[Tragik]Charlotte (4/x)

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Charlotte (4/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 26.08.2014, 22:04

Drei Tage vergingen und schneller als ich gedacht hatte, ging mir die Sache wieder aus dem Kopf. Es war Samstagabend, es hatte den ganzen Tag gegossen wie aus Eimern und ich war gerade dabei mir mein Abendessen zuzubereiten: gebratene Nudeln mit Ei und Ketchup. Ich war soweit fertig, hatte schon den Löffel in der Hand um mir die erste Portion aufzufüllen, als es plötzlich klingelte. Ich stutze, sah zur Uhr: halb acht. Ich schüttelte den Kopf und tat es als Irrtum ab, denn wer sollte mich besuchen? Doch es klingelte ein zweites und drittes Mal. Leise vor mich hin meckernd ging ich zur Tür. Als ich durch den Türspion schaute, wich ich unwillkürlich zurück und musste nochmals durchschauen. Da stand doch tatsächlich die junge Frau aus dem Zug im hell erleuchteten Flur. Reglos stand sie da und schniefte. Erst als sie Anzeichen machte zu gehen, öffnete ich zaghaft. Sie war komplett durchnässt. Sie trug die gleiche Kleidung wie vorher aber vom ganzen Wasser war diese in einen schwärzlichen Ton übergegangen. Ihr Haar klebte förmlich am Kopf und an den Strähnen liefen die Wassertropfen nur so herab, dass diese um sie eine kleine Wasserpfütze gebildet hatten. Ihr Gesicht wirkte noch müder und abgekämpfter als vor drei Tagen, als gehöre es keinem lebenden Wesen mehr.
„Darf…darf ich reinkommen?“, fragte sie kraftlos.
„Ja, ja, natürlich“, erwiderte ich überrascht und erschrocken zugleich. Ich meinte in diesem Moment, nie zuvor einen fertigeren Menschen gesehen zu haben. Wie ein begossener Pudel stand sie vor mir.
„Hast du noch andere Klamotten als die, die du trägst?“, fragte ich sie, wobei mir gar nicht auffiel, dass ich sie gar nicht gesiezt hatte. Sie nickte kraftlos. „Ja, in meinem Rucksack.“
Ich sah diesen an und er musste ebenso durchnässt sein wie der Rest von ihr. „Aber trocken werden die auch nicht mehr sein, nehme ich an“, bemerkte ich und überlegte. Ich könnte ihr Sachen von mir geben, doch die waren sicherlich ein paar Nummern zu groß. Das sagte ich ihr auch und da sie nichts erwiderte nahm ich an, dass sie nichts dagegen hatte. Ich ging in mein Schlafzimmer, kramte ein großes Handtuch heraus, sowie einen alten Pulli, der mir zu kurz geworden war und eine alte Jeans nebst ausgedienten Gürtel und ein Paar Socken. „Am besten ist es wohl, wenn du erst mal warm duschst“, erklärte ich ihr weiter. „Wenn es dir nichts ausmachst, kannst du ruhig mein Shampoo benutzen und meine Sachen tragen, nur vorübergehend versteht sich, während ich deine Sachen trockne.“ Ich reichte ihr die Sachen, die sie stumm annahm.
„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte ich dann, weil sie sich überhaupt nicht regte. Allerdings war das auch für mich eine völlig neue Situation. Ich öffnete die Badezimmertür, machte das Licht an und sagte: „Kannst dir Platz machen, soviel du willst, aufräumen tu ich schon.“ Damit ging ich zurück in die Küche und hörte wie sich die Badezimmertür schloss und der Schlüssel klackte.
Ich hörte sie erst wieder aufgehen, als ich mein bescheidenes Mahl mitsamt Nachtisch verzehrt und mich gemütlich zurückgelehnt hatte. Und kurz darauf erschien sie in der Tür. Sie sah vollkommen anders aus, was nicht nur an der an einigen Stellen zu großen Kleidung lag. Nein auch ihr Gesicht hatte sich verändert, es wirkte viel erfrischter, lebendiger, war auf seine Art und Weise sogar hübsch. Und wie sie so dastand, musste ich schmunzeln und…was mein Lächeln schnell wieder verschwinden ließ war die Tatsache, dass sie ebenfalls lächelte, dass erste Mal, seitdem ich sie getroffen hatte.
