[Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

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[Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 13.08.2015, 14:34

Ich habe das vor ein paar Jahren angefangen, aber komme aufgrund von Zeitmangel nur relativ selten dazu weiterzuschreiben.. Mit Fantasy habe ich eigentlich auch kaum Erfahrung, was das Ganze etwas erschwert.
Der folgende Ausschnitt aus einem Kapitel ist eher in der Mitte des Gesamtgeschehens gelagert.
Würde mich über Kritik jedweder Art freuen:)

"Weiße Nächte

Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt. Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte. Wie gelähmt verharrte man in den verriegelten Häusern und vielerorts fror man, da das Brennholz ausgegangen war, es aber niemand wagte in die Ungewissheit hinauszutreten.
Der Winter schlug unbarmherzig mit all seiner Grausamkeit zu, nachdem der Krieg die Nahrungsspeicher der meisten Dörfer erschöpft hatte. Nur die Speisekammern des Heeres waren stets gefüllt, der übrige Teil des Volkes hungerte, bis auf die wenigen Ausnahmen, deren Vermögen man nicht auszusprechen vermag.

Schnee, Sina hatte ihn immer geliebt und auch jetzt hatte sie noch nicht aufgehört, ihn zu lieben. Oft schlich sie sich nachts, wenn die Eltern schon schliefen, hinaus, ließ sich in den Schnee niedersinken und träumte, während sich ein zarter, weißer Schleier auf ihr Gesicht legte.
Auch wenn sie fror liebte sie es dennoch, von etwas Schnee bedeckt zu liegen und das Funkeln der Sterne zu beobachten. Es war wie eine Umarmung und sie hatte doch sonst niemanden, der sie umarmte. Bald schon spürte sie diese Kälte nicht mehr, sondern ward ganz und gar eingenommen von der Wärme der lieblichen, sanften Umarmung. Sie glaubte, dass einzig der Schnee sich ihrer erbarme.
Jede Nacht war sie nun draußen, trotz all der Warnungen der königlichen Boten, die täglich durch das Dorf ritten, dass dort das Grauen warte. Seit Wochen hatte man es verkündet, doch bisher hatte sie es nicht erblickt. Es waren wundervolle Wochen gewesen, zumindest nachts über. Die Tage waren trist und trübe. Meist saß sie am halbverschneiten Fenster und beobachtete die herabfallenden Kristalle. Jetzt schon träumte sie von der kommenden Nacht. Nichts ersehnte sie sich mehr, als den Einbruch der Dunkelheit.

Ja selbst, wenn sie gewusst hätte, dass sie heute Nacht sterben würde, hätte sich für sie nichts geändert. Denn eines wusste sie sicher. Leben konnte sie nur dort draußen, hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche. Und hätte sie wählen dürfen, zwischen einem unendlichen Dasein als Wesen des Tages, eingekerkert in dieses Haus und einer einzigen ihrer Nächte in der Obhut der Dunkelheit, so hätte sie nicht lange gezaudert. Freudig hätte sie im Morgengrauen den Tod empfangen und sich in seine knöchernen Arme gelegt.
Ein Schwarm schwarzer Vögel hatte sich unweit auf einem kargen Baum niedergelassen, der nun in schwarzer Pracht erstrahlte. Und für einen Moment, als sich die Schatten wieder erhoben, sah es so aus, als würde sich jener mit ihnen in die Luft erheben. Auch, wenn er letztlich verlassen, einzig von Kälte umgeben zurückblieb, war er in Sinas Gedanken immer noch geschmückt. Je länger sie ihn beobachtete, desto schöner fand sie ihn. Die kahlen Äste erschienen weniger trist und tot, vielmehr begann sie, das verborgene Leben zu entdecken, das nur auf den richtigen Augenblick wartete, sich für jedermann erkenntlich, zu offenbaren.
Die Schneeflocken waren ihre schwarzen Vögel. Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde trat sie heute hinaus. Sie versuchte möglichst leise zu sein, wog jeden Schritt ab und schaute sich immer wieder ängstlich um, ob nicht doch irgendjemand in diesem Moment aus einem Fenster blickte. Aber da war niemand. Vielleicht hoffte sie sogar ein klein wenig, dass sie jemand entdecke. Jemand der aus dem Fenster schaute, wäre doch sicher auch ein träumendes, sich sehnendes Wesen, das Gehör finden könnte für die stummen Schreie, die in ihrem Hals erstickten.
Sie blickte hoch zum immer dunkler werdenden Himmel in Erwartung der völligen Finsternis. Und als diese endlich ihr Erbe antrat, verzauberte ein Lächeln ihr warmes Gesicht, während sie sich in ihre Wolken fallen ließ. Langsam trauten sich auch die Sterne aus ihren Verstecken hervor und begannen, den Nachthimmel zu verzieren. Ihre verträumten Augen aber strahlten in dieser Nacht weit heller als es die Sterne vermochten."
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon ESchen » 13.08.2015, 18:23

Hallo Asieral

Kaum eingestellt, kriegst du schon eine Antwort :D

Im Generellen mag ich solchen leicht verschnörkelten Stil. Ich werde von der ersten Zeile an in eine fremde Welt gezogen. Wichtig dabei ist aber, dass die Formulierungen flüssig sind und passen. Es darf auch nicht schwülstig werden oder vor Pathos triefen. M.E. hast du haarscharf diesen Mittelweg gefunden, aber an den Formulierungen (Satzsstellung) musst du noch arbeiten. Diesen Stil müsstest du den ganzen Roman hinweg durchziehen, sonst wirkt es nicht glaubhaft. Ausser du erzählst aus anderen Perspektiven, dann kann jede Figur ihre eigene Erzählstimme haben.
Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt.


Warum schilderst du das im Plusquamperfekt?
das 'gleich einem Nebel' würde ich an den Anfang schieben. Einem Nebel gleich legte sich...

Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte.

Etwas schwerfällig. Auch hier kommt mir die Satzstellung krumm vor.
Bsp. Und doch spürten in dieser scheinbaren Idylle alle, wie die kalte Hand des Todes langsam die Tür zu öffnen versuchte.

Wie gelähmt verharrte man in den verriegelten Häusern und vielerorts fror man, da das Brennholz ausgegangen war, es aber niemand wagte in die Ungewissheit hinauszutreten.


Das 'man' wirkt sehr unpersönlich und indirekt. Sollte möglichst vermieden werden.
Auch dieser Satz wirkt "streng" und förmlich in der Satzstellung.
Der Winter schlug unbarmherzig mit all seiner Grausamkeit zu, nachdem der Krieg die Nahrungsspeicher der meisten Dörfer erschöpft hatte.


Würde ich zwei Sätze draus machen, weil der Krieg sonst so hinten angehängt wirkt.
Guck dir mal die markierten Satzteile an und schiebe sie herum. Was klingt am besten? Diese Art von etwas unschön klingenden Formulierungen ziehen sich teilweise durch den ganzen Text, daher kann ich nicht alle markieren.
Nur die Speisekammern des Heeres waren stets gefüllt, der übrige Teil des Volkes hungerte, bis auf die wenigen Ausnahmen, deren Vermögen man nicht auszusprechen vermag


das wirkt schwerfällig mit dem 'auszusprechen vermag' und auch wieder unpersönlich distanziert mit dem 'man'. Auch hier würde ich eher zwei Sätze machen.
Schnee, Sina hatte ihn immer geliebt und auch jetzt hatte sie noch nicht aufgehört, ihn zu lieben.


etwas dick aufgetragen

Oft schlich sie sich nachts, wenn die Eltern schon schliefen, hinaus, ließ sich in den Schnee niedersinken und träumte, während sich ein zarter, weißer Schleier auf ihr Gesicht legte.


blau/grün: auch hier verkomplizierst du den Satz, indem du den grünen Einschub machst. Würde ich einfacher hintereinander abwickeln.
Liess: im Moment bin ich bei meiner eigenen Überarbeitung auf Filter-Verben-Suche. Deshalb fallen sie mir besonders auf. das 'liess' ist ein ganz typisches, denn das 'niedersinken' kann auch alleine stehen und braucht dieses 'liess' nicht. Der Text wird durch solche Verben unnötig aufgebläht und es entsteht Distanz. Selbstverständlich kann man nicht alle vermeiden und manchmal passt es auch, aber wo es möglich ist, lieber vermeiden.

Ich gehe nun nicht mehr explizit auf die Satzstellungen ein, solltest du aber nochmals generell anschauen.

Auch wenn sie fror liebte sie es dennoch, von etwas Schnee bedeckt zu liegen und das Funkeln der Sterne zu beobachten.


Füllwörter vermeiden

Es war wie eine Umarmung und sie hatte doch sonst niemanden, der sie umarmte.


würde ich in 2 Sätzen abhandeln, da der Umstand, dass sie niemanden hat, der sie umarmt eine Wirkung erzielen soll.

