[Krimi]Das Herz des Engels unterm Dom

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon ZadHead » 02.06.2013, 01:11

Hallo

Ich finde das, was du bisher reingestellt hast, durchaus gut und auch lesenswert. Man kann sich ein recht gutes Charakterbild von den beiden Beamten mache und auch die Umgebung und Atmosphäre ich zufriedenstellend beschrieben.
Leider muss ich sagen, dass der Fall an sich, also der Tote und so weiter, mich bisher noch nicht vom Hocker gerissen hat. Damit will ich meinen, dass ich den Fall bisher noch nicht als „sehr spannend“ bezeichnen würde. Wenn es noch etwas gäbe, würde ich aber trotzdem weiter lesen, da das ja noch kommen kann.

Kommen wir jetzt zu ein paar Sachen, über die ich so beim Lesen gestolpert bin. Erst Mal der Mund. Du erklärst recht gut, wie die Beamtin darauf kommt, dass er vor dem Tod Sex gehabt hat, O.K. Aber dass man an dem Mund erkennt, dass er gerade erst geküsst worden ist, halte ich für unglaubhaft. Ein Kussmund erfordert die Bewegung von Muskeln und die erschlaffen alle sofort, wenn der Mensch stirbt. So würde der Mund also ganz normal aussehen. Die einzige Situation, in der sich das Gesicht dann verändert, ist die Schockstarre, die durch Schmerzen, Schock und Tod dazu führen kann, dass das Gesicht im Schrei verkrampft wenn jemand stirbt. Ein Kuss, denke ich Zählt eher nicht in diese Kategorie.

Dann als du geschrieben hast, dass die Beamten (sicher als Witz gemeint) sich die Samen des Toten, einführen wollen würde, weil er ja so gut aussieht… schwarzen Humor an sich, finde ich nicht schlecht. Bin ich durchaus ein Fan von. Aber für mich bewirkte der Witz eher, dass die Beamtin bei mir Unsympathisch wurde. Ich hatte so den Gedanken „Was ist das den für eine?!“ als ich das gelesen habe, was auch an dem Ekelfaktor des Witzes liegt. Wie gesagt, ich habe sonst nichts gegen schwarzen Humor, aber das ein weiblicher Beamte, der noch dazu Erfahrung hat, so einen Witz macht, finde ich etwas weit her geholt. Außerdem macht sie das, in meinen Augen, unsympathisch und irgendwie verrückt. Wenn das so sein soll, Mission erfüllt. Wenn nicht, musst du selbst wissen ob du das drin lässt oder nicht.

Der Name der Familie, die das Hotel leitet, finde ich unfreiwillig Komisch. Profitlich. Das erinnert mich irgendwie an alte Kinderhörspiele wie Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg, vielleicht auch Asterix und Obelix. Halt solche Geschichten, in denen Protagonisten die auftauchen immer Namen haben, die mit ihrem Beruf oder ihrem Charakter zusammen hängen. Zum Beispiel Lügfix. Der lügende Seher. Profitlich, als Name einer Familie, die ja Profit machen wollen, in dem die das Hotel leiten, finde ich irgendwie Lustig. Nur als Anmerkung.

So dann finde ich nur noch diesen alten Mann mit seinem Goldhamster irgendwie merkwürdig, aber das soll wohl so sein.

Welchen Char ich richtig gut finde, ist der andere Beamte, also der Partner mit dem Übergewicht. Den finde ich Sympathisch und von dem würde ich auch gerne mehr wissen.

Ich hoffe ich konnte helfen.

LG ZadHead
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon Dingelchen » 02.06.2013, 11:53

Hallo sinuhe,

puuuh, okay, dank deines Krimis weiß ich nun, dass Lesen in der SWS während des Frühstücks nicht so toll ist :mrgreen: . Mir blieb an manchen Stellen ein bisschen der Bissen im Hals stecken ;).

Das kannst du eigentlich als Kompliment sehen. Teilweise zumindest (teilweise bin ich auch einfach generell sensibel :girl: ).

Zuerst zu den paar Punkten, die mir aufgefallen sind:
der Fluss roch schwer und dumpf.

Wie kann etwas dumpf riechen?
Das klingt für mich nach einem Insider für Synästhetiker ;)
»Ein bildhübscher Bengel.« Verena Nowak kniete auf dem verdorrten Rasen und pfiff anerkennend durch die winzig kleine Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen. Dabei spielte sie mit ihrer Zunge und erweckte kurz den Eindruck, als ob sie die geronnenen Tropfen vom flachen Bauch des Toten ablecken wollte. Der Vorgang dauerte nicht länger als eine Wimper benötigt, um vom Auge auf den Boden zu segeln. Dennoch bemerkte Kriminalkommissar Bernhard Schmitz das spontane Verlangen seiner Kollegin und musterte sie mit einem neugierigen Blick.
»Schade um ihn. Wer hat erst Sex mit dem Jungen und bringt ihn danach so bestialisch um?«
[...]
»Weil ich das spüre. Ich hätte gerne selbst mit ihm geschlafen. Aber du brauchst sicher noch die Ergebnisse aus der Gerichtsmedizin, bevor du mir glaubst.« Die Kommissarin lächelte und strich sich mit den Fingern der linken Hand langsam über ihr ansehnliches Dekolleté, weil sie wusste, dass sie ihren Partner damit nervös machte. »Wärst du schon richtig wach, würdest du erkennen, dass ein Hauch von Lippenstift an seinem rechten Hoden haftet.«

Die Komissarin ist vermutlich ein bisschen notgeil. Ich hatte zudem anfangs den Eindruck, dass sie die Leiche selbst erregend findet. Ich persönlich finde den Charakter dadurch nicht sehr sympathisch, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass man, egal wie sehr man gerade "Lust" hat, ausgerechnet durch eine bestialisch zugerichtete Leiche auf sexuelle Anspielungen kommt.

Im Eingangsbereich dudelte ein Transistorradio: »Baby Jane, don’t leave me hanging on the line …«
Ein vierzigjähriger Mann in geripptem Unterhemd lehnte hinter der Empfangstheke. Auf seinem Handrücken saß ein Goldhamster, den er mit Erdnüssen fütterte. »Die beiden sind gekommen, um in den Sachen des Toten zu schnüffeln«, flüsterte er dem Tier ins Ohr.

Dieser Absatz gefällt mir besonders gut. Das mit dem Goldhamster ist eine individuelle Beschreibung, nichts 08/15-mäßiges. Man kann sich das Bild richtig gut vorstellen.

Eine Frage (okay; es sind zwei :wink: ): Taugt das als Beginn eines 80er-Regionalkrimis? Würdet ihr weiterlesen?

Abgesehen davon, dass mich die Kommissarin irgendwie nervt, würde ich weiterlesen.

Ich finde deinen Text wirklich gut geschrieben. Man kann sich in jede einzelne Szene sehr gut reinfühlen. Das war wohl einer der besten Texte, die ich hier bisher gelesen habe :)
Sehr kurzweilig.

Liebe Grüße
Dingelchen
"Im Mondlicht drehten sich die Paare. Die Feigheit mit der Tugend, die Lüge mit der Gerechtigkeit, die Erbärmlichkeit mit der Kraft, die Tücke mit dem Mut.
Nur die Vernunft tanzte nicht mit."

(Horváth - Jugend ohne Gott)
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon sinuhe » 02.06.2013, 12:32

Hallo ZadHead,

du hast dich mitten in der Nacht mit dem Anfang meines Köln-Krimis beschäftigt, als ich noch das Triple der Bayern feierte.

Leider muss ich sagen, dass der Fall an sich, also der Tote und so weiter, mich bisher noch nicht vom Hocker gerissen hat. Damit will ich meinen, dass ich den Fall bisher noch nicht als „sehr spannend“ bezeichnen würde. Wenn es noch etwas gäbe, würde ich aber trotzdem weiter lesen, da das ja noch kommen kann.

Das sind – grob gerechnet – die ersten vier Seiten eines Romans, der am Ende wahrscheinlich irgendwo in der Größenordnung zwischen 300 und 400 landen wird.
Was soll dMn noch alles auf S1 passieren: das Blut dem Leser beim Öffnen des Buchdeckels direkt entgegenspritzen?

Aber dass man an dem Mund erkennt, dass er gerade erst geküsst worden ist, halte ich für unglaubhaft. Ein Kussmund erfordert die Bewegung von Muskeln und die erschlaffen alle sofort, wenn der Mensch stirbt. Aber dass man an dem Mund erkennt, dass er gerade erst geküsst worden ist, halte ich für unglaubhaft.

