[Tragik]Charlotte (5/x)

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Charlotte (5/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 31.08.2014, 22:27

Umso erstaunter war ich am nächsten Morgen, als ich sie weiterhin friedlich schlafend auf der Couch vorfand. Allerdings schien sie wild geträumt zu haben, die Decke war beinahe komplett zu Boden gestrampelt worden und sie lag in einer verrenkten Haltung da, die man nur innehaben konnte, wenn man sich wild hin- und hergeworfen und mittendrin damit aufgehört hatte. Ich deckte sie wieder zu und zog leise das Rollo hoch. Draußen bot sich das gleiche Bild wie am Vortag: Grau, windig und es regnete nach wie vor.
Nachdem ich geduscht, mich angezogen und die Sachen meines Gastes auf der Heizung gewendet hatte, machte ich uns beiden Frühstück und erledigte dies mit einer Selbstverständlichkeit, die ich selten erlebt hatte, es sei denn es ging um ein Mitglied meiner Familie. Aber für einen anderen, fremden Menschen war es das erste Mal.
Wenig später setzte ich mich ins Wohnzimmer und begann zu frühstücken, wobei ich nicht anders konnte, als sie wieder zu beobachten. Ihr Gesicht war völlig entspannt und glücklich, nicht so abgekämpft und gequält wie ich es zumeist bisher gesehen hatte. Und schließlich musste der Geruch des Essens sie aufgeweckt haben. Ihre Nase zuckte mehrmals wie bei einem schnüffelnden Hund. Ihre Augenlider flimmerten und öffneten sich schließlich träge. Dann mit einem Ruck, der mich so erschreckte, dass ich beinahe von meinem Stuhl flog, erhob sie sich, schaute sich um, sah mich mit großen Augen an und schien sich erst dann zu entsinnen, wo sie war.
„Guten Morgen“, sagte ich. Sie wischte sich mit einer Hand übers Gesicht, rieb sich die Augen und streckte sie ausgiebig. Sie setzte sich auf und sah mich verschlafen an, ehe sie meinen Gruß tonlos erwiderte.
„Wie du siehst, hab ich Frühstück gemacht“, bemerkte ich. „Du kannst es zu dir holen oder hier am Tisch essen, wie du willst.“
„Zuerst muss ich erstmal richtig wach werden“, entgegnete sie recht zerknautscht, streckte sich erneut und erhob sich, wobei ihr fast die zu große Jeans von den Hüften gerutscht wäre.

„Du hast ja gestern Abend nicht mal mehr deinen Apfel aufgegessen“, sagte ich zu ihr, nachdem sie sich zu mir gesetzt und begonnen hatte, das Essen in sich zu stopfen. „Nein, ich war einfach zu müde“, antwortete sie und trank einen Schluck Kaffee.
„Ja, das hat man gesehen.“
„Naja“, meinte sie dann, „wenn man vorher vier Tage nicht geschlafen hat, dann darf man wohl mal müde sein.“
Ich sah sie ungläubig an. „Vier Tage?“
Sie amüsierte sich über mein erstauntes Gesicht. „Ich habe es auch schon mal eine Woche ohne Schlaf ausgehalten. Aber länger geht es nicht, glaub’s mir. Irgendwann ist man völlig im Eimer, dann geht gar nichts mehr. Erst recht nicht, wenn man nichts gegessen und getrunken hat.“ Sie begann gedankenverloren ihre Kaffeetasse in kleinen Kreisen zu schwingen.
„Was ist eigentlich mit meinen Sachen?“, fragte sie dann. „Sind die schon trocken?“
Ich zuckte abwiegend mit den Schultern. „Naja, größtenteils, nur die Schuhe brauchen noch eine Weile, die hat’s ja ordentlich erwischt.“ Sie bestätigte dies mit einem kurzen Nicken. „Aber deine anderen Sachen im Rucksack und dieser selbst müssen ja auch irgendwie getrocknet werden. Ich glaube nicht, dass es so gut ist, wenn alles so feucht bleibt.“
„Tja“, war alles, was sie dazu entgegnete und wieder ihre Tasse schwang.
„Wo wir gerade beim Thema sind“, begann ich. „Wo warst du eigentlich in den letzten Tagen, nachdem du einfach so sang- und klanglos verschwunden warst?“
„Mal hier, mal da“, war zunächst die schlichte Antwort. „Eigentlich bin ich nur hin- und her gezogen durch die Stadt, wenn man diesen Ort überhaupt Stadt nennen kann. Ein Mal sogar hoch zu diesem Fährhafen und zurück.“
Ich stutzte. Der Fährhafen lag gute sieben Kilometer entfernt.
„Und ich wollte mit dem Schiff rübersetzen, aber das ist nicht ganz so einfach wie mit dem Zug. Da kann man noch ohne Fahrscheine einsteigen, aber auf dem Schiff ging es nicht so leicht. Also bin ich wieder zurückgegangen und die ganze Zeit dieser blöde Regen dazu. Schließlich kam ich auf den Gedanken, nochmal vorsichtig bei dir anzufragen. Vielleicht würdest du mir ja nochmal Einlass gewähren.“ Sie grinste mich keck an. „Und es hat ja auch geklappt. Wofür ich mich auch nochmals bedanke.“
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte ich dann rundherum heraus.
„Scharlott“, erwiderte sie. „Es wird zwar wie Charlotte geschrieben, das E wird aber nicht mitgesprochen.“
„Sozusagen, die französische Version“, schloss ich daraus. „Naja, klingt auch viel moderner als Scharlotte, das ist eher so ein Omaname“, fuhr ich fort. „Scharlott klingt da viel schöner. Ich heiße übrigens Christian.“
„Ein typisch nordischer Name“, stellte sie schlicht fest.
„Und deiner ist eher ein südlicher Name“, äußerte ich. „Kommst du aus dem Süden?“ Nun sah ich meine Möglichkeit gekommen, meine Neugier zu befriedigen.
„Naja“, antwortete sie, während sie ihr Frühstücksei abpellte. „Nicht wirklich. Ich komme aus Haren an der Ems in Westniedersachen, nicht weit weg von der holländischen Grenze. Geboren wurde ich allerdings in Enkhuizen am Ijsselmeer, wo meine Eltern gerade Urlaub machten.“
„Dann hättest du ja eigentlich eher Wilhemina oder Antje heißen müssen.“ Damit wollte ich versuchen, die Stimmung ein wenig mehr zu lockern, was aber fehlschlug und ich ihr nicht mal ein Lächeln entringen konnte. Ich räusperte mich und setzte hinzu: „Das muss ja ein Urlaub für deine Eltern gewesen sein, den sie niemals vergessen werden.“
„Ja, vermutlich“, gab sie zurück, stopfte sich das Ei mit einem Male in den Mund, erhob sich abrupt und verschwand im Bad. Hatte ich was Falsches gesagt?

Aus dem Badezimmer kam sie erst wieder heraus, als ich bereits das Geschirr gespült hatte. Sie kam ohne mich anzusehen herein, griff sich Hose und Pullover von der Heizung und verschwand wieder im Bad. Was hatte sie nun wieder vor? Wollte sie wieder einfach verschwinden? Ich trat auf den Flur hinaus und es dauerte nicht lange, da kam sie in ihrer gewohnten Kluft heraus, kramte ihre Zigaretten heraus. „Verdammt, selbst die sind nass geworden“, fluchte sie leise, schien mich völlig zu ignorieren.
„Wo willst du hin?“, wollte ich wissen, vielleicht eine Spur zu herrisch. „Willst du schon wieder gehen?“
„Vielleicht“, antwortete sie knapp und wühlte in ihrem Rucksack.
„Aber du kannst doch nicht wieder ziellos im Regen herumirren, dann hätte das Trocknen ja wenig gebracht.“ Als sie nichts erwiderte, fuhr ich fort: „Du kannst wenigstens warten, bis der Regen aufhört.“ Sie kramte eine neue Schachtel heraus, öffnete sie in aller Ruhe, steckte sich die erste Kippe in den Mund.
„Ach, übrigens. Hier drinnen wird nicht geraucht!“, wies ich sie hin, um auch gleichzeitig diese unbequeme Ruhe zu beenden.
„Keine Angst, ich werde brav hinausgehen“, ließ sie mich wissen und machte sich daran, ihren Rucksack wieder über die Schulter zu schwingen. Doch das konnte ich nicht zulassen. Aus irgendeinem Grund konnte ich sie nicht gehen lassen. Ich trat hervor und packte sie am Arm. Mit einem panischen Blick sah sie mich an, dass ich sie sogleich wieder losließ.
„Ich meine ja nur…“, versuchte ich mein Verhalten zu entschuldigen. „Sieh dich doch zum Beispiel an. Ich will ja nicht unhöflich sein, aber deine Klamotten sehen nicht mehr gerade wie neu aus. Du kannst ja weiterziehen, wenn du willst, aber lass mich zumindest vorher deine Sachen waschen, dann kannst du völlig frisch weitergehen.“
„Bist du wirklich so oberflächlich?“, setzte sie unfreundlich entgegen und schon hatte sie ihr Felleisen geschultert und ging zur Tür, schloss sie auf, warf mir den Schlüssel zu. Doch bevor sie völlig hinaustrat, verharrte sie plötzlich, schien zu überlegen. „Ich bleibe nicht lange fort.“ Damit verschwand sie und vom Fenster aus sah ich, wie sie in die Innenstadt ging.

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http://www.schreibwerkstatt.de/charlotte-6-x-t52768.html
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Re: Charlotte (5/x)

Beitragvon Michael Wegelin » 05.12.2014, 13:18

Hallo Zukunftsträumer,

Teil 5 deiner Geschichte von Charlotte ist schon seit einer Weile unkommentiert, daher gebe ich dir hier mal meine unqualifizierte und subjektive Meinung zu der fesselnden Geschichte.

Du erzählst sehr anschaulich und bildlich. Meiner Meinung nach kannst du an manchen Stellen noch etwas straffen. Dann liest sich deine Geschichte noch flüssiger und ich als Leser stolpere nicht so sehr über zu lange Sätze, über die ich nachdenken muss.

Umso erstaunter war ich am nächsten Morgen, als ich sie weiterhin friedlich schlafend auf der Couch vorfand. Allerdings schien sie wild geträumt zu haben, die Decke war beinahe komplett zu Boden gestrampelt worden und sie lag in einer verrenkten Haltung da, die man nur innehaben konnte, wenn man sich wild hin- und hergeworfen und mittendrin damit aufgehört hatte.


Hier könntest du kürzen: Allerdings schien sie wild geträumt zu haben, denn sie hatte die Decke beinahe komplett zu Boden gestrampelt und lag in einer verrenkten Haltung da, so als ob sie sich wild hin- und hergeworfen und mittendrin damit aufgehört hätte. Das die man nur innehaben konnte hemmt meinen Lesefluss und kann m. E. weg.

Ich deckte sie wieder zu und zog leise das Rollo hoch. Draußen bot sich das gleiche Bild wie am Vortag: Grau, windig und es regnete nach wie vor.


Vorschlag: Draußen bot sich das gleiche Bild wie gestern: Grau, windig, regnerisch. Kürzer und flüssiger.

Nachdem ich geduscht, mich angezogen und die Sachen meines Gastes auf der Heizung gewendet hatte, machte ich uns beiden Frühstück und erledigte dies mit einer Selbstverständlichkeit, die ich selten erlebt hatte, es sei denn es ging um ein Mitglied meiner Familie.


Wie wäre es hier mit Ich duschte, zog mich an und wendete ihre Sachen auf der Heizung. Dann machte ...

Ihre Nase zuckte mehrmals wie bei einem schnüffelnden Hund.


Den schnüffelnden Hund finde ich unpassend. Würde ich weglassen.

Dann mit einem Ruck, der mich so erschreckte, dass ich beinahe von meinem Stuhl flog, erhob sie sich,


Wie wäre es einfach mit Ich erschrak, als sie sich plötzlich mit einem Ruck aufsetzte.

Der Dialog, der dann folgt, gefällt mir sehr gut. Er wirkt sehr natürlich auf mich.

Sie begann gedankenverloren ihre Kaffeetasse in kleinen Kreisen zu schwingen.


Sehr schönes Detail!

„Aber deine anderen Sachen im Rucksack und dieser selbst müssen ja auch irgendwie getrocknet werden.


Vorschlag: Dein Rucksack und die Sachen drin müssen ja auch noch irgendwie getrocknet werden.. Das dieser selbst gefällt mir gar nicht.

„Tja“, war alles, was sie dazu entgegnete und wieder ihre Tasse schwang.


Stark!

Vielleicht würdest du mir ja nochmal Einlass gewähren.


Passt das vom Sprachstil? Vielleicht einfach nur Vielleicht würdest du mich ja nochmal aufnehmen.

„Ja, vermutlich“, gab sie zurück, stopfte sich das Ei mit einem Male in den Mund, erhob sich abrupt und verschwand im Bad. Hatte ich was Falsches gesagt?


Sehr schön, das mit dem Ei.

„Bist du wirklich so oberflächlich?“, setzte sie unfreundlich entgegen und schon hatte sie ihr Felleisen geschultert und ging zur Tür, schloss sie auf, warf mir den Schlüssel zu. Doch bevor sie völlig hinaustrat, verharrte sie plötzlich, schien zu überlegen. „Ich bleibe nicht lange fort.“ Damit verschwand sie und vom Fenster aus sah ich, wie sie in die Innenstadt ging.


Sehr gute Wendung in der Geschicht. Das Felleisen scheint mir hier unpassend. Bündel geht vielleicht, falls du unbedingt den Rucksack vermeiden willst. Aber der Schlüssel, wo kommt der denn her? Habe ich da was überlesen?

Alles in allem bin ich sehr beeindruckt von dem, was du hier abgeliefert hast. Jetzt freue ich mich auf die anderen Teile der Geschichte, die ich noch nicht gelesen habe.

Liebe Grüße,

Michael
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Re: Charlotte (5/x)

Beitragvon Zukunftsträumer » 29.12.2014, 13:17

Hallo Michael Wegelin!

Ich danke dir für dein Feedback, für die Mühe und Zeit, die du für meine Zeilen geopfert hast.

Michael Wegelin hat geschrieben:Du erzählst sehr anschaulich und bildlich. Meiner Meinung nach kannst du an manchen Stellen noch etwas straffen. Dann liest sich deine Geschichte noch flüssiger und ich als Leser stolpere nicht so sehr über zu lange Sätze, über die ich nachdenken muss.


Ja, Ja, das zeiht sich wirklich wie ein roter Faden durch alle Geschichten, die ich schreibe. Und obwohl es mir gegenüber schon so oft erwähnt wurde, komme ich nur schwer davon los! Aber ich bleibe dran...

Michael Wegelin hat geschrieben:Den schnüffelnden Hund finde ich unpassend. Würde ich weglassen.


Ja, das stimmt! :mrgreen:

Über deine weiteren Vorschläge werde ich nachdenken und meine Geschichte dementsprechend ändern, wenn ich es für sinnvoll halte.

Wie gesagt, vielen Dank noch mal dafür.

Ich wünsche dir einen guten Rutsch und einen guten Start ins neue Jahr!

MfG

Zukunftsträumer :beckon:
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Re: Charlotte (5/x)

Beitragvon truluc » 09.02.2015, 21:47

Hallo Zukunftsträumer,

ab zur 5. Charlotte :wink:

Ich finde es weiterhin sehr beeindrucken, wie du es schaffst, die Spannung aufrecht zu erhalten. Wir kennen jetzt Charlotte und das LI schon seit ein paar "Tagen" und entdecken doch in jedem Teil etwas Neues -und vor allem ist es nicht wirklich vorhersehbar, wie diese Sache zwischen den beiden weitergeht bzw. endet.

Dein Schreibstil ist geprägt von bildhaften Beschreibungen und schönen Details, welche dem Gesamtbild deiner Geschichte dienlich sind. Klar - aber das weißt du ja - kann man hier und da vielleicht etwas weglassen, aber besser erst einmal zu viel zu haben, als von vornherein zu wenig :wink:

Mir gefällt vor allem die Nüchternheit der Handlung, also nicht aufgebauscht durch Kitsch und abgetretene Bilder, sondern konsequent einem roten Faden folgend, welche einem ein stimmiges Bild vom Denken und Leben des LI ermöglicht.

Und jetzt suche ich mal von vorne nach hinten, ob ich dir irgendwelche Verbesserungsvorschläge unterbreiten kann. Ich entschuldige mich, falls ich etwas anspreche, was sich aus den Kommentaren anderer bereits erledigt hat.

die man nur innehaben konnte

Da finde ich das "innehaben" auch nicht passend zu dem restlichen sprachlichen Stil des LI, irgendwie zu förmlich. Passender fände ich so etwas, wie "in der man nur enden konnte" oder "die nur auftrat". Ist aber wohl Geschmacksache.

Nachdem ich geduscht, mich angezogen und die Sachen meines Gastes auf der Heizung gewendet hatte, machte ich uns beiden Frühstück und erledigte dies mit einer Selbstverständlichkeit, die ich selten erlebt hatte, es sei denn es ging um ein Mitglied meiner Familie.

Den Satz würde ich zweiteilen. Also nach "Frühstück" einen Punkt machen.

Dann mit einem Ruck, der mich so erschreckte, dass ich beinahe von meinem Stuhl flog, erhob sie sich, schaute sich um, sah mich mit großen Augen an und schien sich erst dann zu entsinnen, wo sie war.

Dieser Satz kommt mir auch etwas holprig formuliert vor. Außerdem würde ich auch diesen Satz zweiteilen. Ungefähr so: "Plötzlich erhob sie sich so ruckartig, dass ich vor Schreck beinah vom Stuhl flog. Sie schaute sich zunächst um -und mich dann mit großen Augen an, als ob sie sich erst langsam entsinnen würde, wo sie war.

Sie wischte sich mit einer Hand übers Gesicht, rieb sich die Augen und streckte sie ausgiebig.

Wie hat sie es geschafft ihre Augen ausgiebig zu strecken? :lol: Ach so, ist klar, "steckte sich ausgiebig" :wink:

streckte sich erneut und erhob sich, wobei ihr fast die zu große Jeans von den Hüften gerutscht wäre.

Sehr schönes Detail!

„Du hast ja gestern Abend nicht mal mehr deinen Apfel aufgegessen“, sagte ich zu ihr, nachdem sie sich zu mir gesetzt und begonnen hatte, das Essen in sich zu stopfen.

Diese Aussage vom LI finde ich etwas eigenartig. Das klingt so empört. Schon klar, dass das auf die Müdigkeit und das plötzliche Einschlafen bezogen ist, aber irgendwie empfinde diese Art der Formulierung unpassend.
Vielleicht passender: "Du hast ja gestern Abend nicht mal mehr geschafft, deinen Apfel aufzuessen" Was sagst du?

„Wo warst du eigentlich in den letzten Tagen, nachdem du einfach so sang- und klanglos verschwunden warst?“

Meines Erachtens heißt es "nachdem du einfach so sang -und klanglos verschwunden bist?", oder?

Wofür ich mich auch nochmals bedanke.“

Ha! Habe nachgeforscht: sie hat sich noch gar nicht bedankt! :roll: Toller Fund, was? :wink: Also vielleicht ist das zu kleinkariert, aber da wäre doch ein "Wofür ich mich übrigens mal bedanke." passender, oder?

„Dann hättest du ja eigentlich eher Wilhemina oder Antje heißen müssen.“ Damit wollte ich versuchen, die Stimmung ein wenig mehr zu lockern, was aber fehlschlug und ich ihr nicht mal ein Lächeln entringen konnte. Ich räusperte mich

Sehr schön!

„Ja, vermutlich“, gab sie zurück, stopfte sich das Ei mit einem Male in den Mund, erhob sich abrupt und verschwand im Bad. Hatte ich was Falsches gesagt?

Spannende Reaktion.
Und wie du danach das Tempo erhöhst und die Spannung zwischen den beiden bedienst, finde ich stark!

Aus irgendeinem Grund konnte ich sie nicht gehen lassen. Ich trat hervor und packte sie am Arm. Mit einem panischen Blick sah sie mich an, dass ich sie sogleich wieder losließ.

Da wird das LI etwas psycho. Er erklärt sich ja später noch, aber das "aus irgendeinem Grund" bleibt doch etwas sonderbar, trotz der entschuldigenden Erklärung später.

Du kannst ja weiterziehen, wenn du willst, aber lass mich zumindest vorher deine Sachen waschen, dann kannst du völlig frisch weitergehen.“

Auch das finde ich etwas zu bemutternd von ihm. Ich glaube mir, als Leser, würde es ohne das "dann kannst du völlig frisch weitergehen" reichen.

ihr Felleisen

Das musste ich erst einmal googlen. Ist das eine gängige Redensart oder Bezeichnung für einen Rucksack. Google sagt ja, dass vor allem lederne Rucksäcke damals so bezeichnet wurden. Oder soll es die Schäbigkeit des Rucksackes verstärken? Vielleicht kenne ich diesen Begriff aber einfach noch nicht gut genug.

Doch bevor sie völlig hinaustrat, verharrte sie plötzlich, schien zu überlegen. „Ich bleibe nicht lange fort.“

Sehr gut! Wie der Terminator, "I'll be back!"

Auch bei diesem Teil der Erzählung schaffst du es wieder mit mit zu nehmen und mir Lust zum Weiterlesen zu wecken. Gerade im letzten drittel macht es die Sache nochmal spannender, als auch die Stimmung zwischen den beiden leicht angespannt wirkt. Dieses am Arm packen von Charlotte, durch das LI, wirkt wie ein verzweifelter Schritt, der unausgesprochenen Sehnsucht nach einer Beziehung zu einer Frau näher zu kommen. Das ist vielleicht das "irgendeinem Grund" Ding von vorhin. Interessant !!

Ich bin gespannt auf Teil 6 und die Folgenden auch!!

Lieben Gruß!

truluc
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