Dieser Blogbeitrag ist schon lange geplant und bei DevArt war er auch schon online.
Der Schreibwerkstatt-Wettbewerb ist schon lange durch, die Gewinner stehen fest. Eigentlich wollte ich das vor dem Nano posten, aber das hätte meine Nano Blogs durchbrochen, deswegen habe ich es aufgeschoben, dann eine Weile vergessen, aber hier ist er nun. Der Blog über das Jurymitgliedsein und vielleicht auch ein paar hilfreiche Einblicke für euch.
Achtung: Ich schreibe diesen Blog natürlich nur aus meiner Sicht. Nichts von dem was ich sage stimmt absolut. Andere Menschen, Jurymitglieder, Wettbewerbsleiter sehen die Dinge vielleicht anders und das ist normal, da wir alle unterschiedlich sind. Ich teile hier nur Erfahrungen und meine Ansichten.
Mir ist aufgefallen, dass 80 Prozent der Geschichten sich sehr ähneln. Wie auch nicht, fragt man sich, wenn das Thema Traumtinte ist. Aber diese 80 Prozent der Geschichten waren alle sehr offensichtlich an das Thema gebunden. In ihnen kam eine Tinte vor, mit der man schreiben und Wünsche oder Träume erfüllen konnte. Oder wo jemand mit einer Tinte seine Träume aufschrieb. Warum auch nicht. Diese Geschichten müssen nicht schlecht sein, denn sie Treffen ja das Thema im Kern. Aber sie sind eben offensichtlich, nahe liegend, ich wusste schon, wenn ich etwas mit Tinte las, wie es ausgehen würde. Große Überraschungen gab es nicht.
In einem Wettbewerb sollte man versuchen sich von der Masse abzuheben. Sich an das Thema halten aber es so weit wie möglich dehnen, und möglichst auf spannende und einfallsreiche Weise interpretieren. Zum Beispiel, in einer Geschichte hat sich ein Mädchen ein Tattoo stechen lassen. Keine Tinte, keine Feder, kein Papier, kein Schreiben. Das war eine Abwechslung von den vielen Geschichten und stach sofort heraus.
Mein Vorschlag oder auch meine zukünftige Vorgehensweise wird sein, vor jedem Wettbewerb ein Brainstorming zu machen. Die Dinge, die am naheliegensten sind und mir zuerst einfallen, werde ich nach Möglichkeit vermeiden und mir etwas anderes einfallen lassen. Ich werde sie mit in mein Brainstorming aufnehmen, denn ich habe festgestellt, dass sie dann aus dem Kopf raus sind und ihn frei für neue Ideen machen. Also in dem Moment, wo man denkt sich leergeschrieben zu haben, geht die eigentliche Denkarbeit erst los, denn nun kommen die Ideen von "weiter weg". Die das Thema weiter fassen auf andere Weise interpretieren. Meistens wird einem das nicht sofort einfallen. Man braucht etwas Zeit um sich Gedanken zu machen. Vielleicht unter der Dusche oder bei einem Bad, einem Spaziergang oder sie fallen einem einfach nach ein paar Tagen ein. Das sind die Ideen auf die wir warten, die die Jury überraschen können.
Aber ich habe auch Geschichten gelesen, die in die offensichtlichen Geschichten gehören: Tinte, eine Feder, ein Blatt und Wünsche oder Träume. Aber diese haben so ein überraschendes Ende, so eine witzige Pointe oder sind so kriminell spannend, dass auch diese sich dann wieder abheben. Noch ein Beispiel, ein Mann bekommt irgendwie die Traumtinte in die Finger und wünscht sich alles was er will, eine tolle Frau, viel Geld ein schönes Haus usw., aber seine Frau will nur sein Geld ausgeben und geht im irgendwann auf die Nerven. Also schreibt er auf, dass er alleine sein will. Was passiert? Er wünscht sich die gesamte Menschheit weg. Das war ein wirklich überraschend witziges Ende.
Ebenso wie die Geschichten sollte auch der Titel etwas Besonderes sein. Da ist es am besten einen zu wählen, der nichts mit dem Thema zu tun hat. Also nichts mit Tinte, Traum oder weiter gefassten Bedeutungen oder Ähnlichkeiten. Dazu gehöre dann auch Vision oder etwas mit Schreiben, als Beispiel mal. Und auf keinen Fall sollte der Titel einfach Traumtinte sein bzw. genau das Thema sein. Also wenn das Thema Feenlicht ist, sollte deine Geschichte nicht so heißen, das ist einfallslos und kommt bei der Jury nicht an.
Einen Text für einen Wettbewerb zu schreiben, ist also alles andere als einfach und schnell gemacht. Neben der Herausforderung eine gute Geschichte zu schreiben, muss man sich auch noch mit Thema und Einfallsreichtum plagen. Und man darf auch nicht zu weit vom Thema abkommen und daran vorbeischießen. Das ist dann wie an der Schule, am Thema vorbeigeschrieben war nie besonders gut. Man muss also auf einen Haufen Sachen achten, die wenn man einfach für sich eine Geschichte schreibt, nicht bedenken muss.
Ich jedenfalls habe einiges gelernt dadurch, dass ich in einer Jury war. Ich hoffe euch davon jetzt etwas weitergegeben zu haben.
Tune in!
Cya Liyah

August 2011
Februar 2011