Blind durch Scherbe im Auge

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Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon tattoo99 » 19.09.2015, 22:27

Hallo!
In meinem neuen Roman soll es um ein Mädchen gehen, dass durch einen Unfall erblindet. Durch eine Scherbe in beiden Augen. Jetzt meine Frage: ist es möglich, dass das Mädchen durch eine Operation wieder sehen kann? Ich habe im Internet irgendwie nichts gefunden.

Danke und LG
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Alys » 20.09.2015, 00:54

Deine Frage ist, was für eine Art von Blindheit Du meinst. Also, was der Auslöser ist. Eine (Glas?)scherbe kann das Auge auf viele Arten verletzen. Das Auge ist ein weitaus komplexeres Sinnesorgan, als gerne vermutet wird, und diese allgemeine Frage geht schon sehr tief ins Detailwissen um Augenanatomie, -phyisiologie und -heilkunde.

Wahrscheinlich meinst Du, dass die Scherbe tief in das Auge eindringt und damit der Bulbus perforiert wird. DDurch eine sofortige Operation kann da manchmal das Auge, also die Sehkraft, gerettet werden. Das gelingt aber bei weitem nicht immer, und oft ist dann auch einfach so viel Kollateralschaden dabei, dass der Patient danach deutlich schlechter sieht.
Daneben gibt es noch sehr viele weitere Formen, wie das Auge durch eine Scherbe o.ä. verletzt werden kann, mit entsprechend verschiedenen kurz- und langfristigen Folgen.

Wenn Du meinst, dass die Prota erst durch den Unfall erblindet, dann monatelang weitab jeder augenärztlichen Versorgung blind lebt, und am Schluss durch eine wundersame OP ihr Augenlicht wiedererlangt - das halte ich nicht für möglich.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Maggi1417 » 21.09.2015, 17:59

Wenn Du meinst, dass die Prota erst durch den Unfall erblindet, dann monatelang weitab jeder augenärztlichen Versorgung blind lebt, und am Schluss durch eine wundersame OP ihr Augenlicht wiedererlangt - das halte ich nicht für möglich

Sehe ich auch so. Kaputt ist kaputt.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Alys » 21.09.2015, 22:26

Naja, nicht ganz. Bei einer Netzhautablösung z.B. kann man passager erblinden und durch eine OP wieder das Augenlich zurückbekommen - aber da reden wir von einem Bereich von Stunden.
Es könnte aber auch durch die Verleztung zu einer Bulbusphlegmone gekommen sein, und die macht natürlich auch erstmal blind, weil ja alles im Bulbus trüb ist. Und eine OP ist meist indiziert.
Auch eine "nur ein paar Tage" dauernde Blindheit unter ständiger augenärztlicher Behandlung kann eine spannende Geschichte ergeben; und aus dem Post des TA geht ja nicht genau hervor, wie lange die Prota blind sein soll und unter welchen Bedingungen.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Robert Brannon » 21.09.2015, 23:15

Muss es eine komplette Erblindung sein (vermute ich mal, wenn es der Hauptplot ist)? Sonst könnte es sein, dass die Pupillen sich verschoben haben, und dadurch das Sehen eingeschränkt ist. Die Pupille im Glaskörper zu verschieben war früher eine gängige Methode, um den grauen Starr zu behandeln. Werden sie wieder richtig positioniert, sollte Sehen wieder möglich sein.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Maggi1417 » 22.09.2015, 07:12

Sonst könnte es sein, dass die Pupillen sich verschoben haben, und dadurch das Sehen eingeschränkt ist. Die Pupille im Glaskörper zu verschieben war früher eine gängige Methode, um den grauen Starr zu behandeln. Werden sie wieder richtig positioniert, sollte Sehen wieder möglich sein.

Das ist Quatsch. Beim Starrstechen wurde nichts positioniert. Es wurden schlicht Löcher in die Linse geschtochen. Die Pupille liegt auch nicht "im Glaskörper". Sie kann nicht einfach verschoben werden und auch nicht zurückgeschoben werden.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon DodoHH » 22.09.2015, 09:03

... und eine Linsenluxation, wenn sie denn doch geschehen ist, führt nicht zu einer Blindheit.
Muss es denn unbedingt ein Trauma durch eine Scherbe sein?
Passagiere Blindheiten sind auch bei Vaskulitis (Gefässentzündung) beschrieben, die den Sehnerven betreffen können (retrobulbäre Neuritis). Das ist eine Erkrankung, die auch bei jungen Menschen auftreten kann. Diese Neuritis kann wohl auch durch Exposition gegenüber toxischen Elementen herbeigeführt werden. Aber auch da gibt es keine Zauber-OP, sondern nur eine anti-entzündliche Therapie und Abwarten.
Auch Migräniker erleben manchmal eine vorübergehende Blindheit, das vergeht aber "schon" nach einigen Minuten (Migraine ophthalmique), also nicht sehr spektakulär, außer für den Betroffenen.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Illa » 22.09.2015, 10:43

Ich schleiche schon ein paar Tage um den Beitrag herum. Leider muss ich mich den Vorschreibern anschließen. Nach heutigem Stand der Medizin ist mir nicht bekannt, dass man so eine Verletzung, wie Du sie Dir vorstellst, durch eine OP heilen kann.

