[Fanty] Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

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[Fanty] Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

Beitragvon TheRanch90 » 22.06.2015, 10:43

     Kapitel 1- Der Beutezug

2. Die Krieger

Nachdem Reidar einen Eimer frisches Wasser aus dem Brunnen emporgezogen hatte, wuschen sie sich. Zwar genoss Halldor es, wenn während eines Kampfes das warme Blut der Gegner seine Haut besprenkelte, danach jedoch, wenn sein Blutrausch langsam verfiel, genoss er es ebenso, ihr Blut wieder abzuwaschen. Einige andere Krieger gesellten sich zu ihnen und reinigten ebenfalls ihre massigen, vom Kampf gezeichneten Leiber.
„Du hast heute gekämpft wie ein altes Waschweib“, scherzte einer der Neuankömmlinge lauthals mit einem anderen Krieger, sodass alle es hören konnten.
Nachdem dieser sich einen kompletten Eimer klaren Wassers über den Kopf geschüttet hatte und sowohl seine langen, zotteligen Haare, als auch der üppige Vollbart trieften, sah er seinen Kameraden böse an. „Das ist nicht wahr, ich habe gekämpft wie ein wildes Tier und dabei viel mehr Männer getötet als du, bei Thor!“
Einige der anderen Männer glucksten.
Halldor sah zu Reidar herüber. Obwohl er dessen Mund hinter seinem dichten Bart nicht erkennen konnte, sah er in den dunklen Knopfaugen seines ersten Offiziers ein belustigtes Funkeln.
„Bist du dir sicher? So wie ich das gesehen habe, waren das alles nur Kinder, Frauen und Greise“, forderte der Erste seinen Kameraden weiter heraus.
Es war Torkjell Karlan, einer der besten Männer aus Reidars Zug, dessen fabelhafte Fähigkeiten mit kurzen Kriegsbeilen nur noch durch die, seiner scharfen Zunge Konkurrenz erhielten.
Sein Gegenüber sah ihn mit zornfunkelnden Augen an. Die blonden, durch das Wasser dunkler wirkenden Haare, sowohl auf dem Kopf als auch im Gesicht, tropften immer noch unablässig, sodass sich unter ihm schon eine kleine Pfütze gebildet hatte.
„Du weißt genau, dass es hier keine Frauen und Kinder gab, Torkjell. Unser zweiter Zug übernimmt nie die Frauen und Kinder, immer nur die Krieger!“, eschauffierte er sich. „Allein diese Hütte habe ich komplett alleine eingenommen. Vier Feinde schlug ich dort nieder, bei Odins Bart.“
Er hob seine gut sieben Zoll lange Bardiche mit einer Hand und deutete auf eine lange Hütte zu seiner rechten. Deren Wand war auf einer Seite größtenteils eingerissen und aus dem Fenster, das sich neben der Eingangstür befand, hing kopfüber ein Toter.
Die mächtige Stielaxt mit dem halbmondförmigen Axtblatt, spiegelte sich in der aufgehenden Sonne und blendete Halldor ein wenig. Nicht viele hätten diese eindrucksvolle Waffe länger als einen kurzen Moment in dieser Position halten können.
Für Olf Aasen war das kein Problem. Der mit Abstand sowohl größte, als auch stärkste Krieger aus Reidars Zug, maß gut einen Fuß mehr, als alle seine Kameraden und sogar knapp zwei Fuß mehr als Torkjell. Diesen blickte er nun aufgrund seiner Antwort mit Genugtuung von oben herab an.
Torkjell grinste.
Das, was Olf seinen Kameraden und vor allem seinen Feinden in Kampf voraushatte; die übermenschliche Größe, die Kraft eines ausgewachsenen Bären, die nie enden wollende Ausdauer, mit der er das gewaltige Axtblatt in die gegnerischen Leiber rammte; all das machten seine Begriffsstutzigkeit und seine, man könnte sagen, einfache Art zu denken, wieder wett.
„Ich zieh‘ dich doch nur auf Olf. Jeder weiß, dass du die meisten Feinde getötet hast“, erwiderte Torkjell und schlug Olf dabei freundschaftlich auf den Arm, wobei er diesen lediglich auf Höhe des Ellenbogens erreichte.
Sofort brach heiteres Gelächter unter den mittlerweile ein Dutzend Kriegern aus, die sich um die Wasserstelle herum versammelt hatten. Auch Halldor und Reidar stimmten vergnügt mit ein.
Verdattert sah Olf seine prustenden Kameraden an und ließ dabei langsam seine Waffe sinken. Man konnte sehen, dass er die Neckerei Torkjeffs immer noch nicht verstanden hatte. Trotzdem brach er schließlich ebenfalls in dröhnendes Gelächter aus.

Als Halldor sich kurz darauf gerade ein letztes Mal Wasser ins Gesicht warf, um auch die letzten Spritzer feindlicher Überreste aus seinem kurz gestutzten Bart zu vertreiben, kam Bewegung unter die Männer.
„Hauptmann! Eine… eine wichtige Nach…Nachricht für Hauptmann Ha…Halldor!“ Stig Elvsted eilte nach Atem ringend durch ihre Reihen auf Halldor zu.
„Du kannst dich beruhigen Elvsted, die Feinde sind tot, wir haben bereits gewonnen.“, scherzte Torkjell und heimste ein paar unterdrückte Lacher ein.
Die rechte Hand und Stellvertreter Reidars ignorierte die Bemerkung und stapfte wehenden Schrittes weiter auf seinen Hauptmann zu. Der stets hochmotivierte und seinem Rang als Unteroffizier zutiefst verschriebene Stig, zog durch sein oft aufschneiderisches, fast schon streberhaftes Verhalten nicht selten den Unmut seiner Kameraden auf sich. Aus diesem Grund vermieden sie es, ihn freundschaftlich beim Vornamen zu nennen und griffen in der Regel, nicht auch zuletzt ein wenig spöttisch, auf dessen Nachnamen zurück.
Noch vor wenigen Wochen trug Stig Elvsted ebenfalls keinen besonderen Dienstgrad, wurde dann aber von Halldor befördert und nahm seitdem seine Rolle als ergebener Krieger ernster denn je. Dass Stig zumeist ein wenig wichtigtuerisch auftrat, störte Halldor nicht. Im Gegenteil, es war bedeutsam auch solche Männer in den eigenen Reihen zu haben, vor allem dann, wenn sie einem treu ergeben waren. So wie Stig.
„Was gibt es, Feldwebel?“, fragte Halldor, während er sich eine Handvoll Wasser in den Nacken warf. Unversehens und von der Tatsache beflügelt, dass er mit seinem Dienstgrad angesprochen wurde, riss Stieg den Arm zur Seite und deutete auf eine Hütte zur linken derer, auf die vor einigen Augenblicken noch Olf gedeutet hatte.
„Dort…Frau. Sie… sie hat erzählt, sie weiß wo…wo ein…“
„Meine Güte Stig, beruhig‘ dich erst mal und komm zu Atem, man versteht ja kein Wort.“ Reidar war an Stig herangetreten und klopfte ihm ein paar Mal mit der flachen Hand auf den Rücken.
Als Stig sich beruhigt hatte, dankte er seinem Zugführer ausschweifend und wandte sich dann mit gedrungener Stimme wieder an Halldor.
„In dieser Hütte dort“, wieder deutete er mit solch gestrecktem Arm darauf, als würde er sie von der Mitte des Dorfplatzes aus berühren wollen. „Wir haben eine Frau gefunden. Sie hatte sich in einer unterirdischen Kammer versteckt. Genauer gesagt wurde sie dort wohl gefangen gehalten. Sie liegt in Ketten.“

P.S.: Falls Ihr keine ausführliche Rezension/Antwort schreiben wollt, würde ich mich trotzdem über ein kurzes Feedback als "Schnellantwort" freuen. Bspw. ob gut oder schlecht? Langweilig oder spannend? Verfolgt Ihr (kommentarlos) die Story oder nicht?
Vielen Dank :)


     Kapitel 3 - Die Gefangene
Vertan sprach der Hahn und stieg von der Ente.
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Re: Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

Beitragvon LillyIris » 23.06.2015, 09:26

Hallo TheRanch90,

nach dem ersten Teil, gehe ich jetzt mal den zweiten an. Wie schon zuvor ist das Meiste wieder eine Geschmacksfrage um den Text runder werden zu lassen, wirkliche Schnitzer habe ich nicht gefunden.

Einige andere

Weitere

Konkurrenz erhielten

Klingt seltsam, vielleicht lieber: in den Schatten gestellt wurden/ sie wirkten harmlos im Vergleich zu seiner spitzen Zunge...
oder so.^^

sowohl seine langen, zotteligen Haare, als auch der üppige Vollbart trieften

Obwohl er dessen Mund hinter seinem dichten Bart nicht erkennen konnte,

Die blonden, durch das Wasser dunkler wirkenden Haare, sowohl auf dem Kopf als auch im Gesicht, tropften immer noch unablässig, sodass sich unter ihm schon eine kleine Pfütze gebildet hatte.


Insgesamt sind mir in dem ersten Abschnitt zu viele Haar-, Bartbeschreibungen. Vor allem, weil sie auch schon im ersten Teil zu Genüge genannt wurden.

Allein diese Hütte habe ich komplett alleine eingenommen

Das komplett raus.

stapfte wehenden Schrittes

Er stapfte mir wehenden Schritten? Was sind wehende Schritte? Und wie passen sie mir Stapfen zusammen?

Als Halldor sich kurz darauf gerade ein letztes Mal Wasser ins Gesicht war
während er sich eine Handvoll Wasser in den Nacken warf.

Wieder zu viel Wasser für meinen Geschmack. Da es sich dabei nur um unwichtige Nebenhandlung handelt, könntest du etwas mehr Abwechslung hinein bringen. Vielleicht trocknet er sich schon wieder, sucht sich selbst, jetzt wo er sich beruhigt hat, nach Wunden ab, etc.

Wie auch schon den ersten Teil, finde ich den zweiten Teil sprachlich gut, evtl. könnte man die Handlung nur etwas straffen.

Grüßle,
Lilly
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Re: Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

Beitragvon ESchen » 28.06.2015, 13:15

Hallo Ranch

Weiter mit dem 2. Teil.

Nachdem Reidar einen Eimer frisches Wasser aus dem Brunnen emporgezogen hatte, wuschen sie sich.


Es ist klar, dass das Wasser aus dem Brunnen frisch ist. Ansonsten würden sie es riechen. Im Allgemeinen würde ich beim Einsatz von Adjektiven immer aufpassen. Die Sätze wirken schnell überladen und gestelzt. Manchmal trägt ein Adjektiv weniger, besser zur Atmosphäre bei, als überbordende Ausschmückungen. Überlege also immer, ob es an der Stelle wirklich Sinn macht. Dies nur kurz allgemein zu dem Thema. :wink:

Zwar genoss Halldor es, wenn während eines Kampfes das warme Blut der Gegner seine Haut besprenkelte, danach jedoch, wenn sein Blutrausch langsam verfiel, genoss er es ebenso, ihr Blut wieder abzuwaschen.


Gramatikalisch ist der Satz schon richtig, aber er liest sich für mich eher schwerfällig (du hast ein paar solcher Sätze in deinem Text). Versuche, direkter zu formulieren, unnötige Filterungen auslassen. Und wieder die Adjektive. Es muss nicht unbedingt sein, dass das Blut als warm bezeichnet wird. Klar ist es warm, aber die Information verkompliziert den Satz nur weiter.
Beispiel für eine Vereinfachung:
Halldor genoss solche Kämpfe. Wenn das warme Blut der Gegner seine Haut bespritzte, verfiel er in einen regelrechten Rausch. Doch er genoss es ebenso, das Blut wieder abzuwaschen.

Einige andere Krieger gesellten sich zu ihnen und reinigten ebenfalls ihre massigen, vom Kampf gezeichneten Leiber.


das klingt überzeichnet. Das Wort "Leiber" verleiht dem ganzen eine schier bieblische Note und wegen dem "massigen" Adjektiv sehe ich Comicähnliche Adonisfiguren vor mir. :wink:

Du hast heute gekämpft wie ein altes Waschweib“, scherzte einer der Neuankömmlinge lauthals mit einem anderen Krieger, sodass alle es hören konnten.
Nachdem dieser sich einen kompletten Eimer klaren Wassers über den Kopf geschüttet hatte und sowohl seine langen, zotteligen Haare, als auch der üppige Vollbart trieften, sah er seinen Kameraden böse an. „Das ist nicht wahr, ich habe gekämpft wie ein wildes Tier und dabei viel mehr Männer getötet als du, bei Thor!


Nun kommen wir zum Geplänkel-Gespräch. Es wirkt auf mich etwas unpassend zu den massigen Körpern. :wink: Vor allem der letzte Satz in rot, wirkt wie derjenige eines Kindes, aber doch nicht eines Mannes.
Er würde wohl eher sagen "Halt doch deinen Rand! Das war ein Blutbad, Thor ist mein Zeuge!"
Und der blaue Satz hat auch zu wenig Biss. das 'heute' kannst du streichen, klar war es nicht letzte Woche. und das 'alte Waschweib' ist eine Floskel. Es steckt ausserdem viel zu wenig Provokation drin, angesichts der Anwort, die ihm entgegenschlägt.
Beispiel: "Du kämpfst wie ein Weib!"
diese Bemerkung lässt auch auf die Epoche schliessen, da Frauen zu dieser Zeit eher als schwach und nicht kämpfend, für den Haushalt sorgend dargestellt wurden (ausser es handelte sich explizit um Kriegerinnen). Da braucht es die Bezeichnung Waschweib nicht, die eher dem späten Mittelalter entspringt. Du scheinst mir hier aber auf die Wikingerepoche einzugehen.
Wenn du nun die beiden Dialoge zueinanderführst:
"Du kämpfst wie ein Weib!"
"Halt doch deinen Rand! Das war ein Blutbad, Thor ist mein Zeuge!"
passt es besser zu den gestandenen Kerlen, die gerade ein Dorf niedergemetzelt haben. Versuche dich in die Art und Weise hineinzuversetzen, wie solche Kerle reden. Sieh dir vielleicht ein paar Filme an oder lies ein paar Bücher in dem Genre, um ein besseres Gefühl dafür zu kriegen.

Das wären meine Hauptkritikpunkte in diesem Text:
- Adjektive bewusster einsetzen
- schwerfällige Schachtelsätze vermeiden
- Natürlichere, den Personen und Epoche entsprechendere Dialoge

Leider habe ich keine Zeit, mir jeden Satz vorzunehmen, aber ich hoffe, ich konnte dich ein wenig anregen, damit du die Stellen selbst findest. :wink: Das schaffst du locker.
Ausserdem kannst du auch hier mehr Gefühle oder Innenansicht und Motivationen einbringen, wie ich bereits beim 1. Teil geschildert habe, damit mir die Figuren näher gehen.

Liebe Grüsse
ESchen
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ESchen
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Re: Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

Beitragvon TheRanch90 » 28.06.2015, 16:40

Es ist klar, dass das Wasser aus dem Brunnen frisch ist. Ansonsten würden sie es riechen. Im Allgemeinen würde ich beim Einsatz von Adjektiven immer aufpassen. Die Sätze wirken schnell überladen und gestelzt. Manchmal trägt ein Adjektiv weniger, besser zur Atmosphäre bei, als überbordende Ausschmückungen. Überlege also immer, ob es an der Stelle wirklich Sinn macht. Dies nur kurz allgemein zu dem Thema.

Das mit den Ausschmückungen verstehe ich, vielleicht ist das in meinen Texten manchmal wirklich der Fall. Allerdings weiß ich nicht, was hier am "frischen Wasser" auszusetzen ist. Hätte ich jetzt geschrieben "kühles, frisches, erquickendes Quellwasser" ok :D aber so.. Geschmackssache.

Einige andere Krieger gesellten sich zu ihnen und reinigten ebenfalls ihre massigen, vom Kampf gezeichneten Leiber.



das klingt überzeichnet. Das Wort "Leiber" verleiht dem ganzen eine schier bieblische Note und wegen dem "massigen" Adjektiv sehe ich Comicähnliche Adonisfiguren vor mir. :wink:


Was hat der menschliche Leib mit der Bibel (?) zu tun? Klar gibt es den Ausdruck "der Leib Christi" aber heißt das, dass man das Wort nur in theologischem Zusammenhang nutzen darf? Ich wollte einfach ein anderes Wort als "Körper" nehmen und fand es in Zusammenhang mit "massig" ziemlich treffend. Mit massig assoziiere ich persönlich mehr korpulente, beleibte Menschen, als einen durchtrainierten Adonis.

Nun kommen wir zum Geplänkel-Gespräch. Es wirkt auf mich etwas unpassend zu den massigen Körpern. :wink: Vor allem der letzte Satz in rot, wirkt wie derjenige eines Kindes, aber doch nicht eines Mannes.


Jaa, da merkt man sehr deutlich, dass es der erste Dialog war, den ich seit langer, langer Zeit geschrieben habe. Eher etwas hölzern. Dass du den Satz als kindlich empfindest war aber gewollt, da Olf einen starken aber eher dümmlichen Charakter darstellen soll.
Es ist zwar nett, dass du mir bei der Neuformulierung des Dialogs helfen willst, allerdings finde ich
"Du kämpfst wie ein Weib!" für diese Stelle eher unpassend. Das hört sich ja an, als wären sie gerade mittendrin und würden nicht abschließend darüber reden.
Auch finde ich die Erwiederung "Halt doch deinen Rand! Das war ein Blutbad, Thor ist mein Zeuge!" eher hölzern. :mrgreen:

Vor allem mit umschreibenden Adjektiven gehe ich nun sparsamer um und Schachtelsätze versuche ich generell zu vermeiden, manchmal ist man nur irgendwie so in seinem Denkmuster verstrickt, dass einem beim besten Willen keine bessere Formulierung einfällt :) Aber dazu gibts dann ja Gegenleser ;)
Dass der Dialog nicht perfekt ist, da er der allererste war, gebe ich zu.
Allerdings finde ich nicht, dass der sich von der Aussagekraft "epochal" von deinem unterscheidet :P

Grüße,
Ranch
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Re: Chroniken aus Kalldor: Die Verdammten [2]

Beitragvon ESchen » 29.06.2015, 21:03

Hallo Ranch

Das mit den Ausschmückungen verstehe ich, vielleicht ist das in meinen Texten manchmal wirklich der Fall. Allerdings weiß ich nicht, was hier am "frischen Wasser" auszusetzen ist. Hätte ich jetzt geschrieben "kühles, frisches, erquickendes Quellwasser" ok :D aber so.. Geschmackssache.


Ne, am frischen Wasser ist nichts auszusetzen. Wenn du dann aber zur Überarbeitung kommst und Adjektive streichen musst, weil es zu viele sind und der Text beispielsweise gebläht wirkt, wäre es ein potenzieller Streichkandidat. Genau wie die Füllworte. Sofern ein gestrichenes Wort der Atmosphäre der Szene nichts abtut, kann es gestrichen werden. Ich habe das frische Wasser hier einfach als plakatives Beispiel genommen.

Ich gebe ein weiteres Beispiel:

Es war Torkjell Karlan, einer der besten Männer aus Reidars Zug, dessen fabelhafte Fähigkeiten mit kurzen Kriegsbeilen nur noch durch die, seiner scharfen Zunge Konkurrenz erhielten.

Das 'fabelhafte' kann hier getrost gestrichen werden weil:
- Es ist nichtssagend, weil tell
- Es bläht den Schachtelsatz zusätzlich auf.
Nichts gegen korrekte Schachtelsätze. Manchmal braucht es einen langen Satz, aber dann soll er flüssig zu lesen sein und nicht aufgebläht. :wink:

Was hat der menschliche Leib mit der Bibel (?) zu tun? Klar gibt es den Ausdruck "der Leib Christi" aber heißt das, dass man das Wort nur in theologischem Zusammenhang nutzen darf? Ich wollte einfach ein anderes Wort als "Körper" nehmen und fand es in Zusammenhang mit "massig" ziemlich treffend. Mit massig assoziiere ich persönlich mehr korpulente, beleibte Menschen, als einen durchtrainierten Adonis.


Der Leib hat nichts mit der Bibel zu tun.
Der Ausdruck biblische Note, oder biblische Ausmasse hat insofern etwas mit der Bibel zu tun, was das epische betrifft. Es ist ein Vergleich der Superlative. Wenn man von biblischem Ausmass spricht, meint man das Äusserste, das Ultimativste, nicht Steigerbare. Das rührt vermutlich von den grossen Katastrophen oder Plagen her, die in der Bibel beschrieben sind, als Strafe Gottes, die nicht überboten werden kann. Wenn wir diese mittlerweile als Floskel zu bezeichnenden Worte verwenden, dann meinen wir, dass etwas episch, übertrieben, übersteigert dargestellt wird.
z. Bsp. wenn jemand sagt: das ist eine Katastrophe biblischen Ausmasses, bedeutet das, dass man sich nichts Schlimmeres vorstellen kann. Der Supergau.
Deinen Satz:
Einige andere Krieger gesellten sich zu ihnen und reinigten ebenfalls ihre massigen, vom Kampf gezeichneten Leiber.

