[Tragik]Charlotte (1/x)

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Charlotte (1/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 08.07.2014, 15:37

Hallo, liebe Schreibgemeinde. Ich arbeite seit längerem an einem neuen Projekt. Heute möchte ich den Anfang davon hier reinstellen und denke, dass es das richtige Forum dafür ist. Zumindest so, wie ich es mir gedacht habe, wie die Story laufen soll, ist es im größten Sinne tragisch. Um eines dazu noch zu sagen: erwartet nicht zu viel Action in der Geschichte. Es ist eher eine ruhige, nachdenkliche Geschichte. Also wenn es stellenweise einem langweilig vorkommen sollte, muss wissen, dass es u.U. so gewollt ist, auch wenn ich versucht habe, solche Szenen zu vermeiden! :wink:

Freue mich auf Tipps, Anregungen in Bezug auf Wirkung, Stil usw., Verbesserungsvorschläge etc.


...

Das Leben, ein einziges Theater!

In letzter Zeit bin ich oft am Nachdenken gewesen. Das war an sich nichts außergewöhnliches, ich hatte öfters solche Phasen. Doch diesmal schien sich solch eine länger an mich zu haften. Schon meinen gesamten Weg aus der Lübecker Innenstadt zum Bahnhof hatte sie mich begleitet und Gedanke um Gedanke kam und ging in meinem Kopf. Beinahe erschöpft und genervt davon ließ ich mich auf die Bank am Bahnsteig nieder. Ich war der einzige, der wartete, aber das war nicht verwunderlich, der Zug kam erst in vierzig Minuten. Ich machte es mir soweit wie möglich bequem und ließ den Blick schweifen, bis er an einer jungen blonden Frau haften blieb.
Es wurde mir plötzlich bewusst, wie wenig ich dem anderen Geschlecht bisweilen zugetan war. Sechsundzwanzig Jahre meines Lebens waren vorüber und ich hatte noch keine Freundin gehabt, nicht mal eine gute Bekannte. Nein, die einzigen Frauen, mit denen ich je engeren Kontakt gehabt hatte, waren stets welche aus der Familie gewesen: Mutter, Schwester, Großmutter, Tante oder Cousine. Bei dem Gedanken musste ich schmunzeln und sah zur Frau hinüber, die sich auf die Bank zwei Steige weiter gesetzt hatte. Es war ja nicht so, sprach meine innere Stimme mit mir, dass ich den Frauen abgeneigt gewesen war, nein, für mich stand glasklar fest, wenn ich in eine Beziehung gehen sollte, dann mit einer Frau. Aber diese musste sich erst Mal finden lassen und auch die Gelegenheit dazu; denn nur wenn diese zwei Faktoren zusammenkämen, hätte ich überhaupt eine Chance. Aber bisher war es nie so weit gekommen. Frauen hatte es einige gegeben, denen ich doch begehrlich hinterhergeschaut hatte, lediglich die Gelegenheiten, die Umstände passten nicht. Ich war kein Mann, der auf Frauen wirkte, der die großen Feten und Feiern aufsuchte, um so viele von ihnen aufzureißen wie möglich. Ohnehin hatte ich so gut wie keine sozialen Kontakte, die mir hilfreich sein konnten. Kurz um gesagt, sprach es sarkastisch in mir, war ich allein selbst schuld daran, dass ich noch Single war. Doch sogleich wusste ich, dass es nicht schlimm war, denn momentan verspürte ich auch kein Verlangen nach einer festen Beziehung. Das letzte Mal, dass ich solch eines verspürt hatte, war nun schon Jahre her. Und wenn das Schicksal es so wollte, sagte ich mir, dann würde das wohl für immer so bleiben. Damit gab ich mich zufrieden und wollte auch nicht weiter drauf eingehen, wollte vermeiden, dass ich solange auf diesem Thema herumritt, bis sich eine gewisse Wehmut und Sehnsucht gebildet hatten und ich trübsinnig werden würde. Und darauf hatte ich nun überhaupt keine Lust. Ich löste den Blick von der Frau und sah lieber den Tauben bei ihrer Futterjagd...