Nicht die Beamtin erkennt, dass der Mund geküsst wurde; sondern ich als Autor behaupte das.
Unzulässiger Perspektivwechsel? Mag sein.
Lasse den Satz trotzdem so stehen, denn er gefällt mir.

Dann als du geschrieben hast, dass die Beamten (sicher als Witz gemeint) sich die Samen des Toten, einführen wollen würde, weil er ja so gut aussieht… schwarzen Humor an sich, finde ich nicht schlecht. Bin ich durchaus ein Fan von. Aber für mich bewirkte der Witz eher, dass die Beamtin bei mir Unsympathisch wurde. Ich hatte so den Gedanken „Was ist das den für eine?!“ als ich das gelesen habe, was auch an dem Ekelfaktor des Witzes liegt.

Ich vertrete ja nicht die Auffassung, dass Polizisten qua Beruf immer nett u. sympathisch sein müssen.
Schwarzer Humor ist okay: das freut mich.
Werde diesen Dialog der Kommissarin weiter nach hinten verschieben, wenn die beiden Ermittler sich die Leiche in der Gerichtsmedizin erneut betrachten.

Der Name der Familie, die das Hotel leitet, finde ich unfreiwillig Komisch. Profitlich. Das erinnert mich irgendwie an alte Kinderhörspiele wie Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg, vielleicht auch Asterix und Obelix. Halt solche Geschichten, in denen Protagonisten die auftauchen immer Namen haben, die mit ihrem Beruf oder ihrem Charakter zusammen hängen. Zum Beispiel Lügfix.

Die Namensgebung – zumindest in den deutschen Übersetzungen – der Asterix-Comics war teilweise genial. Bspw.: Alkoholix, Grautvornix, Handzumgrus (das scharfe S bzw. ß war den Römern unbekannt), Jellosubmarine, Latraviata etc.
Benjamin Blümchen ist Mist. Mit Schweiß auf der Stirn denke ich an die Autofahrten zurück, bei denen meine Kinder die Hörspiele des bekloppten Elefanten in den Kassettenrekorder einschoben. Spätestens bei dritten „Töröö“ stieg mein Blutdruck in den dunkelroten Bereich an.

Profitlich ist ein recht geläufiger Familienname im südlichen Rheinland. Sämtliche Darsteller werden Namen mit Lokalkolorit erhalten.
Ausnahmen:
( ) die Nowak (da polnische Wurzeln)
( ) der (tote) Student aus Bayern.

So dann finde ich nur noch diesen alten Mann mit seinem Goldhamster irgendwie merkwürdig, aber das soll wohl so sein.

Alt???
Der ist 40 (mithin zehn Jahre jünger als ich). *seufz*


ZadHead, herzlichen Dank dafür, dass du mir deinen ersten Kommentar in der SWS gewidmet hast! Weiß ich sehr zu schätzen.

Wünsche dir einen schönen Sonntag und vg, sinuhe
Saufdruck erschien am 15-ten August. ISBN-10: 3862652858
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon sinuhe » 02.06.2013, 17:54

Hallo Dingelchen,

puuuh, okay, dank deines Krimis weiß ich nun, dass Lesen in der SWS während des Frühstücks nicht so toll ist . Mir blieb an manchen Stellen ein bisschen der Bissen im Hals stecken .

11.53: jetzt weiß ich, wann du am WE frühstückst. :D

Wie kann etwas dumpf riechen?
Das klingt für mich nach einem Insider für Synästhetiker

Synästhetiker musste ich googlen: bezeichnet hauptsächlich die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung, etwa Farbe und Temperatur (z.B. „warmes Grün“), im engeren Sinne die Wahrnehmung von Sinnesreizen durch Miterregung der Verarbeitungszentren im Gehirn eines Sinnesorgans, wenn ein anderes gereizt wird. Menschen, die Wahrnehmungen derart verknüpft erfahren, werden als Synästhetiker bezeichnet. < Wikipedia >
Wieder was dazugelernt.

Die Komissarin ist vermutlich ein bisschen notgeil. Ich hatte zudem anfangs den Eindruck, dass sie die Leiche selbst erregend findet. Ich persönlich finde den Charakter dadurch nicht sehr sympathisch, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass man, egal wie sehr man gerade "Lust" hat, ausgerechnet durch eine bestialisch zugerichtete Leiche auf sexuelle Anspielungen kommt.

Notgeil passt nicht so ganz. Sie ist – zumindest in meiner Fantasie – recht attraktiv und kann sich schnell einen Mann angeln, wenn ihr der Sinn danach steht.
Libidinös wäre zutreffender.
Das mag auf den ersten Blick ähnlich erscheinen. Bezeichnet mMn aber zwei verschiedene Blickwinkel auf die Lust am Sex.

Abgesehen davon, dass mich die Kommissarin irgendwie nervt, würde ich weiterlesen.

Worauf man so alles achten muss: eine zu schräge Kommissarin. War mir beim Schreiben gar nicht bewusst, dass die Nowak evtl (zu) nervig rüberkommt. Werde ich drüber nachdenken.
Freut mich natürlich, dass du weiterlesen würdest.

Dingelchen, vielen Dank für dein Statement zu meinem Krimibeginn! Dann werde ich ab morgen munter weitertippen, damit die 300 Seiten irgendwann gefüllt sind.

Lg sinuhe
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon BreeBendi » 26.07.2013, 23:28

Hallo Sinuhe,

zuerst gehe ich auf die Rechtschreibfehler ein, es gab nämlich praktisch keine. Bis auf die nachfolgende Winzigkeit:
auf einer Wiese am Ufer. der Fluss roch...
Muss ich nicht näher erläutern, oder?

Eine Rentnerin, die um sechs Uhr morgens ihren Hund spazieren führte, entdeckte die Leiche und alarmierte die Polizei.
Das hätte ich ausführlicher dargestellt, vielleicht sogar als Anfang genommen. Eine Rentnerin, mit vom Schlafen noch platten grauen Locken, möglicherweise noch sehr müde, aber der Hund (was für einer? Mops? Dackel? Mischling?) muss ja morgens raus. Sie könnte z. B. über ihr ereignisloses Leben nachgrübeln, während der Hund sein Bein hebt. Und dann passiert ihr endlich mal etwas – sie (respektive ihr Wauwau) findet doch tatsächlich eine Leiche! Wie reagiert sie? Was macht der Hund? Wie ruft sie die Polizei? Anfang der 80er hatte noch nicht jeder Rentner ein Handy dabei…
Ich finde, da stecken zu viele interessante Dinge drin, um sie in einen lapidaren Satz zu quetschen. Oder was meinst du?

Der Vorgang dauerte nicht länger als eine Wimper benötigt, um vom Auge auf den Boden zu segeln.
Das fand ich herrlich! Ich sah förmlich eine Wimper, die sich sacht und um sich selbst drehend zu Boden windet. Viel schöner als der übliche „Wimpernschlag“, und auch deutlich länger. Sehr gut!

Wer hat erst Sex mit dem Jungen und bringt ihn danach so bestialisch um?«

Darauf ist schon ein anderer Leser eingegangen. Man vermutet beim Lesen, dass der Kollege Schmitz diesen Satz sagt. Zur besseren Verständigung vielleicht so:
Verena schüttelte den Kopf. „Wer hat Sex…..“

»Gib mir Bescheid, wenn die Spermien noch was taugen. Vielleicht lasse ich sie mir nachträglich injizieren. Mit dem Knaben hätte ich hübsche Kinder gezeugt. Die Besten sterben jung.«
Die Kommissarin hat ja bis dahin schon hin und wieder durchblicken lassen, dass sie den toten Knaben hinreißend findet, was ich – wie die meisten anderen auch – etwas merkwürdig finde. Ich hoffe, sie hat den obigen Satz nicht ernst gemeint. Falls sie es scherzhaft meint (was ich hoffe!), könnte man das deutlich machen, z. B. durch:
Verena grinste spitzbübisch: „Gib mir Bescheid…“
Oder hinter dem Satz:
Schmitz sah das schalkhafte Funkeln in den Augen seiner Kollegin und schüttelte mit einem leichten Schmunzeln den Kopf.
So kann man eher erkennen, dass sie die Bemerkung nicht ernst gemeint hat, denke ich.