„Ich sehe bestimmt dämlich aus jetzt, was?“, fragte sie erstmals mit einer richtigen Stimme, die wie die eines gesunden Menschen klang und wischte sich eine noch nasse Strähne aus dem Gesicht.
„Ach was“, erwiderte ich lachend und machte eine abwehrende Geste. „Hier drinnen sieht es keiner, Hauptsache die Sachen sind trocken. Wenn du möchtest, kannst du es dir bequem machen. Möchtest du vielleicht ein Tee zum Aufwärmen?“ Ihr Gesicht begann förmlich zu strahlen, als sie nickte und sich sogleich in den Sessel schwang, während ich mein Geschirr rausbrachte und mir jetzt erst bewusst wurde, dass ich doch vielleicht etwas hätte zurücklassen sollen. Was war ich doch für ein Egoist!
So beschloss ich ein paar Brote zu machen, setzte Wasser auf und ging anschließend ins Badezimmer. Es sah gar nicht so schlimm aus, wie ich es erwartet hatte, sie hatte wieder aufgeräumt, sofern sie überhaupt was durcheinandergebracht hatte, sogar das Fenster stand offen, um den dichten Nebel zu vertreiben. Und in einer Ecke fand ich ihre nassen Kleider, die ich einfach nahm und über die Heizungen in Bad und Küche verteilte und die völlig aufgeweichten Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfte. Um den Rest im Rucksack sollte sie sich besser selbst kümmern.
Wenig später hatte ich alles fertig und trug es in Stube, wo ich es auf den kleinen Tisch vorm Sessel abstellte. Sie schreckte leicht auf, schien in den paar Minuten sogar eingenickt zu sein und starrte ungläubig aufs Tablett.
„Ich habe auch was zu essen gemacht, falls du Hunger hast.“ Und ohne ein Wort begann sie die Brote zu verputzen und den Tee in sich aufzusaugen, als hätte sie seit Tagen nichts mehr gegessen, was auch gar nicht abwegig war, wenn sie, so wie sie bisher den Eindruck machte, ziellos wie ein Obdachloser durch die Gegend zog.
„Willst du noch mehr?“, fragte ich, kurz darauf, doch sie schüttelte noch kauend den Kopf.
„Auch kein Nachttisch?“
Sie stoppte kurz ihr Kauen, schaute auf zum Obstteller vor ihr. „Darf…darf ich einen Apfel haben?“, fragte sie leise und schüchtern.
„Na, klar!“, erwiderte ich und reichte ihr den größten.
Gierig biss sie hinein, während ich beschloss die Küche aufzuräumen.
Es überraschte mich nicht sehr, als ich zurückkehrte und sie nun gänzlich eingeschlafen war und in der einen Hand noch die Reste vom Apfel hielt. So behutsam wie möglich hob ich sie hoch, sie war erstaunlich leicht und legte sie auf die kleine Couch, die sogar für sie zu kurz war. Ich türmte die Kissen unter ihrem Kopf auf, holte meine dünne Wolldecke und deckte sie zu.
Ich blieb einige Zeit neben ihr stehen und schaute sie an. Wer war sie? Wo kam sie her, was machte sie hier? Das waren nur einige Fragen, die durch meinen Kopf schwirrten. Was hatte sie gesagt? Sie hätte kein Zuhause und wollte hier auch keine Freunde besuchen? Was für ein Leben lebte sie eigentlich? War sie eine soziale Außenseiterin, die ihr Heil in der Flucht suchte, durch die Welt vagabundierte um sich nicht den unangenehmen Verpflichtungen stellen zu müssen, die einem irgendwann immer begegneten? Vielleicht war sie sogar wirklich geistig verwirrt und vielleicht aus einer Anstalt geflohen.
Letztendlich kam ich zu vielen Spekulationen und es erschien mir nichts zu abwegig oder zu skurril. Aber was auch immer ihre Persönlichkeit umgab, ich würde es heute nicht mehr herausbekommen, vielleicht sogar morgen nicht mehr, denn wer konnte mir bescheinigen, dass sie nicht über Nacht wieder abhauen würde, mich vielleicht sogar betäuben oder umbringen und mich ausrauben würde. Aber war sie ein Mensch dafür? Ich wusste es nicht, ich wusste ja gar nichts über sie und dennoch brachte ich es nicht übers Herz sie einfach ihrem Schicksal zu überlassen.
Ich löschte das Licht und zog mich in mein Schlafzimmer zurück. Zwar war es erst Viertel nach acht, aber ich hatte noch ein dickes Buch zu lesen, das auf mich wartete...

