[Humor]Bücher für Mussolini (1/x)

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Bücher für Mussolini (1/x)

Beitragvon Kleckser » 01.05.2014, 04:41

Bücher für Mussolini

Für Kommunisten ist Fahrradfahren ein Himmelfahrtskommando, dachte sich der Junggeselle Guiseppe, als er mit hoher Geschwindigkeit die Via Grappa hinunter sauste. Danach musste er nur noch die Kurve an der Kirchenmauer meistern, dann die Abbiegung zur Via Bertani. Er wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen und trat in die Pedale. Außerdem würden um sieben Uhr die ersten Schulkinder aus den Häusern kommen, auf dem Weg zum Bahnhof für die Fahrt ins Gymnasium. Zur Sicherheit klingelte er alle drei Sekunden, damit er ja keinen auf der Straße umfuhr.
Erschrocken sprangen müde Handwerker zur Seite als er den Kirchplatz passierte. Ein Werkzeugkoffer fiel zu Boden. Metallische Geräusche auf den Boden fallendender Gegenstände drangen an sein Ohr. Flink drehte er sich im Sattel um, und riskierte einen Blick nach hinten. Erkennen konnte er nichts, denn ohne Brille war er blind wie ein Maulwurf. Vorsichtshalber rief er laut um Entschuldigung.
Seit Mussolini an der Macht war, galt er als Staatsfeind Nummer Eins. Nicht, dass er ein überzeugter Marxist war, oder in linkes Gedankengut verstrickt war. Nein, er fühlte sich als normaler Bürger, vielleicht in seinen Träumen als Humanist, aber sicher kein Kommunist.
Es geschah vor zwei Wochen, als ein schicksalhafter Tag ihn zwang, halb blind und von Schutzengeln eskortiert, werktäglich eine halsbrecherische Fahrt durch eine kleine Stadt zu unternehmen.
Schuld war nur die Morgengazette. Wie jeden Tag holte er vor dem Frühstück seine Zeitung aus dem Briefkasten. Mit einer Tasse duftenden Kaffee und der Morgensonne auf dem Frühstückstisch studierte er gebannt das Blatt. Doch diesmal fuhr ihm auf Seite Zwei der Allmächtige in die Glieder, sie zuckten als würde er gleich alle Viere von sich strecken. Dabei schlug er vor Schreck mit dem Fuß gegen ein Tischbein und die Kaffeetasse kam ins Wanken. Reflexartig wollte er sie greifen, doch wie sollte er geschickt sein, wenn man das Gefühl hatte einen Herzinfarkt zu bekommen. Sie flog um und ein großer brauner Fleck breitete sich auf dem Papier aus.
Zuerst kapitulierte er und ließ ihn gewähren, lieber fasste er sich an seine Brust, ob sein Herz noch schlug. Mit flacher Hand spürte er das heftige Pochen unter seinem Hemd. Langsam öffnete er die oberen Hemdknöpfe, als bräuchte der Kolbenhub seines inneren Uhrwerks mehr Raum.
Als er sich langsam beruhigt hatte und ungläubig um Fassung rang, bemerkte er wie der Kaffeefleck sich durch die Zeitung fraß. Schnell hob er sie vom Tisch auf, und rannte hinüber zum Waschtrog, um sie auszuwringen. Doch leider ohne großen Erfolg, denn bis zur Wettervorhersage auf der letzten Seite hatte sich der Fleck durchgefressen; nördlich und südlich der Alpen, von Mitteleuropa nach Italien und von Frankreich bis Polen: überall braunes Wetter.
