[NonFik]Arbeitet so werdet ihr frei. Teil 5

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[NonFik]Arbeitet so werdet ihr frei. Teil 5

Beitragvon Diavolo » 24.06.2015, 18:22

Liebe Schreibwerkstättler

Hier kommt auch schon der fünfte Teil und es folgen noch weitere. Die Reise nach Haiti ging hier langsam dem Ende zu und es geht noch nach Guadeloupe. :) Ein bisschen Abwechslung muss ja sein. Hier kommt auch die Aufklärung für meinen Titel und den Prolog.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Verbesserungsvorschläge und sonstige Anregungen. Ich bedanke mich auch fürs Lesen. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und verteile wieder :flowers: im voraus.

Sklaven

Meine Ferien in Haiti näherten sich ihrem Ende. In zwei Tagen würde mich das Flugzeug zu meiner neuen Destination Guadeloupe bringen. Es war Samstag, als mich der Amerikaner, dem ich seit unserem kurzen Wortwechsel an der Rezeption nicht mehr begegnet war, ansprach: „Darf ich Dich zum Sonntagsbrunch einladen?“
Wie kam ich zu der Ehre?
Um 11 Uhr ging es am nächsten Tag im Taxi zu einem Restaurant in der Nähe. Der Tisch auf der Terrasse bot einen herrlichen Ausblick auf die Hauptstadt Port-au-Prince. Ein Sektfrühstück par excellence, das kulinarische Angebot ließ keine Wünsche offen. Ich erfuhr, dass er Manager eines fast weltweit tätigen, gut florierenden Billigkaufhauses sei. Er gab mir seine Visitenkarte und fragte nach meiner Telefonnummer, da er öfters in der Schweiz sei. Auf ein Treffen mit ihm war ich nicht wirklich scharf und dachte bei mir: Aus den Augen aus dem Sinn. Die Unterhaltung war reine Anmache.
Seine Frage: „Interessiert Dich meine Fabrik?“, verblüffte mich.
„Warum nicht?“
Wir liefen die paar Meter bis zum Eingang. Das Bürogebäude glich einer Festung. Nachdem er das schwere Eisentor geöffnet hatte, führte er mich zu einer Tür, die mit einer Eisenkette verschlossen war. Er schaltete das Licht ein. Das große Plakat konnte man nicht übersehen, wenn man die steile Treppe hinunter stieg:
Travaillez et vous recevrez libertes!
„Wer hat das geschrieben und dort angebracht?“
„Die Arbeiter“, kam wie aus der Pistole geschossen.
Mein Hals schwoll an. Ich schwieg, während sich diese Szene in mein Gedächtnis einbrannte.
Arbeitet, so werdet ihr frei!
Welche Freiheit? Gehörte die Sklaverei offiziell nicht schon lange der Vergangenheit an?
Die Funzel erhellte schwach den Raum. Der Gestank von gegerbtem Leder vernebelte meine Sinne.
Wie konnten hier Menschen arbeiten? Dicht gedrängt nebeneinander, wie Sardinen in einer Büchse, vor ihren Nähmaschinen und das zehn Stunden oder mehr. Eine Stuhlreihe hinter der anderen. Fensterlos und ohne Frischluftzufuhr.
„Das ist schlimmer als in einem Gefängnis.“ Die Empörung ließ meine Stimme beben.
Ein arrogantes Lächeln umspielte seinen Mund, gefolgt von einem gelangweilten Zucken mit den Schultern: „Sind doch nur Sklaven!“
Das brachte das Fass zum Überlaufen. Gegen diese Arroganz hatte ich aber in diesem Moment keine Chance.
Ich schwor Rache zu nehmen.

