Huhu Jacky,
endlich ist er da.

Und schön gemacht, wie immer.
Hast du schon mal ein Exposé geschrieben?Ja, und dieses inzwischen oft genug.
Wie hast du das gemacht?Ich habe früh begonnen, während mein Manuskript gerade bei diversen Probelesern war. Okay, es ginge noch früher (Exposé als Plotentwurf), aber so weit war ich damals noch nicht. ^^ Trotzdem hatte ich meinen Plot hinsichtlich Wende- und Höhepunkte von vorherein geplant, und genau diese uralten Notizen habe ich für mein Exposé wieder herausgekramt. Erstaunlicherweise hat das schon ziemlich gut gepasst, als es um die Frage ging: Was muss rein?
Meine Nebenhandlungen konnte ich schnell rausstreichen. Am Zusammenstreichen der Haupthandlung habe ich allerdings geknabbert. Meine Geschichte setzt sich aus drei Handlungssträngen zusammen, die zu Beginn völlig unabhängig voneinander scheinen, und erst mit der Zeit ergibt sich der Zusammenhang. Da diese Tatsache relevant für meinen Spannungsbogen ist, hatte ich ein paar Schwierigkeiten. Ich habe damit angefangen, für jeden Handlungsstrang stichpunktartig den Verlauf aufzuschreiben, die Verflechtungen festzuhalten und mir zu jedem Stichpunkt die Frage zu beantworten: Wozu?
Dann habe ich eine
erste Inhaltsangabe ohne Rücksicht auf alles geschrieben. Die hatte eine Länge von etwa fünf Normseiten. Ich habe sie in mehreren Runden überarbeitet und gekürzt, bis ich eine 3,5-seitigen Version mit 5 namentlich erwähnten Personen hatte und sie
zwei Exposé-Testlesern vorgelegt habe. Das Feedback hat mir sehr weitergeholfen. Hatte ich geschrieben, die Nebenhandlungen hatte ich schnell draußen? *hust* Eine hatte sich doch noch ins Exposé geschlichen, die konnte ich zusammen mit einer Person rausnehmen. Auf die Stellen, wo das Exposé verwirrend oder unlogisch war, konnten mich meine Testleser toll hinweisen. Aus diesem ersten
Feedback habe ich nicht nur
Änderungen im Exposé, sondern tatsächlich
auch in der Geschichte abgeleitet, und zwar durchaus entscheidende, die nochmal einiges an Überarbeitungszeit gebraucht haben.
Gegen Ende meiner Korrekturphase habe ich das Exposé wieder hervorgeholt und mir Satz für Satz vorgeknöpft. Das Ergebnis (diesmal 3 Normseiten) habe ich denselben Exposé-Testlesern vorgelegt (eine von ihnen hatte inzwischen auch das Manuskript gelesen, die andere nicht). Dann wieder eine Runde drüber gedreht und das
Ergebnis einem unbedarften Dritten vorgelegt, und auch sein Feedback noch rein. (Das Feedback wurde von mal zu mal spezifischer und weniger.)
Als ich soweit war habe ich meine erste Agentur angeschrieben, die relativ großzügige Vorgaben gemacht hat (1 Seite Kurzexposé, 1 Seite Hintergrund, 3 Seiten Inhaltsangabe), wodurch ich an der Inhaltsangabe immerhin nichts kürzen musste.
Die nächste Agentur hatte die Vorgabe: 3 Seiten Exposé insgesamt (inkl. Personenliste). Ich bin total ängstlich dran gegangen, weil ich dachte, es gibt nichts mehr, das ich noch streichen kann. Erstaunlicherweise gab es das doch und plötzlich ging es ganz einfach. Tatsächlich von einem auf den anderen Tag hatte ich das Konzept nochmal um 2 Seiten gekürzt. Meine kürzeste Version bisher liegt dann allerdings auch bei 2 Seiten für den Inhalt. Ob ich es noch kürzer hinbekomme? Das werde ich sehen, wenn ich dazu gezwungen bin. ^^
In was für einer Form?Immer genau angepasst auf die Vorgaben der Agentur. Ich habe schon mehr als einmal gelesen, dass auch das Exposé in Normseitenformat erwartet wird, also gebe ich es grundsätzlich so raus.
Ich habe einen Pitch, der aus drei kurzen Sätzen besteht. (1 Satz = Ausgangssituation, 1 Satz = das entwickelt sich daraus, 1 Satz = darum geht es / das steht auf dem Spiel). Den packe ich in mein Anschreiben, ebenso wie Informationen zu Umfang, Genre, Zielgruppe. Das Exposé besteht (in den meisten Fällen) dann noch aus Personenliste und einer vollständigen Inhaltsangabe.
Was kam inhaltlich darin vor?Der Hauptplot mit Beginn, Wende- und Höhepunkten. Beginn ist dabei nicht der Start meiner Geschichte, sondern das Ereignis, das die Sache tatsächlich ins Rollen bringt.
Was würdest du jemandem raten, der zum ersten Mal ein Exposé schreibt?"3 Seiten für ein Exposé" lesen, frühzeitig beginnen (ich glaube, der Start der Korrekturphase ist gar kein schlechter Zeitpunkt), viele Runden drehen und immer wieder Feedback einholen und einarbeiten.
Hast du schon mal ein Exposé für dein Lieblingsbuch verfasst?Ich hatte es immer vor und habe es doch nie gemacht.

Liebe Grüße, Nion