„Endlich!“, stöhnte ich leise, als der Zug einrollte und sich die Schar um mich herum bereits in Bewegung setzte. So voll hatte ich den Bahnsteig schon lange nicht mehr gesehen und hoffte, dass ich noch einen guten Platz bekommen würde. Der Zug hielt, die Türen sprangen auf, eine Menschenmasse kam heraus und eine neue wollte hinein. Aber ich hatte das Glück, dass eine der Türen genau vor mir zum Stehen kam und so bestieg ich als einer der ersten den Zug und erwischte sogar noch einen leeren Vierersitz, in den ich mich vergnüglich schmiss und meine Taschen neben mich hinwarf.
Bei Zugfahrten hatte ich oft das Glück, selbst in einem der Vierersitze alleine zu bleiben, doch hatte ich die Hoffnung diesmal recht schnell aufgegeben, denn es strömten immer mehr Fahrgäste herein. Und es dauerte auch nicht lange, da kam auch schon der erste Anwärter. Es war eine junge Frau, vielleicht genauso alt wie ich, die mich scheu anblickte und leise, kaum verständlich fragte, ob noch ein Platz frei wäre. Ich bejahte und dachte sarkastisch bei mir: natürlich ist noch ein Platz frei oder sehen Sie dort jemand sitzen? Schräg gegenüber nahm sie Platz und stellte ihren großen Rucksack, der bis zum Platzen gespannt war, neben sich.
Ab und an begegneten mir Menschen, die blieben einfach Mitmenschen für mich, aber es gab auch welche, die einen gewissen Reiz auf mich ausübten und meine Neugierde weckten. Oft beobachtete ich diese Leute, wofür sich eine Zugfahrt natürlich sehr gut eignete, und während ich sie mir ansah, fragte ich mich, was sie wohl für ein Leben führten. Wo und wie sie wohnten, ob sie verheiratet waren oder nicht, ob sie arbeiteten und wenn ja, was. Ob sie glücklich waren oder nicht, zufrieden mit sich und ihrem Leben usw. Und so war es bei dieser Frau auch. Wie gesagt, sie war etwa genauso alt wie ich, schlank, nicht sportlich, auch nicht magersüchtig, normal. Ihr Haar war braun und fiel in seichten Wellen fast bis auf die Schultern herab. Ihre Haut war weiß wie Kreide. Sie trug eine olivgrüne Jacke mit goldgelben Knöpfen, eine bordeauxrote Hose und schwarze Sneakers. Sie machte einen sehr scheuen und eingeschüchterten Eindruck auf mich. Den Kopf gesenkt, die Hände gefaltet auf den Knien in einer Haltung sitzend, die den Eindruck machte, als wolle sie sich schützen. Doch vor was? Vor wem? Vor mir?
So hockte sie eine ganze Weile da, während der Zug durch die Landschaft rollte und ein Stimmengewirr von überall ertönte, sodass sie so schweigend einen noch verloreneren Eindruck machte. Da hob sie plötzlich den Kopf, sehr träge und ich wandte schnell den Blick ab. Als ich wieder zu ihr rüberspähte, sah ich ihr Gesicht. Es sah sehr müde und abgekämpft aus, dunkle Augenringe zeigten sich und ihre grünlich schimmernden Augen starrten verloren vor sich hin. Der Mund, deren Lippen auffallend hellrot, ja fast rosa waren, wie ein Strich, ohne Regung oder sonstige Spur dafür, dass er noch funktionstüchtig war und einem lebenden Menschen gehörte. War sie etwa zugedröhnt? War sie betrunken oder einfach nur müde? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und während ich darüber nachdachte, hatte ich nicht gemerkt, dass ihre Augen nun auf mich gerichtet waren. Augen, die gerötet waren und dennoch wie leer schienen, die keinen Funken von Leben beinhielten. Das machte mir Angst und ich wandte den Blick ab.
Und der Zug folgte seinen Schienen und Station um Station wurde abgegrast und die Schar der Fahrgäste lichtete sich stets und die Plätze im Gefährt wurden wieder reicher. Doch die Frau mir gegenüber blieb stur sitzen und rührte sich abgesehen davon, dass sie ab und an ihren Kopf kurz hob und in die Leere starrte, keinen Deut. Nicht mal als der Vierersitz auf der anderen Seite vom Gang frei wurde, machte sie Anstalten rüber zugehen und langsam wurde mir ihre Anwesenheit unheimlich und auch irgendwie bedrückend, wie sie dort als Inbild der Trauer und Lustlosigkeit dahockte und ich selbst mit dem Gedanken spielte, mich wegzusetzen. Aber bevor es soweit kam, war ich eingenickt.

