[Sonstiges]Bin ich nicht gnädig? [DÜ]

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[Sonstiges]Bin ich nicht gnädig? [DÜ]

Beitragvon brehb » 15.07.2015, 14:07

An den Brandstifter

Nie war wer derart wütend
wie du in jener Nacht!
Wild brodelnd, flackernd, brütend
warfst du den Stein, hast so den Brand entfacht.
Ich ahne, deine kleine Welt barst aus den Fugen,
doch ist das Grund zu morden?
Ich weinte, als sie tote Kinder trugen

Drum wird mir bang und bänger
beim Blick in euren Sumpf.
Sie brennen schon viel länger
als Du, und ihre Augen starren stumpf.
Ich sehe: Meine wunderbare Welt verlottert.
Doch ist das Grund zu zagen,
nur weil der Weltenmotor ächzt und stottert?

So will ich dir bescheiden,
es steht in meiner Macht:
Ihr sollt nicht länger leiden
an dieser Welt, die ihr verhöhnt, verlacht.
Ich liebe sie. Will neu sie, blitzeblank errichten.
Es sei! Die Schleusen auf!
Die Sintflut wird euch kurzerhand vernichten

Abraham, Gott
[SigNat] Zu spät. Sich sputen bringst nichts
brehb
 
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Re: Bin ich nicht gnädig? [DÜ]

Beitragvon Diavolo » 04.08.2015, 17:05

Hallo brehb

Vielleicht lerne ich mal wieder etwas, wenn ich einen Kommentar zu Deinem sehr interessanten Gedicht abgebe. Deshalb versuche ich es:

brehb hat geschrieben:Nie war wer derart wütend
wie du in jener Nacht!


Hier stolpere ich das erste Mal. Ich habe überlegt, ob statt 'wer' jemand' besser wäre, denn das stört mich, sorry. Oder vielleicht auch stärker in der Bedeutung in der Beziehung:
Nie warst du derart wütend
wie in jener Nacht.
Oder so ähnlich, natürlich. Dann könntest du auch das Ausrufezeichen weglassen.

brehb hat geschrieben:Wild brodelnd, flackernd, brütend
warfst du den Stein, hast so den Brand entfacht.


Brütend passt hier für mich nicht so richtig zu den Aktivitäten, das hat doch eher etwas von grübeln und etwas aushecken, aber es brodelt ja schon wild.

Danach würde ich einen Punkt oder ein Ausrufezeichen machen und dann groß weiter:

Du warfst den Stein, hast so den Brand entfacht.

Auch das hätte mehr Anklage, die ich aus deinem Gedicht herauslese.

brehb hat geschrieben:ch ahne, deine kleine Welt barst aus den Fugen,
doch ist das Grund zu morden?


Vielleicht hier so, denn 'ahnen' ist etwas nicht definierbares, er sieht aber doch genauer hin, wenigstens für mich:

Ich sehe deine kleine Welt barst aus den Fugen.

Danach einen Punkt und kein Komma.

Dann groß weiter mit der Frage.


brehb hat geschrieben:Ich weinte, als sie tote Kinder trugen


Hier fehlt ein Satzzeichen am Ende.

Ich bin hier schwer am Überlegen, sah man das im Fernsehen aus Kriegen, aber da werden keine Steine geschmissen oder wo trugen sie tote Kinder.

brehb hat geschrieben:Sie brennen schon viel länger
als Du, und ihre Augen starren stumpf.


Hier brennen sie auf einmal. Großes Fragezeichen?
brehb hat geschrieben:Doch ist das Grund zu zagen,
nur weil der Weltenmotor ächzt und stottert?


Hier würde ich zu verzagen schreiben und vielleicht danach wieder einen Punkt statt dem Komma.

So, das waren meine Gedanken zu deiner Dienstagsübung. Wirklich interessant, aber ausbaufähig. Was mir auch aufgefallen ist, einmal sprichst du eine einzelne Person an, dann sprichst du wieder von allen. Ist für mich irritierend, wenn hier eine Botschaft rüberkommen soll, wie im letzten Teil, die mich aber irgendwie an die Arche Noah erinnert und ich nicht wirklich in Zusammenhang bringen kann.

