Charaktere- Aus zwei mach eins ?

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Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Sionna » 27.07.2015, 11:32

Hallo :),

wie so oft stecke ich mal wieder bei einer Entscheidungsfrage fest, und dachte mir es wäre doch mal Gut, zu wissen wie das andere, und erfahrenere Schreiber als ich sehen :thinking:

Meine Protagonistin wird auf ihrer Reise durch ein fremdes Land von Einwohnern gefangengenommen, die sie für eine Feindin halten. Sie kann sie schließlich von ihren friedlichen Absichten überzeugen und wird freigelassen. Bald darauf trifft sie auf einen Einwohner desselben Stammes, der ihr allerdings weniger feindlich gesinnt ist und zu ihrem Begleiter wird.

Als ich nun zu Schreiben beginnen wollte, stellte sich mir unweigerlich die Frage: Was, wenn der Anführer der feindlichen Einwohner einfach zu ihrem Begleiter wird? Sie haben beide das gleiche Ziel, und es wäre naheliegend. Den Charakter ihres ursprünglichen Begleiters habe ich allerdings schon ausgefeilt, und auch schon im Kopf wie sie auf ihn treffen soll usw. Zu beiden Optionen fallen mir genügend Konflikte ein.
Nun meine Frage, wäre es klug den Begleiter zu streichen, bzw Begleiter und Anführer einfach zu einer Person zu machen?

Ich möchte nicht, dass die Geschichte sonst unnötig in die Länge gezogen wird. Zu kurz wiederum soll sie auch nicht sein ;). Und Konflikten soll man auch nicht aus dem Weg gehen. Aber dass die Story auch funktioniert, wenn Begleiter und Anführer eine Person sind, ist das nicht ein Zeichen, dass es sonst unnötig viele Charaktere wären? Allzu verschieden sind die ursprünglichen Charaktere von Anführer und Begleiter auch nicht, da sie demselben Stamm angehören und die gleichen Wertvorstellungen haben. Es täte mir halt nur um die Szenen leid, in denen sie ihren Begleiter kennenlernen würde. Und ein bisschen was in mir rebelliert dagegen sie zu einer Person werden zu lassen, da sie sich in meinem Kopf schon als eigenständige Charaktere festgesetzt haben. Auch Aussehen und Alter unterscheiden sich eigentlich.

Ich freu mich auf eure Meinungen!

Alles Liebe,

Sionna
~Hipernophile~
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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Ankh » 27.07.2015, 12:04

Schwierig. Tendenziell würde ich für zusammenlegen plädieren, wenn sie sich charakterlich sehr ähnlich sind, aber kann der Anführer überhaupt einfach so seine Gruppe verlassen und mit deiner Protagonistin losziehen? Er hat ja sicher eine wichtige Aufgabe innerhalb seiner Gemeinschaft zu erfüllen. Vieleicht solltest du sie daher lieber getrennt lassen und vielleicht noch ein bisschen an ihren Persönlichkeiten feilen, so dass sie verschiedener sind. Wenn der Begleiter etwas "neues" in die Geschichte einbringt, dann kommt einem die zweite Begegnung auch nicht unnötig oder als Wiederholung vor.

Vielleicht kannst du ja noch mit reinnehmen, dass der Begleiter die Erlaubnis seines Anführers einhölt und der sie gerne gibt und dabei durchscheinen lässt, dass er selbst gern mitkommen würde, aber aufgrund seiner Verpflichtungen nicht kann.
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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Sionna » 27.07.2015, 12:52

Ankh hat geschrieben:Schwierig. Tendenziell würde ich für zusammenlegen plädieren, wenn sie sich charakterlich sehr ähnlich sind, aber kann der Anführer überhaupt einfach so seine Gruppe verlassen und mit deiner Protagonistin losziehen? Er hat ja sicher eine wichtige Aufgabe innerhalb seiner Gemeinschaft zu erfüllen. Vieleicht solltest du sie daher lieber getrennt lassen und vielleicht noch ein bisschen an ihren Persönlichkeiten feilen, so dass sie verschiedener sind. Wenn der Begleiter etwas "neues" in die Geschichte einbringt, dann kommt einem die zweite Begegnung auch nicht unnötig oder als Wiederholung vor.

Vielleicht kannst du ja noch mit reinnehmen, dass der Begleiter die Erlaubnis seines Anführers einhölt und der sie gerne gibt und dabei durchscheinen lässt, dass er selbst gern mitkommen würde, aber aufgrund seiner Verpflichtungen nicht kann.