Abschließend kann ich sagen, dass ich deinen Text sehr gern weiterlesen würde. Dein Stil ist wirklich gut.
Bree
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon inmutanka » 27.07.2013, 09:23

Hallo sinuhe,

hier mein Senf zu deiner Story. Nimm, was dir brauchbar und logisch erscheint und vergiss den Rest (oder alles).

LG
Inmutanka

Der junge Mann lag tot am Ufer, derweil die Glocken von Sankt Petrus die Gläubigen zum Gebet mahnten. Die halbgeöffneten Lippen waren offensichtlich in seiner letzten Sekunde noch geküsst worden, denn in seinem Gesicht spielte ein glückliches Lächeln. Der nackte Körper ruhte friedlich auf einer Wiese am Ufer. der Fluss roch schwer und dumpf. Das Gras um ihn herum schimmerte blutrot. Eine Rentnerin, die um sechs Uhr morgens ihren Hund spazieren führte, entdeckte die Leiche und alarmierte die Polizei.


*Der junge Mann lag tot am Ufer, derweil die Glocken von Sankt Petrus die Gläubigen zum Gebet mahnten.* - Den Einstieg finde ich klasse, jedoch fehlt mir, an welchem Ufer.
*Die halbgeöffneten Lippen waren offensichtlich in seiner letzten Sekunde noch geküsst worden, denn in seinem Gesicht spielte ein glückliches Lächeln.* - An diesem Satz stoße ich mich. - *waren offensichtlich ... geküsst worden*, setzt voraus, dass sie wirklich geküsst worden sind. Aber das kann eigentlich nur ein Forensiker feststellen, der einen DNA-Abstrich gemacht hat und fremde DNA festgestellt hat, oder jemand hat es gesehen/war dabei. Ansonsten erweckt es nur den *anschein*, ist es eine Vermutung/Interpretation.
*denn in seinem Gesicht spielte ein glückliches Lächeln.* - Ein Lächeln umspielt für mein Empfinden einen Mund aber spielt nicht im Gesicht, höchstens ein glücklicher Ausdruck liegt auf dem Gesicht. Zumal *spielen* etwas mit Bewegung/Aktion zu tun hat, aber da der Typ tot ist, wird sich in seinem Gesicht nichts mehr regen (außer einige Insekten/Maden :roll: )
*Der nackte Körper ruhte friedlich auf einer Wiese am Ufer* - Der Satz ist für mein Gefühl hier fehl am Platz und außerdem weiß ich schon, dass es *am Ufer* war.
*Eine Rentnerin, die um sechs Uhr morgens ihren Hund spazieren führte, entdeckte die Leiche und alarmierte die Polizei.* - Du hast mir zuvor gezeigt, was in diesem Moment *Ist-Zustand* ist, vom Gefühl her gehört für mich das *vor* dem gezeigten oder muss anders formuliert werden.

Ich würde ein Zusammenlegen der ersten Sätze versuchen, z. B.:

Der nackte Körper ruhte friedlich auf einer Wiese am Rheinufer, derweil die Glocken von St. Petrus die Gläubigen zum Gebet mahnten. Die halbgeöffneten Lippen schienen in letzter Sekunde noch geküsst worden zu sein, denn ein glücklicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Das Gras um den Körper schimmerte rot. So entdeckte ihn der Hund einer Rentnerin, der seinen Mineralstoffhaushalt auf Vordermann brachte, indem er schwanzwedelnd das Blut aufschlabberte (freie Interpretation meinerseits ;) ) Um sechs Uhr wurde die Polizei über den Fund informiert.

*der Fluss roch schwer und dumpf.* - würde ich später einbringen, eventl. bei den Kommissarinnen.

Während im Dom die Frühmesse begann und sich der Bahnhof mit den ersten Pendlern füllte, trafen vier Streifenwagen am Eingangstor des kleinen Parks ein. Die Polizisten sperrten das Areal weiträumig ab und drängten die zahlreichen Schaulustigen, die sich trotz der frühen Stunde zum Gaffen eingefunden hatten, nach draußen.


*drängten die zahlreichen Schaulustigen* - mit der einzelnen *Rentnerin*, den Gläubigen im Dom und den Pendlern am Bahnhof hast du bei mir den Eindruck erweckt, dass es hier ziemlich einsam sei. Jetzt kommen hier *zahlreiche Schaulustige* ins Spiel und damit wird mein Empfinden als *Lüge* dargestellt. Vllt: Inzwischen bildeten zahlreiche Jogger, Hundehalter und Rentner ein Spalier aus Gaffer.

»Ein bildhübscher Bengel.« Verena Nowak kniete auf dem verdorrten Rasen und pfiff anerkennend durch die winzig kleine Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen. Dabei spielte sie mit ihrer Zunge und erweckte kurz den Eindruck, als ob sie die geronnenen Tropfen vom flachen Bauch des Toten ablecken wollte. Der Vorgang dauerte nicht länger als eine Wimper benötigt, um vom Auge auf den Boden zu segeln. Dennoch bemerkte Kriminalkommissar Bernhard Schmitz das spontane Verlangen seiner Kollegin und musterte sie mit einem neugierigen Blick.
»Schade um ihn. Wer hat erst Sex mit dem Jungen und bringt ihn danach so bestialisch um?«


*verdorrten Rasen* - Bisher hast du mir nichts gezeigt, dass ein verdorrter Rasen erklärt. Ich habe das Bild eines träge dahinfließenden Flußes und von blutverfärbten Gras. Nichts deutet irgendetwas an, dass *verdorrten Rasen* rechtfertigt. Zum anderen verbinde ich mit *Rasen* einförmiges Grün, kurz gemäht, sehr pflegeintensiv eben. Das passt für mich nicht zur o. g. Wiese und dem Ambiente von *Flussufer*, da sehe ich ein Grün mit knöchel- bis wadenhohen unterschiedlichen Pflanzen, wie Löwenzahn, Spitz-/Breitwegerich, Wegwarte, Disteln etc. vor mir.
*als ob sie die geronnenen Tropfen vom flachen Bauch des Toten ablecken wollte* - welche geronnen Tropfen von was? Du hast mir bisher ein *sauberes* Gesicht gezeigt und Blut auf den Wiesen. Dass er auch *blutbesudelt* ist, wurde nicht gezeigt. Und wie gesagt: geronnenen Tropfen von was?
* Der Vorgang dauerte nicht länger als eine Wimper benötigt, um vom Auge auf den Boden zu segeln* - ein schöner, orgineller Vergleich. Allerdings: ich bin 180 cm groß, wenn von meinem Kopf ein Haar zu Boden segelt, dauert es. ;) Also Zeit genug, um viel zu bemerken.
*Wer hat erst Sex mit dem Jungen und bringt ihn danach so bestialisch um?* - Woher weiß die Dame, dass er kurz vor dem Tod Sex hatte? Meines Wissens kann das nur durch forensische Untersuchungen festgestellt werden (Sekrete an den Genitalien, fremde Schamhaare usw.). Nur, weil er nackt daliegt, würde ich das noch nicht daraus schließen. Könnte auch ein nächtlicher Nacktbader gewesen sein.
*bringt ... bestialisch um* - unter bestialisch umbringen bekomme ich das Bild von verstümmelten, zerfetzten Leichen. Aber das Bild bist du mir schuldig. Bisher zeigst du mir nur einen schönen nackten Jüngling mit seligem Lächeln im Gesicht und Blut um den Körper herum.

Aus dem blassroten Schein der Morgendämmerung schälte sich der Glutball der Sonne heraus. Köln bereitete sich auf den mittlerweile zwölften Hundstag im brütend heißen Sommer 1983 vor. Während die Hälfte der Bevölkerung noch in ihren Betten träumte, hockten die zwei erfahrenen Ermittlungsbeamten auf dem staubtrockenen Boden des kleinen Parks auf Höhe von Flusskilometer 688 und begutachteten aufmerksam jeden Quadratzentimeter des blutverkrusteten Körpers.


*erfahrenen Ermittlungsbeamten* - das ist eine Behauptung des Autors, die ich ihm so nicht glaube.
*blutverkrusteten Körpers* - wie ich schon schrieb: du hast es mir zuvor nicht gezeigt. Daher ist das jetzt für mich unglaubwürdig.
Zum anderen: Ich war dabei, als 2 Tote gefunden wurden. Das eine war eine Wasserleiche im November, da rückte die Polizei sofort mit einem Gerichtsmediziner an und der ließ keinen Polizisten/Kriminalisten in die Nähe der Leiche beim anderen starb ein Mann an Krebs. Die benachrichtigten Beamten rückten mit dem Notarzt an, der bestätigen musste, dass es ein natürlicher Tod war. Deswegen kommt es mir hier seltsam vor, dass die Polizisten vor dem Mediziner in die Nähe der Leiche dürfen.