Bald schon spürte sie diese Kälte nicht mehr, sondern ward ganz und gar eingenommen von der Wärme der lieblichen, sanften Umarmung.


Jetzt wird es etwas altertümlich :wink:
Was den Pathos und das Schwülstige anbelangt, ist dieser Satz etwas grenzwertig. Achte generell darauf, dass die Adjektive nicht überborden.

Jede Nacht war sie nun draußen, trotz all der Warnungen der königlichen Boten, die täglich durch das Dorf ritten, dass dort das Grauen warte.


der letzte Satzteil wirkt hinten angehängt und passt nicht zum Rest. Was willst du damit sagen. Das ist eine wichtige Information, die Interesse weckt und Spannung erzeugt, die solltest du entsprechend in Szene setzen.

Seit Wochen hatte man es verkündet, doch bisher hatte sie es nicht erblickt. Es waren wundervolle Wochen gewesen, zumindest nachts über.


wieder das böse 'man' :wink:
Nach der Andeutung, dass irgendwo etwas Grausames vor sich ging, wirkt der Wechsel des zweiten Satzes wie ein Schlag. Ist das bewusste Verschleierung, dass du den Leser noch hinhalten willst, oder ist das unbewusst. Mir persönlich missfällt es so.

Es waren wundervolle Wochen gewesen, zumindest nachts über. Die Tage waren trist und trübe.

Tell.
Warum waren die Wochen wundervoll? Warum die Tage trübe?

Meist saß sie am halbverschneiten Fenster und beobachtete die herabfallenden Kristalle. Jetzt schon träumte sie von der kommenden Nacht. Nichts ersehnte sie sich mehr, als den Einbruch der Dunkelheit.


Es scheint sich tatsächlich um eine Verschleierung zu halten. :wink: Du möchtest mit der Sprache noch nicht rausrücken.

Ja selbst, wenn sie gewusst hätte, dass sie heute Nacht sterben würde, hätte sich für sie nichts geändert. Denn eines wusste sie sicher. Leben konnte sie nur dort draußen, hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche.


Erst beim 2. Mal lesen habe ich mit der obigen Verschleierung bezüglich Nacht, Dunkelheit und dem Erwähnen der Leiche den Verdacht, dass sie ein Vampir sein könnte. Stimmt das?
Falls ja, würde ich mir wünschen, dass du es noch einen winzigen Tick klarer, bzw. sauberer ausarbeitest. Vermutlich hat es auch mit den Formulierungen zu tun, die mich abgelenkt haben.

Und hätte sie wählen dürfen, zwischen einem unendlichen Dasein als Wesen des Tages, eingekerkert in dieses Haus und einer einzigen ihrer Nächte in der Obhut der Dunkelheit, so hätte sie nicht lange gezaudert.

Weswegen sind die Wesen des Tages unsterblich? normalerweise sind es doch die Vampire. Oder ist das in deiner Welt so vorgesehen? Das würde ich mir auch klarer platziert wünschen, damit es unübersehbar ein Hinweis ist, dass dies eine Tatsache in deiner Welt darstellt. So wie es sich liest, sind die Wesen des Tages im Haus eingekerkert?

Ein Schwarm schwarzer Vögel hatte sich unweit auf einem kargen Baum niedergelassen, der nun in schwarzer Pracht erstrahlte. Und für einen Moment, als sich die Schatten wieder erhoben, sah es so aus, als würde sich jener mit ihnen in die Luft erheben. Auch, wenn er letztlich verlassen, einzig von Kälte umgeben zurückblieb, war er in Sinas Gedanken immer noch geschmückt. Je länger sie ihn beobachtete, desto schöner fand sie ihn. Die kahlen Äste erschienen weniger trist und tot, vielmehr begann sie, das verborgene Leben zu entdecken, das nur auf den richtigen Augenblick wartete, sich für jedermann erkenntlich, zu offenbaren.


Diesen Teil würde ich mit einem neuen Absatz beginnen.
Der Gedanke und das Optische gefallen mir. Aber du musst es sauber präzisieren und an den Formulierungen arbeiten. Lieber mal ein kurzer Satz, als Einschübe. So wirkt es etwas überladen und schwer.
Die Schneeflocken waren ihre schwarzen Vögel.

Das verstehe ich nicht und ergibt bei mir kein Bild.

Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde trat sie heute hinaus.


Schon -> Noch
wurde -> auch das ist eine Filterung und lässt den Satz schwerfällig klingen
Bsp.
Noch bevor das letzte Sonnenlicht verschwand, trat sie hinaus.
Würde ich an den Zeilenanfang stellen, da es nach den Gedankengängen eine plötzliche Aktion darstellt. Das 'heute' kannst du weglassen. Sie tut es ja, also ist es klar, dass sie es heute tut. Wenn du dich darauf beziehen willst, dass sie normalerweise nicht so früh raus geht, würde ich es mit einer anderen Zeitangabe lösen. Evt. in einem separaten Satz.
Sie versuchte möglichst leise zu sein, wog jeden Schritt ab und schaute sich immer wieder ängstlich um, ob nicht doch irgendjemand in diesem Moment aus einem Fenster blickte.


das 'irgendjemand in diesem Moment' macht den Satz schwerfällig. Du solltest dir überlegen, ob solche Einschübe wirklich nötig sind. Ist der Text besser oder schlechter ohne sie?
Auch 'möglichst' ist ein abschwächendes Wort und nimmt der Szene das Tempo und die Spannung.

Jemand der aus dem Fenster schaute, wäre doch sicher auch ein träumendes, sich sehnendes Wesen, das Gehör finden könnte für die stummen Schreie, die in ihrem Hals erstickten.


Kompliziert :wink: Die Konditionalform macht es noch komplizierter
Wiederholung von 'schaute'.
Sie blickte hoch zum immer dunkler werdenden Himmel in Erwartung der völligen Finsternis. Und als diese endlich ihr Erbe antrat, verzauberte ein Lächeln ihr warmes Gesicht, während sie sich in ihre Wolken fallen ließ.


Das mit dem Erbe und den Wolken ist mir dann doch etwas zu abstrakt :wink:

Langsam trauten sich auch die Sterne aus ihren Verstecken hervor und begannen, den Nachthimmel zu verzieren.


zu dick aufgetragen. Wirkt übertrieben.
Ihre verträumten Augen aber strahlten in dieser Nacht weit heller als es die Sterne vermochten."


Auch hier trägst du mit den verträumten Augen zu dick auf, was mit dem altertümlich klingenden (nichts Negatives) 'vermochten' übertrieben wirkt.

So, jetzt habe ich mich fertig ausgetobt. :XD: Alles in allem gefällt mir aber deine Art, die Dinge zu sehen und zu beschreiben. Es kommt nicht draufan, ob du dich in der Fantasy auskennst, oder nicht. Es sollte Kontinuität haben und aus dir selbst heraus fliessen. Und das scheint es hier auch zu tun :wink:
Sehe meine Kritik also nicht zu streng an, vielleicht irre ich mich auch. Ich hoffe es hilft dir ein wenig dabei, deine Geschichte noch besser zu machen.

Liebe Grüsse
ESchen
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 13.08.2015, 19:29

Hallo ESchen,

vielen Dank für deine Mühe und Kritik. Ich bin sicher, dass mir diese weiterhelfen wird:) Allerdings wird es wahrscheinlich eine Weile dauern, bis ich mir sicher bin, welche Formulierungen ich wie ändern werde. Darüber muss ich mir ganz in Ruhe Gedanken machen. Denn die Geschichte selbst wird von Personen der Geschichte erzählt und somit versuche ich durch den Schreibstil, auch Rückschlüsse auf die erzählenden Charaktere zu ermöglichen.
Auf ein paar deiner Fragen versuche ich aber jetzt schon einzugehen.

ESchen hat geschrieben:
Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt.


Warum schilderst du das im Plusquamperfekt?


Die "verdächtige Ruhe" ist in diesem Fall etwas, was schon seit einiger Zeit so ist und sich somit vorzeitig zum sonstigen Geschehen verhält, weshalb ich dachte, dass Plusquamperfekt hier besser geeignet wäre. In meiner ersten Version hatte ich das sogar auch erst im Präteritum.

Tell.
Warum waren die Wochen wundervoll? Warum die Tage trübe?

Für Sina sind nur die Nächte schön, weil sie sich während dieser geborgen fühlt (im Schnee). Ihre Eltern würden, wenn sie es wüssten, ihr nicht erlauben, hinaus zu gehen. Am Tage muss sie im Haus bleiben, wird von den Eltern aber kaum beachtet, da die meisten Menschen vor Angst aufgehört haben "zu leben".
"Leben" ist so ein Begriff, den ich oft verschieden benutze, je nach Charakter. Für Sina ist "Leben" nicht mit Überleben oder einem bloßen Existieren gleichzusetzen. Zu leben bedeutet für sie, dass sie selbst sein kann, dass es keine Angst gibt, die ihr gebietet sich zu verstellen oder zu flüchten.




