[Humor]Das Alltagsgeflüster

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Das Alltagsgeflüster

Beitragvon HERZallerliebst » 04.04.2015, 15:49

Hallo,

nach einer langen Zeit ohne schriftstellerisches Tun ist mir mal wieder etwas aus den Fingern geflossen. Ob der Text in diesem Bereich wirklich richtig ist, weiß ich nicht, weil ich nicht weiß, ob es darin um etwas Lustiges geht. Aber er passte auch nicht in die Kategorie 'Nachdenkliches' oder 'Romanzen'. Also dann doch 'Lustiges'.

Das Alltagsgeflüster

Keine Ahnung, warum ich so gereizt war. Mein Mann hatte dafür natürlich sofort eine These: „Hast wohl deine Tage?“ Dieser mehr als große Funke Chauvinismus in seinen Worten war nur der letzte Dominostein, der heute fiel. Mein Unmut hatte sich während des gesamten Tages dialektisch aufgebaut. Mein ehemaliger Deutschlehrer wäre vor Euphorie darüber vermutlich aus den Latschen gekippt. Wenn er noch kippen könnte. Er war schon lange tot.

Es hatte schon frühmorgens begonnen. Ich war wie immer gegen sieben aufgestanden, während ich es meiner Tochter und meinem Mann gönnte, etwas länger zu schlafen. Denn diese Stunde nutzte ich ganz uneingeschränkt und egoistisch für mich. Um mich hübsch zu machen. Um mich so zu modellieren, dass ich mich selber leiden konnte. Dann ging ich wie immer rüber ins Schlafzimmer, um die beiden zu wecken.
„Guten Morgen“, sagte ich.
„Mein Gott, bist du wieder überschminkt. Und seit wann lackierst du dir die Fingernägel? Hat was von Tussi“, sagte er. Ich ignorierte seine Beleidigung, wahrscheinlich meinte er es nicht einmal beleidigend, aber ich fühlte mich gekränkt. Stattdessen streichelte ich meine zweijährige Tochter, gab ihr einen zärtlichen Kuss. Er pupste. Laut und ohne Rücksicht auf Verluste. Dann stand er auf und ging ins Bad. Er bemerkte meinen Amazonenblick nicht.
Meine Tochter und ich saßen bereits beim Frühstück, weil er wie immer zwanzig Minuten allein damit verbrachte, auf der Kloschüssel zu hocken und am Handy Poker zu zocken. Er setzte sich zu mir.
„Babe“, begann er und meine Nackenhaare stellten sich in weiser Voraussicht auf, wie bei einem verärgerten Hund, „das Wohnzimmer sollte mal wieder dringend geputzt werden“ und damit biss er selbstgefällig in sein Brot.
Ich erinnerte mich an damals, als es mir wohlige Schauer über den Rücken trieb, wenn er mich Babe nannte. An den verruchten Tonfall mit dem er mir das Kosewort heimlich ins Ohr hauchte. Damals.
Er stand auf, ließ den Teller stehen und liebkoste unsere Tochter. Alles in allem war er wirklich ein guter Vater. Bevor er ins Büro ging, gab er mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Weil ich erkältet war.

Der Tag wollte nicht vergehen. Wenn ich in einer Ecke wieder die ursprüngliche Ordnung hergestellt hatte, konnte ich mir sicher sein, dass irgendwo im Haus irgendein Wäschekorb genüsslich durchwühlt, mit Schokoladenfingern an der Fensterscheibe geklebt oder die 8000 Bälle aus dem Bällebad durch die Gegend geworfen wurden. Im Endeffekt bewirkte ich mit meinem kopflosen Tun gar nichts.
Denn als er gegen Mittag nach Hause kam, meinte er nur: „Hey. Hast du dir heute einen faulen Tag gegönnt?“
Ich hätte aus der Haut fahren können. Und das, obwohl ich wusste, dass er rein gar nichts dagegen hatte, wenn ich mir faule Tage gönnte. Er legte sich auf die Couch und spielte mit der Kleinen, bis er sich nach dem Essen erkundigte. Trotzig erklärte ich ihm, dass ich keinen Hunger hätte und die Kleine Nudelsuppe wollte.
„Ich mag keine Nudelsuppe“, sagte er und spielte weiter. Eigentlich kochte ich gerne, aber heute wollte ich nicht. Weil ich einfach sauer war. Ich brachte unsere Tochter ins Bett, während er sich ein belegtes Brot machte.

Er aß in der Küche, im Stehen und ich lehnte mich an unsere Theke. Es regte mich tierisch auf, die Art, wie er schmatzte und wie sich seine Lippen beim Essen bewegten. Ich fand es schon fast eklig, wie die Krümel an seiner Wange hängen blieben, wie die Zunge schnalzte, wenn sie den Essensbrei gegen seinen Gaumen drückte. Er stellte den Teller auf den Geschirrspüler. Aber nicht hinein. Dann umschlangen seine Arme meine Taille und die Berührung war mir zuwider. Ich drehte mich um, aber er ließ nicht von mir ab. Seine Hände suchten fahrig meinen Hosenbund, drängten sich zwischen meine Schenkel, während er mich am Hals küsste. Die Mischung aus Sich-Winden und Erregung war fast nicht auszuhalten.
„Denkst du, wir könnten… ich meine… die Kleine schläft…“, flüsterte er und ich wusste, dass er mich wollte. Ich spürte es.
„Nein, heute nicht“, sagte ich und befreite mich. Die Liebe war erdrückend. Er wirkte ein wenig geknickt. „Ich bin doch erkältet“, fügte ich schnell an, weil ich ihm nicht weh tun wollte. Das schluckte er und ehe er sich wieder auf die Couch legte, gab er mir einen Klaps auf den Po.
„Morgen vielleicht“, sagte er und ich nickte.

Er gähnte. Er gähnte immer sehr laut und lang und heute trieb es mich an den Rand des Wahnsinns.
„Sei doch leise“, herrschte ich ihn an und er schaute verdutzt. „Du weckst doch die Kleine“
Ich bemerkte sehr wohl das Kopfschütteln von ihm. Er nahm sich sein Tablet und surfte im Internet, während im Fernsehen Charlie Sheen lief. Seine Lieblingssendung, die ich eigentlich nicht ausstehen konnte, weil sie so frauenfeindlich war, die ich mir aber ihm zuliebe immer angesehen hatte und die ich mittlerweile gar nicht mehr so schlecht fand. Aber heute nervte es mich, dass mich die Sendung nicht mehr nervte.

Es nervte mich, dass mir all diese Sachen heute auffielen, obwohl sie mir doch sonst nichts ausmachten.
Es nervte mich, dass ich das alles so gut kannte, dass jede Handlung vorhersehbar war, dass nichts weiter geschah als das, was eben immer geschah.

Es gab Tage, an denen ich mit mir selbst nicht zufrieden war. An denen ich mich nach etwas Größerem sehnte, nach mehr Freiheit, nach etwas Abstand. Aber es war nicht meine Art, großartige Reden darüber zu schwingen. Und wenn ich damit anfing, dann sagte er nur: „Fang doch nicht schon wieder damit an“ und ich schwieg.

Sich zu fragen, warum ich bei ihm blieb, war also legitim. Aber die Antwort darauf war so langweilig wie einfach: Weil ich ihn liebte.
Ich sollte ihm einen Liebesbrief schreiben – nein – eine Hommage sollte ich schreiben. Eine Hommage an einen Mann, der mir immer zur Seite stand. Der meine ungeschminkte Wahrheit und meine wahre Ungeschminktheit liebte. Der sich nie fragte: Was denken die anderen? Der seiner Tochter der bestmögliche Vater war. Der mich verteidigte, wann immer es sein musste. Der mich begehrte, der mich verehrte. Und der wusste, was ich im Bett brauchte.

Wenn ich so über ihn dachte, dann tat ich das voll Zärtlichkeit mit einem verwaschenen Lächeln auf den Lippen und einem Blick, den nur Liebende kannten.

Und ich ärgerte mich über meine Ungerechtigkeit und meine schlechten Gedanken. Heute war einer jener Tage, an denen man nur das Schlechte erkannte, weil das Gute einen langweilte. Es flüsterte einem zu, dass man seine Nase heute schrecklich finden, dass man in jeder Bemerkung irgendeine versteckte Botschaft erkennen und die Krümel auf dem Boden persönlich nehmen musste. Es war das Alltagsgeflüster, das den Bogen überspannte. Flüstern war schön und beruhigend. Aber wenn es zu eindringlich wurde, dann machte es Kopfschmerzen.
Irgendwann würden wieder die lauten Töne kommen, laut und einnehmend, dann würden die Wände wackeln und die Seele vibrieren. Und nach einem solchen Ausbruch, da fühlte sich das Flüstern wieder angenehm an.
Und noch während ich daran dachte, wie angenehm das Flüstern sein würde, nach dem Ausbruch, spürte ich, dass ich glücklich war.
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Re: Das Alltagsgeflüster

Beitragvon Sasskia » 04.04.2015, 21:25

Hallo HERZallerliebst!

Ich hab mir deinen Text einige Male durchgelesen.
Du schreibst angenehm, flüssig und ohne "gruslige" Stoplersteine.

Im ersten Absatz hast du amüsant und elegant formuliert, was "Frau" ansatzlos an die Decke gehen lässt - nur als Beginn hätte ich ihn nicht gewählt.
Das liegt daran, dass ich die orakelhaften Anspielungen am Beginn einer Geschichte nicht mag. Das raubt mir persönlich den Lesespaß. Ich will mich von einer Geschichte überraschen lassen, verstehst du, was ich meine?

Mir gefällt es besser, du beginnst mit:

Ich war wie immer gegen sieben aufgestanden .... ("denn" streichen) Diese Stunde nutzte ich ganz ...
Dann ging ich, wie immer, (rüber streichen) ins Schlafzimmer, um die beiden zu wecken.


Er pupste.


Da wünsch ich mir ein "brutaleres" Wort als das sanfte ... Pupsen. Furzte?

Er bemerkte meinen Amazonenblick nicht.


Der Satz gefällt mir gut. Wirklich. Nur, hm, zu wenig anschaulich.
Dein Amazonenblick sollte ihm ja, mindestens, zwei Löcher in den Rücken brennen!
Statt "Er bemerkte ..." würde ich "Er ignorierte ..." vorschlagen.

Er ignorierte meinen vor Zorn flammenden Amazonenblick. .. oder so :mrgreen:

Was du dann aufzählst, ist der "ganz normale Wahnsinn" einer jungen Mutter. Das beschreibst du anschaulich und durchaus amüsant. Nur, wo ist der Plan? Wo gehört der erste Absatz eigentlich hin?

Du verlierst dich gegen Ende der Geschichte in Emotionen, die ich nachvollziehen kann, ja, aber ... da fehlt das Ende, verstehst du? Wie ihr euch in den Arm nehmt, du ihn knuffst "von wegen Tage ...", oder so.

Und dann gemeinsam ins Schlafzimmer wanken, und so den Tag ausklingen lassen.


Ich hoffe, ich konnte dir ein passables Feed-Back geben.
Alle Vorschläge drücken nur meine persönliche Meinung aus und was dir nicht gefällt, streich einfach.


Liebe Grüße aus Wien

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Re: Das Alltagsgeflüster

Beitragvon HERZallerliebst » 05.04.2015, 20:06

Hallo Sasskia,

vorweg: vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich bin ja noch nicht allzu lange mit an Bord und umso mehr freut es mich, dass ich gleich eine Kritik bekommen habe ;)

Das liegt daran, dass ich die orakelhaften Anspielungen am Beginn einer Geschichte nicht mag. Das raubt mir persönlich den Lesespaß. Ich will mich von einer Geschichte überraschen lassen, verstehst du, was ich meine?


Ich verstehe sehr gut was du damit meinst. Nur hatte ich Angst, wenn ich so anfange, dass das alles irgendwie zu nichtssagend klingt. Eine Person steht auf, geht ins Schlafzimmer und weckt ihren Mann. Das klingt an sich ja noch nicht sonderlich interessant. Ich werde deinen Ansatz nochmal überdenken. Vielleicht lässt sich ein anderer Einstieg finden.

Der Satz gefällt mir gut. Wirklich. Nur, hm, zu wenig anschaulich.
Dein Amazonenblick sollte ihm ja, mindestens, zwei Löcher in den Rücken brennen!
Statt "Er bemerkte ..." würde ich "Er ignorierte ..." vorschlagen.


Danke, deinen Vorschlag werde ich aufnehmen! Außer das Verb 'ignorieren'. In diesem Fall soll durch das eher sachliche 'bemerken' ja aufgezeigt werden, dass ER sich keiner Schuld bewusst ist. 'Ignorieren' würde ja implizieren, das er erkennt, dass er was Falsches macht und dass er sie damit nervt. Aber das tut er ja nicht :D

Nur, wo ist der Plan? Wo gehört der erste Absatz eigentlich hin?


Hm, der Plan war eigentlich, die Dinge aufzuzeigen, die sie nerven, die aber dann am Ende ja doch wieder relativiert werden, als sie den imaginären Liebesbrief an ihn formuliert. Sein "Mein Gott bist du wieder überschminkt", das sie als Beleidigung auffasst, das er aber nicht böse meint, weil sie ihm halt einfach ungeschminkt besser gefällt. Das erkennt sie schlussendlich ja auch. Oder sein "Hast du dir heute einen faulen Tag gegönnt?", was sie zur Weißglut bringt, weil sie sehr wohl etwas gearbeitet hat an diesem Tag, was für IHN aber nicht erkenntlich ist, weil ihre Aufräumaktion von ihrer Tochter ja immer wieder zunichte gemacht wurde.

Es ist natürlich doof, wenn das alles nicht so wirklich rüberkommt. Ich werde mir überlegen, wie ich den Text umformulieren, bzw. prägnanter gestalten kann, damit der 'Plan' wirklich auch offensichtlich wird.

Du verlierst dich gegen Ende der Geschichte in Emotionen, die ich nachvollziehen kann, ja, aber ... da fehlt das Ende, verstehst du? Wie ihr euch in den Arm nehmt, du ihn knuffst "von wegen Tage ...", oder so.


Der ganze Text ist ja recht emotional. Ihr Genervt-Sein ist ja auch etwas zutiefst subjektives. Er will sie ja weder nerven noch vor den Kopf stoßen, aber sie empfindet all sein Tun einfach so. Und am Ende wird ihr klar, dass alles, was sie da so nervt, der gesamte Alltag, zu ihr gehört und sie ihn und seine Macken nach wie vor liebt, selbst wenn sie ihr manchmal auf den Wecker gehen.

Aber vielleicht wäre ein tatsächliches Ende der bessere und rundere Abschluss, damit hast du wohl Recht. So endet die Geschichte einfach damit, dass sie nur mit sich selbst den Frieden schließt.
Wäre es besser, wenn sie, nachdem sie erkennt, dass sie im Grunde ja glücklich ist und das alles nicht so schlimm ist, zu ihm geht und ihn küsst/umarmt/was auch immer?


Nochmals vielen Dank an dich und schöne Grüße nach Wien (oh Gott, was für ein Privileg in einer so tollen Stadt leben zu dürfen! Wirklich!)

Und natürlich frohe Ostern!
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Re: Das Alltagsgeflüster

Beitragvon Sasskia » 05.04.2015, 21:19

Schöne Ostern, HERZallerliebst!

Was du als "Alltagsgeflüster" schilderst hab ich mit den verschiedensten Partnern "erlebt".
Seltsam, dass dies eine Erfahrung ist, die wohl jede Frau in einer Beziehung irgendwann einmal macht :XD:

Du beschreibst in deiner Geschichte einen typischen Tag.
Der kann, meiner Meinung nach, ohne weiters mit dem Aufstehen beginnen und sollte mit dem Abend enden.

Was genau hat dich dazu gebracht, in Liebe über ihn zu denken, wenn doch die ganze Zeit ein Drama nach dem anderen geschehen ist?
Eben hat dich noch sein Gähnen total genervt ... da fehlt mir der "Kick", verstehst du?

Mein Mann hat inzwischen eine Art Sensor entwickelt.
Wenn ich so verbissen auf der Couch sitze und mir überlege, ob Frau mit einem Mord nicht doch irgendwie straffrei wegkommt ... sagt er unvermittel: "Ich hab dir heute noch gar nicht gesagt, wie sehr ich dich liebe."
Es ist schwer, in diesem Moment das Messer zu zücken.
Meist kommt danach: "Soll ich dir einen Tee machen, Liebling?"
Und während ich den heißen Tee genieße, geht es mir dann wie dir: Ich ärgere mich über meine Ungerechtigkeit. Ich würde jetzt nicht gleich eine Hommage anschließen, aber ich bin auf jeden Fall besänftigt. :sweet:

In dieser Art wünsch ich mir das Ende der Geschichte. Dann kann ich lächelnd nicken und mir denken: "Ja, so geht's mir auch."


Liebe Grüße aus dem wirklich schönen Wien

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Re: Das Alltagsgeflüster

Beitragvon HERZallerliebst » 05.04.2015, 21:38

Hallo,

alles klar. Jetzt ist es mir klarer geworden, was du damit meinst.
Das schreit nach einer tiefergehenden Überarbeitung ;)

Vielen Dank dafür!
HERZallerliebst
 
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Re: Das Alltagsgeflüster

Beitragvon Traveline » 03.05.2015, 14:54

Hallo, liebe HERZallerliebst,

Dein Beitrag hat Spaß gemacht zu lesen. Versuche mich mal am Kommentieren und hoffe es bringt Dir was.

Vorab: Beim Lesen schwankte ich zwischen Lachen, Mitgefühl und Wut. Lachen über Deinen trockene, anschauliche Ausdrucksweise, Mitgefühl über die Verletztheit der Frau und Wut bei dem häufigen Gedanken: WARUM WEHRT SIE SICH NICHT??Warum lässt sie so mit sich umgehen??
Hoffe Du nimmst mir diese offenen Worte nicht übel :?

Jetzt zum Text:

Keine Ahnung, warum ich so gereizt war.


Finde ich einen interessanten Anfang, er machte mich neugierig auf s Weiterlesen. Auch weil dieses Gefühl so nachvollziehbar für jedermann ist. Nicht wissen warum ich gereizt bin, macht mich immer gleich noch gereizter :roll:

Mein Unmut hatte sich während des gesamten Tages dialektisch aufgebaut. Mein ehemaliger Deutschlehrer wäre vor Euphorie darüber vermutlich aus den Latschen gekippt. Wenn er noch kippen könnte. Er war schon lange tot.


Den ersten Satz finde ich sprachlich und inhaltlich perfekt, den letzten total lustig. Er drückt so etwas trockenes,resigniertes aus und wirkt somit wirklich witzig!

Denn diese Stunde nutzte ich ganz uneingeschränkt und egoistisch für mich.


Den Satz verstehe ich nicht, wieso ist es egoistisch sich eine Stunde für sich zu nehmen? Vor allem wenn man dafür noch früher aufstehen muss? Ich finde, in dem Satz machst sie sich sehr klein, das gefällt mir nicht.

Um mich so zu modellieren, dass ich mich selber leiden konnte.


Das Wort "modellieren" finde ich herrlich gewählt!

Mein Gott, bist du wieder überschminkt. Und seit wann lackierst du dir die Fingernägel? Hat was von Tussi“, sagte er. Ich ignorierte seine Beleidigung, wahrscheinlich meinte er es nicht einmal beleidigend, aber ich fühlte mich gekränkt.


Finde diesen Absatz sehr anschaulich formuliert, sehe die Szene richtig vor mir. Wie er seine Kommentare abgibt und sie immer genervter wird. Du transportierst das Gefühl sehr gut. Befremdlich wirkt auf mich wie er gedanklich gleich in Schutz genommen wird. Das ist so eine Stelle bei der ich mir denke"Boah, mach doch Deinen Mund auf!!" Da steigt beim Lesen so eine Ungeduld in mir hoch. Das setzt sich fort als es darum geht das Wohnzimmer zu putzen. Bei mir kommen seine Aussagen als recht respektlos an und ich verstehe nicht wieso sie sich -in meinen Augen- in die Opferrolle begibt anstatt mal auf den Tisch zu hauen.

ch erinnerte mich an damals, als es mir wohlige Schauer über den Rücken trieb, wenn er mich Babe nannte. An den verruchten Tonfall mit dem er mir das Kosewort heimlich ins Ohr hauchte. Damals.


Finde das letzte Wort unterstreicht den Satz perfekt. Überhaupt finde ich den Absatz schön, er klingt so...menschlich und nachvollziehbar. Und traurig aber genau das verleiht ihm sehr viel Tiefe.

]Er aß in der Küche, im Stehen und ich lehnte mich an unsere Theke. Es regte mich tierisch auf, die Art, wie er schmatzte und wie sich seine Lippen beim Essen bewegten. Ich fand es schon fast eklig, wie die Krümel an seiner Wange hängen blieben, wie die Zunge schnalzte, wenn sie den Essensbrei gegen seinen Gaumen drückte


Bewundere es wie ausführlich Du sein Essverhalten schildern kannst. Dadurch sehe ich ihn direkt vor mir.

Es gab Tage, an denen ich mit mir selbst nicht zufrieden war. An denen ich mich nach etwas Größerem sehnte, nach mehr Freiheit, nach etwas Abstand.


Finde diesen Satz sehr mutig, da sehr ehrlich. Schade nur, dass sie so schnell schweigt wenn er nicht darauf eingeht. Sind es doch schließlich wichtige Dinge nach denen sie sich sehnt.

Wenn ich so über ihn dachte, dann tat ich das voll Zärtlichkeit mit einem verwaschenen Lächeln auf den Lippen und einem Blick, den nur Liebende kannten.


Den Satz finde ich schon fast poetisch schön. Vor allem "der Blick den nur Liebende kannten" Weil er so aussagekräftig ist, dass es keinerlei weiteren Erklärung bedarf. Weil er allen Zynikern das Maul stopft.


Irgendwann würden wieder die lauten Töne kommen, laut und einnehmend, dann würden die Wände wackeln und die Seele vibrieren.


Wow, der Satz hat Schwung und Power, besonders die "vibrierende Seele" finde ich super!

Und noch während ich daran dachte, wie angenehm das Flüstern sein würde, nach dem Ausbruch, spürte ich, dass ich glücklich war.


Finde total faszinierend wie ein schlechtes Gefühl in ein gutes, glückliches umgewandelt wird. Ohne dass äußerlich irgendetwas passiert, nur durch veränderte Gedanken. Das verrät Weisheit.

Liebe Grüße und einen rundum schönen Frühling!

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