[Liebe]Brief an die Ehefrau

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Brief an die Ehefrau

Beitragvon LiaPetterson » 25.05.2015, 13:44

Meine Liebe, mein Leben,

ich habe deinen Brief heute auf dem Küchentisch gefunden.

Zuerst war ich, ganz wie Du mich beschreibst, wütend, konnte nicht glauben, was Du mir da entgegen wirfst. Unfassbar was Du da schreibst, als wäre ich ein Fremder. Doch nachdem ich den Brief wieder und wieder gelesen habe, konnte ich mich nur auf deinen ersten Satz konzentrieren.

Ich weiß nicht, wie ich dein Herz erreichen soll

Du hast mein Herz erreicht! Vom ersten Augenblick an, den wir zusammen sind. Als ich dich das erste Mal gesehen habe, damals auf dem Rockfestival, Du warst so unglaublich süß in deiner zerrissenen Jeans, deinen von Dreck verklebten Haaren und deinen roten Lippen, die von diesem klebrigen Jenever Monologe hielten. Du hast mein Herz erreicht in all den Jahren, die wir zusammen aufgewacht sind. Du in deinen Kinderschlafanzügen, die so niedlich deinen Hintern zur Geltung bringen. Die vielen Stunden die wir zusammen vor unserer Plattensammlung verbracht haben und vom hundertsten zum tausendsten geredet haben, bis in den Morgengrauen hinein. Du hast mein Herz erreicht immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast.

Ich liebe Dich, auch wenn ich nachvollziehen kann das ich deine Liebe nicht verdient habe. Du hast Recht, ich bin ein Arsch. All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist, die mich immer aufgefangen hat, die mir immer alles verziehen hat. Und ich Arsch nutze das aus und merke nicht, wie ich den einzigen Menschen damit verletze der mir wirklich etwas bedeutet.

Es stimmt, wenn ich dich beleidige, dich vor Anderen runter mache oder meine schlechte Laune gnadenlos an dir auslasse, dann hoffe ich insgeheim es würde mir endlich besser gehen. Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, das ich nicht meinen Vater bestrafe sondern dich, meine große und einzige Liebe. Wenn Du dann immer wieder in dieser Wunde herumstocherst mir meine Fehler voller Abneigung vor die Füße wirfst, dann werde ich wütend. Wütend, weil Du mich durchschaut hast und wütend weil ich nicht in der Lage bin mich meinem Erzeuger gegenüber so zu verhalten, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehört. Ihm die Stirn bieten, ihn für alles Verachten was er getan oder eben auch nicht getan hat.

Mit dir wollte ich alt werden (und will es immer noch!!!), alles anders machen und die Vergangenheit hinter mich lassen. Doch ich bin schwach und ein Feigling. Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassen musstest immer Du hinhalten. Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigt also muss ich auch demütigen. Fast so wie das geschlagene Kind, das später auch seine Kinder schlägt. Leider war ich nie stark genug mich aus diesem Kreislauf zu befreien, weil ich schwach und ein Feigling bin.

Mit Sicherheit hat dir jeder deiner Freundinnen schon gesagt, Du sollst mich endlich verlassen. Auch andere Mütter haben nette Männer und Du hast mehr verdient als so einen selbstgefälligen Arsch. Ich kann deinen Freundinnen nur beipflichten. Du hast auf dieser Welt nur das Beste verdient.

Ich habe die letzten Jahre nichts dafür getan dich glücklich zu machen und doch bist Du immer noch da. Du bist so unfassbar gütig und kannst mir alles verzeihen. Bis jetzt. Das Fass ist voll, wie man so schön sagt.

Ich kann gut verstehen, wenn Du die Absicht hast mich zu verlassen. Doch bitte ich dich mir eine letzte Chance zu geben. (Ich weiß die hast Du mir schon oft gegeben). Noch nie habe ich so deutlich erkannt was das Richtige ist. Es ist jetzt wichtig die Vergangenheit aufzuarbeiten. Meine Vergangenheit und unsere Vergangenheit.
Ich möchte dir ein guter Ehemann und Freund sein, so wie Du es verdienst und so wie ich es dir bei unserer Hochzeit versprochen habe.

Meine Vergangenheit werde ich aufarbeiten und hoffe der Mann der dann zum Vorschein kommt ist endlich erwachsen und gefällt dir. Ich möchte für dich der beste Ehemann werden, den es gibt.
Mein Engel, meine Liebe, ich hoffe Du gibst uns noch eine Chance - gibst mir noch eine Chance.

Ich liebe dich über alles!
Dein Mann
LiaPetterson
 
Beiträge: 39
Registriert: 29.01.2014, 17:21
Blog: Blog ansehen (12)

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon ThetaHelion » 25.05.2015, 15:27

Hallo Lia,

eigentlich sind solche Texte überhaupt nicht meine Baustelle, aber er ist so gut gelungen, dass er mich trotzdem angesprochen hat. An einigen Stellen bin ich mir nicht sicher, ob das mit den Zeitformen so richtig ist und habe in den Zitaten ein paar Anmerkungen untergebracht, dazu noch ein paar R/G-Dinge. Aber eins nach dem anderen.

LiaPetterson hat geschrieben:Meine Liebe, mein Leben,

ich habe deinen Brief heute auf dem Küchentisch gefunden.


"Meine Liebe, mein Leben" sagt bereits einiges aus. Vor allem aber, dass ER für SIE keine persönlichere Anrede über die Jahre gefunden hat.


Zuerst war ich, ganz wie Du mich beschreibst, wütend PUNKT oder UND konnte nicht glauben, was Du mir da entgegen wirfst. UnfassbarKOMMA was Du da schreibstPUNKT Als wäre ich ein Fremder. Doch nachdem ich den Brief wieder und wieder gelesen habe, konnte ich mich nur auf deinen ersten Satz konzentrieren.


"Vorwerfen" statt "entgegen werfen" könnte es besser treffen.


Ich weiß nicht, wie ich dein Herz erreichen soll


Vielleicht sollte der Satz mit Doppelpunkt und Anführungszeichen gekennzeichnet werden, damit er eindeutig als IHR erster Satz zu erkennen ist?!