Vielleicht kannst Du es anders machen? Sie zum Beispiel einige Wochen mit Augenverband durch die Geschichte schicken, dann wäre sie praktisch auch blind (außer vielleicht ein bisschen hell/dunkel zu sehen).

Aber das ist nur so eine Idee. Du hast ja explizit nach "Blind durch Scherbe" gefragt. Viel Erfolg. Ich würde mich freuen, wenn Du uns erzählen würdest, wie Du es gelöst hast.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Ankh » 22.09.2015, 12:45

Das einzige, was dem nahekommt wäre vielleicht eine Verletzung der Hornhaut, bei der das Auge am besten verschlossen bleibt, bis es mit Salben und Tropfen von allein verheilt. Ich hatte mal einen solchen Kratzer, und es hat gut 1-2 Wochen gedauert, bis ich mit dem Auge wieder gucken konnte. Theoretisch geht das, aber es tut so weh, dass man das Auge freiwillig geschlossen hält (Mit Verband). Keine Ahnung allerdings, wie das bei Verletzungen in beiden Augen gehandhabt wird.

Was mir noch einfällt ist eine Netzhautschädigung, wo man die Sehfähigkeit möglicherweise durch Lasern oder eine Netzhauttransplantation wiederherstellen kann. Das geht soviel ich weiß auch noch nach einigen Jahren, allerdings zieht man sich das nicht duch eine Verletzung zu, sondern durch Krankheiten, die die Sehfähigkeit eher langsam reduzieren, bis man erblindet.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Robert Brannon » 22.09.2015, 13:49

Maggi1417 hat geschrieben:
Sonst könnte es sein, dass die Pupillen sich verschoben haben, und dadurch das Sehen eingeschränkt ist. Die Pupille im Glaskörper zu verschieben war früher eine gängige Methode, um den grauen Starr zu behandeln. Werden sie wieder richtig positioniert, sollte Sehen wieder möglich sein.

Das ist Quatsch. Beim Starrstechen wurde nichts positioniert. Es wurden schlicht Löcher in die Linse geschtochen. Die Pupille liegt auch nicht "im Glaskörper". Sie kann nicht einfach verschoben werden und auch nicht zurückgeschoben werden.


Ich habe folgende Quellen:

Viel populärer waren jedoch im Mittelalter die «Starstecher». Sie reisten von Stadt zu Stadt und «heilten» Blinde, indem sie - ohne Narkose - die getrübte Linse in den Glaskörper des Auges hinabdrückten.

Nun muss er die Linse oben mit der Nadel erfassen und auf den Grund des Glaskörpers hinabdrücken. Um ein Wiederaufsteigen der Linse zu vermeiden, hält der Operateur sie dort noch eine Weile fest.

Das sind nur die ersten 2 von 6'500 Seiten dazu...
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Maggi1417 » 22.09.2015, 15:38

Ich habe folgende Quellen

So funktionierts vermutlich auch. Ich hab's im Studium anders erklärt bekommen.
Mit Pupillen verschieben hat das aber immer noch nichts zu tun.
Was du für die Pupille hältst ist die Linse. Man wird beim grauen Star nicht blind, weil die Linse verschoben ist, sondern weil sie eintrübt. Durch das Starstechen wurde die Linse auch nicht wieder richtig positioniert, sondern sie wurde schlicht und ergreifend aus dem Sehfeld entfernt, damit der Betroffene zumindest noch ein bisschen was sehen kann, wenn auch unscharf (+19 Dioptrien ist ne gaaanze Menge).
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon Robert Brannon » 22.09.2015, 15:58

Das ist mir schon klar, wie herum das war und dass dadurch einfach die Sehschärfe flöten geht. Aber der Graue Star ist auch nicht das Thema ;) Worauf ich hinaus wollte: das ist eine reversible Methode einem Menschen die Sehkraft zu nehmen. Darum geht es.
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Re: Blind durch Scherbe im Auge

Beitragvon tattoo99 » 22.09.2015, 17:08

Vielen Dank an euch alle. Interessante Informationen. Ich weiß noch nicht genau, was ich nehme und ob ich überhaupt so eine Story schreibe. Irgenwie "glaube" noch nicht so sehr an das Projekt.
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