Wieso bin ich bloß erst jetzt auf diesen Artikel gestoßen?

Er liest sich wirklich wunderbar und spricht mir in vielen Punkten aus der Seele.
Ich habe die ersten drei Bände gelesen, vielleicht lese ich auch den 4. Band noch, wer weiß, aber als Fan kann man mich nun wirklich nicht bezeichnen.
Meine Frau liebt diese Bücher, liest sie regelmäßig, hat die DVDs im Regal und besucht jedes Mal die langen Kino-Nächte, wenn wieder mal ein neuer Teil der Reihe anläuft. Kurzum, SIE ist ein wirklich großer Fan.
Um zu verstehen, was sie denn nun derart an dieser Reihe begeistert, wollte ich mir mal selbst ein Bild von der Reihe machen und den Büchern eine Chance geben. Danach verstand ich weniger denn je, wieso die Reihe derart erfolgreich wurde.
Größtes Manko ist für mich einfach der Schreibstil und die Atmosphäre, die das Buch ausstrahlt. Vorrangig liegt das Augenmerk auf der Romanze zwischen Bella und Edward, was im Grunde in Ordnung wäre, wenn es denn funktioniert. Auch wenn es seltsam klingt, aber auch als Mann kann man auf romantische Stimmung stehen, die auch mal schnulzig werden darf. Eigentlich stehe ich total drauf, ich hab sogar bei Sailor Moon geheult.
Aber da scheitern die Twilight Bücher bereits bei mir. Die Liebe der beiden berührt mich nicht. Nein viel schlimmer, ich kann einfach nichts davon spüren. Da kann sie noch so oft erzählen, wie perfekt er aussieht, wie stark er ist und wie sehr sie ihn doch lieben würde, es kommt bei mir nicht an. Die Liebe der beiden wirkt auf mich so, wie Stephenie Meyer die Vampire beschrieben hat: leblos und kalt.
Zum einen schiebe ich es auf den Schreibstil, der auf mich sehr gezwungen und langweilig wirkt, und zum anderen auf die Charaktere. Die meisten sind mir nämlich absolut unsympathisch.
Das fängt bereits bei Bella an. Am Anfang des ersten Bandes hatte ich noch nichts gegen sie, aber im Laufe der Handlung mochte ich sie immer weniger, und dieser trend setzte sich dann auch in den Folgebänden fort. Es nervt mich sehr, dass sie scheinbar kaum etwas anderes tut als in Selbstmitleid zu zerfließen und zu jammern, selbst dann, wenn es dafür keinen Grund gibt. Außerdem macht es sie für mich sehr unsympathisch, wie sie alle Personen in ihrer Umgebung immer wieder ausnutzt. Ich frage mich wirklich, wieso sie eigentlich noch Freunde hat, und sich nicht schon jeder von ihr abgewendet hat.
Bei Edward kann ich einfach nicht mehr hören bzw. lesen wie toll er doch aussähe, wie perfekt er doch sei. Schon beim Lesen habe ich mit den Augen rollen müssen. Charaktere brauchen Fehler, und dazu zählt nunmal nicht, dass sie vor lauter Perfektion langweilig werden. Jeder Ansatz in mir, ihn eventuell sympathisch zu finden wurde schon dadurch in den Boden gestampft, indem immer wieder wiederholt wurde, wie Vollkommen er doch sei. Vielleicht wäre es ja interessant gewesen, wenn er sich nicht so gut unter Kontrolle hätte. Was, wenn Bella sich in seiner Nähe wirklich in spürbarer Gefahr befände, weil sie niemals weiß, wann es mit seiner Selbstbeherrschung vorbei ist? Das gäbe zumindest ein wenig Spannung, aber davon ist in den Büchern nichts zu spüren. Ja, ich gebe zu, er spricht genau diese Punkte an und befürchtet zumindest im ersten Band auch Bella zu verletzen, aber genau dies kommt bei mir als Leser einfach nicht an. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass es für sie Gefährlich werden könne.
Die wenigen Charaktere, die ich wirklich sympathisch finde, sind Jacob und Bellas Vater Charlie, und beide tun sie mir immer wieder furchtbar leid, wenn man mit ansehen muss, wie sie mit ihnen umspringt.
Gerade Jakob wirkt auf mich tatsächlich "lebendig". Ihm kaufe ich seine Gefühle für Bella tatsächlich ab, und seine Reaktionen sind auf mich tatsächlich authentischer. Auch wenn in den Büchern gerne mal seine Muskeln beschrieben werden und der Darsteller im Film jede Möglichkeit nutzt sein T-Shirt auszuziehen, ist wirkt er zum Glück alles andere als perfekt. Er scheint ein echtes Leben bei seiner Familie und seinen Freunden zu haben und er kämpft um Bellas Zuneigung. Wenn er dabei manchmal reagiert wie ein pampiger Teenager, macht ihn das in Meinen Augen nur noch Menschlicher.
Tja, die Handlung selber fand ich furchtbar langweilig. Wie ich weiter oben bereits sagte, ist das kein Problem, wenn man wenigstens mit den Liebenden mitfühlen könnte. Da die Romanze in meinen Augen aber ein kalter Fisch ist, bleibt leider nicht mehr viel übrig.
Die Bücher lesen sich für mich einfach wie eine furchtbar lange Einleitung, bei der man nur darauf wartet, dass etwas passiert. Das war ganz besonders im dritten Band schlimm. Atmosphäre verspürte ich keine, und alles wirkte auf mich furchtbar kalt.
Hinzu kommt, dass es mir auch sauer aufstößt, wie Stephenie Meyer mit dem Vampir-Mythos generell umgesprungen ist. Sie sind in meinen Augen erstmal einfach zu perfekt, und dann solche Geschichten wie "Vegetarische Vampire" und Glitzern in der Sonne.
Nee, das ist nichts meins.
Als nächstes werde ich mir mal die "Vampire Diaries", da ich hörte, dass diese eine sehr viel bessere Stimmung und Atmosphäre verbreiten.