[SciFi]Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

[SciFi]Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

Beitragvon dadazinga » 07.08.2014, 19:45

Version Nummer 2 und viel hat sich verändert. Wie angekündigt, beginne ich nun mit dem Mord. Ich bin von der 3. in die 1. Person gewechselt und der Handlungsort ist jetzt auch eine nicht näher benannte Großstadt (was aber noch nicht wichtig ist). Der Prota wird genau wie in Version 1 irgendwann die Hallen von Butterfly Inc. betreten und seinen Mord rückgängig machen wollen. Das sind die ersten 1000 Worte. Version 1 befindet sich hinter dem Spoiler am Ende.

Viel zu spät – und um genau zu sein – erst als ich das warme Blut laufen sah, merkte ich meinen riesengroßen Irrtum. Ich umklammerte das Messer wie ein Rettungsseil, so als würde das Beiseitelegen die schreckliche Tat erst abschließen. Ihr Gesicht war in einem Ausdruck des Entsetzens erstarrt. So als hätte sie es nicht geschafft, das Wort „Warum?“ über ihre Lippen zu bringen, bevor sie für immer verstummte. Ihr rotes, warmes Blut rann aus der tiefen Bauchwunde. Ich starrte und starrte und schaffte es nicht meine falschen Erwartungen mit der Realität abzugleichen. Nein, das war ganz und gar nicht was passieren sollte. Ich war auf Kühlerflüssigkeit oder in sich zusammenbrechende Schaltkreise vorbereitet, aber nicht auf das. Vor mir lagen die sterblichen Überreste eines Menschen. Schlimmer noch, es waren die Überreste meines Menschen, meiner Frau May. Nach einiger Zeit, die sich anfühlte wie eine Ewigkeit, traf mich die Erkenntnis wie ein Hurricane. Mein Magen verkrampfte sich schlagartig und ich kotzte auf die Küchenfliesen, gleich neben die Blutlache meiner Frau. Die Reste des Abendessens, das May tags zuvor gekocht hatte, das Frühstück, dann Magensaft und Galle. Mein Körper versuchte offenbar sich selbst auszukotzen. Ich hatte meine Frau umgebracht. Als nächstes packte mich die Wut und ich schlug die Kücheneinrichtung kurz und klein. Besteck flog in hohem Boden durch die Luft, Teller und Tassen zersprangen auf dem Boden und vermischten sich mit dem Blut und dem Erbrochenen zu einem besonders widerwärtigem Eintopf. Physisch und psychisch am Ende sank ich in mich zusammen. Keinem Gericht auf dieser Welt hätte ich glaubhaft vermitteln können, dass ich meine Frau für einen Roboter gehalten hatte. Herr Richter, ich dachte meine Frau wäre ein entflohener Android. Was hätte ich tun sollen?
Nein, ich glaubte nicht, dass ich damit davon kommen würde.

Alles nahm seinen Anfang als ich vor knapp einem Jahr online einen alten Artikel fand: Immer noch keine Spur von A-FM-21 – Polizei fahndet nach entlaufenem Androiden.
„May, komm mal her, guck dir das an!“. Ich fand es unglaublich witzig, dass das Foto des Androiden fast so aussah wie May. Er war zwar blond und stark geschminkt, aber die Gesichtszüge waren auffällig May-artig.
„Schatz, bitte verschone mich mit noch mehr witzigen Tiervideos. Später vielleicht, ja?“
„Aber dieser komische Schickimicki-Roboter hier sieht genauso aus wie du!“, lachte ich. Die Pause bevor sie mit Tomatensoße bekleckert in unser Schlafzimmer kam, war einen Moment zu lang. Einen derartigen Gesichtsausdruck hatte ich bei ihr noch nie gesehen. Auch wenn der Ausdruck in einem Sekundenbruchteil wieder verschwunden war, sah sie doch so aus als ob sie dem Geist der vergangen Weihnacht begegnet wäre.
„Ha, naja, sieht eher aus wie Barbie auf Crack. Oder sehe ich für dich etwa aus wie Barbie auf Crack?“. Trotz ihrer scherzhaften Stimme, schaffte sie es nicht, mir dabei in die Augen zu sehen. Ich wälzte diese Szene immer wieder in meinem Kopf hin und her. Warum hatte sie auf einen harmlosen Scherz so merkwürdig reagiert. Oder hatte sie das gar nicht und ich interpretierte viel zu sehr in ihre Gesichtszüge hinein. Immerhin sah der Android wirklich wie sie aus. Ich wäre wahrscheinlich auch zuerst überrascht, wenn eine künstliche Version von mir irgendwo auftauchte.

Doch die Geschichte des A-FM-21 ließ mir keine Ruhe. Eigentlich kam die „normale“ Bevölkerung nie in Kontakt mit solchen technischen Spielereien. Jeder wusste, dass sie existierten, aber besitzen würden wir sie nie. Nachdem 2028 das menschliche Genom entschlüsselt wurde, gelang es der Wissenschaft, angeblich mit Quantencomputern, ein recht real erscheinendes Abbild zu kreieren. Die Firma namens Butterfly Inc. wurde binnen weniger Jahre zum größten und mächtigsten Hersteller synthetischer Organismen. Ihr künstliches Pflanzenmaterial war inzwischen Standard, bedeckte einen Großteil der Häuserfassaden und gedeihte, wo echte Pflanzen niemals zu finden wären. Das Patent für die Androiden hielten sie unter Verschluss. Niemand wusste wirklich, wie es gelang ein künstliches Wesen zu kreieren, welches in Erscheinung und Verhalten nicht von echten Menschen zu unterscheiden war. Diese Exklusivität erlaubte es allerdings auch nur den Megareichen der Welt, sich einen Androiden zuzulegen. Statistiken zeigten, dass besonders Top-Manager der größten Unternehmen zu den Käufern gehörten. Ich konnte mir nur zu gut denken, dass diese Menschen keine Zeit für reale Beziehungen hatten und sich mit einer Robo-Gespielin zufrieden gaben. Wenn man Studien Glauben schenken darf, befinden sich unter Geschäftsleuten ohnehin die meisten Psychopathen, sodass es denen wahrscheinlich sowieso egal ist, ob der Sexpartner ein Mensch ist oder nicht.

Dass nur die Obersicht je einen echten Androiden gesehen hatte, lag vor allen auch daran, dass sie so programmiert waren. Sie mussten so loyal sein wie ein Hund, oder besser, wie ein Staubsauger. Denn mehr waren sie eigentlich nicht. Programmierte Roboter, um dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe gerecht zu werden. Umso erschrockener war ich, als einer dieser Androiden verschwand und trotz Ortungsfunktion unauffindbar war.
Es war ein waschechter Krimi. Einer, den nur das 21. Jahrhundert hervorbringen konnte. Schnell merkte ich, dass ich nicht der einzige war, der fasziniert von der Geschichte des A-FM-21 war. Ganze Internetseiten, Foren, Stammtische und private Detektivgruppen befassten sich mit dem Rätsel ihres Aufenthalts. Ich lernte, dass sie von den Anhängern verschiedener Theorien „Ellen“ genannt wurde, nach Alan Turing, der einen Test entwickelte, um festzustellen, ob Maschinen ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen besitzen. Mich faszinierte der Gedanken, dass es unter uns jemanden gab, der genauso aussah und sich verhielt wie ein Mensch, aber dennoch keiner war. Dass es ein künstliches Wesen schaffte, sich erfolgreich unter die Menschheit zu mischen, und damit theoretisch jeder ein Android sein könnte, gab mir Gänsehaut. Was mussten wir schon von den Praktiken der Butterfly Inc. Mein Arbeitskollege, mein Chef, der Typ aus dem Fast-Food Laden um die Ecke – alle könnten künstliche Intelligenzen sein. Wir glaubten, dass Ellen der erste Android war, der sich selbst verbessern konnte. Der erkannt hatte, dass er sich nicht an die Programmierung halten musste. Echte Singularität. Ich hätte meine Faszination gerne geteilt, doch May hatte mein Interesse an Ellen und ihrem Aufenthaltsort von Anfang an missbilligt. [...]