Du hast mein Herz erreicht! Vom ersten Augenblick anPUNKT den wir zusammen sind. Als ich dich das erste Mal gesehen habe, damals auf dem RockfestivalPUNKT Du warst so unglaublich süß in deiner zerrissenen Jeans, deinen von Dreck verklebten Haaren und deinen roten Lippen, die von diesem klebrigen Jenever Monologe hielten. Du hast mein Herz erreichtKOMMA in all den Jahren, die wir zusammen aufgewacht sind. Du in deinen Kinderschlafanzügen, die so niedlich deinen Hintern zur Geltung bringenbrachten. Die vielen Stunden die wir zusammen vor unserer Plattensammlung verbracht haben und vom hundertsten zum tausendsten geredet haben, bis in den Morgengrauen hinein. Du hast mein Herz erreichtKOMMA immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast.


Ich bin mir unsicher mit den Haaren. Hier reicht vielleicht, wenn sie nur verklebt sind. Dreck würde ich, wenn es woodstockmäßig wirken soll, durch Schlamm ersetzen, aber eigentlich ist der Grund für die verklebten Haare nicht ganz so wichtig.

Die Aussage der zweiten Unterstreichung verstehe ich leider nicht.

Es heißt glaube ich "vom Hundertsten ins Tausendste"

Du müsstest dich im Übrigen entscheiden ob du "bis in den Morgen hinein" oder "bis zum Morgengrauen" nehmen willst.


Ich liebe Dich, auch wenn ich nachvollziehen kannKOMMA das ich deine Liebe nicht verdient habe. Du hast RechtPUNKT Ich bin ein Arsch. All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist, die mich immer aufgefangen hat, die mir immer alles verziehen hat. Und ich Arsch nutze das aus und merke nicht, wie ich den einzigen Menschen damit verletzeKOMMA der mir wirklich etwas bedeutet.


Ich glaube zu wissen, was du mit dem ersten Satz sagen willst, aber die Wahl der Worte ist möglicherweise etwas unglücklich, vor allem das Wort "auch". Vielleicht reicht schon: "Ich liebe Dich, obwohl ich deine Liebe nicht verdient habe." (wobei ich hier an der eigentlichen Aussage wahrscheinlich vorbeiziele) oder als Frage "Ich liebe Dich, aber habe ich auch Deine Liebe verdient?" *grübel* Oder ist es doch nur das "nachvollziehen"?

"Weil Du die Einzige bist ..." ist eigentlich ein unschöner Satzanfang. Aber in so einem persönlich emotionalen Zusammenhang andererseits auch wieder denkbar. Bin mir hier unschlüssig.

Den zweiten "Arsch" würde ich entweder weglassen oder durch ein anderes Wort, vielleicht Idiot, ersetzen.


Es stimmtPUNKT Wenn ich dich beleidige, dich vor anderen runter mache oder meine schlechte Laune gnadenlos an dir auslasse, dann hoffe ich insgeheimKOMMA es würde mir endlich besser gehen. Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, das ich nicht meinen Vater bestrafeKOMMA sondern dich, meine große und einzige Liebe. Wenn Du dann immer wieder in dieser Wunde herumstocherstKOMMA mir meine Fehler voller Abneigung vor die Füße wirfst, dann werde ich wütend. Wütend, weil Du mich durchschaut hast und wütend weil ich nicht in der Lage binKOMMA mich meinem Erzeuger gegenüber so zu verhalten, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehört. Ihm die Stirn bieten, ihn für alles verachten was er getan oder eben auch nicht getan hat.


Ich kann mir gerade selbst nicht erklären, was mit dem unterstrichenen Satz nicht stimmt. Er ist eigentlich gut, vor allem das Bild mit dem "vor die Füße werfen" finde ich gut. Es könnte am "immer" bzw. "immer wieder" liegen oder vielleicht auch an der Wunde, die sich mir hier noch nicht erschließt. Was ist die Wunde? SEIN Verhalten, von dem ER weiß, dass es unausstehlich ist? Oder ist die Wunde die Beziehung zu SEINEM Vater, in der ER den Grund für sein Verhalten sieht?


Mit dir wollte ich alt werden (und will es immer noch!!!), alles anders machen und die Vergangenheit hinter michmir lassen. Doch ich bin schwachPUNKT und Ein Feigling. Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassenKOMMA musstest immer Du hinhalten. Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigtKOMMA also muss ich auchauch ich demütigen. Fast so wie das geschlagene Kind, das später auch seine Kinder schlägt. Leider war ich nie stark genugKOMMA mich aus diesem Kreislauf zu befreienPUNKTweil ich schwach und ein Feigling bin.


Statt "hinhalten", würde ich "herhalten" schreiben.

Könntest du mit dem "Kreislauf" einen "Teufelskreis" meinen? ER sollte sich dann aber sicher sein, dass ER sich darin befindet. "Es ist ein Teufelskreis."

Die Sache mit dem schwach und Feigling würde ich nicht wiederholen.


Mit Sicherheit hat dir jeder deiner Freundinnen schon gesagt, Du sollst mich endlich verlassen. Auch andere Mütter haben nette MännerSöhne und Du hast mehr verdientKOMMA als so einen selbstgefälligen Arsch. Ich kann deinen Freundinnen nur beipflichten. Du hast auf dieser Welt nur das Beste verdient.


Erstaunliche Selbsteinschätzung von IHM.

Da andere Mütter auch schöne Töchter haben, denke ich, dass du ihre netten Söhne meinst und nicht die netten Männer der anderen Mütter. :lol:


Ich habe die letzten Jahre nichts dafür getanKOMMA dich glücklich zu machen und doch bist Du immer noch da. Du bist so unfassbar gütig und kannst mir alles verzeihen. Bis jetzt. Das Fass ist voll, wie man so schön sagt.


Das verstehe ich nicht. Ich habe es bis hier so aufgefasst, dass ER IHREN "Abschiedsbrief" gelesen hat und SIE jetzt weg ist. Ist SIE doch nicht? Warum schreibt ER IHR dann einen Brief?

Ich glaube, das "Fass ist am Überlaufen" oder das "Maß ist voll", oder?


Ich kann gut verstehen, wenn Du die Absicht hast mich zu verlassen. Doch bitte ich dichKOMMA mir eine letzte Chance zu geben. (Ich weiß,KOMMA die hast Du mir schon oft gegeben). Noch nie habe ich so deutlich erkanntKOMMA was das Richtige ist. Es ist jetzt wichtig die Vergangenheit aufzuarbeiten. Meine VergangenheitPUNKT und Unsere Vergangenheit.
Ich möchte dir ein guter Ehemann und Freund sein, so wie Du es verdienst und so wie ich es dir bei unserer Hochzeit versprochen habe.


