[Liebe]Augenblicke

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Augenblicke

Beitragvon Heribertpolta » 05.07.2015, 20:06

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Mensa Mittagspause. An der Tablettablage, vorm Kühltresen und den Warmhaltefächern. Seine Blicke tauchten zunächst in die Beilage, dann in den Topf mit der Soße und dem Fleisch. Erst dann sah er auf die Menütafel: Tafelspitz, Bratkartoffeln, Meerrettichsoße.

Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe und ging dann gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.

Er. Er stellte sich am Schluss das Glas Wasser auf sein Servierbrett, rückte die Umhängetasche gerade, sah sich, während er nach dem Tablett griff, noch einmal über die Schulter, sah seinen Tisch rechts hinten am Fenster und ging. Beim Gehen schaute er auf seinen Teller; die Soße zog Kreise auf dem Rand. Das Wasser im Glas schwappte.

Sie. Sie legte eine letzte Portionspackung Dressing auf ihr Tablett, stellte das Glas Wasser rechts neben die Salatschüssel, zog sich rasch den Pferdeschwanz straff, sah währenddessen ihren Tisch links hinten am Fenster, nahm ihr Menü und ging.

Er hielt sich rechts, schlupfte durch die Tischreihen mit quasselnden Studenten.

Sie hielt sich links. Ein Schüler war im Begriff aufzustehen, rückte plötzlich und laut seinen Stuhl nach hinten. Sie stoppte, sah erschrocken auf ihr Tablett. Das Wasser schwappte aus dem Glas. Sie ging weiter, hielt dann wieder inne. Vor ihr ein Junge mit Tafelspitz und Umhängetasche.

Er stoppte. Die Soße lief über den Tellerrand und kleckerte. Vor ihm ein Mädchen mit Salat, Wasser und Pferdeschwanz.

Er sah in ihre braunen Augen. Im linken war ein honiggelbes Einsprengsel, so, als hätte man ein Stück Bienenstich in eine Schokoladentorte geschoben. Die Welt um ihn trat zurück.

Sie sah in seine Augen und die Welt um sie verschwand. In seinen sah sie Wiesen und Felder, mit Kornkreisen und den Wind in den Halmen.

Er versank in ihrem Licht und sie in dem seinen. Lauten, Harfen und Flöten spielten und ihre Augen waren nun sich drehende Sonnenblumen; in seinen sah sie kleine Wirbelwinde, dann tanzende Derwische in grünen Tennuren.

Seine Pupillen öffneten sich und sein Herz sprach: Mädchen mit der uralten Seele, willst du meine Frau werden? Die ihren gingen auf und ihr Gewissen, tief im Gespinst des Solar Plexus, sprach: Nein.
Nun öffnete er seinen Mund und sagte: „Vielleicht ein anderes Mal?“, und sie antwortete mit einem warmen Lächeln: „Ja, bestimmt ein andermal“

Die Welt kam zurück. Studentinnen und Studenten lärmten. Geschirr schepperte. Irgendwo fiel ein Tablett auf den Boden. Er machte ihr einen Schritt Platz und sie ging vorbei an ihm zu ihrem Tisch.
Zuletzt geändert von Heribertpolta am 08.07.2015, 16:59, insgesamt 3-mal geändert.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Augenblicke zum Augenblick

Beitragvon Sasskia » 06.07.2015, 08:42

Hallo Heribertpolta!

Deine Geschichte hat mir so gut gefallen, dass ich trotz der unglaublichen Hitze vor dem PC ausgeharrt habe 8)

Vor allem haben mich die kurzen, prägnanten Sätze angesprochen, die mir ein sehr klares Bild des Settings vermitteln und die der eigentlich "alltägliche" Handlung eine neue Sichtweise bescheren. Bei den Schachtelsätzen wird es zwar ein wenig schwieriger, doch irgendwie passen sie super in deinen Text.

Nun zu den Details, die eigentlich nur Anmerkungen sind, denn der Text an sich ist rund und stimmig.

Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe, sondern ging gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.


Über diesen Satz bin ich gestolpert. ".. gar nicht erst in die Töpfe, sondern ... passt hier für mich nicht.

Vorschlag:

Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe und ging dann gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.

Sie hielt sich links. Ein Schüler war im Begriff aufzustehen, rückte plötzlich und laut seinen Stuhl nach hinten. Sie stoppte, sah erschrocken auf ihr Tablett. Das Wasser schwappte aus dem Glas. Sie ging weiter, stoppte dann wieder. Vor ihr ein Junge mit Tafelspitz und Umhängetasche.