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Re: Charlotte (1/x)

Beitragvon Träumerin25 » 13.07.2014, 15:31

Hallo Zukunftsträumer :D

Eine sehr nachdenkliche Szene hast du da. Gelungen, wie ich finde.
Mir gefällt ziemlich gut, wie durch all die Gedankengänge des Protas seine Persönlichkeit ein ganzes Stück weit offenbart wird. Ich habe mich da an manchen Stellen selbst wieder erkannt. ;)

Das Leben, ein einziges Theater!

Diese Wortgruppe hat mich ein wenig verwirrt, weil ich irgendwie keinen Zusammenhang zum Rest des Textes herstellen konnte. Aber du hast ja geschrieben, dass das nur der Anfang deines Projektes ist. Vielleicht spielt dieser Ausdruck ja später noch eine Rolle? Ich weiß es nicht, und ich werde mich jetzt auch nur auf den ersten Teil konzentrieren.

Doch diesmal schien sich solch eine länger an mich zu haften.

Ist mir irgendwie zu kompliziert ausgedrückt. Versuchs mal so: Doch diesmal schien solch eine länger an mir zu haften. Ist zwar nicht groß umgeschrieben, aber ich finde, jetzt liest es sich gleich einfacher.

Schon meinen gesamten Weg aus der Lübecker Innenstadt zum Bahnhof hatte sie mich begleitet und Gedanke um Gedanke kam und ging in meinem Kopf.

Der markierte Teilsatz erscheint mir irgendwie seltsam oder besser gesagt: eine seltsame Formulierung. Du könntest auch einfach zwei Sätze daraus machen, dann wird es leichter: Schon meinen gesamten Weg aus der Lübecker Innenstadt zum Bahnhof hatte sie mich begleitet. Gedanken über Gedanken fielen über mich her und schwirrten in meinem Kopf herum.

Es war ja nicht so, sprach meine innere Stimme mit mir, dass ich den Frauen abgeneigt gewesen war ...

Das rot Markierte kannst du streichen. Du brauchst hier keinen Erzähler. Der Leser weiß auch so, dass dein Prota einem Gedankengang nachgeht.

der die großen Feten und Feiern aufsuchte, um so viele von ihnen aufzureißen wie möglich.

Wieder ein bisschen zu kompliziert formuliert. Vielleicht so: ... der die großen Feten und Feiern aufsuchte, um so viele wie möglich aufzureißen.

Kurz um gesagt, sprach es sarkastisch in mir, war ich allein selbst schuld daran, dass ich noch Single war.

rot: Den Erzähler kannst du wieder weglassen.
blau: Die Stelle klingt ein wenig so, als konntest du dich nicht zwischen den beiden Formulierungen "ich allein" und "selbst schuld" entscheiden und hast deshalb beide zusammengemixt. Ich würde das "allein" rausnehmen. Dann ließt es sich flüssiger.

und sah lieber den Tauben bei ihrer Futterjagd...

Fehlt da nicht ein Wort?: ... und sah lieber den Tauben bei ihrer Futterjagd zu.

Der Zug hielt, die Türen sprangen auf, eine Menschenmasse kam heraus und eine neue wollte hinein.

Das geht mir irgendwie zu schnell. Bis sich solche eine Masse nach draußen bewegt hat, dauert es seine Zeit. In dieser Zeit könntest du deinen Prota auch schon über die Mitmenschen nachdenken lassen. Allerdings ist das nur meine Meinung. Wenn diese Schnelligkeit beabsichtigt war, kannst du es natürlich so lassen.

mir zum Stehen kam, und so bestieg ich als einer

Ein winzig kleiner Kommafehler ;)

da kam auch schon der erste Anwärter.

Ich finde, du kannst hier ruhig schon verraten, dass der Anwärter ein Frau ist. Also: Anwärterin. ;)

und dachte sarkastisch bei mir:

Ich denke, du kannst das "sarkastisch" weglassen. Würdest du es drin lassen, würdest du vielleicht dem Leser eine gewisse Spannung nehmen. Du könntest es auch ganz anders machen: Ich bejahte und verleierte innerlich die Augen. Damit drückst du das gleiche aus.

Ihr Haar war braun und fiel in seichten Wellen fast bis auf die Schultern herab. Ihre Haut war weiß wie Kreide.