Nachdem er den Rest seines Kaffees hinuntergeschlürft hatte, ging er mit der immer noch feuchten Zeitung zum Spiegel, schlug nochmal die böse zweite Seite auf und verglich die dortige Abbildung mit sich selbst.
Kein Zweifel, der sieht ja aus wie Ich, dachte er. Dargestellt war eine Karikatur eines Bolschewisten; einem gefürchteten Erzfeind der neuen Regierung: ein alter,hässlicher Mann mit dicken Brillengläsern, der über ein Buch mit dem Titel Kapital gebeugt war. Darunter stand folgenschwerer Text: Der bolschewistische Arbeiter – ein Streber! Mit kaputten Augen und der Nase ständig in falschen Märchen vertieft.
Seit diesem besagten Tag war Guiseppe in den Untergrund gegangen, so wie er es gerne in seiner Phantasie formulierte.
Nein, er wollte kein Staatsfeind sein!
So beschloss er, in der Öffentlichkeit so gut es ging auf seine Sehhilfe zu verzichten. Auf die Bücher konnte er nicht, denn schließlich war er der Bibliothekar der ortsansässigen Bücherei.
So benutzte er einen Trick, trotz starker Kurzsichtigkeit mit dem Fahrrad von seiner kleinen Wohnung aus in die Bücherei zu kommen. Er zählte die Sekunden der einzelnen Fahrmanöver. Minutiös hatte er die Anfahrt geplant. Und er hatte fleißig geübt. Er war nur zwei Minuten langsamer als mit der Sehhilfe. Die Passanten auf der Straße grüßte er erst, nachdem er angesprochen wurde. Anhand ihrer Stimmen konnte er sie meist mit ihrem richtigen Namen zurückgrüßen, dabei winkte er nur auf gut Glück zur richtigen Straßenseite.
„Guiseppe, bist du betrunken, oder träumst du wieder?“, rief eine betagte Frauenstimme die Gasse hinauf. Ihre schrille Stimme fuhr ihm ins Mark.
Die Lehrerin! Nein, ich hab nicht geträumt Frau…
Guiseppe war so sehr über die strenge Stimme seiner ehemaligen Lehrerin erschrocken, so dass er glatt vergaß die Sekunden zu zählen. Er kam aus dem Takt, wusste nicht mehr wie viele Sekunden er bereits gezählt hatte und verlor die Orientierung. Musste er nun abbiegen oder bremsen? Bevor er sich darüber im Klaren war, machte es bereits Rumms! und es hob ihn mit einem Vorwärtssalto vom Drahtesel. Im hohen Bogen landete er in einem Rosenbeet. Wie ein Käfer auf dem Rücken strampelte er in den Hecken herum. Mit zerschundenen Händen griff er in seine Brusttasche und holte die Brille hervor.
Rote Rosen links ,weiße Rosen rechts.
Oh mein Gott, der Rosengarten der Familie Foresti. Das gibt sicher Ärger!
Bei einer Minute und zwölf Sekunden hätte er bremsen und einen leichten Schwenker nach rechts machen müssen, um nicht vom Kurs abzukommen.
Keuchend rappelte er sich aus dem Dornengestrüpp hoch. „Verflixt!“, fluchte er leise. Er fasste sich von hinten in den Schritt und spürte durch ein Loch seine Feinrippunterhose.
Als er bemerkte, wie die Lehrerin auf ihn zusteuerte, kniff er den Hintern zusammen, in der Hoffnung man könnte das Malheur nicht erkennen.
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Re: Bücher für Mussolini (1/x)