fand ich demnach so übersteigert, dass ich diese Floskel verwendet habe, um es aufzuzeigen. Es klingt zu pompös, zu stark um glaubhaft rüber zu kommen -> überzeichnet eben. Vor allem in der Fantasy, bin ich der Meinung, dass man aufpassen muss, dass man es mit dem Pathos nicht übertreibt, sonst kann es schnell ins Lächerliche oder in die Satire/Komödie rüber kippen.
Um dir bei deinem Satz zu helfen: Ich würde ihn umstellen, evt. 2 Sätze daraus machen, die Wortwahl kannst du dann evt. sogar belassen.
Beispiel auf die Schnelle: Einige Krieger gesellten sich zu ihnen, die Leiber vom Kampf stark gezeichnet. Es tat gut, sich den Schmutz und den Schmerz der Schlacht abzuwaschen.

Jaa, da merkt man sehr deutlich, dass es der erste Dialog war, den ich seit langer, langer Zeit geschrieben habe. Eher etwas hölzern. Dass du den Satz als kindlich empfindest war aber gewollt, da Olf einen starken aber eher dümmlichen Charakter darstellen soll.
Es ist zwar nett, dass du mir bei der Neuformulierung des Dialogs helfen willst, allerdings finde ich
"Du kämpfst wie ein Weib!" für diese Stelle eher unpassend. Das hört sich ja an, als wären sie gerade mittendrin und würden nicht abschließend darüber reden.
Auch finde ich die Erwiederung "Halt doch deinen Rand! Das war ein Blutbad, Thor ist mein Zeuge!" eher hölzern. :mrgreen:

Vor allem mit umschreibenden Adjektiven gehe ich nun sparsamer um und Schachtelsätze versuche ich generell zu vermeiden, manchmal ist man nur irgendwie so in seinem Denkmuster verstrickt, dass einem beim besten Willen keine bessere Formulierung einfällt :) Aber dazu gibts dann ja Gegenleser ;)
Dass der Dialog nicht perfekt ist, da er der allererste war, gebe ich zu.
Allerdings finde ich nicht, dass der sich von der Aussagekraft "epochal" von deinem unterscheidet :P


Evt. haben wir uns hier auch nicht ganz verstanden. Ich meine eher die Atmosphäre, die dieser Dialog versprüht, sei kindlich.
Ich stelle mir also ein paar harte Wikingertypen vor. Hart deswegen, weil sie in Dörfer einfallen, um sich schlagen und Leute ermorden.
Dann setzen sie sich zusammen und zanken sich wie Kinder.
"ich habe mehr getötet"
"Nein ich"
Ich kann mir vorstellen, dass sich solche Typen eher etwas Umgangssprachlich derb ausdrücken. In deinem Dialog habe ich aber nichts Derbes entdecken können. Deshalb mein Vorschlag mit dem Fluchen. Ich sage nicht, dass mein Vorschlag besser ist und du ihn übernehmen sollst, sondern ich wollte dir den Vergleich zur Stimmung / Atmosphäre aufzeigen.
„Das ist nicht wahr, ich habe gekämpft wie ein wildes Tier und dabei viel mehr Männer getötet als du, bei Thor!“
Einige der anderen Männer glucksten.

Die Frage ist auch, warum glucksen die Männer. Glucksen sie wegen dem Streit an sich, dass man sich über so etwas zankt? Oder glucksen sie wegen der einfältigen Wortwahl, deines etwas einfältigen Charas?
Die weitergehende Frage wäre, was ist denn einfältig? Ich denke nicht, dass jemand einfältig ist, wenn er sich ungeschickt ausdrückt. Er ist eher einfältig, wenn er ungeschickte Dinge tut. Daher würde ich sagen, die Männer glucksen, weil überhaupt über ein solches Thema gesprochen wird :wink: Ergo: du könntest den Satz umformulieren und die Aussage wäre damit noch die Gleiche.

So, jetzt schalte ich meinen Klugsch...modus wieder aus. :XD: :XD: ich bin nicht immer so, nur ab und zu :wink: :wink: :P :P

Liebe Grüsse
ESchen
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