[SciFi]Clara - Kurzgeschichte (1/4) *Aktualisiert*

[SciFi]Clara - Kurzgeschichte (1/4) *Aktualisiert*

Beitragvon dadazinga » 01.06.2014, 14:55

Ich hab mich bemüht, alle eure Ratschläge zu beherzigen (zumindest die, die mir sinnvoll erschienen. Manche wollten die Welt/Szenario weiter ausgebaut, andere die Handlung schneller und dynamischer vorangetrieben sehen. Der Kompromiss war, auch die Backstory dynamischer zu gestalten. Ich hoffe ich hab's damit nicht verschlimmbessert.

Ich saß am Schreibtisch meiner winzigen Dachgeschosswohnung und sah nach draußen. Die Fenster hielt ich geschlossen, sodass der rußige Mief der Straße nicht hereinkommen konnte. Die Stadt stank dieser Tage wieder besonders nach abgebrannten Reifen, nassem Asphalt und Rauch. Aus den Gullis stieg modriger Dampf, als würde irgendetwas unter der Oberfläche brodeln. Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und kaschierte damit die absolute Hässlichkeit der Häuserschluchten. Und wie so oft fiel mein Blick irgendwann auf den schwarzen Vogel, der seit Tagen auf der Friedhofsmauer gegenüber meiner Wohnung saß.

Ich kann nicht sagen, welche Art von Vogel es war. Clara hätte es sicher gewusst. Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren und iinen Tricks beizubringen. Mit ihrem magischen Varietéprogramm trat sie in den umliegenden Spelunken und Theatern auf. Sie träumte davon, von dem Geld die Stadt verlassen zu können und aufs Land zu ziehen. „Die Tiere haben inzwischen die gleiche arglistige Grimmigkeit der Stadtmenschen angenommen“, sagte sie, als uns einmal ein Mob von Friedhofsaffen umlagerte, in der Hoffnung Essen abstauben zu können. Das wäre ein eindeutiges Zeichen, dass man seine Koffer packen und verschwinden müsse. Wohin konnte sie mir nicht sagen. Wie man hörte, waren die Zustände außerhalb der Stadt auch nicht viel besser.

Als ich den krähenartigen Vogel betrachtete, war mir sofort klar, was Clara mit „arglistiger Grimmigkeit“ gemeint hatte. Er forderte mich nun schon seit mehreren Tagen mit seinem kohleschwarzen, stechenden Blick heraus. Die Schlaflosigkeit, die mich seit geraumer Zeit heimsuchte, tat ihr übriges und ließ mich etwas paranoid werden. Ich fantasierte, dass die Seelen der Toten in die Tiere gefahren seien, um die Lebenden dafür zu strafen, überlebt zu haben. An manchen Tagen war ich mir allerdings nicht sicher, wer hier wirklich die Glücklicheren waren: Die Toten oder die Lebenden.

Ich sah meine Familie und Freunde sterben als ich noch ein Kind war. Die Erinnerung, die sich mir am stärksten eingebrannt hat, ist jedoch nicht der Todeskampf meiner infizierten Angehörigen. Nein, es ist ironischerweise die Schlagzeile einer Zeitung, die ich las während ich mit meinem Vater verlassene Supermärkte plünderte: „Bio-Wars Außer Kontrolle – Milliarden Sterben“. Es war die letzte gedruckte Zeitung für viele Jahre, bis ich und eine Handvoll anderer Weltverbesserer die New Times gründeten.

So lernte ich Clara kennen, die ich für unsere Zeitung interviewte. Voller Pathos schrieb ich: „[…] der größte Trick, den Madame Clara an diesem Abend vollführte, war ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zu zaubern, womit sie die Welt ein kleines Stück besser macht.“ Ich glaube es war unser Idealismus und eben jener Glaube an eine bessere Welt, der uns zueinander führte. Heute ist bei mir davon kaum noch etwas übrig geblieben. Clara verschwand spurlos an einem verregneten Oktobermorgen. Die Polizei suchte halbherzig ein paar Tage nach ihr, und legte den Fall dann zu den Akten. „Menschen entscheiden sich eben, zu verschwinden. Besonders heutzutage. Ich kann das gut verstehen und Sie sollten das langsam auch“, sagte der zuständige Polizist als ich zum fünften Mal nach dem Ermittlungsstand fragte. Und er hatte Recht. Sie wollte verschwinden. Wir wollten verschwinden. Gemeinsam. Eine Erklärung, warum sie mich zurückgelassen haben sollte, wollte mir beim besten Willen nicht einfallen.

Der schwarze Vogel hatte mich lange genug verhöhnt, entschied ich in einem Anfall von Zorn. Ich riss die Fensterläden auf und brüllte hinüber: „Verpiss dich!“ Das Tier hatte einen anderen Plan und flog ohne Umschweife direkt auf mich zu. Perplex sprang ich zur Seite und ließ ihn flatternd auf meinem Schreibtisch Platz nehmen. Hatte er darauf gewartet, dass ich endlich das Fenster öffnete? Erst jetzt bemerkte ich, dass er eine verkrampfte Kralle hatte. So als würde er etwas festhalten. Es war ein kleiner Zettel.


Version 1: (Zum Lesen bitte scrollen)
Die aktualisierte Version habe ich in einem neuen Kommentar gepostet. Ich wollte die alte Version der Nachvollziehbarkeit halber nicht verlieren.