Spoiler: Anzeigen
Das ist der Beginn des ersten Teils einer Reihe von Kurzgeschichten, die sich alle um die Butterfly Inc. drehen und sich auch an manchen Stellen überschneiden sollen. Das ist zumindest der Plan. Mit dieser bin ich fast durch. Was ihr hier lest ist nur der Anfang.

Eine großer Unsicherheit ist, ob ich schneller enthüllen sollten, worum es geht und was das Geheimnis von Xiong ist.


Butterfly Inc.

„Willkommen bei Butterfly Inc. Was kann ich für Sie tun?“, flötete die Rezeptionistin als Xiong Su durch die Aufzugstür kam. Seine Ohren schmerzten von dem rasanten Aufstieg über Dutzende Stockwerke und das Neonlicht des Empfangsraums blendete ihn.
„Ähm…ähm…“, stammelte er und blickte ängstlich umher als würde er auf einem fremden Planeten gelandet sein.
„Hallo, Mister? Was kann ich für Sie tun?“ wiederholte die Rezeptionistin unbeirrt fröhlich. Sie schien überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass er schweißgebadet und mit rot und braun beflecktem Hemd vor ihr stand. Er fühlte sich so deplatziert wie ein Notausgang auf einer Raumstation.
„Ich“, er atmete tief durch, „ähm, mein Name ich Xiong Su und ich brauche eine...Paratime?“ Er war sich nicht sicher ob er das letzte Wort richtig benutzt hatte oder es überhaupt existierte. Aber immerhin hatte er diesen Ort gefunden, der nun definitiv kein urbaner Mythos war. Alles, was er für möglich gehalten hatte, kippte in einem Gefühl extremen Lampenfiebers nicht unähnlich.
„Sehr gerne. Bitte füllen Sie diesen Fragenbogen aus und nehmen Sie im Wartezimmer Platz bis Sie aufgerufen werden“. Immer noch überwältigt nahm Xiong Kurs auf eine Sitzgruppe aus weiß lackierten Plastikstühlen. Diese wurden von leicht glimmenden Topfpflanzen eingerahmt, welche eine angenehm natürliche Atmosphäre schafften. Er nahm gegenüber einer gutaussehenden Frau mittleren Alters Platz, die eine dunkle Sonnenbrille trug, mit den Fingern auf ihrem Schoß trommelte und gelegentlich auf ihre Armbanduhr schielte. Sonst war der Wartesaal leer.

„Mr. Xiong, bitte Raum A“ sagte eine Stimme aus dem Lautsprecher. Endlich, dachte Xiong, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und folgte den hellblau leuchtenden Wegweisern in den zugeteilten Raum A. Erst als er durch den Flur ging, dessen gläserne Fassade den Blick auf ein strahlendes Hochhäusermeer und tiefe Straßenschluchten freigab, beruhigte er sich das erste Mal seit Stunden. Von hier oben sah Hong Kong gar nicht mehr so bedrohlich aus. Xiong spürte wieder dieses lampenfieberartige Kribbeln im Bauch, diesmal jedoch überwiegte Vorfreude, statt Angst und ein Gefühl der Erhabenheit machte sich breit.

Der Raum am Ende des Flures übertraf die Erhabenheit des Ausblicks noch einmal um ein Vielfaches. Der nahezu runde Raum lag wie ein Erker an der Außenfassade des Wolkenkratzers. Die 360°-Sicht über die Stadt war schlicht unwirklich. Xiong hatte noch nie einen so perfekt designten Raum gesehen.
„Ich werde nie müde die Reaktion unserer Klienten zu beobachten. Das erinnert mich daran, wie ich selbst zum ersten Mal hier oben stand. Beeindruckend, nicht wahr?“ Aus dem hinteren Teil des Raumes trat ein Mann zu Xiong ans Fenster, den er zuvor nicht bemerkt hatte. Sein warmes Lächeln hatte eine verdammt beruhigende Wirkung und war ekelerregend vertrauenserweckend. Verfluchtes Charisma, dachte Xiong, konnte sich aber nicht wirklich dagegen wehren, den Mann sympathisch zu finden.

„Bitte, nehmen Sie doch Platz, Mr. Xiong. Möchten Sie etwas zu trinken von der Bar? Ein frisches Hemd vielleicht? May wird ihnen bringen, was sie möchten.“ Xiong verneinte. Er wollte nun endlich zum Punkt kommen. Denn sollte das alles doch eine teure Schwindelei sein, musste er sich schließlich schnell etwas anderes ausdenken.

„Gut, dann kommen wir zum Anlass ihres Besuches“, sagte der Mann, der sich sogleich als Dr. Anselm Horky vorstellte.
„Wie Sie auf dem Fragebogen angegeben haben, sind Sie Xiong Su, 37 Jahre alt und verheiratet.“
„Korrekt“, antwortete Xiong, erleichtert, dass es endlich losging.
„Sie möchten…“, hier stutzte Dr. Horky kurz und setzte seine Lesebrille ab: „Sehen Sie, wir können Sie nicht in der Zeit zurück oder vor schicken. Wir haben viele Anfragen dieser Art und ich versuche immer wieder zu erklären, dass alle Quanten-Universen nach der gleichen Uhr ticken. Natürlich kann ich ein Universum finden, in dem Hitler nie einen Krieg angezettelt hat. Aber ich kann Sie nicht nach 1939 schicken, um ihn selbst aufzuhalten. In jedem Fall landen Sie in einer Welt, in der der Zweite Weltkrieg wie wir ihn kennen, nie stattgefunden hat. Vorausgesetzt Sie wurde in dieser Welt überhaupt geboren.“
Dr. Horkys Gesichtsausdruck war zutiefst freundlich. Nichts ließ darauf schließen, dass er diese Rede wahrscheinlich schon oft abgespult hat. Xiong war enttäuscht und verwirrt. Er verstand nichts von Quantenphysik, Zeitreisen, Multiversen und dergleichen. Sein Wissen um die Butterfly Inc. beschränkte sich auf einen feucht fröhlichen Abend unter Kollegen, bei dem einer seiner Begleiter von einem Ort erzählte, der einem erlaubte alle Fehlentscheidungen im Leben wieder rückgängig zu machen. Das war lange bevor er seine Frau umbrachte und nun tatsächlich einen Reset-Knopf für sein Leben brauchte. [...]
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel)

Beitragvon wermann » 07.08.2014, 20:04

Hallo.

Wie üblich sind meine Anmerkungen subjektiv zu verstehen und beharren nicht auf Richtigkeit.

und blickte ängstlich umher als würde er auf einem fremden Planeten gelandet sein.


"würde...gelandet sein", klingt etwas seltsam. Vielleicht: als wäre er auf einem fremden Planeten gelandet?

Er fühlte sich so deplatziert wie ein Notausgang auf einer Raumstation


gefällt mir und amüsiert mich :)

kippte in einem Gefühl extremen Lampenfiebers nicht unähnlich


klingt mir etwas holprig. "kippte in ein Gefühl extremen Lampenfiebers."

statt Angst und ein Gefühl der Erhabenheit machte sich breit.
Der Raum am Ende des Flures übertraf die Erhabenheit des Ausblicks noch einmal um ein Vielfaches.


Wortwiederholung "Erhabenheit". Fällt gerade bei derart selten verwendeten Worten extrem auf.

ekelerregend vertrauenserweckend


dieses Gefühl kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ist das nun etwas positives oder negatives?
Aufgrund des danach stehenden Satzes, soll es wohl positiv sein. Ekelerregend ist aber hart negativ dafür.

wir können Sie nicht in der Zeit zurück oder vor schicken


vorwärts klingt mir hier logischer.

In jedem Fall landen Sie in einer Welt, in der der Zweite Weltkrieg wie wir ihn kennen, nie stattgefunden hat.


Das klingt für mich so, als hätte der zweite Weltkrieg in sämtlichen Paralleluniversen nicht stattgefunden?


