[Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

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[Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

Beitragvon Tulipina » 03.08.2015, 18:29

Hallo zusammen,
ich stelle mal den überarbeiteten Teil meines Romans ein.
Es kam die Frage auf, in welcher Zeit er spielt.
Ich hatte anfangs selber Probleme, mich festzulegen. Das hat man dann ja auch gemerkt.
Es ist wohl eine Dystopie.
So, nun hoffe ich, dass der überarbeitete Teil besser ist.

Böse Männer

Er spielte draußen im Sand.
Sein Vater hatte mit ihm zusammen einen Kasten gebaut und diesen mit feinem, gelben Sand gefüllt. Darin saß er nun Tag für Tag und backte Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ die Körner ihn einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen. Ein alter Walnussbaum in der Nähe spendete Schatten und von hier aus sah er auf den Hof. Mit seiner Familie lebte er am Rande des Dorfes, auf diesem alten Hof, mit ein paar Rindern, Schafen und Hühnern.
Frisch gemähtes Gras verlieh der Luft einen würzigen Duft. Es war Heuernte. Eine Hecke trennte ihn von der Wiese. Wenn er die Zweige ein wenig beiseiteschob, konnte er hindurch schauen. Er sah seinen Vater inmitten der Wiesen stehen, hochgewachsen, mit dunklem, langen Haar, seine Mutter gleich neben ihm. Sie kam ihm immer wie eine Fee vor, weil sie so zart war. Ihr helles Haar blitzte unter dem Tuch auf ihrem Kopf hervor.
Alle waren auf den Beinen. Von früh bis spät würden die Traktoren hin und her fahren und am Ende des Tages alle müde ins Bett sinken. Fritz, der Hund, war in seinem Zwinger eingesperrt. Er würde sonst jedem, der den Hof betrat, vor die Füße laufen vor Begeisterung. Außerdem stimmte irgendwas nicht mit ihm. Er lungerte nur rum, und rührte sein Futter nicht an. Der Tierarzt wollte abends noch vorbei kommen.
Vielleicht gab es daher nur eine kurze Gutenachtgeschichte. Aber das war schon in Ordnung. Seine Mutter, eine schlanke Frau mit hellem Haar, war Lehrerin und sein Vater Schreiner. Doch in diesen Zeiten wurde jeder Grund und Boden genutzt um sich zu versorgen. Daher bewirtschafteten sie diesen Hof zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit.
Irgendetwas fehlte immer. Zurzeit fehlte es an allem. Er hob den Kopf, ließ einen Papierflieger über seine Burg aus Sand kreisen und wollte gerade zu einer gewagten Landung ansetzten, als Alex, der schlaksige Knecht, um die Ecke geprescht kam, direkt auf ihn zu. Seine langen, dünnen Beine überwanden schnell den Hof, sein Körper, ebenso lang und dünn, schien mühe zu haben, sich mit seinen Beinen in Einklang zu bringen. Es sah irgendwie lustig aus, wie er da angedüst kam. Alex stoppte knapp vor ihm und japste: »Junge, los, versteck dich!« Dabei sah der Knecht aus, als wäre er von Sheriff von Nottingham persönlich verfolgt worden.
Er begriff nicht, was Alex von ihm wollte. War das eine Aufforderung zum Spielen? Aber wieso schaute er so entsetzt drein?
»Hörst du nicht, Kind? Lauf und versteck dich, böse Männer kommen. Schnell!«
»Und Mama und Papa?«
»Sie ... ich ... Lauf, Junge, lauf endlich!«
Dann blickte Alex hinter sich und rannte ins Haus.
Er selbst sprang auf. Böse Männer? Er hatte die Erwachsenen oft von bösen Menschen reden hören, die irgendwelche gemeinen Dinge taten. »Mörder sind das,« ereiferte sich Agnes oft, und ihre alten Augen blitzten.
»Sind zu nichts zu gebrauchen, bringen nur Leid über die Leute, stehlen und schlimmeres, das tun sie, eingesperrt gehören die. Aber jetzt, jetzt laufen diese Kreaturen frei rum. Nichts als Abschaum.«