Die Gruppe des Anführers und die Protagonistin haben das gleiche Ziel. Nur wussten die Einwohner das noch nicht, als sie sie gefangen nahmen. Deshalb wäre es sogar naheliegend, das gleich die ganze Gruppe mit ihr zieht, was ich aber vermeiden möchte. Mir fallen genügend Wege ein, die Gruppe von ihr und dem Anführer zu trennen, auch wenn sie sich entscheiden, gemeinsam loszuziehen.
So viel neues würde der Begleiter eben nicht wirklich in die Geschichte einbringen. Aber es würde einen schönen Konflikt ergeben, wenn der Anführer eben gerade NICHT damit einverstanden ist, dass der Begleiter mir ihr geht.

Vielen Dank jedenfalls für die schnelle Antwort :)
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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Ankh » 27.07.2015, 13:13

Dann musst du dir aber einen guten Grund überlegen, warum er nicht damit einverstanden sein sollte, wenn sie doch alle die gleichen Ziele haben.

In dem Fall wäre es vermutlich das Beste, wenn wirklich erstmal die ganze Gruppe mit ihr loszieht. Es sei denn, dir fällt ein wirklich nachvollziehbarer Grunde ein, warum das nicht gehen soll. Wenn es nichts gibt, was die Leute zurückhält (ein Dorf, Familien, eine Lebensgrundlage), aber am Erfolg der Mission auch für die Gruppe viel hängt, dann klingt es doch komisch, die Protagonistin mit "jaja, mach mal" allein weiterziehen zu lassen.

Die Szene des Aufeinandertreffens, die du dann nicht brauchst, würde ich mir irgendwo speichern. Vielleicht kannst du die in einem anderen Zusammenhang ja nochmal verwursten, dann wäre sie nicht verloren.
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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon schreiberling » 27.07.2015, 17:41

Vieleicht könnte es ja der Bruder oder älteste Sohn des Anführers sein. Weil der wird ja vermutlich nicht länger abkömmlich sein. Aber er kann ja einen Verwanten seines Vertrauens mitschicken.
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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Dingelchen » 27.07.2015, 18:01

Hi,

also, so aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Streichen und zusammenfügen!
Weil: Gerade, wenn der Anführer des verfeindeten Stammes plötzlich zu einem Begleiter wird, hat das Konfliktpotenzial und/oder ist eine krasse Wendung, find ich.

Dass du da Szenen streichen müsstest, die dir ans Herz gewachsen sind, verstehe ich - aber der Schmerz darüber geht vorbei ;) - ich kenn das. Ich hab bei meiner 1. Version meines Romans einen - für mich damals sehr wichtigen - Nebencharakter erschaffen, bis ich dann beim Überarbeiten draufkam, dass ich mit dem Charakter a) nicht richtig warm wurde und b) ohnehin schon so viele Charaktere habe.
Ich hab den Charakter nach ner kleinen Bedenkzeit dann gestrichen und einige Charaktereigenschaften bzw. Handlungen auf einen anderen Charakter übertragen. Folge: Der Roman wurde ein bisschen ent-kompliziert, "knackiger" und der rote Faden blieb eher bestehen.
Von daher aus meiner persönlichen Erfahrung heraus: Streichen kann, wenn man sich mal überwunden hat, befreiend sein und Raum für Neues schaffen :)

LG
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Nur die Vernunft tanzte nicht mit."

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Re: Charaktere- Aus zwei mach eins ?

Beitragvon Badabumm » 27.07.2015, 18:06

Hallo, Sionna.

Wenn der Anführer der Gruppe mit der Protagonistin zieht, wäre er ein schlechter Anführer, denn er lässt ja seine Gruppe allein. Außerdem hat er als Anführer ganz andere Dinge zu bewältigen als ein Reisekamerad: er muss nämlich die Gruppe führen. Er ist ein "Anführer", kein Berater. Ich schließe aber aus Deinen Anmerkungen, dass Du eher einen Berater (oder Freund) als einen Chef brauchst.

Ich finde den Film "Der mit dem Wolf tanzt" diesbezüglich sehr treffend. Derjenige, der sich mit dem Fremden einlässt, ist nicht der Häuptling, sondern der Schamane. Als Häuptling braucht man Dinge für das Wesentliche: wo gibt's Büffel? Wer kümmert sich um was? Geht's allen gut? Haben wir genug Vorräte? Zeit zum Neugierigsein hat man da nicht. Er muss als Anführer zwingend andere Qualitäten haben.

Da er aber als Anführer mit ihr "auf gleicher Wellenlänge" ist, ist es wahrscheinlich, dass sich diese Anschauung in seiner Gruppe durchgesetzt hat. Deshalb ist es ebenso anzunehmen, dass sich unter seinen Stammesmitgliedern jemand mit genau dieser Anschauung (was immer das jetzt sein mag) finden wird. Zumeist ist das sein engster Berater oder Freund oder Bruder. Oder eben der Schamane / Medizinmann.

Kurz gesagt: ich finde Deine ursprüngliche Variante eindeutig die bessere (ZWEI Personen).

Badabumm
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