Ich glaube, das wird SIE nicht überzeugen - was aber nichts macht, denn es zeigt ja SEINE Gedanken.

Ob der Text in der Klammer unbedingt sein muss, weiß ich nicht. Vielleicht in den Satz davor mit unterbringen: "Doch bitte ich Dich, mir noch eine Chance zu geben, eine letzte Chance."

Der letzte Satz ist eigentlich in Ordnung, nur eine persönliche Anregung: "Ich möchte Dir der gute Ehemann und Freund sein, den Du verdienst und den ich Dir bei unserer Hochzeit versprochen habe."


Meine Vergangenheit werde ich aufarbeiten und hoffeKOMMA der Mann der dann zum Vorschein kommtKOMMA ist endlich erwachsen und gefällt dir. Ich möchte für dich der beste Ehemann werdensein, den es gibt.
Mein Engel, meine Liebe, ich hoffe Du gibst uns noch eine Chance - gibst mir noch eine Chance.

Ich liebe dich über alles!
Dein Mann


Bei dem "werden" und "sein" bin ich mir unsicher. Ebenso, ob es gut oder weniger gut ist, die "Chance" noch einmal aufzugreifen, aber tendenziell will ER ja damit noch einmal Nachdruck verleihen. Folgen aber trotzdem recht eng hintereinander, die beiden "Chancen"-Passagen.


Fazit:
Es ist sicher merkwürdig, einerseits so viel anzumerken und andererseits zu sagen, dass der Text trotzdem gefallen hat. Ich finde, ER wird durch seinen Brief sehr schön charakterisiert und so wie ich die holde Weiblichkeit kenne, braucht er eine gehörige Portion Glück und wirklich die tollste Frau der Welt, damit ER noch die Chance erhält, die er da "einfordert".

IHRE Antwort, könnte ich mir vorstellen, dürfte aber eher - eigentlich im besten Fall - dahin gehen, dass ER erst einmal seine Vergangenheit in den Griff bekommen soll und IHR dann beweisen muss, dass ER es ernst meint und es wert ist, von IHR eine letzte Chance zu erhalten.

Nur aus Interesse: Steht der Brief im Zusammenhang mit einem längeren Werk oder nur für sich allein?

Viele Grüße,
Theta

Edit: Habe ich doch glatt sämtliche Etikette vergessen und nicht mal Einleitung und Gruß geschrieben. :lol:
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 25.05.2015, 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
ThetaHelion
 
Beiträge: 153
Registriert: 05.05.2015, 10:34

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon LiaPetterson » 25.05.2015, 17:05

Hallo ThetaHelion,

vielen, vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr wertvollen Kommentar. Deine Anmerkungen bringen mich wirklich weiter.

Der Brief an die Ehefrau ist die Antwort auf "den Brief an den Ehemann". Diesen habe ich hier auch veröffentlicht. Der "Brief an den Ehemann" hatte ich ursprünglich in einer Liebesgeschichte integrieren wollen, habe es aber anders gelöst.
Ich wollte aber erst einmal abwarten, wie der Brief an die Ehefrau als alleinstehendes Werk wirkt.

Vielen Dank
Lia
LiaPetterson
 
Beiträge: 39
Registriert: 29.01.2014, 17:21
Blog: Blog ansehen (12)

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon MarkD » 30.05.2015, 22:51

Hallo Lia,

Premiere: Mein erster Kommentar zu einer Liebesgeschichte! Bild dir was drauf ein. :wink:

ich habe deinen Brief heute auf dem Küchentisch gefunden.

Vermutlich hat ihn seine Frau dort hingelegt. Daher würde es ausreichen zu schreiben, dass er den Brief gefunden hat. Um den Leser darüber zu informieren (dass er auf dem Küchentisch lag) würde ich einen zweiten Satz spendieren.

Doch nachdem ich den Brief wieder und wieder gelesen habe, konnte ich mich nur auf deinen ersten Satz konzentrieren.

Ich weiß nicht, wie ich dein Herz erreichen soll

Nach konzentrieren würde ich einen Doppelpunkt schreiben und ohne Absatz den 'ersten Satz' anschließen. Diesen dann mit einem Fragezeigen abschließen.

Du hast mein Herz erreicht! Vom ersten Augenblick an, den wir zusammen sind.

Vorschlag: "Dabei hattest du mein Herz bereits erreicht."
Zusamen waren.

... und deinen roten Lippen, die von diesem klebrigen Jenever Monologe hielten.

Hab ich nicht verstanden. Hielt sie Monologe über den Jenever oder aufgrund dessen?

Du hast mein Herz erreicht immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast.

Das würde ich umstellen: "Immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast, hast du mein Herz erreicht."

Du hast Recht, ich bin ein Arsch.

Hier würde ich Idiot schreiben, da du den gleichen Ausdruck weiter unten noch verwendest und ich ihn dort passender finde.

All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist,

Kann man nach der neuen Rechtschreibung groß oder klein schreiben, sollte aber im Text konsistent verwendet werden. Das betrifft viele Stellen.

Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, das ich nicht meinen Vater bestrafe sondern dich, meine große und einzige Liebe.

An dieser Stelle habe ich gestutzt, was das mit seinem Vater zu tun hat. Weiter unten wird angedeutet, dass er Probleme mit seinem Vater hat. Vielleicht kannst du den Leser auf diesen Satz noch etwas klarer vorbereiten.

die Vergangenheit hinter mich lassen.

Hinter mir lassen. Klingt für mich allerdings wie ein Klischee. Wie wäre es mit: Vergangenheit überwinden?

Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassen musstest immer Du hinhalten.

Beim 'Richtigen' Dampf ablassen?
Herhalten.
Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigt, also muss ich auch demütigen.

Komma.

Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast.

Ist mir ein bißchen zu arg. Fürsorgliche Liebe?

Mit Sicherheit hat dir jeder deiner Freundinnen schon gesagt: Du sollst mich endlich verlassen. Auch andere Mütter haben nette Männer und Du hast mehr verdient als so einen selbstgefälligen Arsch.

Da würde ich einen Doppelpunkt verwenden, um zu kennzeichnen, dass die Aussagen von den Freundinnen stammen.
Die Gegenwartsformen sollten in der Vergangenheit stehen: solltest, hätten, hättest.