Erst beim 2. Mal lesen habe ich mit der obigen Verschleierung bezüglich Nacht, Dunkelheit und dem Erwähnen der Leiche den Verdacht, dass sie ein Vampir sein könnte. Stimmt das?
Falls ja, würde ich mir wünschen, dass du es noch einen winzigen Tick klarer, bzw. sauberer ausarbeitest. Vermutlich hat es auch mit den Formulierungen zu tun, die mich abgelenkt haben.


Ein Vampir ist sie nicht, nein^^ Die gibt es nicht in dieser Welt. Sie ist eigentlich nur ein äußerst verträumter Mensch, der nicht wirklich mit dem normalen Alltag zurecht kommt. Sie empfindet die Welt als kalt, herzlos und versucht dieser durch ihre Art der Betrachtung wieder Leben zurückzugeben.


Weswegen sind die Wesen des Tages unsterblich? normalerweise sind es doch die Vampire. Oder ist das in deiner Welt so vorgesehen? Das würde ich mir auch klarer platziert wünschen, damit es unübersehbar ein Hinweis ist, dass dies eine Tatsache in deiner Welt darstellt. So wie es sich liest, sind die Wesen des Tages im Haus eingekerkert?


Die Wesen des Tages sind eig nicht unsterblich. Der Satz war eher auf eine Aussage von Cicero bezogen, in der es in etwa heißt, dass er, wenn er die Wahl zwischen Unsterblichkeit und einem tugendhaften aber kurzem Leben, zweifelsohne die Tugend wählen würde. Jene Wesen des Tages (also die Menschen) haben sich aus Angst vor dem Grauen, was sie draußen vermuten, in ihren Häusern eingeschlossen. Ich versuche allgemein bei dieser Geschichte, mir bekannte philosophische Positionen mit einzuarbeiten.

Es scheint sich tatsächlich um eine Verschleierung zu halten. :wink: Du möchtest mit der Sprache noch nicht rausrücken.

Im Grunde genommen verschleiert die ganze Handlung etwas. Da ich der Philosophie sehr nahestehe verbaue ich im Hintergrund ein philosophisches Gerüst bzw eigentlich mehrere, zum Teil konträre, die von verschiedenen Charakteren vertreten werden. Um was ich sehr bemüht bin, wobei ich noch nicht weiß, inwieweit mir das auch gelingt/gelingen wird, ist, dass ich möchte, dass für alle Handlungen der Charaktere ein gewisses Verständnis aufkommt (auch für die "Bösen", gerade für die eig).

Die Schneeflocken waren ihre schwarzen Vögel.

Das verstehe ich nicht und ergibt bei mir kein Bild.

Ich werde das wohl anders formulieren müssen. Es war so gemeint, dass die Vögel wie Blätter des Baumes erscheinen und diesem somit Leben einhauchen. Der Schnee wiederum ist für Sina etwas, was ihr Halt gewährt, etwas was für sie besonders wichtig ist. Sie fühlt sich eigentlich nur in der Nacht, wenn sie im Schnee ist, wirklich lebendig.

Bei der Figur Sinas denke ich beispielsweise oft an den Träumer aus "helle/weiße Nächte" von Dostojewski (daher auch die Kapitelüberschrift^^)

Was meinen Schreibstil im Allgemeinen sehr beeinflusst hat, waren lateinische Texte. Ich versuche dahingehend etwas davon zu übernehmen, dass der Schreibstil in direkter Verbindung mit dem Erzähler und der beschriebenen Person sein soll. Also, wenn etwas distanziert wirkt, dann ist es von der Intention her so, dass die Person selbst sich eher von dem Beschriebenen entfernt. Inwieweit das gut ist oder gelingt, werde ich denke ich aber noch gut überdenken müssen. Einige Stellen werde ich wohl noch ändern.^^

ESchen hat geschrieben:
Wie gelähmt verharrte man in den verriegelten Häusern und vielerorts fror man, da das Brennholz ausgegangen war, es aber niemand wagte in die Ungewissheit hinauszutreten.


Das 'man' wirkt sehr unpersönlich und indirekt. Sollte möglichst vermieden werden.
Auch dieser Satz wirkt "streng" und förmlich in der Satzstellung.


Meine Intention war hierbei, dass klargestellt werden soll, dass sowohl der Erzähler als auch Sina nicht wirklich zu jenen gehören. Auch, wenn Sina ein Mensch ist und dort in diesen verriegelten Häusern wohnt, fühlt sie sich nicht heimisch, sondern eher fremd. Weswegen ich mir gedacht hatte, dass es so besser passen könnte.
Aber wie gut es dann wirklich passt bzw wie es rüberkommt, kann man als Autor dann meist doch eher schlechter beurteilen als jemand, der so etwas eher neutral liest. Von daher danke ich dir für deine Gedanken und werde versuchen, sie zu verarbeiten. :thinking:

Liebe Grüße
Asieral:)
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon RebeccaMaria » 22.08.2015, 10:25

Hallo Asieral,

ich bin ganz neu hier und das ist eine meiner ersten Kritiken, aber ich hoffe, sie hilft dir trotzdem. :)

Ich bin nicht ganz so der Fan von "schnörkeliger Sprache", wie ESchen es genannt hat, aber für Fantasy - und damit für deine Geschichte - passt es meiner Meinung nach.

Ich konnte mit dem Kapitel inhaltlich nicht so viel anfangen, weil mir nicht so richtig klar geworden ist, worum es genau geht. Ich habe mich z.B. gefragt, vor welchem Grauen gewarnt wird, und wer warnt, und wieso. Der Text deutet vieles nur an. Das war vielleicht auch ein bisschen deine Absicht, aber mir ist es deswegen schwer gefallen, mich völlig in die Hauptperson hineinzuversetzen.
Allerdings kann das natürlich auch daran liegen, dass es aus der "Mitte" des Gesamtgeschehens stammt. Vielleicht wäre es verständlicher, wenn man den Rest der Geschichte kennt.

Leben konnte sie nur dort draußen, hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche.

Was meinst du genau mit "dort draußen"? Irgendwie verstehe ich den Satz nicht ganz.

Nur die Speisekammern des Heeres waren stets gefüllt, der übrige Teil des Volkes hungerte, bis auf die wenigen Ausnahmen, deren Vermögen man nicht auszusprechen vermag.

Über den Satz bin ich gestoplert. Vor allem über den letzten Nebensatz. Ich musste ihn zweimal lesen, um zu verstehen, wie das mit dem Vermögen genau gemeint ist.

Ein Schwarm schwarzer Vögel hatte sich unweit auf einem kargen Baum niedergelassen, der nun in schwarzer Pracht erstrahlte.

Ich würde nicht zweimal "schwarz" verwenden, vielleicht "dunkel"?

Jemand der aus dem Fenster schaute, wäre doch sicher auch ein träumendes, sich sehnendes Wesen, das Gehör finden könnte für die stummen Schreie, die in ihrem Hals erstickten.

Dieser Satz ist mir irgendwie "too much." Ich fände ihn ohne den letzten Nebensatz besser.

Zum Stil:

Ich finde generell, du könntest deine Sätze versuchen, ein bisschen zu kürzen bzw. zu "vereinfachen". Sie wirken manchmal ein wenig "überladen".
EIn Beispiel:
Die kahlen Äste erschienen weniger trist und tot, vielmehr begann sie, das verborgene Leben zu entdecken, das nur auf den richtigen Augenblick wartete, sich für jedermann erkenntlich, zu offenbaren

"offenbaren" beinhaltet irgendwie ja schon die Erkennbarkeit, deswegen könntest du das "für jedermann erkenntlich" mMn weglassen.

Generell finde ich aber, dass du schöne Beschreibungen verwendest, z.B. diese hier
die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte

oder
Es war wie eine Umarmung und sie hatte doch sonst niemanden, der sie umarmte.

Du "malst" damit Bilder in die Vorstellung des Lesers. Das gefällt mir an einem Text.

Für meinen Geschmack ist es nur an manchen Stellen ein bisschen zu viel des Guten. :) Aber - wie ich eingangs schon geschrieben habe - es ist einfach nicht mein persönlicher "Lieblingsstil", deswegen sind meine Anmerkungen natürlich sehr subjektiv.

Liebe Grüße,

RebeccaMaria

P.s.: an Dostojewski musste ich bei dem Titel auch gleich denken :wink:
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 25.08.2015, 08:40

Hallo RebeccaMaria,

danke dir für deine Gedanken. Ich habe deinen Kommentar erst jetzt so wirklich bemerkt.. (hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass das hier jemand noch kommentiert^^)

RebeccaMaria hat geschrieben:
Leben konnte sie nur dort draußen, hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche.

