblem schon behoben und ich bin zuversichtlich, dass es erst einmal ein Weilchen so weitergeht (Ich habe mir den NaNoWriMo als Vorbild genommen und mir ein tägliches Pensum gesetzt - ich brauche diesen "positiven" Druck) und es ist furchtbar schön zu sehen, wie die Geschichte jeden Tag weiter wächst :D

Eins noch: Die Möglichkeit, den in der Vergangenheit geschrieben Text evtl als Rückblende o.ä. zu verbauen, kam mir auch in den Sinn. Damit habe ich mir aber wieder einen Druck gemacht, wo ja eigentlich das Gegenteil dabei rauskommen sollte, weil es für mich plötzlich mehr als nur eine Übung war. Als ich das mit der zweiten Hauptchar gemacht habe, habe ich es deshalb gar nicht erst aufgeschrieben, sondern einfach nur darüber nachgedacht. Das ging für mich schneller und hatte den gewünschten Effekt. Vllt hole ich es aber irgendwann noch einmal ernünftig nach…

LG, euer Suzulein
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon YvonneSa » 18.03.2010, 23:06

Wo wir genau bei dem Thema wären, was mich sehr stark beschäftigt! ... Ein richtiges Projekt habe ich zur Zeit nicht. Mein Kopf ist voll von Ideen, aber sie umzusetzen ist schwierig. Ich arbeite nebenbei gerade das Buch "Ein Roman in einem Jahr durch" und bin in Kapitel 13, wo man eine Reise in die Vergangenheit machen soll und über eine Zeit, die man nicht so gut kennt recherchieren und schreiben soll. Und genau davor habe ich Angst! Angst, dass ich das, was ich recherchiere falsch wiedergebe usw. usf. :cry:

Leider habe ich auch jetzt erst, mit 30, 31 wirklicih angefangen mich mit dem Schreiben zu beschäftigen. Doch, ich möchte es richtig lernen. Ein paar Gedichte, Texte und Kurzgeschichten habe ich schon geschrieben, die, den Leuten, denen ich sie gezeigt habe, gut gefallen habe. Hier werde sie ich in den nächsten Tagen mal einstellen und bin dann auf Eure Meinungen gespannt.

Mein Ziel ist es, erstmal das Buch fertig durchzuarbeiten. Es hat insgesamt 52 Kapitel! Alle zwei Kapitel gibt es eine Übungsaufgabe. Ich habe eine grobe Idee für dieses Projekt im Kopf und werde mich dieses Wochenende noch dran setzen und gucken, was dabei heraus kommt! :wink: Und dann schaun wir mal! :wink:
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon fairytale » 19.03.2010, 11:54

Oh ja, ich hatte auch diese Idee, diese Geschichte im Kopf, die ich unbedingt aufschreiben musste, weil mir der Inhalt sehr am Herzen lag und ich allen etwas damit mitteilen wollte. Ich hab Ewigkeiten dran rum gebastelt, am Anfang einfach drauf los geschrieben, das wurde natürlich nix, hab es immer wieder zur Seite gelegt und später noch mal von vorne angefangen, und bin halb verzweifelt, weil ich das Gefühl hatte, es einfach nicht auf den Punkt kommen lassen zu können (was für ein Satz…). Ich hab dann monatelang gar nicht mehr geschrieben, aber dann hat es mich auf einmal wieder gepackt und innerhalb von ein paar Tagen war die Geschichte geschrieben (nach insgesamt 4 Jahren!) – ok, es ist jetzt nur eine Kurzgeschichte, ursprünglich sollte es etwas Längeres werden, aber ich bin sehr zufrieden damit und hoffe, dass sie das aussagt, was sie aussagen soll. :-)

Jetzt habe ich auch ein Projekt hier liegen, das mir ziemlich wichtig ist, aber ich traue mich nicht, anzufangen. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich überlege dauernd, ob das „das Richtige“ ist. Ob es nicht etwas anderes gibt, über das ich viel lieber schreiben und mit dem ich lieber „meine Zeit verbringen“ will? Und wahrscheinlich auch, ob ich überhaupt gut genug dafür bin. Furchtbar, sowas!
Außerdem gehe ich in drei Wochen für längere Zeit ins Ausland, das heißt, ich hätte ein unfertiges Projekt hier liegen (innerhalb von drei Wochen kann ich wohl kaum ein Buch schreiben, vor allem bei den ganzen Dingen, die ich noch erledigen muss), und etwas nicht zu Ende zu bringen ist so gar nicht meins. Also denke ich mir, fange ich erst gar nicht an, und wenn ich wieder komme und die Idee überzeugt mich immer noch, setze ich mich dann daran. Aber andererseits ist es auch wieder total schwer, die Sache jetzt wirklich liegen zu lassen! Echt schlechtes Timing. :evil:

Das mit der Vergangenheit ist kein schlechter Tipp. Das werde ich bei Gelegenheit mal ausprobieren.
Jacky, dein Blog ist übrigens super. :D
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Ruvanna » 02.08.2010, 23:23

Oh, wie schön, ich bin nicht alleine (das ist glaub ich der Sinn hinter der Schreibwerkstatt)
Ich schreibe seit ich schreiben kann und lese alles, was sich einigermaßen interessant anhört. Eine Zeit lang habe ich mich nur auf Romane in der Ich-Form konzentriert. Finde ich auch heute noch am besten und deshalb schreibe ich auch in der Ich-Form.
Über die Jahre habe ich einfach mal Szenen, die ich im Kopf hatte aufgeschrieben. Es wurden immer mehr Szenen, mit immer mehr Charakteren und wechselnden Hauptpersonen. Dann ging die Schulzeit vorbei und während der ersten Jahre in Lehre und Arbeit blieb das Puzzle dann einfach liegen. Zwischendurch versuchte ich mich an Kurzgeschichten, nur um mal irgendetwas zuende zu bringen.
Mittlerweile bin ich auf Raten einer Freundin endlich mal durchgehend am laufenden Projekt beschäftigt.
Und nun brauch ich den Anfang einer Geschichte, die schon fast komplett steht. Mal von der unbedeutenden Tatsache abgesehen, daß das Werk vieeeel zu lang ist (hoffentlich nicht langweilig) schwenke ich noch immer zwischen 2 verschiedenen roten Fäden hin und her.
(Wobei der eine roter ist als der andere..)
Mein heiliger Gral ist nun diese Werwolfgeschichte. Je mehr ich hier in der SChreibwerkstatt wühle, umso mehr beschleicht mich der Verdacht, daß Werwölfe und Vampire die am meisten gedroschenen Themen sind. Naja, dann kommts auf eine mehr oder weniger auch nicht mehr an. :lol:
Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht. Aber manchmal bin ich schon frustriert, wenn ich höre, daß Jugendliche es schon schaffen, ihre Bücher zu veröffentlichen. Heul. Und ich habe keine Zeit, um mal konzentriert an einem Werk durchzuarbeiten.
Dazu kommt die Angst, daß meine superduper originelle Idee von jemand anderem verwurstet wird, ehe ich damit fertig bin. Also noch mehr Druck. Danke schön.
Wenn ich nur schon den ersten Satz hätte *seufz* . Dann wäre der erste TEil meines Romanes FERTIG!!!
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Re: Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

Beitragvon Schreiberling S. » 06.08.2010, 19:01

Ich hatte ein Großprojekt geplant (bitte nicht die Idee stehlen :():
Einen historischen Roman, der zur Zeit des 3. Kreuzzuges spielt. Ein junger englischer oder französischer Knappe reist mit seinem Herrn nach Ausruf des 1. Kreuzzuges (kurze Rückblende nach Clermont) ins Heilige Land.
Das Problem ist nicht der Anfang, sondern das Entwickeln von kleinen Nebenstories und Handlungssträngen, die in einem historischen Roman gebraucht werden. Diese sind ja meist Werke von epischen Ausmaßen, oft mit hunderten Fußnoten und ewig langen Kapiteln.
Die Kritiker würden mich, sollte mein Werk veröffentlicht werden, in der Luft zerreißen.
Ich müsste mir vermutlich einige dicke Wälzer zum Mittelalter im Allgemeinen, Katholizismus zur Zeit der Kreuzzüge, zum Islam, zum Judentum, zu Waffen, Städten, Kultur kaufen und diese durcharbeiten, Informationen heraussuchen, gliedern, in meiner Story anschaulich verpacken, und keine Sachfehler machen. Das ist zum einen sehr kostspielig (obwohl es Büchereien gibt; ich denke, dass ich mehr als 14 Tage mit einem Buch beschäftigt sein würde); die Zeit, die ein solcher Roman in Anspruch nimmt (es ist ja nur eine Zeitspanne von mehr als 20 Jahren, länger als mein eigenes Leben) möchte ich nicht ohne Weiteres von meiner Freizeit opfern. Leider, denn meine Idee finde ich gut, einige wenige Charaktere sind schon ausgedacht, aber mehrere Jahre für ein Buch zu arbeiten, das am Ende garnicht veröffentlicht wird? Ist mir ehrlich gesagt zu schade.
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