Er stoppte. Die Soße lief über den Tellerrand und kleckerte. Vor ihm ein Mädchen mit Salat, Wasser und Pferdeschwanz.


Vor ihr ein Junge, vor ihm ein Mädchen. Das versteh ich nicht. Ist der Junge vor ihr nicht "er"?
Wieso kommen sie aufeinander zu? Dass die Salattheke gegenüber liegt, solltest du vielleicht anmerken.

Er sah in ihre braunen Augen. Im linken war ein honiggelbes Einsprengsel, so, als hätte man ein Stück Bienenstich in eine Schokoladentorte geschoben. Die Welt um ihn trat zurück.

Sie sah in seine Augen und die Welt um sie verschwand. In seinen sah sie Wiesen und Felder, mit Kornkreisen und den Wind in den Halmen.


So schön romantisch, mag ich :love: - zumindest in deinem Text.

Fazit:
Gelunges Setting, treffende Sprache, schön eingefangene Begegnung.

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Augenblicke zum Augenblick

Beitragvon Heribertpolta » 06.07.2015, 19:52

Hallo Sasskia!

Zunächst einmal vielen Dank für deinen Kommentar!

Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe, sondern ging gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.



Über diesen Satz bin ich gestolpert. ".. gar nicht erst in die Töpfe, sondern ... passt hier für mich nicht.

Vorschlag:

Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe und ging dann gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.


Genau diese Stelle war mir selbst ein Dorn im Auge. Dein Vorschlag ist da die bessere Version. Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich deinen Vorschlag gerne so übernehmen.

Vor ihr ein Junge, vor ihm ein Mädchen. Das versteh ich nicht. Ist der Junge vor ihr nicht "er"?
Wieso kommen sie aufeinander zu? Dass die Salattheke gegenüber liegt, solltest du vielleicht anmerken.


Ja, schon. Ich wollte das aus den beiden Blickwinkeln darstellen. Einmal aus ihrem und auch aus seinem.

Danke nochmal und Grüße nach Wien (tolle Stadt!).
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Augenblicke zum Augenblick

Beitragvon Diavolo » 07.07.2015, 14:54

Hallo Heribertpolta

Darf ich hier meine Gedanken zu deinem Werk kundtun, dass mich irgendwo doch fasziniert hat. Es ist sehr speziell. Ich lese die anderen Kommentare nicht, aber vielleicht ist dann etwas doppelt gemoppelt. Nichts für ungut.

Ich lege los, wenn es Recht ist:

Heribertpolta hat geschrieben:Mensa Mittagspause; an der Tablettablage, vorm Kühltresen und den Warmhaltefächern. Seine Blicke tauchten zunächst in die Beilage, dann in den Topf mit der Soße und dem Fleisch. Erst dann sah er auf die Menütafel: Tafelspitz, Bratkartoffel, Meerettichsoße.


Vielleicht hier hinter Mittagspause einen Punkt.

vorm Kühltresen, da würde ich vor dem Kühltresen schreiben.

Beim zweiten Satz hatte ich das Gefühl, dass er mit seinem Kopf mit den Augen und dann in den Topf gefallen ist. :oops:

Bratkartoffel Heißt es auf einer Speisekarte nicht immer 'Bratkartoffeln' :?:

Das Angebot auf der Menütafel würde ich in Anführungszeichen setzen.

Meerrettich schreibt man mit zwei rr :oops:

Heribertpolta hat geschrieben:Sie schaute zuerst an die Tafel, gar nicht erst in die Töpfe, sondern ging gezielt zur Salattheke: Rauke, Oliven, Dressing.


Das zuerst würde ich streichen. Ich weiß, dass du darauf hinaus willst, was der andere macht, aber ich finde hier, das nimmt mir die Spannung auf deinen Augenblick. Genauso das erst:

Also würde ich hier vielleicht so oder ähnlich schreiben:

Sie schaute zuerst an die Tafel, nicht in die Töpfe, sondern gezielt zur Salattheke…….

Heribertpolta hat geschrieben:Er. Er stellte sich am Schluss das Glas Wasser auf sein Servierbrett, rückte noch einmal die Umhängetasche gerade, sah sich, während er nach dem Tablett griff, noch einmal über die Schulter, sah seinen Tisch rechts hinten am Fenster und ging. Beim Gehen schaute er auf seinen Teller; die Soße zog Kreise auf dem Rand. Das Wasser im Glas schwappte.


Das erste Er, braucht es nicht.

Am Schluss von Was? stellte er sich das Glas Wasser auf das Servierbrett?