Was meinst du genau mit "dort draußen"? Irgendwie verstehe ich den Satz nicht ganz.


Ohne den Rest der Geschichte zu kennen, ist der Satz, denke ich, wirklich nicht ganz klar. Das "dort draußen" verwende ich eigentlich auf unterschiedlichen Aussageebenen. Zum einen bedeutet es, dass sie gerne aus dem Haus gehen würde. Aber die eigentlich wichtige Bedeutung ist, dass sie gerne sie selbst sein würde bzw dass sie gerne leben würde. Hinaus aus der Festung der Angst, in der die Menschen hausen und sich nicht auf das "Schlachtfeld" des Lebens trauen. Angst oder Ängste sind eigentlich ein Grundthema in der Geschichte. Da draußen bedeutet also befreit von der Angst oder sich diesen zumindest zu stellen. Ich hoffe, es ist verständlich, was ich gerade versuche auszudrücken.



"offenbaren" beinhaltet irgendwie ja schon die Erkennbarkeit, deswegen könntest du das "für jedermann erkenntlich" mMn weglassen.

Ich werde mir das mal näher anschauen, muss es aber vorerst zurückstellen, da ich zurzeit mit dem Umschreiben/+Schreiben einer anderen Stelle beschäftigt bin und das ungern unterbrechen möchte.
Deine Kritik wird aber keinesfalls unberücksichtigt bleiben:)

Liebe Grüße
Asieral
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon HannahBoll » 29.08.2015, 20:22

Hallo :girl:

Danke für deine Kritik nochmals bei mir. Jetzt komme ich bei dir mal daher :D (Normalerweise lese ich eigentlich alles im Fantasy-Unterforum und wenn es erst vor Kurzem gepostet wurde und ich was dazu sagen kann, schreibe ich eigentlich immer. Irgendwie hab ich deine Geschichte übersehen :shock: )

Grundsätzlich finde ich den Ausschnitt sehr schön. Warum genau hast du diesen Teil gewählt? Der ganze Text beschreibt eigentlich nur. Es kommt eigentlich zu keiner Handlung, außer dass Sina über ihr Dasein philosophiert und die einbrechende Nacht beobachtet. Das ist eigentlich eine kurze Handlung für einen so langen Text. Ich wette, dass in deinem Roman viel mehr an Handlung passiert und das dann nicht so sehr beschrieben wird. Was willst du denn genau für Kritik? Es hat bestimmt einen Grund, dass du diesen eher handlungsarmen Ausschnitt genommen hast, um ihn hier rein zu stellen. Möchtest du etwas Bestimmtes von uns dazu wissen?

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich es zu anstrengend finden würde, in einem Roman viele solcher Stellen zu lesen. Ein paar Mal ist gut und auch wirklich verzaubernd. Jetzt habe ich gut fühlen können und irgendwie leide ich mit für Sina und ihr Verlangen nach Schnee, wo sie doch keiner versteht. Aber sowas oft zu lesen in einem Roman - ich könnte es nicht, aber wer weiß, vielleicht soll es ja so sein :P

Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte.

Warum das "und" am Anfang des Satzes? In meinen ersten Posts im Werk-Bereich wurde ich regelrecht mit (gut gemeinten) Steinen beworfen, weil ich es die ganze Zeit benutzte und manchmal wollte ich es gar nicht weg lassen, weil es mir irgendwie wichtig erschien. Ich könnte hier bei dir ganz gut damit leben, wenn der Satz mit "Doch spürten ..." beginnt.
Dann stört mich noch der ... Anhang am Schluss. Eine Lösung, so wie ESchen sie vorgeschlagen hat, finde ich da schon besser. Ansonsten liest sich das abgehackt.
Und ist da ein Fehler? Mir ist es nämlich ganz fremd "die Tür zu öffnen suchte". Heißt es nicht VERsuchte?

Wie gelähmt verharrte man in den verriegelten Häusern und vielerorts fror man, da das Brennholz ausgegangen war, es aber niemand wagte in die Ungewissheit hinauszutreten.

Mir gefällt diese Beschreibung, aber ich würde zwei Sätze bevorzugen.

Der Winter schlug unbarmherzig mit all seiner Grausamkeit zu

Das ist einfach zu viel Beschreibung. Der ganze Text ist mehr oder weniger eine Beschreibung der Atmosphäre, Eindrücken oder Emotionen. Im Großen und Ganzen hast du es gut getroffen, aber das hier ist zu viel für einen Satz. Wenn dir die Beschreibung der Naturgewalt Winter so wichtig ist, dann empfehle ich, es einfach später in einen anderen Satz "hineinrieseln" zu lassen.

Der Winter schlug unbarmherzig mit all seiner Grausamkeit zu, nachdem der Krieg die Nahrungsspeicher der meisten Dörfer erschöpft hatte.

Wieder zwei Sätze.

Nur die Speisekammern des Heeres waren stets gefüllt, der übrige Teil des Volkes hungerte, bis auf die wenigen Ausnahmen, deren Vermögen man nicht auszusprechen vermag.

Und auch hier wieder lieber zwei Sätze. Brauchst du diese langen Sätze, sind sie irgendwie ein "Bedürfnis" von dir oder schleichen sie sich einfach ein? Lieber kurze Sätze, denn jeder Satz ist wie ein eigener Gedanke und wenn die nicht soooo lange sind, dann setzt man ab und kann mal "zwischenspeichern", bevor's weiter geht. Lange Sätze sind anstrengend und wenn man mal über ein Wort drüber ließt, ist der ganze Sinn futsch und man fängt wieder beim Satzanfang an. Für mich ist das immer sehr ärgerlich und unangenehm. Ganz besonders wenn ich eine so spannende Lektüre im Bett habe und dann doch die Müdigkeit einsetzt, dann muss ich ihr umso schneller nachgeben :XD:

Schnee, Sina hatte ihn immer geliebt und auch jetzt hatte sie noch nicht aufgehört, ihn zu lieben.

Gibt es einen Grund, weshalb sie aufhören sollte ihn zu lieben (von sich aus)? Irgendwie finde ich das Wort hier ziemlich überflüssig und irreführend.
Man kann diese Bemerkung ruhig machen. Sie liebte ihn und tut's noch immer, aber es passt nicht so recht in den Satz. Vielleicht eine andere Formulierung? Oder vielleicht sprichst du es im übernächsten Satz wieder an. (Sie geht raus und stellt auf's Neue fest, dass sie den Schnee noch immer liebt)

Schnee, Sina hatte ihn immer geliebt und auch jetzt hatte sie noch nicht aufgehört, ihn zu lieben. Oft schlich sie sich nachts, wenn die Eltern schon schliefen, hinaus, ließ sich in den Schnee niedersinken und träumte, während sich ein zarter, weißer Schleier auf ihr Gesicht legte.
Auch wenn sie fror liebte sie es dennoch, von etwas Schnee bedeckt zu liegen und das Funkeln der Sterne zu beobachten.

Zu viel "Schnee" :shock: Viel zu oft.

Oft schlich sie sich nachts, wenn die Eltern schon schliefen, hinaus, ließ sich in den Schnee niedersinken und träumte, während sich ein zarter, weißer Schleier auf ihr Gesicht legte.

Zu kompliziert. Das "wenn die Eltern schon schliefen" kann man eigentlich weg lassen. Dann könnte man meinetwegen auch den Satz so stehen lassen. Ansonsten würde ich ihn wieder in zwei Sätze zerpflücken. (Ich seh's schon. Ich bin der Satzzerpflücker :mrgreen: )

Es war wie eine Umarmung und sie hatte doch sonst niemanden, der sie umarmte.

Sehr poetisch hehe :)

Es war wie eine Umarmung und sie hatte doch sonst niemanden, der sie umarmte. Bald schon spürte sie diese Kälte nicht mehr, sondern ward ganz und gar eingenommen von der Wärme der lieblichen, sanften Umarmung.

Wortwiederholung. "Umarmte" & "Umarmung". Lässt es sich irgendwie vermeiden?
Und das "schon" kann man weg lassen.
Und ist "ward" nötig? Ich finde, dass das ganz gewöhnliche "war" mindestens genauso passend. Sonst wirkt es so aufgesetzt.

Jede Nacht war sie nun draußen, trotz all der Warnungen der königlichen Boten, die täglich durch das Dorf ritten, dass dort das Grauen warte.

Mach einen zweiten Satz, dann hast du eventuell noch die Möglichkeit kurz auf dieses "Grauen" einzugehen. Wenn du es undefiniert lassen möchtest, kannst du das auch beschreiben. Es gefällt mir, nicht zu wissen. Das hat schon seinen Reiz. Vielleicht weiß Sina es ja selbst nicht so genau. Dann ist es für uns gut, dass wir nur ihre Gefühle diesem "Grauen" gegenüber kennen (und uns vielleicht mit ihr fürchten).

