Chinesische Märchen

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Chinesische Märchen

 
Chinesische Märchen


Es regnete, und sie musste einkaufen. Sie hatte keine Lust einzukaufen, keine Lust ihre Wohnung zu verlassen und andere Menschen zu sehen, und noch dazu im Regen.
Dicke, riesige und schwere Tropfen fielen vom Himmel und die Leute pressten sich geradezu ängstlich an die Häuserwände, um wohl auf gar keinen Fall davon etwas abzubekommen.
Die Fußgängerzone war frei.
Vielleicht hatte sie den Regen etwas zu voreilig beurteilt. Eigentlich hatten er seine echten Vorteile. Sie ging ganz in der Mitte der Straße und ließ sich nassregnen, streckte ihr Gesicht dem herabprasselndem Nass entgegen.
Dann ließ sie etwas innehalten.
Gerade als sie fast das Geschäft erreicht hatte, in dem sie einzukaufen gedachte.
So blieb sie stehen und blickte nach unten.
Da lag eine Biene auf dem Asphalt. Ein kleiner gelber Fleck auf nassem Grau.
Erst dachte sie, sie wäre tot, sah aber dann das sie sich noch bewegte.
Mühsam versuchte sie wohl in diesem, für sie sicher sehr gefährlichen Unwetter vorwärts zu kommen, aber der Regen war zu stark.
Zu große Widerstände für ein so kleines Wesen.
Eigentlich wollte sie weitergehen, aber irgendetwas hielt sie auf.
Eine weit zurück liegender Gedanke. Ein Funke.
Eine Erinnerung an sie selbst, als sie noch klein, naiv und überaus idealistisch war.
Da beugte sie sich nach unten, holte ihre Brieftasche heraus und hielt sie direkt vor das kleine Geschöpf.
Das arme Ding konnte auch seine Flügel schon nicht mehr bewegen, kletterte jedoch mit einiger Anstrengung auf die angebotene Geldbörse.
Dann stand sie hastig auf und sprintete mit ihr ins Trockene.
Erfrischend heldenhaft fühlte sie sich.
Vor einem Laden mit einem großen Fensterbrett blieb sie stehen, legte ihr Portemonnaie mit der geretteten Jungfrau in Nöten auf den steinernen Sims, und wartete.
Die Biene nämlich, sich nun in Sicherheit fühlend, hatte anscheinend nicht den geringsten Elan nun von ihrem Hab und Gut herunterzuklettern. Sie blieb einfach liegen.
Aber das konnte sie ihr gut nachfühlen.
So was kannte sie.
Sie pustete ihr sanft über die Flügel und sprach mit ihr.
Lauter dummes aber gut gemeintes Zeug, aufmunternde Worte.
Der Regen hörte schließlich auf und die Menschen strömten wieder an ihr vorbei. Einige blieben stehen, beobachteten sie kurz, schüttelten dann verständnislos die Köpfe und gingen weiter.
Aber die Übrigen gingen einfach nur an ihr vorbei.
Sie wußte nicht, wie lange sie dort hockte und dieser Biene gut zuredete, aber irgendwann bewegte sie ihre Flügel wieder und sie fand, daß das ein sehr schöner Anblick war.
Schließlich kletterte sie von ihrer Geldbörse runter, blieb noch eine Weile auf dem Sims um die Bereitschaft ihrer Flügel zu testen und surrte urplötzlich davon.
Sie allerdings saß noch eine Weile da und dachte über chinesische Märchen nach.

von SarahGoulden

Re: Chinesische Märchen - In Umsetzung haperts

 
HI SarahGoulden,

An sich eine schöne Idee, dass der egoistische Mensch ein so kleines Wesen vor dem Unwetter rettet.
Allerdings hapert es für mich in der Umsetzung.
Deine Protagonistin hat keinen Namen. Normlerweise ist das nicht schlimm, aber da die Biene auch weiblich ist, vermischen sich "sie" und "ihre" etc. in dem Text soweit, dass man manchmal Mühe hat festzumachen, ob nun von der Frau oder Biene die Rede ist.

Es regnete, und sie musste einkaufen. Sie hatte keine Lust einzukaufen


Die Wortwiederholung sollte vermieden werden. Vielleicht kann man ein einkaufen durch "Bosorgungen erledigen" o.Ä. ersetzen.

Dicke, riesige und schwere Tropfen


Für meinen Geschmack zu viele Adjektive. Ich würde es auf 1 reduzieren.

um wohl auf gar keinen Fall davon etwas abzubekommen.


Das wohl und das gar machen den Satz holprig, da die Situation klar ist und keine Vermutung angestellt werden muss.

Eigentlich hatten er seine echten Vorteile.


Hm... wer ist "er"? Den Satz verstehe ich nicht. Außerdem muss es "hatte" heißen, wenn du mit "er" weitermachen willst. Da du im Vorsatz jedoch "sie" geschrieben hast, glaube ich, dass du dich einfach nur vertan hast, oder?

Sie ging ganz in der Mitte der Straße und ließ sich nassregnen, streckte ihr Gesicht dem herabprasselndem Nass entgegen.


Erneut Wortwiederholung (nass).

Erfrischend heldenhaft fühlte sie sich.


Cooler Satz im Situationszusammenhang!

Die Biene nämlich, sich nun in Sicherheit fühlend, hatte anscheinend nicht den geringsten Elan nun von ihrem Hab und Gut herunterzuklettern.


Sehr holprige Satzstruktur. "Nämlich" hört sich in Geschichten sogut wie nie schön an. Vielleicht so: "Wo sich die Biene jetzt doch so in Sicherheit wiegen konnte, schien sie einfach nicht einzusehen von der Geldbörse runterzukletter", o.Ä.
Auch wurde ich nicht "ihrem Hab und Gut" schreiben, weil es sich in dem Satz so anhört als würde sich das "ihrem" auf die Biene beziehen.

Auch finde ich Elan in diesem Zusammenhang ein komisches Wort, da es eher mit Begeisterung in Verbindung gebracht wird. Passender wäre eins, das in Richtung Bedürfnis geht.

Aber die Übrigen gingen einfach nur an ihr vorbei.


Da du das im Vorsatz schon geschrieben hast ist es eine überflüssige Wiederholung.


Leider wirkt deine Protagonisten blass für mich. Ich weiß, dass es nicht um die große Charakterbeschreibung ging, aber ein paar Anhaltspunkte sind nötig, damit man die Figur kennenlernt.
Sie scheint ja sehr besonders zu sein, wenn sie als Einzige im Regen steht.

Den Idealismus der Jugend als Begründung für die Rettung finde ich hingegen gut. Hier wäre ein perfekter Ansatz gewesen um die Person kontrastierend vielleicht zu beschreiben. Gar nicht ellenlang, aber wenigstens, dass sich ein kleines Bild ergibt.

Auch kann ich meinen Finger nicht so ganz drauflegen, aber irgendwie finde ich den Text an sich sehr holprig.
Ich werde ihn in 2 Tagen nochmal lesen und vielleicht weiß ich dann genauer etwas dazu zu sagen.
Nur wie erwähnt, kann ich noch nicht recht sagen, woran es liegt, dass ich dieses Gefühl habe.

Alles in allem eine gute Idee, die mich in der Umsetzung leider nicht überzeugen konnte.

Liebe Grüße
Kinki

von Kinki

Re: Chinesische Märchen

 
Ja, die Geschichte ist auch von meinem Stnadpunkt aus holprig und war sowieso überarbeitungsbedürftig, aber ich wollte mir hierzu eben noch Kritik von außen holen, die sehen da manchmal eher die richtigen Stellen.

Hmm...die Protagonistin.....ich werd mir mal Gedanken machen, denn eigendlich ist die Geschichte einfach nur eine Wiedergabe von einem Erlebnis was ich hatte, weswegen sie vermutlich auch in den Non-Fiktions Bereich gehört wie mir gerade auffällt. Und so besonders bin ich nicht, hab nur nen kleinen Schatten.

Aber ich werde sie mal überarbeiten und dann eventuell in den richtigen Bereich nochmal reinstellen, da wie ich zugeben muss rein gar nichts daran Fiktion ist.


Liebe Grüße
Sarah

von SarahGoulden

Re: Chinesische Märchen

 
Hallo, Sarah,
dass du diese Geschichte erlebt hast, muss nicht bedeuten, dass sie nur in Non-Fiktion gehört. Es weiß doch keiner, dass sie wahr ist.
Es ist eine nette kleine Geschichte, in der eine Frau einer Biene das Leben rettet,
während alle anderen achtlos vorbei gehen. Die Idee ist wirklich gut.

Aber ich finde auch, dass die Protagonistin unscheinbar bleibt. Das Problem mit dem
„sie“ für die Frau und die Biene ist mir auch aufgefallen.
Vielleicht überlegst du dir mal einen Wechsel der Erzählerperspektive. Ich hätte die Geschichte in der Ich-Perspektive, aus der Sicht der Frau geschrieben.
Da du es ja in Naturgeschichten gestellt hast, hättest du auch aus der Perspektive der Biene schreiben können. Dann wirkt der Text bestimmt viel eindringlicher und authentisch. Probier es doch mal aus!

Ein paar Fehler habe ich auch noch gefunden.

„Dann ließ sie etwas innehalten“ passt vom Ausdruck her überhaupt nicht.
Entweder „Sie hielt inne“ oder „Dann ließ sie etwas auf dem Boden aufmerksam werden“

Dann ließ sie etwas innehalten. Gerade als sie fast das Geschäft erreicht hatte, in dem sie einzukaufen gedachte. So blieb sie stehen und blickte nach unten.

Der ganze Absatz ist stilistisch nicht gut. Mein Vorschlag:
In dem Moment als die Frau fast das Geschäft erreicht hatte, erregte etwas auf dem Boden ihre Aufmerksamkeit, so dass sie stehen blieb und suchend nach unten blickte.

Erst dachte sie, sie wäre tot, sah aber dann das sie sich noch bewegte.
Besser ist: Erst vermutete die Frau, dass die Biene tot sei. Erleichtert bemerkte sie,
dass das Geschöpf sich noch bewegte.

In der Ich-Form wären die Sätze dann so gewesen:
Erst dachte ich, die Biene sei tot. Erleichtert bemerkte ich, dass sie sich noch bewegte.

Bei diesen Sätzen musste ich richtig schmunzeln:
Das arme Ding konnte auch seine Flügel schon nicht mehr bewegen, kletterte jedoch mit einiger Anstrengung auf die angebotene Geldbörse.
Dann stand sie hastig auf und sprintete mit ihr ins Trockene.

Es klingt, als ob die Biene hastig aufsprang und ins Trockene sprintete.

Den Begriff „gerettete Jungfrau in Nöten“ finde ich unpassend für eine Biene, den würde ich nur bei einem Menschen benutzen.
In diesem Satz ist auch das letzte Komma überflüssig.

Ehrlich gesagt, habe ich auch den letzten Satz nicht verstanden,
Was hat diese Geschichte mit „Chinesischen Märchen“ zu tun.
Habe ich da etwas übersehen?

Insgesamt ist die Geschichte nicht schlecht, sie müsste nur überarbeitet werden.
Aber das hast du ja schon selber erkannt.
Liebe Grüße
Ibelieve

von Ibelieve

Re: Chinesische Märchen

 
Ah, danke für die Kritik....ich überarbeite es mal, da die Idee ja tatsächlich wohl recht nett ist.

Und "chinesische Märchen" ist nur eine Anspielung auf ein chinesisches Märchen, wo ein Bauer ein paar Bienen vor dem Ertrinken rettet, und die ihm dann wiederum nachher helfen, bei seiner Queste, die richtige Braut zu finden (ne Prinzessin natürlich, aber verschleiert), weil sie als, er sich zwischen mehrerern verschleierten Frauen die richtige aussuchen soll, um ihren Kopf herumschwirren.

Ich habe es eingefügt, weil es mir eben tatsächlich durch den Kopf ging, als ich die kleine Biene gerettet hab.....aber vielleicht ist die Geschichte einfach zu unbekannt.


Aber Danke für die Mühe...ich überarbeite es um es besser zu machen.


Liebe Grüße
Sarah

von SarahGoulden

Re: Chinesische Märchen

 
Hallo Sarah,
mir gefällt dein Text auch gut. Hier noch ein paar Hinweise, wie du die Person noch etwas deutlicher herausarbeiten könntest: Was sind die Vorteile des Regens für sie? Was empfindet sie, als sie sich nassregnen lässt? Ist es normal für sie, klatschnass in ein Geschäft zu gehen? Wie verhalten sich die Leute an den Hauswänden dazu? Und wie geht es ihr damit?
Besonders gut finde ich die Stelle, an der du die Motivation der Person,der Biene zu helfen, andeutest. Hier bekommt sie Kontakt zu ihrem inneren Kind, was im Nicht-Einkaufen-Wollen anklang und schließlich darin mündet, dass sie so einem angeblich wertlosen Wesen Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Vielleicht kannst du diese Entwicklung noch deutlicher machen, in dem du z.B. ihre anfängliche Ambivalenz (ich habe keine Lust zum Einkaufen, muss aber) noch in irgendeiner Form noch stärker herausstreichst.
Noch eine stilistische Anmerkung:
irgendetwas hielt sie auf.
Eine ähnliche Formulierung hast du vorher schon mal verwendet, vielleicht fällt dir noch etwas anderes ein.

Grüße, Zolika

von zolika