Zweimal einmal

Der Satz ist ein Bandwurmsatz für mich :oops: Vielleicht so, oder ähnlich:

Er stellte sich noch sein Glas Wasser auf das Servierbrett. Während er nach dem Tablett griff, rückte er seine Umhängetasche zurecht (wobei ich mich frage, für was das gut sein soll :oops:, hat er wichtige Unterlagen darin :?: )

Er sah seinen freien Tisch hinten am Fenster, ergriff sein Tablett und ging los.

Er schaute auf seinen Teller, die Soße zog Kreise und das Wasser im Glas schwappte über.

Heribertpolta hat geschrieben:Sie. Sie legte eine letzte Portionspackung Dressing auf ihr Tablett, stellte das Glas Wasser rechts neben die Salatschüssel, zog sich rasch den Pferdeschwanz straff, sah währenddessen ihren Tisch links hinten am Fenster, nahm ihr Menü und ging.


Ach jetzt erst erkenne ich warum das doppelte 'Er' und 'Sie' Vielleicht machst du danach lieber einen Doppelpunkt, vielleicht noch besser, du gibst diesen einen Namen. :roll:

Auch hier wieder, die Ablenkung auf ihr Haar. Also wenn Frauen sich in die Haare fassen, hat es mit sexuellen Bedürfnissen zu tun, aber sicher nicht, wenn sie sich den Pferdeschwanz straff ziehen.

Wo sie das Glas Wasser abstellt ist mir eigentlich auch egal. Der Satz ist einfach zu lang, mal wieder ein Bandwurm und man könnte es sicher spannender schreiben. Dir fällt sicher etwas ein.

Heribertpolta hat geschrieben:Er hielt sich rechts, schlupfte durch die Tischreihen mit quasselnden Studenten.
Ab hier wechselst du plötzlich. Du erzählst von einem Mitbedachter, den ich noch nicht kenne.

Heribertpolta hat geschrieben:schlupfte



vielleicht hier besser oder ähnlich: schlich, den schlupfte hört sich für mich so an, wie wenn jemand aus einem Ei schlüpft.

Heribertpolta hat geschrieben:Sie hielt sich links. Ein Schüler war im Begriff aufzustehen, rückte plötzlich und laut seinen Stuhl nach hinten. Sie stoppte, sah erschrocken auf ihr Tablett. Das Wasser schwappte aus dem Glas. Sie ging weiter, stoppte dann wieder. Vor ihr ein Junge mit Tafelspitz und Umhängetasche.


Hier wieder zweimal stoppte

Ok,er hielt sich rechts und sie links :oops:

War es ein Schüler oder ein Student? Ich dachte, die Handlung spielt in einer Mensa :oops:

Vielleicht hier so oder ähnlich:

Nachdem sie von ihrem Tablett aufsah, sah sie einen Jungen mit Tafelspitz auf dem Tablett und einer Umhängetasche.

Heribertpolta hat geschrieben:Er stoppte. Die Soße lief über den Tellerrand und kleckerte. Vor ihm ein Mädchen mit Salat, Wasser und Pferdeschwanz.


Wohin kleckert die Soße?

Schon wieder stoppte

Hier frage ich mich, ob sie den Salat oder die Haare im Wasser wäscht, sorry :(

Heribertpolta hat geschrieben:Er sah in ihre braunen Augen. Im linken war ein honiggelbes Einsprengsel, so, als hätte man ein Stück Bienenstich in eine Schokoladentorte geschoben. Die Welt um ihn trat zurück.


Hier trete ich auch zurück, den der Vergleich mit dem Bienenstich und der Schokoladentorte hinkt, gewaltig.

Heribertpolta hat geschrieben:Er versank in ihrem Licht und sie in dem seinen. Lauten, Harfen und Flöten spielten und ihre Augen waren nun sich drehende Sonnenblumen; in seinen sah sie kleine Wirbelwinde, dann tanzende Derwische in grünen Tennuren.


Mal wieder ein Bandwurm und hier fehlen mir die wirklichen Gefühle dieser Liebe.

Ich sehe hier weder Wirbelwinde noch tanzende Derwische, sorry.

Heribertpolta hat geschrieben:Seine Pupillen öffneten sich und sein Herz sprach: Mädchen mit der uralten Seele, willst du meine Frau werden? Die ihren gingen auf und ihr Gewissen, tief im Gespinst des Solar Plexus, sprach: Nein.
Nun öffnete er seinen Mund und sagte: „Vielleicht ein anderes Mal?“, und sie antwortete mit einem warmen Lächeln: „Ja, bestimmt ein andermal“


Nach dem letzten Wort fehlt ein Punkt.