Zweimal der selbe Satzanfang und zweimal das inaktive Verb "war". Das kannst du besser. Vielleicht so: Ihr braunes Haar fiel in seichten Wellen fast bis auf die Schultern herab und gab einen starken Kontrast zu ihrer weißen Haut.

Wie gesagt, sie war etwa genauso alt wie ich, schlank, nicht sportlich, auch nicht magersüchtig, normal.

Gefällt mir gut, weil das auch etwas über die Persönlichkeit der Frau verrät: keine Essstörungen, kein Fitnessfreak ... ganz NORMAL eben.

Doch vor was? Vor wem? Vor mir?

Dreimal vor. Du kannst das Wort dreimal drin lassen, aber dann musst du das im letzten Satz unauffälliger gestalten: Doch vor was? Vor wem? Etwa vor mir? Damit wird diesem "vor" ein bisschen die Wucht genommen, weil sich die Betonung nun auf das "mir" legt.

Da hob sie plötzlich den Kopf, sehr träge, und ich wandte schnell den Blick ab.

Jetzt bin ich verwirrt. Hat SIE den Kopf träge gehoben oder hat ER den Blick träge abgewandt? Beide Varianten vertragen sich nicht so ganz mit dem vorangegangenen bzw. nachfolgenden Teilsatz. Man kann den Kopf nicht plötzlich träge heben, und man auch nicht den Blick schnell träge abwenden. Da musst du noch einmal ran.

Der Mund, deren Lippen auffallend hellrot, ja fast rosa waren, wie ein Strich, ohne Regung oder sonstige Spur dafür, dass er noch funktionstüchtig war und einem lebenden Menschen gehörte.

Diese Beschreibung gefällt mir echt gut! :) Sehr schönes Bild.

Das machte mir Angst, und ich wandte den Blick ab.

Komma.

Und der Zug folgte seinen Schienen, und Station um Station wurde abgegrast, und die Schar der Fahrgäste lichtete sich stets, und die Plätze im Gefährt wurden wieder reicher.

Das "Und" am Anfang würde ich streichen. Es passt nicht in deinen bisherigen Schreibstil. Auch die anderen Satzreihen, die du mit "und" verknüpft hast, passen nicht so recht in das Gesamtbild. Du hast zwar hier versucht, eine größere Zeitspanne zu überbrücken, aber das sollte so geschehen, dass es noch ins Bild passt. Vielleicht eher so: Der Zug folgte noch eine ganze Weile seinen Schienen und graste Station für Station ab, während sich die Schar der Fahrgäste lichtete und die Plätze im Gefährt wieder reicher wurden. Das würde dann auch besser mit dem nächsten Satz harmonieren, der ja genau diese größere Zeitspanne anspricht.

... machte sie Anstalten rüber zugehen und langsam wurde mir ihre Anwesenheit unheimlich und auch irgendwie bedrückend, wie sie dort als Inbild der Trauer und Lustlosigkeit dahockte und ich selbst mit dem Gedanken spielte, mich wegzusetzen.

... machte sie Anstalten, rüber zu gehen[Punkt] Langsam wurde mir ihre Anwesenheit unheimlich und auch irgendwie bedrückend, wie sie dort als Inbild der Trauer und Lustlosigkeit dahockte[Punkt] Jetzt war ich derjenige, der mit dem Gedanken spielte, sich wegzusetzen.
Apropo: Woher weiß dein Prota eigentlich, dass die Frau trauert? Er sieht doch nur ihr zermürbtes Gesicht, mehr nicht. Die Lustlosigkeit lässt sich noch einigermaßen nachvollziehen, aber für die Trauer musst du dir noch ein anderes Wort suchen. Wie wäre es mit: Müdigkeit oder Erschöpfung?

Fazit
Alles in allem hat mir dein Text gut gefallen. Es waren viele schöne Bilder und auch Gedanken dabei. Allerdings könntest du an der Formatierung noch ein wenig arbeiten. Das sind mir noch zu wenig Absätze. Dadurch wirkt dein Text schnell unübersichtlich. Ich habe beim Lesen viele Möglichkeiten für Absätze gesehen. Vielleicht findest du sie auch. ;)

Ansonsten noch viel Spaß beim weiteren Schreiben! :2thumbs:

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Re: Charlotte (1/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 14.07.2014, 11:02

Hallo Träumeri25! :D

Vielen Dank für dein Feedback. Ich hatte schon gedacht, es sei so schlecht, so ausdruckslos, das keiner sich dazu melden wollte, ohne mich jetzt in Selbstmitleid zu suhlen.