Beitragvon fmfk86 » 13.05.2014, 12:51

Hi!

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Es wundert mich, dass es noch keine Kommentare gibt, aber vielleicht finden die meisten nichts zum kritisieren. Ich meckere trotzdem mal, vieles davon ist Geschmackssache und ich würde die Geschichte auch unverändert genießen können.

Für Kommunisten ist Fahrradfahren ein Himmelfahrtskommando, dachte sich der Junggeselle Guiseppe, als er mit hoher Geschwindigkeit die Via Grappa hinunter sauste.



Das ist mal ein erster Satz, der richtig schön scheppert. Er ist kreativ und einzigartig und macht neugierig.




Danach musste er nur noch die Kurve [...] drehte er sich im Sattel um, und riskierte einen Blick nach hinten.

Erkennen konnte er nichts, denn ohne Brille war er blind wie ein Maulwurf. Vorsichtshalber rief er laut um Entschuldigung.



Das würde ich früher erwähnen, dass ist eine wichtige Info über die Sichtweise (im doppelten Sinne :-) ) Guiseppes und macht die ganze Szene von vornherein hektischer und chaotischer.



Seit Mussolini an der Macht war, galt er als Staatsfeind Nummer Eins. Nicht, dass er ein überzeugter Marxist war, oder in linkes Gedankengut verstrickt war. Nein, er fühlte sich als normaler Bürger, vielleicht in seinen Träumen als Humanist, aber sicher kein Kommunist.


Ich würde hier zwischen dem ersten und zweiten Satz keinen Punkt verwenden, der Satz kann inhaltlich nicht gut alleine stehen, aber ist eine Stilfrage, grammatisch ist es natürlich okay. Durch dieses „Nicht“ müsste hier gefühlt nachdem zweiten Satz eine Verbindung kommen (aber, jedoch, sondern etc..) Ich würde mit „Er war weder ein überzeugter Marxist … aber vor zwei Wochen ...“


Es geschah vor zwei Wochen, als ein schicksalhafter Tag ihn zwang, halb blind und von Schutzengeln eskortiert, werktäglich eine halsbrecherische Fahrt durch eine kleine Stadt zu unternehmen.



Das klingt jetzt so, als wäre die Szene am Anfang nie dagewesen. Vom Ausdruck her aber ein starker Satz.




Mit einer Tasse duftenden Kaffee und der Morgensonne auf dem Frühstückstisch studierte er gebannt das Blatt.


Was deine Geschichte unter anderem so bewegend macht, ist der starke Kontrast zwischen Mussolini (böse) und Humor (gut), gerade solche unscheinbaren Sätze verstärken das sehr gut.



denn bis zur Wettervorhersage auf der letzten Seite hatte sich der Fleck durchgefressen; nördlich und südlich der Alpen, von Mitteleuropa nach Italien und von Frankreich bis Polen: überall braunes Wetter.



Hier musste ich laut lachen!


Nachdem er den Rest seines Kaffees [...] Der bolschewistische Arbeiter – ein Streber! Mit kaputten Augen und der Nase ständig in falschen Märchen vertieft.

Seit diesem besagten Tag war Guiseppe in den Untergrund gegangen, so wie er es gerne in seiner Phantasie formulierte.



Die Idee finde ich gut, aber ich würde es noch ein bisschen weiter ausbauen. Eine Karikatur alleine reicht mir irgendwie nicht. Vielleicht bedrängen ihn sofort ein paar Leute, als er aus dem Haus geht, oder ein Kind ruft seiner Mutter zu, dass da der Mann aus der Zeitung kommt etc... Ich würde die Berdohung noch ein wenig realer machen, dass er wirklich nciht anders kann, als ohne Brille Fahrrad zu fahren.



Er zählte die Sekunden der einzelnen Fahrmanöver. Minutiös hatte er die Anfahrt geplant. Und er hatte fleißig geübt. Er war nur zwei Minuten langsamer als mit der Sehhilfe. Die Passanten auf der Straße grüßte er erst, nachdem er angesprochen wurde. Anhand ihrer Stimmen konnte er sie meist mit ihrem richtigen Namen zurückgrüßen, dabei winkte er nur auf gut Glück zur richtigen Straßenseite.

„Guiseppe, bist du betrunken, oder träumst du wieder?“, rief eine betagte Frauenstimme die Gasse hinauf. Ihre schrille Stimme fuhr ihm ins Mark.
Die Lehrerin! Nein, ich hab nicht geträumt Frau…
Guiseppe war so sehr über die strenge Stimme seiner ehemaligen Lehrerin erschrocken, so dass er glatt vergaß die Sekunden zu zählen.



Hier musste ich etwas stolpern, weil du zuerst allgemein beschreibst (wie er es nun JEDEN Tag macht, und dann ist es plötzlich eine Szene, ein ganz bestimmter Tag. Da würde ich noch eine Überleitung einbauen.



Er kam aus dem Takt, wusste nicht mehr wie viele Sekunden er bereits gezählt hatte und verlor die Orientierung. Musste er nun abbiegen oder bremsen? Bevor er sich darüber im Klaren war, machte es bereits Rumms! und es hob ihn mit einem Vorwärtssalto vom Drahtesel. Im hohen Bogen landete er in einem Rosenbeet. Wie ein Käfer auf dem Rücken strampelte er in den Hecken herum.