Ich habe die letzten Jahre nichts dafür getan, dich

Komma.

Doch bitte ich dich mir eine letzte Chance zu geben.

Diesen Appell würde ich mit einem Ausrufezeichen hervorheben!

Einige Kommafehler habe ich weggelassen. Das scheint ein genereller Punkt zu sein, den du noch verbessern kannst. - Bei mir selbst war das auch ziemlich lang ein Thema. :oops:

Meine Vergangenheit und unsere Vergangenheit.

Vorschlag: "Meine Vergangenheit, unsere Vergangenheit!" Finde ich ausdruckstärker - und wieder ein Ausrufezeichen.

Meine Vergangenheit werde ich aufarbeiten

Das klingt mir irgendwie zu steril, zu technisch. Er will daraus lernen und die vergangenen Schwierigkeiten überwinden.

... gibst mir noch eine Chance.

Ausrufezeichen!

Ich liebe dich über alles!
Dein Mann

Einerseits verstehe ich, dass der Verfasser unterstreichen möchte, er sehe sich immer noch als ihr "Mann". Auf der anderen Seite finde ich es etwas unpersönlich. Er hat gerade einen Brief geschrieben, in dem er Fehler eingesteht und an die Frau seines Herzens appelliert: sie möge ihm verzeihen. Da würde ich eher schreiben: "Dein dich ewig liebender Hubert" (O.k. anstatt Hubert findest du sicher noch was besseres :wink: )

Deine Geschichte hat mir gut gefallen, es gab keine Stelle, an der es mir langweilig wurde. Manche Stellen fand ich etwas klischeehaft, aber Liebesgeschichten gehören nicht zu meiner Kernkompetenz. :wink:
In Beziehungen gibt es eben Standardprobleme.

Würde mich freuen, wenn der ein oder andere Punkt dir weiterhilft.

LG,
Mark
"Every sentence must do one of two things: reveal character or advance the action."
     Kurt Vonnegut
Benutzeravatar
MarkD
 
Beiträge: 46
Registriert: 20.11.2012, 09:51
Wohnort: am Bodensee

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon Luftmensch » 04.06.2015, 11:27

Hallöchen,

es ist schon eine Weile her, dass ich an einem Werk herumgemäkelt habe. Mal sehen, ob ich es noch drauf habe :twisted: (Spaß, nur keine Angst ;) )
Übrigens habe ich wie immer die vorherigen Kommentare zu deinem Text nicht gelesen, um mir eine eigene Meinung zu bilden.

Meine Liebe, mein Leben,


Schon der erste Stolperstein, wenn man den Text liest. "Meine Liebe" hört sich so an, als wäre man vielleicht befreundet, "mein Leben" finde ich schon ganz gut. Ich denke, du zielst hier auf eine Doppellung ab? Wenn ja, eventuell den ersten Teil auswechseln?
"Meine Liebste, mein Leben" fände ich schicker, mag aber auch Geschmackssache sein.

ich habe deinen Brief heute auf dem Küchentisch gefunden.


Ist das "heute" ein Muss? Wenn ja, würde ich diese Statzstellung vorschlagen "heute habe ich deinen Brief auf dem Küchentisch gefunden." Hört sich für mich flüssiger an.
Übrigens finde ich diese Stelle ziemlich gut, um den Leser neugierig zu machen.

Zuerst war ich, ganz wie Du mich beschreibst, wütend, konnte nicht glauben, was Du mir da entgegen wirfst. Unfassbar was Du da schreibst, als wäre ich ein Fremder. Doch nachdem ich den Brief wieder und wieder gelesen habe, konnte ich mich nur auf deinen ersten Satz konzentrieren.


Ich musste diesen Absatz einige Male lesen, um ihn zu verstehen und um herauszufinden, mit welcher Absicht dur so geschrieben hast, wie du schreibst.
Mein Vorschlag: "Zuerst war ich wütend. Ich konnte nicht glauben, was (hört sich unelegant an, ich würde zu "welche Dinge" tendieren) Du mir vorwirfst (fände ich besser, denn das würde bedeuten, dass der Verfasser momentan nicht der Liebsten zustimmt). Unfassbar, dass Du mich so beschreibst, fast so, als wäre ich ein Fremder (für wen ein Fremder? Für sie, für ihn? Ansonsten würde ich so schreiben "fast erkannte ich mich in deinen Worten nicht wieder").
Als nächstes sollte ein Absatz folgen. "Nachdem ich deinen Brief mehrere Male gelesen habe, ..."

Um Emotionen auszudrücken, bitte die Worte gewählter auswählen und Füllworte vermeiden.

Ich weiß nicht, wie ich dein Herz erreichen soll


Bitte kursiv setzen, damit der Leser versteht, dass es der Satz der Liebsten ist.

Du hast mein Herz erreicht!


Mein persönlicher Geschmack, ich weiß, aber ein Ausrufezeichen? Zerstört für mich bisschen die melancholische Atmosphäre. Wenn der Satz sich verzweifelter anhören würde, könnte ich das verkraften ;)
"Wie kannst du nicht wissen, dass du mein Herz von jenem Augenblick an erreicht hast, als wir uns kennengelernt haben?" Okay, immer noch kein Ausrufezeichen, aber die dramatischer.

Vom ersten Augenblick an, den wir zusammen sind.


Der Satz hört sich komisch an. Zeitfehler?

klebrigen Jenever Monologe hielten.


Keine Ahnung, was das bedeutet :D Kann auch an mir liegen.

Du hast mein Herz erreicht in all den Jahren, die wir zusammen aufgewacht sind.


Wieder komischer Satzbau.
"Du hast mein Herz immer erreicht, in all den Jahren, in denen wir zusammen aufgewacht sind."
Ist jetzt auch nicht so das Gelbe vom Ei.

Du in deinen Kinderschlafanzügen, die so niedlich deinen Hintern zur Geltung bringen.


Sorry, irgendwie unfreiwillig lustig. Und creepy, um ehrlich zu sein :lol: Kinderschlafanzüge haben nicht sexy zu sein, egal ob an Kindern oder Erwachsenen (wobei sich hier die Frage stellt, wieso ein Erwachsener Kinderschlafanzüge anzieht).

vom hundertsten zum tausendsten geredet haben,


Ich nix verstehen, was hier gemeint seien! :D

Ich liebe Dich, auch wenn ich nachvollziehen kann das ich deine Liebe nicht verdient habe.