Er wandte sich um und nahm die Beine in die Hand. Wenn es stimmte, was Agnes gesagt hatte, wollte er ihnen lieber nicht begegnen.
Er würde sich auf einer der Trauerweiden verstecken. Ganz oben. Der Stamm war bis weit oben mit Efeu überwuchert. Sein Vater wollte das Efeu bald beseitigen, er meinte, es wäre nicht gut für den Baum. Heute erwies es sich nicht bloß als gute Kletterhilfe, sondern es würde ihn auch gut verdecken.
Die Hecke bot ihm Schutz, so konnte er ungesehen über den Hof laufen. Er rannte weiter, neben dem kleinen Feld hinter dem Haus her, jetzt konnte er nichts mehr sehen. Er war immer gerne draußen gewesen, kannte jeden Strauch, jeden Stein. Und er wusste, dass man ihn auf der Trauerweide nicht finden konnte. Das hatte er bereits einige male ausprobiert. Mit Vater, Alex, Madleine.
Flink wie ein Wiesel huschte er zu seinem Versteckt und war in Null Komma nix zwischen den Zweigen und Blättern verschwunden. Er konnte nun den Hof überblicken. Dahinter lag die Wiese.
Es war schwierig, von hier aus etwas zu erkennen. Dazu musste er eine Lücke in dem dichten Laubdach finden und dann die Augen zusammenkneifen.
Die Männer umringten seine Eltern und Agnes. Etwas bedrohliches lag in der Art, wie sie da standen, ein undurchdringlicher Kreis. Es schien, als wollten sie etwas von ihnen. Einer, ein großer Kerl mit zotteliger, roten Mähne, trat vor und sprach seinen Vater direkt an. Nun standen die Eltern nahe beieinander, der Kreis hatte sich immer enger um sie zugezogen. Madleine, seine kleine Schwester war nicht dabei. Mutter hatte sie vor einiger Zeit schlafen gelegt. Agnes gebeugte Gestalt konnte er neben Mutter erkennen. Er konnte ihre Stimmen hören, doch er verstand die Worte nicht. Sein Vater schüttelte langsam den Kopf. Dann kam Bewegung in die Gruppe. Jemand gab seinem Vater einen Stoß, die anderen lachten.
Wieder trat der Hühne vor.
Wieder wurde gesprochen, dann bildete sich eine Gasse, man ging zum Haus.
Er blieb oben in seinem Versteck sitzen.
Was sollte er nun tun? Runterkommen? Oben bleiben?
Alex hatte gesagt, die Männer wären böse. Vielleicht sollte er besser hier warten, bis Alex oder die Eltern nach ihm riefen.
Darüber wurde es Mittag.
Die Sonne schien auf die frisch gemähte Wiese. Die Vögel zwitscherten. Nichts geschah.
Irgendwann sah er schließlich einige der Männer auf den Hof treten.
Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.
Der Rothaarige erschien. Er kratzte sich seinen Bart und ließ den Blick schweifen. Dann sagte er etwas zu ihnen, was der Junge aber nicht verstand.
Sie teilten sich auf. Irgendetwas schienen sie zu suchen. Nur der Rote blieb zurück. Sein Blick glitt über den Hof und seine Umgebung.
Dann traf der Blick des Hünen den Baum und schien direkt auf seinem Gesicht zu verharren.
Sein Atem stockte. Er hat mich entdeckt, dachte er entsetzt. Wie kann das sein?
Schreckensstarr sah er hinüber, sog das Gesicht dieses Mannes förmlich in sich auf, unfähig, auch nur zu blinzeln.
Doch der Kerl wandte sich ab, ohne eine Regung zu zeigen.
Hatte der Rote ihn doch nicht gesehen?
Er zitterte oben in seinem Baum. Jetzt musste er auch noch zum Klo. Doch das ging nicht. Er musste sich zusammenreißen.
Sie kamen immer näher. Sein Herz pochte vor Angst heftig und schnell in seiner Brust. Er schwitzte.
Sie suchten ihn!
Oh Gott, sie suchten ihn! Tränen liefen über sein Gesicht. Er traute sich nicht zu schniefen und ließ die Rotze einfach laufen. Mama, Papa, wo seit ihr? Irgendwann gingen die Männer, und er hörte Autotüren schlagen und dann sich entfernende Motorengeräusche.
Ein Beben ging durch seinen kleinen Körper, als er ausatmete.
Es wurde dunkel und still.