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Weiter zu Teil 5:

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Re: Charlotte (4/x)

Beitragvon Thea » 29.08.2014, 22:48

Hallo Zukunftsträumer,

na, dann mache ich mich doch mal an die Arbeit!

Erst mal grundsätzlich:

Deine Geschichte spricht mich an und macht mich neugierig, was wohl vor allem an deinem Protagonisten liegt. Man gewinnt das Bild eines sozial noch etwas unausgereiften jungen Mannes, der oft allein ist und ein wenig in seiner eigenen Welt lebt/ sich um sich selbst dreht.

Dein Schreibstil ist sehr beschreibend und detailreich. Vielleicht ein bisschen zu sehr. Manchmal beschreibst du dadurch das Geschehen doppelt.

Gehen wir doch den Text einfach mal durch:
Drei Tage vergingen, und schneller als ich gedacht hatte, ging mir die Sache wieder aus dem Kopf.


"Die Sache" ist mir zu vage und unspezifisch. Eher "Das Mädchen" oder "die Begegnung".

Es war Samstagabend, es hatte den ganzen Tag gegossen wie aus Eimern und ich war gerade dabei, mir mein Abendessen zuzubereiten: gebratene Nudeln mit Ei und Ketchup.


Da würde ich ein Komma setzen. Nach Doppelpunkt Großschreibung (es sei denn, ich bin da nicht auf der Höhe der Rechtschreibreform)

Leise vor mich hin meckernd ging ich zur Tür. Als ich durch den Türspion schaute, wich ich unwillkürlich zurück und musste nochmals durchschauen.


Das "meckern" finde ich hier unschön. Schimpfen wäre besser. Oder du beschreibst nicht, sondern lässt ihn wirklich machen: "Kann man denn nicht einmal in Ruhe essen?" oder so was in der Art. Würde sich auch an späteren Stellen noch ein paar Mal anbieten.
Im zweiten Satz wird mir zuviel "geschaut". Man hat hier kurz den Eindruck, dass du Spannung aufbauen willst (Ah, jetzt will ich aber auch wissen, was der sieht), was du aber durch die sachliche Beschreibung wieder kaputt machst. Den Satz solltest du auf jeden Fall kürzen.
Zum besseren Verständnis wie ich mir das vorstelle:

Ich warf einen Blick durch den Türspion. Unwillkürlich wich ich zurück und musste schlucken. Vorsichtig schaute ich noch einmal durch das Guckloch."

Sie war komplett durchnässt. Sie trug die gleiche Kleidung wie vorher aber vom ganzen Wasser war diese in einen schwärzlichen Ton übergegangen.


Wiederholung- zweimal gleicher Satzanfang.
Ist doch jetzt schon drei Tage her? Da finde ich "vorher" nicht mehr passend.
Die Beschreibung der nassen Kleidung wirkt etwas unbeholfen. Schreib doch einfach, dass sie noch dieselbe Kleidung trägt, dass die aber vor lauter Nässe jetzt Schwarz wirkt. Nicht zu kompliziert.

Ich meinte in diesem Moment, nie zuvor einen fertigeren Menschen gesehen zu haben.


Man versteht natürlich, was du meinst, aber so ist das doppeldeutig. :wink:

„Hast du noch andere Klamotten als die, die du trägst?“, fragte ich sie, wobei mir gar nicht auffiel, dass ich sie gar nicht gesiezt hatte. Sie nickte [color=#BF0000]kraftlos[/color].


Die Erklärung mit dem Siezen ist unnötig. "Kraftlos" hat sie schon bei ihrem letzten Satz gesprochen, muss hier nicht nochmal erwähnt werden.

„Wenn es dir nichts ausmachst, kannst du ruhig mein Shampoo benutzen und meine Sachen tragen, nur vorübergehend versteht sich, während ich deine Sachen trockne.“ Ich reichte ihr die Sachen, die sie stumm annahm.