»Wie kommst du darauf, dass er vor seinem Exitus noch Geschlechtsverkehr ausgeübt hat?« Schmitz keuchte und wischte sich mit einem schmutzigen Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
»Weil ich das spüre. Ich hätte gerne selbst mit ihm geschlafen. Aber du brauchst sicher noch die Ergebnisse aus der Gerichtsmedizin, bevor du mir glaubst.« Die Kommissarin lächelte und strich sich mit den Fingern der linken Hand langsam über ihr ansehnliches Dekolleté, weil sie wusste, dass sie ihren Partner damit nervös machte. »Wärst du schon richtig wach, würdest du erkennen, dass ein Hauch von Lippenstift an seinem rechten Hoden haftet.«


OK, das ist die Erklärung. Aber wie erkennt diese Kommissarin, dass es Lippenstift und kein Blut ist, wo doch der Körper blutbesudelt sein soll?
Zwei Dinge von mir als Leser: Ich bin mir nicht sicher, ob ich bis zu dieser Erklärung weitergelesen hätte oder ob mir die *hellseherische Gabe* vorher bereits den Lesegnuss vermiest hätte (manchmal reicht mir so etwas, um sofort das Buch aus den Händen zu legen, kommt wohl auf die Tagesform an).
Zum anderen wirkt die Kommissarin auf mich - na ja, sachte gesagt: unsympathisch. Kann sein, dass Tod zu ihrem Geschäft gehört und kann sein, dass sie sich bis zu einem Gewissen grad daran gewöhnt hat. Aber - egal ob Männlein oder Weiblein - jemand sexuelle Gelüste bekommt, wenn er eine nackte Leiche sieht, wirkt das abstoßend auf mich. Aber vllt. geht es nur mir so.

»Natürlich muss der Urogenitaltrakt penibel untersucht werden«, schnaubte ihr Kollege und nieste, weil Blütenpollen seine Nasenschleimhaut reizten.
»Natürlich«, wiederholte sie leicht geistesabwesend, denn sie versuchte gerade, sich die allmählich zu einer Maske erstarrenden Gesichtszüge des Jungen einzuprägen. »Gib mir Bescheid, wenn die Spermien noch was taugen. Vielleicht lasse ich sie mir nachträglich injizieren. Mit dem Knaben hätte ich hübsche Kinder gezeugt. Die Besten sterben jung.«


*wenn die Spermien noch was taugen. Vielleicht lasse ich sie mir nachträglich injizieren. Mit dem Knaben hätte ich hübsche Kinder gezeugt.* - ok, vllt. willst du die Kommissarin als ziemlich cool und taff herüberkommen lassen, aber hier wird sie für mich echt zu einem abartigen sexgeilen Freak und endgültig unsympathisch. Und da ich selbst Sexwestern geschrieben habe und auch bei meinen übrigen Western/Krimis kein Blatt vor den Mund nehme, schätze ich mich nicht gerade für ein Weichei oder prüde ein.

Köln stöhnte unter einer Hitzewelle, wie sie die Stadt seit dem Kriegssommer 1942 nicht mehr erlebt hatte. Ein stabiles Hoch über den Kanaren schaufelte seit zwei Wochen Saharaluft nach Norden und ließ die Temperaturen in Zentraleuropa auf über vierzig Grad ansteigen. Alte Leute starben in ihren kleinen Wohnungen und wurden oft erst nach Tagen aufgespürt, wenn fauliger Geruch durch Schlüssellöcher hindurch in die Treppenhäuser entwich. Die Krankenhäuser waren überfüllt mit Herz-Kreislauf-Patienten, Caritas und Diakonie versorgten die Obdachlosen pausenlos mit kühlen Getränken.


Wichtig für die Story? Ehrlich gesagt, interessiert es mich (an dieser Stelle) überhaupt nicht. Ich will wissen: wer ist der Junge, wer hat ihn gemeuchelt.

Der Rhein dümpelte in seinem halbierten Bett träge vor sich hin. Er stand mehr, als dass er floss. An den bloßgelegten Uferrändern kamen die Konturen von verrosteten Kühlschränken und zerborstenen Fernsehschirmen zum Vorschein. Im Bezirk Porz war eine Fliegerbombe aus den schmutzigbraunen Fluten aufgetaucht und entschärft worden. Die Hunde hechelten und ließen ihre Zungen weit nach unten hängen. Selbst die Vögel schienen nicht mehr zu fliegen, sondern nur noch teilnahmslos auf den Ästen zu sitzen, deren Blätter sich bereits im Juli braun verfärbt hatten.


s. o., falls es wichtig ist, könntest du da den Geruch vom Wasser einbauen.
'ließen ihre Zungen weit nach unten hängen.* - nach oben hängen geht schlecht

»Ich hasse sensationsgeile Menschen und ich hasse diesen Monat!« Schmitz fluchte leise vor sich hin, als er bemerkte, wie ihm das Wasser vom Nacken ausgehend den Rücken hinunterlief. Der Kommissar setzte sich auf eine Bank, die unter einer Rosskastanie stand, um im Schatten des majestätischen Baumes in Ruhe nachzudenken.


*Ich hasse sensationsgeile Menschen* - du hast zwar die Gaffer erwähnt, aber dann den Fokus ganz auf den Toten gerichtet und anschließend einen umfassenden Bericht über Wetter und Umstände der Hitzewelle geliefert. Jetzt kommst du mit *sensationsgeile Menschen* und das ziemlich zusammenhanglos. Anders wäre es, wenn er z. B. beim Aufrichten in die Gesichter der Gaffer gesehen hätte oder sich durch sie hindurch zwängen müsste.
* als er bemerkte* - mit der Bemerkung * ... ich hasse diesen Monat* nimmst du etwas vorweg und lieferst mit *als er bemerkte* die Erklärung hinterher. Es gibt sicherlich Momente/Stellen, wo Als-Sätze notwendig und nicht umgehbar sind, hier wäre es jedoch nicht nötig.
Bsp.: Das Wasser rann Schmitz vom Nacken ausgehend den Rücken hinunter. *Ich hasse diesen Monat*. Leise vor sich hinfluchend setzte sich der Kommisaar auf eine Bank ...

Einen Mord wie diesen sah er nicht jeden Tag. Die Pulsadern hatte man fachgerecht mit Längsschnitten geöffnet. Die Arme danach über Kreuz auf die Brust gelegt, sodass der Tote vom Solarplexus abwärts mit Blut verkrustet war. Die Miene des Jungen wirkte dermaßen gefasst, dass zwischen Täter und Opfer herzliches Einvernehmen geherrscht haben musste. Der Kommissar ahnte, dass die Vermutung seiner Kollegin mit dem Geschlechtsverkehr während des Tötungsakts zutreffen würde. Bei solchen Dingen irrte sich Verena niemals. Trotzdem wollte er auf Nummer sicher gehen und die Resultate der Labortests abwarten. Unter seinem weinroten Hemd mit den kurzen Ärmeln bildeten sich zwei große Flecken.


*Einen Mord wie diesen sah er nicht jeden Tag. Die Pulsadern hatte man fachgerecht mit Längsschnitten geöffnet. Die Arme danach über Kreuz auf die Brust gelegt, sodass der Tote vom Solarplexus abwärts mit Blut verkrustet war.* - die Erklärungen gehören für mich früher rein. Dann werden auch die geronnen Blutstropfen auf den Bauch klar. Allerdings gehören für mich geöffnete Pulsadern nicht zu einer *bestialischen Tötungsart*.
*Die Miene des Jungen wirkte dermaßen gefasst,* - passt für mich nicht zu dem o. g. *denn ein glücklicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht. * Zwischen einer gefassten und glücklicher Miene liegt für mich ein himmelweiter Unterschied.
*Unter seinem weinroten Hemd mit den kurzen Ärmeln bildeten sich zwei große Flecken.* - Unter seinem Hemd bildeten sich 2 große Flecken? Wieso erwähnst du es, wenn es niemand sehen kann? ;) Vllt. Unter den Achseln, auf dem Hemd? Dann solltest du es so schreiben. Mit der Farbe *Rot* hast du es: schimmerte blutrot, blassroten Schein, der Glutball, weinroten Hemd

Für ihn, der vorgestern bei der amtsärztlichen Untersuchung einhundertfünf Kilo auf die Waage gebracht hatte, bedeuteten Temperaturen jenseits von dreißig Grad eine körperliche Tortur. Er beneidete seine sportliche Partnerin, der mit ihren schlanken Ein-Meter-Siebzig keine Wetterschwankung etwas anhaben konnte. Manchmal fantasierte er, mit ihr zu schlafen. Sie würde ihn wegen seines Bauchs und der Kurzatmigkeit jedoch sicher auslachen. Dann schüttelte er sich energisch, um aus seinen Tagträumen zu erwachen. Das Team der Spurensicherung war mittlerweile am Tatort eingetroffen und begann mit der mühsamen Detailarbeit.