Als Bernd Trobutt mit dem Tierarzt kam, fand er den Hof verlassen und unnatürlich still vor. Heute wollte er das Kälbchen abholen. Wo waren die denn alle? Auf dem Feld standen noch die Traktoren und Wagen, niemand war zu sehen, kein Hund zu hören, was ihn alarmierte.
Es war noch früh, zu früh um beim heumachen eine Pause einzulegen. Seine Nackenhaare stellten sie auf. Am liebsten wäre er davon gelaufen. Aber etwas trieb ihn weiter. Vorsichtig, an einer Wand entlang, schlich er zum Eingang, die Tür stand offen. So kannte er seine Nachbarn nicht. Er packte entschlossen einen Besen, der neben der Tür stand, und gemeinsam betraten die Männer das Haus ...


Version 1: (Zum Lesen bitte scrollen)
Böse Männer

Er spielte draußen im Sand.
Sein Vater hatte mit ihm zusammen einen Kasten gebaut und diesen mit feinem, gelben Sand gefüllt. Darin saß er nun Tag für Tag und buck Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ den feinen, gelben, leicht feuchten Sand einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen. Ein alter Walnussbaum in der Nähe spendete Schatten und von hier aus sah er auf den Hof und das angrenzende Feld. Mit seiner Familie lebte er am Rande des Dorfes, auf diesem alten Hof, mit ein paar Rindern, Schafen und Hühnern und etwas Landwirtschaft.
Frisch gemähtes Gras verlieh der Luft einen würzigen Duft. Es war Heuernte.
Alle waren auf den Beinen. Von früh bis spät würden die Traktoren hin und her fahren und am Ende des Tages alle müde ins Bett sinken.
Vielleicht gab es daher nur eine kurze Gutenachtgeschichte. Aber das war schon in Ordnung. Hauptsache sie handelte von seinem Helden, Robin Hood. Seine Mutter, eine schlanke Frau mir hellem Haar, war Lehrerin und sein Vater Schreiner. Doch in diesen Zeiten wurde jeder Grund und Boden genutzt um sich zu versorgen. Daher bewirtschafteten sie diesen Hof zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit.
Irgendetwas fehlte immer. Zurzeit fehlte es an allem. Er hob den Kopf, ließ einen Papierflieger über seine Burg aus Sand kreisen und wollte gerade zu einer gewagten Landung ansetzten, als Alex, der schlaksige Knecht, um die Ecke geprescht kam, direkt auf ihn zu. Seine langen, dünnen Beine überwanden schnell den Hof, sein Körper, ebenso lang und dünn, schien mühe zu haben, sich mit seinen Beinen in Einklang zu bringen. Es sah irgendwie lustig aus, wie er da angedüst kam. Alex stoppte knapp vor ihm und japste: »Junge, los, versteck dich!« Dabei sah der Knecht aus, als wäre er von Sheriff Nottingham persönlich verfolgt worden.
Er begriff nicht, was Alex von ihm wollte. War das eine Aufforderung zum Spielen? Aber wieso schaute er so entsetzt drein?
»Hörst du nicht, Kind? Lauf und versteck dich, böse Männer kommen. Schnell!«
»Und Mama und Papa?«
»Sie haben mich doch extra zu dir geschickt, was denkst du denn? Lauf, Junge, lauf endlich!«
Dann blickte Alex hinter sich und rannte ins Haus. Er selbst sprang auf. Böse Männer? Er hatte die Erwachsenen oft von bösen Menschen reden hören, die irgendwelche gemeinen Dinge taten. »Mörder sind das,« ereiferte sich Agnes oft, und ihre alten Augen blitzten.
»Sind zu nichts zu gebrauchen, bringen nur Leid über die Leute, stehlen und schlimmeres, das tun sie, eingesperrt gehören die. Aber jetzt, jetzt laufen diese Kreaturen frei rum. Nichts als Abschaum.«
Er wandte sich um und nahm die Beine in die Hand. Wenn es stimmte, was Agnes gesagt hatte, wollte er ihnen lieber nicht begegnen.
Er würde sich auf einer der Trauerweiden verstecken. Ganz oben. Der Stamm war bis weit oben mit Efeu überwuchert. Sein Vater wollte das Efeu bald beseitigen, er meinte, es wäre nicht gut für den Baum. Heute erwies es sich nicht bloß als gute Kletterhilfe, sondern es würde ihn auch gut verdecken.
Während er zwischen den Büschen herrannte, sah er sich kurz um. Vater und Mutter standen auf der Wiese. Er konnte seinen Vater inmitten der Wiesen stehen sehen, hochgewachsen, mit dunklem, langen Haar, seine Mutter gleich neben ihm. Sie kam ihm immer wie eine Fee vor, weil sie so zart war. Ihr helles Haar blitzte unter dem Tuch auf ihrem Kopf hervor. Madleine, seine Schwester war nicht dabei. Wo war sie? Agnes gebeugte Gestalt konnte er neben Mutter erkennen. Und am anderen Ende der Wiese, da kamen sie. Ein Dutzend Männer, angeführt von einem rothaarigen Hünen.
Er rannte weiter, ums Feld herum, jetzt konnte er nichts mehr sehen. Er war immer gerne draußen gewesen, kannte jeden Strauch, jeden Stein. Und er wusste, dass man ihn auf der Trauerweide nicht finden konnte. Das hatte er bereits einige male ausprobiert. Mit Vater, Alex, Madleine.
Flink wie ein Wiesel huschte er zu seinem Versteckt und war in Null Komma nix zwischen den Zweigen und Blättern verschwunden.
Es war schwierig, von hier aus etwas zu erkennen. Dazu musste er eine Lücke in dem dichten Laubdach finden und dann die Augen zusammenkneifen.
Die Männer umringten seine Eltern und Agnes. Es schien, als wollten sie etwas von ihnen. Sein Vater schüttelte langsam den Kopf. Nun standen die Eltern nahe beieinander, der Kreis hatte sich immer enger um sie zugezogen. Dann kam Bewegung in die Gruppe. Man ging zum Haus.
Er blieb oben in seinem Versteck sitzen.
Was sollte er nun tun? Runterkommen? Oben bleiben?
Alex hatte gesagt, die Männer wären böse. Vielleicht sollte er besser hier warten, bis Alex oder die Eltern nach ihm riefen.
Darüber wurde es Mittag.
Die Sonne schien auf die frisch gemähte Wiese. Die Vögel zwitscherten. Nichts geschah.
Irgendwann sah er schließlich einige der Männer auf den Hof treten.
Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.
Der rothaarige erschien. Er kratzte sich seinen Bart und ließ den Blick schweifen. Dann sagte er etwas zu ihnen.
Sie teilten sich auf. Irgendetwas schienen sie zu suchen. Nur der Rote blieb zurück. Sein Blick glitt über den Hof und seine Umgebung.
Dann traf der Blick des Hünen den Baum und schien direkt auf seinem Gesicht zu verharren.
Sein Atem stockte. Er hat mich entdeckt, dachte er entsetzt. Wie kann das sein?
Schreckensstarr sah er hinüber, sog das Gesicht dieses Mannes förmlich in sich auf, unfähig, auch nur zu blinzeln.
Doch der Kerl wandte sich ab, ohne eine Regung zu zeigen.
Hatte der Rote ihn doch nicht gesehen?
Er zitterte oben in seinem Baum. Jetzt musste er auch noch zum Klo. Doch das ging nicht. Er musste sich zusammenreißen.
Sie kamen immer näher. Sein Herz pochte vor Angst heftig und schnell in seiner Brust. Er schwitzte.
Sie suchten ihn!
Oh Gott, sie suchten ihn! Tränen liefen über sein Gesicht. Er traute sich nicht zu schniefen und ließ die Rotze einfach laufen. Mama, Papa, wo seit ihr? Irgendwann gingen die Männer. Es wurde dunkel und still.