Zu viele "Sachen" :wink:

Ich hörte sie erst wieder aufgehen, als ich mein bescheidenes Mahl mitsamt Nachtisch verzehrt und mich gemütlich zurückgelehnt hatte.


Hier dachte ich: Was, der isst jetzt in aller Ruhe sein Essen und lässt ihr nicht mal was übrig?
Später wird klar: Er ist tatsächlich so ein Typ! Erst im Nachhinein merkt er, was er gemacht hat.

SUPER! :2thumbs:

Nein, auch ihr Gesicht hatte sich verändert, es wirkte viel erfrischter, lebendiger, war auf seine Art und Weise sogar hübsch. Und wie sie so dastand, musste ich schmunzeln und…was mein Lächeln schnell wieder verschwinden ließ war die Tatsache, dass sie ebenfalls lächelte, dass erste Mal, seitdem ich sie getroffen hatte.


Nach "Nein" ein Komma. Kann man "erfrischt" steigern? Reicht vielleicht, wenn sie erfrischt wirkt. "Das" hier nur mit einem "s". Außerdem würde ich davor einen Punkt setzen, verleiht der Aussage des Satzes mehr Gewicht.

„Hier drinnen sieht es keiner, Hauptsache die Sachen sind trocken. Wenn du möchtest, kannst du es dir bequem machen. Möchtest du vielleicht ein Tee zum Aufwärmen?“


Schon wieder die Sachen! :wink: Außerdem WH "Möchtest".

Es sah gar nicht so schlimm aus, wie ich es erwartet hatte, sie hatte wieder aufgeräumt, sofern sie überhaupt was durcheinandergebracht hatte, sogar das Fenster stand offen, um den dichten Nebel zu vertreiben. Und in einer Ecke fand ich ihre nassen Kleider, die ich einfach nahm und über die Heizungen in Bad und Küche verteilte und die völlig aufgeweichten Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfte.


Zu lange Sätze! Vor allem aus dem ersten würde ich mindestens drei machen.
Und nach dem er sich hier ewig im Bad aufgehalten hat:

Wenig später hatte ich alles fertig und trug es in Stube, wo ich es auf den kleinen Tisch vorm Sessel abstellte.


Als Leser war ich noch beim Bad aufräumen und habe schon wieder vergessen, dass er davor Brote geschmiert hat. Hier nochmal das Essen erwähnen, sonst denkt man, er bringt ihr die ausgestopften Schuhe.

Und ohne ein Wort begann sie die Brote zu verputzen und den Tee in sich aufzusaugen, als hätte sie seit Tagen nichts mehr gegessen, was auch gar nicht abwegig war, wenn sie, so wie sie bisher den Eindruck machte, ziellos wie ein Obdachloser durch die Gegend zog.


Das "Und" lieber weg lassen. Und dann wieder ein paar Punkte setzen.

„Auch keinen Nachttisch?“


Geht doch noch ums Essen, oder? :mrgreen:

Gierig biss sie hinein, während ich beschloss die Küche aufzuräumen.


Beschließt er das wirklich währenddessen? Er räumt höchstens währenddessen die Küche auf.

Wer war sie? Wo kam sie her, was machte sie hier? Das waren nur einige Fragen, die durch meinen Kopf schwirrten. Was hatte sie gesagt?


Ah, geht doch. So was in der Art würde ich mir bei deinem Ich- Erzähler öfter wünschen, dafür weniger beschreibende Sätze.

Damit wäre ich durch den Text durch, ich hoffe, meine Anmerkungen haben dich nicht erschlagen. Das eine oder andere Komma fehlt noch.
Aber eigentlich hab ich grundlegend nur zwei Anregungen:

1. Straffe deinen Schreibstil etwas. Nicht so viele Schachtelsätze, nicht zu viel beschreiben, und vor allem nicht zu umständlich.
2. Prüfe deine Beschreibungen und Bilder. Erzeugen sie wirklich die Vorstellung, die du erreichen willst? Sind sie vielleicht irreführend/ doppeldeutig? Zu umständlich?

Nach all der Kritik:
Dein Prota scheint ein interessanter Charakter zu sein. Arbeite seine Eigenheiten ruhig noch ein wenig aus, gib ihm noch mehr seine eingene Sprache. Aber er interessiert mich jetzt schon.