Träumerin25 hat geschrieben:Diese Wortgruppe hat mich ein wenig verwirrt, weil ich irgendwie keinen Zusammenhang zum Rest des Textes herstellen konnte. Aber du hast ja geschrieben, dass das nur der Anfang deines Projektes ist. Vielleicht spielt dieser Ausdruck ja später noch eine Rolle? Ich weiß es nicht, und ich werde mich jetzt auch nur auf den ersten Teil konzentrieren.


Um eines vorwegzunehmen, ja diese "Wortgruppe" bezieht sich auf den gesamten Text, also auf die gesamte Geschichte. Und wenn ich mir diesen so anschaue, ich kenn ihn ja :wink: , dann finde ich sie passend. Denn es ist auf seine Art und Weise eine Geschichte, die gut für ein Theater wäre oder zumindest ist eine Geschichte, die nur das Leben, das menschliche Leben, schreiben kann.

Träumerin25 hat geschrieben:Ist mir irgendwie zu kompliziert ausgedrückt. Versuchs mal so: Doch diesmal schien solch eine länger an mir zu haften. Ist zwar nicht groß umgeschrieben, aber ich finde, jetzt liest es sich gleich einfacher.


Ehrlich gesagt hat mich der Satz auch von Anfang an gestört und werde ihn vielleicht auch ganz weglassen, mal sehen...

Träumerin25 hat geschrieben:Gedanken über Gedanken fielen über mich her und schwirrten in meinem Kopf herum.


Find ich gut, danke... :D

Träumerin25 hat geschrieben:blau: Die Stelle klingt ein wenig so, als konntest du dich nicht zwischen den beiden Formulierungen "ich allein" und "selbst schuld" entscheiden und hast deshalb beide zusammengemixt. Ich würde das "allein" rausnehmen. Dann ließt es sich flüssiger.


Da stimmte ich die auch zu, das ist irgendwie doppeltgemoppelt :mrgreen:

Träumerin25 hat geschrieben:Fehlt da nicht ein Wort?: ... und sah lieber den Tauben bei ihrer Futterjagd zu.


Natürlich! Das liegt wohl daran, dass der Satz ursprünglich länger war und ich ihn gekürzt habe...scheinbar zu sehr! :roll:

Träumerin25 hat geschrieben: Vielleicht so: Ihr braunes Haar fiel in seichten Wellen fast bis auf die Schultern herab und gab einen starken Kontrast zu ihrer weißen Haut.


Finde ich gut...

Träumerin25 hat geschrieben:Jetzt bin ich verwirrt. Hat SIE den Kopf träge gehoben oder hat ER den Blick träge abgewandt? Beide Varianten vertragen sich nicht so ganz mit dem vorangegangenen bzw. nachfolgenden Teilsatz. Man kann den Kopf nicht plötzlich träge heben, und man auch nicht den Blick schnell träge abwenden. Da musst du noch einmal ran.


Also so wie das steht, meine Meinung, ist es doch deutlich, dass SIE den Kopf träge hebt und ER den Blick schnell abwendet. Denn wie soll er den Blick träge abwenden, wenn er es doch schnell macht?

Träumerin25 hat geschrieben:Apropo: Woher weiß dein Prota eigentlich, dass die Frau trauert? Er sieht doch nur ihr zermürbtes Gesicht, mehr nicht. Die Lustlosigkeit lässt sich noch einigermaßen nachvollziehen, aber für die Trauer musst du dir noch ein anderes Wort suchen. Wie wäre es mit: Müdigkeit oder Erschöpfung?


Das war nicht nur bezogen auf ihr Gesicht, nein, auf ihre gesamte Haltung. Zusammengesunken wie ein Häufchen Elend. Sie hockt halt so da, dass mein Prota dies mit Bildern von Trauernden verbindet. So war es zumindest gedacht. Ist wohl nicht ganz so verständlich :D Aber über deine Vorschläge werde ich nochmal nachdenken.

Und was deine Bemerkungen mit dem Komma angeht...nach der alten Rechtschreibung musste man in bestimmten Situationen ein Komma vor "und" oder "oder" setzen, nach der neuen ist dies aber nicht mehr zwingend notwendig. Es ist dem Schreiber sogar selbst überlassen, ob er eines setzen will oder nicht. Und da ich mir die ganze Grübelei ersparen will (gehört da ein Komma hin oder nicht), habe ich beschlossen, es ganz wegzulassen und werde es auch so stehen lassen und es so fortführen.