Ok,
das war´s.
LG
Tulipina
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer

Beitragvon after eight » 03.08.2015, 22:19

Liebe Tulipina,

Mensch, da hast Du einen sehr spannenden Text hier reingestellt! Der Titel hat mich sofort neugierig gemacht. Beim ersten Lesen ist mir Folgendes aufgefallen:

Darin saß er nun Tag für Tag und buck Kuchen


Ich glaube die Vergangenheitsform von backen ist "backte".

schien mühe zu haben


Mühe groß.

Das hatte er bereits einige male ausprobiert.


Male groß.

Flink wie ein Wiesel huschte er zu seinem Versteckt


Versteck

Der rothaarige erschien.


Der Rothaarige groß.

Mama, Papa, wo seit ihr?


Seid

Momentan finde ich es nicht, aber ich meine irgendwo anstatt "mit" "mir" gelesen zu haben.

Außerdem:

Dann blickte Alex hinter sich und rannte ins Haus. Er selbst sprang auf.


Der zweite Satz liest sich so, als würde es noch um Alex gehen. Ich würde hier mit "Der Junge" beginnen oder so.

Sein Vater hatte mit ihm zusammen einen Kasten gebaut und diesen mit feinem, gelben Sand gefüllt. Darin saß er nun Tag für Tag und buck Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ den feinen, gelben, leicht feuchten Sand


Zweimal "fein" und "gelb". Würde ich rausnehmen.

Vater und Mutter standen auf der Wiese. Er konnte seinen Vater inmitten der Wiesen stehen sehen, hochgewachsen, mit dunklem, langen Haar, seine Mutter gleich neben ihm.


Da wiederholt sich, dass der Junge seine Eltern auf der Wiese / dem Feld sieht. Wenn Du die Beschreibung des Vaters und der Mutter mit einbringen willst, würde ich damit anfangen: "Vater und Mutter standen auf der Wiese. Sein Vater war hochgewachsen, mit dunklem, langen Haar. Seine Mutter stand neben ihm. Sie sah aus wie eine Fee, so zerbrechlich." - ist jetzt nur ein Vorschlag, aber so hättest Du die Wiederholung raus.

Das sind nur kleine Fehler, nichts wildes. Was mir aufgefallen ist, dass Du die Gegebenheiten der Geschichte relativ detailliert beschreibst, ohne zu sehr abzuschweifen. Gefällt mir sehr gut! Ein paar Beispiele:

Frisch gemähtes Gras verlieh der Luft einen würzigen Duft. Es war Heuernte.
Alle waren auf den Beinen. Von früh bis spät würden die Traktoren hin und her fahren und am Ende des Tages alle müde ins Bett sinken.
Vielleicht gab es daher nur eine kurze Gutenachtgeschichte. Aber das war schon in Ordnung. Hauptsache sie handelte von seinem Helden, Robin Hood. Seine Mutter, eine schlanke Frau mir <-- Da ist es! hellem Haar, war Lehrerin und sein Vater Schreiner. Doch in diesen Zeiten wurde jeder Grund und Boden genutzt um sich zu versorgen. Daher bewirtschafteten sie diesen Hof zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit.


Sofort kann ich mir das geschäftige Treiben auf dem Hof vorstellen, auch die Gerüche lässt Du nicht aus!

Seine langen, dünnen Beine überwanden schnell den Hof, sein Körper, ebenso lang und dünn, schien mühe zu haben, sich mit seinen Beinen in Einklang zu bringen. Es sah irgendwie lustig aus, wie er da angedüst kam.


Eine sehr charakteristische Beschreibung, die mir sofort ein klares Bild von Alex gibt.

Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.


:shock: Mit dieser Andeutung frage ich mich sofort, was passiert ist. Kann ja nichts Gutes sein!
Super geschrieben!



Allerdings sind mir ein paar logische Dinge aufgefallen:

Während er zwischen den Büschen herrannte, sah er sich kurz um. Vater und Mutter standen auf der Wiese. Er konnte seinen Vater inmitten der Wiesen stehen sehen, hochgewachsen, mit dunklem, langen Haar, seine Mutter gleich neben ihm. Sie kam ihm immer wie eine Fee vor, weil sie so zart war. Ihr helles Haar blitzte unter dem Tuch auf ihrem Kopf hervor. Madleine, seine Schwester war nicht dabei. Wo war sie? Agnes gebeugte Gestalt konnte er neben Mutter erkennen. Und am anderen Ende der Wiese, da kamen sie. Ein Dutzend Männer, angeführt von einem rothaarigen Hünen.
Er rannte weiter, ums Feld herum, jetzt konnte er nichts mehr sehen. Er war immer gerne draußen gewesen, kannte jeden Strauch, jeden Stein. Und er wusste, dass man ihn auf der Trauerweide nicht finden konnte. Das hatte er bereits einige male ausprobiert. Mit Vater, Alex, Madleine.
Flink wie ein Wiesel huschte er zu seinem Versteckt und war in Null Komma nix zwischen den Zweigen und Blättern verschwunden.
Es war schwierig, von hier aus etwas zu erkennen. Dazu musste er eine Lücke in dem dichten Laubdach finden und dann die Augen zusammenkneifen.