Auch hier könnte man die Gefühle auch mit den Augen und dem Solar Plexus besser ausarbeiten, damit es eindrucksvoller wirkt.

Nein, gehört in Anführungszeichen.

Ich würde hier nach jeder wörtlichen Rede auch einen Absatz machen. Nach 'Vielleicht ein anderes Mal? einen Punkt und das 'und' weglassen.

Heribertpolta hat geschrieben:Die Welt kam zurück. Studentinnen und Studenten lärmten. Geschirr schepperte. Irgendwo fiel ein Tablett auf den Boden. Er machte ihr einen Schritt Platz und sie ging vorbei an ihm zu ihrem Tisch.


Die Welt kam nicht zurück, er kam zurück in die Realität. Oder nicht :?:

So, ich hoffe, du konntest mit meinem Kommentar, sollen nur Anregungen sein, etwas anfangen, ansonsten, einfach ab in die große Tonne. Ich hatte trotzdem Spaß, deinen Buchstaben zu folgen.

Liebe Grüße

Diavolo
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Re: [Liebe]Augenblicke

Beitragvon tabitatabuk » 23.09.2015, 22:44

Hallo Heribertpolta

Ich versuche es auch mal mit einem Kommentar. :) Es ist mein erster, deshalb bitte ich eventuelle Startschwierigkeiten jedweder Art zu verzeihen :mrgreen:

Zunächst muss ich sagen, dass ich den Schreibstil, in dem die Geschichte geschrieben ist, gut fand: immer recht kurz gebunden was die Satzlänge angeht, aber trotzdem detailreich. Auch den Ansatz aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu schreiben mag ich, weil es das Ganze vielfältiger macht.

Er stellte sich am Schluss das Glas Wasser auf sein Servierbrett, rückte die Umhängetasche gerade, sah sich, während er nach dem Tablett griff, noch einmal über die Schulter, sah seinen Tisch rechts hinten am Fenster und ging. Beim Gehen schaute er auf seinen Teller; die Soße zog Kreise auf dem Rand. Das Wasser im Glas schwappte.


Ich finde es bemerkenswert, dass die ganze Geschichte aus solchen banalen Details aufgebaut wurde, sie aber trotzdem interessant zu lesen ist. Gerade die Nebensächlichkeit der Beschreibungen veranlasst einen dazu, nochmal genauer hinzuschauen, ob nicht doch noch mehr Bedeutung hinter den Worten steckt.

Er sah in ihre braunen Augen. Im linken war ein honiggelbes Einsprengsel, so, als hätte man ein Stück Bienenstich in eine Schokoladentorte geschoben.


Den Vergleich finde ich außergewöhnlich. Sehr kreativ, gefällt mir gut. :D

Lauten, Harfen und Flöten spielten und ihre Augen waren nun sich drehende Sonnenblumen; in seinen sah sie kleine Wirbelwinde, dann tanzende Derwische in grünen Tennuren.


Das ist mir ehrlichgesagt zu kitschig. Oder ist es mit Absicht so übertrieben dargestellt? Bin mir nicht sicher, ob ich es richtig verstehe. :?:

Die Welt kam zurück.


Diesen abrupten Wechsel finde ich für das Ende ziemlich gelungen. Erst sind sie versunken in ihren eigenen Welten, dann rutschen sie von jetzt auf nachher wieder in die "normale" Welt zurück. Ist auch super an den Anfang angeknüpft, der ja auch mit der "Realität" beginnt.

Liebe Grüße,
tabitatabuk
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Re: [Liebe]Augenblicke

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 13:39

Hallo Heribertpolta!

Klasse, das ist richtig gut! Auch diesen Text finde ich mehr als nur gelungen, eine sehr gute Arbeit!

Ein paar Anmerkungen kann ich mir jedoch nicht verkneifen, ein paar wenige Passagen könnten (zumindest für meine Ohren) runder klingen.

Mensa Mittagspause.

Sollte/müsste hier nicht ein Komma stehen?
Mensa, Mittagspause.



Er. Er stellte sich am Schluss das Glas Wasser auf sein Servierbrett, rückte die Umhängetasche gerade, sah sich, während er nach dem Tablett griff, noch einmal über die Schulter, sah seinen Tisch rechts hinten am Fenster und ging. Beim Gehen schaute er auf seinen Teller; die Soße zog Kreise auf dem Rand. Das Wasser im Glas schwappte.

Da [i]Er.[/i] vorangestellt wird und ich das stellte sich als unschön empfinde, würde ich den Satz ein wenig umstellen. Zudem könnte man sehen variieren und am Ende das schwappte vorziehen.