Hier würde ich nochmal seine Blindheit einbauen, wie er an etwas verschwommenen vorbeifliegt etc...








Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen, der Stil ist flüssig und es scheint eine Menge Kreativität drin zu stecken. Ich denke hier übrigens an die Fahrradszene aus „Das Leben ist schön“, würde mich nicht wundern, wenn du diesen Film auch gesehen hast, ansonsten musst du ihn wohl spätestens jetzt gucken

Ich persönlich verabscheue es übrigens, wenn eine Kurzgeschichte so auf einen „Aha, der Erzähler war ein Hund“-Moment hinausläuft, und so persönlich ist diese Meinung auch nicht. Eine gute Kurzgeschichte braucht so etwas nicht. Bei dir ist es im Ansatz drin, nämlich dass er erst halsbrecherisch hinab fährt, dann erfahren wir, dass er eine Brille bräuchte und nichts sieht, dann erfahren wir, wieso er die Brille nicht mehr aufhat. Wie schon oben geschrieben, würde ich den Leser sofort wissen lassen, dass er gerade blind Fahrrad fährt, und vielleicht schon andeuten, dass er das aus politischen Gründen tut.

Ich denke, die Geschichte ist schon stark genug durch den Charakter Giuseppes und die Atmosphäre Italiens in den 30er Jahren, das würde ich noch versuchen mit ein paar Details auszubauen. Zum Beispiel im ersten Satz, da könnte er eine gepflasterte Straße hinuntersaußen oder durch eine enge, kurvige Gasse etc. Ist natürlich viel Arbeit, da müssen die Adjektive richtig gut gewählt sein. Ich frage mich gerade, wie man die Häuser mit einem einzigen Adjektiv beschreiben könnte, so dass man sofort an so etwas denkt → google bilder suche „Italy alley“). Und natürlich lebt die Geschichte durch den starken Gegensatz einer Diktatur und dem Humor des Alltags.

Eine wirklich gute Geschichte, ich freue mich schon auf den nächsten Teil und will mal wieder nach Italien :-)
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Re: Bücher für Mussolini (1/x)

Beitragvon VernonDure » 12.12.2014, 23:22

Hallo, Kleckser!

Ein rasante Geschichte, die von Überraschungsmomenten lebt! fmfk86 hat ja schon Einiges dazu geschrieben, daher von mir nur Kleinigkeiten:

Die Wortwiederholung "kommen" würde ich vermeiden ... und den Hinweis mit den Schulkindern verdeutlichen:
Er wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen und trat in die Pedale. Außerdem würden um sieben Uhr die ersten Schulkinder aus den Häusern kommen, auf dem Weg zum Bahnhof für die Fahrt ins Gymnasium.

Er wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen. Daher trat er in heftig die Pedale. Außerdem würden um sieben Uhr die ersten Schulkinder aus den Häusern drängen und, auf dem Weg zum Bahnhof für die Fahrt ins Gymnasium, die Straßen verstopfen

Warum ist er beim Lesen der Tageszeitung "gebannt"? Und wenn ihm "Diesmal" der Allmächtige in die Glieder fuhr, lief das ja wohl bisher recht normal?
Mit einer Tasse duftenden Kaffee und der Morgensonne auf dem Frühstückstisch studierte er gebannt das Blatt

Mit einer Tasse duftenden Kaffees und der Morgensonne auf dem Frühstückstisch studierte er genüßlich/ zufrieden/ gelangweilt wie immer/ ... das Blatt

Wortwiederholung (langsam), "ungläubig um Fassung ringen", nachdem er sich beruhigt hatte?
Langsam öffnete er die oberen Hemdknöpfe, als bräuchte der Kolbenhub seines inneren Uhrwerks mehr Raum.
Als er sich langsam beruhigt hatte und ungläubig um Fassung rang, bemerkte er wie der Kaffeefleck sich durch die Zeitung fraß.
Langsam öffnete er die oberen Hemdknöpfe, als bräuchte der Kolbenhub seines inneren Uhrwerks mehr Raum.
Er rang um Fassung. Erst er sich beruhigt hatte, bemerkte er, wie der Kaffeefleck sich durch die Zeitung fraß.


Komma vergessen?
So beschloss er, in der Öffentlichkeit so gut es ging auf seine Sehhilfe zu verzichten.

So beschloss er, in der Öffentlichkeit so gut es ging, auf seine Sehhilfe zu verzichten.

... so dass er glatt vergaß die Sekunden zu zählen.

... so dass er glatt vergaß, die Sekunden zu zählen.

Finde ich so sinnfälliger.
... in der Hoffnung man könnte das Malheur nicht erkennen

... in der Hoffnung, so könne man das Malheur nicht erkennen

Fortsetzungen Deiner wunderbaren Erzählung dankend erbeten!
Herzliche Grüße
»Vernon Dures Fantastische Welten« berichten über eigene und andere interessante Bücher.
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Re: Bücher für Mussolini (1/x)

Beitragvon DrJones » 14.12.2014, 16:12

Hallo Kleckser,

Dein Stil gefällt mir ganz gut. An manchen Stellen hakt es.

Lass mich Deinen Text so zusammenfassen:

Guiseppe fährt Fahrrad ohne Brille, obwohl er eigentlich dringend eine bräuchte.
Wir haben eine Rückblende, die erklärt, dass er die Brille abgelegt hat, da nach ihm gesucht
wird. Dann geht es wieder in die Gegenwart. Es wird erklärt, wie Guiseppe es dennoch schafft,
seinen Weg zu finden. Allerlei drollige - aber nicht wirklich lustige Begebenheiten, wie ich finde -
passieren auf seinem Weg. Er wird dann doch erkannnt und gegrüßt.

Klingt für mich noch nicht ganz schlüssig.

Zum einzelnen:


Kleckser hat geschrieben:Bücher für Mussolini

Für Kommunisten ist Fahrradfahren ein Himmelfahrtskommando, dachte sich der Junggeselle Guiseppe, als er mit hoher Geschwindigkeit die Via Grappa hinunter sauste.

Okay, ist eher eine auktoriale Perspektive...

Danach musste er nur noch die Kurve an der Kirchenmauer meistern, dann die Abbiegung zur Via Bertani. Er wollte nicht zu spät zur Arbeit kommen und trat in die Pedale. Außerdem würden um sieben Uhr die ersten Schulkinder aus den Häusern kommen, auf dem Weg zum Bahnhof für die Fahrt ins Gymnasium. Zur Sicherheit klingelte er alle drei Sekunden, damit er ja keinen auf der Straße umfuhr.

Hier denke ich mir: okay, er fährt wie ein Henker. Nimmt also Unfälle bewußt in Kauf. Dann klingelt er,
um auch ja keinen umzufahren. Ist er ein Zyniker, ein Einfaltspinsel, ein Volltrottel?


Erschrocken sprangen müde Handwerker zur Seite als er den Kirchplatz passierte.

Klingt unplausibel. Ich würde das "müde" weglassen.

Ein Werkzeugkoffer fiel zu Boden. Metallische Geräusche auf den Boden fallendender Gegenstände drangen an sein Ohr.

Boden, Boden ... fallen, fallen. "auf den Boden fallender Gegenstände" besser streichen.


Flink drehteer sich im Sattel um, und riskierteeinen Blick nach hinten. Erkennen konnte er nichts, denn. Ohne Brille war er blind wie ein Maulwurf. Vorsichtshalber Laut rief er um Entschuldigung.
Seit Mussolini an der Macht war, galt er als Staatsfeind Nummer Eins.

Äh? Und dann ist er draußen noch unterwegs? Da würde ich mich doch verstecken...
Okay, wird bestimmt bald geklärt...


Nicht, dass er ein überzeugter Marxist war, oder in linkes Gedankengut verstrickt war. Nein, er fühlte sich als normaler Bürger, vielleicht in seinen Träumen als Humanist, aber sicher kein Kommunist.

Und jetzt kommt die Rückblende. Sie ist auch notwenig, um sein seltsames Verhalten zu erklären...

Es geschah vor zwei Wochen, als ein schicksalhafter Tag ihn zwang, nunmehr halb blind und von Schutzengeln eskortiert, werktäglich (was soll das denn?) eine halsbrecherische Fahrt durch eine kleine Stadt zu unternehmen.
Schuld war nur die Morgengazette gewesen. Wie jeden Tag hatte er an dem besagten Tag vor dem Frühstück seine Zeitung aus dem Briefkasten geholt.

Du musst Dir überlegen, wie Du und in welcher Zeit Du das schreiben möchtest.

Mit einer Tasse duftenden Kaffee und der Morgensonne auf dem Frühstückstisch studierte er gebannt das Blatt. Doch diesmal fuhr ihm auf Seite Zwei der Allmächtige in die Glieder. sie zuckten als würde er gleich alle Viere von sich strecken. Dabei schlug er vor Schreck mit dem Fuß gegen ein Tischbein und die Kaffeetasse kam ins Wanken. Reflexartig wollte er sie greifen, doch wie sollte er geschickt sein, wenn man das Gefühl hatte, einen Herzinfarkt zu bekommen. Sie Die Tasse flog um und ein großer brauner Fleck breitete sich auf dem Papier aus.

Sehr gut. Kaffeebraun = Faschismus. Breitet sich aus wie ein Fleck. :D :D :D

Zuerst kapitulierte er und ließ ihn gewähren, lieber fasste er sich an seine Brust, ob sein Herz noch schlug.

Nicht so plausibel. Wenn man denkt, man bekäme einen Herzinfarkt, was hat ein Fleck
dann noch für eine Bedeutung?!


Mit flacher Hand spürte er das heftige Pochen unter seinem Hemd.

Ja, denn er hat ja einen Herzinfarkt, oder? :roll: Eventuell würde ich den Begriff "Herzinfarkt"
erst nach den Symptomen kommen lassen. Show don't tell...


Langsam öffnete er die oberen Hemdknöpfe, als bräuchte der Kolbenhub seines inneren Uhrwerks mehr Raum.

An sich, genial diese Formulierung! :D Dramatische Frage: Hat er einen Ingenieursberuf? Du sendest mit diesem
Bild natürlich auch bestimmte Signale...


Als er sich langsam beruhigt hatte undnun ungläubig um Fassung rang,

Wieso sollte er sich beruhigen?! Total unlogisch.

bemerkte er wie der Kaffeefleck sich nach und nach durch die Zeitung fraß. Schnell hob er sie vom Tisch auf, und rannte ging hinüber zum Waschtrog, um sie auszuwringen. Doch leider ohne großen Erfolg, denn bis zur Wettervorhersage auf der letzten Seite hatte sich der Fleck durchgefressen; nördlich und südlich der Alpen, von Mitteleuropa nach Italien und von Frankreich bis Polen: überall braunes Wetter.

Seehr schön, diese Anspielungen!! :D :D

Nachdem er den Rest seines Kaffees hinuntergeschlürft hatte,

Den Kaffee hatte er ausgekippt! Den gibt es für mich nicht mehr.

ging er mit der immer noch feuchten Zeitung zum Spiegel, schlug nochmal die böse zweite Seite auf und verglich die dortige Abbildung mit sich selbst.
Kein Zweifel, der sieht ja aus wie ich, dachte er. Dargestellt war eine Karikatur eines Bolschewisten; einem gefürchteten Erzfeind der neuen Regierung: ein alter,hässlicher Mann mit dicken Brillengläsern, der über ein Buch mit dem Titel Kapital gebeugt war. Darunter stand folgenschwerer Text: Der bolschewistische Arbeiter – ein Streber! Mit kaputten Augen und der Nase ständig in falschen Märchen vertieft.

Großes Fragezeichen bei mir. Der sieht aus wie er. Er hält sich selbst aber nicht für politisch.
Warum denkt er, dass man nach ihm sucht? Geht in den Untergrund? Unlogisch. Frage: Ist der Prota paranoid?!


Seit diesem besagten Tag war Guiseppe in den Untergrund gegangen, so wie er es gerne in seiner Phantasie formulierte.