Fazit: Bis auf diese Kleinigkeiten durchaus interessant und vielversprechend. Bin gespannt, wie es weitergeht.
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel)

Beitragvon VictoriaDohle » 08.08.2014, 16:03

Hallo dadazinga,

gern schreibe ich dir meine Eindrücke deines Geschichtenanfangs.

Sie schien überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass er schweißgebadet und mit rot und braun beflecktem Hemd vor ihr stand.
Das mit dem befleckten Hemd und dem Schweiß würde ich (anders formuliert) an den Anfang der Geschichte stellen. Dein erster Satz ist nicht sonderlich spannend und wirft keine Frage auf, der mit den Flecken und dem Schweiß aber schon.

Er fühlte sich so deplatziert wie ein Notausgang auf einer Raumstation.
Dieser Satz hat mich aus dem Lesefluss gerissen, weil ich angefangen habe, darüber nachzudenken, warum es dort keine Notausgänge geben soll. Ich weiß zwar, was du meinst, aber ich denke auch eine Raumstation hat etliche Notausgänge. Und zwar von großen öffentlichen Räumen in die dahinter liegenden Flure z.B. Oder die Fluchtkapseln, die den gleichen Zweck erfüllen. Außerdem ist ein Notausgang eine Sache und hat keine Gefühle, daher passt der Vergleich nicht.

mein Name ich Xiong Su und ich brauche eine...Paratime?
"mein Name ist Xiong Su und ich brauche eine ... Paratime?" Wenn die sprechende Figur nicht von jemandem oder etwas unterbrochen wird, gehört vor und nach den Punkte jeweils ein Leerzeichen.

Alles, was er für möglich gehalten hatte, kippte in einem Gefühl extremen Lampenfiebers nicht unähnlich.
Der Satz macht so keinen Sinn. Lies ihn dir nochmal durch ;-)

Bitte füllen Sie diesen Fragenbogen aus und nehmen Sie im Wartezimmer Platz bis Sie aufgerufen werden
"bis Sie aufgerufen werden" würde ich weglassen, das macht den Satz holprig und erübrigt sich, weil das haben Wartezimmer so an sich, dass man irgendwann aufgerufen wird.

Immer noch überwältigt nahm Xiong Kurs auf eine Sitzgruppe aus weiß lackierten Plastikstühlen.
Mir ist nicht klar, was ihn so überwältigt. Hier wäre es schön, wenn du mir viel mehr zeigen würdest. Und bevor er auf die Plastikstühle zusteuern kann müsste er erst mal den Weg ins Wartezimmer zurücklegen. Wie sieht es denn überhaupt dort aus? Du gibst mir leider keine Infos, wo ich mich befinde. Wie riecht es dort? Was für Geräusch nimmt er wahr? Wie sieht es aus? Ist es warm oder kalt?

Diese wurden von leicht glimmenden Topfpflanzen eingerahmt, welche eine angenehm natürliche Atmosphäre schafften.
Du behauptest, dass es eine angenehm natürliche Atmosphäre ist. Aber kannst du das auch beweisen? ;-) Sprich: zeig mir, was genau diese Atmosphäre schafft. Topfpflanzen ist viel zu nichtssagend. Was für Pflanzen genau? Wie sehen die Blätter aus? Wie ist das Glimmen? Hell oder dunkel? Rot oder grün? Wabert es, flimmert es, ist es gleichbleibend? All das will ich als Leser wissen, um diese Atmosphäre zu spüren.

und folgte den hellblau leuchtenden Wegweisern in den zugeteilten Raum A.
Auch hier gehst du zu schnell vor, finde ich. Was sind denn das genau für Wegweiser? Wo befinden sie sich? Auf dem Boden, an der Wand, an der Decke? Sind es Schilder? Leuchtende Pfeile? Oder blinkt etwas?

Von hier oben sah Hong Kong gar nicht mehr so bedrohlich aus.
Das wir uns in Hongkong befinden, gehört nach meinem Empfinden gleich in den ersten Absatz.

Xiong spürte wieder dieses lampenfieberartige Kribbeln im Bauch, diesmal jedoch überwiegte Vorfreude, statt Angst und ein Gefühl der Erhabenheit machte sich breit.
Erstens kannst du auch das lieber zeigen, anstatt es nur zu behaupten und zweitens kann ich das nicht nachvollziehen. Warum reagiert er so? Es ist nicht so sinnvoll, den Leser rätseln zu lassen, was die Hauptfigur angeht. Da wir in ihrem Kopf stecken, wissen wir auch alles was sie weiß. Also warum plötzlich dieser Gefühlsumschwung? Wenn du möchtest, dass ich mit deinem Protagonisten die Geschichte erlebe, dann solltest du mich mehr an ihm teilhaben lassen. So entlockt es mir nur ein lahmes Schulterzucken und ist langweilig.

Die 360°-Sicht über die Stadt war schlicht unwirklich.
Warum? Was sieht er denn? Es ist eine Science-Fiction-Geschichte ... noch weiß ich nicht, in welcher Zeit sie spielt. Auch das wäre schön, möglichst gleich am Anfang zu erfahren. Sehe ich das heutige Hong Kong oder ein ganz anderes?

Xiong hatte noch nie einen so perfekt designten Raum gesehen.
Auch dieser Satz lässt mich vollkommen kalt. Führe mich durch den Raum, zeige mir zwei oder drei spezifische Details, das was den Raum zu so einem perfekten Design macht.

Verfluchtes Charisma, dachte Xiong, konnte sich aber nicht wirklich dagegen wehren, den Mann sympathisch zu finden.
Warum will er sich denn dagegen wehren? Xiong ist für mich bis jetzt ein einziges Rätsel. Wenn du mich mehr an seinen Gedanken teilhaben ließest, dann könnte ich seine Reaktionen vielleicht besser nachvollziehen. Und ich muss sie nachvollziehen können, wenn du möchtest, dass ich mich mit deiner Figur identifiziere. Dass ich mich von ihr durch die Geschichte führen lasse.

„Wie Sie auf dem Fragebogen angegeben haben, sind Sie Xiong Su, 37 Jahre alt und verheiratet.“
Welcher Fragebogen? Du hast nichts davon erwähnt, dass er etwas an der Rezeption abgegeben hat oder im Wartezimmer etwas ausgefüllt hat. Es wäre schön, wenn du noch ergänzen würdest, woher plötzlich dieser Fragebogen kommt.

Ich würde nicht die ganze Zeit so ein Geheimnis daraus machen, was Xiong eigentlich will. Dass er eine Zeitreise machen will könntest du gerne weit früher einfließen lassen. Ich lese gerne über eine Figur, die ein konkretes Ziel hat, weil ich dann wissen will, ob sie es erreicht. Denk dran: wir stecken in seinem Kopf, alles was er weiß, wissen wir als Leser auch ;-)

„Wie Sie auf dem Fragebogen angegeben haben, sind Sie Xiong Su, 37 Jahre alt und verheiratet.“
„Korrekt“, antwortete Xiong, erleichtert, dass es endlich losging.
Das ist überflüssiger Infodump. Weil der Dr. weiß was auf dem Fragebogen steht, ebenso wie Xiong. Warum also das nochmal erwähnen? Macht kein Mensch.

Vorausgesetzt Sie wurde in dieser Welt überhaupt geboren.
"Vorausgesetzt Sie wurden in dieser Welt überhaupt geboren." Das finde ich unlogisch. Wenn er sich in eine andere Welt versetzen lässt, dann ist es doch völlig irrelevant, ob es dort ein Pendant von ihm gibt. Oder tauscht er den Körper mit dem anderen ich? Er will also nicht nur eine Zeitreise machen sondern gleichzeitig noch in eine Parallelwelt? Es wäre toll, wenn du das klarer herausstellen würdest.

Dr. Horkys Gesichtsausdruck war zutiefst freundlich.
Zeig mir doch sein Gesicht, dann kann ich mich selbst davon überzeugen. Wie sieht jemand aus, der freundlich blickt?

Xiong war enttäuscht und verwirrt.
Auch das lässt mich völlig kalt, weil ich gar nicht weiß, was sein Ziel ist und warum er was auch immer will. Also kann ich auch nicht nachvollziehen, warum er jetzt enttäuscht ist.