Er. Am Schluss stellte er das Glas Wasser auf sein Servierbrett(Tablett?), rückte die Umhängetasche gerade, sah sich, während er nach dem Tablett griff, noch einmal über die Schulter, fand seinen Tisch rechts hinten am Fenster unbesetzt und ging. Beim Gehen richtete er seine Augen auf seinen Teller; die Soße zog Kreise auf dem Rand. Das Wasser schwappte im Glas.



Vor ihm ein Mädchen mit Salat, Wasser und Pferdeschwanz.

Ich liebe Aufzählungen, die im Grunde nicht zusammenpassen wollen, letztlich jedoch stimmig sind. Prima!



Sie sah in seine Augen und die Welt um sie verschwand. In seinen sah sie Wiesen und Felder, mit Kornkreisen und den Wind in den Halmen.


Schon klar, dass du hier, im Bezug auf Die Welt kam wieder zurück absichtlich die Welt wiederholt hast, dennoch würde ich es erwägen, hier zu variieren und stattdessen das Treiben um sie verschwand verwenden. Zudem würde ich auf den vor Wind verzichten.



Er versank in ihrem Licht und sie in dem seinen. Lauten, Harfen und Flöten spielten und ihre Augen waren nun sich drehende Sonnenblumen; in seinen sah sie kleine Wirbelwinde, dann tanzende Derwische in grünen Tennuren.

Hier finde ich das nun vor sich drehende Sonnenblumen störend, das würde ich ebenfalls streichen.



Er machte ihr einen Schritt Platz und sie ging vorbei an ihm zu ihrem Tisch.


Auch den letzten Satz würde ich umstellen.
Er machte ihr einen Schritt Platz und sie ging an ihm vorbei, hin zu ihrem Tisch.

Das sind jedoch alles nur Kleinigkeiten, die zudem nur meinem subjektiven Empfinden entspringen. Sollte dir etwas davon einleuchten, gut. Falls nicht, habe ich nichts gesagt.

Beste Grüße,
Samis
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Re: [Liebe]Augenblicke

Beitragvon Davebones » 15.10.2015, 17:22

Ich mag die Art wie du deinen text aufgeteilt hast. Rechtschreibliche Kommentare wirst du von mir hier eh nicht mitkriegen, da ich der Meinung bin das sie nicht so wichtig ist wie der Inhalt, vor allem, wenn man in einem Forum schreibt. Daher werde ich nur den Inhalt kommentieren.

Er sah in ihre braunen Augen. Im linken war ein honiggelbes Einsprengsel, so, als hätte man ein Stück Bienenstich in eine Schokoladentorte geschoben. Die Welt um ihn trat zurück.


Das fand ich tatsächlich sehr schön. Es sind die Details die eine Person so interessant machen. So Sachen wie eben dieser "Fleck" in ihrem Auge, oder eine Eigenschaft oder einfach nur so banale dinge wie Gerüche. So etwas ist für die Liebe wichtig, und sollte auch gut rüberkommen. Was du ja gut gemacht hast. Auch der vergleich mit der Torte gefällt mir. Wobei ich bei so etwas immer denke dass der Mann (bzw die Person) etwas zu sehr ans Essen denkt. :mrgreen: Je mehr die Frau wie eine Torte aussieht desto besser :XD:

Sie sah in seine Augen und die Welt um sie verschwand. In seinen sah sie Wiesen und Felder, mit Kornkreisen und den Wind in den Halmen.


Find ich gut, dass du zur Beschreibung dieses mal etwas natürlicheres hergenommen hast. Lässt die Frau gut dastehen. Einfach ausgedrückt zeigt dein Text sehr gut wie magisch der Moment ist, wenn an ein nettes Mädchen trifft. Es fühlt sich an wie Stunden, ist dann aber nur ein Augenblick, ein paar Gedanken und eine Floskel. :)
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Re: [Liebe]Augenblicke

Beitragvon Heribertpolta » 19.10.2015, 11:03

Liebe Kommentatoren,

also will ich endlich einmal antworten; natürlich nicht zuletzt, weil dann mein schnuckeliger Text wieder nach oben rückt. Haha!

Über die KOmmentare habe ich mich im Allgemeinen gefreut, weil sie mir zeigen, dass diese und jene Stellen gelungen sind und andere wieder nicht. So haben zum Beispiel alle Kommentare aufgezeigt, dass der Teil mit den Wind und den Halmen ziemlich kitschig ist.
Vielleicht kann ich das noch irgendwie anders formulieren.

Danke nochmals und eine schöne Woche!
Grüße,

Heribert Polta
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