Ist er das? Er fährt doch immer noch mit dem Fahrrad rum! Wird gegrüßt. Grüßt selbst.
Verstehe ich überhaupt nicht!


Nein, er wollte kein Staatsfeind sein!
So beschloss er, in der Öffentlichkeit so gut es ging auf seine Sehhilfe zu verzichten. Auf die Bücher konnte er nicht, denn schließlich war er der Bibliothekar der ortsansässigen Bücherei.

Und dieser Arbeit geht er noch nach. Okay. Jetzt verstehe ich es vielleicht:
Er möchte nicht in irgendeinen Verdacht geraten. Oder?


So benutzte er einen Trick, trotz starker Kurzsichtigkeit mit dem Fahrrad von seiner kleinen Wohnung aus in die Bücherei zu kommen. Er zählte die Sekunden der einzelnen Fahrmanöver. Minutiös hatte er die Anfahrt geplant. Und er hatte fleißig geübt. Er war nur zwei Minuten langsamer als mit der Sehhilfe. Die Passanten auf der Straße grüßte er erst, nachdem er angesprochen wurde. Anhand ihrer Stimmen konnte er sie meist mit ihrem richtigen Namen zurückgrüßen, dabei winkte er nur auf gut Glück zur richtigen Straßenseite.

Witzige Idee, wie er seinen Weg doch schafft! Gefällt mir sehr! :)

„Guiseppe, bist du betrunken, oder träumst du wieder?“, rief eine betagte Frauenstimme die Gasse hinauf. Ihre schrille Stimme fuhr ihm ins Mark.
Die Lehrerin! Nein, ich hab nicht geträumt Frau…
Guiseppe war so sehr über die strenge Stimme seiner ehemaligen Lehrerin erschrocken, so dass er glatt vergaß die Sekunden zu zählen. Er kam aus dem Takt, wusste nicht mehr wie viele Sekunden er bereits gezählt hatte und verlor die Orientierung. Musste er nun abbiegen oder bremsen? Bevor er sich darüber im Klaren war, machte es bereits Rumms! und es hob ihn mit einem Vorwärtssalto vom Drahtesel. Im hohen Bogen landete er in einem Rosenbeet. Wie ein Käfer auf dem Rücken strampelte er in den Hecken herum. Mit zerschundenen Händen griff er in seine Brusttasche und holte die Brille hervor.
Rote Rosen links ,weiße Rosen rechts.

Einfach großes Kopfkino! Super! :D

Oh mein Gott, der Rosengarten der Familie Foresti. Das gibt sicher Ärger!
Bei einer Minute und zwölf Sekunden hätte er bremsen und einen leichten Schwenker nach rechts machen müssen, um nicht vom Kurs abzukommen.
Keuchend rappelte er sich aus dem Dornengestrüpp hoch. „Verflixt!“, fluchte er leise. Er fasste sich von hinten in den Schritt und spürte durch ein Loch seine Feinrippunterhose.

Nettes Detail, dass das ganze etwas realistischer machen kann.


Als er bemerkte, wie die Lehrerin auf ihn zusteuerte, kniff er den Hintern zusammen, in der Hoffnung man könnte würde das Malheur nicht erkennen.



Ein recht durchwachsener Text, der auf den beiden Seiten von "Mittelmaß" in die Extreme ausschlägt.
Es gibt - meiner Meinung nach; und ich kann mich leicht irren! - toootal unplausible Sachen in Deinem
Text. Es kann alles an dem verschrobenen Charakter liegen, der mir wie ein Schelm vorkommt. Ist das der
Ausschnitt aus einem Schelmenroman? Guiseppe lebt sehr in seiner eigenen Welt und fühlt sich von
den Faschisten verfolgt, nur weil er so aussieht wie die Abbildung eines Bolschewisten. Hm, okay.
Die extremen Ausschläge in Deinem Text in positiver Richtung sind eher sprachlich. Also das "wie".
Inhaltlich fand ich den Text jetzt nicht so überzeugend. Du müsstest vieles nachliefern, um die Sachen
zu erläutern.

Viele Grüße,

DrJones
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