Um die Betonung zu verlagern: "Ich liebe Dich" PUNKT. "Allerdings weiß ich, dass ich deine Liebe nicht verdient habe."

All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist, die mich immer aufgefangen hat, die mir immer alles verziehen hat. Und ich Arsch nutze das aus und merke nicht, wie ich den einzigen Menschen damit verletze der mir wirklich etwas bedeutet.


Ich würde den zweiten Satz nicht mit "weil" anfangen. "Du bist die Einzige, die mich immer auffängt und mir immer alles verzeiht / verziehen hat." Ich würde lieber aktiv formulieren, auch wenn nun Schluss sein sollte zwischen den beiden. Schließlich ist der Folgesatz auch aktiv.

Es stimmt, wenn ich dich beleidige, dich vor Anderen runter mache oder meine schlechte Laune gnadenlos an dir auslasse, dann hoffe ich insgeheim KOMMA es würde mir endlich besser gehen.


Jetzt schreibst du "dich" klein.

Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, dasS ich nicht meinen Vater bestrafe KOMMA sondern dich, meine große und einzige Liebe. Wenn Du dann immer wieder in dieser Wunde herumstocherst KOMMA mir meine Fehler voller Abneigung vor die Füße wirfst, dann werde ich wütend. Wütend, weil Du mich durchschaut hast und wütend weil ich nicht in der Lage bin KOMMA mich meinem Erzeuger gegenüber so zu verhalten, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehört. Ihm die Stirn bieten, ihn für alles verachten KOMMA [was] das er getan oder eben auch nicht (unsicher, aber hier Komma, glaube ich) getan hat


Übrigens geht der Erzähler nun total off topic, nur dass du es weißt. Von einer lieblichen, melanchonischen Stimmung ist nichts mehr übrig. Außerdem ist es zu viel Infodump, meiner Meinung nach.

Mit dir wollte ich alt werden (und will es immer noch!!!),


Ach du meine Güte, das liest sich nun wie eine SMS von einem Teenie.
"Mit dir möchte ich alt werden. Ich will alles anders machen und die Vergangenheit hinter mir lassen."
-> hört sich erwachsener und reifer und ernster an.

Doch ich bin schwach und ein Feigling. Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassen musstest immer Du hinhalten. Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigt also muss ich auch demütigen. Fast so wie das geschlagene Kind, das später auch seine Kinder schlägt. Leider war ich nie stark genug mich aus diesem Kreislauf zu befreien, weil ich schwach und ein Feigling bin.


Im Grunde findet hier nun ein Kreislauf statt. Du wiederholst dich.
1. wird darauf eingegangen, was zuvor gesagt wird, dass er seine Wut an ihr auslässt
2. dass er ein Feigling ist, wird zweimal gesagt

Auch andere Mütter haben nette Männer und Du hast mehr verdient KOMMA als so einen selbstgefälligen Arsch.


Auch andere Mütter haben nette Söhne, bei Männern denkt man an die Ehemänner der Mütter ;)

Ich habe die letzten Jahre nichts dafür getan KOMMA UM dich glücklich zu machen und doch bist Du immer noch da.


Es ist jetzt wichtig die Vergangenheit aufzuarbeiten. Meine Vergangenheit und unsere Vergangenheit.
...
Meine Vergangenheit werde ich aufarbeiten


Wiederholung.

hoffe der Mann der dann zum Vorschein kommt ist endlich erwachsen und gefällt dir. Ich möchte für dich der beste Ehemann werden, den es gibt.
Mein Engel, meine Liebe, ich hoffe Du gibst uns noch eine Chance - gibst mir noch eine Chance.

Ich liebe dich über alles!
Dein Mann


"hoffe, dass dann ein Mann zum Vorschein kommt, der erwachsen ist und dir gefällt. Ich möchte für dich der beste Ehemann sein, den es gibt (doppelt Mann, zudem hört sich "den es gibt" komisch an, sehr umgangssprachlich)."
"Mein Engel, meine Liebste, gib uns noch eine Chance – gib mir noch eine Chance! (hier ein Ausrufezeichen ;) )

"Dich, dein über alles liebender Mann."


Ich fasse mal alles zusammen und gebe dir einen Gesamteindruck:
Zum einen interessante Vorgehensweise, womit du sicherlich einige romantische Gemüter erreichen kannst, wenn du es denn richtig machst. Die Gratwanderung zwischen Klischee und tatsächlichen Emotionen gelingt dir noch nicht. Deine Erzählstimme ist wie der Protagonist dieser kleinen Geschichte unreif. Hierzu eine Frage, willst du, dass er etwa so spricht, wie ein 16-Jähriger, der sich null ausdrücken kann? Schließlich geht es hier um die Wurst, bzw. die Ehefrau, die Liebe seines Lebens. Wenn er so unreif sprechen soll, dann anders dastellen, damit der Leser ihm das abkauft. Wenn du hierzu Vorschläge willst, dann melde dich bitte. Vielleicht kann ich ein paar Tipps dazu beisteuern.
Das mit dem Infodump und den Doppellungen habe ich bereits erwähnt. Sie reißen den Leser aus der "Handlung", der Atmosphäre raus, wenn plötzlich über den gewaltätigen Vater gesprochen wird. Muss man das als Leser wissen? Vielleicht kann man das auch nur andeuten.

So, das war es von mir. Wie immer gilt, dass ich nicht dich, sondern den vorliegenden Text kritisiere.

Wenn ich helfen konnte, freut es mich.

Liebe Grüße
Benutzeravatar
Luftmensch
 
Beiträge: 278
Registriert: 19.08.2014, 22:20
Wohnort: Tübingen
Blog: Blog ansehen (1)

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon Nadim22 » 04.06.2015, 22:08

Hallo LiaPetterson,

ich werde mich jetzt noch einmal mit Deinem Text beschäftigen. Ich sage "noch einmal", weil ich den Kommentar bereits fertig hatte (und der war nicht zu knapp), doch jetzt aufgrund eines Computerabsturzes wieder von vorn anfangen kann :cry:

Ich werde deshalb nicht weiter auf Rechtschreib- und Grammatikfehler eingehen, sondern nur noch auf Wortwahl, Satzbau und Inhalt.