Hier war ich etwas verwirrt. Der Junge läuft zu einem Baum, seinem Versteck, das zufällig auch in der Nähe des Feldes ist, wo seine Eltern stehen. Er sieht sie, er sieht sie nicht, er sieht sie wieder. Wieso das hin und her? Wenn er die Männer sehen kann, bevor er auf dem Baum ist, sehen sie ihn dann nicht auch? Und wie groß ist das Feld, wie weit ist er vom Geschehen entfernt, wenn er die Leute nicht hören, aber kleine Gesten (wie ein Nicken) erkennen kann?

Der rothaarige erschien. Er kratzte sich seinen Bart und ließ den Blick schweifen. Dann sagte er etwas zu ihnen.
Sie teilten sich auf. Irgendetwas schienen sie zu suchen. Nur der Rote blieb zurück. Sein Blick glitt über den Hof und seine Umgebung.
Dann traf der Blick des Hünen den Baum und schien direkt auf seinem Gesicht zu verharren.


Hier ist es ähnlich. Der Hof ist ja (glaube ich) auf der anderen Seite vom Feld, vorher ist er durch den Wald gerannt. Kann er dann den Hof so gut sehen? Wie weit ist er entfernt, dass er genau die Augen und den Blick des Fremden sehen kann? Mir ist das recht unklar, könnte aber auch an mir liegen.

Etwas verwirrt hat mich außerdem das Setting - vor allem beim ersten Mal lesen. Zuerst erwähnst Du Traktoren - okay, also heutige Zeit - aber auch Geschichten von Robin Hood (die ich eher in ein mittelalterliches Setting einordnen würde) und den recht alten Begriff des Knechts.

Irgendwann gingen die Männer. Es wurde dunkel und still.


Ein relativ unspektakulärer Schluss für so eine spannende Szene. Entweder würde ich das Gehen nicht mit einem Satz abhandeln, sondern vielleicht damit enden, dass der kleine Junge aufatmet, als sich der rote Mann abwendet.



Alles in allem gefällt mir Dein Text wie gesagt sehr gut. Kaum Fehler, flüssig zu lesen und anschaulich geschrieben. Größtenteils konnte ich mir alles gut vorstellen und finde auch die Handlung des kleinen Jungen (sich erstmal verstecken und abwarten) gut nachvollziehbar.
Was ist mit seiner Schwester passiert, mit Alex, seinen Eltern? Wer sind diese Männer?
Also Spannung zu erzeugen ist Dir sehr gut gelungen. Ich wüsste gerne, wie es weitergeht. Wäre es ein Roman, hätte ich ihn nicht so schnell aus der Hand gelegt.

Liebe Grüße
after eight
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer

Beitragvon Tulipina » 03.08.2015, 22:40

Hallo , after eight,
vielen Dank :flowers: für deine Mühe. Und für dein Lob :girl:

Diese Stolperer sind genau die Elemente, um die ich regelmäßig "herumgelesen" habe. Grrrr....
Gut, dass du sie benannt hast. Der "Lageplan", du hast Recht, dass haut nicht hin.
Setting? Heißt das so? Ok, ich arbeite daran. Muss das echt mal aufzeichnen ...


Das Ende ist so etwas wie ein Luftholen. Der armer, kleine Kerl kann ja nicht ewig da oben bleiben. Tatsächlich geht es weiter.

Ich freue mich, dass du diesen Teil spannend findest.
Er soll der Einstieg werden.

LG
Tulipina
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer

Beitragvon Beast » 03.08.2015, 23:04

Hallo Tulipina,
Deine Geschichte hat mich vom Titel her schon neugierig gemacht und ich hatte dann auch ein kleines Lesevergnügen.
Spannend geschrieben, ich könnte mir das gut als Prolog eines Romans vorstellen und würde auch definitiv weiterlesen.

Ein paar Amerkungen habe ich für Dich:

Tulipina hat geschrieben:Er spielte draußen im Sand.
Sein Vater hatte mit ihm zusammen einen Kasten gebaut und diesen mit feinem, gelben Sand gefüllt. Darin saß er nun Tag für Tag und buck Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ den feinen, gelben, leicht feuchten Sand einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen.

Ein Junge der so im Sandkasten spielt, dürfte das Schulalter noch nicht erreicht haben.
"Backte" würde für mich hier gefälliger klingen, als "buk" (wird ohne "ck" geschrieben).

Tulipina hat geschrieben:Mit seiner Familie lebte er am Rande des Dorfes, auf diesem alten Hof, mit ein paar Rindern, Schafen und Hühnern und etwas Landwirtschaft.

Landwirtschaft beinhaltet sowohl Feldanbau, wie auch Tierhaltung. Alternativ könntest Du schreiben:
Mit seiner Familie lebte er auf diesem alten Hof, am Rande des Dorfes. Sie hatten Rinder, Schafe und Hühner. Und ein paar Felder.

Tulipina hat geschrieben:Doch in diesen Zeiten wurde jeder Grund und Boden genutzt um sich zu versorgen. Daher bewirtschafteten sie diesen Hof zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit.

Hier habe ich das erste mal überlegt, wann die Geschichte eigentlich spielt. Hat das Ganze einen realen historischen Background? Oder ist das Setting eine Dystopie?

Tulipina hat geschrieben:...als Alex, der schlaksige Knecht, um die Ecke geprescht kam, direkt auf ihn zu. Seine langen, dünnen Beine überwanden schnell den Hof, sein Körper, ebenso lang und dünn, schien mühe zu haben, sich mit seinen Beinen in Einklang zu bringen. Es sah irgendwie lustig aus, wie er da angedüst kam. Alex stoppte knapp vor ihm und japste: »Junge, los, versteck dich!« Dabei sah der Knecht aus, als wäre er von Sheriff Nottingham persönlich verfolgt worden.