Nichts ersehnte sie sich mehr, als den Einbruch der Dunkelheit.

Komma weg

Ja selbst, wenn sie gewusst hätte, dass sie heute Nacht sterben würde, hätte sich für sie nichts geändert.

Irgendwie kompliziert. Ich würde was anderes schreiben.

Freudig hätte sie im Morgengrauen den Tod empfangen

Ich dachte, in der Nacht kommt das Grauen. Warum ist Sina jetzt der Meinung, sie würde erst im Morgengrauen sterben, wenn was passiert? Das bringt mich jetzt ganz durcheinander ...

Ein Schwarm schwarzer Vögel hatte sich unweit ...

Neuer Absatz hier

der nun in schwarzer Pracht erstrahlte.

Es mag zwar bewusst gewählt worden sein, dass du "schwarz" und "strahlen" kombinierst. Schließlich kennt man es aus keiner Waschmittelwerbung "Strahlendes Schwarz" :mrgreen: aber trotzdem finde ich, passt es nicht zum Anmut des Baumes. Für mich liegt er in einem inneren Frieden, Schönheit und Ruhe da. Er lebt innerlich noch, nur um so, dieses traumhafte Bild zu erleben. Er strahlt nicht. Er ist ganz still. Ich persönlich hätte also gesagt "der in schwarzer Pracht da lag."
oder so ähnlich. (immerhin kann man jetzt über das liegen streiten, denn streng genommen steht der Baum ja noch ...)

Und für einen Moment, als sich die Schatten wieder erhoben, sah es so aus, als würde sich jener mit ihnen in die Luft erheben.

Das "Und" lässt sich streichen.
Bei diesem "jener" habe ich erst jetzt beim Auf-Kritik-Lesen verstanden, dass es sich auf den Baum bezieht. Streng genommen vom Satz her bezieht es sich auf die Schatten, das macht aber keinen Sinn. Es ist wieder nur unnötig kompliziert. Umschreib den Baum einfach anstatt "jener" zu schreiben.

Die Schneeflocken waren ...

Wieder neuer Absatz ...

Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde trat sie heute hinaus.

Mich stört dieses Verschlingen von Licht :shock: Ein Sonnenuntergang - welcher Jahreszeit auch immer - erinnert mich eher daran, dass es versickert, entweicht, von der Nacht verdrängt wird, meinetwegen auch ausläuft, aber beim Verschlingen, dachte ich zuerst an so ein Schwarzes Loch, dass das Licht auffrisst oder Gott mit einem heiligen Staubsauger, der über die Erde fährt :mrgreen:

Sie versuchte möglichst leise zu sein, wog jeden Schritt ab und schaute sich immer wieder ängstlich um, ob nicht doch irgendjemand in diesem Moment aus einem Fenster blickte.

Möglichst hört sich unpassend an. Es passt nicht zu deinem restlichen Schreibstil, außerdem wirkt es auf mich so wie dieses "keinsten Fall". "Sie versuchte leise zu sein" reicht vollkommen aus. Wenn du willst, eben auch "Sie versuchte so leise wie möglich zu sein" etc ...
Weiters ist dieses "doch" überflüssig. Genauso wie "in diesem Moment". Wenn nicht gerade jetzt jemand am Fenster steht und raus schaut, sondern das vor 2 Stunden tat, dann erübrigt sich die Aussage sowieso. Wir Leser wissen, dass der Moment gerade zählt. Es ist nicht nötig, das zu erklären. Das "in diesem Moment" passt dann, wenn man beschreibt, dass gerade jemand ans Fenster tritt.

Und als diese endlich ihr Erbe antrat,

Wieder das Und. Außerdem kann ich relativ wenig mit dem Erbe anfangen ...

Langsam trauten sich auch die Sterne aus ihren Verstecken hervor und begannen, den Nachthimmel zu verzieren.

Würde ich weg lassen. Es ist zu viel.

Langsam trauten sich auch die Sterne aus ihren Verstecken hervor und begannen, den Nachthimmel zu verzieren. Ihre verträumten Augen aber strahlten in dieser Nacht weit heller als es die Sterne vermochten."

Wortwiederholung.


So. Das war's von meiner Seite. Dein Text ist sehr gut. Wenn ich so schöne Texte zum Kritisieren lese, dann verliere ich mich immer in ihnen. Da achte ich selten auf Wortwiederholung und lange Sätze (außer beides ist zu extrem, was bei dir nicht der Fall ist). Dein Text hat mich verzaubert, dass ich anfangs dachte "Na, das ist toll, super. Das muss in die Drucke. Ich finde gar nichts zu kritisieren" Und als ich mich dann von deinem Zauber befreien konnte, habe ich dann diese kleinen Fehlerchen gefunden - oder sie eben auf meine persönlichen Vorlieben als Fehler identifiziert. Sonst hat dein Text grundsätzlich keine schwerwiegenden Fehler. Er ließt sich flüssig und hat mich trotz seiner hauptsächlich beschreibenden Art gefangen gehalten.
Ich kann sagen, dass du spannend beschreibst. Irgendwie hat man das Gefühl, dass Sina eine Gefangen ist und die Nacht bzw ihre Zeiten "da draußen" ihr für wenige Stunden die Freiheit geben, nach der sie sich so sehnt. Die Anspielung mit dem Grauen und Sinas Gedanken, dass sie nicht mal das Wissen, über ihren kurz bevorstehenden Tod, sie davon abbringen würden, lassen ein Gefühl aufkommen, als das gleich was passiert. Das steigert die Spannung.
Ich weiß nicht, was dein Grauen dastellen soll. Für mich hat es als etwas Undefinierbares gewirkt. Keiner weiß so wirklich, was es ist, aber es ist fürchterlich. Alle haben Angst vor dieser Wesenheit, die womöglich die Finsternis selbst ist. Vielleicht haben sie genau deswegen Angst vor ihm, weil sie nicht wissen, was es genau ist. So etwas gefällt mir. Das macht es noch spannender. Zu wissen, dass das Grauen ein wütender Balrog ist schmälert die Spannung hingegen.

So, das war's von meiner Seite. Ich hoffe, ich konnte etwas Brauchbares von mir geben :dasheye:

Liebe Grüße
Hannah
HannahBoll
 
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 30.08.2015, 11:46

Hallo Hanna

danke dir für deine Mühe, den Text zu lesen und Kritik zu hinterlassen:)

HannahBoll hat geschrieben:Warum genau hast du diesen Teil gewählt? Der ganze Text beschreibt eigentlich nur. Es kommt eigentlich zu keiner Handlung, außer dass Sina über ihr Dasein philosophiert und die einbrechende Nacht beobachtet. Das ist eigentlich eine kurze Handlung für einen so langen Text. Ich wette, dass in deinem Roman viel mehr an Handlung passiert und das dann nicht so sehr beschrieben wird. Was willst du denn genau für Kritik? Es hat bestimmt einen Grund, dass du diesen eher handlungsarmen Ausschnitt genommen hast, um ihn hier rein zu stellen. Möchtest du etwas Bestimmtes von uns dazu wissen?


Zugegeben, der Text enthält wenig äußere Handlung, aber das ist auch etwas, was bei mir nur an zweiter Stelle steht^^. Aber dieser Ausschnitt ist wahrscheinlich wirklich etwas sehr "handlungsarm". Mein Hauptaugenmerk liegt eigentlich auf den Charakteren und ihren Handlungsmotiven und ich versuche, je nach Charakter, besonders die Gedankenwelt zu schildern. Sina beispielsweise ist eher eine verträumte Person und deshalb habe ich mir gedacht, dass auch der Abschnitt, in welchem sie thematisiert wird, eher der Art ihres Denkens entsprechen sollte. Hinzukommt, dass sie keine gesprächige Person ist, sondern eher in ihren Träumen lebt. Ein weiterer Punkt ist, dass die Erzähler dieser Geschichte selbst Teil davon sind und ich somit versuche durch die Art und Weise der Erzählung, Rückschlüsse auf die Erzähler zu erlauben.
Neben den formulierungstechnischen Aspekten hat mich auch die Wirkung des Abschnittes interessiert. Wie die vorgestellte Person wahrgenommen wird etc.


Und ist da ein Fehler? Mir ist es nämlich ganz fremd "die Tür zu öffnen suchte". Heißt es nicht VERsuchte?

Also dieses "suchte" ist mir aus der Dichtersprache bekannt bzw aus einem etwas älteren Sprachgebrauch.

