Man sollte meinen, dass dieses Wort, dass so einen historischbösen Beigeschmack hat, den jeder versteht und es somit der Vergangenheit angehört, aber da scheinen wir uns getäuscht zu haben.
Vor ein paar Tagen bin ich über einen Artikel ( http://www.guardian.co.uk/books/2009/ju ... teen-novel ) gestoßen und war wirklich erschüttert.
Nicht nur, weil Francesca Lia Block eine meiner Lieblingsschriftstellerinen ist, sondern einfach weil Menschen so unglaublich DUMM sein können.
Hier mal kurz für alle, die nicht so Englisch bewandert sind der Inhalt:
Eine christliche Gruppe in Wisconsin klagt auf das Recht ein Buch der öffentlichen Bücherei öffentlich verbrennen zu dürfen, weil sie behaupten es wäre "sehr vilgär, rassistisch und nicht-christlich".
Es handelt sich dabei um das Buch "Baby Be-Bop", ein Jugendbuch in dem es um einen Jungen geht, der mit seiner Homosexualität kämpft und von einer homophoben Gang zusammengeschlagen wird.
Die Gruppe, die Klage einreicht begründet ihre Forderung damit, dass das Buch ihrer emotionalen und psychischen Gesundheit schaden würde und das Leben von Eltern und Kindern in Gefahr brächte.
Unter anderem werden die Worte "Faggot" (=Schwuchtel, Schimpfwort für Schwuler) und "Nigger" verwendet. Sie behaupten, dass das Buch zu Verbrechen aus Hass aufrufen und die Gesellschaft verschlechtern würde.
Nun klagen sie darauf das Buch öffentlich verbrennen zu dürfen und darauf, dass solche Bücher aus der öffentlichen Bücherei entfernt werden (ein Vorhaben, dass sie schon einmal durchsetzen wollte, aber zu diesem Zeitpunkt scheiterten).
Dieser Artikel hat mich wirklich geschockt...
Den Meisten wird die Autorin nichts sagen, aber FLB ist eine der sensibelsten und poetischsten Schriftstellerinen, die ich je gelesen habe.
Sie verbindet Moderne und Poesie auf eine ganz wunderbare Weise in all ihren Büchern. Und ja, natürlich bringt sie auch Worte an, die man einfach nicht ferne hört oder verwendet, aber einfach weil es der Realität entspricht.
Man hört immer wieder davon, dass Menschen zusammengeschlagen oder gar getötet werden, weil sie jemanden lieben, den sie nicht sollen, etwas tun oder sagen, was anderen nicht passt oder für Rechte einstehen wollen, die andere ihnen nicht geben.
Und wir alle wissen, dass diese Menschen, die andere zusammenschlagen oder töten nunmal auch eine Sprache verwenden, die man ebenfalls nicht hören will.
Mal ganz davon abgsehen, dass es einfach realistisch ist unschöne Worte zu unschönen Taten in ein Buch zu packen (ganz ehrlich: Mich schockt mehr, wenn jemand eine andere Person verprügelt weil sie Homosexuell ist, als wenn ein Schimpfwort fällt), ist es ziemlich eindeutig, dass diese Menschen sich weniger an den Worten aufhängen, als an der Tatsache, dass es sich um Literatur handelt, die Homosexualität nicht verunglimpft. Ähmliche Gruppen in Amerika kämpften vor einiger Zeit dafür, das jedes Nicht-Homosexualitätsfeindliche Buch aus den Bücheren entfernt wird.
Ich weiß wirklich nicht was ich dazu sagen soll. Davon abgesehen, dass man Bücher, die einem nicht zusagen einfach nicht lesen soll, gibt es so etwas wie Meinungsfreiheit, auch in den USA.
Wie kann man bitte auf die Idee kommen ein Buch verbennen zu wollen? Was soll ihnen das bringen? Wollen wir einen Schritt zurück ins dritte Reich machen oder in die zeit der Hexenverbrennung?
Mittlerweile hat sich die Autorin zu diesem Drama um ihr Buch herum geäußert ( http://jezebel.com/5292863/author-on-co ... ke-a-witch ) und erklärt, dass sie bewusst eine so krasse Ausdrucksweise gewählt hat um auf Rassismus und Homophobie hinzuweisen und nicht um dafür Werbung zu machen.
So etwas macht mich wirklich traurig. Nicht nur als Fan von FLB, sondern als Leser, als Schreiber, als Mensch, der Meinungsfreiheit für eines der wichtigsten Grundrechte eines Menschen ansieht.
Wenn man solche Artikel liest, dann fragt man sich wirklich, in was für einer Welt wir leben.

September 2010
Juni 2010