Zum Text:

*Überflüssiges markiere ich blau, verbesserungswürdige Wortwahl bzw. unglücklich Formuliertes grün, Dinge, die mir ausgeprochen gut gefallen orange.

LiaPetterson hat geschrieben:ich habe deinen Brief heute auf dem Küchentisch gefunden.


Ich empfehle Dir das "deinen" groß zu schreiben. Es ist eine direkte Anrede. Gleiches gilt für: Dich, Dir, Du. So wirkt der Brief unmittelbar und persönlich.

LiaPetterson hat geschrieben:Zuerst war ich, ganz wie Du mich beschreibst, wütend, konnte nicht glauben, was Du mir da entgegen wirfst. Unfassbar was Du da schreibst, als wäre ich ein Fremder. Doch nachdem ich den Brief wieder und wieder gelesen habe, konnte ich mich nur auf deinen ersten Satz konzentrieren.


Die Parenthese "ganz wie du mich beschreibst" würde ich weglassen, da Einschübe den Lesefluss generell nicht selten behäbiger machen.

LiaPetterson hat geschrieben:Ich weiß nicht, wie ich dein Herz erreichen soll


Kursiv und in Anführungszeichen. Du kannst auch nach "konzentrieren" einen Doppelpunkt machen, dann die Anführungszeichen.

LiaPetterson hat geschrieben:Als ich dich das erste Mal gesehen habe, damals auf dem Rockfestival, Du warst so unglaublich süß in deiner zerrissenen Jeans, deinen von Dreck verklebten Haaren und deinen roten Lippen, die von diesem klebrigen Jenever Monologe hielten. Du hast mein Herz erreicht in all den Jahren, die wir zusammen aufgewacht sind. Du in deinen Kinderschlafanzügen, die so niedlich deinen Hintern zur Geltung bringen. Die vielen Stunden die wir zusammen vor unserer Plattensammlung verbracht haben und vom hundertsten zum tausendsten geredet haben, bis in den Morgengrauen hinein.


Entweder machst Du nach dem Rockfestival einen Punkt, oder du stellst das "Du warst" zu "warst Du" um. "Von Dreck verklebten Haaren", besser einfach nur "dreckigen" oder auch "verklebten". Nimmst Du letzteres, achte darauf Dich nicht zu doppeln. "Jenever Monologe" verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Das orange Markierte gefällt mir sehr gut. Aber vielleicht überlegst Du Dir folgenden Formulierungsvorschlag: "Du hast mein Herz erreicht, in all den Jahren, in denen wir zusammen aufgewacht sind." Oder auch: "über all die Jahre, (...)." Es heißt "vom Hundertsten ins Tausendste", solltest Du die Redewendung meinen. Es ist aber eigentlich überflüssig. Überlass dem Leser das lieber. Das erste "haben" brauchst Du ebenso wenig, um es grammatikalisch richtig zu lassen. Es ist "das" Morgengrauen. Sag besser: "bis in den Morgen hinein". Also: "(...) verbracht und geredet haben, bis in den Morgen hinein". So hört es sich stlistisch um einiges besser an und auch inhaltlch geht nichts verloren.

LiaPetterson hat geschrieben:Du hast mein Herz erreicht immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast.


Ich denke im Präsens kommt es noch besser: "Du erreichst mein Herz, immer wenn Du mir Dein schönstes Lächeln schenkst." Ein schöner Satz nebenbei ;)

LiaPetterson hat geschrieben:Ich liebe Dich, auch wenn ich nachvollziehen kann das ich deine Liebe nicht verdient habe. Du hast Recht, ich bin ein Arsch. All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist, die mich immer aufgefangen hat, die mir immer alles verziehen hat. Und ich Arsch nutze das aus und merke nicht, wie ich den einzigen Menschen damit verletze der mir wirklich etwas bedeutet.


"Ich liebe Dich." "Nachvollziehen"? Also hat sie ihm zuvor gesagt, dass er ihre Liebe nicht verdient habe? Sonst besser: "weiß". Nimm besser "auffing". Den zweiten "Arsch" lass raus.

LiaPetterson hat geschrieben:Es stimmt, wenn ich dich beleidige, dich vor Anderen runter mache oder meine schlechte Laune gnadenlos an dir auslasse, dann hoffe ich insgeheim es würde mir endlich besser gehen. Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, das ich nicht meinen Vater bestrafe sondern dich, meine große und einzige Liebe. Wenn Du dann immer wieder in dieser Wunde herumstocherst mir meine Fehler voller Abneigung vor die Füße wirfst, dann werde ich wütend. Wütend, weil Du mich durchschaut hast und wütend weil ich nicht in der Lage bin mich meinem Erzeuger gegenüber so zu verhalten, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehört. Ihm die Stirn bieten, ihn für alles Verachten was er getan oder eben auch nicht getan hat.


Er hat also Probleme mit seinem Vater, die er an seiner Frau auslässt? Damit gewinnt der Prota an Tiefe. Gut.
Lass die "große und einzige Liebe" raus. Das klingt pathetisch. "Denn ich erkenne, dass ich nicht meinen Vater betrafe, sondern Dich." Unglaublich genialer Satz. Er verdient es auch genial zu enden.

LiaPetterson hat geschrieben:Mit dir wollte ich alt werden (und will es immer noch!!!)


Besser: "Mit Dir will ich noch immer alt werden." Das in der Klammer wirkt sehr unbeholfen.

LiaPetterson hat geschrieben:Doch ich bin schwach und ein Feigling. Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassen musstest immer Du hinhalten. Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigt also muss ich auch demütigen. Fast so wie das geschlagene Kind, das später auch seine Kinder schlägt. Leider war ich nie stark genug mich aus diesem Kreislauf zu befreien, weil ich schwach und ein Feigling bin.


Du siehst: eine Menge Farben! Wenn Du nicht mehr weißt, was sie im Einzelnen bedeuten, schau noch mal oben nach. Den ersten Satz finde ich fantastisch; das sehr umgangssprachliche "Dampf ablassen" hingegen nicht. Es heißt nicht "hinhalten", sondern "herhalten". "Unendlich" klingt zu pathetisch und sagt nicht viel aus. Liebe beinhaltet Unendlichkeit. Sobald die Liebe endlich wird, liebt man auch nicht mehr.
Den Vergleich mit dem "geschlagenen Kind" bedarf es nicht. Den ersten "Kreislauf" kannst Du Dir auch sparen, da er nichtssagend ist, gleichsam der Wiederholung von "schwach" und "Feigling" am Ende.