Kontrastprogramm in Guadeloupe

Der Abschied von Haiti fiel mir schwer. Ich hatte Land und Leute lieben gelernt. Ihre Musik, die meinen Körper in Schwingung versetzte, ihre strahlenden Gesichter, das Grün der Landschaft, genauso wie die Farbenpracht der zur Schau gestellten Bilder.
Es war spät, als ich nach dem zweistündigen Flug im Hotel in Guadeloupe eintraf. Außer dem grimmig dreinblickenden Nachtportier war keine Menschenseele zu sehen. Die Bar geschlossen, gönnte ich mir mit dem im Duty Free Shop erstandenen Whisky einen Schlummertrunk. Auf dem Bett liegend, die Klimaanlage auf vollen Touren laufend, las, ich bis mir die Augen zufielen. Das SSSS in meinen Ohren, gefolgt von Jucken und der sich am ganzen Körper bildeten Hubbel, raubten mir den Schlaf. An Moskitospray hatte ich nicht gedacht. Ich opferte meinen teuren Whisky, um die aufgekratzten Stellen damit einzureiben. Der brennende Schmerz war erträglicher, befreite mich aber nur kurz von dem Juckreiz. Bevor es zum Frühstück ging, hastete ich zuerst in den hoteleigenen Laden. Eine schlecht gelaunte Angestellte verkaufte mir eine Salbe und ein Spray.
Beim Anblick der Empfangsdamen und den Bedienungen in dem großen Speisesaal sehnte ich mich nach Haiti zurück. Ich vermisste die fröhlichen Menschen. Hier wirkte alles steif. Nach dem Kaffee und meinen üblichen Zigaretten erkundete ich die Hotelanlage. Die Bediensteten liefen wie aufgezogene Uhrwerke durch die Gegend, ohne Anmut, kein freundliches Hallo, den Blick stur abgewandt.
Am Pool sah ich bekannte Gesichter, der Frauen, die zwei Wochen zuvor bei der Zwischenlandung ausgestiegen waren. Sie streckten ihre nackten Brüste der Sonne entgegen, zwischenzeitlich mit Brandblasen übersät und mit überdimensionierten Proportionen. Den Kopf gesenkt, eilte ich zum Strand. Die Surfbretter an eine Hütte gelehnt. Niemand zu sehen, kein Surfer, der sich auf den Wellen die Zeit vertrieb. Tote Hose. Mir blieb nichts weiter übrig, als auf einen freien Liegestuhl zu warten. Beim Lesen beobachtete ich die Schweizer Society. Köstlich, es gab alle Variationen von Größen, Formen und Farbnuancen.
Der braungebrannte Bademeister, ein Bodybuildertyp, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Blütenweiß gekleidet stand er neben einem Stuhl und ließ seine Muskeln spielen.
Wie Popeye, kicherte ich insgeheim.
Ich stellte meine Ohren auf Lauschangriff, als er dem Pummelchen den Hof machte. Er lud sie am Abend in die Disko zum Tanzen ein. Mit verzücktem Blick hing sie an seinen Lippen.
Gesucht und gefunden!, dachte ich bei mir.
Als ich von meinem Buch aufsah, hörte ich dasselbe Gesäusel von ihm bei der nächsten.
Hatte ich mich zuvor getäuscht? War es nicht die große Liebe?
Gespannt verfolgte ich dieses Schauspiel. Es wiederholte sich, wie wenn man bei einem Kassettenrecorder die Repeat-Taste gedrückt hätte.
Hoffentlich kommt der Typ nicht zu mir.
Kaum fertig gedacht, stand er an meiner Seite.
„Ich habe mich in Dich verliebt! Du siehst toll aus! Hast Du nicht Lust mit mir heute Abend in der Disko zu tanzen?”
Mein Gehirn noch im Leerlauf, kam meine Antwort: „Ich hoffe es stört Sie nicht, dass ich verheiratet bin und zehn Kinder zuhause auf mich warten?“
Der Typ starrte mich mit großen Augen an, wurde blass wie sein blütenweißes Hemd. Sich brüsk umwendend, verschwand er aus meiner Sicht.
Puh, den war ich los.
Daraufhin gönnte ich mir einen Drink an der Bar. Die Stimmung war eisig. Die paar europäischen Gäste stierten vor sich hin, nippten an ihren Gläsern, die Mundwinkel nach unten gezogen. Es dauerte eine Ewigkeit, bevor Väterchen Frost sich anschickte, um nach meinen Wünschen zu fragen.
Wo war ich hingeraten?
Ich bezahlte die Rechnung, steckte das Retourgeld ein, verließ die Bar und ging in mein Zimmer, um meinen Schlaf nachzuholen.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß und freue mich auf eure Kommentare :roll:

Hier geht es zu den vorherigen Teilen:

Teil 1: post525319.html#p525319

Teil 2: post525472.html#p525472


Teil 3: post525677.html#p525677

Teil 4: arbeitet-so-werdet-ihr-frei-teil-4-t54476.html

Teil 6: arbeitet-so-werdet-ihr-frei-teil-6-t54641.html

Teil 7: arbeitet-so-werdet-ihr-frei-teil-7-t54664.html
Zuletzt geändert von Diavolo am 09.07.2015, 17:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Arbeitet so werdet ihr frei. Teil 5

Beitragvon rental » 01.07.2015, 09:13

Hi-Ho Diavolo!