Es gibt einen Knecht, davor ist schon einmal von Traktoren die Rede. Wenn die Geschichte einen realen Background hat, könnte sie in Zeiten des II. Weltkriegs oder kurz danach spielen. Dazu paßt für mich der Name des Knechts aber nicht so recht.
Mühe wird groß geschrieben. Die Beschreibung, wie Alex läuft ist aus der Perspektive des Jungen geschrieben? Das paßt nicht recht zu einem Vorschulkind.
"Angedüst" paßt wiederum nicht in ein historisches Setting.
Robin Hoods bösen Gegenspieler kenne ich nur als "Sheriff von Nottingham".

Tulipina hat geschrieben:Er begriff nicht, was Alex von ihm wollte. War das eine Aufforderung zum Spielen? Aber wieso schaute er so entsetzt drein?
»Hörst du nicht, Kind? Lauf und versteck dich, böse Männer kommen. Schnell!«
»Und Mama und Papa?«
»Sie haben mich doch extra zu dir geschickt, was denkst du denn? Lauf, Junge, lauf endlich!«
Dann blickte Alex hinter sich und rannte ins Haus. Er selbst sprang auf.

Würden besorgte Eltern einen Knecht schicken, der diesem kleinen Kind nicht tatkräftig hilft, sondern sich selbst im Haus verschanzt? Da hakt es für mich gefühlsmäßig ganz gewaltig.

Tulipina hat geschrieben:Böse Männer? Er hatte die Erwachsenen oft von bösen Menschen reden hören, die irgendwelche gemeinen Dinge taten. »Mörder sind das,« ereiferte sich Agnes oft, und ihre alten Augen blitzten.
»Sind zu nichts zu gebrauchen, bringen nur Leid über die Leute, stehlen und schlimmeres, das tun sie, eingesperrt gehören die. Aber jetzt, jetzt laufen diese Kreaturen frei rum. Nichts als Abschaum.«

Hier wird bei mir noch mehr Neugier auf den Hintergrund der Geschichte geweckt.
Agnes würde ich jetzt als Magd einordnen.

Tulipina hat geschrieben:Madleine, seine Schwester war nicht dabei. Wo war sie?

Madleine scheint älter als der Junge zu sein, da sie nicht mit ihm spielt und anscheinend auf dem Feld helfen musste. Der Name würde für mich jetzt nicht so gut in ein (Nach)Kriegs-Setting passen.

Tulipina hat geschrieben:Und am anderen Ende der Wiese, da kamen sie. Ein Dutzend Männer, angeführt von einem rothaarigen Hünen.
Hier hätte ich mir eine genauere Beschreibung der Männer gewünscht, nachdem sie so übel angekündigt wurden. Wie kamen sie? Zu Fuß? Zu Pferd? Mit einem Fahrzeug? Waren sie bewaffnet? Wie waren sie gekleidet?

Tulipina hat geschrieben:Die Männer umringten seine Eltern und Agnes. Es schien, als wollten sie etwas von ihnen. Sein Vater schüttelte langsam den Kopf. Nun standen die Eltern nahe beieinander, der Kreis hatte sich immer enger um sie zugezogen. Dann kam Bewegung in die Gruppe. Man ging zum Haus.

Ein abgelegener Hof mit Vieh hätte zumindest einen Hund.

Tulipina hat geschrieben:Die Sonne schien auf die frisch gemähte Wiese. Die Vögel zwitscherten. Nichts geschah.
Irgendwann sah er schließlich einige der Männer auf den Hof treten.
Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.

"Schwerer Gang" und "feistes Mahl" passt nicht in die Beschreibung eines Vorschulkindes.
Man ahnt, dass Eltern und Gesinde Schlimmes zugestoßen ist. Völlig lautlos?

Ich wüßte gern wie es weiter geht, nachdem die Männer endlich weg sind!
Etwas Besseres als den Tod findest Du überall.
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

Beitragvon Winchest » 01.10.2015, 20:55

Hey :)

Ich schreibe dir dann einfach mal meine Meinung zu deinem Text.

<<Er spielte draußen im Sand.<<

- Mir gefällt dein Einstiegssatz irgendwie total. Er sagt für mich schon so viel aus und gleichzeitig aber dann doch nichts.


<<Darin saß er nun Tag für Tag und backte Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ die Körner ihn einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen.<<

- Hier sind mir irgendwie zu viele Wortwiederholungen. Ich würde den Satz ungefähr so umstellen:

<<Darin saß er nun Tag für Tag und backte Kuchen für seine Mutter, baute Burgen oder ließ die Körner einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen.<<


<<Er würde sonst jedem, der den Hof betrat, vor die Füße laufen vor Begeisterung. Außerdem stimmte irgendwas nicht mit ihm. Er lungerte nur rum, und rührte sein Futter nicht an. Der Tierarzt wollte abends noch vorbei kommen.<<

- Ich finde irgendwie, dass du dir hier fast ein bisschen selbst widersprichst. Wenn es dem Hund schlecht geht und er nur herumlungert, wird er ja wohl nicht quicklebendig jedem vor die Füße springen und das blühende Leben mimen :D
Auch, finde ich, passt das <<lungerte nur rum' nicht wirklich zu dem Text.
Mein Vorschlag: Ersetze das <<rum<< durch <<herum<<.


<<Vielleicht gab es daher nur eine kurze Gutenachtgeschichte.<<

- Diesen Satz finde ich sehr aus dem Kontext gerissen. Wird ihm jetzt im Moment etwa eine Gutenachtgeschichte erzählt? Nein, denn gefühlte drei Sätze vorher sitzt er ja noch in seinem Sandkasten.
Ich würde den Satz also z.B. so umändern:

<<Vielleicht gab es aus diesem Grund später nur eine kurze Gutenachtgeschichte.<<


<< Er hob den Kopf, ließ einen Papierflieger über seine Burg aus Sand kreisen...<<

- Wann und wo hat er den Flieger denn gebaut? Also entweder habe ich da etwas überlesen, dann tut es mir Leid, oder er kann Dinge aus dem Nichts heraufbeschwören...:D
Ein bisschen zusätzliche Informationen wären also sehr schön.


<<Flink wie ein Wiesel huschte er zu seinem Versteckt und war in Null Komma nix zwischen den Zweigen und Blättern verschwunden.<<

- Das ist nur mein persönlicher Geschmack, aber ich kann es einfach nicht leiden wenn <<nix<< anstatt von <<nichts<< im Text steht – wörtliche Rede ausgenommen.
Die nachfolgende Beschreibungen finde ich sehr gelungen.
Ich kann mich gut in das kleine Kerlchen hineinversetzen und habe ihn richtig vor mir, wie er da in seinem Baum sitzt und heult.
Ich finde es auch sehr interessant das ganze Spektakel aus der Sicht eines Kindes zu sehen bzw. zu lesen.
Das bringst du, meiner Meinung nach, auch gut rüber. Er wirkt sehr kindlich aber trotzdem nicht albern, eben wie man sich die Gedanken eines Kindes vorstellen würde. :)

<<Als Bernd Trobutt mit dem Tierarzt kam, fand er den Hof verlassen und unnatürlich still vor. Heute wollte er das Kälbchen abholen.<<

- Natürlich kann es sein, dass es auf dem Hof auch noch ein Kälbchen gibt...aber wollte er nicht nach dem Hund sehen?


<<Er packte entschlossen einen Besen, der neben der Tür stand, und gemeinsam betraten die Männer das Haus ...<<

- Sehr gemein dort aufzuhören!:( Aber es weckt Interesse nach mehr...

Ich fand deinen Text und deine Schreibweise wirklich gut und auch interessant erzählt.

LG:)
Winchest
 
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

Beitragvon Samis » 08.10.2015, 11:30

Hallo Tulipina,

im Anschluss findest du meine Gedanken zum Beginn deiner Geschichte. Im Ganzen finde ich sie gelungen, hab sie gern gelesen und freue mich jetzt schon, bald zu erfahren, wie es wohl weiter gehen mag.

Beste Grüße,
Samis


Darin saß er nun Tag für Tag und backte Kuchen für seine Mutter oder baute Burgen oder ließ die Körner ihn einfach zwischen seinen Fingern zerrinnen.

Dieser Satz will mir wegen des doppelten `oder´ nicht recht gefallen. Ebenso klingt `zerrinnen´ für mich hier unpassend, da es einen zerstörenden oder zumindest verändernden Charakter hat.

Mein Vorschlag: Darin saß er nun Tag für Tag, backte Kuchen für seine Mutter, baute Burgen oder ließ die Körner einfach durch seine Fingern rinnen.



Ein alter Walnussbaum in der Nähe spendete Schatten und von hier aus sah er auf den Hof. Mit seiner Familie lebte er am Rande des Dorfes, auf diesem alten Hof, mit ein paar Rindern, Schafen und Hühnern.

Vielleicht wäre es besser, die beiden Sätze zu einem zu verbinden. Dadurch ließe sich die etwas unschöne Formulierung/Wiederholung `auf diesem alten Hof´ vermeiden. Zudem glaube ich, wäre es der Stimmung zuträglich, würde jener Hof nicht am Rand des Dorfes liegen, eher abgeschiedener.

Mein Vorschlag:
Ein alter Walnussbaum spendete Schatten, ganz in der Nähe lebte er und seine Familie abseits des Dorfes, auf einem alten Hof, samt Rindern, Schafen und Hühnern.




Alle waren auf den Beinen. Von früh bis spät würden die Traktoren hin und her fahren und am Ende des Tages alle müde ins Bett sinken.


Der Vielzahl der beteiligten Menschen wegen, würde ich hier `müde in ihre Betten sinken´ schreiben.



Fritz, der Hund, war in seinem Zwinger eingesperrt. Er würde sonst jedem, der den Hof betrat, vor die Füße laufen vor Begeisterung.

Hier finde ich das doppelte `vor´ unschön. Zudem würde ich das Warum (die Begeisterung) vor die Aktion (vor die Füße laufen) stellen.

Mein Vorschlag:
Fritz, der Hund, war im Zwinger eingesperrt, da er ansonsten jedem, der den Hof betrat, vor Begeisterung um die Füße gelaufen wäre.



Vielleicht gab es daher nur eine kurze Gutenachtgeschichte.

Hier solltest du auf den vergangen Abend verweisen, da er im Moment ja im Sandkasten spielt und es im Verlauf der Geschichte erst Mittag wird ...



Dabei sah der Knecht aus, als wäre er von Sheriff von Nottingham persönlich verfolgt worden.