Träumerin25 hat geschrieben:Das sind mir noch zu wenig Absätze. Dadurch wirkt dein Text schnell unübersichtlich. Ich habe beim Lesen viele Möglichkeiten für Absätze gesehen.


Und ich mag es wiederum nicht, wenn der Text so "zerrissen" ist. Aber ich werde noch mal drübergehen.

Wie gesagt nochmals Vielen Dank, auch wenn in mir ein Verdacht keimt, dass..., ach was, vergiss es.

Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche!

MfG

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Re: Charlotte (1/x)

Beitragvon truluc » 26.01.2015, 22:30

Hallo Zukunftsträumer,

ich habe mir vorgenommen deine Charlotte von Anfang bis zur aktuellen Bearbeitung zu lesen und zu kommentieren - falls du nichts dagegen hast. Also fange ich heute mit dem ersten Teil an. Ich habe keine Ahnung, ob dir ein Feedback zu deinen ersten Teilen überhaupt noch wichtig/ recht ist - aber ich lasse es mal darauf ankommen. Vielleicht kannst du ja trotzdem noch etwas davon profitieren.

Also los geht's:

Allgemein gesagt, mag ich deinen Protagonisten - und die Idee dahinter - sehr. Ich mag seine Natürlichkeit, - seine Selbstironie und die Art und Weise, wie er über seine Mitmenschen denkt. Du hast da etwas feines entworfen. Ich werde versuchen nicht all zu viel zu wiederholen, was dir vielleicht schon gefeedbackt wurde - kann aber für nichts garantieren.

Beinahe erschöpft und genervt davon ließ ich mich auf die Bank am Bahnsteig nieder.

Ich fände die Anordnung, "Genervt -und beinahe erschöpft davon" - irgendwie stimmiger, in Bezug auf die Folgehandlung - also das auf-die-Bank-fallen-lassen.

Es wurde mir plötzlich bewusst, wie wenig ich dem anderen Geschlecht bisweilen zugetan war. Sechsundzwanzig Jahre meines Lebens waren vorüber und ich hatte noch keine Freundin gehabt, nicht mal eine gute Bekannte. Nein, die einzigen Frauen, mit denen ich je engeren Kontakt gehabt hatte, waren stets welche aus der Familie gewesen: Mutter, Schwester, Großmutter, Tante oder Cousine. Bei dem Gedanken musste ich schmunzeln

Herrlich ist dieser Abschnitt!!

Es war ja nicht so, sprach meine innere Stimme mit mir, dass ich den Frauen abgeneigt gewesen war, nein, für mich stand glasklar fest, wenn ich in eine Beziehung gehen sollte, dann mit einer Frau.

Solltest du da nicht lieber Präsens wählen - wenn die innere Stimme es in diesen Augenblick dem Protagonisten sagte? Also: Es ist ja nicht so, sprach meine innere Stimme mit mir, dass ich den Frauen abgeneigt bin, nein, für mich steht glasklar fest, wenn ich in eine Beziehung gehen sollte, dann mit einer Frau. (Ende der innere Stimmrede)
Das finde ich an dieser Stelle halt etwas verwirrend. Spricht die Stimme über die letzten 26 Jahre des Protagonisten, oder über die generelle Situation?

Kurz um gesagt, sprach es sarkastisch in mir, war ich allein selbst schuld daran, dass ich noch Single war.
Hier ist es wieder. Wäre es nicht passender, wenn die innere Stimme in der Situation im Präsens spricht? Also: Kurz um gesagt, sprach es sarkastisch in mir, bist du (oder ich) allein selbst (da eher nur "selbst" wählen - klingt sonst doppelt) schuld daran, dass du noch Single bist.
Was sagst du?

Und wenn das Schicksal es so wollte, sagte ich mir, dann würde das wohl für immer so bleiben.

Und noch einmal: Und wenn das Schicksal es so wollte --> das passt ja zu dem schon Jahre zurückliegenden Verlangen nach einer festen Beziehung. Aber müsste danach die Stimme nicht eher sagen: "dann wird das wohl für immer so bleiben"?