Wenn ich Leiter des Spurensicherungsteams wäre, würde ich den beiden den Marsch blasen, von wegen Profis und Tatort-Verunreinigung und so. Dass Spaziergänger und Gaffer schon genügend anrichten ist eine Sache, aber Profis sollten es besser wissen.

»Dass Ihr bloß nichts überseht, Jungs!«, rief die Nowak dem Teamleiter Hendricks zu.
»Wir tun unseren Job. Ihr macht euren. Ein schweres Parfüm hast du am frühen Morgen aufgelegt, Verena«, grüßte der leptosome Kollege zurück, kratzte ein paar Gramm geronnenes Blut vom Oberschenkel des Toten und füllte die Bröckchen in einen transparenten Plastikbeutel. [neu hinzugekommen]

Die alte Dame, die vor einer Stunde auf die Leiche aufmerksam geworden war, weil ihr Rauhaardackel seine Notdurft am leicht abgewinkelten Knie des Jünglings verrichten wollte, stand nahezu regungslos am Rand der Wiese und beobachtete die Szene. Schmitz erhob sich mühsam und ging zu ihr.
»Kennen Sie den Toten?«, fragte er ins Blaue hinein.
»Ja!«, erwiderte die Frau bestimmt und ohne zu zögern.
»Tatsächlich? Das nenne ich aber unverschämtes Glück. Wie heißt er denn?«


Finde ich seltsam, dass sie nicht von sich aus sagt, was sie weiß.

Die Inspektorin grinste.


Was nu? Kommissarin oder Inspektorin? Da ist ein Unterschied.

Eine Frage (okay; es sind zwei :wink: ): Taugt das als Beginn eines 80er-Regionalkrimis? Würdet ihr weiterlesen?
[/quote]

So, als Krimibeginn taugt es alle Mal und du hast eine gute Schreibe. Was ich nicht so gut fand, ist deine Kommissarin. Die Gründe dafür habe ich dir ja schon genannt. Wahrscheinlich hätte ich an dieser Stelle das Buch aus der Hand gelegt. Was ich persönlich auch nicht so gut finde - ist aber reine Geschmackssache - du wechselst in der Szene die Perspektive munter von der Kommissarin zu ihrem Kollegen, vom Erzähler - persönlich mag ich das nicht.

LG
Inmutanka
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon sinuhe » 27.07.2013, 09:50

Guten Morgen Breebendi und inmutanka,

herzlichen Dank für eure Analysen!

Wg. des sich gerade anbahnenden heißen WEs werde ich erst morgen Abend dazu kommen, euch zu antworten.

Die Hundstage von 1983 wiederholen sich anscheinend 2013. Von den Temperaturen her gesehen; nicht die Leiche(n) unterm Dom. :D

Das ist natürlich übel:
und außerdem weiß ich schon, dass es *am Ufer* war.

Und das bei meiner ausgeprägten Dopplerphobie.
Der Text wurde - ebenfalls außerhalb der SWS - mehrmals probegelesen.
Die WWHen scheinen aber nur ganz wenigen Kommentatoren aufzufallen. Interessant.
Wenn's bloß ein gutes Programm gäbe, das mich rechtzeitig darauf hinweist. Kenne bisher nur den Papyrus Autor, der das leistet. Ist mir aber zu kompliziert in der Handhabung.
"Ufer" bereits ausgewechselt.

Zu euren restlichen Hinweisen schreibe ich morgen Abend meine Repliken.

Wünsche euch ein sonniges WE!

Lg sinuhe

@ inmutanka: wenn du sämtliche Texte so auseinander nimmst wie diesen, hätten die meisten Autoren vermutlich nie mit dem Schreiben angefangen oder schnell wieder damit aufgehört. Da bleibt ja kein Stein auf dem anderen. :mrgreen:
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon inmutanka » 27.07.2013, 12:06

@ inmutanka: wenn du sämtliche Texte so auseinander nimmst wie diesen, hätten die meisten Autoren vermutlich nie mit dem Schreiben angefangen oder schnell wieder damit aufgehört. Da bleibt ja kein Stein auf dem anderen. :mrgreen:


Es gibt auch nur wenige Bücher/Autoren, die meinen Ansprüchen standhalten. Allerdings versuche ich persönlich genau denen nachzueifern :wink:

LG
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon sinuhe » 28.07.2013, 08:25

Guten Morgen Breebendi ,

da es bei uns heute gem. Wetterbericht angeblich bis zu 35° heiß werden soll, nutze ich die noch kühle Morgenstunde, um deinen Kommentar zu beantworten:

Das hätte ich ausführlicher dargestellt, vielleicht sogar als Anfang genommen. Eine Rentnerin, mit vom Schlafen noch platten grauen Locken, möglicherweise noch sehr müde, aber der Hund (was für einer? Mops? Dackel? Mischling?) muss ja morgens raus. Sie könnte z. B. über ihr ereignisloses Leben nachgrübeln, während der Hund sein Bein hebt.

Mir persönlich gefällt der Anfang mit dem toten Jüngling am Flussufer besser.
Ob ich die Rentnerin – die nach der Anfangsszene nie wieder auftauchen wird – über ihr Leben grübeln lasse? Andere Kommentatoren würden mir das vermutlich als Geschwätzigkeit ankreiden.

Zur besseren Verständigung vielleicht so:
Verena schüttelte den Kopf. „Wer hat Sex…..“

Werde ich so machen.

was ich – wie die meisten anderen auch – etwas merkwürdig finde. Ich hoffe, sie hat den obigen Satz nicht ernst gemeint.

Der Satz mit den Spermien – glaube, ich hatte das weiter oben bereits einem früheren Kritiker geantwortet –, wird in ein späteres Kapitel (wenn das Ermittler-Duo den Leichnam ein weiteres Mal in der Kühlkammer betrachtet) verschoben.
Die Nowak meint(e) es mit dem Jüngling todernst.

Abschließend kann ich sagen, dass ich deinen Text sehr gern weiterlesen würde.

Freut mich.
Ich hatte den Text zwar – in Ermangelung anderer Rubriken – in „Krimi“ einsortiert; es soll sich jedoch eher ein „Thriller“ (keine Ahnung, ob der Begriff zu 100% passt) entwickeln, in dem es v.a. um Leidenschaften wie Spielsucht, fatale erotische Abhängigkeit, Persönlichkeitsspaltung und den Medikamentenmissbrauch des Kommissars geht. Die Rahmenhandlung spielt sich innerhalb von 48h im Schatten der Domtürme ab. Hinzu kommen (Tagebuch-) Rückblicke des toten Jünglings. Es wird nur wenig detektivische Kleinarbeit geleistet. Von daher wahrscheinlich kein „richtiger“ Krimi.

Bree, vielen Dank fürs Kommentieren!

LG sinuhe
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon sinuhe » 28.07.2013, 18:35

Hallo inmutanka,

das ist VIEL, was du zu meinem Köln-Auftakt zu sagen hast.
In dem Kommentar steckt eine Menge Arbeit drin. Respekt!

, jedoch fehlt mir, an welchem Ufer.

Köln: also am Rhein.

setzt voraus, dass sie wirklich geküsst worden sind. Aber das kann eigentlich nur ein Forensiker feststellen, der einen DNA-Abstrich gemacht hat und fremde DNA festgestellt hat, oder jemand hat es gesehen/war dabei. Ansonsten erweckt es nur den *anschein*, ist es eine Vermutung/Interpretation.

Es ist ein belletristischer Text. Kein Tatsachenbericht.

*denn in seinem Gesicht spielte ein glückliches Lächeln.* - Ein Lächeln umspielt für mein Empfinden einen Mund aber spielt nicht im Gesicht, höchstens ein glücklicher Ausdruck liegt auf dem Gesicht. Zumal *spielen* etwas mit Bewegung/Aktion zu tun hat, aber da der Typ tot ist, wird sich in seinem Gesicht nichts mehr regen (außer einige Insekten/Maden :roll: )

Mag schon so sein. Jedoch sind mir persönlich solche Betrachtungen zu sophisticated.

So entdeckte ihn der Hund einer Rentnerin, der seinen Mineralstoffhaushalt auf Vordermann brachte, indem er schwanzwedelnd das Blut aufschlabberte (freie Interpretation meinerseits ;) ) Um sechs Uhr wurde die Polizei über den Fund informiert.

Ist halt deine Art des Formulierens. Ich schreibe anders.

und den Pendlern am Bahnhof hast du bei mir den Eindruck erweckt, dass es hier ziemlich einsam sei. Jetzt kommen hier *zahlreiche Schaulustige* ins Spiel und damit wird mein Empfinden als *Lüge* dargestellt. Vllt: Inzwischen bildeten zahlreiche Jogger, Hundehalter und Rentner ein Spalier aus Gaffer.

*verdorrten Rasen* - Bisher hast du mir nichts gezeigt, dass ein verdorrter Rasen erklärt. Ich habe das Bild eines träge dahinfließenden Flußes und von blutverfärbten Gras. Nichts deutet irgendetwas an, dass *verdorrten Rasen* rechtfertigt. Zum anderen verbinde ich mit *Rasen* einförmiges Grün, kurz gemäht, sehr pflegeintensiv eben. Das passt für mich nicht zur o. g. Wiese und dem Ambiente von *Flussufer*, da sehe ich ein Grün mit knöchel- bis wadenhohen unterschiedlichen Pflanzen, wie Löwenzahn, Spitz-/Breitwegerich, Wegwarte, Disteln etc. vor mir.

Es ist – sorry – eine recht penible Vorgehensweise der Textanalyse.
Mit dieser Methode kann man jeden einzelnen Satz aushebeln bzw. ad absurdum führen.

Wer hat erst Sex mit dem Jungen und bringt ihn danach so bestialisch um?* - Woher weiß die Dame, dass er kurz vor dem Tod Sex hatte? Meines Wissens kann das nur durch forensische Untersuchungen festgestellt werden (Sekrete an den Genitalien, fremde Schamhaare usw.). Nur, weil er nackt daliegt, würde ich das noch nicht daraus schließen. Könnte auch ein nächtlicher Nacktbader gewesen sein.

Hatte ich in der überarbeiteten Version den Lippenstift am Hoden nicht erwähnt?

unter bestialisch umbringen bekomme ich das Bild von verstümmelten, zerfetzten Leichen.

Stimmt. Er ist nur ausgeblutet.
Das Adjektiv werde ich auswechseln.

*erfahrenen Ermittlungsbeamten* - das ist eine Behauptung des Autors, die ich ihm so nicht glaube.
*blutverkrusteten Körpers* - wie ich schon schrieb: du hast es mir zuvor nicht gezeigt. Daher ist das jetzt für mich unglaubwürdig.

Hin und wieder behaupten Autoren – zumal in der Er-Perspektive – was.
In Ich-Form hätte ich es abweichend formuliert.

Deswegen kommt es mir hier seltsam vor, dass die Polizisten vor dem Mediziner in die Nähe der Leiche dürfen.

Womit wir min. 2/3 sämtlicher TV-Krimis anzweifeln, in denen sich die Kommissare ohne mit der Wimper zu zucken sofort über die Leichen beugen.

OK, das ist die Erklärung. Aber wie erkennt diese Kommissarin, dass es Lippenstift und kein Blut ist, wo doch der Körper blutbesudelt sein soll?

Sie kennt sich halt mit Lippenstiften aus.

Zwei Dinge von mir als Leser: Ich bin mir nicht sicher, ob ich bis zu dieser Erklärung weitergelesen hätte oder ob mir die *hellseherische Gabe* vorher bereits den Lesegnuss vermiest hätte (manchmal reicht mir so etwas, um sofort das Buch aus den Händen zu legen, kommt wohl auf die Tagesform an).

Mag schon so sein.
Auch ich klappe manchmal nach 2s den Buchdeckel wieder zu, weil mich Stil u. Inhalt nicht ansprechen. Ist eben eine Frage des individuellen Geschmacks.

Zum anderen wirkt die Kommissarin auf mich - na ja, sachte gesagt: unsympathisch. Kann sein, dass Tod zu ihrem Geschäft gehört und kann sein, dass sie sich bis zu einem Gewissen grad daran gewöhnt hat. Aber - egal ob Männlein oder Weiblein - jemand sexuelle Gelüste bekommt, wenn er eine nackte Leiche sieht, wirkt das abstoßend auf mich. Aber vllt. geht es nur mir so.

Hat keiner gesagt, dass die Nowak sympathisch erscheinen soll.
Scheint mir eine mitteleuropäische Wunschvorstellung zu sein, dass Staatsdiener immerzu nett und menschenfreundlich daherkommen müssen.

ok, vllt. willst du die Kommissarin als ziemlich cool und taff herüberkommen lassen, aber hier wird sie für mich echt zu einem abartigen sexgeilen Freak und endgültig unsympathisch. Und da ich selbst Sexwestern geschrieben habe und auch bei meinen übrigen Western/Krimis kein Blatt vor den Mund nehme, schätze ich mich nicht gerade für ein Weichei oder prüde ein.

Hatte bereits im Mai geantwortet, dass dieser Satz – den die Kommissarin auf jeden Fall sagen wird – weiter nach hinten verschoben wird.

Wichtig für die Story? Ehrlich gesagt, interessiert es mich (an dieser Stelle) überhaupt nicht. Ich will wissen: wer ist der Junge, wer hat ihn gemeuchelt.

s. o., falls es wichtig ist, könntest du da den Geruch vom Wasser einbauen.

MIR gefiel die Schilderung der heißen Sommertage beim Schreiben sehr gut. Ich lese diese Passage auch weiterhin gerne. Was ich nicht von allen meinen Texten behaupten kann, die ich mit dem Abstand einiger Wochen studiere. Von daher kann die Sequenz nicht superschlecht sein.

* als er bemerkte* - mit der Bemerkung * ... ich hasse diesen Monat* nimmst du etwas vorweg und lieferst mit *als er bemerkte* die Erklärung hinterher. Es gibt sicherlich Momente/Stellen, wo Als-Sätze notwendig und nicht umgehbar sind, hier wäre es jedoch nicht nötig.

Das hört sich jetzt für mich wie ein Germanistikkurs im dritten Semester an.

Wieso erwähnst du es, wenn es niemand sehen kann? ;) Vllt. Unter den Achseln, auf dem Hemd? Dann solltest du es so schreiben. Mit der Farbe *Rot* hast du es: schimmerte blutrot, blassroten Schein, der Glutball, weinroten Hemd

Wer – außer dem Kommissar u. dem Erzähler – muss die Flecken bemerken, damit ich sie beschreiben darf? Die Nowak wird sie sicherlich gleich sehen.
Das Weinrot tausche ich in Hellblau um. Kein Problem.

Wenn ich Leiter des Spurensicherungsteams wäre, würde ich den beiden den Marsch blasen, von wegen Profis und Tatort-Verunreinigung und so. Dass Spaziergänger und Gaffer schon genügend anrichten ist eine Sache, aber Profis sollten es besser wissen.

Das ist eine gute Idee.
Werde den Hendricks noch ordentlich schimpfen lassen.
Lockert die Szene auf.

Was nu? Kommissarin oder Inspektorin? Da ist ein Unterschied.

Am liebsten wäre mir Inspektorin. Um den Doppler mit dem Kommissar zu umgehen.
Wurde allerdings von früheren Kommentatoren belehrt, dass der Rang des Inspektors bei der Kripo unbekannt ist (wovon die Produzenten von Derrick anscheinend nichts wussten). Habe deshalb in Kommissarin ausgewechselt und es an dieser Stelle übersehen. Hole ich gleich nach.

So, als Krimibeginn taugt es alle Mal und du hast eine gute Schreibe. Was ich nicht so gut fand, ist deine Kommissarin. Die Gründe dafür habe ich dir ja schon genannt. Wahrscheinlich hätte ich an dieser Stelle das Buch aus der Hand gelegt. Was ich persönlich auch nicht so gut finde - ist aber reine Geschmackssache - du wechselst in der Szene die Perspektive munter von der Kommissarin zu ihrem Kollegen, vom Erzähler - persönlich mag ich das nicht.

Nach dieser Analyse wundert es mich ein bisschen, dass du als Gesamturteil auf „tauglich“ plädierst. Ist ja erfreulich.

Liebe inmutanka, bedanke mich wirklich herzlich für die sehr ausführliche Kritik! Da steckt ein Haufen Arbeit drin. Weiß ich sehr zu schätzen. Bin mir etwas unsicher, ob deine Methode der Textbesprechung immer hilfreich ist. Wenn du dem Autor den Eindruck vermittelst, dass du am liebsten jeden Satz umschreiben würdest, weckt das eher Abwehrhaltung, als dass du offene Türen einrennst. Jeder von uns pflegt seinen eigenen Stil. Und das ist auch gut so. Ich werde aufbauend auf deiner Analyse ein paar Änderungen vornehmen; jedoch nicht das Eingangskapitel in toto auf den Prüfstand stellen.

Wünsche dir einen schönen SO-Abend
und LG, sinuhe
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon inmutanka » 28.07.2013, 20:06

Hallo sinuhe,

ganz kurz nur:

setzt voraus, dass sie wirklich geküsst worden sind. Aber das kann eigentlich nur ein Forensiker feststellen, der einen DNA-Abstrich gemacht hat und fremde DNA festgestellt hat, oder jemand hat es gesehen/war dabei. Ansonsten erweckt es nur den *anschein*, ist es eine Vermutung/Interpretation.

Es ist ein belletristischer Text. Kein Tatsachenbericht.


Es ist ein Krimi und Krimileser sind, seit es entsprechende Lektüre von Benecke und Konsorten auf dem Markt gibt, informierter als vor 20 Jahren (alles meine Ansicht, die niemand teilen muss ;) ). DNA-Analyse in der Kriminalistik wurden erstmals Mitte der 80er Jahre in England angewandt. Die Anwendung Anfang der 80er Jahre in Deutschland habe ich schon mit einem Zwinkern als künstlerische Freiheit hingenommen.

sophisticated.


*lach* musste ich erst nachschlagen, aber ich lerne gerne dazu.

Es ist – sorry – eine recht penible Vorgehensweise der Textanalyse.
Mit dieser Methode kann man jeden einzelnen Satz aushebeln bzw. ad absurdum führen.


Penibel vielleicht, aber es gibt tatsächlich Texte, wo ich nichts finde. :wink:

Deswegen kommt es mir hier seltsam vor, dass die Polizisten vor dem Mediziner in die Nähe der Leiche dürfen.

Womit wir min. 2/3 sämtlicher TV-Krimis anzweifeln, in denen sich die Kommissare ohne mit der Wimper zu zucken sofort über die Leichen beugen.


Yep, ein Grund, weshalb ich kaum Krimis schaue.

OK, das ist die Erklärung. Aber wie erkennt diese Kommissarin, dass es Lippenstift und kein Blut ist, wo doch der Körper blutbesudelt sein soll?

Sie kennt sich halt mit Lippenstiften aus.


Ich bezweifle nicht, dass sie sich mit Lippenstiften auskennt, ich bezweifle, dass ein roter Lippenstift bei einem blutbesudelten Körper auf einem Blick auffällt. Außer, das Blut ist nur über den Oberkörper geflossen, wobei ich mir aber nicht sicher bin, dass es bei aufgeschnittenen Pulsadern nicht spritzt. Ok - wahrscheinlich wieder zu realitätsbezogen und penibel :XD:

Zum anderen wirkt die Kommissarin auf mich - na ja, sachte gesagt: unsympathisch. Kann sein, dass Tod zu ihrem Geschäft gehört und kann sein, dass sie sich bis zu einem Gewissen grad daran gewöhnt hat. Aber - egal ob Männlein oder Weiblein - jemand sexuelle Gelüste bekommt, wenn er eine nackte Leiche sieht, wirkt das abstoßend auf mich. Aber vllt. geht es nur mir so.

Hat keiner gesagt, dass die Nowak sympathisch erscheinen soll.
Scheint mir eine mitteleuropäische Wunschvorstellung zu sein, dass Staatsdiener immerzu nett und menschenfreundlich daherkommen müssen.


Falsch, Staatsdiener müssen für mich nicht grundsätzlich sympathisch sein. Es genügt, wenn sie interessant sind (für mich). Aber diese Frau wirkt nicht einmal interessant für mich. Als ein Hauptcharakter, für den ich sie gehalten habe, müsste sie das sein (ebenfalls für mich).

Hatte bereits im Mai geantwortet, dass dieser Satz – den die Kommissarin auf jeden Fall sagen wird – weiter nach hinten verschoben wird.


Ich lese nicht die Kommentare, weil ich unbeeinflusst sein will. Sorry.

Wichtig für die Story? Ehrlich gesagt, interessiert es mich (an dieser Stelle) überhaupt nicht. Ich will wissen: wer ist der Junge, wer hat ihn gemeuchelt.

s. o., falls es wichtig ist, könntest du da den Geruch vom Wasser einbauen.

MIR gefiel die Schilderung der heißen Sommertage beim Schreiben sehr gut. Ich lese diese Passage auch weiterhin gerne. Was ich nicht von allen meinen Texten behaupten kann, die ich mit dem Abstand einiger Wochen studiere. Von daher kann die Sequenz nicht superschlecht sein.


Gefallen hat mir die Sequenz ebenfalls, ich finde sie hier nur an der falschen Stelle, weil sie die Spannung unterbricht. Aber wie immer: Ansichtssache.

* als er bemerkte* - mit der Bemerkung * ... ich hasse diesen Monat* nimmst du etwas vorweg und lieferst mit *als er bemerkte* die Erklärung hinterher. Es gibt sicherlich Momente/Stellen, wo Als-Sätze notwendig und nicht umgehbar sind, hier wäre es jedoch nicht nötig.

Das hört sich jetzt für mich wie ein Germanistikkurs im dritten Semester an.


*lach* und das mir, die weder eine Uni von innen gesehen hat und in Grammatik eine glatte Niete ist.

So, als Krimibeginn taugt es alle Mal und du hast eine gute Schreibe.

Nach dieser Analyse wundert es mich ein bisschen, dass du als Gesamturteil auf „tauglich“ plädierst. Ist ja erfreulich.


Du hast die *gute Schreibe* vergessen *lach*

Bin mir etwas unsicher, ob deine Methode der Textbesprechung immer hilfreich ist. Wenn du dem Autor den Eindruck vermittelst, dass du am liebsten jeden Satz umschreiben würdest, weckt das eher Abwehrhaltung, als dass du offene Türen einrennst. Jeder von uns pflegt seinen eigenen Stil. Und das ist auch gut so. Ich werde aufbauend auf deiner Analyse ein paar Änderungen vornehmen; jedoch nicht das Eingangskapitel in toto auf den Prüfstand stellen.


Es sind nur Hinweise. Ob und was du übernimmst, bleibt dir überlassen. Genauso halte ich es bei meinen Texten auch. Solche Anmerkungen regen mich zum Überdenken an
und sind für mich Parameter, ob ich die Wirkung erziele, die ich mir wünsche. Ich erwarte nicht, dass jemand meine Hinweise übernimmt.

LG
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon Anderkawwa » 22.02.2015, 21:52

Dein Thrad ist zwar schon älter, aber vielleicht liest Du das ja dennoch.

Antwort auf die zwie Fragen: ja und ja

Zunächst ist der Titel sehr anziehend. Er ist sehr konkret und informativ in der formalen Aussage sowie dann gleichzeitig auch noch völlig offen, da das ja mindestens teilweise metaphorisch gemeint ist (davon gehe ich mal aus). Dann gehts los mit einem toten, "hübschen", jungen Typen... in Köln... da fängt man dann an, den Titel zu interpretieren. Ok, Kölner Dom, und fragt sich, wird das eine sprituell angehauchte Geschichte, oder ist das Herz des Engels im übertragenen Sinne unterm Dom.

Der Anfang ist gelungen, weil er so unaufgeregt passiert. Der Tote wird nicht als Schocker eingeführt, die erste Szene soll noch keine Adrenalinszene sein - nein, gleich wird auch von bedächtigem, mahnenden Glockenläuten erzählt, der Körper "ruhte friedlich", eine Rentnerin findet den Toten unspektakulär in einem Nebensatz, die Streifenwagen halten nicht mit Krawall, rauchenden Reifen und Sirene, sondern treffen schlicht ein.

Die Einführung der Kommissarin ist gut. Man bekommt, ohne dass es aufgedrängt wird, eine Vorstellung von ihrer leicht frivolen Art und ihrer berufsbedingten Abhärtung in Sachen Mord und Totschlag.

Ich verliere mich ungern in Kleinigkeiten, aber das Wort "Vorgang" piekst mich da etwas unpassend an beim lesen.
"Der Vorgang dauerte nicht länger als eine Wimper benötigt, um vom Auge auf den Boden zu segeln"
Mit dem Vorgang ist ja das Spielen mt ihrer Zunge gemeint, und solch eine menschliche Regung würde ich nicht als Vorgang bezeichnen. Wenn eine Sekretärin einen Brief abstempelt und einsortiert, wenn jemand seine fünf Urlaubskoffer im Auto verstaut oder wenn die Pathologen das Blut im Mikroskop untersuchen oder sonstwas, das würde ich als einen Vorgang bezeichnen. Aber wenn sich jemand ratlos am Kopf kratzt, einen schluck kaffee nimmt oder sich über die Lippen leckt weil er Appetit bekommt - da scheint mir das Wort Vorgang für meine Begriffe etwas deplaziert.

Die Hitze ist anschaulich beschrieben, das wurde ja schon mehrfach angemerkt.

"...und strich sich mit den Fingern der linken Hand langsam über ihr ansehnliches Dekolleté, weil sie wusste, dass sie ihren Partner damit nervös machte"
Hier finde ich es merkwürdig, dass es ihren Partner nervös macht. Denn: Es hat den Eindruck, als würden sich die beiden schon länger kennen und zusammen arbeiten. Die Kommissarin macht offensichtlich öfters Anspielungen dieser Art, und vielleicht hat es ihren Partner anfangs mal nervös gemacht, wenn sie ihm ihre prallen Melonen schmackhaft gemacht hat, aber wenn dann hat er sich an ihre Spirenzchen doch mit der Zeit gewöhnt. Wenn er seit Jahren mitbekommt, wie jeder dritte Satz von ihr was mit Sex zu tun hat, und sie ihn anscheinend auch gerne mal provoziert, dann wird er irgendwann darüber hinweg sehen, und nicht plötzlich einen steigenden Puls bekommen, wenn sie mal wieder ihre Dinger streichelt.

"Die Miene des Jungen wirkte dermaßen gefasst, dass zwischen Täter und Opfer herzliches Einvernehmen geherrscht haben musste"
Das vermittelt etwas den Eindruck, als hätte zum Zeitpunkt des Aufschlitzens der Pulsadern, also zum Zeitpunkt des Mordes, Einvernehmen geherrscht. Das macht mich etwas ratlos. Beim lesen vermutete ich, dass Du meintest, dass sich Opfer und Täter kannten und unmittelbar vor dem Mord Einvernehmen herrschte, zum Beispiel einvernehmlicher Sex. Aber das Opfer hatte wahrscheinlich nicht damit geplant, getötet zu werden, und hat wahrscheinlich nicht einvernehmlich gelächelt, als im der Täter dann das Messer in die Handgelenke gesteckt hat. Spätestens da ist das Gesicht ja schmerzverzerrt und nicht mehr einvernehmlich lächelnd. Und der letzte Gesichtsausdruck ist ja das, was man annehmen würde, noch in der Leiche erkennen zu können.
Aber es mag sein, dass noch was ganz anderes dahinter steckt, und dass es seinen Sinn hat, dass das Opfer bis zuletzt lächelte. Vielleicht wollte er auch auf diese weise sterben.
Da kann ich ja nicht in die Zukunft sehen, das weißt nur Du^^

Der weitere Teil ist gut, mich stört nur etwas der letzte Absatz mit dem Typen im Feinripp und dem Hamster. Das finde ich etwas zu klischeehaft. wenn ich an Hollywoodfilme denke und an die entsprechenden Szenen, passt das wie die Faust aufs Auge. Es dudelt etwas ruhige, einschläfernde Musik im Hintergrund, die Ermittler machen die quietschende, staub-verklebte Tür auf und drinnen sitzt ein komischer alter Kauz, ranzig und runtergekommen, am besten im Feinrippunterhemd, und halt mit irgend einem Tier. Mal eine Katze, mal ein Chamäleon, oder auch eine Hamster. Der Typ ist dann in der Regel schon so schrullig, dass er mit seinem Tier redet, und der Zuschauer weiß glasklar: der weiß mehr, als er zugibt; steckt vielleicht sogar mit drin. Vorsicht, lieber Ermittler!
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Re: Das Herz des Engels unterm Dom

Beitragvon neska » 04.03.2015, 15:45

Hallo sinuhe,

dein Text hat mir verdammt gut gefallen, an der Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik usw. ist nichts auszusetzen.

Text:

Ein bildhübscher Bengel


Eine erste Bemerkung von Verena Nowak, die in Ordnung geht. Allerdings muss ich sagen (wie auch einige meiner Vorredner), dass diese Anspielungen auf Dauer zu viel sind. Dass sie das Blut ablecken möchte und dass sie sagt, sie hätte gerne mit dem Toten geschlafen, ist zu viel. Vielleicht kannst du diese Bemerkungen reduzieren und sie vielleicht durch Blicke ersetzen. Verena kann ihren Blick nicht vom Toten lösen oder blickt immer wieder zu ihm rüber.

Aus dem blassroten Schein der Morgendämmerung schälte sich der Glutball der Sonne heraus. Köln bereitete sich auf den mittlerweile zwölften Hundstag im brütend heißen Sommer 1983 vor. Während die Hälfte der Bevölkerung noch in ihren Betten träumte, hockten die zwei erfahrenen Ermittlungsbeamten auf dem staubtrockenen Boden des kleinen Parks auf Höhe von Flusskilometer 688 und begutachteten aufmerksam jeden Quadratzentimeter des blutverkrusteten Körpers.


Toll beschrieben. Natur- , Landschafts- oder Wetterbeschreibungen lese ich sehr gerne, wenn sie gut verpackt sind und das sind sie bei dir zu einhundert Prozent! Hut ab :2thumbs:

»Also wahrscheinlich ein Student«, sagte Schmitz.
»Wie kommst du jetzt darauf?«
»Was soll ein zwanzigjähriger Bayer sonst in Köln wollen? Nach einem hart arbeitenden Menschen schaut der Knabe nicht aus. Für mich ein typischer Geisteswissenschaftler. Schätze mal im zweiten Semester.«
»Was du dir immer so alles zusammenreimst.« Verena Nowak fuhr sich mit der Hand durch ihr schulterlanges, kastanienbraunes Haar.


Ein guter Dialog wie ich finde, denn hier werden schonmal die Stärken von Schmitz beschrieben.

Ein vierzigjähriger Mann in geripptem Unterhemd lehnte hinter der Empfangstheke. Auf seinem Handrücken saß ein Goldhamster, den er mit Erdnüssen fütterte. »Die beiden sind gekommen, um in den Sachen des Toten zu schnüffeln«, flüsterte er dem Tier ins Ohr.


Mein absouluter Lieblingssatz und dazu auch noch der Schluss. Ist verdammt spannend, denn der Mann kommt jetzt schon verrückt/eigenartig rüber. Irgendetwas verheimlicht der doch. 8)

Charaktere:

Hier fasse ich mich kurz. Ich finde die Charaktere sind dir im großen Ganzen gut gelungen. Wie schon angedeutet stören Nowaks sexuelle Anspielungen etwas, ansonsten ist sie ein richtig guter, total unsympathischer Charakter. :D Sie ist richtig gut gelungen, weil sie und Schmitz ein interessantes, komplett gegensätzliches Team bilden. Sie ist selbstbewusst, attraktiv, sexuell offen sage ich mal und er ist der dicke, etwas mitleiderrengende aber dennoch schlaue Mann. Gute Mischung, bietet viel Konfliktpotenzial und viele Handlungsmöglichkeiten.

Alles in Allem:

Ein richtig guter Text. Würde ich weiter lesen? JA! Auf jeden Fall.
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