Und auch hier wieder lieber zwei Sätze. Brauchst du diese langen Sätze, sind sie irgendwie ein "Bedürfnis" von dir oder schleichen sie sich einfach ein? Lieber kurze Sätze, denn jeder Satz ist wie ein eigener Gedanke und wenn die nicht soooo lange sind, dann setzt man ab und kann mal "zwischenspeichern", bevor's weiter geht. Lange Sätze sind anstrengend und wenn man mal über ein Wort drüber ließt, ist der ganze Sinn futsch und man fängt wieder beim Satzanfang an. Für mich ist das immer sehr ärgerlich und unangenehm. Ganz besonders wenn ich eine so spannende Lektüre im Bett habe und dann doch die Müdigkeit einsetzt, dann muss ich ihr umso schneller nachgeben :XD:


Schachtelsätze etc... die mag ich einfach^^ Bin ein großer Fan von komplizierten Sätzen :oops: (Es gibt noch ein paar Sätze die gleich über mehrere Zeilen gehen..^^) Das ist zwar nicht besonders leserfreundlich, aber naja. Komplizierte Sätze haben für mich die Aufgabe, den Leser dazu zu bringen, genau zu lesen und sich Gedanken zu machen. ( Ich habe wahrscheinlich zu viele lateinische Texte übersetzt, die auf diese Weise funktionieren^^)






Und ist "ward" nötig? Ich finde, dass das ganz gewöhnliche "war" mindestens genauso passend. Sonst wirkt es so aufgesetzt.

Ich mag dieses Wort irgendwie :oops: . Aber der eigentlich Grund, wieso ich es hier benutze, ist, dass ich dieses Wort noch im Zusammenhang mit anderen Charakteren verwende, die etwas gemeinsam haben. (Und es passt auch zu ihren Charakteren) "Ward" hat für mich etwas Altes, Lyrisches im Klang, welcher zweifelsohne ungewohnt klingt.

Mach einen zweiten Satz, dann hast du eventuell noch die Möglichkeit kurz auf dieses "Grauen" einzugehen. Wenn du es undefiniert lassen möchtest, kannst du das auch beschreiben. Es gefällt mir, nicht zu wissen. Das hat schon seinen Reiz. Vielleicht weiß Sina es ja selbst nicht so genau. Dann ist es für uns gut, dass wir nur ihre Gefühle diesem "Grauen" gegenüber kennen (und uns vielleicht mit ihr fürchten).

Der Grund, wieso ich das eher nur anhänge ist, dass Sina sich gerade nicht wirklich davor fürchtet. Sie weiß zwar, dass viele(alle anderen) sagen, dass es etwas Gefährliches gäbe, aber glaubt nicht wirklich daran. Während die anderen befürchten, der Tod warte vor der Tür, glaubt sie, das Leben sei dort.

Freudig hätte sie im Morgengrauen den Tod empfangen

Ich dachte, in der Nacht kommt das Grauen. Warum ist Sina jetzt der Meinung, sie würde erst im Morgengrauen sterben, wenn was passiert? Das bringt mich jetzt ganz durcheinander ...


Es ist eigentlich so gemeint, dass, wenn Sina wählen dürfte zwischen einem ewigen Leben, das sie aber im Haus verbringen müsste und nur einer Nacht, in der sie draußen leben könnte, sie die Nacht wählen würde. Folglich würde sie dann am Morgen sterben, da die Nacht vorüber ist.^^ Das ist nur ein Gedankengang, denn wissen, dass sie schon heute Nacht stirbt, kann sie ja nicht^^


Es mag zwar bewusst gewählt worden sein, dass du "schwarz" und "strahlen" kombinierst. Schließlich kennt man es aus keiner Waschmittelwerbung "Strahlendes Schwarz" :mrgreen: aber trotzdem finde ich, passt es nicht zum Anmut des Baumes. Für mich liegt er in einem inneren Frieden, Schönheit und Ruhe da. Er lebt innerlich noch, nur um so, dieses traumhafte Bild zu erleben. Er strahlt nicht. Er ist ganz still. Ich persönlich hätte also gesagt "der in schwarzer Pracht da lag."
oder so ähnlich. (immerhin kann man jetzt über das liegen streiten, denn streng genommen steht der Baum ja noch ...)

Ich hatte mir das so gedacht, dass man "Strahlen" beispielsweise eher von der Sonne kennt, die für Leben steht. Das strahlende Antlitz bekommt der Baum ja durch die Vögel, die jetzt nicht unbedingt ruhig sind. Die Ruhe des Baumes trifft also mit der Lebendigkeit der Vögel zusammen und bildet etwas Eigenes, Neues.

Und für einen Moment, als sich die Schatten wieder erhoben, sah es so aus, als würde sich jener mit ihnen in die Luft erheben.


Bei diesem "jener" habe ich erst jetzt beim Auf-Kritik-Lesen verstanden, dass es sich auf den Baum bezieht. Streng genommen vom Satz her bezieht es sich auf die Schatten, das macht aber keinen Sinn. Es ist wieder nur unnötig kompliziert. Umschreib den Baum einfach anstatt "jener" zu schreiben.

Naja, wenn es sich auf die Schatten bezöge müsste es ja "jene" heißen. Vll könnte man noch auf die Idee kommen es auf den Moment zu beziehen, was von der Bedeutung durchaus nicht falsch wäre. Aber "jener" bezieht sich normalerweise auf den vorherigen Satz oder das entfernter liegende mögliche Beziehungswort, so viel ich weiß.

Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde trat sie heute hinaus.

Mich stört dieses Verschlingen von Licht :shock: Ein Sonnenuntergang - welcher Jahreszeit auch immer - erinnert mich eher daran, dass es versickert, entweicht, von der Nacht verdrängt wird, meinetwegen auch ausläuft, aber beim Verschlingen, dachte ich zuerst an so ein Schwarzes Loch, dass das Licht auffrisst oder Gott mit einem heiligen Staubsauger, der über die Erde fährt :mrgreen:

Das "Verschlingen" soll eigentlilch als Hinweis dafür gelten, dass etwas passieren wird. Denn ich stimme dir zu, normalerweise wird Sonnenlicht nicht bei einem normalen Sonnenuntergang "verschlungen".


Langsam trauten sich auch die Sterne aus ihren Verstecken hervor und begannen, den Nachthimmel zu verzieren.

Würde ich weg lassen. Es ist zu viel.

Das ist so ein Punkt, an dem ich noch am überlegen bin, ob zu viel nicht gerade genug ist. Die Schilderung ist ja eher an Sinas Gedanken- und Gefühlswelt angelehnt, welche sich von der, der anderen Menschen unterscheidet. Und das ist ein wichtiger Punkt, der mit der Geschichte in Verbindung steht.


Den anderen Punkten kann ich nichts entgegenbringen^^:) Aber auch, wenn ich immer mal wieder an der Stelle rumwerkele liegt mein Hauptaugenmerk im Moment auf ein paar Dialogen, auch da dies etwas ist, womit ich noch nicht allzu sehr vertraut bin und mich erst vor Kurzem dazu entschieden habe, dass ein paar mehr Dialoge doch ganz gut wären..^^

Ich weiß nicht, was dein Grauen dastellen soll. Für mich hat es als etwas Undefinierbares gewirkt. Keiner weiß so wirklich, was es ist, aber es ist fürchterlich. Alle haben Angst vor dieser Wesenheit, die womöglich die Finsternis selbst ist. Vielleicht haben sie genau deswegen Angst vor ihm, weil sie nicht wissen, was es genau ist. So etwas gefällt mir. Das macht es noch spannender. Zu wissen, dass das Grauen ein wütender Balrog ist schmälert die Spannung hingegen.

Ich würde es mal so sagen, die Menschen glauben zu wissen, wovor sie sich fürchten. Der Erzähler allerdings ist da anderer Meinung und glaubt, dass sie sich in Wahrheit vor etwas Anderem fürchten. Die Angst vor jenem, was dort draußen sei, ist vielmehr Ausdruck einer anderen, viel tiefer liegenden Angst.

Liebe Grüße und danke für deine Kritik
Asieral
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon HannahBoll » 30.08.2015, 12:13

Zugegeben, der Text enthält wenig äußere Handlung, aber das ist auch etwas, was bei mir nur an zweiter Stelle steht^^. Aber dieser Ausschnitt ist wahrscheinlich wirklich etwas sehr "handlungsarm". Mein Hauptaugenmerk liegt eigentlich auf den Charakteren und ihren Handlungsmotiven und ich versuche, je nach Charakter, besonders die Gedankenwelt zu schildern. Sina beispielsweise ist eher eine verträumte Person und deshalb habe ich mir gedacht, dass auch der Abschnitt, in welchem sie thematisiert wird, eher der Art ihres Denkens entsprechen sollte. Hinzukommt, dass sie keine gesprächige Person ist, sondern eher in ihren Träumen lebt. Ein weiterer Punkt ist, dass die Erzähler dieser Geschichte selbst Teil davon sind und ich somit versuche durch die Art und Weise der Erzählung, Rückschlüsse auf die Erzähler zu erlauben.
Neben den formulierungstechnischen Aspekten hat mich auch die Wirkung des Abschnittes interessiert. Wie die vorgestellte Person wahrgenommen wird etc.