Sein Wissen um die Butterfly Inc. beschränkte sich auf einen feucht fröhlichen Abend unter Kollegen, bei dem einer seiner Begleiter von einem Ort erzählte, der einem erlaubte alle Fehlentscheidungen im Leben wieder rückgängig zu machen. Das war lange bevor er seine Frau umbrachte und nun tatsächlich einen Reset-Knopf für sein Leben brauchte.
Diese Information hätte ich gerne gleich am Anfang gehabt. Dann wäre es viel spannender. Ich würde gleich wissen wollen, ob er es schafft und könnte dann seine Enttäuschung vielleicht sogar nachvollziehen. Wobei müsste er nicht mehr als enttäuscht sein? Aber was für ihn auf dem Spiel steht enthältst du uns leider vor.

Eine großer Unsicherheit ist, ob ich schneller enthüllen sollten, worum es geht und was das Geheimnis von Xiong ist.
Auf jeden Fall solltest du alles schneller enthüllen. In deiner Geschichte passiert eigentlich nichts. Nichts, was ich lesenswert finde, weil ich eben nicht weiß, warum er dort ist wo er ist und was ihn dazu motiviert. Aber das muss ich wissen, wenn ich deine Geschichte mit Spannung lesen soll. Wenn sie mich berühren und mitreißen soll.

Deine Geschichte hat Potential, reißt mich aber noch nicht mit. Zeig mir am Anfang gleich, worum es geht und was auf dem Spiel steht. Und bring mehr Farbe in deinen Text. Zeige mir, wie es dort aussieht, wo er sich befindet. Lass mich an seinen Gedanken teilhaben. Dann wird es gleich viel lebendiger.

Ich hoffe, du kannst ehrliche Kritik vertragen. :-) Einen Blick in Jackys Blog und in den einen oder anderen Schreibratgeber zu werfen kann ich dir noch als Tipp geben. Schau mal unter dem Stichwort "Show, don't tell" nach, auch hier im Forum wirst du dazu einiges finden. Einfach mal die Suche bemühen. Wenn du das dann in deinem Text an der einen oder anderen Stelle beherzigst, dann hängen die Leser an deinen Buchstaben. ;-)

Gruß,
Victoria
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel)

Beitragvon Justin » 10.08.2014, 18:56

Hallo - hier mein Senf dazu...

Die Idee, die dahinter (die man dahinter vermutet/erhofft) macht neugierig und das gefällt mir.

Wie meine beiden Vorredner schon sagten, rennst du so schnell durch die Kulissen, dass man als Leser dich nicht folgen kann. Du erklärst den Leser nicht wo oder wann er sich befindet und baust keine Atmosphäre in der Geschichte auf. Genauso gut, könnte Xiong mit Zahnschmerzen auf den weg zum Zahnarzt sein. Dies musst du in den ersten Sätzen schaffen. So was wie:

Xiong spürte ein flaues Gefühl im Magen sowie ein Poppen in den Ohren als der Turbolift ihn wie eine Rakete Sekunden schnell über fünfzig Stockwerke hoch über den zwanzig-Millionen-Metropole von Hong Kong katapultierte. Er hob die Hand schützend vor den Augen als die Lifttüren mit einem leisen Zischen aufglitten und die kleine Kabine in einem grellen Licht tauchte. Xiong nahm vorsichtig einen Schritt vor und erstarrte. Er wollte gleich zurück in den Lift springen, aber die Türen glitten gleich wieder zu. Er war gefangen und panisch schaute er schnell um sich nach Gefahren. Wer in den schmutzigen Straßenschluchten von Hong Kong lebte war immer auf den Hut, denn Diebe, Mörder, Polizisten und noch Schlimmeres waren in dem Molloch allgegenwärtig. Der Raum, in den ihn der Lift ausgeschüttet hat schien eine Art Empfang zu sein. Als seine Augen, die an dem Dämmerlicht der Smog umhüllte Stadt gewohnt waren, sich auf die grelle Beleuchtung des Raumes umstellte, erkannte er langsam die Details des Raumes. Die Wände waren makellos weiß gestrichen. Der Boden war mit einem dicken Teppich in zartem Grau belegt. Es lag kein Mull, Dreck oder sonstiges Unrat um. Nicht einmal Urinflecken waren zu sehen. Alles wirkte neu und sauber aus und Xiong war seine schmutziges Aussehen auf einen Schlag bewusst.

Erneut fuhr er zusammen als er eine hübsche Frau hinter einer Glastheke entdeckte. Die adrett angezogene Rezeptionistin lächelte ihn an und wartete geduldig auf ihn. Anscheinend war sie so ein verwirrtes Benehmen gewohnt. Xiong bemühte sich auch um ein Lächeln aber so ein unnatürlicher Gesichtsausdruck war ihm mehr als fremd.
"Willkommen bei Butterfly Inc. Was kann ich für Sie tun?" sagte sie und behielt ihr lächeln bei. Dabei merkte Xiong, dass ihre Zähne weiß und gleichmäßig waren. Er fuhr mit der Zunge über seine eigene Stummeln und nickte nur ihre Begrüßung zurück.

Okay, ich wollte nicht die ganze Geschichte neu schreiben aber einfach andeuten, wie man den Leser in die Geschichte hineinführt, dass er weiß welche Stimmung du als Schreiber anschlagen möchtest.

Das aus dem Weg, versuche ich auf ein paar andere Kleinigkeiten einzugehen. Die meisten sind schon angesprochen worden, denn sie fallen sehr stark auf.

Die Andeutung auf andere Planeten sowie Notausgang am Raumstation verstehe ich nicht ganz. Klar sind wir bei Rubrik "Sci-Fi" aber zunächst, sehe ich keine Verbindung mit Raumschiffe und Ähnliches. Versuche lieber ein Vergleich zu schaffen, dass man mit der vorhandenen Information eine Deutung auf die Zeit, Gefühl oder Ähnliches zu bringen, die du als Schreiber rüber bringen möchtest.

Die Frau im Wartezimmer erinnert mich an Audrey Heppburn in Breakfast at Tiffanies. Sie scheint die Situation vertraut zu sein aber der Anblick von Xiong, der dreckig, abgehetzt und verschwitzt ist, lässt ihr kalt. Warum Xiong vor ihr aufgerufen worden ist, verstehe ich nicht und warum sie nicht protestiert noch weniger.

„Mr. Xiong, bitte Raum A“ sagte eine Stimme aus dem Lautsprecher. Endlich, dachte Xiong, wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und folgte den hellblau leuchtenden Wegweisern in den zugeteilten Raum A.

"Endlich"? Ich hatte nicht den Eindruck, dass Xiong überhaupt lange warten müsste. Wenn es so ist, solltest du ihn Zeit geben über alles nachzudenken bzw. um alles genau anzuschauen um den Leser den Eindruck zu geben, dass viel Zeit vergangen ist.

Von hier oben sah Hong Kong gar nicht mehr so bedrohlich aus.

Dieser Satz hat mich veranlasst, deine Anfang anders zu überarbeiten. Anscheinend kennt Xiong diese Welt hier oben nicht und tatsächlich nur die bedrohliche Welt unten. Das halte ich für sehr wichtig, den Leser, diese Bedrohung als Atmosphäre gleich zu zeigen/beschreiben.

Xiong hatte noch nie einen so perfekt designten Raum gesehen.

Ich bin Architekt, ich liebe Raumbeschreibungen!! Mach dir die Augen zu und versuche mit deiner Beschreibungen von Personen, Räumen und Städten was vorzustellen. An die Beschreibung der Wegweiser musste ich an den alten Star Treck Serie denken - mit Spannplatten und billig blinkenden Lichtern.

Sein warmes Lächeln hatte eine verdammt beruhigende Wirkung und war ekelerregend vertrauenserweckend. Verfluchtes Charisma, dachte Xiong, konnte sich aber nicht wirklich dagegen wehren, den Mann sympathisch zu finden.