Hallo liebe Schreibwerkstatt-Community,

Ich würde gerne meine Geschichte Clara zur Diskussion freigeben. Ich hoffe man kann sie als Science Fiction klassifizieren. Sie spielt in einer dystopischen Welt, mehr auch nicht. Das sehe ich auch selbst als Kritikpunkt an. Außerdem bin ich mir über das Ende unsicher. Meinungen sind sehr wilkommen :) Allerdings muss ich die Geschichte in mehrere Teile teilen.

Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass die Geschichte im Rahmen eines Story Cubes Projektes entstanden ist. Dabei werden mehrere Würfel mit Bildern, Storyelementen, Handlungen darauf geworfen. Und diese Begriffe müssen in der Geschichte auftauchen.

Clara

Waren es drei Tage? Drei Monate? Jahre? Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ich saß am Schreibtisch in meiner winzigen Dachgeschosswohnung. Die Fenster hielt ich geschlossen, sodass der rußige Mief der Straße nicht hereinkommen konnte. Die Stadt stank dieser Tage wieder besonders nach abgebrannten Reifen, nassem Asphalt und Rauch. Aus den Gullis stieg stinkender Dampf auf. Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Licht des zunehmenden Mondes. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings schon eine Weile nicht mehr dem nächtlichen Treiben.

Seit wenigen Tagen saß ein schwarzer Vogel auf der Friedhofsmauer gegenüber meiner Wohnung. Ich vermag nicht zu sagen, welche Art von Vogel es war. Clara hätte es sicher gewusst. Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren. Manchmal trat sie damit auf. Sie führte ein paar Zaubertricks auf und ließ Vögel, Katzen oder Affen kleine Kunststücke vollführen. Auch deswegen träumte sie davon, die Stadt zu verlassen. Raus auf Land. Oder auf das, was vom Land noch übrig war. In der Stadt gab es zwar auch Tiere. Sie hatten allerdings die gleiche arglistige Grimmigkeit der Stadtmenschen angenommen. Wie dieser schwarze Krähenvogel dort. Er forderte mich nun schon seit drei Tagen mit seinem kohleschwarzen, stechenden Blick heraus. Der Schlafmangel, der mich seit geraumer Zeit heimsuchte, ließ mich etwas paranoid werden. Manchmal bildete ich mir ein, ich würde von irgendjemanden beobachtet. Dann wiederum fantasierte ich, dass die Seelen der Toten in die Tiere gefahren seien, um die Lebenden dafür zu strafen überlebt zu haben. An manchen Tagen war ich mir allerdings nicht sicher, wer hier wirklich die Glücklicheren waren. Die Toten oder die Lebenden. Denn seit dem Ausfall war das Leben ein anderes. Ich war noch ein Kleinkind, als es passierte. Übrig blieb eine um 60% dezimierte Erdbevölkerung und eine Welt, deren Infrastruktur komplett zusammengebrochen war. Wir siechten nun irgendwo zwischen Industriezeitalter und digitalem Zeitalter dahin.

Der Vogel hatte mich genug verhöhnt, entschied ich in einem Anfall von Zorn. Ich riss die Fensterläden auf und brüllte hinüber. Sofort setzte sich das Tier in Bewegung und flog ohne Umschweife direkt auf mich zu. Zu perplex um zu reagieren, sprang ich zur Seite und ließ ihn flatternd auf meinem Schreibtisch Platz nehmen. Hatte er darauf gewartet, dass ich das Fenster öffnete? Erst jetzt bemerkte ich, dass er eine verkrampfte Kralle hatte. So als würde er etwas festhalten. Tatsächlich sah ich, dass ein Zettel in seinem linken Fuß steckte. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, warum ich dem Krähenvogel und dem Zettel so große Bedeutung zumaß. Vielleicht hatte ich instinktiv gewusst, dass es etwas mit Claras Verschwinden zu tun hatte. Vielleicht wollte ich mich aber auch nur vom Schmerz ihres Verlustes ablenken. Meine geliebte Clara verschwand spurlos an einem verregneten Oktobermorgen. Die Polizei stellte keine Hinweise auf ein Verbrechen fest und legte den Fall zu den Akten. Menschen entschieden sich eben, zu verschwinden. Da könne man nichts gegen haben. Besonders in der heutigen Zeit würde das häufig passieren. Und sie hatten Recht. Sie wollte verschwinden. Wir wollten verschwinden. Gemeinsam. Eine Erklärung, warum sie mich zurückgelassen haben sollte, wollte mir nicht einfallen. [...]

Zuletzt geändert von KleineLady1981 am 10.08.2015, 08:01, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Beiträge zusammengeführt, alteversion-Format eingesetzt - Bitte Regeln beachten :)
dadazinga
 
Beiträge: 38
Registriert: 01.05.2014, 02:15

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon Diemen » 02.06.2014, 15:15

Hallöchen! Ich konnte leider nur den ersten Teil finden, weshalb ich keine Aussagen zur gesamten Kurzgeschichte machen kann. Science Fiction scheint aber zu stimmen. :)
Zum Text:

Die Fenster hielt ich geschlossen, sodass ...

Auch, wenn du den Vorsatz schon mit "Ich" begonnen hast, würde ich diesen Satz mit dem Subjekt anfangen. Das wirkt dynamischer, ist aber auch Geschmackssache.

Die Stadt stank dieser Tage wieder ...

diese Tage

Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Licht des zunehmenden Mondes.

Du hast in diesem Satz zweimal Licht in unterschiedlicher Qualität. Mit "golden" verbinde ich als Leser etwas wertvolles, schönes, was nicht ganz in das Szenario passt.
Vorschlag: Der trübe Schein der wenigen funktionierenden ...

Meine Aufmerksamkeit galt allerdings schon eine Weile nicht mehr dem nächtlichen Treiben.

Das ist der erste Satz, der nicht zur statischen Beschreibung der Szene gehört. Die Worte "allerdings" und "nicht mehr" spielen einen Kontrast an, der keine Basis hat: Es ist ja bis jetzt nichts passiert. Vielmehr nimmst du vorweg, was als nächstes passiert.
Versuche gerade am Anfang deiner Geschichte (vor allem bei Kurzgeschichten) einen dynamischeren Einstieg zu finden. Indem du z.B. am Anfang den Satz "Ich saß am Schreibtische in meiner winzigen Dachgeschosswohnung" anfügst: "und beobachtete die Straße vor meinem Fenster."
Auf diese Weise sind die Leser auf die Verlagerung deiner Aufmerksamkeit besser Gefasst und Szenario und Handlung fließen besser ineinander.

Ich vermag nicht zu sagen, welche Art von Vogel es war.

Abgesehen davon, dass "vermag" nicht zum restlichen Sprachgebrauch des Erzählers passt, nennt er ihn im späteren Verlauf der Geschichte immer Krähenvogel, hat also zumindest eine Vorstellung davon, welche Art von Vogel es sein könnte.

Raus auf Land.

Auf das Land: Raus aufs Land

arglistige Grimmigkeit

oder eher grimmige Arglist?

Er forderte mich schon seit drei Tagen mit seinem ...


Der Schlafmangel, der mich seit geraumer Zeit heimsuchte, ...

Der Schlafmangel ist die Folge der Schlaflosigkeit, die den Prot seit geraumer Zeit heimsuchte.

Übrig blieb eine um 60% dezimierte Erdbevölkerung und eine Welt, deren Infrastruktur komplett zusammengebrochen war. Wir siechten nun irgendwo zwischen Industriezeitalter und digitalem Zeitalter dahin.

Die um 60% dezimierte Erdbevölkerung würde in totalen Zahlen das Ausmaß der Katastrophe deutlicher machen: Es sind 4,3 Milliarden Menschen gestorben!
Wenn die Infrastruktur komplett zusammenbricht, bedeutet das, dass nichts mehr funktioniert. Da gibt es kein digitales Zeitalter mehr. Die Industrie funktioniert, wenn überhaupt, nur noch bedingt. Vielleicht kannst du das noch etwas ausarbeiten.

Der Vogel hatte mich genug verhöhnt, entschied ich ...

Ab hier kommt Bewegung in die Geschichte. In diesem Absatz entwickelt sich zum ersten Mal ein konstanter Lesefluss.
Ich habe weiter oben schon erwähnt, dass gerade bei Kurzgeschichten ein dynamischer einstieg wichtig ist. Du hast nicht viel Zeit ein komplexes Szenario zu Beginn aufzubauen, wie das in einem Roman manchmal der Fall ist. Du bist vielmehr dazu gezwungen viele Fakten zu deiner Welt unterwegs zu etablieren.
In diesem Fall ist das kein Problem. Wir wissen ja, dass der Erzähler am Fenster sitzt und das Szenario beschreibt, dass sich vor ihm entfaltet. Daran ist nichts auszusetzten.
Ich schreibe das nur in Hinblick auf zukünftige Kurzgeschichten: Ab hier wird das Szenario erst lebendig.

Tatsächlich sah ich, dass ein Zettel in seinem linken Fuß steckte.

Der Vogel hält das Papier eher fest, als dass es IN seinem Fuß steckt.

Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, warum ich dem Krähenvogel und dem Zettel so große Bedeutung zumaß.

Er ist gerade zum Fenster hereingeflogen und sitzt jetzt mit einem Zettel auf deinem Tisch. Jeder würde dem Bedeutung zumessen.

Da könne man nichts gegen haben.

In der indirekten Rede würde ich umgangssprachliche Formulierungen vermeiden. Sie werden dem Erzähler zugerechnet auch, wenn es die Polizisten waren, die es so gesagt haben.


Ohne den Rest der Geschichte lesen zu können kann ich jetzt nur zum Anfang etwas Allgemeines sagen. Mein einziger Kritikpunkt ist, vorbehaltlich der nachfolgenden Teile, die Reihenfolge. Du beginnst mit statischer Schilderung, gefolgt von Handlung, die von den diffusen Erinnerungen an Clara unterbrochen werden. Vielleicht findest du einen Weg, das Szenario mehr in die Handlung zu integrieren.

Es ist dir gut gelungen in den wenigen Absätzen des ersten Teiles eine düstere Stimmung aufzubauen. In diesem Teil umgibt Clara eine geheimnisvolle Aura. Es wirkt auf den Leser so, als wären mit ihr Erinnerungen verbunden, die zu schmerzhaft sind, um sie direkt anzusprechen. Das finde ich großartig und macht mir Lust auf Mehr!
Diemen
 
Beiträge: 62
Registriert: 07.05.2014, 13:36
Wohnort: Wien

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon DrJones » 02.06.2014, 18:16

Hallo dadazinga,

Das war richtig endzeit-stimmungsvoll! Sehr gut!

Ein paar kleine Anmerkungen. Wie immer: Es sind nur Hinweise und Tipps und
nur der Autor allein entscheidet!

Also:

Clara

Waren es drei Tage? Drei Monate? Jahre? Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ich saß am Schreibtisch in meiner winzigen Dachgeschosswohnung. Die Fenster hielt ich geschlossen, sodass der rußige Mief der Straße nicht hereinkommen konnte. Die Stadt stank dieser Tage wieder besonders nach abgebrannten Reifen, nassem Asphalt und Rauch. Aus den Gullis stieg stinkender Dampf auf. Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Licht des zunehmenden Mondes. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings schon eine Weile nicht mehr dem nächtlichen Treiben.


Das ist richtig gut!

Seit wenigen Tagen saß ein schwarzer Vogel


--> Schon seit ein paar Tagen ...

Du willst ja ausdrücken, dass der Vogel Dich beunruhigt.

Ich vermag nicht zu sagen, welche Art von Vogel es war. Clara hätte es sicher gewusst. Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren.


Nette Idee! Du wirfst dramatische Fragen auf: Wer ist Clara? Wo ist sie jetzt? Eine seltene Fähigkeit?
Sehr gut! Ich beuge mich gespannt vor!

Manchmal trat sie damit auf. Sie führte ein paar Zaubertricks auf und ließ Vögel, Katzen oder Affen kleine Kunststücke vollführen. Auch deswegen träumte sie davon, die Stadt zu verlassen.

Ich würde das alles im Plusquamperfekt schreiben. Clara ist ja jetzt nicht mehr da. "Jetzt" ist Perfekt.

Sie hatten allerdings die gleiche arglistige Grimmigkeit der Stadtmenschen angenommen. Wie dieser schwarze Krähenvogel dort.


"arglistige Grimmigkeit". Einfach toll! Den Hut schwenkend!

Er forderte mich nun schon seit drei Tagen mit seinem kohleschwarzen, stechenden Blick heraus. Der Schlafmangel, der mich seit geraumer Zeit heimsuchte, ließ mich etwas paranoid werden.


Ich würde den Schlafmangel/Schlaflosigkeit vom Vogel deutlich getrennt halten.
--> Auch die Schlaflosigkeit, die mich ...

Manchmal bildete ich mir ein, ich würde von irgendjemanden beobachtet.


Das klingt nicht ganz logisch. Der Vogel beobachtet Dich ja ... also wieso in Zweifel ziehen?

Dann wiederum fantasierte ich, dass die Seelen der Toten in die Tiere gefahren seien, um die Lebenden dafür zu strafen überlebt zu haben.


Nett ... eine geschickte Rückblende.

Wir siechten nun irgendwo zwischen Industriezeitalter und digitalem Zeitalter dahin.


Dramatischer/zugespitzter schreiben: Wir siechten nun irgendwo zwischen Mittelalter und digitalem Zeitalter dahin.

Der Vogel hatte mich genug verhöhnt.


--> Der Vogel hatte mich lange genug verhöhnt.

Zu perplex um zu reagieren, sprang ich zur Seite und ließ ihn flatternd auf meinem Schreibtisch Platz nehmen.


Nicht ganz logisch. "Zu perplex um zu reagieren, sprang ich" ist ein Widerspruch in sich, denn
Du reagierst ja gerade, indem Du zur Seite springst. Du kannst in dem Moment auch nichts entscheiden.
Der Moment ist ja viel zu kurz. Eine Entscheidung setzt eine längere Zeit voraus.

Also:

Ich sprang erschrocken zur Seite; das Tier nahm flatternd auf meinem Schreibtisch Platz.


Hatte er darauf gewartet, dass ich das Fenster öffnete?


Das Fenster war doch schon auf? Oder?

Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, warum ich dem Krähenvogel und dem Zettel so große Bedeutung zumaß. Vielleicht hatte ich instinktiv gewusst, dass es etwas mit Claras Verschwinden zu tun hatte.


Warum hier bitte eine Vorwegnahme? Du bringst mich hier aus der Spannung damit. Sorry.

Meine geliebte Clara verschwand spurlos an einem verregneten Oktobermorgen. Die Polizei stellte keine Hinweise auf ein Verbrechen fest und legte den Fall zu den Akten. Menschen entschieden sich eben, zu verschwinden. Da könne man nichts gegen haben. Besonders in der heutigen Zeit würde das häufig passieren. Und sie hatten Recht.


Dann gleich eine Rückblende. Mir wird schwindelig. Die Spannung ist passé ...

Ich wäre gerne sofort weiter bei dem Friedhofsvogel geblieben. Was steht auf dem Zettel? Ohne Vorwegnahmen oder Rückblenden.
Rückblenden würde ich nur bringen, um ein ungewohntes Verhalten eines Protagonisten zu erklären.
Rückblenden sind ein richtiger Spannungskiller.

Also Deine Geschichte ist ganz großartig und macht Lust auf mehr. Gegen Ende wird die Spannung
abgebrochen.
Benutzeravatar
DrJones
 
Beiträge: 164
Registriert: 14.05.2014, 22:41

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon dadazinga » 02.06.2014, 20:08

Danke schon mal für euer Feedback. Ihr habt vollkommen Recht mit der Kritik. Die anderen Teile durfte ich noch nicht hochladen. 2 Kommentar Sperre, ihr versteht ;) Ich muss mich hier erst im Forum nützlich machen.

Ich freue mich aber auf weiteres Feedback, sobald die anderen Teile online sind.
dadazinga
 
Beiträge: 38
Registriert: 01.05.2014, 02:15

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon Flemeth » 03.06.2014, 23:50

Hi, dadazinga.

Ich hab deinen Text gelesen und lasse dir einige Anmerkungen dazu da. Ach ja, ich mag den Namen der Geschichte sehr gerne.

Waren es drei Tage? Drei Monate? Jahre? Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ich saß am Schreibtisch in meiner winzigen Dachgeschosswohnung. Die Fenster hielt ich geschlossen, sodass der rußige Mief der Straße nicht hereinkommen konnte. Die Stadt stank dieser Tage wieder besonders nach abgebrannten Reifen, nassem Asphalt und Rauch. Aus den Gullis stieg stinkender Dampf auf. Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Licht des zunehmenden Mondes. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings schon eine Weile nicht mehr dem nächtlichen Treiben.


Der Einstieg ist gelungen und erzeugt Bilder. Allerdings habe ich mit einer kleinen Sequenz mein Problem:
Der Erzähler sitzt am Schreibtisch, das Fenster ist geschlossen. Dann einige Zeilen später beschreibt er, dass das Laternenlicht sich in den regennassen Straßen spiegelt. Kann er das wirklich von seiner Position aus sehen? Die Beschreibung an sich ist zwar recht schön, aber du musst den Erzähler vorher zumindest im Stehen aus dem Fenster blicken lassen.

Seit wenigen Tagen saß ein schwarzer Vogel auf der Friedhofsmauer gegenüber meiner Wohnung.


Hm… Friedhofsmauer. Ich hab mir nach dem ersten Absatz vorgestellt, dass der Erzähler im Zentrum einer großen Stadt wohnt. Wegen rußigem Mief, Rauch, Gestank, etc. Aber naja.

Ich vermag nicht zu sagen, welche Art von Vogel es war. Clara hätte es sicher gewusst. Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren. Manchmal trat sie damit auf. Sie führte ein paar Zaubertricks auf und ließ Vögel, Katzen oder Affen kleine Kunststücke vollführen. Auch deswegen träumte sie davon, die Stadt zu verlassen. Raus auf Land. Oder auf das, was vom Land noch übrig war. In der Stadt gab es zwar auch Tiere. Sie hatten allerdings die gleiche arglistige Grimmigkeit der Stadtmenschen angenommen. Wie dieser schwarze Krähenvogel dort. Er forderte mich nun schon seit drei Tagen mit seinem kohleschwarzen, stechenden Blick heraus.


Der ganze Abschnitt hier, gefällt mir sehr gut. Du leitest die namensgebende Figur sehr schön ein und man bekommt ein erstes, vages Bild von ihr. Auch fragt man sich sofort, was mit Clara passiert ist.
Gut gefällt mir die arglistige Grimmigkeit.
Vielleicht solltest du den Vogel danach nicht Krähenvogel nennen. Schließlich hat der Erzähler ja eben gesagt, dass er die Art des Vogels nicht einschätzen kann. Und Krähe ist schon eine ziemlich genaue Beschreibung. Vielleicht krähenartig?

Übrig blieb eine um 60% dezimierte Erdbevölkerung und eine Welt, deren Infrastruktur komplett zusammengebrochen war. Wir siechten nun irgendwo zwischen Industriezeitalter und digitalem Zeitalter dahin.


Mich stören die 60%. Erstens glaube ich nicht, dass man nach einer derart riesigen Katastrophe, so genau messen kann, wie viele Menschen eine wirklich überlebt haben, vor allem, da die Infrastruktur ziemlich mitgenommen sein muss und Messungen solcher Art nicht so leicht möglich sind. Naja, schon möglich unter Umständen, aber -> Zweitens ist es stimmungsvoller, wenn du nicht genau verrätst, wie viele Menschen es noch gibt. Vielleicht: stark dezimierte Erdbevölkerung?

Tatsächlich sah ich, dass ein Zettel in seinem linken Fuß steckte.


Lieber: an seinem linken Fuß.

Dann springst du in der Zeit nach vorne und kommst mit einer Rückblende. Hm. Ich hätte lieber erfahren, was es mit dem Briefchen auf sich hat. Aber gut. Man muss ja dem Leser nicht immer alles geben, was er haben will.
Ich, als Leser, hoffe aber trotzdem, dass der Zettel große Bedeutung hatte zweifle aber jetzt irgendwie daran, da der Erzähler sehr emotionslos und fast reumütig daran zurückdenkt, dass er dem Zettel so große Bedeutung zugemessen hat.

Ansonsten habe ich nichts gefunden, das mich gestört hätte. Im Gegenteil, ich finde du hast einen guten Einstieg geliefert und hoffe auf eine gute, weitere Geschichte.

Lg, Flemeth
Find what you love and let it kill you.
Benutzeravatar
Flemeth
 
Beiträge: 44
Registriert: 09.05.2014, 17:35

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon dadazinga » 05.06.2014, 14:07

@Diemen:

diese Tage


Bin mir ziemlich sicher, dass "dieser tage" in meinem Kontext richtig ist ;)

Du hast in diesem Satz zweimal Licht in unterschiedlicher Qualität. Mit "golden" verbinde ich als Leser etwas wertvolles, schönes, was nicht ganz in das Szenario passt.
Vorschlag: Der trübe Schein der wenigen funktionierenden ...


Wenn sich Straßenlaternen in regennasser Straße spiegeln, sieht das doch golden aus oder? Aber ich sehe, dass das auch zu Verwirrungen führen kann. "Trüb" gefällt mir auch.

Auf das Land: Raus aufs Land


Tippfehler ;)

@DrJones:

Das Fenster war doch schon auf? Oder?


Nö, war geschlossen. Sagt der Erzähler am Anfang auch ;)

Der Rest deiner Kritik vollkommen nachvollziehbar und richtig.

@Flemeth:

Dann einige Zeilen später beschreibt er, dass das Laternenlicht sich in den regennassen Straßen spiegelt. Kann er das wirklich von seiner Position aus sehen?


Ok, okay. In meinem Kopf steht der Schreibtisch direkt am Fenster. Hab ich vergessen zu erwähnen.

Hm… Friedhofsmauer. Ich hab mir nach dem ersten Absatz vorgestellt, dass der Erzähler im Zentrum einer großen Stadt wohnt. Wegen rußigem Mief, Rauch, Gestank, etc. Aber naja.


Ist halt nicht so. Da ist ne Straße, Laternen, eine Häuserfront an der Seite, von wo aus der Erzähler beobachtet und eben die Friedhofsmauer gegenüber. Kann man vielleicht noch deutlicher beschreiben, dass es keine Verwirrungen gibt.

Vielleicht krähenartig?


Ja, sehr gut. Besser!
dadazinga
 
Beiträge: 38
Registriert: 01.05.2014, 02:15

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon Azareon29 » 17.06.2014, 00:04

Hallo dadazinga,

dann mal gleich ans Werk.

Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Licht des zunehmenden Mondes.

Zweimal hintereinander Licht im selben Satz klingt für mich etwas unsauber. Hier schadet es nicht, etwas poetisch zu werden. Das Gold der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und vermischte sich mit dem schimmernden Silber des zunehmenden Mondes.

Seit wenigen Tagen saß ein schwarzer Vogel auf der Friedhofsmauer gegenüber meiner Wohnung. Ich vermag nicht zu sagen, welche Art von Vogel es war. Clara hätte es sicher gewusst. Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren. Manchmal trat sie damit auf. Sie führte ein paar Zaubertricks auf und ließ Vögel, Katzen oder Affen kleine Kunststücke vollführen. Auch deswegen träumte sie davon, die Stadt zu verlassen. Raus auf Land. Oder auf das, was vom Land noch übrig war. In der Stadt gab es zwar auch Tiere. Sie hatten allerdings die gleiche arglistige Grimmigkeit der Stadtmenschen angenommen. Wie dieser schwarze Krähenvogel dort. Er forderte mich nun schon seit drei Tagen mit seinem kohleschwarzen, stechenden Blick heraus. Der Schlafmangel, der mich seit geraumer Zeit heimsuchte, ließ mich etwas paranoid werden. Manchmal bildete ich mir ein, ich würde von irgendjemanden beobachtet. Dann wiederum fantasierte ich, dass die Seelen der Toten in die Tiere gefahren seien, um die Lebenden dafür zu strafen überlebt zu haben. An manchen Tagen war ich mir allerdings nicht sicher, wer hier wirklich die Glücklicheren waren. Die Toten oder die Lebenden. Denn seit dem Ausfall war das Leben ein anderes. Ich war noch ein Kleinkind, als es passierte. Übrig blieb eine um 60% dezimierte Erdbevölkerung und eine Welt, deren Infrastruktur komplett zusammengebrochen war. Wir siechten nun irgendwo zwischen Industriezeitalter und digitalem Zeitalter dahin.

Also, erst weiß dein Prota nicht, um was für einen Vogel es sich handelt, dann ist es plötzlich eine Krähe?
Davon abgesehen, mich stört dieses informierte Attribut der Paranoia durch Schlafmangel. Das würde ich weglassen und eher durch eine abgehackte Tirade über diesen ominösen Ausfall und die um 60% dezimierte Erdbevölkerung ersetzen. Vorschlag: Verdammter Vogel. Er beobachtete mich. Er wusste wer ich war. Wusste was ich getan hatte. Sechzig. Sechzig Prozent tot. Müssen irgendwo hin. Die, die Tiere, die sind das naheliegendste. Ja, die stecken in den Tieren.
Ich rieb mir die Augen. Verdammter Schlafmangel...


Der Vogel hatte mich genug verhöhnt, entschied ich in einem Anfall von Zorn. Ich riss die Fensterläden auf und brüllte hinüber. Sofort setzte sich das Tier in Bewegung und flog ohne Umschweife direkt auf mich zu. Zu perplex um zu reagieren, sprang ich zur Seite und ließ ihn flatternd auf meinem Schreibtisch Platz nehmen. Hatte er darauf gewartet, dass ich das Fenster öffnete? Erst jetzt bemerkte ich, dass er eine verkrampfte Kralle hatte. So als würde er etwas festhalten. Tatsächlich sah ich, dass ein Zettel in seinem linken Fuß steckte. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, warum ich dem Krähenvogel und dem Zettel so große Bedeutung zumaß. Vielleicht hatte ich instinktiv gewusst, dass es etwas mit Claras Verschwinden zu tun hatte. Vielleicht wollte ich mich aber auch nur vom Schmerz ihres Verlustes ablenken. Meine geliebte Clara verschwand spurlos an einem verregneten Oktobermorgen. Die Polizei stellte keine Hinweise auf ein Verbrechen fest und legte den Fall zu den Akten. Menschen entschieden sich eben, zu verschwinden. Da könne man nichts gegen haben. Besonders in der heutigen Zeit würde das häufig passieren. Und sie hatten Recht. Sie wollte verschwinden. Wir wollten verschwinden. Gemeinsam. Eine Erklärung, warum sie mich zurückgelassen haben sollte, wollte mir nicht einfallen. [...]

Wenn der Vogel plötzlich 'Nimmermehr' krächzt, dann bin ich raus. :mrgreen:
Das der Prota instinktiv ahnt, der Zettel könnte etwas mit Clara zu tun haben, scheint mit ein wenig weithergeholt. Lass uns den Zettel lesen und dann eine Überleitung zu Claras Verschwinden.

Hm, auf den ersten Blick würde ich die Story eher als Urban Fantasy einordnen. Aber das ist ja nur der erste Teil. Mal sehen wie es weitergeht.
Man muss sich ins Leben fallen lassen - was wäre die Alternative?
- Gilly the perky goth
Benutzeravatar
Azareon29
 
Beiträge: 236
Registriert: 09.10.2011, 18:05
Wohnort: Modautal

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4)

Beitragvon Cernunnos » 19.06.2014, 20:36

Hi dadazinga,

ich mag deine Geschichte wirklich sehr. Sie macht mir auf jeden Fall Lust auf mehr.
Da ich jedoch nicht so richtig, wie es alle anderen getan habe, gut darin bin, jeden einzelnen Fehler zu finden, schreibe ich lieber, was ich an deiner Geschichte mag und nicht mag. Außerdem möchte ich ja nicht alles doppelt und dreifach betonen und erneut die Fehler auflisten. Hoffentlich verstehst du das.

Zu Beginn fand ich die Geschichte ein wenig langweilig, wenn ich ehrlich sein soll. Interessant wurde es für mich erst, als Clara ins Spiel kam. Die richtige Bedeutung des Vogels wurde mir noch nicht wirklich klar, aber ich habe zuerst auch nur den ersten Teil der Kurzgeschichte gelesen. Oder vielleicht ist es nur die Verbindung zu ihrer Gabe? Aber das wäre ein bisschen zu wenig. Die Hauptperson interpretiert meiner Meinung zu viel in den Vogel, wenn er nur die Verbindung aufbauen soll. (Okay. Ich habe nun selbst den Überblick darüber verloren, was genau ich damit meinte. 'tschuldige!)
Die Lage der Welt erläuterst du ganz gut. Kurz und knapp. Kein Grund. Aber genau das erhöht die Spannung und bei mir auch den Drang weiterzulesen. Jedoch stimme ich Diemen zu, dass die 60% eine eher ungenaue Angabe ist, mit der viele wahrscheinlich nicht so viel anfangen können. Du hättest ruhig die Fakten auf den Tisch hauen können. (Aber lass den Tisch ganz! :wink: )
Zum Schluss hin habe ich, obwohl der Abschnitt nur so kurz ist, ihn hinuntergeschlungen, wie eine richtig gute Mahlzeit. Clara ist davon gegangen. Und die Hauptperson wolltest mit. Aber wieso ging sie ohne sie? Und wieso wollten beide überhaupt weg? Fragen über Fragen. Und du hast geschickt eine Pause gesetzt, da ich nun wahnsinnig vor ungeklärten Fragen werde und weiter lesen muss.

Alles in allem ist Clara (1/4) ein wirklich ausgezeichneter Anfang für eine Kurzgeschichte, die mit ihren offenen Fragen viel Spielraum für Spannung und Story bietet. Ich bin schon ganz wild weiterzulesen, was sonst nur wenige Geschichten und/oder Bestseller, wie Die Tribute von Panem schaffen. Hoffentlich werde ich nicht enttäuscht! :wink: Aber ich glaube, dass dies bei so einem Anfang gar nicht passieren kann.

LG Cernunnos
Cernunnos
 
Beiträge: 3
Registriert: 19.06.2014, 20:11
Wohnort: Deutschland

Re: Clara - Kurzgeschichte (1/4) *Aktualisiert*

Beitragvon CraX » 26.06.2014, 01:18

Hallo dadazingda,

Der Titel als SF hat mich neugierig gemacht.
Der Beginn: Man sollte eine Story (möglichst) immer mit einem Satz beginnen, der neugierig auf mehr macht. In dieser Version fängt es relativ gemütlich und unspannend an. Da war der Beginn der ersten Version besser, allerdings ungeklärt. Wie wäre es, wenn du den letzten Satz des ersten Abschnitts nach vorne verlegst:
Wie so oft fiel mein Blick auf den schwarzen Vogel, der seit Tagen auf der Friedhofsmauer gegenüber meiner Wohnung saß.
Und dann folgte der erste Absatz wie gehabt.