So weit meine (natürlich persönlich gefärbten) Anregungen zu deinem Text.

Liebe Grüße, Thea :beckon:
Thea
 
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Re: Charlotte (4/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 16.09.2014, 19:51

Guten Abend, Thea!

Vielen Dank für dein Feedback. Ich muss mich selbst immer wieder wundern. Da liest man so oft drüber und denkt, nun gut, jetzt kannst du deinen Text wohl guten Gewissens hochladen und dann bekommt man doch wieder vor Augen geführt, was man für teilweise doch überflüssige Fehler macht.
Aber dafür sind Kommentare ja auch da, zumindest hilfreiche. Und deiner war hilfreich, wie gesagt, danke dafür.

Thea hat geschrieben:Dein Schreibstil ist sehr beschreibend und detailreich. Vielleicht ein bisschen zu sehr. Manchmal beschreibst du dadurch das Geschehen doppelt.


Ja, ja, das alte Thema :roll: :oops:

Thea hat geschrieben:Nach Doppelpunkt Großschreibung (es sei denn, ich bin da nicht auf der Höhe der Rechtschreibreform)


Was den Doppelpunkt angeht, kann dieser, sofern ich auf der Höhe der aktuellen Rechtschreibung bin, stehen bleiben.

Thea hat geschrieben:Zu viele "Sachen


Allerdings. :wink:

Thea hat geschrieben:Als Leser war ich noch beim Bad aufräumen und habe schon wieder vergessen, dass er davor Brote geschmiert hat. Hier nochmal das Essen erwähnen, sonst denkt man, er bringt ihr die ausgestopften Schuhe.


Ah ja... :wary:

Thea hat geschrieben:1. Straffe deinen Schreibstil etwas. Nicht so viele Schachtelsätze, nicht zu viel beschreiben, und vor allem nicht zu umständlich.2. Prüfe deine Beschreibungen und Bilder. Erzeugen sie wirklich die Vorstellung, die du erreichen willst? Sind sie vielleicht irreführend/ doppeldeutig? Zu umständlich?


Also bei mir erzeugen meine Beschreibungen die Bilder/Vorstellungen, die ich haben will :D . Nein, Spaß beiseite, natürlich hast du recht. Danke dafür!
Ich sehe schon, in Zukunft wartet viel Arbeit auf mich. Naja, dann träume ich halt ein wenig...


MfG

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Re: Charlotte (4/x)

Beitragvon truluc » 01.02.2015, 19:44

Hallo Zukunftsträumer,

da bin ich wieder, um die 4. Charlotte zu kommentieren. Ich habe gerade das Feedback zu meinem eigenen Werk bekommen, dass ich ein Tick für Bindestriche habe - das kann sehr gut sein :P Also tut mir leid, wenn ich meinen Tick auf deinen Text projizieren sollte :D

Also los:

Drei Tage vergingen und schneller als ich gedacht hatte, ging mir die Sache wieder aus dem Kopf.

Also ich persönlich weiß mit der Sache durchaus etwas anzufangen.

ich war gerade dabei mir mein Abendessen zuzubereiten: gebratene Nudeln mit Ei und Ketchup. Ich war soweit fertig, hatte schon den Löffel in der Hand um mir die erste Portion aufzufüllen

hmm...also vielleicht ist das jetzt wieder zu kleinkariert, aber entweder war er gerade dabei oder soweit fertig, mit dem Abendessen. Oder? Vielleicht ist das ein guter Satz, um die Beschreibung etwas zu kürzen. Etwa so:
Es war Samstagabend, es hatte den ganzen Tag gegossen wie aus Eimern und ich war gerade dabei die erste Portion meines Abendessens aufzufüllen, gebratene Nudeln mit Ei und Ketschup, als es plötzlich klingelte.

Ihr Haar klebte förmlich am Kopf und an den Strähnen liefen die Wassertropfen nur so herab, dass diese um sie eine kleine Wasserpfütze gebildet hatten.

Dieses um sie klingt irgendwie eigenartig. Vielleicht: ", dass diese am Boden um sie herum eine kleine Wasserpfütze gebildet hatten."

Ihr Gesicht wirkte noch müder und abgekämpfter als vor drei Tagen, als gehöre es keinem lebenden Wesen mehr.