LiaPetterson hat geschrieben:Auch andere Mütter haben nette Männer und Du hast mehr verdient als so einen selbstgefälligen Arsch. Ich kann deinen Freundinnen nur beipflichten. Du hast auf dieser Welt nur das Beste verdient.


Du meinst "Söhne"? Sonst musst Du anstelle der "Mütter", "Frauen" einsetzen. Der "selbstgefällige Arsch" klingt sehr wehleidig. Ebenso wie der darauffolgende Satz. Ich würde schreiben: "Auch andere Mütter haben nette Söhne, und Du hast nur das Beste verdient."

Verstehst Du? So ist es dichter und aussagekräftig. Alles andere lenkt unnötigerweise ab und ist somit überflüssig.

LiaPetterson hat geschrieben:Ich habe die letzten Jahre nichts dafür getan dich glücklich zu machen und doch bist Du immer noch da. Du bist so unfassbar gütig und kannst mir alles verzeihen. Bis jetzt. Das Fass ist voll, wie man so schön sagt.


Erster Satz ist gut. Alles andere nicht. Gleiches Problem wie zuvor. Streich alles, was nach dem ersten Punkt kommt. Du willst doch nicht, dass der Text sich selbst aller Eindringlichkeit beraubt, oder?

LiaPetterson hat geschrieben:Ich kann gut verstehen, wenn Du die Absicht hast mich zu verlassen. Doch bitte ich dich mir eine letzte Chance zu geben. (Ich weiß die hast Du mir schon oft gegeben). Noch nie habe ich so deutlich erkannt was das Richtige ist. Es ist jetzt wichtig die Vergangenheit aufzuarbeiten. Meine Vergangenheit und unsere Vergangenheit.
Ich möchte dir ein guter Ehemann und Freund sein, so wie Du es verdienst und so wie ich es dir bei unserer Hochzeit versprochen habe.


Guter erster Satz. Die Bitte um eine "letzte Chance" ist überaus klischeehaft. Denkt Dir etwas aus, dass mit diesem Klischee spielt, z. B. "meine letzten Chancen enden nicht, ich weiß." Versprich mir, nie wieder Klammern miteinzubauen!

Sowohl der Satz nach der Klammer, als auch die beiden anknüpfenden Sätze gefallen mir nicht. Der erste, weil er in seiner dortigen Form nichtssagend ist. Die beiden anderen würde ich ebenfalls umformulieren. Allein, dass er einfach so hingeht und beschließt, was wichtig ist und was nicht. Oder, dass er das "meine" vor das "unsere" setzt. Der letzte Satz ist ok.

LiaPetterson hat geschrieben:Meine Vergangenheit werde ich aufarbeiten und hoffe der Mann der dann zum Vorschein kommt ist endlich erwachsen und gefällt dir. Ich möchte für dich der beste Ehemann werden, den es gibt.
Mein Engel, meine Liebe, ich hoffe Du gibst uns noch eine Chance - gibst mir noch eine Chance.



Dieser Absatz ist leider schrecklich. Er ist wehleidig bis zum Anschlag. Verweichlicht. Der erste Satz ist eine dieser Versprechungen, die man immer wieder hört. Der zweite ist nicht besser. Der letzte mitsamt Nachsatz ist betteln vom feinsten. Auch mit der Anrede "Mein Engel, meine Liebe", ähnlich des Briefkopfes, bin ich nicht ganz zufrieden. Hat sie keinen Namen? Einen Spitznamen womöglich? Sowas wie Kati, Steffi, Anna? Der Brief könnte an jede gerichtet sein. Eine Blaupause. "Meine Liebe" hört sich leider Gottes so an, als würdest Du an Deine Tante schreiben. Sei persönlicher!

LiaPetterson hat geschrieben:Ich liebe dich über alles!
Dein Mann


Auch "Dein Mann" ist sehr undeutlich. Schreib einen Namen. Etwas festes. Etwas von Bestand.

Fazit:

Abschließend noch einige Anmerkungen. Ich habe jetzt ganze 3 Stunden damit verbracht mich mit Deinem Text zu beschäftigen. Ich bin gerade auch absolut durch mit Gott und der Welt. Dennoch, was sagt Dir das? Ich hätte nach dem unglücklichen Delete meines ersten Kommentares nicht bei jedem Text nochmal angefangen von Grund auf zu starten. Dein Text ist gut. Er gefällt mir, weil er ehrlich scheint und Charakter besitzt. Es gibt einige Stellen, die ich wundervoll finde. Es gibt aber auch viele Stellen, mit denen Du Dich ein weiteres Mal befassen solltest. Streiche Überflüssiges! Streiche all die Wehleidigkeit! Bedenke bei jedem Satz, um wen es hier geht! Nenn sie beim Namen! Nenn Dich beim Namen!

Du musst zudem stark an Deiner Zeichensetzung arbeiten. Orthographie und Grammatik sind geschenkt.

Vielen Dank für Deinen Text! :wink:

Beste Grüße

Nadim
“Nothing of me is original. I am the combined effort of everyone I've ever known.”

― Chuck Palahniuk, Invisible Monsters
Benutzeravatar
Nadim22
 
Beiträge: 17
Registriert: 07.03.2015, 03:41
Wohnort: Fiore

Re: Brief an die Ehefrau

Beitragvon Weltliebende » 10.06.2015, 22:02

Hallo,
ich will auch mal ein paar Worte zu deinem Brief loswerden.
Vorweg sollte gesagt sein: Ich bin bei Briefen nicht zu kleinlich, was die Formulierungen angeht. Solche Texte sind doch eigentlich sehr impulsiv und aus einem starken Gefühl heraus geschrieben, da wirkt es für mich nur authentischer die Sprache auch so hinzunehmen. Rechtschreibung und Grammatik haben meine Vorposter ja auch schon gut korrigiert, das will ich nicht nochmal machen.
Ein paar Dinge wollen jedoch trotzdem gesagt sein. :)

LiaPetterson hat geschrieben:Du hast mein Herz erreicht! Vom ersten Augenblick an, den wir zusammen sind. Als ich dich das erste Mal gesehen habe, damals auf dem Rockfestival, Du warst so unglaublich süß in deiner zerrissenen Jeans, deinen von Dreck verklebten Haaren und deinen roten Lippen, die von diesem klebrigen Jenever Monologe hielten.