Aber wie gesagt, das ist nur meine Meinung und meine Ideen in diesem Moment zu deinem Gedicht.

Liebe Grüße

Diavolo
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Re: Bin ich nicht gnädig? [DÜ]

Beitragvon Asieral » 07.08.2015, 11:20

Hallo brehb,

ich möchte mal eine kleine Interpretation wagen, in der ich wahrscheinlich aber nicht auf alles eingehen kann/werde, aber auch sonstige Kritik dazu geben..

brehb hat geschrieben:An den Brandstifter

Nie war wer derart wütend
wie du in jener Nacht!

Dadurch, dass das stechende "i(e)" in "Nie" am direkt als Erstes steht und danach hauptsächlich sanftere Vokale wie "a" oder "e" folgen kommt ein Kontrast zustande, der zum einen hervorhebt, dass dieses Ereignis einmalig in der Geschichte ist und zum anderen wird durch die drei auf das "Nie" folgende Worte eine Distanz zu "wütend" geschaffen, als hätten sich diese Worte dazwischen gezwängt und dieses "nie wütend" beendet. Gleich zu Beginn wird also schon ein Ende beschrieben, das eingeläutet wurde.
Ich finde, dass das "wer" an dieser Stelle sehr gut passt, hätte man "jemand" geschrieben, so würde der Anfang eher wie eine Erzählung wirken. Das "wer" und die damit verbundene Alliteration gibt dem Ganzen aber eher etwas Bedrohliches. Unterstützt wird dieser Eindruck durch das Enjambement, dass einen schnell in den nächsten Vers zieht, sodass man beim Lesen gleich in die richtige Stimmung versetzt wird.

Im darauf folgenden Vers reiht sich das "wild" in die vorhergehende Situation nahtlos ein und wieder ist an der Tonstelle ein scharfer, stechender Vokal. Was dann folgt ist eine Klimax in der Vokalwahl, vom "o" über das "a" zum "ü". Das "ü" wiederum stellt die Verbindung des Wortes zu "wütend" klar und erinnert von der Atmosphäre her an ein Wesen, dass über einen gewissen Zeitraum Wut angesammelt (gebrütet) hat.
Nun wird man wieder schnell durch das Enjambemen in den nächsten Vers gezogen, was zum einen Schnelligkeit aber auch von einer rasenden Wut zeugen kann. Hättest du, wie dir vorgeschlagen "Du warfst den Stein" geschrieben, so finde ich, wäre zwar vll das "du" in den Fokus gerückt, der Lesefluss aber, wäre abgebrochen und hätte etwas Geschwindigkeit geraubt.

brehb hat geschrieben:Ich ahne, deine kleine Welt barst aus den Fugen,
doch ist das Grund zu morden?
Ich weinte, als sie tote Kinder trugen

Der Kritik an dem "ahnen" würde ich mich anschließen, da, wenn man ein klareres Wort nähme das Darauffolgende unterstützt wird. Denn die Bezeichnung "deine kleine Welt" ist sehr deutlich wird aber durch das vorgestellte "ahne" etwas abgeschwächt. Würdest du beispielsweise "sehe" schreiben, so würde das parallel zu

brehb hat geschrieben:Ich sehe: Meine wunderbare Welt verlottert.
Doch ist das Grund zu zagen,

stehen und den Vergleich verdeutlichen, wie ich finde. Zudem passt ein ein klarer, deutlicher Begriff eher zu dem Bild eines Wesens, das die Macht hat alles zu vernichten oder neu aufzubauen.

Bei Einigem bin ich mir auch noch nicht sicher, wie ich es interpretieren soll.
Beispielsweise das
brehb hat geschrieben:Sie brennen schon viel länger
als Du, und ihre Augen starren stumpf.

Zum einen könnte man das Brennen auf den Zorn bzw die Wut beziehen, die auch schon die zuerst angesprochene Person erfüllt. ("wild brodelnd, flackernd, brütend") Vielleicht passt es aber auch besser, wenn man das Brennen an sich eher als Ursache der Wut betrachtet und dann damit meint, dass sie schon länger leiden.
Das führt mich aber zu der Frage, ob derjenige, der da spricht, kein Leid möchte oder ob es eher die Wut ist, die ihn erzürnt. Denn wenn die anderen ja nicht so wütend wie jener einer sind, gibt es dann einen Grund auch über jene zu richten?
brehb hat geschrieben:Ihr sollt nicht länger leiden
an dieser Welt, die ihr verhöhnt, verlacht.
Der Abschnitt würde ja dafür sprechen, dass auch die anderen "schuldig" sind, aber, wenn ihre "Augen [stumpf starren]" wirkt das für mich eher als seien sie apathisch und würden alles ertragen.