Da ich schonmal im Flow bin, nun auch noch meine Gedanken zu diesem Teil. Keep 'em coming!

„Darf ich Dich zum Sonntagsbrunch einladen?“

Ist das extra so gefragt? Also zum Sonntagsbrunch einladen, obwohl Samstag ist? Oh, habe gerade gesehen, danach steht ja, dass sie "am nächsten Tag" zum Restaurant fahren. Trotzdem vielleicht etwas missverständlich.

Der Tisch auf der Terrasse bot einen herrlichen Ausblick auf die Hauptstadt Port-au-Prince.

Ausblick? Auf Wellblechdächer? Auf schöne Hotels? Parkanlagen?

Ein Sektfrühstück par excellence, das kulinarische Angebot ließ keine Wünsche offen.

"Sektfrühstück" ist etwas was ich nicht kenne und noch nie gehört habe. Doch Google hat mir nun verraten, was es genau ist. Gibt's vielleicht bei mir in der Schweiz nicht oder ich bin einfach unwissend :roll:

Ich erfuhr, dass er Manager eines fast weltweit tätigen, gut florierenden Billigkaufhauses sei.

"Fast weltweit tätig" klingt nicht gut. Entweder ist es ein weltweit tätiges Unternehmen oder nicht. Ich finde, selbst wenn ein Unternehmen nur in ein paar Ländern verstreut auf unserem Planeten geschäftigt, kann man es als weltweit tätiges Unternehmen bezeichnen.

Travaillez et vous recevrez libertes!

Vorsichtig wäre ich mit solchen Fremdsprachigen Teilen im Text. Nicht alle können Französisch. Vielleicht schreibst du die Übersetzung in Klammern dazu. Darauf bezieht sich also der Titel des Berichts.

„Die Arbeiter“, kam es wie aus der Pistole geschossen.

Da fehlt ein Wort.

Mein Hals schwoll an.

Was ist das für eine Gefühlsregung? Ist sie wütend? (eine allergische Reaktion lasse ich jetzt mal aussen vor :lol: )

Arbeitet, so werdet ihr frei!

Okay, hier kommt die Übersetzung! Sorry, ich kommentiere, während ich lese, um meine Gedanken frisch niederzuschreiben.

Gehörte die Sklaverei offiziell nicht schon lange der Vergangenheit an?

Klar, die Firma erweckt vielleicht nicht gerade einen sehr seriösen Eindruck, aber warum geht sie automatisch davon aus, dass dort Sklaverei betrieben wird? Gut, das löst sich dann rasch auf, aber vielleicht würde ich diesen Satz erst nach der Entdeckung des Raumes mit den Sklaven und dem Leder bringen. Würde von der Reihenfolge mehr Sinn ergeben.

In diesem Teil fragte ich mich, wieso sie mit dem Fabrikbesitzer/Sklaventreiber mitgeht, denn er macht ja voll auf Anmache und das kann sie doch so gar nicht ausstehen (zumindest in den vorherigen Teilen)? Wieso entschliesst sie sich, mit ihm zu gehen und seine Fabrik anzusehen, wo er doch nicht besser ist, als alle anderen Männer?

Die Bar hattegeschlossen, also gönnte ich mir mit dem im Duty Free Shop erstandenen Whisky einen Schlummertrunk.

Der Satz geht nicht auf, da fehlen Worte. Habe in blauer Farbe meine Vorschläge eingefügt.

Auf dem Bett liegend, die Klimaanlage auf vollen Touren laufend, las[,] ich bis mir die Augen zufielen.

Das Komma ist falsch gesetzt. Es müsste erst hinter "ich" stehen.

Das SSSS in meinen Ohren, gefolgt von Jucken und der sich am ganzen Körper bildeten Hubbel, raubten mir den Schlaf.

Klar, ich dachte auch zuerst an Moskitos, als ich am Ende des Satzes anlangte. Aber erst dachte ich, das SSSS bezöge sich auf die laufende Klimaanlage und war kurz verwirrt.

Ich opferte meinen teuren Whisky, um die aufgekratzten Stellen damit einzureiben.

Du hast zuvor nicht geschrieben, dass sie sich kratzt. Aber ist nur eine Kleinigkeit.