Eine sehr schöne Antwort auf ihr Zitat, dieses "Du hast mein Herz erreicht!". Dann finde ich aber wirkt es etwas unruhig und zusammengestückelt. Wo du doch eigentlich (nehme ich jetzt an) die Zuneigung und romantischen Gefühle zwischen den beiden beschreiben wolltest. Vielleicht überlegst du dir, wie du diesen langen Satz zu mehreren Sätzen aufteilst. So schaffst du etwas mehr "Atempausen". :)

LiaPetterson hat geschrieben:Du hast mein Herz erreicht in all den Jahren, die wir zusammen aufgewacht sind. Du in deinen Kinderschlafanzügen, die so niedlich deinen Hintern zur Geltung bringen. Die vielen Stunden die wir zusammen vor unserer Plattensammlung verbracht haben und vom hundertsten zum tausendsten geredet haben, bis in den Morgengrauen hinein. Du hast mein Herz erreicht immer wenn du mir dein schönstes Lächeln geschenkt hast.

Der erste Satz ist großartig, wunderbar romantisch. :) "Bis in den Morgengrauen" klingt für mich komisch, würde "bis in die Morgenstunden" schöner finden.
Der letzte Satz muss schon irgendwie hier hin, sonst ist die Anapher nicht vollständig, aber irgendetwas fehlt mir am Ausdruck. Sollte es doch eine Steigerung von alledem sein, ein Höhepunkt der Aufzählung. Ich bin mir aber nicht sicher, wie man das lösen könnte. Mein erster Vorschlag wäre auf jeden Fall "immer" gegen "jedes Mal" zu tauschen, für mich klingt das irgendwie besonderer und nicht so selbstverständlich wie ein "immer". Weißt du was ich meine?


LiaPetterson hat geschrieben:Ich liebe Dich, auch wenn ich nachvollziehen kann das ich deine Liebe nicht verdient habe. Du hast Recht, ich bin ein Arsch. All meine Probleme lasse ich an dir aus. Weil Du die Einzige bist, die mich immer aufgefangen hat, die mir immer alles verziehen hat. Und ich Arsch nutze das aus und merke nicht, wie ich den einzigen Menschen damit verletze der mir wirklich etwas bedeutet.

Die Wiederholung von "Arsch" finde ich nicht schön, aber wie gesagt, das ist wohl sehr impulsiv und kann daher so bleiben. Und dann fände ich "den einzigen Menschen, der mir etwas..." schöner, also diese Satzstellung.

LiaPetterson hat geschrieben: Es stimmt, wenn ich dich beleidige, dich vor Anderen runter mache oder meine schlechte Laune gnadenlos an dir auslasse, dann hoffe ich insgeheim es würde mir endlich besser gehen. Doch in Wirklichkeit geht es mir nur noch schlechter, denn ich erkenne, das ich nicht meinen Vater bestrafe sondern dich, meine große und einzige Liebe. Wenn Du dann immer wieder in dieser Wunde herumstocherst mir meine Fehler voller Abneigung vor die Füße wirfst, dann werde ich wütend. Wütend, weil Du mich durchschaut hast und wütend weil ich nicht in der Lage bin mich meinem Erzeuger gegenüber so zu verhalten, wie es sich für einen erwachsenen Mann gehört. Ihm die Stirn bieten, ihn für alles Verachten was er getan oder eben auch nicht getan hat.


Gefällt mir sehr, sehr gut. Da schwingen so viele ehrliche, richtig glaubwürdige Emotionen mit!

LiaPetterson hat geschrieben:Mit dir wollte ich alt werden (und will es immer noch!!!), alles anders machen und die Vergangenheit hinter mich lassen. Doch ich bin schwach und ein Feigling. Anstatt an der richtigen Adresse Dampf abzulassen musstest immer Du hinhalten. Einfach weil Du, mit deiner unendlichen Liebe, immer still gehalten hast. Es scheint ein Kreislauf zu sein. Ich wurde von meinem Vater ständig gedemütigt also muss ich auch demütigen. Fast so wie das geschlagene Kind, das später auch seine Kinder schlägt. Leider war ich nie stark genug mich aus diesem Kreislauf zu befreien, weil ich schwach und ein Feigling bin.

Bitte nur ein Rufzeichen, alles andere ist übertrieben! ;) Den zweiten Satz würde ich ohne "und" besser finden. "Ich bin schwach, ein Feigling", so als Steigerung. Außerdem finde ich das "ständig" im Textfluss unpassend. Der Satz mit dem geschlagenen Kind ist klasse.

LiaPetterson hat geschrieben:Ich kann gut verstehen, wenn Du die Absicht hast mich zu verlassen. Doch bitte ich dich mir eine letzte Chance zu geben. (Ich weiß die hast Du mir schon oft gegeben). Noch nie habe ich so deutlich erkannt was das Richtige ist. Es ist jetzt wichtig die Vergangenheit aufzuarbeiten. Meine Vergangenheit und unsere Vergangenheit.
Ich möchte dir ein guter Ehemann und Freund sein, so wie Du es verdienst und so wie ich es dir bei unserer Hochzeit versprochen habe.

Mein Vorschlag dazu: "Das verdienst du. So habe ich es dir bei unserer Hochzeit versprochen."


Zum Inhalt:
Kompliment, wenn man das so liest, kann man kaum glauben, dass es Fiktion ist. Sehr gefühlvoll geschrieben. Und es weckt auch viele Gefühle. Mitleid und auch irgendwie Misstrauen. Wird er es diesmal schaffen? Oder ist er wie diese Alkoholiker, die nüchtern jedes Mal schwören, ihre Frau nicht mehr zu schlagen? Der Leser will das alles wissen und an dem Punkt ist er auch an der Reihe sich das Ende dieser Geschichte auszumalen. Ich finde den Brief wirklich sehr gelungen. :)

Ich hoffe meine Anmerkungen waren etwas hilfreich,
Liebe Grüße,
Magda
Sometimes people are beautiful
Not in looks
Not in what they say
Just in what they are.
(Markus Zusak)
Benutzeravatar
Weltliebende
 
Beiträge: 21
Registriert: 28.04.2012, 16:04


Zurück zu Romanzen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste