[SciFi]Clara - Kurzgeschichte (3/4)

[SciFi]Clara - Kurzgeschichte (3/4)

Beitragvon dadazinga » 05.06.2014, 16:01

Ein Perspektivwechsel in einer Kurzgeschichte ist wahrscheinlich nicht die beste Idee. Ich hatte aber keine gute Idee, wie ich Claras Geschichte sonst spannend erzählen kann. Aber lest erst mal selbst:

Ich verließ die Bar gegen ein Uhr dreißig. Denn spätestens um Zwei würde den gewerbetreibenden Unternehmen auch der Strom abgestellt. Ich wusste, dass das Gebäude einen Zugang zum Dach hatte. Und dass man von dort aus auf ein tiefer liegendes Gebäude klettern konnte, welches einen perfekten Zugang zum Fenster der Herrentoilette der Monkey’s Bar bot. Ob mein Plan funktionieren würde, wusste ich nicht. Ich hatte, bevor ich die Bar verließ, eine alte Chipkarte unter das Fenster in der Toilette geklemmt. Mit ein wenig Glück und Fingerspitzengefühl würde ich es schon hochgestemmt bekommen. Denn bis auf das Interieur war das Gebäude immer noch so verfallen wie vorher. Ich wartete eine gute Stunde auf dem Dach des ehemaligen IT-Unternehmens. Als um mich herum alle übrigen Lichter ausgingen, fühlte ich mich sicher genug, meinen Plan in die Tat umzusetzen. Die durch die Chipkarte geschaffene Lücke war kleiner als ich sie in Erinnerung hatte. Aber ich war nicht hier, um kurz vor dem Durchbruch aufzugeben. Nach einer gefühlten Viertelstunde hatte ich das Fenster offen und kletterte in den dunklen Toilettenraum.

Vor dem Verschwinden.

Clara sitzt in ihrer kleinen Wohnung auf dem Boden. Vor sich ausgebreitet liegen mehrere Stapel mit Papiergeld und einigem Münzgeld. Sie zählt angestrengt. Ihr Gesicht verrät, dass sie in Sorge ist. Offenbar reicht das Geld nicht. Sie rauft das ganze Geld zusammen, steckt es in eine kleine Umhängetasche und verlässt ihre Wohnung.

Die Straße ist stockfinster. Nicht einmal die zwei Tage alte Mondsichel spendet ein nennenswertes Licht. Clara sieht auf ihre Uhr. Es ist 2.18 Uhr. Zeit der Stromsperre. Zielgerichtet geht sie auf das große ehemalige IBM-Gebäude zu. Sie muss die Treppen nehmen und läuft in den vierzehnten Stock. Am Ende eines dunklen Ganges befindet sich eine Tür, hinter der die Monkey’s Bar liegt. Clara tritt heran und klopft fünf Mal. Ein Mann öffnet. Es ist ein großer, muskulöser Mann mit einer Glatze. Schweigend folgt Clara dem Mann durch den dunklen Barraum und durch eine Tür hinter der Theke.

Es ist stickig in dem Raum, aber es gibt elektrisches Licht. In der Ecke tuckert leise ein Stromerzeugungsaggregat. Um einen Tisch in der Mitte des Raumes sitzen einige seltsame Gestalten. Ein indisch stämmiger Mann mit rahmenloser Brille, zwei ältere Männer mit dunkler Sonnenbrille und ein schmaler Mann mit einem schmierigen Pferdeschwanz. Der Glatzköpfige setzt sich auch an den Tisch und bedeutet Clara es ihm gleichzutun. „Hast du deinen Einsatz?“, fragt der Schmale. Clara nickt. Er beginnt Karten auszuteilen. Offenbar ist diese finstere Runde ein geheimer Glücksspielclub. Wer zur Belegschaft der Bar gehört ist sofort ersichtlich. Der Inder schaut nervös im Raum umher. Er und Clara sind die einzigen, die überhaupt nicht in dieses Ambiente zu passen scheinen. Die beiden älteren Herren mit den Sonnenbrillen scheinen abgehalfterte Spielsüchtige zu sein, die sich ihr Pokerface bewahren wollen. Allein der Glatzkopf und der Schmale scheinen hier das Sagen zu haben. Die fünf Männer und Clara beginnen Texas Hold ‘Em zu spielen.

Die Uhr an der Wand zeigt inzwischen 4.47 Uhr. „All In“, sagt der Glatzköpfige und schiebt sein gesamtes Geld in die Mitte des Tisches. Es spielen nur noch Clara und er. Der Inder mit der rahmenlosen Brille und die Sonnenbrillenmänner sind nicht mehr da. Der Schmale schläft in der Ecke auf einer Couch. Clara und der Glatzköpfige decken ihre Karten auf. Es dauert eine Sekunde bis beide Spieler die Lage erfasst haben. Clara seufzt und lässt ihre ganze Anspannung von sich abfallen. Sie hat gewonnen. Knapp, aber gewonnen. Der Glatzköpfige ist sichtlich schockiert, sammelt sich aber recht schnell wieder. „Nicht so gierig“ sagt der er und greift nach Claras Arm. „Ich habe fair gewonnen. Lassen Sie mich gehen.“ Clara klingt selbstbewusst. Dieser Schuppen sieht allerdings nicht so aus, als würde es hier oft fair zugehen. „Lass Sie gehen, Lars! Und gib ihr eine Tüte“ Der Schmale ist aus seinem Schlaf erwacht und übernimmt sofort das Kommando. Er, viel schmächtiger und schwächer als Lars, scheint aus irgendeinem Grund der Chef zu sein. „Du hast gehört, was er gesagt hat. Lars.“ Claras stimme nimmt einen leicht spöttischen Ton an. Schnell rauft sie das Geld auf dem Tisch zusammen, stopft es in die Plastiktüte und verschwindet durch dieselben Türen, durch die sie gekommen war.

Clara geht schnell an der Friedhofsmauer entlang. Die Plastiktüte mit den Geldscheinen fest umklammert. Sie scheint erleichtert und müde. Jedoch hat sie noch nicht bemerkt, dass sie ihre Umhängetasche in der Monkey’s Bar vergessen hat. „Hey!“ ertönt es plötzlich hinter ihr. Clara dreht sich erschrocken um, doch da hat Lars schon seine riesige Hand über ihren Mund gelegt. „Du elende Betrügerin“, sagt der Schmale und hält Clara ein Stofflappen vor die Nase. Sofort wird sie ohnmächtig. Die beiden Männer machen sich daran, die bewusstlose Clara zurück zur Bar zu tragen.

Clara erwacht zwei Stunden später. Noch immer ist es dunkel. Doch der Sonnenaufgang steht kurz bevor. Es ist der gleiche Raum. Die Lampen sind zwar erloschen doch der stickige Geruch von alten Polstermöbeln und Motorenöl hängt noch immer in der Luft. Als sie ganz zu sich gekommen ist, bemerkt sie, dass sie gefesselt ist. Ihre Beine und Arme sind mit Kabelbindern verknotet. Nach einiger Mühe gelingt es ihr, aufzustehen und zum Fenster zu hüpfen. Sie dreht sich mit dem Rücken zum Fenster und versucht es mit den hinter dem Rücken verbundenen Händen zu öffnen. Einen Spalt bekommt sie auf. Dann reichen ihre Hände nicht mehr an den Rahmen heran. Es ist nun genug Platz, dass sie ihren Kopf durch das Fenster stecken kann. „Hilfe!“ schreit sie über die leere Straße, „Hilfe!“ Immer wieder ruft sie, doch keiner antwortet. Das Geschrei hat auch der Schmale gehört und kommt durch die Tür. „Oh, du bist aufgewacht“, höhnt er, „dann kann ich dir erzählen, was wir mit Diebinnen wie dir machen.“
„Ich bin keine Diebin. Ich habe dieses Geld ehrlich und fair gewonnen.“ Der Schmale schnalzt mit der Zunge. „Wir wissen doch beide, dass das nicht ganz stimmt. Lars hat eine Packung offener Spielkarten in deiner Tasche gefunden. Ich brauche es dir ja nicht sagen, aber deine Gewinnerhand fehlte in dem Deck.“
„Was habt ihr mit mir vor? Ihr habt das Geld doch wieder. Lasst mich gehen!“
„Wo kämen wir denn hin, wenn wir jeden Betrüger einfach so…gehen ließen?“ Die letzten beiden Worte speit er aus wie einen Schluck schlechter Milch. „Nein, nein, nein, nein, nein, du wirst deine Schulden abbezahlen. Die anderen Mädchen erwarten dich schon.“ In diesem Augenblick flattert ein schwarzer Vogel durch das Fenster. Der Schmale schreit sofort wütend auf und versucht das Tier wieder aus dem Zimmer zu befördern. Doch der Vogel ist schlauer und landet galant auf Claras Schoß. Sie flüstert ihm etwas Unverständliches zu, greift sich mit ihren verbundenen Händen in die hintere Hosentasche und zieht eine Visitenkarte der Monkey’s Bar hervor. Der Schmale stürzt sich auf den Vogel als dieser gerade die Karte in seiner Kralle verschwinden lässt. Mit einem präzisen Manöver beißt der Vogel dem Schmalen so sehr in den Finger, dass die Daumenkuppe in Fetzen herabhängt. Dann fliegt er durch das offene Fenster davon. „Was. Zur Hölle. War das?!“ ruft er mit schmerzverzerrtem Gesicht. Das Blut tropft von seinem lädierten Daumen auf den fleckigen Teppich. „Ein Kolkrabe“, antwortet Clara trocken auf die eigentlich rhetorisch gemeinte Frage.

Teil 4 geht weiter mit dem Ich-Erzähler:

Nach dem Verschwinden...
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Re: Clara - Kurzgeschichte (3/4)

Beitragvon DrJones » 07.06.2014, 16:20

Hallo dadazinga,

auf in den dritten Teil!

Man merkt, dass Du im dritten Teil sehr viel Stoff unterbringen wolltest.
Ich würde diesen ganzen Stoff mindestens auf zwei, drei weitere Teile
ausdehnen. Der Text liest sich mehr als eine Zusammenfassung und nicht im
Sinne einer Erzählung. Szenisches kommt hier fast gar nichts mehr vor.
Die Stimmung aus dem ersten und auch noch aus dem zweiten Teil ist hier
nicht mehr so stark zu spüren. Ich hätte mir auch viel mehr Details an bestimmten
Stellen gewünscht. An anderen wiederum weniger.
Man hetzt förmlich von Handlung zu Ort zu Handlung ...

Ich verließ die Bar gegen ein Uhr dreißig. Denn spätestens um Zwei würde den gewerbetreibenden Unternehmen auch der Strom abgestellt.


Man wendet sich hier als Ich-Erzähler zu sehr an den Leser, finde ich. Die Informationen sind
zu mitteilungsfreudig. Schreib doch vllt. so:

Ich verließ die Bar nach eins.

Den Satz danach streichen. Tut hier eigentlich nichts zur Sache.
Der Protagonist ist zu reflektiert und wirkt wieder feminin.

Ich wusste, dass das Gebäude einen Zugang zum Dach hatte. Und dass man von dort aus auf ein tiefer liegendes Gebäude klettern konnte, welches einen perfekten Zugang zum Fenster der Herrentoilette der Monkey’s Bar bot.


Ist an sich okay. Hier wird vielleicht zuviel verraten. Es tritt ja auch fast genauso ein. Daher
kaum Spannung und Überraschendes.

Ob mein Plan funktionieren würde, wusste ich nicht. Ich hatte, bevor ich die Bar verließ, eine alte Chipkarte unter das Fenster in der Toilette geklemmt. Mit ein wenig Glück und Fingerspitzengefühl würde ich es schon hochgestemmt bekommen.


Hat der Typ einen Minderwertigkeitskomplex? Er steckte die Karte unters Fenster und gut is'.
"Fingerspitzengefühl" ist ein sehr feminines Wort.

Denn bis auf das Interieur war das Gebäude immer noch so verfallen wie vorher.


Warum auch nicht?

Ich wartete eine gute Stunde auf dem Dachdes ehemaligen IT-Unternehmens.

Als um mich herum alle übrigen Lichter ausgingen, fühlte ich mich sicher genug, meinen Plan in die Tat umzusetzen.


Sorry, aber er kommt rüber wie eine Memme. :(

Die durch die Chipkarte geschaffene Lücke war kleiner als ich sie in Erinnerung hatte. Aber ich war nicht hier, um kurz vor dem Durchbruch aufzugeben. Nach einer gefühlten Viertelstunde hatte ich das Fenster offen und kletterte in den dunklen Toilettenraum.


Dein Protagonist ist viel zu unsicher. Er wirkt fast total unfähig. Man "liest" ihm nicht gerne zu.


Clara sitzt in ihrer kleinen Wohnung auf dem Boden. Vor sich ihr ausgebreitet liegen mehrere Stapel mit Papiergeld und einigem Münzgeld.

Sie zählt angestrengt. Ihr Gesicht verrät, dass sie in Sorge ist. Offenbar reicht das Geld nicht. Sie rauft das ganze Geld zusammen, steckt es in eine kleine Umhängetasche und verlässt ihre Wohnung.


Das ist nicht nur ein Perspektivwechsel, sondern vllt. auch ein Perspektivproblem.
Wer beobachtet Clara eigentlich und beurteilt ihren Ausdruck? Der auktoriale Erzähler?
Wer ist das hier? :(

Die Straße ist stockfinster. Nicht einmal die zwei Tage alte Mondsichel spendet ein nennenswertes Licht.

Clara sieht auf ihre Uhr. Es ist 2.18 Uhr.
Zeit der Stromsperre. Zielgerichtet geht sie auf das große ehemalige IBM-Gebäude zu. Sie muss die Treppen nehmen und läuft in den vierzehnten Stock. Am Ende eines dunklen Ganges befindet sich eine Tür, hinter der die Monkey’s Bar liegt. Clara tritt heran und klopft fünf Mal. Ein Mann öffnet. Es ist ein großer, muskulöser Mann mit einer Glatze. Schweigend folgt Clara dem Mann durch den dunklen Barraum und durch eine Tür hinter der Theke.


Wirkt ein wenig wie eine Erzählung. Aber irgendwie alles viel zu schnell.

Es ist stickig in dem Raum, aber es gibt elektrisches Licht.


aber? Besser: Es ist stickig in dem Raum. In der Ecke flackert eine alte Stehlampe, daneben tuckert
ein Stromerzeugungsaggregat.[/quote]

Das Stromerzeugungsaggregat ist ein nettes, kleines Detail. Bitte mehr davon. Schafft Atmo!

Um einen Tisch in der Mitte des Raumes sitzen einige seltsame Gestalten.


Ist das jetzt aus Sicht von Clara? Mir ist das nicht so klar(a). :wink:


Ein indisch stämmiger Mann mit rahmenloser Brille,


Es wird versuchst, politisch korrekt zu schreiben. Das ist hier nicht so optimal/angemessen.

Besser: Ein Inder mit rahmenloser Brille.

zwei ältere Männer mit dunkler Sonnenbrille


Klingt, als seien es Zwillinge. Wozu braucht man zwei Männer? Die haben doch keine Funktion ...


und ein schmaler Mann mit einem schmierigen Pferdeschwanz.


Hm. Den kann ich mir ganz gut vorstellen! Kam der schon mal vorher vor?

Der Glatzköpfige setzt sich auch an den Tisch und bedeutet Clara es ihm gleichzutun.


Würde ich simpler schreiben: Der Glatzköpfige setzt sich auch an den Tisch. Er sah Clara an und zeigte
auf den letzten freien Platz. (Jeder weiß, was gemeint ist.)


Offenbar ist diese finstere Runde ein geheimer Glücksspielclub.


Wer sollte das bezweifeln?

Wer zur Belegschaft der Bar gehört,ist sofort ersichtlich.



Kommt da nicht ein Komma hin?
Aus wessen Sicht wird das erzählt?


Der Inder schaut nervös im Raum umher.


Hier steht's doch: Der Inder. Ist doch okay! Niemand ist beleidigt oder fühlt sich verletzt. 8)

Er und Clara sind die einzigen, die überhaupt nicht in dieses Ambiente zu passen scheinen.


Ich bin jetzt total verwirrt ... Wer oder was beurteilt das jetzt bitte?! :?

Die beiden älteren Herren mit den Sonnenbrillen scheinen abgehalfterte Spielsüchtige zu sein, die sich ihr Pokerface bewahren wollen. Allein der Glatzkopf und der Schmale scheinen hier das Sagen zu haben. Die fünf Männer und Clara beginnen Texas Hold ‘Em zu spielen.


Ich habe keine Perspektive hier. Bin ganz hilflos ... :cry:

Die Uhr an der Wand zeigt inzwischen 4.47 Uhr.


Wer will das so genau wissen?

„All In“, sagt der Glatzköpfige und schiebt sein gesamtes Geld in die Mitte des Tisches.


Guter one-liner! :) Hier kommt ein bisschen Atmo auf.

Der Inder mit der rahmenlosen Brille und die Sonnenbrillenmänner sind nicht mehr da.


Es wird immer alles gründlich in Deiner Geschichte aufgeräumt, inkl. Brillen, etc.
Das brauchst Du aber nicht.

Das kann man auch so schreiben: Clara und die Glatze sitzen nun allein am Tisch.

Der Schmale schläft in der Ecke auf einer Couch.


Was mit dem ist, trägt nicht viel zur Geschichte bei. Ich brauchte den schon vorher nicht.
Hätte die alle bis auf den Inder mit der Brille anonymisiert. "Ein Inder mit seltsamer Hornbrille und noch
ein paar andere schräge Typen saßen mit am Tisch.

Es dauert eine Sekunde bis beide Spieler die Lage erfasst haben.
:sleeping:

Clara seufzt und lässt ihre ganze Anspannung von sich abfallen. Sie hat gewonnen.


So schnell? Ohne Übergang? Ohne Spannung? Eine der besten Pokerszenen der Filmgeschichte ist
in "James Bond: Casino Royale" zu sehen. Das könnte man vllt. als Inspiration nehmen.
Ich habe mit dem Wort "seufzt" ein Riesenproblem. Ich lese gerade "Früchte des Zorns"
von Steinbeck. Da kommt es sogar auch schon vor. Es wird aber derart inflationär verwendet und
gerade im Bereich der absoluten Trivialliteratur, dass ich es persönlich nie schreiben würde.
Da kann man natürlich auch komplett anderer Meinung sein.

Knapp, aber gewonnen.


Das habe ich nicht mitbekommen.

Der Glatzköpfige ist sichtlich schockiert, sammelt sich aber recht schnell wieder.


Es wird eine Emotion geschaffen und noch im selben Satz zerstört. Wozu? Wieso können
die Protagonisten nicht mal eine Emotion halten und die ausleben?

„Nicht so gierig“ sagt der er und greift nach Claras Arm.


Guter one-liner. Gefällt mir! :D

„Ich habe fair gewonnen. Lassen Sie mich gehen.“


Keine optimale Antwort ... Was ist Clara für ein Typ? Was das das Beste, Originellste, ... was
sie hier hätte sagen können? Sie sagt hier genau das, was sie denkt. Ich würde es indirekt schreiben.

"Wenn Sie unbedingt wieder verlieren wollen, dann sollten Sie schon Ihr eigenes Geld einsetzen. Ich gehe jetzt."

Irgend sowas. Sollte aber zu ihr passen.

Clara klingt selbstbewusst.


Nein, das finde ich ganz und gar nicht! Man versucht hier wieder, mir als Leser etwas vorzuschreiben. Empfinde das ganz stark so!
Sorry. Ich meine es nicht böse, möchte Dir nur helfen, okay? :)

Dieser Schuppen sieht allerdings nicht so aus, als würde es hier oft fair zugehen.


Wieder: Wer beurteilt das? :roll:

„Lass Sie gehen, Lars! Und gib ihr eine Tüte“ Der Schmale ist aus seinem Schlaf erwacht und übernimmt sofort das Kommando.


"und übernimmt sofort das Kommando" Wenn er hier Kommandos gibt, brauchst man's nicht nochmal schreiben.

"Show don't tell!" ist das Motto.

Er, viel schmächtiger und schwächer als Lars, scheint aus irgendeinem Grund der Chef zu sein.


Wieder: Show don't tell! Und Du hast es ja schon gezeigt. Fast zumindest. Diese kleine Szene würde ich hier so gestalten, indem der Glatzkopf ihr das Geld gibt.

„Du hast gehört, was er gesagt hat. Lars.“


Lars auf jeden Fall kursiv schreiben, da sie erst jetzt (?) seinen Namen kennt.

Claras Stimme nimmt einen leicht spöttischen Ton an.

Wieder Doppelung.

Schnell rauft sie das Geld auf dem Tisch zusammen, stopft es in die Plastiktüte und verschwindet durch dieselben Türen, durch die sie gekommen war.


Passt. Sie flüchtet praktisch.

Sie scheint erleichtert und müde.


Warum muss so was immer beurteilt werden? Ich sehe das nicht. Mache es doch besser an Körperhaltung,
usw. deutlich.

Jedoch hat sie noch nicht bemerkt, dass sie ihre Umhängetasche in der Monkey’s Bar vergessen hat.


Okay, hier ist ein Allwissender Erzähler am Werke ... Oder? :geek:

„Hey!“ ertönt es plötzlich hinter ihr. Clara dreht sich erschrocken um, doch da hat Lars
jemand schon seine riesige Hand über ihren Mund gelegt.

Würde ich erstmal offen lassen,wer das ist. Es ist dunkel.

Sofort wird sie ohnmächtig.


Deine Protagonistin kämpft nicht. Wieso widerstrebt sie nicht wenigstens ein paar Sekunden?

Die beiden Männer machen sich daran, die bewusstloseClara zurück zur Bar zu tragen.

Clara erwacht zwei Stunden später. Noch immer ist es dunkel. Doch der Sonnenaufgang steht kurz bevor. Es ist der gleiche Raum. Die Lampen sind zwar erloschen doch der stickige Geruch von alten Polstermöbeln und Motorenöl hängt noch immer in der Luft.


DIe Erkenntnis, dass es der gleiche Raum ist, sollte nach den Gerüchen kommen.
Ist mir zu auktorial ...

Als sie ganz zu sich gekommen ist,Sie bemerkt, dass sie gefesselt ist. Ihre Beine und Arme sind mit Kabelbindern verknotet.

Nach einiger Mühe gelingt es ihr, aufzustehen und zum Fenster zu hüpfen.


Hmmm. Plausibel? "Zu hüpfen" gefällt mir nicht. Wozu muss sie ans Fenster?

Sie dreht sich mit dem Rücken zum Fenster und versucht es mit den hinter dem Rücken verbundenen Händen zu öffnen.


Rücken ... Rücken: zu kompliziert. Bring es vvlt. besser auf einen simplen Nenner. :ugeek:

Einen Spalt bekommt sie auf. Dann reichen ihre Hände nicht mehr an den Rahmen heran. Es ist nun genug Platz, dass sie ihren Kopf durch das Fenster stecken kann.


:cry: Es liest sich irgendwie wie eine Zirkusnummer. Ich weiss nicht, wie ich es anders beschreiben soll ...
Mein Fehler :oops:

„Hilfe!“ schreit sie über die leere Straße, „Hilfe!“ Immer wieder ruft sie, doch keiner antwortet.

Das Geschrei hat auch der Schmale gehört und kommt durch die Tür. „Oh, du bist aufgewacht“, höhnt er, „dann kann ich dir erzählen, was wir mit Diebinnen wie dir machen.“


Ganz gut. Dramatische Fragen entstehen ...

„Ich bin keine Diebin. Ich habe dieses Geld ehrlich und fair gewonnen.“


Zu demütig, devot, kraftlos. Sie sagt wieder, was sie denkt. Klingt ihr in den Mund gelegt.

Der Schmale schnalzt mit der Zunge. „Wir wissen doch beide, dass das nicht ganz stimmt. Lars hat eine Packung offener Spielkarten in deiner Tasche gefunden. Ich brauche es dir ja nicht sagen, aber deine Gewinnerhand fehlte in dem Deck.“


Gefällt mir recht gut. :)

„Was habt ihr mit mir vor? Ihr habt das Geld doch wieder. Lasst mich gehen!“


Klingt nicht sehr inspiriert. Sie sagt hier wieder, was sie denkt. Indirekter sollte das formuliert werden,
selbstbewußt, originell, ...

„Wo kämen wir denn hin, wenn wir jeden Betrüger einfach so … gehen ließen?“ Die letzten beiden Worte speit er aus wie einen Schluck schlechter Milch.


"speit" durch "spuckte" ersetzen. Sehr gut beschrieben! Bitte mehr genau davon!! :lol:

„Nein, nein, nein, nein, nein, du wirst deine Schulden abbezahlen. Die anderen Mädchen erwarten dich schon.“


Hier glänzt das Gesprochene ziemlich. Wird hier eine Andeutung in Richtung Prostitution gemacht?
Falls ja, kam es an!

In diesem Augenblick flattert ein schwarzer Vogel durch das Fenster.


Etwas Unerwartetes passiert. Spannung! :P

Der Schmale schreit sofort wütend auf und versucht das Tier wieder aus dem Zimmer zu befördern.


Ich bin hier irritiert, kann es aber nicht in Worte fassen. Es hängt vvlt. mit dem Wort "sofort" zusammen
und der Dramatik.

Doch der Vogel ist schlauer und landet galant auf Claras Schoß.


"galant" klingt nicht passend.

Sie flüstert ihm etwas Unverständliches zu, greift sich ...

Mit einem präzisen Manöver beißt der Vogel dem Schmalen so sehr in den Finger, dass die Daumenkuppe in Fetzen herabhängt.


Klingt wie eine Dressurnummer. Ich weiss nicht :?

„Was. Zur Hölle. War das?!“


--> Was zur Hölle war das?

ruft er mit schmerzverzerrtem Gesicht. Das Blut tropft von seinem lädierten Daumen auf den fleckigen Teppich.


Das gefällt mir ganz gut. :wink:

„Ein Kolkrabe“, antwortet Clara trocken auf die eigentlich rhetorisch gemeinte Frage.


Es wird übergenau geschrieben und damit die Pointe zerstört, die ich an sich übrigens
ziemlich brillant finde.
Die Leser sind schlau genug, das selbst zu erkennen und dann auch beurteilen zu können/dürfen.

Ich würde es so schreiben: „Ein Kolkrabe!“, antwortet Clara.

Ich kenne das Problem, spätere Szenen in einer Geschichte zu schreiben.
Man schreibt und schreibt und schreibt und will auch schnell im Stoff vorankommen.
Vielleicht hat man irgendeine geplante Lieblingsszene im Blick, die später kommt und
möchte die schnell erreichen. Das ist aber nicht gut für die Szenen davor.
Trick: Schreibe jede Szene so, als ob sie die erste Deines Buches ist.

Ich finde die Story aber hier an sich ganz gut. Stecke vvlt. noch mehr Liebe in Details und
in Deine Figuren. Ich fühlte mich als Leser bevormundet, es genau so sehen zu müssen, wie der Autor
es will. Das funktioniert aber nicht. Der Leser will die Sachen selbst beurteilen dürfen. Er fühlt sich
sonst bevormundet und hat das Gefühl, es mischte sich ständig jemand ein.
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Re: Clara - Kurzgeschichte (3/4)

Beitragvon dadazinga » 07.06.2014, 23:58

Hey DrJones,

erstmal vorweg:

Sorry. Ich meine es nicht böse, möchte Dir nur helfen, okay? :)


Bis zu dem Satz habe mich nicht ein Mal beleidigt gefühlt ;) Kein Grund sich zu entschuldigen. Deine Kritiken sind immer konstruktiv. Ich weiß, dass die Geschichte keinesfalls perfekt ist.
Moving on...

Hat der Typ einen Minderwertigkeitskomplex? Er steckte die Karte unters Fenster und gut is'.
"Fingerspitzengefühl" ist ein sehr feminines Wort.


Ha, ich bin an der dieser Stelle der Geschichte wahrscheinlich so sehr damit beschäftigt gewesen die Handlung voranzutreiben, dass ich mich überhaupt nicht um die Charaktere gekümmert habe.

Das ist nicht nur ein Perspektivwechsel, sondern vllt. auch ein Perspektivproblem.


Das war mir tatsächlich nicht bewusst. Ich war der Meinung eigentlich immer aus der Perspekte eines neutralen Beobachters zu erzählen - wie eine Kamera in etwa. Dass da doch noch so viele ungereimtheiten drin sind, hätte ich nicht gedacht. Finde es auch nicht optimal plötzlich den POV zu wechseln. Das kann man vielleicht in einem Roman machen, aber in 'ner Kurzgeschichte? Naja...

Es wird versuchst, politisch korrekt zu schreiben. Das ist hier nicht so optimal/angemessen.

Klingt, als seien es Zwillinge. Wozu braucht man zwei Männer? Die haben doch keine Funktion ...


Hmm die einzige Funktion, die diese Figuren haben sollten war, zu zeigen, dass dort gleichermaßen Spieler (Spielsüchtige?) und Leute mit Geldproblemen spielen. Kam offensichtlich aber nicht rüber.

Was mit dem ist, trägt nicht viel zur Geschichte bei. Ich brauchte den schon vorher nicht.

Naja, der spielt ja später noch eine Rolle ;)

So schnell? Ohne Übergang? Ohne Spannung? Eine der besten Pokerszenen der Filmgeschichte ist
in "James Bond: Casino Royale" zu sehen. Das könnte man vllt. als Inspiration nehmen.
Ich habe mit dem Wort "seufzt" ein Riesenproblem. Ich lese gerade "Früchte des Zorns"
von Steinbeck. Da kommt es sogar auch schon vor. Es wird aber derart inflationär verwendet und
gerade im Bereich der absoluten Trivialliteratur, dass ich es persönlich nie schreiben würde.
Da kann man natürlich auch komplett anderer Meinung sein.


Mist, erwischt! Ich saß ewig vorm Wikipediaartikel "Texas Hold 'em" und wollte mir einen spannenden Spielverlauf ausdenken. Dann verließ mich aber die Gedult und der Glaube an meiner Schreibfähigkeiten ein Pokerspiel spannend zu beschreiben. Hab dann einen Rückzieher gemacht und bin ein paar Stunden in die Zukunft gesprungen. Deswegen auch die Zeile mit der Uhrzeit an der Wand. Der Leser sollte sich da denken können, dass das Spiel schon seit einer Weile im Gange ist. :D

Keine optimale Antwort ... Was ist Clara für ein Typ? Was das das Beste, Originellste, ... was
sie hier hätte sagen können? Sie sagt hier genau das, was sie denkt. Ich würde es indirekt schreiben.


Damit war ich selber unzufrieden. Du hast Recht, das geht besser.

Hmmm. Plausibel? "Zu hüpfen" gefällt mir nicht. Wozu muss sie ans Fenster?


Sie ist gefesselt - an Armen und Beinen. Ihre Arme sind auf dem Rücken verbunden, weswegen sie sich mit dem Rücken zum Fenster drehen muss, um es auf zu schieben.

Es liest sich irgendwie wie eine Zirkusnummer


haha, echt? musste kurz lachen.

Wird hier eine Andeutung in Richtung Prostitution gemacht?
Falls ja, kam es an!

Bingo!

Klingt wie eine Dressurnummer. Ich weiss nicht

Clara dressiert ja auch Tiere und tritt mit ihnen auf. Wurde in Teil 1 erwähnt.

Ich kenne das Problem, spätere Szenen in einer Geschichte zu schreiben.
Man schreibt und schreibt und schreibt und will auch schnell im Stoff vorankommen.
Vielleicht hat man irgendeine geplante Lieblingsszene im Blick, die später kommt und
möchte die schnell erreichen. Das ist aber nicht gut für die Szenen davor.
Trick: Schreibe jede Szene so, als ob sie die erste Deines Buches ist.


Da fasst du meine Erfahrungen beim Schreiben sehr gut zusammen :D Hatte dabei auch tatsächlich ein bisschen Zeitdruck, weil ich nur den April dafür Zeit hatte. Story Cubes Spiel, du erinnerst dich ;)
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Re: Clara - Kurzgeschichte (3/4)

Beitragvon DrJones » 08.06.2014, 14:38

Hallo dadazinga,

Sorry. Ich meine es nicht böse, möchte Dir nur helfen, okay? :)

Bis zu dem Satz habe mich nicht ein Mal beleidigt gefühlt ;) Kein Grund sich zu entschuldigen. Deine Kritiken sind immer konstruktiv. Ich weiß, dass die Geschichte keinesfalls perfekt ist.
Moving on...


Finde ich echt ne gute Einstellung! :D Man muss weitermachen. Kritik, die hingegen hämisch oder gemein
ist, sollte man aber inhaltlich ignorieren. Trotzdem kann man sich selbst bei solchen Kritikern fragen, was sie bewegte, so zu schreiben/so was zu sagen. Denen richtig auf den Zahn fühlen, usw. Vielleicht ergibt sich
ja sogar noch ne gute Story draus ... :)

Hat der Typ einen Minderwertigkeitskomplex? Er steckte die Karte unters Fenster und gut is'.
"Fingerspitzengefühl" ist ein sehr feminines Wort.

Ha, ich bin an der dieser Stelle der Geschichte wahrscheinlich so sehr damit beschäftigt gewesen die Handlung voranzutreiben, dass ich mich überhaupt nicht um die Charaktere gekümmert habe.


Deine Charaktere sollten der Motor, Auslöser der Handlung sein, denke ich. Die Handlung ergibt sich
fast vollständig aus Denken und Handeln von Charakteren.

Das war mir tatsächlich nicht bewusst. Ich war der Meinung eigentlich immer aus der Perspekte eines neutralen Beobachters zu erzählen - wie eine Kamera in etwa. Dass da doch noch so viele ungereimtheiten drin sind, hätte ich nicht gedacht. Finde es auch nicht optimal plötzlich den POV zu wechseln. Das kann man vielleicht in einem Roman machen, aber in 'ner Kurzgeschichte? Naja...


Wenn Du einen neutralen Beobachter bzw. eine Kamera möchtest, dann darf diese nie beurteilen.
Sonst denkt der Leser, er hat einen allwissenden Erzähler, der Kommentare abgibt.


Was mit dem ist, trägt nicht viel zur Geschichte bei. Ich brauchte den schon vorher nicht.

Naja, der spielt ja später noch eine Rolle ;)


ich weiß, ich weiß, ... :oops:


Mist, erwischt! Ich saß ewig vorm Wikipediaartikel "Texas Hold 'em" und wollte mir einen spannenden Spielverlauf ausdenken. Dann verließ mich aber die Gedult und der Glaube an meiner Schreibfähigkeiten ein Pokerspiel spannend zu beschreiben. Hab dann einen Rückzieher gemacht und bin ein paar Stunden in die Zukunft gesprungen. Deswegen auch die Zeile mit der Uhrzeit an der Wand. Der Leser sollte sich da denken können, dass das Spiel schon seit einer Weile im Gange ist. :D


Kannst Du auch machen, ohne genaue Kenntnis der Spielregeln. Wenn Du eine neutrale bzw. objektive Perspektive anstrebst, könntest Du auch von Gesichtsausdrücken, Körperhaltungen etc. schreiben, die
den Verlauf des Spieles widerspiegeln. Auf YouT** z. B. gibt es Mitschnitte von Pokerpartien. Da könnte
man sich Inspirationen holen.


Hmmm. Plausibel? "Zu hüpfen" gefällt mir nicht. Wozu muss sie ans Fenster?

Sie ist gefesselt - an Armen und Beinen. Ihre Arme sind auf dem Rücken verbunden, weswegen sie sich mit dem Rücken zum Fenster drehen muss, um es auf zu schieben.


Yepp, ich hätte einfach erwartet, dass sie versucht, erst ihre Fesseln zu lösen und dann zum Fenster geht.
Die Kabelbinder sind erstmal das hemmende Element, das sie loswerden will. Dann wird weiter geschaut.


Wird hier eine Andeutung in Richtung Prostitution gemacht?
Falls ja, kam es an!

Bingo!


Auch von mir: Ein BinnNGO! :lol:

Klingt wie eine Dressurnummer. Ich weiss nicht

Clara dressiert ja auch Tiere und tritt mit ihnen auf. Wurde in Teil 1 erwähnt.


Ach sooo. Dann könntest Du aber noch beschreiben, wie Clara das Tier gespannt mit ihren Augen
verfolgt oder so. Sie will ja sehen, ob es alles richtig macht.

Da fasst du meine Erfahrungen beim Schreiben sehr gut zusammen :D Hatte dabei auch tatsächlich ein bisschen Zeitdruck, weil ich nur den April dafür Zeit hatte. Story Cubes Spiel, du erinnerst dich ;)


Ja ja, diese Würfel! Die hatte ich auch schon zweimal in den Händen. Konnt' mich aber zu keinem
Kauf durchringen. Welche Erfahrungen hast Du bitte damit? Interessant ... :P
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Re: Clara - Kurzgeschichte (3/4)

Beitragvon Azareon29 » 18.06.2014, 00:24

Hallo dadazinga,

und weiter mit Teil 3.

Ich verließ die Bar gegen ein Uhr dreißig. Denn spätestens um Zwei würde den gewerbetreibenden Unternehmen auch der Strom abgestellt. Ich wusste, dass das Gebäude einen Zugang zum Dach hatte. Und dass man von dort aus auf ein tiefer liegendes Gebäude klettern konnte, welches einen perfekten Zugang zum Fenster der Herrentoilette der Monkey’s Bar bot. Ob mein Plan funktionieren würde, wusste ich nicht. Ich hatte, bevor ich die Bar verließ, eine alte Chipkarte unter das Fenster in der Toilette geklemmt. Mit ein wenig Glück und Fingerspitzengefühl würde ich es schon hochgestemmt bekommen. Denn bis auf das Interieur war das Gebäude immer noch so verfallen wie vorher. Ich wartete eine gute Stunde auf dem Dach des ehemaligen IT-Unternehmens. Als um mich herum alle übrigen Lichter ausgingen, fühlte ich mich sicher genug, meinen Plan in die Tat umzusetzen. Die durch die Chipkarte geschaffene Lücke war kleiner als ich sie in Erinnerung hatte. Aber ich war nicht hier, um kurz vor dem Durchbruch aufzugeben. Nach einer gefühlten Viertelstunde hatte ich das Fenster offen und kletterte in den dunklen Toilettenraum.

Hier fehlt es mir an Beschreibung und an Konflikt. Es läuft alles viel zu glatt ab. Dein Prota dringt illegal des Nachts in die Bar ein und geht nicht mal eben zum Starbucks einen Kaffee holen.

Nicht einmal die zwei Tage alte Mondsichel spendet ein nennenswertes Licht.

Ist es wichtig, dass die Mondsichel zwei Tage alt ist?

Es ist stickig in dem Raum, aber es gibt elektrisches Licht. In der Ecke tuckert leise ein Stromerzeugungsaggregat. Um einen Tisch in der Mitte des Raumes sitzen einige seltsame Gestalten. Ein indisch stämmiger Mann mit rahmenloser Brille, zwei ältere Männer mit dunkler Sonnenbrille und ein schmaler Mann mit einem schmierigen Pferdeschwanz. Der Glatzköpfige setzt sich auch an den Tisch und bedeutet Clara es ihm gleichzutun. „Hast du deinen Einsatz?“, fragt der Schmale. Clara nickt. Er beginnt Karten auszuteilen. Offenbar ist diese finstere Runde ein geheimer Glücksspielclub. Wer zur Belegschaft der Bar gehört ist sofort ersichtlich. Der Inder schaut nervös im Raum umher. Er und Clara sind die einzigen, die überhaupt nicht in dieses Ambiente zu passen scheinen. Die beiden älteren Herren mit den Sonnenbrillen scheinen abgehalfterte Spielsüchtige zu sein, die sich ihr Pokerface bewahren wollen. Allein der Glatzkopf und der Schmale scheinen hier das Sagen zu haben. Die fünf Männer und Clara beginnen Texas Hold ‘Em zu spielen.

Die Beschreibung ist nicht schlecht, könnte aber noch besser sein. Beispiel: Vier Männer sitzen um einen Tisch in der Mitte des Raumes. Seltsame Gestalten, denkt Clara. Ein Indischstämmiger mit rahmenloser Brille, zwei ältere Herrschaften mit dunklen Sonnenbrillen und Schmalhans mit schmierigem Pferdeschwanz.


Hm. Das Problem ist nicht der Perspektivwechsel. Es ist der Sprung vom Erste-Person-Erzähler zum Dritte-Person-Erzähler. Diese Verschiebung stört das Gesamtbild des Textes. An sich keine schlechte Idee, es hapert nur an der Umsetzung. Du musst deinen Ich-Erzähler-Prota in den vorherigen Teilen in einen Dritte-Person-Erzähler umwandeln, dann passt das mit Clara besser.
Man muss sich ins Leben fallen lassen - was wäre die Alternative?
- Gilly the perky goth
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