Das ist dir durchaus gelungen :) da kann ich nichts zu sagen!

Komplizierte Sätze haben für mich die Aufgabe, den Leser dazu zu bringen, genau zu lesen und sich Gedanken zu machen.

Da denke ich eher um den Satzbau nach, als über den Inhalt. :XD:

( Ich habe wahrscheinlich zu viele lateinische Texte übersetzt, die auf diese Weise funktionieren^^)

Oh gott. Ich bin vor Latein geflohen.Puh xD Ich kann nur noch ein paar Wörter und genau einen Satz (Der erste, der im Latein-Buch stand :D )
Darauf muss ich jetzt natürlich ganz stolz sein :lol:

Ich mag dieses Wort irgendwie :oops: . Aber der eigentlich Grund, wieso ich es hier benutze, ist, dass ich dieses Wort noch im Zusammenhang mit anderen Charakteren verwende, die etwas gemeinsam haben. (Und es passt auch zu ihren Charakteren) "Ward" hat für mich etwas Altes, Lyrisches im Klang, welcher zweifelsohne ungewohnt klingt.

Dann lass es. Das kommt dann sicher erst raus und hat seine Wirkung, wenn man mehr ließt. Ich vermute, dass man dann gegen Ende denkt "Aaah, das macht ja alles Sinn". Dann macht auch das "suchte" anstatt dem "versuchte" Sinn und ist genehmigt. :mrgreen:

Naja, wenn es sich auf die Schatten bezöge müsste es ja "jene" heißen. Vll könnte man noch auf die Idee kommen es auf den Moment zu beziehen, was von der Bedeutung durchaus nicht falsch wäre. Aber "jener" bezieht sich normalerweise auf den vorherigen Satz oder das entfernter liegende mögliche Beziehungswort, so viel ich weiß.

Ich seh schon, du magst es kompliziert. Ich weiß, aber im ersten Moment war ich ziemlich verwirrt :?
Vielleicht ist das alles zu verschachtelt (für mich als Leser, würde ich das in einem ganzen Roman lesen).

Grundsätzlich hast du schon anspruchsvolle Texte ...

Das ist so ein Punkt, an dem ich noch am überlegen bin, ob zu viel nicht gerade genug ist. Die Schilderung ist ja eher an Sinas Gedanken- und Gefühlswelt angelehnt, welche sich von der, der anderen Menschen unterscheidet. Und das ist ein wichtiger Punkt, der mit der Geschichte in Verbindung steht.

Dann würde ich das noch mehr auf sie beziehen oder noch mehr "übertreiben". So wirkt es irgendwie auf mich wie eine verschnörkelte, poetische Beschreibung mit ab und an zu dick aufgetragenen Stellen. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn du das öfter vorkommen lässt, ob es dann nur überladen wirkt oder passt. Das müsste man ausprobieren ...
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 30.08.2015, 13:11

HannahBoll hat geschrieben:Oh gott. Ich bin vor Latein geflohen.Puh xD Ich kann nur noch ein paar Wörter und genau einen Satz (Der erste, der im Latein-Buch stand :D )
Darauf muss ich jetzt natürlich ganz stolz sein :lol:

Wie kann man nur vor Latein fliehen :shock: :shock: Aber egal wie weit man rennt, irgendwann bleibt man stehen, schaut sich um und dann steht es vor einem: "Hic sum, quo vadisne." So ein Lateinleistungskurs hinterlässt, glaube ich, mitunter auch einen gewissen Dachschaden *in Erinnerungen schwelg*.

Dann lass es. Das kommt dann sicher erst raus und hat seine Wirkung, wenn man mehr ließt. Ich vermute, dass man dann gegen Ende denkt "Aaah, das macht ja alles Sinn". Dann macht auch das "suchte" anstatt dem "versuchte" Sinn und ist genehmigt. :mrgreen:

Ich danke für die Genehmigung und verbeuge mich untertänigst :paperbag:

Ich seh schon, du magst es kompliziert. Ich weiß, aber im ersten Moment war ich ziemlich verwirrt :?
Vielleicht ist das alles zu verschachtelt (für mich als Leser, würde ich das in einem ganzen Roman lesen).

Es gibt ja die abbildende Wortstellung als Stilmittel und das ist jetzt die abbildende Satzstellung. :lol: Verschachtelt sind die Figuren ja in gewisser Weise auch :boxjump:
Grundsätzlich hast du schon anspruchsvolle Texte ...

Aber ?^^ :mute:

Dann würde ich das noch mehr auf sie beziehen oder noch mehr "übertreiben". So wirkt es irgendwie auf mich wie eine verschnörkelte, poetische Beschreibung mit ab und an zu dick aufgetragenen Stellen. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn du das öfter vorkommen lässt, ob es dann nur überladen wirkt oder passt. Das müsste man ausprobieren ...

Wie genau ich das ändern werde, muss ich mir noch überlegen, aber auf jeden Fall werde ich mir Gedanken darüber machen:) Wahrscheinlich werde ich in nächster Zeit erst einmal nur dazu kommen ein paar kleine Formulierungsänderungen vorzunehmen, da ich momentan an anderen Stellen beschäftigt bin, die fast meine ganze Aufmerksamkeit bedürfen.

Liebe Grüße
Asieral
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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Deirdre » 31.08.2015, 11:49

Hallo Asieral,

Erstmal ganz allgemein: Mir hat es sehr viel Spaß gemacht deinen Text zu lesen. Die Stimmung hat mich sofort gefesselt und ich habe mich direkt in die Szene hinein versetzt gefühlt. Mir gefällt der etwas verträumte, bildreiche Schreibstil und ich bin neugierig geworden mehr über Sina und die Welt, in der sie lebt, zu lesen. Kennst du "Die Musik der Stille" von Patrick Rothfuss? Daran erinnert mich dein Text.
Du hast schon von Anderen Feedback bekommen, darum probiere ich mal nur Dinge aufzuzeigen, die noch nicht genannt wurden.

Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt. Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte.


Schon im allerersten Satz schwingt das Gefühl von Bedrohung mit. Das weckt Spannung und das finde ich sehr gut. Ich stolpere dann aber über das "doch" und die "Idylle" im zweiten Satz. Bisher ist mir nichts idyllisches über die Szene bekannt, sondern nur etwas bedrohliches. Probiere den Widerspruch zwischen scheinbarer Idylle und wirklicher Bedrohung deutlicher zu machen, z.B. so (ich erfinde einfach mal eine Landschaft, um zu veranschaulichen, was ich meine):

"Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt. Friedlich ruhte der zugefrorene See und der mondbeschienene Wald lag in tiefem Schlummer. Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte."


Schnee, Sina hatte ihn immer geliebt und auch jetzt hatte sie noch nicht aufgehört, ihn zu lieben. ... Auch wenn sie fror liebte sie es dennoch...

Wortwiederholung. Probiers mit: Sie genoss, sie sehnte sich, sie mochte, sie hatte gern, sie schätzte...

Jede Nacht war sie nun draußen, trotz all der Warnungen der königlichen Boten, die täglich durch das Dorf ritten, dass dort das Grauen warte

Der Satz macht für mich keinen Sinn. Besser: "... die täglich durch das Dorf ritten und verkündeten, dass dort das Grauen warte."

Es waren wundervolle Wochen gewesen, zumindest nachts über.

Das "nachts über" klingt für mich umgangssprachlich oder doch zumindest modern und passt daher nicht zu deinem sonstigen Schreibstil. Vielleicht besser einfach nur "nachts".

Meist saß sie am halbverschneiten Fenster und beobachtete die herabfallenden Kristalle.

Ich höre hier in Gedanken ein leises Klackern und stelle mir Salzkristalle vor, die herabrieseln. Es stimmt natürlich, dass Schneeflocken Kristalle sind, aber meine Assoziazion mit Kristallen ist "hart" und das passt absolut nicht in das Bild, das du malst. Ich würde einfach "die herabfallenden Flocken" schreiben.
Außerdem sagt mir mein Rechtschreibprogramm, dass man "halb verschneit" auseinander schreibt.

Ja selbst, wenn sie gewusst hätte...

Komma weg. Oder aber "Ja, selbst wenn..." Ich bin mir nicht sicher.

Denn eines wusste sie sicher. Leben konnte sie nur dort draußen

Statt des Punktes lieber ein Doppelpunkt. "Denn eines wusste sie sicher: Leben konnte sie nur dort draußen"

hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche

Diese Metapher funktioniert für mich nicht. Ich kann verstehen, warum ESchen dachte, dass es sich um einen Vampir handelt Entweder sie fühlt sich gefangen oder sie fühlt sich wie eine Leiche. Beides zusammen macht für mich keinen Sinn. Vielleicht sowas in der Art: "Eingesperrt in ihrem Haus lebte sie das Leben einer Toten."