Noch ein paar Kleinigkeiten:

Die Stadt stank dieser Tage wieder besonders nach abgebrannten Reifen, nassem Asphalt und Rauch.

Purer, nasser Asphalt ist für mich eher geruchlos. Ansonsten kann ich die düstere Stimmung zu Beginn schon ganz gut nachvollziehen.

Das goldene Licht der wenigen funktionierenden Straßenlaternen spiegelte sich in den regennassen Straßen und kaschierte damit die absolute Hässlichkeit der Häuserschluchten.

Um die düstere Stimmung stimmig zu halten aus dem goldenen Licht vielleicht eher ein blassgelbes oder schmutzig braunes Licht machen?
„absolut“ würde ich streichen. Man neigt immer zu unnötigen Unterstreichungen.

Sie hatte diese einmalige Gabe mit Tieren zu kommunizieren und iinen Tricks beizubringen.

und ihnen ihnen Tricks beizubringen
Klingt so, als ob sie mit Tieren sprechen könnte, was die ganze Geschichte dann zu einem Märchen machen würde. Ich weiß nicht, obs so gemeint ist, aber wenn (hoffentlich) nicht, dann würde ich es etwas anders umschreiben.

Ich fantasierte, dass die Seelen der Toten in die Tiere gefahren seien, um die Lebenden dafür zu strafen, überlebt zu haben.

Das wäre ja keine Strafe, sondern zunächst nur mal ein Aberglaube. Ich denke, du willst hier ein gewisses Unbehagen vermitteln, was aber nicht ganz gelungen ist.

Ich sah meine Familie und Freunde sterben als ich noch ein Kind war. Die Erinnerung, die sich mir am stärksten eingebrannt hat, ist jedoch nicht der Todeskampf meiner infizierten Angehörigen.

Klingt abstrakt, auch wenn es ihn nicht so berührt, kann man die Szene schmerzlicher gestalten, wenn du aus den anonymen Angehörigen ein bestimmtes Familienmitglied machst (Ich nenne die Schwester einfach mal Evi). Außerdem gibt’s da noch ein Zeitproblem:
Ich sah meine Mutter und Evi sterben als ich noch ein Kind war. Die Erinnerung, die sich mir am stärksten eingebrannt hat, ist jedoch nicht der Todeskampf meiner infizierten Schwester gewesen. Nein, es war ironischerweise die Schlagzeile ...

Bio-Wars Außer Kontrolle – Milliarden Sterben

Klassische Bild-Überschrift, und ebenso falsch, aber ok, wenn du das so willst. Nur würde ich das Wörtchen „weiterhin“ einfügen, um klar zu machen, dass die Katastrophe vielleicht nicht an einem einzigen Tag stattgefunden hat. außer und sterben schreibt man klein, sterben ev. gegen Tote austauschen. Sterben bedeutet, dass es erst noch passiert.
Bio-Wars weiterhin außer Kontrolle – Milliarden Tote.

New Times (…) Madame Clara

Wo spielt die Geschichte?
New Times klingt nach (Ex-)USA, Madame nach (Ex-)Frankreich. Wenn Madame Clara ein Künstlername ist, würde ich ihn kursiv setzen.

„Menschen entscheiden sich eben, zu verschwinden. Besonders heutzutage. Ich kann das gut verstehen und Sie sollten das langsam auch“, sagte der zuständige Polizist

Erst beim zweiten mal Lesen habe ich meinen Irrtum bemerkt. Ich habe es zunächst so verstanden, dass der Polizist dem Erzähler rät, zu verschwinden.

Eine Erklärung, warum sie mich zurückgelassen haben sollte, wollte mir beim besten Willen nicht einfallen.

Ich denke, so klingt es etwas abgerundeter:
Eine Erklärung, warum sie mich zurückgelassen hatte, wollte mir beim besten Willen nicht einfallen.

Der schwarze Vogel hatte mich lange genug verhöhnt, entschied ich in einem Anfall von Zorn.

In einem Anfall von Zorn (der hier eher wenig nachvollziehbar aus einem tagelang gleich bleibenden Zustand entspringt) entscheidet man sich nicht. Man handelt reflexarig, impulsiv, eher ohne zu überlegen. Diese Szene würde ich noch mal überarbeiten.

Fazit: Die zweite Version ist wesentlich besser als die erste und es ist immer schön, wenn die Leute wegen ein wenig Kritik nicht gleich aufgeben.
Der erste Teil schwankt zwischen SF, urban Fantasy und Märchen (wegen Claras Tierkommunikation). Inwieweit der Rabe noch ernsthaft bleibt, wird sich zeigen.

LG
CraX
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
Benutzeravatar
CraX
 
Beiträge: 163
Registriert: 24.01.2014, 00:10
Wohnort: Freiburg
Blog: Blog ansehen (1)


Zurück zu Science Fiction

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste