[Tragik]Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon Arya14 » 08.12.2014, 17:24

Das Geräusch der Tür in seinem Rücken, die abermals geöffnet wurde, weckte seine Aufmerksamkeit. Herein kam eine junge Frau, die in ein weißes, bodenlanges Kleid gewandet war. Taillenlange, goldblonde Locken fielen über ihre Schultern herab und ein paar leuchtend grüne Augen funkelten ihn aus einem elfenbeinfarbenen Gesicht heraus neugierig an. Rick stand wie angewurzelt da und war für einen Moment derart geblendet von ihrem Erscheinen, dass er keinerlei Worte über seine Lippen brachte. Sie sieht aus wie ein Engel, dachte er, während er ihr wie erstarrt nachblickte, als sie mit leichtfüßigen Schritten auf die Kinder zuging.
„Christkind.“ Benommen schüttelte er den Kopf und sah sie verwirrt an. „Ich bin das Christkind.“, wiederholte sie noch einmal an ihn gewandt und zwinkerte ihm lächelnd zu.
„Oh.“, murmelte er verwirrt. Hatte er das mit dem Engel gerade laut ausgesprochen? Er hatte geglaubt, es allein in seinen Gedanken formuliert zu haben. Er spürte wie er leicht errötete. Die folgenden Stunden vergingen wie im Traum. Nachdem sie die Kinder begrüßt und Geschenke an sie verteilt hatte, wurde er ohne viel Federlesens zwischen die Kinder auf einen Sitzsack verfrachtet, um eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen.
Im Rückblick fragte er sich, wie er es geschafft hatte, auch nur ein einziges Wort herauszubringen, während sie die ganze Zeit hinter ihm stand, nur wenige Zentimeter von ihm getrennt. Hätte man ihn gefragt, er hätte nie im Leben geglaubt, dass er einen Freitagnachmittag damit verbringen würde, Kindern Geschichten vorzulesen. Doch das Lächeln das die junge Frau ihm immer wieder aufmunternd zuwarf, war Lohn genug. Er fühlte, wie sein Herz immer leichter zu werden schien und als er einige Stunden später schließlich das hell erleuchtete, warme Gebäude verließ und auf die dunkle Straße hinaustrat, kam ihm der Nachmittag im Rückblick wie ein unglaublicher Traum vor. Unglaublich, aber auch unvorstellbar schön. Er war erst ein paar Meter gegangen, als er schnelle Schritte auf dem Asphalt vernahm und ihn kurz darauf die junge Frau von der Kinderstation einholte.
„Das Christkind, richtig?“ Im gleichen Moment, in dem er die Worte ausgesprochen hatte, wäre er am liebsten mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler gerannt.
Sie sah ihn amüsiert an. „Naja, du kannst mich auch einfach Cathy nennen.“
Er nahm ihre ausgestreckte Hand und schüttelte sie. „Rick. Freut mich.“
Wieder dieses Lächeln. „Freut mich ebenfalls, Rick. Ich fand es übrigens sehr lieb, was du dort drinnen gemacht hast. Es gibt nicht viele Kerle in deinem Alter, die das freiwillig machen würden und das spricht eindeutig für deinen selbstlosen Charakter.“ Er spürte, wie er bei ihren Worten leicht errötete und wollte bereits den Irrtum aufdecken, doch sie unterbrach seine Gedanken, als sie erneut zu sprechen begann: „Ich habe noch zwei Stunden Zeit, bis ich im Altenheim sein muss, um dort den Weihnachtsmarkt zu eröffnen. Hättest du nicht Lust, noch etwas mit mir essen zu gehen?“ Ihre Worte überraschten ihn, doch noch mehr überrascht war er, dass er es tatsächlich schaffte, einen zusammenhängenden Satz zu erwidern.

„Wir haben jeden weiteren Abend bis Weihnachten gemeinsam verbracht. Mal bin ich mitgegangen, wenn sie als Christkind irgendwo aufgetreten ist, mal sind wir einfach gemeinsam durch den Park spaziert. Ich hab ihr schließlich doch noch erzählt, was der wahre Grund für meine Arbeit auf der Kinderstation war und anstatt mich deswegen zu verurteilen, nahm sie es ohne Wertung zur Kenntnis. Sie war der erste Mensch, der in mir nicht nur einen Kriminellen sah, sondern mich auch wertschätzte und mich so akzeptierte wie ich war. Ich habe niemals zuvor so etwas empfunden, wie ich es in ihrer Gegenwart tat. Sie war für mich ein leuchtender Stern am Himmel und zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir bewusst, was es bedeutete, einen anderen Menschen zu lieben.
An Heiligabend schließlich trafen wir uns auch. Sie war gerade von ihrer Weihnachtsansprache gekommen und trug noch das weiße Gewand. Sie sah wunderschön aus. Als es dunkel wurde, begleitete ich sie noch ein Stück nach Hause. An einer Kreuzung trennten wir uns schließlich, da sie in die eine, ich in die andere Richtung gehen musste. Bevor ich wusste wie mir geschah, beugte sie sich vor und küsste mich. Ich war so glücklich in dem Moment. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk das sie mir machen konnte. Als sie sich dann schließlich doch zum Gehen umwandte, bemerkte ich Connors Wagen, der direkt vor uns an der Kreuzung stand. Sein eiskalter Blick, mit dem er mich bedachte, sprach mehr als tausend Worte. Ich sah durch das geöffnete Fenster die Waffe in seiner Hand. Da wusste ich, mein Leben war vorüber.
In dem Moment, in dem die Ampel auf Grün sprang, drückte er das Gaspedal durch und feuerte seine Pistole ab. Die Kugel, die mich hätte treffen sollen, erwischte jedoch Cathy. Ich konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie zu Boden stürzte. Ihr weißes Kleid färbte sich innerhalb von wenigen Augenblicken in ein dunkles Rot, während ihr Gesicht jegliche Farbe verlor. Doch anstatt mich zu hassen, für das, was doch so offensichtlich meine Schuld gewesen war, versuchte sie mich zu beruhigen.
Und als das Geräusch sich nähernder Sirenen laut wurde, sprach sie ein letztes Mal zu mir, bevor sie für immer verstummte: 'Mein Geschenk an dich ist mein Herz. Ich liebe dich.'“

Einen Moment lang standen sie schweigend nebeneinander. Zwei Männer, die den fallenden Schneeflocken bei ihrem Tanz im Wind zusahen.
Schließlich ergriff Cris als Erster das Wort. „Es tut mir Leid. Ich glaube ich kann verstehen, wie schwer es dir gefallen sein muss, darüber zu sprechen und was Cathy dir bedeutet hat. Aber gerade diese Geschichte beweist, dass Weihnachten ein Fest der Liebe ist. Vor allem für dich. Es kommt darauf an, was du daraus machst und nicht, wie die Medien das Fest propagieren.“
Zweifelnd blickte Rick ihn an.
„Jedenfalls hätte sie nicht gewollt, dass du Weihnachten ihretwegen verabscheust. Weihnachten bedeutet im Grunde nichts weiter als Nächstenliebe, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Auch wenn einige das Fest missbrauchen, um daraus Profit zu erwirtschaften, im Grunde seines Herzens weiß es jeder: Es geht um die Liebe.“
Darauf erwiderte Rick nichts. Was hätte er auch sagen sollen? Doch Cris schien keine Antwort zu erwarten, denn er fuhr fort: „Weißt du eigentlich noch die Geschichte, die du den Kindern damals vorgelesen hast? In der Klinik, meine ich.“
Verwirrt zuckte Rick mit den Schultern. „Schätze wohl schon.“
Auf Cris Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. „Gut, dann darfst du sie heute Abend meinen Kindern erzählen.“
Rick starrte ihn perplex an. „Das ist nicht dein Ernst.“
„Doch, ist es sehr wohl.“
„Keine Chance! Ich… ich… Also…“ Verzweifelt suchte er nach einer Ausrede. Schließlich hob er triumphierend die Hände. „Ich hab ja nicht einmal Geschenke.“
Das Lächeln des Anderen wurde noch breiter. „Das größte Geschenk wäre es, wenn du den heutigen Abend mit uns verbringst. Die Weihnachtsgans reicht auch für einen mehr. Und an unserem Tisch ist auch genug Platz. Du bist somit herzlich eingeladen.“ Er sah Rick aufmerksam an, der seinen Blick zweifelnd erwiderte. „Zwingen kann ich dich natürlich nicht. Nur eine Möglichkeit aufzeigen.“
Einen Augenblick lang wollte Rick noch nach weiteren Ausflüchten suchen, dann jedoch besann er sich eines Besseren. Niemand zwang ihn dazu, alleine zu sein. Und Cris hatte Recht. Cathy wäre die Letzte die sich wünschen würde, dass er Weihnachten allein verbrachte. Gerade sie, für die Weihnachten etwas Besonderes war.
Mit der rechten Hand schob Rick den Schnee von der oberen Grabsteinkante und strich über den eingravierten Namen darunter. „Cathrine Emilia Jordan, geboren 07. April 1996, gestorben 24. Dezember 2011“ war dort in den dunklen Stein eingraviert.
„Fröhliche Weihnachten, Cathy.“, murmelte er. Tränen traten ihm in die Augen, die er verzweifelt fort zu blinzeln versuchte. Dann wandte er sich ab, folgte Cris, der schon einige Schritte vorausgegangen war und im stärker werdenden Schneetreiben zu einer undefinierbaren, schwarzen Gestalt wurde.
In der Ferne erscholl das Dröhnen der Kirchenglocken.
Zuletzt geändert von Arya14 am 11.06.2015, 09:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon Zyniker » 16.12.2014, 19:57

Hallo Arya14, bin neu auf der Seite und geb dir meinen ersten Kommentar also bitte entschuldige, falls du das anders gewohnt bist. ;-)

Mir hat die Geschichte gefallen, vor allem die Stimmung, die du über die meisten Teile erzeugt hast, find ich gut. Finde dass du vor allem die Charaktere glaubwürdig beschrieben hast, besonders Rick ist dir gut gelungen. Nur der Dialog am Grab ganz zu Beginn hat auf mich ein bisschen gestellt(?) gewirkt. Kann nicht genau sagen wieso, vielleicht fällt mir noch was dazu ein. Stilistisch ist es an manchen Stellen etwas holprig geworden, an anderen (das "sterbende Licht" ganz am Anfang) dafür wieder sehr schöne Bilder verwendet.


Im Detail ein paar wenige Sachen die mir aufgefallen sind:

Ein großer Tannenbaum war in der Mitte der Station aufgestellt worden, der mit blauen und silbernen Weihnachtskugeln geschmückt war, sowie selbstgebasteltem Christbaumschmuck aus bemaltem Salzteig und bunten Origami-Figuren.


Ist mir etwas zu lang der Satz, außerdem gefällt mir die "war in der Mitte" "geschmückt war" Kombi nicht so gut.
Vorschlag:
Ein großer Tannenbaum, mit blauen und silbernen Weihnachtskugeln geschmückt, war in der Mitte der Station aufgestellt worden. Selbstgebastelter Christbaumschmuck aus bemaltem Salzteig und bunten Origami-Figuren hing an seinen Zweigen (zierte seine Zweige).


Neben dem Baum waren einige gemütliche Sessel und Sofas aufgestellt, auf denen knapp zwei Dutzend Kinder in Schlafanzügen saßen, teils eingemummelt in warme Decken, in deren Augen ein erwartungsvoller Ausdruck lag.


Neben dem Baum waren einige gemütliche Sessel und Sofas aufgestellt. Darauf saßen knapp zwei Dutzend Kinder in Schlafanzügen, teils eingemummelt in warme Decken, in ihren Augen ein erwartungsvoller Ausdruck.


Das Geräusch der Tür in seinem Rücken, die abermals geöffnet wurde, weckte seine Aufmerksamkeit.


Ich persönlich hab noch einmal zurückblättern müssen um zu schauen, wann die Tür schon einmal aufgegangen ist. Obwohls dann eh klar ist, würd ich das trotzdem anders formulieren und das "abermals" einfach weglassen.


An einer Kreuzung trennten wir uns schließlich, da sie in die eine, ich in die andere Richtung gehen musste.


Die Erklärung kann man denk ich auch weglassen, wenn man sich an einer Kreuzung trennt, dann meistens eh weil man halt in andere Richtungen muss ;-)

Als sie sich dann schließlich doch zum Gehen umwandte, bemerkte ich Connors Wagen, der direkt vor uns an der Kreuzung stand und uns scheinbar schon eine Weile beobachtet hatte, während er auf grün wartete.


Ich würds glaubwürdiger finden wenn der den Wagen irgendwo am Straßenrand bemerkt. Vorausgesetzt dass es in deiner fiktiven Stadt keine extra langen rot-Phasen an Ampeln gibt, wär dann nämlich mehr Zeit für das Küssen, die Gedanken etc. aber wahrscheinlich Geschmackssache.


Sonst haben mir wie gesagt vor allem die Handlung selber, die Atmosphäre und die Charaktere sehr gut gefallen. Hoffe du kannst damit was anfangen :-)
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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon Arya14 » 21.12.2014, 10:38

Hallo Zyniker,

vielen Dank für deinen Kommentar zu meiner Geschichte!
Ja, die leidliche Sache mit den langen und verschachtelten Sätzen... Das habe ich auch schon einige Male feststellen müssen. Manchmal passt es, manchmal wiederum verliert man völlig den Faden... Ich schau mal, vielleicht ändere ich das noch.

Liebe Grüße
Arya
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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon beatrice » 02.06.2015, 21:10

Liebe Arya,

schade dass dein Text bisher nur einen Kommentar hat, aber das werde ich ja jetzt ändern!
Mir hat er sehr gut gefallen, gleich im ersten Abschnitt hast du mich in den Bann gezogen und neugierig auf den Text gemacht.
Mit dem ersten Dialog kann ich Zyniker beipflichten, auf mich wirkte er auch etwas gestellt. Aber unten habe ich ein paar Sachen gefunden, die du vielleicht daran ändern könntest. Ansonsten fand ich die Geschichte richtig schön, obwohl Juni ist, bin ich jetzt in Weihnachtsstimmung. In Rick konnte ich mich super hineinversetzen und er ist einem am Ende wirklich sympathisch. Auch Cris' besonnene Art hast du gut beschrieben, er ist definitiv ein Sympathieträger. Alles in allem finde ich die Geschichte gut gelungen. Besonders der Anfang und das Ende strotzen vor Kraft und ziehen einen ins Geschehen hinein, bzw runden es ab. Ein paar Dinge sind mir aufgefallen, deshalb gehe ich jetzt nochmal genauer auf alles ein:


Es war für ihn zu einem gewissen Ritual geworden, jedes Jahr zum gleichen Tag an das Grab zu kommen und sich zu betrinken[,] um die Erinnerungen auszulöschen und den Schmerz zu betäuben.


Nur ein winziger Kommafehler, ansonsten super!

eine Gestalt erkennen konnte[,] die, mit hochgezogenen Schultern und den Händen in den Manteltaschen, auf ihn zukam.

Auch hier ein Kommafehler, das Komma muss vor dem "die" stehen.

„Fröhliche Weihnachten“, sprach der Mann ihn mit freundlicher Stimme an und hob die Hand zum Gruß.


Ich würde das "ihn" nach vorne stellen:
     "sprach ihn der Mann mit freundlicher Stimme an und hob die Hand zum Gruß.

„Ich scheiß' auf Weihnachten.“, murmelte er, ohne dem Fremden weiter Beachtung zu schenken.


Die Zeile gefällt mir, die Antwort passt zu seiner Stimmung. Ich glaube es müsste "weitere" heißen.

Er merkte wie ihm die Worte nur langsam über die Zunge, die schwer vom Alkohol war, kamen.


'Das "Zunge schwer vom Alkohol" ist eine schöne Umschreibung, ich musste den Satz wegen seiner Konstruktion allerdings zweimal lesen. Außerdem glaube ich, dass es "die Worte kamen ihm nur langsam über die Lippen" heißt. Deshalb vielleicht etwas in diese Richtung:

     Mit seiner vom Alkohol schweren Zunge, kamen ihm die Worte nur langsam über die Lippen.

„Und zu dem Schluss kommst du - weil?“, fragte der Andere verwundert, der neben ihm stehen geblieben war.


Ich persönlich finde den Kommentar einen Tick zu lang. In diesem Absatz ist das Gesagte wichtiger, als das, was er tut. Wie wäre es, wenn du einfach
     "Der Andere war verwundert neben ihm stehen geblieben."
schreibst?

Schweigend standen sie eine Zeit lang nebeneinander und starrten auf das Grab hinab, bis Cris erneut zu sprechen begann. „Sich auf einem Friedhof zu betrinken dürfte jedenfalls die traurigste Variante sein, Heiligabend zu verbringen.“


Hier hatte ich ein bisschen zu schnell gelesen und dachte dann erst Rick hätte das gesagt. Vielleicht könntest du nach dem ersten Satz einen Doppelpunkt setzen?

„Und hab ich dich nach deiner Meinung gefragt? Weihnachten so zu verbringen ist immer noch besser, als mir den ganzen Weihnachtsstress anzutun, nur um einen geheuchelt friedlichen Abend im Kreise der, ansonsten an einem desinteressierten, Verwandtschaft zu verbringen.“, fuhr Rick ihn verärgert an.


Bis hierhin fand ich den Dialog sehr gelungen. In diesem Fall ist Rick aber verärgert. Ich würde meinen, dass wütende Personen nicht den Hang zu Monologen haben, eine kurze und knackige Antwort wäre vielleicht passender?

Einen Verbesserungsvorschlag zu finden, ist ganz schön schwierig. Du könntest ihn vielleicht bloß
     "Und habe ich dich nach deiner Meinung gefragt?"
sagen lassen. Aber dann passt Cris' Antwort nicht mehr. Schöner wäre es die Quintessenz seiner nächsten Aussage herauszufiltern:
"Immer noch besser, als ein Fest mit Verwandten zu feiern, die ihr Interesse sowieso nur heucheln."
"Immer noch besser, als einen Abend lang das geheuchelte Friede, Freude, Eierkuchen der Verwandschaft ertragen zu müssen."
"Immer noch besser, als sich den Stress eines Verwandschaftsbesuch anzutun, der ansonsten keinen Gedanken an einen verschwendet."
"Immer noch besser als Friede, Freude, Eierkuchen zu heucheln."

Ich weiß nicht genau, was deine Quintessenz ist, ich finde es gerade selbst knifflig einen passende Verbesserung zu finden. Aber ich hoffe ich konnte dir zumindest eine Anregung geben!


„Das ganze Fest ist ein reines Produkt der Medien. Die Weihnachtsgans, die extrem kitschigen Weihnachtsbäume, die überfüllt geschmückten Wohnzimmer und dann diese übertriebene vorweihnachtliche Stimmung, die die Medien zu verbreiten versuchen. Die fangen ja schon im August mit der Bewerbung ihrer Ware an. Und natürlich wird vorgeschrieben, welche Geschenke man unbedingt kaufen muss, damit das Weihnachtsfest auch ja gelingt.“


Auch hier glaube ich nicht, dass er so viel sagen würde. Er ist genervt und möchte die Konversation doch eher vermeiden. Trotzdem kann er sich gerne beschweren oder in Rage reden. Ein Versuch:

     "Das Ganze ist ein Produkt der Medien. Die fangen ja schon im August mit der Bewerbung ihrer Waren an, schreiben einem vor, was man kaufen soll, damit das Fest gelingt. Und gute Laune zwingen sie einem auch auf! Bei mir erreichen sie dadurch nur das Gegenteil."

„Zum Teil hast du ja Recht. Aber es ist nicht bei jedem, wie du es beschreibst. Meine Söhne sind erst vier und sechs Jahre alt. Sie glauben noch an den Weihnachtszauber. An das Christkind. Sie haben das Träumen noch nicht verlernt und ich finde das ist das Schönste. Das Leuchten der Kinderaugen in erwartungsvoller Vorfreude. Das hat seinen ganz eigenen Zauber.“


Seine Antwort finde ich wiederum passend! Schließlich bleibt er gelassen, erklärt Rick seine Ansicht.

„Aber es entspricht nun einmal nicht der Realität. Die sieht deutlich anders aus und hat nichts für Träumereien übrig. Fakt ist, das Christkind ist tot.“


Ich würde das vielleicht auch noch kürzen.

"Aber es entspricht nun einmal nicht der Realität. Das sind bloß Träumereien."
Den Satz mit dem Christkind könntest du vielleicht schon hier in Bezug zu Cathy setzen. Vielleicht verplappert er sich dadurch, dass er sagt:

"Mein Christkind ist tot."
Aber du kannst das genauso gut lassen, denn im nächsten Abschnitt rollt er die Geschichte von Cathy ja auf und vielleicht passt Cris' Antwort sonst nicht.

oder einfach ohne das "Fakt ist"
"Das Christkind ist tot."

Wie gesagt, ist nur eine Überlegung, kannst da gerne anderer Meinung sein!


Dann hab ich mich eines Tages mit einem Typ von der eher übleren Sorte eingelassen, Connor war sein Name. Ihm schuldete ich wegen eines fehlgeschlagenen Auftrags einen ganzen Haufen Kohle, den ich weder hatte, noch auftreiben konnte, egal wie oft er mich dazu aufforderte.


Ich finde den Grund gar nicht so wichtig. Um den Satz kürzer zu machen, könntest du ihn einfach weglassen.


Somit war keine Zeit, das Geld zu beschaffen. Aber dort traf ich dann sie zum Ersten Mal.


Dass er dem Anderen Geld schuldet, weiß man ja bereits. Durch die Sozialstunden ist eigentlich klar, dass wenig Zeit bleibt, das Geld zu beschaffen. Auch dass er sie treffen wird, würde ich weglassen, da du das ja dann in deiner Geschichte erzählst. Sonst weiß der Leser schon ziemlich genau, was passieren wird.

Ein großer Tannenbaum war in der Mitte der Station aufgestellt worden, der mit blauen und silbernen Weihnachtskugeln geschmückt war, sowie selbstgebasteltem Christbaumschmuck aus bemaltem Salzteig und bunten Origami-Figuren.


Entweder stellst du den Relativsatz direkt hinter "Tannenbaum", oder du schreibst den Relativsatz um:

Ein großer Tannenbaum, mit blauen und silbernen Weihnachtskugeln geschmückt, war in der Mitte der Station aufgestellt worden.

Ich würde dann sogar einen Punkt machen und einen neuen Satz beginnen:

     "Auch Selbstgebasteltes, bemalter Salzteig und bunte Origamifiguren, baumelte an den Zweigen."

Neben dem Baum waren einige gemütliche Sessel und Sofas aufgestellt, auf denen knapp zwei Dutzend Kinder in Schlafanzügen saßen, teils eingemummelt in warme Decken, in deren Augen ein erwartungsvoller Ausdruck lag.


Ich würde aus dem letzten Teil einen weiteren Satz machen:

     "Eingemummelt in warme Decken, blickten sie ihn erwartungsvoll an."

Das Geräusch der Tür in seinem Rücken, die abermals geöffnet wurde, weckte seine Aufmerksamkeit.


Ich würde das "in seinem Rücken" durch "hinter" ersetzen:

Als sich hinter ihm die Tür erneut öffnete,

dann könntest du weiter machen mit "weckte das seine Aufmerksamkeit" , oder du könntest dich nochmal auf die Kinder beziehen, die plötzlich unruhig werden und die Hälse voller Neugier wecken. Da er mit dem Rücken zur Tür steht könnte ihn das selbst neugierig machen und er könnte sich umdrehen.

Herein kam eine junge Frau[,] die in ein weißes, bodenlanges Kleid gewandet war.


Hier fehlt ein Komma, den Satz könntest du aber genauso gut umstellen:

Eine Frau schwebte in einem weißen, bodenlangen Kleid herein.

Lange, goldblonde Locken fielen über ihre Schultern herab und ein paar leuchtend grüne Augen blickten ihn aus einem makellosen, elfenbeinfarbenen Gesicht heraus neugierig an.


Die Haare fallen über die Schultern, dass sie lang sind ist also klar, das könntest du einfach weglassen. Das "makellose, elfenbeinfarbene" Gesicht wirkte auf mich wie ein Klischee. Vielleicht könntest du ihre Augen etwas Anderes tun lassen als ihn "anblicken".

     "Goldblonde Locken fielen über ihre Schultern, grüne Augen musterten ihn voller Neugier."
oder
     "...ihre grünen Augen strahlten ihn an/zogen ihn in den Bann/schimmerten wie zwei Smaragde..."


Sie sieht aus wie ein Engel, dachte er, während er ihr starr nachblickte, als sie mit leichtfüßigen Schritten auf die Kinder zuging.


Mir gefällt das "starr" hier nicht so gut. Meiner Meinung nach könntest du es streichen. Der Satz ist außerdem sehr lang, daher vielleicht:

     "...,während er ihr nachblickte, als sie an ihm vorbeitänzelte..."

„Oh.“, murmelte er verwirrt. Hatte er das mit dem Engel gerade laut ausgesprochen? Er hatte geglaubt, es allein in seinen Gedanken formuliert zu haben.


Diese Stelle fand ich sehr schön!

wurde er ohne viel Federlesens zwischen die Kinder auf einen Sitzsack verfrachtet[,] um eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen.


Nur ein Kommafehler, ansonsten schön!

Im Rückblick fragte er sich[,] wie er es geschafft hatte, auch nur ein einziges Wort herauszubringen, während sie die ganze Zeit hinter ihm stand, nur wenige Zentimeter von ihm getrennt.


Auch ein Kommafehler!

Er war erst ein paar Meter gegangen, als ihn jemand mit schnellen Schritten einholte und die junge Frau von der Kinderstation sich zu ihm gesellte.


Da sie ihn einholt, gehe ich davon aus, dass sie "mit schnellen Schritten" geht, meiner Meinung nach kannst du das streichen.

Im gleichen Moment, in dem er die Worte ausgesprochen hatte, wäre er am liebsten mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler gerannt.


Da musste ich grinsen.

Er spürte, wie er bei ihren Worten leicht errötete und wollte bereits den Irrtum aufdecken, sie kam ihm jedoch zuvor.


Ich war hier irritiert und dachte kurz, dass sie jetzt den Irrtum aufdeckt. Vielleicht eher:

     ", sie unterbrach aber bereits seine Gedanken:"

Ich habe hier bereits verwendet, falls du das übernimmst, dann streich das bereits, das ich im Zitat unterstrichen habe.

Ich habe noch zwei Stunden Zeit, bis ich im Altenheim sein muss[,] um dort den Weihnachtsmarkt zu eröffnen.


Erneut bloß ein Kommafehler!

Ihre Worte überraschten ihn, doch noch mehr überrascht war er, dass er tatsächlich einen zusammenhängenden Satz erwidern konnte.


Richtig süß geschrieben!

Ich finde es dann schön, dass du wieder in den Dialog wechselst. Hier merkt man, dass seine Wut verflogen und er ins Erzählen gekommen ist! Schöne Wandlung!

Bevor ich wusste[,] wie mir geschah, beugte sie sich vor und küsste mich. Ich war so glücklich in dem Moment.


Komma, ansonsten gut!

Das war das schönste Weihnachtsgeschenk[,] das sie mir machen konnte.


Dasselbe wie gerade.

Als sie sich dann schließlich doch zum Gehen umwandte, bemerkte ich Connors Wagen, der direkt vor uns an der Kreuzung stand und uns scheinbar schon eine Weile beobachtet hatte, während er auf grün wartete. Wir sahen einander an und ich wusste, mein Leben war vorüber.


Das ist ein Moment in dem eigentlich die Stimmung kippt. Ich würde hier auf Kürze setzen und versuchen Spannung aufzubauen:

     "Gerade als sie sich zum Gehen wandte, bemerkte ich Connor's Wagen auf der Kreuzung. Er blickte mir in die Augen und ich wusste, mein Leben war vorüber."

In dem Moment, in dem die Ampel auf Grün sprang, drückte er das Gaspedal durch und feuerte durch das, auf der Beifahrerseite geöffnete Fenster, seine Pistole ab.


Ich finde der Relativsatz nimmt hier die Spannung heraus, außerdem scheint er zu fahren und gleichzeitig aus dem Beifahrerfenster zu schießen, da muss er echt lange Arme haben :wink: . Vielleicht könnte er nicht auf Grün warten, sondern du schreibst direkt:

     "In diesem Moment drückte er das Gaspedal durch und feuerte seine Pistole durch das geöffnete Fenster ab."

Doch Cris schien keine Antwort zu erwarten, denn er fuhr fort. „Weißt du eigentlich noch die Geschichte, die du den Kindern damals vorgelesen hast? In der Klinik, meine ich.“


Anstatt dem Punkt, würde ich einen Doppelpunkt setzen.

Tränen traten ihm in den Augen, die er verzweifelt fort zu blinzeln versuchte.


"in die Augen" müsste es wohl eher heißen, oder du schreibst, "seine Augen wurden feucht, Tränen schimmerten in seinen Augen."

Übrigens ging es nicht nur Rick so, ich war auch echt gerührt von dem Ende! Das ist auch echt toll geschrieben! Du solltest auf jeden Fall weiter machen mit dem Geschichten schreiben, es hat echt Spaß gemacht, sie zu lesen!

Liebe Grüße,
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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon Arya14 » 08.06.2015, 16:31

Liebe Bea,

Wow! Ich war echt überrascht, als ich heute deinen Kommentar gelesen habe. Damit, dass noch einmal jemand auf meine Geschichte antworten würde, hatte ich wirklich nicht mehr gerechnet.

Du hast mir mit deinem Kommentar sehr geholfen. Okay, ich gebe es zu: Mit den Kommas nimmt es teils schon überhand, da muss ich noch dran arbeiten ;) Danke für die Anmerkungen!

Interessant fand ich, dass du meistens an den Stellen Verbesserungen vorgeschlagen hast, an denen ich zuvor schon länger getüftelt habe. Ich glaube, jetzt habe ich die Stellen größtenteils soweit verbessert, dass es jetzt stimmiger ist. Gerade die Stelle mit dem Tannenbaum im Krankenhaus habe ich unzählige Male hin und her geschoben und umgeschrieben. Ich glaube, jetzt bin ich zufrieden. Auch vielen Dank dafür!!

Das mit dem Betonpfeiler hat mir auch ein Freund, dem ich die Geschichte zum Lesen gegeben habe, gesagt. Er fand es ziemlich lustig :)

Noch einmal vielen herzlichen Dank.
Menschen wie du sind es, die es mit ihren (auch unerwarteten) Kommentaren schaffen, einen zum weiterschreiben zu motivieren oder über ein Schreibtief hinweghelfen.

Liebe Grüße
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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb]

Beitragvon beatrice » 08.06.2015, 18:02

Liebe Arya,

freut mich sehr, dass ich dir weiterhelfen konnte und dass du zurückgeschrieben hast! Dass ich dich zum Weiterschreiben motiviert habe, freut mich sogar noch mehr! Schreibtiefs hatte ich auch schon einige und dann hilft es tatsächlich am meisten, in irgendeiner Form Feedback zu bekommen oder auch nur Inspiration!
Hast du vor, die verbesserte Version nochmal hineinzustellen? Wenn ja, eine Leserin hast du auf jeden Fall!

Liebe Grüße,

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Re: Das Christkind 2/2 [Weihnachtswettbewerb] - (überarbeite

Beitragvon Arya14 » 11.06.2015, 10:10

Liebe Bea,

das freut mich zu hören. Ich habe die Änderungen jetzt eingestellt.
Allerdings sind es keine weltbewegenden Veränderungen, die ich vorgenommen habe. Eher Kleinigkeiten oder leichte Änderungen in den Dialogen.

Liebe Grüße
Arya
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