Naja, da hatten bisher jeder mit dieser Beschreibung Probleme gehabt... Wenn du aber vorher eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen kann, wo nichts sicher ist und Gefahr überall lauert, dann kann so was auf Xiong sehr suspekt wirken.

„Bitte, nehmen Sie doch Platz, Mr. Xiong. Möchten Sie etwas zu trinken von der Bar?

Ach, gab es Stühle und ein Bar in dem Raum?! - muss ich wohl verpasst haben als ich von dem Ausblick verblendet war... :wink:

Er wollte nun endlich zum Punkt kommen. Denn sollte das alles doch eine teure Schwindelei sein, musste er sich schließlich schnell etwas anderes ausdenken.

Warum? Du musst uns nicht die ganze Spannung vorwegnehmen und alles verraten, aber du kannst uns Xiongs innerliche Anspannung, Angst, Verzweiflung zeigen. Für solche Plaudereien hat er gar keine Zeit mehr. Wenn das ganze nicht klappt, dann ist sowie so alles verloren....

Sein Wissen um die Butterfly Inc. beschränkte sich auf einen feucht fröhlichen Abend unter Kollegen, bei dem einer seiner Begleiter von einem Ort erzählte, der einem erlaubte alle Fehlentscheidungen im Leben wieder rückgängig zu machen. Das war lange bevor er seine Frau umbrachte und nun tatsächlich einen Reset-Knopf für sein Leben brauchte. [...]

Ein sehr weit gespannter Bogen oder? Ein Chinese in Hong Kong der Zukunft und er will Hilter toten/stoppen um den Mord an seiner Frau, den er selber begangen hat, rückgängig zu machen...?

Reichte es nicht einfach aus zurück nach letzter Woche zu reisen um das wieder gut zu machen? Ich meine, dass du einiges zu erklären hast wenn du weiter schreiben willst.

Fazit:

Die Idee finde ich spannend.
Viel mehr Atmosphäre/Stimmung schaffen:
Dass der Mann ängstlich ist, kann ich nur erahnen, weil du sagst, dass er ängstlich ist.
Dass der Raum cool aussieht, kann ich nur erahnen, weil du sagst, dass der Raum cool aussiehst.

Bis jetzt - Außer die Zeitreisemöglichkeit - und sie ist sehr schwach - habe ich kein Gefühl mich in ein "Sci-Fi" Roman zu befinden.

Am Ender der Geschichte/Prolog, sollst du viel mehr Dialog mit Dr. Horky (?) einbauen. Hier könntest du einiges klären und die ganze Geschichte Spannung geben, dass man Lust hat weiter zu lesen um herauszufinden, was du für eine Vision der Zukunft uns zeigen willst, warum Xiong seine frau getötet hat und was diese Zeitreise an sich hat - und natürlich was das alles mit Hitler zu tun hat :D

LG Justin
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel)

Beitragvon dadazinga » 10.08.2014, 22:09

Hallo an alle, die so fleißig kommentiert und kritisiert haben. Ich bin im Moment dabei, das ganze komplett neu zu überarbeiten und auch mehr Struktur hineinzubringen. Ich sehe ich muss noch viel lernen.

@Victoria

Das mit dem befleckten Hemd und dem Schweiß würde ich (anders formuliert) an den Anfang der Geschichte stellen. Dein erster Satz ist nicht sonderlich spannend und wirft keine Frage auf, der mit den Flecken und dem Schweiß aber schon.

In meiner neuen Version steht der Mord an der Frau ganz am Anfang. Ich hoffe das wird besser.

Dieser Satz hat mich aus dem Lesefluss gerissen, weil ich angefangen habe, darüber nachzudenken, warum es dort keine Notausgänge geben soll. Ich weiß zwar, was du meinst, aber ich denke auch eine Raumstation hat etliche Notausgänge. Und zwar von großen öffentlichen Räumen in die dahinter liegenden Flure z.B. Oder die Fluchtkapseln, die den gleichen Zweck erfüllen. Außerdem ist ein Notausgang eine Sache und hat keine Gefühle, daher passt der Vergleich nicht.

Da über diesen Vergleich mehrere Leute gestolpert sind, komt der raus ;)

Der Satz macht so keinen Sinn. Lies ihn dir nochmal durch

Damit war ich selbst nicht zufrieden. Ihr seid echt gut :D

Mir ist nicht klar, was ihn so überwältigt. Hier wäre es schön, wenn du mir viel mehr zeigen würdest. Und bevor er auf die Plastikstühle zusteuern kann müsste er erst mal den Weg ins Wartezimmer zurücklegen. Wie sieht es denn überhaupt dort aus? Du gibst mir leider keine Infos, wo ich mich befinde. Wie riecht es dort? Was für Geräusch nimmt er wahr? Wie sieht es aus? Ist es warm oder kalt?

Da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dass ich dem Leser nicht zu viel text zumuten will. Das heißt ich versuche mich die ganze Zeit aufs Wesentliche zu beschränken. In meinem Kopf ist die Welt natürlich viel ausgefeilter, ich habe aber Angst mit zu vielen Beschreibungen zu langweilen. Ich versuche das in der zweiten Version etwas ausführlicher zu gestalten.

Ich lese gerne über eine Figur, die ein konkretes Ziel hat, weil ich dann wissen will, ob sie es erreicht. Denk dran: wir stecken in seinem Kopf, alles was er weiß, wissen wir als Leser auch

Das hoffe ich damit zu lösen, dass die Geschichte beim Mord beginnt. Dadurch kennt der Leser von Anfang an seine Gründe und Motivation.

Vorausgesetzt Sie wurden in dieser Welt überhaupt geboren." Das finde ich unlogisch. Wenn er sich in eine andere Welt versetzen lässt, dann ist es doch völlig irrelevant, ob es dort ein Pendant von ihm gibt. Oder tauscht er den Körper mit dem anderen ich? Er will also nicht nur eine Zeitreise machen sondern gleichzeitig noch in eine Parallelwelt? Es wäre toll, wenn du das klarer herausstellen würdest.

Das bezieht sich auf das hypothetische Beispiel von Dr. Horky. Ja, er tauscht den Körper mit dem anderen Ich. Das kommt eigentlich später in der Geschichte. Aber wie gesagt, der Aufbau wird nochmal geändert.

@Justin

Das ist etwas entmutigend, wenn jemand daher kommt und einfach so eine bessere Version der eigenen Geschichte aus dem Ärmel zaubert. Bitte versteh das nicht als Kompliment, sondern als Kritik an wenig konstruktiver Kritik :? Allerdings ist alles, was du schreibst berechtigt...naja fast ;)

Sie scheint die Situation vertraut zu sein aber der Anblick von Xiong, der dreckig, abgehetzt und verschwitzt ist, lässt ihr kalt. Warum Xiong vor ihr aufgerufen worden ist, verstehe ich nicht und warum sie nicht protestiert noch weniger.

Echt? Das kam rüber, als ob die das kalt lässt? Ich dachte das trommeln mit den Fingern und schielen auf die Uhr zeigen, dass sie nervös ist. Der Absatz der dazwischen ist, sollte auch andeuten, dass Zeit vergangen ist und die Frau in der Zwischenzeit auch vor ihm aufgerufen wurde. Ich denke leider viel zu sehr in Filmbildern und vergesse dabei, das das geschrieben wahrscheinlich nicht so rüberkommt wie ein Schnitt im Film.

Wenn es so ist, solltest du ihn Zeit geben über alles nachzudenken bzw. um alles genau anzuschauen um den Leser den Eindruck zu geben, dass viel Zeit vergangen ist.

Eigentlich ermutigend zu hören, dass ich ruhig mehr Beschreibungen einbauen kann. Ich habe immer Angst das sowas schnell langweilt. (Tut es wahrscheinlich auch wenn's schlecht geschrieben ist)

Anscheinend kennt Xiong diese Welt hier oben nicht und tatsächlich nur die bedrohliche Welt unten. Das halte ich für sehr wichtig, den Leser, diese Bedrohung als Atmosphäre gleich zu zeigen/beschreiben.

