[KzGe] Blickwinkel Teil 1

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[KzGe] Blickwinkel Teil 1

Beitragvon Gotraskhalana » 02.11.2014, 01:06

Ich möchte hier nur eine kurze Anfangspassage einer Kurzgeschichte in statu nascendi hineinstellen:

Blickwinkel

Daroga, die unnahbare Wächterin, trat zur Seite, nachdem ich bezahlt hatte. Auf der Schwelle stand "Niemand geht unverändert durch den Spiegeltempel.". Aber ich musste meine Frage stellen, bevor ich bereit war, den Tempel zu betreten. Die Augen weiterhin ehrerbietig auf den Boden gerichtet, fragte ich "Warum seid Ihr noch immer Wächterin hier, statt selbst hineinzugehen und zu werden, was immer Ihr wollt?". Daroga antwortete: "Ich warte auf den rechten Zeitpunkt. Viele kommen hier her, wenige wissen, was sie wollen, noch weniger wissen, was sie wollen könnten.".

Während ich über diese Antwort nachdachte, sah ich am Boden eine Ameise zwischen Darogas Füßen unbeirrt über die Tempelschwelle krabbeln. Aber eine Ameise hat wohl keine Persönlichkeit, die sich verändern könnte und riskiert nichts. "Ungewöhnlich neugierig", sagte da Daroga, und als ich überrascht aufblickte, sah ich, dass sie die Ameise mit Interesse beobachtete. Nun soll niemand sagen, dass ich weniger Neugier als eine Ameise habe, also versuchte ich, den Tempel mit derselben Selbstverständlichkeit zu betreten.
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Re: [KzGe] Blickwinkel Teil 1

Beitragvon inmutanka » 02.11.2014, 10:00

Hallo Gotraskhalana,

das Einzige, was mich massiv störte war: in statu nascendi.;) Das musste ich erst im Duden nachschlagen. Warum schreibst du nicht einfach: KG in Entstehung/im Werden?

So, nun zu deinem Text.

Allgemein: es liest sich flüssig und macht neugierig auf mehr.

Und die Erbsen:

Daroga, die unnahbare Wächterin, trat zur Seite, nachdem ich bezahlt hatte.


2 Satzeinschübe finde ich nicht gelungen.
Besser wäre m. M. n.: Die unnahbare Wächterin Daroga trat zur Seite ...

Außerdem bin ich ein Freund des linearen Ablaufes (was allerdings Geschmackssache ist). Daher würde ich den Satz umstellen: Ich zahlte und die unnahbare Wächterin Daroga trat zur Seite.

Natürlich habe ich auch einige Probleme mit manchen Worten.
*unnahbar* - natürlich weiß ich, dass sich manche Menschen *unnahbar* verhalten. In einem Roman würde ich dieses *unnahbar* durch Mimik, Gestik, Handlung darstellen. Fällt bei einer KG wohl flach (bin für KG kein Experte). Wenn dieses *unnahbar* nun unbedingt in die Story rein muss weil es wichtig für den Fortlauf ist, würde ich nach einem bildhafteren Wort dafür suchen und es ersetzen. Falls es nicht wichtig ist, streichen.
*Ich zahlte* - hier fehlt mir etwas wie: den Eintrittspreis, den Obulus oder so etwas in der Art.

Der Satz wäre also bei mir:
Ich zahlte den geforderten Obulus und die Wächterin Darago trat zur Seite.

Auf der Schwelle stand "Niemand geht unverändert durch den Spiegeltempel.".


Ich nehme an, der 1. Punkt ist ein Versehen, oder?
Was ist an diesem Satz die wichtigste Aussage? Das auf der Schwelle etwas steht oder der darauf geschriebene Satz? Für mich wäre der Satz "Niemand geht unverändert durch den Spiegeltempel" die wichtigste Aussage und die würde daher für mich an den Anfang gehören. Also:
"Niemand geht unverändert durch den Spiegeltempel" stand auf der Schwelle geschrieben.

Was mir noch fehlt wäre ein Wort das mir hilft, es bildlich vorzustellen. Würde zum Bsp. dastehen: war auf der Schwelle aufgemalt - hätte ich das Bild eines gepinselten Satzes vor mir, oder : war auf der Schwelle eingeschnitzt - wüsste ich, die Schwelle wäre aus Holz, war auf der Schwelle eingemeißelt - die Schwelle ist aus Stein/Fels. Jedes dieser Worte vermittelt mir auf Anhieb ein Bild und Information, was besonders für eine KG wichtig ist.

Aber ich musste meine Frage stellen, bevor ich bereit war, den Tempel zu betreten.


OK, ich gebe es zu: Mir gefallen nur die wenigsten Sätze mit Einschüben ;) Auch hier stellt sich mir die Frage, was ist die wichtigste Aussage: bevor ich den Tempel betrete oder die Frage? Da du die Frage an den Anfang gestellt hast, nehme ich an, das sie der wichtigste Teil ist. Aber mit dem Wörtchen *musste* kommt für mich nicht die *Dringlichkeit* der Frage herüber. Immerhin hindert die offene Frage ihn/sie, den Tempel zu betreten. Hier würde ich nach einem besseren Ausdruck/Wort suchen und event. prüfen, ob ich nicht 2 Sätze daraus mache (Bsp. Eine Frage fraß mir ein Loch in die Seele. Ohne eine Antwort konnte ich den Tempel nicht betreten/keinen Fuß über die Schwelle setzen.) oder ob ich den Einschub *bevor ich bereit war* zu streichen. Denn wenn ihm/ihr eine Frage auf der Seele brennt, würde auch genügen: Aber ich musste meine Frage stellen, bevor ich den Tempel betrat.

Die Augen weiterhin ehrerbietig auf den Boden gerichtet, fragte ich "Warum seid Ihr noch immer Wächterin hier, statt selbst hineinzugehen und zu werden, was immer Ihr wollt?".


... fragte ich: "Warum seid ... Ihr wollt?" Daroga antwortete: ...

Daroga antwortete: "Ich warte auf den rechten Zeitpunkt. Viele kommen hier her, wenige wissen, was sie wollen, noch weniger wissen, was sie wollen könnten.".


- Daroga antwortete: - könnte für mich raus. Wird aus dem Zusammenhang klar. Oder du nutzt die Chance, um Daroga/Darogas Stimme zu charakterisieren. Bsp. "Ich warte ...", klang Darogas kratzige Stimme in meinem Ohr. Oder (aber unwahrscheinlich, wenn er/sie auf den Boden starrt, weil er/sie es dann nicht sieht): Mit ausdrucksloser Miene und glühenden Augen sah mich Daroga an. "Ich warte ...

- Viele kommen hier her, wenige wissen, was sie wollen, noch weniger wissen, was sie wollen könnten. - Würde ich in mehrere Sätze aufteilen. *hier* eventl. sogar *hier her* streichen (weil logisch), ein *nur* einfügen: Viele kommen. Nur wenige wissen, was sie wollen. Noch weniger wissen, was sie wollen könnten.

Wobei mich: wenige wissen, was sie wollen. Noch weniger wissen, was sie wollen könnten. - stört/es sich für mich etwas holprig liest (aber eventl. mein Problem): Vllt. nur ein kleiner Teil weiß, was er will. Noch weniger wissen ...
Mir ist nicht klar, was du mit: was sie wollen könnten. - sagen willst.
Insgesamt ist doch die Aussage (nur als Bsp.), wenn 100 Menschen kommen, wissen 30, was sie wollen, und 10 nicht, *was sie wollen können* und jetzt stellt sich mir die Frage, was mit den übrigen 60 ist.

Während ich über diese Antwort nachdachte, sah ich am Boden eine Ameise zwischen Darogas Füßen unbeirrt über die Tempelschwelle krabbeln.


- ... über diese Antwort nachdachte ... - fände ich besser: über diese Worte nachdachte/grübelte
- ... sah ich am Boden eine Ameise zwischen Darogas Füßen unbeirrt über die Tempelschwelle krabbeln. - ok, wenn eine Ameise *krabbelt*, wo sollte sie es anders tun, als *über den Boden*, wenn er/sie *ehrerbietig auf den Boden sah* und die Ameise *zwischen den Füßen über die Schwelle krabbelt*? Also: ... sah ich eine Ameise zwischen Darogas Füßen (unbeirrt?) über die Tempelschwelle krabbeln. - ok, über *unbeirrt* können wir streiten, ich würde es rausnehmen.

Aber eine Ameise hat wohl keine Persönlichkeit, die sich verändern könnte und riskiert nichts.


Hier änderst du die Zeitform.
... riskiert nichts. - hier würde ich ein *daher* noch einsetzen, damit der Bezug zu dieser Ameise und dem Tempel besteht: Aber eine Ameise hatte wohl keine Persönlichkeit, die sich verändern könnte und riskierte daher nichts.

"Ungewöhnlich neugierig", sagte da Daroga, und als ich überrascht aufblickte, sah ich, dass sie die Ameise mit Interesse beobachtete.


hier würde ich 2 Sätze machen: ..., sagte Daroga. Überrascht blickte ich auf und sah, wie sie die Ameise interessiert/mit Interesse beobachtete. (ich gebe es zu: ich vermeide *dass* Sätze, bes. da du im nachfolgenden ebenfalls ein *dass* hast.)

Nun soll niemand sagen, dass ich weniger Neugier als eine Ameise habe, also versuchte ich, den Tempel mit derselben Selbstverständlichkeit zu betreten.


wieder ein Zeitwechsel.
Nun sollte niemand sagen, dass ich weniger Neugier als eine Ameise hätte, also versuchte ich, den Tempel mit derselben Selbstverständlichkeit zu betreten.

Ich würde 2 Sätze daraus machen.

- Nun soll niemand sagen - mir wäre es zu schwach, *behaupten/nachsagen* wären die Worte meiner Wahl.
- weniger Neugier als eine Ameise habe - ok, hier bin ich geteilt. Du willst die *Neugier* von oben wieder aufnehmen. Aber das Wort *Neugier* ist nicht unbedingt positiv belegt (obwohl ich grenzenlos neugierig bin ;) ) vllt. wäre die Überlegung ob: mutig, wissbegierig, etc. nicht passender wäre.

Wie gesagt, alles Erbsen. Pick dir heraus, was dir richtig erscheint.

LG
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Re: [KzGe] Blickwinkel Teil 1

Beitragvon tattoo99 » 07.02.2015, 17:49

Hallo Gotraskhalana,

Daroga, die unnahbare Wächterin, trat zur Seite, nachdem ich bezahlt hatte.

-> Es wäre interessant zu wissen mit was sie bezahlt hat. Gerade bei Fantasy wird nicht immer mit Geld bezahlt und so könnte man ein bisschen mehr darüber erfahren in welcher Zeit das ist und wo :)

Auf der Schwelle stand "Niemand geht unverändert durch den Spiegeltempel.".

-> Meiner Meinung nach kannst du den zweiten Punkt weglassen :)

"Warum seid Ihr noch immer Wächterin hier, statt selbst hineinzugehen und zu werden, was immer Ihr wollt?".

-> "Warum seid Ihr noch immer Wächterin hier, statt selbst hineinzugehen und zu werden, was immer Ihr sein wollt?".
Den Punkt kannst du weg lassen :)

Daroga antwortete: "Ich warte auf den rechten Zeitpunkt. Viele kommen hier her, wenige wissen, was sie wollen, noch weniger wissen, was sie wollen könnten.".

-> Auch hier kann der Punkt am Ende weg. Nach einer wörtlichen Rede kannst du das Satzzeichen hinter den Anführungszeichen weglassen.

"Ungewöhnlich neugierig", sagte da Daroga, und als ich überrascht aufblickte, sah ich, dass sie die Ameise mit Interesse beobachtete.

-> Das "da" kannst du streichen. Klingt nicht so schön.

Jetzt mal zum Inhaltlichen:
Ich finde die Idee sehr interessant und ich denke, da könnte man auch mal was längeres machen :) Gibt es schon einen zweiten Teil? Ich würde ihn gerne lesen :)

Liebe Grüße
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Re: [KzGe] Blickwinkel Teil 1

Beitragvon MrMojo » 23.05.2015, 22:37

Abend,

der Text mMn nur ein Problem, und zwar ein zu schnelles Tempo, auch für eine Kurzgeschichte. Damit der Leser die Informationen und die Namen besser verdauen und einprägen kann. Ich zumindest musste den Text drei mal lesen, bis ich verstanden habe, was passiert war.
Und auch um Atmosphäre zu erzeugen, muss der Text unbedingt länger werden! Bisher hat die Geschichte davon nämlich gar keine.
Ich denke das ist kein schwerwiegendes Manko. Wenn du nicht weisst, wie du das anstellen sollst, lies z.B. Stephen King, der kann sowas ganz gut.

Das wichtigste hast du ja erfüllt, nämlich das du etwas Spannendes zu erzählen hast. (daran scheitern 80% aller Texte und etwa 19% an dem Problem des zu schnellen Erzählens)

Allein schon das Wort >Tempel< löst tolle Assoziationen auf, mir kommen sofort, Abenteuer, Geheimnisse, Schätze, Fallen, uralte untergegane Kulturen, etc. in den Sinn. Spiegeltempel macht es noch besser. Dass er scheinbar noch einen negativen pyschischen Effekt auf das Seelenheil jedes Abenteurers hat, macht die Sache ungemein spannender.
Führ das mit der Ameise unbedingt weiter aus. Ich ahne was du sagen willst, doch du musst mehr aus dieser Idee einer Andeutung rausholen. Spannender machen.

Den Titel finde ich echt schlecht. Der sagt nicht aus.
Der Schreibstil ist gut, bis auf zwei Patzer.

Die Augen weiterhin ehrerbietig auf den Boden gerichtet


Ersetze "Boden" mit "Schwelle". Mit "auf den Boden blicken" assoziiert man automatisch die Adjektive "beschämt, betreten" etc. Er schaut ja aber wie du geschrieben hast ehrerbietig drauf. (btw, ich finde ehrfürchtig schöner)

Nun soll niemand sagen, dass ich weniger Neugier als eine Ameise habe, also versuchte ich, den Tempel mit derselben Selbstverständlichkeit zu betreten.


Dieser Satz macht vieles von der angedeuteten Mystik und Spannung in den vorangehenden Abschnitten kaputt.


Ich denke dass du, wenn du dir meinen ersten Ratschlag zu Herzen nimmst, eine richtig gute Geschichte draus machen kannst. Der erste Abschnitt sollte Daumen mal Pi etwa vier mal so lang sein wie jetzt und mehr vom Setting und der Umgebung beinhalten, um Atmosphäre aufzubauen. Und damit der Leser nicht mit Informationen erschlagen wird, wie bisher. Und wie gesagt, dass mit der Ameise.

Gute Idee und guten Stil hast du ja bereits.

Viel Erfolg!
MrMojo
 
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