Da finde ich den ersten Satzteil ausreichend genug beschrieben. Ich würde das "es keinem lebenden Wesen mehr" weglassen. Ist aber Geschmacksache.

„Ja, ja, natürlich“, erwiderte ich überrascht und erschrocken zugleich. Ich meinte in diesem Moment, nie zuvor einen fertigeren Menschen gesehen zu haben. Wie ein begossener Pudel stand sie vor mir.

Ich finde du hast ihren abgekämpften, nassen Zustand schon zuvor ausreichend beschrieben. Würde ich kürzen.

wobei mir gar nicht auffiel, dass ich sie gar nicht gesiezt hatte.

Aaah - da ist die Lösung. Ja, wenn du das so beibehalten willst, dann vergiss meine Kommentare diesbezüglich, bei den vorangegangenen Teilen. :wink:

Ich sah diesen an und er musste ebenso durchnässt sein wie der Rest von ihr.

Das "und" finde ich da unpassend. Vielleicht er ein Komma?

Ich ging in mein Schlafzimmer, kramte ein großes Handtuch heraus, sowie einen alten Pulli, der mir zu kurz geworden war und eine alte Jeans nebst ausgedienten Gürtel und ein Paar Socken.

Ein "und" zu viel für mich. Vielleicht eher: "Ich ging in mein Schlafzimmer, kramte ein großes Handtuch heraus, einen alten Pulli, der mir zu kurz geworden war, sowie eine alte Jeans nebst ausgedienten Gürten und noch ein Paar Socken."

musste ich schmunzeln und…was mein Lächeln

Da verstehe ich die drei Punkte auch nicht so ganz.

„Ich sehe bestimmt dämlich aus jetzt, was?“

Heißt es nicht: "Ich sehe jetzt bestimmt dämlich aus, was?" Vielleicht ja auch nicht. :?:

Es sah gar nicht so schlimm aus, wie ich es erwartet hatte, sie hatte wieder aufgeräumt, sofern sie überhaupt was durcheinandergebracht hatte, sogar das Fenster stand offen, um den dichten Nebel zu vertreiben.

Thea hat schon recht, die Sätze sind etwas lang. Aber für mich jetzt nicht zu lang. Also entweder teilen oder wenigstens weniger "hatte" wählen. Vorschlag: Es sah gar nicht so schlimm aus, wie erwartet, sie musste wieder aufgeräumt haben, sofern sie überhaupt was durcheinandergebracht hatte, sogar das Fenster stand auf, um den dichten Nebel zu vertreiben."
Heißt es nicht, das Fester stand auf, nicht offen?

Wenig später hatte ich alles fertig und trug es in Stube, wo ich es auf den kleinen Tisch vorm Sessel abstellte.

:lol: Haha - ich habe mich auch gefragt, warum er die Sachen auf den Wohnzimmertisch abstellt.

starrte ungläubig aufs Tablett

Ich würde das "aufs" ausschreiben. Oder aber: "auf's"

ziellos wie ein Obdachloser

Da fände ich die weibliche Form angemessener. Also "wie eine Obdachlose"-

Sie stoppte kurz ihr Kauen, schaute auf zum Obstteller vor ihr. „Darf…darf ich einen Apfel haben?“, fragte sie leise und schüchtern.

Das finde ich irgendwie richtig jut!!!

Es überraschte mich nicht sehr, als ich zurückkehrte und sie nun gänzlich eingeschlafen war und in der einen Hand noch die Reste vom Apfel hielt.
Ich würde es vermutlich so schreiben: "Es überraschte mich nicht sehr, als ich zurückkehrte, dass sie nun gänzlich eingeschlafen war und in der einen Hand nur noch die Reste vom Apfel hielt."

Vielleicht war sie sogar wirklich geistig verwirrt und vielleicht aus einer Anstalt geflohen.

Das zweite "vielleicht" würde ich weglassen.

Aber war sie ein Mensch dafür?
Da fände ich ein "Aber war sie der Mensch dafür?" besser.

So das war's von meiner Seite aus. Ich hoffe ich war nicht zu kleinkariert und wenn schon, du musst ja nicht alles machen, was man dir glaubt sagen zu müssen. :wink:

Danke für die Fortführung dieser spannenden Begegnung.

Lieben Gruß!

truluc
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