Richtig. Werde ich beherzigen.

Ein sehr weit gespannter Bogen oder? Ein Chinese in Hong Kong der Zukunft und er will Hilter toten/stoppen um den Mord an seiner Frau, den er selber begangen hat, rückgängig zu machen...?

Ohje, nein nein nein, ganz falsch verstanden. Das Hitler-Ding war nur ein Beispiel von Dr. Horky um das Prinzip zu erklären. Xiong will nichts mit Hitler anstellen :D Das war nicht meine Intention. Mist.

arum Xiong seine frau getötet hat und was diese Zeitreise an sich hat - und natürlich was das alles mit Hitler zu tun hat

Der Mord an der Frau kommt in meiner neuen Version ganz an den Anfang, Zeitreisen an sich gibt es auch nicht. Nur Paralleluniversen. Ich dachte, das hätte ich im Hitler-Beispiel deutlich gemacht :cry:
Die ganze Sache hat nichts mit Hitler zu tun :D

Off to the writing desk....
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel)

Beitragvon RayhamGreen » 12.08.2014, 12:24

Servus dadazinga,


ich war länger nicht mehr hier, habe mir aber vorgenommen doch nochmal deinen Text zu lesen und die Kritik zu überfliegen.

Es wurde ja bereits viel, ausführlich und durchaus konstruktiv kritisiert, aber auch das sind häufig nur persönliche Meinungen und ich habe hin und wieder eine Andere.

Deine Charaktere hast du schon schon ganz gut hingekriegt. Ich kann mich in Xiong hineinversetzen und spüre förmlich seine Anspannung und Aufgeregtheit. Auch, dass ihm nach der Turboliftfahrt körperlich nicht ganz wohl ist passt in das Gesamtbild.


Sein warmes Lächeln hatte eine verdammt beruhigende Wirkung und war ekelerregend vertrauenserweckend. Verfluchtes Charisma, dachte Xiong, konnte sich aber nicht wirklich dagegen wehren, den Mann sympathisch zu finden.


Diesen Abschnitt fand ich sehr gut auch, wenn ich etwas über das verdammt gestolpert wird. Doch kann ich mir Dr. Horky dadurch schon recht gut vorstellen.

Abgesehen von den beiden Personen fehlt mir, wie meinen Vorrednern auch so ein bisschen die Atmosphäre im Raum.



Er fühlte sich so deplatziert wie ein Notausgang auf einer Raumstation.

Da über diesen Vergleich mehrere Leute gestolpert sind, komt der raus ;)


Das finde ich persönlich schade, da ich mich beim lesen wirklich über den meiner Meinung nach gelungenen Vergleich gefreut habe.


Auch fand ich wurde die Spannung in der Geschichte davon getragen, dass ich mich gefragt habe, warum der Protagonist in einer so blankpolierten Umgebung so verdreckt und verschwitzt umherirrt. Ich habe schon geahnt, das die braun-roten Flecken Blut seien könnten und wollte unbedingt wissen, was ihm denn schlimmes passiert ist bzw. was er grausames getan hat. Diese Information kannst du uns, wenn es nach mir ginge sogar noch länger vorenthalten, als du es bereits tust.

Das war lange bevor er seine Frau umbrachte und nun tatsächlich einen Reset-Knopf für sein Leben brauchte


Denn auch das war mir ein wenig zu abrupt. Von daher bin ich gespannt, wie du Spannung in die Geschichte bringst, wenn du wirklich den Mord an den Anfang setzt.

In meiner neuen Version steht der Mord an der Frau ganz am Anfang.



Auch ich habe anfangs gedacht, er wollte Hittler stoppen, da durch ihn in der Zukunft, also deiner Gegenwart noch irgendetwas schlimmes passiert ist, was deinen Protagonisten betrifft.
Mir wurde zwar klar, dass es sich nur um einen Vergleich handelte, als ich erfuhr, dass er den Mord an seiner Frau rückgängig machen wollte, ich würde es aber in dieser Situation jedoch bei der Information belassen, dass er eine Fehlentscheidung gemacht hat.

Natürlich kann ich ein Universum finden, in dem Hitler nie einen Krieg angezettelt hat. Aber ich kann Sie nicht nach 1939 schicken, um ihn selbst aufzuhalten. In jedem Fall landen Sie in einer Welt, in der der Zweite Weltkrieg wie wir ihn kennen, nie stattgefunden hat. Vorausgesetzt Sie wurde in dieser Welt überhaupt geboren.


Einen Vergleich wie diesen würde ich aber auf jeden Fall drin lassen, da er verdeutlicht, wie das Prinzip der Paralleluniversen funktioniert, jedoch ist Hittler immer sehr heikel.
Die Erfahrung habe ich selber schon machen müssen, als ich einen Charakter sagen ließ, dass 'unter Hittler auch nicht alles schlecht und grausam war', um zu verdeutlichen, dass Menschen Vorurteile haben, weil es ihnen einfach so beigebracht wird. Nach dem Motto: Hittler => alles Scheiße. Später wurde mir aufgrund dieser Aussage vorgeworfen, mein Protagonist sei ein Nazi.



Im Großen und Ganzen darfst du gerne mehr ins Detail gehen und dem Leser einen genaueren Eindruck von der Umgebung vermitteln, jedoch würde ich den Ablauf gar nicht so großartig verändern.
Ich bin einerseits gespannt, wie es weitergeht, andererseits aber auch, wie du die neue Anordnung der Geschehnisse realisierst.
Also auf jeden Fall Grund genug um dran zu bleiben.


Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.

MfG Rayham Green
Ich könnte dir deine Überlebenschancen ausrechnen, aber du wärst nicht begeistert.
-Marvin
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

Beitragvon Justin » 21.08.2014, 02:35

So Dadazinga,

das ist natürlich ganz was anders als Version 1 - Respekt!
Du hast gleich vom ersten Satz Spannung, Neugier und Faszination geschafft. Mit wenigen Worten weiß der Leser, dass er in der Zukunft ist und dass es Technologie gibt, die man in der Zukunft erwarten, erhoffen, furchten wurde.

Ich war sehr begeistert von der Überarbeitung aber um noch mehr aus der Geschichte zu holen, gebe ich dir dennoch ein paar Anregungen als Denkstoff.

Als Xiong seine Küche zertrümmert, kannst du vielleicht ein wenig mehr vom Raum beschreiben, um den Leser einen Eindruck der Wohnsituation, Wohlstand(Armut), Lebensumstände in deiner Zukunft zu zeigen.

""Viel zu spät – und um genau zu sein – erst als ich das warme Blut laufen sah, merkte ich meinen riesengroßen Irrtum. Ich umklammerte das Messer wie ein Rettungsseil, so als würde das Beiseitelegen die schreckliche Tat erst abschließen.""

Ich gehe davon aus, dass Xiong seine Frau geliebt hat aber hier vermisse ich echte Emotionen - Sowas wie Wut, Angst, Panik etc. Die Passage halte ich für viel zu schwach für die Situation. Das mit dem "erst abschließen" finde ich sprachlich nicht so klar oder verständlich.

Du bringst dann Dialog mit May ins Spiel um die Vorgeschichte um den entlaufenen Androiden zu klären. Ich würde den Still beibehalten um ihre Reaktion zu zeigen anstatt nur zu sagen, dass sie verärgert war. Das würde auch ein wenig May als Figur darstellen sowie die Beziehung zwischen Xiong und May erläutern.

Genauso kannst du in dem Streitgespräch erklären warum Xiong so von dem Androiden fasziniert ist.

Dieses Mal werde ich keine Vorschläge machen, wie so was aussehen könnte... :wink: Aber dennoch, möchte dich an den Kritik aus der ersten Version erinnern wenn du an der Geschichte weiter arbeitest. Zeigen anstatt zu erzählen, mehr beschreiben und Dialog.

Ich freue mich schon auf ein weiteres Teil der Geschichte und bin gespannt, ob es genauso gut weitergeht wie bisher.

LG Justin
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

Beitragvon dadazinga » 21.08.2014, 12:59

Da freue ich mich, dass du eine Verbesserung siehst.