Hier den Sheriff von Nottingham ins Spiel zu bringen, schein mir nicht eben passend. Es sei denn, diese Figur fällt im weiteren Verlauf deiner Geschichte eine nähere Bedeutung zu. Ich würde es klassisch in etwa so formulieren: Dabei wirkte der Knecht, als wäre der Teufel höchstselbst hinter ihm her.



Er wandte sich um und nahm die Beine in die Hand.

Das sprichwörtliche `die Beine in die Hand nehmen´ empfinde ich hier zu gewollt. Ein schlichtes `und lief los´ fände ich passender.



Er rannte weiter, neben dem kleinen Feld hinter dem Haus her, jetzt konnte er nichts mehr sehen.

Hinter dem Haus her rennen klingt etwas komisch. Und auch das `jetzt konnte er nichts mehr sehen´ kann missverstanden werden. Vielleicht solltest du es ein wenig genauer umschreiben, etwas in dieser Art: Dann rannte er weiter, längs des kleinen Feldes hinterm Haus lang, von da an konnte er den Hof nicht mehr sehen.



Das hatte er bereits einige male ausprobiert. Mit Vater, Alex, Madleine.

Hier wird nicht ganz klar, hat er sich mit dem Vater und den anderen oder doch vor ihnen versteckt?

Mehr als einmal hatte er es ausprobiert, keiner hatte ihn je entdeckt, nicht der Vater, nicht Alex, nicht Madleine.



Es schien, als wollten sie etwas von ihnen.

Hier ist unklar, wer von wem etwas will.



Einer, ein großer Kerl mit zotteliger, roten Mähne, trat vor und sprach seinen Vater direkt an.

Da du im weiteren Verlauf von einem Hünen schreibst, würde ich ein `sehr´ vor den großen Kerl setzen. Ein großer Kerl allein, macht noch keinen Hünen aus.



Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.

Die Idee finde ich gut. Etwa Kannibalismus? Haben sie seine Eltern etwa aufgegessen? Nur lässt mich der Satz unweigerlich an Märchen denken. Weißt nicht, ob das so beabsichtigt ist.



Dann traf der Blick des Hünen den Baum und schien direkt auf seinem Gesicht zu verharren.

Ich glaube, nur Blicke können sich treffen. Dann fand der Blick des Hünen den Baum ... scheint mir hier passender.



Schreckensstarr sah er hinüber, sog das Gesicht dieses Mannes förmlich in sich auf, unfähig, auch nur zu blinzeln.

Das Gesicht eines Mannes in sich aufzusaugen, hm. Das würde ich schlichter formulieren.

Schreckensstarr sah er hinüber, gebannt vom unheimlichen Gesicht des Mannes, unfähig, auch nur zu blinzeln.



Sie kamen immer näher.

Den Schnitt finde ich etwas hart, `Dabei kamen die anderen Männer immer näher.´ würde es runder erzählen, glaube ich.



Irgendwann gingen die Männer, und er hörte Autotüren schlagen und dann sich entfernende Motorengeräusche.
Ein Beben ging durch seinen kleinen Körper, als er ausatmete.


Die Erleichterung, dass die Männer ihn nicht gefunden und letztlich verschwunden waren, solltest du unbedingt größer ausführen. Nach all der Anspannung, die der kleine Junge durchleben hatte müssen, fände ich es schade, seiner (vorläufigen) Erlösung nur diesen einen Satz zu gönnen.



Es wurde dunkel und still.

Eine sehr gute und treffende Formulierung, die vorherrschende Stimmung auszudrücken.



Es war noch früh, zu früh um beim Heumachen eine Pause einzulegen.

Das will nicht ganz zusammenpassen. Es wurde dunkel und still. Es war noch früh ...
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Samis
 
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

Beitragvon Tulipina » 09.10.2015, 17:36

Hey Winchest, da hast du meinen Text also wieder ausgegraben :D
Deine Anmerkungen habe ich mir zu Herzen genommen und den Text stellenweise verändert. (Sandkasten, Hund, Gutenachtgeschichte, wo kommt das Kälbchen her?).

Samis, auch dir ein Danke fürs bearbeiten.
Das mit dem Tierarzt muss ich nochmal ändern. Er sollte nicht abends vorbei schauen, sondern am nächsten Tag. Das passt dann.

LG Tulipina
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Re: [Spannung|Roman] Böse Männer - überarbeitet

Beitragvon Jonas_dls » 10.10.2015, 19:32

Nur eine kurze Abmerkung von mir:

Tulipina hat geschrieben:Was sollte er nun tun? Runterkommen? Oben bleiben?
Alex hatte gesagt, die Männer wären böse. Vielleicht sollte er besser hier warten, bis Alex oder die Eltern nach ihm riefen.
Darüber wurde es Mittag.
Die Sonne schien auf die frisch gemähte Wiese. Die Vögel zwitscherten. Nichts geschah.
Irgendwann sah er schließlich einige der Männer auf den Hof treten.


Ist es Absicht, dass der Junge die ganze Zeit über nichts aus dem Haus hört?
Ich gehe mal davon aus, dass die Eltern tot sind, da es bereits Autos gibt, gibt es auch Schusswaffen. Dann hätte er etwas hören müssen.
Falls die Männer vorher noch etwas anderes mit seiner Familie angestellt haben, hätte er vermutlich auch etwas hören können.

Tulipina hat geschrieben:Sie hatten einen schweren Gang, so als hätten sie gerade ein feistes Mahl genossen.

Auch wenn es nicht direkt seine Gedanken sind, klingt mir feist doch etwas fremd für einen unter zehnjährigen.
Jonas_dls
 
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