Ein Schwarm schwarzer Vögel hatte sich unweit auf einem kargen Baum niedergelassen, der nun in schwarzer Pracht erstrahlte.

Unweit von was? Unweit des Hauses?
Eine Malzeit ist karg. Ein Baum ist kahl.

Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde

Vielleicht schöner: "bevor das letzte Sonnenlicht von der Dämmerung verschlungen wurde"

Jemand der aus dem Fenster schaute, wäre doch sicher auch ein träumendes, sich sehnendes Wesen, das Gehör finden könnte für die stummen Schreie, die in ihrem Hals erstickten.

Gehör finden = gehört werden
Gehör schenken = zuhören
Also besser: "ein Wesen, dass Gehör schenken könnte an die stummen Schreie..."

Und als diese endlich ihr Erbe antrat, verzauberte ein Lächeln ihr warmes Gesicht, während sie sich in ihre Wolken fallen ließ.

Diesen Satz verstehe ich nicht. Die Dunkelheit tritt ihr Erbe an, Sina lächelt, aber was sind das plötzlich für Wolken?

Ihre verträumten Augen aber strahlten in dieser Nacht weit heller als es die Sterne vermochten.

Ich würde hier nochmal Sinas Namen nennen. Im ersten Moment beziehe ich das "ihre" nämlich noch auf die Sterne im vorhergehenden Satz. Lieber "Sinas verträumte Augen"

Nochmals: Dir gelingt es sehr gut die Stimmung in dieser Szene an den Leser zu vermitteln, Spannung und Neugierde zu wecken (was ist dieses Grauen, diese Bedrohung?) und in den wenigen Handlungen, die sie ausführt, deinem Charakter Leben einzuhauchen. Solltest du dich entscheiden mehr Ausschnitte aus deiner Geschichte zu posten, würde ich die auch gerne lesen :)

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Re: [Fanty]Das Kind der Schatten: Weiße Nächte

Beitragvon Asieral » 01.09.2015, 09:57

Hallo Deirdre,

danke für deine Kritik:)
"Die Musik der Stille" von Patrick Rothfuss ist mir nicht bekannt. Ich muss zugeben, bisher noch kein einziges Buch aus dem Fantasy-Genre gelesen zu haben :oops:

Deirdre hat geschrieben:

Schon im allerersten Satz schwingt das Gefühl von Bedrohung mit. Das weckt Spannung und das finde ich sehr gut. Ich stolpere dann aber über das "doch" und die "Idylle" im zweiten Satz. Bisher ist mir nichts idyllisches über die Szene bekannt, sondern nur etwas bedrohliches. Probiere den Widerspruch zwischen scheinbarer Idylle und wirklicher Bedrohung deutlicher zu machen, z.B. so (ich erfinde einfach mal eine Landschaft, um zu veranschaulichen, was ich meine):

"Eine verdächtige Ruhe hatte sich gleich einem Nebel auf das winterliche Land gelegt. Friedlich ruhte der zugefrorene See und der mondbeschienene Wald lag in tiefem Schlummer. Und doch spürten alle in dieser scheinbaren Idylle die kalte Hand des Todes, wie sie langsam die Tür zu öffnen suchte."


Wenn Sina an ein winterliches Land denkt, ist das für sie die schönste Idylle und da es auch eher aus in letzter Instanz ihrer Sicht geschildert ist, dachte ich mir, dass dadurch vll klarer wird, was für ein Weltbild sie hat. Ich werde jetzt aber noch einmal drüber schauen, ob dein Vorschlag nicht doch besser ist.

]



Ich höre hier in Gedanken ein leises Klackern und stelle mir Salzkristalle vor, die herabrieseln. Es stimmt natürlich, dass Schneeflocken Kristalle sind, aber meine Assoziazion mit Kristallen ist "hart" und das passt absolut nicht in das Bild, das du malst. Ich würde einfach "die herabfallenden Flocken" schreiben.



Glaube, da hat jeder ein bisschen andere Assoziationen. Ich zumindest stelle mir unter Kristallen etwas Gebrechliches vor, das leicht beschädigt werden kann, aber gleichzeitig auch eine gewisse Kälte/Härte ausstrahlt. Eine Art Funkeln, das von Kristallen ausgeht, wenn Licht auf sie fällt ist auch etwas, woran ich da denkke.
Flocken wäre mir persönlich vom Klang zu weich.


Denn eines wusste sie sicher. Leben konnte sie nur dort draußen

Statt des Punktes lieber ein Doppelpunkt. "Denn eines wusste sie sicher: Leben konnte sie nur dort draußen"

hier jedoch war sie nur eine gefangene Leiche

Diese Metapher funktioniert für mich nicht. Ich kann verstehen, warum ESchen dachte, dass es sich um einen Vampir handelt Entweder sie fühlt sich gefangen oder sie fühlt sich wie eine Leiche. Beides zusammen macht für mich keinen Sinn. Vielleicht sowas in der Art: "Eingesperrt in ihrem Haus lebte sie das Leben einer Toten."

Naja.. zum einen soll das ein Pleonasmus sein, zum anderen verwende ich das Motiv der Leiche noch an anderen Stellen, die Ähnliches darstellen, weswegen ich den Begriff "Leiche" eigentlich behalten möchte. Während Leiche eher auf den inneren Zustand bezogen ist, beschreibt das "gefangen" für mich zum einen die äußeren Umstände als auch die inneren.

Unweit von was? Unweit des Hauses?
Eine Malzeit ist karg. Ein Baum ist kahl.

Naja Sina sitzt ja am Fenster und von dort aus wird geschildert. "Karg" kann ja auch so etwas wie "schmucklos" bedeuten und ich beziehe mich nicht nur darauf, dass der Baum keine Blätter mehr hat, sondern auf das ganze Erscheinungsbild, in welchem der Baum eher leblos erscheint.

Schon bevor das letzte Sonnenlicht verschlungen wurde

Vielleicht schöner: "bevor das letzte Sonnenlicht von der Dämmerung verschlungen wurde"

Es klingt vll schöner, aber dieser Tag ist anders, es ist nicht die normale Dämmerung, die die Dunkelheit bringt. Das Sonnelicht wird von etwas verschlungen, das ich so früh noch nicht nennen wollte. Dass das Sonnenlicht überhaupt "verschlungen" wird, soll eine Andeutung auf das sein, was kommen wird.

Jemand der aus dem Fenster schaute, wäre doch sicher auch ein träumendes, sich sehnendes Wesen, das Gehör finden könnte für die stummen Schreie, die in ihrem Hals erstickten.

Gehör finden = gehört werden
Gehör schenken = zuhören
Also besser: "ein Wesen, dass Gehör schenken könnte an die stummen Schreie..."

Muss ich eindeutig ändern.^^ ("bei dem sie" werde ich wahrscheinlich hinzufügen)

Diesen Satz verstehe ich nicht. Die Dunkelheit tritt ihr Erbe an, Sina lächelt, aber was sind das plötzlich für Wolken?

Das Ganze wird ja eher aus der Perspektive Sinas erzählt. Ihre Wolken sind zum einen ihre Träume zum anderen ist es der Schnee, den sie als Wolke ansieht. Sie wäre gerne hoch oben im Himmel, aber als Mensch ist sie an die Erde gebunden und so erfindet sie ihre eigenen "Wolken". Sie sieht die Welt mit anderen Augen und hat deshalb oft andere Assoziationen.


Nochmals: Dir gelingt es sehr gut die Stimmung in dieser Szene an den Leser zu vermitteln, Spannung und Neugierde zu wecken (was ist dieses Grauen, diese Bedrohung?) und in den wenigen Handlungen, die sie ausführt, deinem Charakter Leben einzuhauchen. Solltest du dich entscheiden mehr Ausschnitte aus deiner Geschichte zu posten, würde ich die auch gerne lesen :)


Danke dir für die netten Worte. Ich bin jetzt nicht auf jeden deiner Kritikpunkte eingegangen, sondern hauptsächlich auf die, zu denen ich auch mehr schreiben kann als, "ja wird gemacht"^^. Ich befürchte, wenn ich andere Ausschnitte einstellen würde, wärest du wahrscheinlich enttäuscht, da mein Schreibstil von Figur zu Figur teilweise sehr variiert. Ein etwas verträumter sich in Bildern verlierender Schreibstil ist zwar mein Lieblingsschreibstil, doch passt der nicht zu allen Figuren in dieser Form. Dennoch soll ein klein wenig davon durchscheinen, da der Erzähler oder besser die Erzähler der Geschichten zu den Figuren gehören, zu denen der Schreibstil passt. Allerdings verändern sie selbst ihren Erzählstil von Figur zu Figur und je nach Situation.

Liebe Grüße
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