Du bringst dann Dialog mit May ins Spiel um die Vorgeschichte um den entlaufenen Androiden zu klären. Ich würde den Still beibehalten um ihre Reaktion zu zeigen anstatt nur zu sagen, dass sie verärgert war. Das würde auch ein wenig May als Figur darstellen sowie die Beziehung zwischen Xiong und May erläutern.

Genauso kannst du in dem Streitgespräch erklären warum Xiong so von dem Androiden fasziniert ist.


Super, super. Genauso so geht es nämlich weiter. Mit Dialog, Streitgespräch und Darstellung der Beziehung. Leider war die 1000 Wörter Grenze erreicht und ich konnte nicht mehr vom Text zeigen.

Ich kann deine anderen Tipps auch sehr gut nachvollziehen. Werde ich berücksichtigen.
dadazinga
 
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

Beitragvon Feindesland » 22.08.2014, 14:41

Hallo,

folgendes ist mir aufgefallen.

Viel zu spät – und um genau zu sein – erst als ich das warme Blut laufen sah, merkte ich meinen riesengroßen Irrtum.


Ich finde der Satz ist zu lang. Auch ist das sind die Adjektive überflüssig. Besonders "riesengroß" scheint mir nicht die Sache zu treffen. Man sagt "eine riesengroße Dummheit". Das töten seiner Ehefrau aus versehen ist aber mehr als eine Dummheit. Ich würde schrecklich oder grausam bevorzugen. Ich bin grundsätzlich dafür Adjektive zu vermeiden. Bei mir würde der Satz so lauten: Erst als ich das Blut laufen sah, bemerkte ich meinen Irrtum.

Ich umklammerte das Messer wie ein Rettungsseil, so als würde das Beiseitelegen die schreckliche Tat erst abschließen


Ich würde das "erst" umsetzen. ", so als würde erst das Beiseitelegen
Ich finde der Satz ist dann leichter zu verstehen

Ihr rotes, warmes Blut

Warum doppelt? Frisches Blut ist ohnehin immer warm und rot. Die Wörter sind nur Füllwörter.

starrte und starrte

Einmal starren ist genug.

es waren die Überreste meines Menschen,

Ist sie sein Besitz?

verkrampfte sich schlagartig

Ohne schlagartig finde ich es besser

auf dem Boden und vermischten sich mit dem Blut und dem Erbrochenen zu einem besonders widerwärtigem Eintopf

Mit dem was man schreibt, steuert man die Kamera im Kopf des Lesers. Hier machst du eine Nahaufnahme des Blutes und des Erbrochenen. Warum? Ist das wichtig das das widerwärtig ist?

Keinem Gericht auf dieser Welt hätte ich glaubhaft vermitteln können, dass ich meine Frau für einen Roboter gehalten hatte. Herr Richter, ich dachte meine Frau wäre ein entflohener Android.

Das stimmt. Das glaubt kein Gericht. Was mich stört. Ist ihm seine Frau egal? Er scheint nur Angst zu haben das er ins Gefängnis muss. Falls ihm seine Frau gleichgültig ist, so ist hier natürlich alles in Ordnung.

Alles nahm seinen Anfang als ich vor knapp einem Jahr online einen alten Artikel fand: Immer noc

Das ist eine sehr lange und frühe Rückblende. Ich würde die aus verschiedenen Gründen vermeiden.
1. Stören Rückblenden den Lesefluss. Gerade am Anfang finde ich sie störend.
2. Die Spannung wird gebrochen, weil du erklärst was los ist. Muss das so früh sein? Der Mann hat seine Frau getötet. Anscheinend aus versehen. Das das irgendwann erklärt wird, ist dem Leser klar. Ich würde die Geschichte erstmal laufen lassen.

Nachdem 2028 das menschliche Genom entschlüsselt wurde,

Das menschliche Genom wurde bereits entschlüsselt. Siehe: Genom-Projekt.

Wenn man Studien Glauben schenken darf, befinden sich unter Geschäftsleuten ohnehin die meisten Psychopathen, sodass es denen wahrscheinlich sowieso egal ist, ob der Sexpartner ein Mensch ist oder nicht.

Hier schreibst du plötzlich im Präsens.

Umso erschrockener war ich, als einer dieser Androiden verschwand und trotz Ortungsfunktion unauffindbar war.

Ich nehme an, das er geflohen ist. Ansonsten wäre verschwinden nichts besonderes. Es könnte ja auch sein, das er gestohlen wurde.

Echte Singularität

Verstehe ich nicht.

Noch weiß der Leser nicht, wie es zu dem Missverständnis kam. Da bin ich mal gespannt.
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Re: Butterfly Inc. (Arbeitstitel) *Version 2*

Beitragvon CraX » 12.09.2014, 10:06

Hallo dadazingda,

zur überarbeiteten Version:
Die erste Version hatte ich auch irgendwann gelesen, hatte aber keine rechte Lust, sie zu kritisieren, die war mir ehrlich gesagt zu belanglos.

Viel zu spät – und um genau zu sein – erst als ich das warme Blut laufen sah, merkte ich meinen riesengroßen Irrtum.

Hier fängt es gleich ganz anders an! Guter Einstieg!

Ich umklammerte das Messer wie ein Rettungsseil, so als würde das Beiseitelegen die schreckliche Tat erst abschließen.

Leicht kompliziert ausgedrückt, musste es zweimal lesen. „Rettungsseil“ passt auch bildlich gar nicht zu „Messer“. Vergleiche sollten sich doch etwas mehr ähneln.

Ihr Gesicht war in einem Ausdruck des Entsetzens erstarrt. So als hätte sie es nicht geschafft, das Wort „Warum?“ über ihre Lippen zu bringen,

Hier sehe ich zwei unterschiedliche Ausdrücke des Gesichts, die nicht unbedingt dasselbe darstellen: Entsetzt und Erstaunt. Letzteres ist eher fragend und verblüfft, ersteres von Angst und Panik gezeichnet.

... bevor sie für immer verstummte.

Das kann man wegnehmen, wirk wie eine überflüssige Phrase. Der Leser hat schon verstanden, dass sie tot ist.

Ich starrte und starrte und schaffte es nicht (Komma) meine falschen Erwartungen mit der Realität abzugleichen. Nein, das war ganz und gar nicht (Komma) was passieren sollte.


Vor mir lagen die sterblichen Überreste eines Menschen. Schlimmer noch, es waren die Überreste meines Menschen, meiner Frau May.

Das doppele „meines/meiner“ und „Menschen“ würde ich wegnehmen.

Nach einiger Zeit, die sich anfühlte wie eine Ewigkeit,

... kann man vielleicht kürzer und flüssiger ausdrücken:
Nach einer endlosen Minute ...
Nach einem endlosen Moment der Erstarrung ...


Mein Magen verkrampfte sich schlagartig und ich kotzte auf die Küchenfliesen, gleich neben die Blutlache meiner Frau. Die Reste des Abendessens, das May tags zuvor gekocht hatte, das Frühstück, dann Magensaft und Galle.

„Kotzen“ klingt etwas primitiv. Die beiden Sätze würde ich auch ein wenig umstellen, damit der Zynismus besser rauskommt. (Küchenfliese mit Bodenfliesen spezifizieren, sonst könnte man zunächst denken, er kotzt an die Wand. Abendessen und Frühstück ist etwas zuviel des Guten):
Mein Magen krampfte sich zusammen, ich übergab die Reste des Abendessens, das May tags zuvor gekocht hatte, zusammen mit Magensaft und Galle auf die Bodenfließen der Küche, wo es sich mit der Blutlache meiner Frau vermischte.

Mein Körper versuchte offenbar sich selbst auszukotzen.

„offenbar“ ist überflüssig, aber eigentlich finde ich den ganzen Satz überflüssig. Du hast alles schon gesagt.

Als nächstes packte mich die Wut und ich schlug die Kücheneinrichtung kurz und klein.