Der Zug hielt, die Türen sprangen auf, eine Menschenmasse kam heraus und eine neue wollte hinein.
Ich persönlich finde das nicht zu schnell - also das die Masse sofort heraus und hinein springt. Find ich gut.

Bei Zugfahrten hatte ich oft das Glück, selbst in einem der Vierersitze alleine zu bleiben
Das meine ich - ich finde das so nah an der Realität - das geht mir auch immer so, dass mit dem Vierersitz :lol:

Ab und an begegneten mir Menschen, die blieben einfach Mitmenschen für mich, aber es gab auch welche, die einen gewissen Reiz auf mich ausübten und meine Neugierde weckten.
Da fände ich ein Punkt zwischen dem "die blieben einfach Mitmenschen für mich" und dem "aber es gab auch welche, die einen gewissen Reiz auf mich ausübten und meine Neugierde weckten." besser. Das würde die Bedeutung des zweiten Satzes (- oder bisher Satzteiles) erhöhen. Oder?

Wie gesagt, sie war etwa genauso alt wie ich, schlank, nicht sportlich, auch nicht magersüchtig, normal. Ihr Haar war braun und fiel in seichten Wellen fast bis auf die Schultern herab. Ihre Haut war weiß wie Kreide. Sie trug eine olivgrüne Jacke mit goldgelben Knöpfen, eine bordeauxrote Hose und schwarze Sneakers.

Sehr schön beschrieben!!

Es sah sehr müde und abgekämpft aus, dunkle Augenringe zeigten sich und ihre grünlich schimmernden Augen starrten verloren vor sich hin.
Da fände ich stilistisch besser: Es sah sehr müde und abgekämpft aus.(Punkt) Dunkle Augenringe zeigten sich unter ihren grünlich schimmernden Augen, die verloren ins Leere starrten.
Vielleicht wegen der Wiederholung von "sich", bei "zeigten sich" und "vor sich hin".

Der Mund, deren Lippen auffallend hellrot, ja fast rosa waren, wie ein Strich, ohne Regung oder sonstige Spur dafür, dass er noch funktionstüchtig war und einem lebenden Menschen gehörte.

Da sollte es heißen: Der Mund, dessen Lippen auffallend hellrot - ja fast rosa waren - war wie ein Strich, ohne Regung oder sonstige Spur dafür, dass er noch funktionstüchtig war -und einem lebenden Menschen gehörte.
Die vielen Kommas verwirren mich visuell etwas - deswegen die Bindestriche. Und der Satz fängt halt mit dem Mund an - findet dann aber kein logisches Ende.

Und der Zug folgte seinen Schienen und Station um Station wurde abgegrast und die Schar der Fahrgäste lichtete sich stets und die Plätze im Gefährt wurden wieder reicher.
Da sind echt ne Menge "und"s drin. Wie wäre es mit: Der Zug folgte seinen Schienen, Station um Station wurde abgegrast. Die Schar der Fahrgäste lichtete sich stets und die Plätze im Gefährt wurden wieder reicher.
Was sagst du?

Doch die Frau mir gegenüber blieb stur sitzen und rührte sich abgesehen davon, dass sie ab und an ihren Kopf kurz hob und in die Leere starrte, keinen Deut.
Da fände ich es wieder besser, wenn du einen Gedankenstrich einbaust: Doch die Frau mir gegenüber, blieb stur sitzen und rührte sich - abgesehen davon, dass sie ab und an ihren Kopf kurz hob und in die Leere starrte - keinen Deut.

Nicht mal als der Vierersitz auf der anderen Seite vom Gang frei wurde, machte sie Anstalten rüber zugehen und langsam wurde mir ihre Anwesenheit unheimlich und auch irgendwie bedrückend, wie sie dort als Inbild der Trauer und Lustlosigkeit dahockte und ich selbst mit dem Gedanken spielte, mich wegzusetzen.

Ist wieder ein sehr langer Satz mit vielen "und"s. Was hieltest du von:
Nicht mal als der Vierersitz auf der anderen Seite vom Gang freu wurde, machte sie Anstalten rüber zu gehen. Langsam wurde mir ihre Anwesenheit unheimlich -und auch irgendwie bedrückend,so, wie sie dort als Innbild der Trauer und Lustlosigkeit dahockte. Mittlerweile spielte ich selbst mit dem Gedanken, mich wegzusetzen.

Das war's!
Hast du was mitnehmen können?

Ich bin auf Teil 2 gespannt!

Lieben Gruß!

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