Eine schlecht gelaunte Angestellte verkaufte mir eine Salbe und ein Spray.

Bin mir jetzt nicht 100%-ig sicher, aber schreibt man nicht "einen" Spray?

Am Pool sah ich bekannte Gesichter, der Frauen, die zwei Wochen zuvor bei der Zwischenlandung ausgestiegen waren.

Komma-Hick-Hack. Der Satz geht nicht ganz auf. Einen Vorschlag von mir, der vielleicht etwas gekünstelt wirkt, aber sicher besser ist, als das, was du momentan da stehen hast: Am Pool sah ich bekannte Gesichter, sie gehörten den Frauen, die zwei Wochen zuvor bei der Zwischenlandung ausgestiegen waren. Irgendwas in die Richtung (wollte deinen Text jetzt nicht zu fest verändern), aber man kann es auch anders lösen.

Sie streckten ihre nackten Brüste der Sonne entgegen, zwischenzeitlich mit Brandblasen übersät und mit überdimensionierten Proportionen.

Also wenn die Brüste bereits mit Brandblasen übersät sind, dann liegen die bestimmt nicht mehr seelenruhig an der Sonne. Das muss doch weh tun, oder?

Die Surfbretter an eine Hütte gelehnt.

Wieder so ein unvollständiger Satz, hattest du schon ein paar Mal in deinem Bericht. Darauf solltest du meiner Meinung nach achten, zumindest für mich liest sich das nicht gut. Surfbretter waren an eine Hütte gelehnt. oder An eine Hütte waren Surfbretter gelehnt.

Mir blieb nichts weiter übrig, als auf einen freien Liegestuhl zu warten.

Achso, der Strand ist gut besetzt. Ich hätte bis hierhin irgendwie gedacht, dass er beinahe leer ist. Auch weil du zuvor schreibst: Tote Hose, kein Surfer, niemand zu sehen.

Beim Lesen beobachtete ich die Schweizer Society.

Hat sie denn jetzt schon einen Liegestuhl gefunden?

Ich stellte meine Ohren auf Lauschangriff, als er dem Pummelchen den Hof machte.

Welchem Pummelchen? Ist die zuvor schon mal vorgekommen? Habe ich etwas verpasst?

Als ich von meinem Buch aufsah, hörte ich dasselbe Gesäusel von ihm bei der nächsten.

Sie hat doch schon aufgesehen, wenn sie nur gelauscht hätte, wüsste sie ja nicht, wie Pummelchen mit verzücktem Blick an den Lippen des Bademeisters gehangen hatte.

Es wiederholte sich, wie wenn man bei einem Kassettenrecorder die Repeat-Taste gedrückt hätte.

Würde ich etwas umstellen: Es wiederholte sich, als hätte man bei einem Kassettenrecorder die Repeat-Taste gedrückt. Liest sich so etwas schöner, finde ich.

„Ich habe mich in Dich verliebt! Du siehst toll aus! Hast Du nicht Lust mit mir heute Abend in der Disko zu tanzen?”

Unglaublich, dass so etwas Plumpes bei Irgendjemandem funktionieren kann...

So, habe nun auch den letzten eingestellten Teil gelesen (wie viele werden noch folgen?). Dieser Abschnitt war wieder etwas weniger spannend, wobei ich das mit der Fabrik und den Arbeitern noch am interessantesten fand. Wenn das aber schon der Titel deines Berichts ist, fände ich es gut, wenn du auf die Umstände, unter der die Sklaven dort "arbeiten", näher eingehen und vielleicht auch ihren Boss etwas mehr - ich nenne es mal hassenswerter - beschreiben würdest. Ansonsten habe ich auch diesen Teil wieder gerne gelesen und es hat mir Spass gemacht, deine Arbeit zu korrigieren. Bitte stelle auch noch die restlichen Teile ein, ich möchte wissen, wie die Reise ausgeht.

Besten Gruss,
rental
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Re: Arbeitet so werdet ihr frei. Teil 5

Beitragvon Diavolo » 10.08.2015, 07:42

Lieber rental

Auch hier ein recht herzliches Dankeschön erst einmal und wie schon im Teil 4 mitgeteilt, werde ich in den nächsten Tagen auch diesen Kommentar genauer unter die Lupe nehmen. Sorry, dass ich erst jetzt darauf antworten konnte.

Liebe Grüße
Diavolo
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