Hieraus folgen für mich momentan 3 Möglichkeiten: 1. Es ist ein Logikfehler. 2. Es soll einen widersprüchlichen Charakter zeichnen, der ganz und gar nicht gnädig, sondern eher Gegenteiliges ist. 3. Ich übersehe etwas.

Durch den Titel "bin ich nicht gnädig" bekommt das ganze Gedicht einen, wie ich finde leicht zynischen Charakter, der jenes Wesen, das da spricht kritisiert, denn wenn es so viel Macht hat, hätte es nicht auch einfach den leidenden Lebewesen helfen können?

Vielleicht fällen mir noch ein paar Gedanken dazu ein.. die ich dann hinzufügen werde. Hoffe ich konnte dir vll etwas helfen.

Mit freundlichen Grüßen
Asieral
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Re: [Sonstiges]Bin ich nicht gnädig? [DÜ]

Beitragvon Ojinaa » 01.10.2015, 16:48

Liest sich flott runter, man muss nicht rätseln – gefällt mir.

Details:

Nie war wer derart wütend

Der Stabreim wirkt seltsam - ein bisschen komisch altmodisch – und das sehr umgangssprachliche "wer" als Synonym für "jemand" klingt unausgereift. Die Zeile würde als "Nie war ein Mensch so wütend" auch prima funktionieren.

wie du in jener Nacht!

Warum das Ausrufezeichen?

Wild brodelnd, flackernd, brütend

Brütend steht für lastende, stehende Hitze/Glut – das passt nicht zu den andern beiden Adjektiven.

warfst du den Stein, hast so den Brand entfacht.

Gut, hier wird ganz unverkünstelt klar, dass es nicht um echtes Feuer geht sondern "Brand" übertagen gemeint ist.

Ich ahne, deine kleine Welt barst aus den Fugen,

Mit Blick auf hinten: Gott ahnt? Weder auf Gott noch „Gott“ (also jemanden, der sich dafür hält) passt das.

doch ist das Grund zu morden?
Ich weinte, als sie tote Kinder trugen

Punkt fehlt.

Drum wird mir bang und bänger

Weil er wegen der Kinder weint wird ihm bang und bänger? Wäre er "nur" ensetzt, würde ihm nicht bang?

beim Blick in euren Sumpf.

… wer hat den denn gemacht, Gott, he? Nu jammre nich! – Nein im Ernst: Was für einen Sumpf meint das LyrIch? Die Menschen alle? Diese Menschen? Deren Wohnort (Slum)?

Sie brennen schon viel länger

Wer "sie"?

als Du, und ihre Augen starren stumpf.

„stumpfe Augen“ und „brennen“ passen nicht zusammen. Augen werden erst nach dem Ausbrennen stumpf, während des Brennens glänzen sie fiebrig oder wie im Wahnsinn oder glitzern böse oder …

Ich sehe: Meine wunderbare Welt verlottert.
Doch ist das Grund zu zagen,
nur weil der Weltenmotor ächzt und stottert?

Ein Motor in diesem Bilderreigen – ungewöhnlich, fast unpassend.

So will ich dir bescheiden,
es steht in meiner Macht:
Ihr sollt nicht länger leiden
an dieser Welt, die ihr verhöhnt, verlacht.
Ich liebe sie. Will neu sie, blitzeblank errichten.
Es sei! Die Schleusen auf!
Die Sintflut wird euch kurzerhand vernichten

Punkt fehlt.
Die zweite Zeile ist nur Füllmaterial für den Rhythmus. Findest du da noch was anderes, etwas mit einem zusätzlich Aspekt/Gedanken?


Abraham, Gott

Seeeeeeehr irritierend. "Gott Abraham" ist mir völlig neu – wer soll das sein/wofür soll das stehen? Ich kenne nur den "Gott Abrahams" …
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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