„Als nächstes ...“, das klingt so wie ein Laufzettel: „Nachdem ich A getan hatte, kam jetzt B noch dran“. Diese Wut kommt nach der Ernüchterung etwas aus dem Nichts. Für mich fehlt hier eine kleine Überleitung oder eine Begründung.

Besteck flog in hohem Boden durch die Luft, Teller und Tassen zersprangen auf dem Boden und vermischten sich mit dem Blut und dem Erbrochenen zu einem besonders widerwärtigem Eintopf.

Es ist unwahrscheinlich, dass alle Trümmerstücke der zerlegten Küche einzig in der Blutlache landen, so wie du es beschreibst. Ich würde die Teile in der Küche verteilen und eher sagen, die Küche sah hinterher aus wie nach einem Bombenanschlag.

Physisch und psychisch am Ende sank ich in mich zusammen.

Statt der medizinischen Begriffe lieber natürlich beschreiben:
Völlig am Ende meiner Kräfte und meines Verstandes sank ich ...

Was hätte ich tun sollen?

Die Frage macht für mich an dieser Stelle keinen wirklichen Sinn, oder ich verstehe nicht, was er hätte tun sollen.

Ich fand es unglaublich witzig, dass das Foto des Androiden fast so aussah wie May. Er war zwar blond und stark geschminkt, aber die Gesichtszüge waren auffällig May-artig.
„Schatz, bitte verschone mich mit noch mehr witzigen Tiervideos. Später vielleicht, ja?“
„Aber dieser komische Schickimicki-Roboter hier sieht genauso aus wie du!“, lachte ich.

Dass der Android aussah wie May, wiederholst du hier unnötig.
„unglaublich“ halte ich für übertrieben, „May-artig“ für Schlechtschreiberei,
„... mit noch mehr Tiervideos ...“ künstlich konstruiert, wenn dann, „... mit deinen Tiervideos.“

sah sie doch so aus als ob sie dem Geist der vergangen Weihnacht begegnet wäre.

Was wäre denn das für ein Geist?

Oder sehe ich für dich etwa aus wie Barbie auf Crack?“.

Ohne „Oder“.

Trotz ihrer scherzhaften Stimme, schaffte sie es nicht, mir dabei in die Augen zu sehen.

Warum sollte sie das? Das halte ich für eine zu kleine Geste, um einen Verdacht hervorzurufen. Vielleicht zittern ihre Hände oder etwas leicht Auffälligeres?

Ich wäre wahrscheinlich auch zuerst überrascht, wenn eine künstliche Version von mir irgendwo auftauchte.

Eigentlich kam die „normale“ Bevölkerung nie in Kontakt mit solchen technischen Spielereien.

Alles rote sind unnötige Füllwörter, die man wegnehmen kann.

Jeder wusste, dass sie existierten, aber besitzen würden wir sie nie.

Jeder wusste, dass sie existierten, aber es gab niemanden, der einen besaß.
oder
Jeder wusste, dass sie existierten, aber ich kannte niemanden, der einen besaß.

Nachdem 2028 das menschliche Genom entschlüsselt wurde, gelang es der Wissenschaft, angeblich mit Quantencomputern, ein recht real erscheinendes Abbild zu kreieren.

Nachdem 2028 (???) das menschliche Genom entschlüsselt worden war, ...
Schwer vorzustellen, dass ein Computer, selbst mit Quanten, ein Abbild erstellen kann. Vielleicht meintest du, dass das Genom mit Hilfe der Quantencomputer entschlüsselt wurde, und dann im Labor das Abbild kreiert wurde (von wem oder was auch immer)?

Die Firma namens Butterfly Inc. wurde binnen weniger Jahre zum größten und mächtigsten Hersteller synthetischer Organismen.

Die Entwicklung pflanzlicher Organismen würde ich in die Vergangenheit schieben, damit das Neue und besondere der menschlichen Kreationen hervorgehoben wird.

bedeckte einen Großteil der Häuserfassaden und gedeihte, wo echte Pflanzen niemals zu finden wären

gedeite = „gedih“. Und wo soll das sein? Zeig es uns!

Diese Exklusivität erlaubte es allerdings auch nur den Megareichen der Welt, sich einen Androiden zuzulegen.

„Megareiche“ klingt schlecht. Mach „Elite“ oder „obere Zehntausend“ daraus.

Ich konnte mir nur zu gut denken, dass diese Menschen keine Zeit für reale Beziehungen hatten und sich mit einer Robo-Gespielin zufrieden gaben. Wenn man Studien Glauben schenken darf, befinden sich unter Geschäftsleuten ohnehin die meisten Psychopathen, sodass es denen wahrscheinlich sowieso egal ist, ob der Sexpartner ein Mensch ist oder nicht.

Deine „Sozialstudie“ ist etwas flach. Die haben zwar keine Zeit, aber ich könnte mir denken, dass die willenlose Unterwürfigkeit, Programmierbarkeit und Verfügbarkeit der Androiden ihnen einen zusätzlichen Kick verleiht (– und ihnen nebenbei den Ärger mit echten Partnern erspart).

Dass nur die Obersicht je einen echten Androiden gesehen hatte, lag vor allen auch daran, dass sie so programmiert waren. Sie mussten so loyal sein wie ein Hund, oder besser, wie ein Staubsauger.

Füllwörter rausnehmen, kürzen, zusammenfassen.
Der Vergleich mit einem Staubsauger hinkt, es sei denn, du meinst eine Art intelligenten Staubsaugerroboter.
Dass nur die Obersicht bisher echte Androiden gesehen hatte, lag daran, dass sie wie loyale Hunde programmiert waren.

Umso erschrockener war ich, als einer dieser Androiden verschwand und trotz Ortungsfunktion unauffindbar war.

Und warum ist der so erschrocken? Das kann ihm doch völlig wurscht sein, wenn da so ein Spielzeug verschwindet?

Ich lernte, dass sie von den Anhängern verschiedener Theorien „Ellen“ genannt wurde, nach Alan Turing, der einen Test entwickelte, um festzustellen, ob Maschinen ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen besitzen.

Du bringst in dem ganzen Text einige Dinge durcheinander. Zuerst sprichst du vom entschlüsseltem menschlichem Genom, was den Schluss nahe legt, dass Klone kreiert werden. An anderer Stelle sprichst du von Androiden, das sind aber keine Klone. Hier redest du gar von Maschinen, also Roboter, und das sind keine Androiden. Also da musst du dich mal festlegen (und auch informieren, was das im einzelnen ist und was das für Konsequenzen hat).

Dass es ein künstliches Wesen schaffte, sich erfolgreich unter die Menschheit zu mischen, und damit theoretisch jeder ein Android sein könnte, gab mir Gänsehaut.

... verursachte mir eine Gänsehaut.

Mein Arbeitskollege, mein Chef, der Typ aus dem Fast-Food Laden um die Ecke – alle könnten künstliche Intelligenzen sein.

Es ist doch nur ein einziger Androide verschwunden, und der wurde mit Ellen bezeichnet, was nahe legt, dass es sich um einen weiblichen Androiden handelt?

Ich hätte meine Faszination gerne geteilt, doch May hatte mein Interesse an Ellen und ihrem Aufenthaltsort von Anfang an missbilligt.

Hat er gar keine Freunde, mit denen er darüber reden kann?
... doch May missbilligte mein Interesse an Ellen.
Oder vielleicht ignorierte sie es, oder etwas unauffälliger: „zeigte keinerlei Interesse“

Fazit:
Erinnert natürlich an Blade Runner und Real Humans, aber das Thema wird es zwangsweise im SciFi öfters geben.
Der Einstieg, dass er da versehentlich einen echten Menschen getötet hat, macht es erst mal spannend. Die nachfolgenden Infos könnte man ziemlich kürzen, da wiederholt sich vieles und wird doppelt gesagt. Dein Schreibstil ist noch etwas unausgegoren. Zu viele Füllwörter und auch sprachliche Abstürze.
Aber ich finde es toll, dass du dran bleibst und deine Storys überarbeitest.
Und dann solltest du dich entscheiden, über was du eigentlich schreibst: Klone, Androiden oder Roboter?


Liebe Grüße
CraX
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