[Liebe]Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon neska » 05.03.2015, 21:15

Das hier ist der erste Text den ich mich traue, hier zu veröffentlichen. Ich freue mich über Kritik und eure Meinung, ich bitte sogar darum! :)
Vorweg noch kurz: Die Idee war spontan und ich wollte schreiben, dennoch ist der Stil mit den kurzen, teils abgehakten Sätzen gewollt. Trotzdem auch dazu und zu allem anderen gerne Meinungen. :girl:

Überarbeitete Version:

Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag. Das Licht spiegelte sich im Springbrunnen und wegen der Hitze schwitzte ich ein wenig. Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen war, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Das deutsche Licht konnte nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. Hier fühlte es sich an, als befände sich die Quelle des Lichts direkt über unseren Köpfen und als würde es uns in seine Wärme und Helligkeit einschließen.
Mit langsamen Schritten steuerte ich meinen Wagen an. Ich wohnte etwas außerhalb von Rom, denn ich mochte es nicht, im Zentrum zu wohnen. Dort hatte man nie seine Ruhe. Aus diesem Grund war ich letztes Jahr auch aus Rom weggezogen.
Man kam auf den Straßen Roms nur mühsam voran. Auf den breiten Gehwegen empfingen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen. Mich kannten sie zu gut, um es zu versuchen. Letztes Jahr hatte ich ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt. Sie störten nur; sie waren aufdringlich und ließen erst locker, wenn man vor ihnen flüchtete und es schaffte, sie abzuhängen. Sonst drehten sie einem so oder so ihre gefälschten Uhren und Brillen an.
Links und rechts der Straße befanden sich kleine Geschäfte, die Massen an Kundschaft empfingen. Die Straße war dicht befahren, ab und an hupte jemand.
Als ich mich weiter durch die überfüllten Straßen Roms kämpfte, blieb ich mehr oder weniger unfreiwillig vor einer Band stehen. Ich wollte weitergehen, aber ich merkte schnell, dass es keinen Sinn hatte. Also gab ich auf und hörte der Band zu. Ich konnte die Sängerin sehen, die gerade den Mikrofonständer herunterschraubte. Sie trug ein schwarzes Shirt, das am unteren Rand in ein dunkles Grau, dann in ein Helles und schließlich in Weiß verlief. Das Shirt war so lang, dass ich mir nicht sicher war, ob die Frau eine Hose trug, wahrscheinlich nicht. Ich wusste nicht, ob sie schön aussah. Ihre Beine waren übersät mit Narben und ihr linkes Knie war aufgeschürft. Der Schlagzeuger schlug seine Sticks viermal aufeinander und dann stimmte die Band ein langsames Lied an. Mein Blick glitt zum Gitarristen, der auf einem Hocker saß und kein Hemd anhatte. Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar. Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten. Aus guten Verhältnissen schienen die Bandmitglieder nicht zu kommen.
Als das Lied leise ausklang, warfen einige Zuschauer Geld in das Glas vor der Sängerin und der Rest klatschte laut. Ich nicht. Dann stimmte die Band ein weiteres Lied an; es klang noch trauriger als das Lied zuvor und die Sängerin schloss gefühlvoll die Augen und atmete laut ein. Stark mit der Hand gestikulierend sang sie von einer Mutter und ihrem Kind und Drogen und Alkohol. Ich versuchte wegzuhören. Und während mein Blick durch die Menge schweifte entdeckte ich sie.
Ihr Gesicht war der Band zugewandt, ich sah sie nur von der Seite. Ihr Oberkörper war alles, was ich sehen konnte und sie bewegte ihn im Rhythmus der Musik langsam hin und her. Ihr Haar gefiel mir, es war schön geschnitten und sah gepflegt aus. Die Wangen der jungen Frau waren rot, vielleicht etwas zu Rot.
In diesem Moment glaubte ich, die Sonne schien noch heller auf sie hinab und beleuchtete nur sie. Ich beobachtete die Frau noch eine Weile heimlich, denn ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde gaffen. Dann stellte sich ein älterer Herr in mein Blickfeld und ich verlor sie aus den Augen. Die Menschenmasse, die mich zum Stehenbleiben verleitet hatte, löste sich langsam auf. Ich machte keine Anstalten zu gehen.
Als das nächste Lied verstummte, trat sie ein Stück nach vorne und klatschte laut. Sie und die Sängerin tauschten kurz einen Blick aus und dann stimmte der Schlagzeuger ein schnelleres Stück an. Im nächsten Moment spürte ich ihren Blick auf mir ruhen und ich fragte mich, ob sie mich erwischt hatte, als ich sie angeschaut hatte. Ich fühlte mich unwohl, also blickte ich zurück und sah, wie sie schnell ihren Blick abwandte. Dann sah ich wieder den Herrn mit dem weißen Bart.
Ich wollte das Mädchen nicht angucken. Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass ich immer noch hier bei einer gewöhnlichen Straßenband am Rand stand und eine Frau zu beobachten, die offensichtlich nicht in meiner Liga spielte. Ich hatte nie ernsthaftes Interesse an Frauen gehabt, ich wollte Spaß, mehr nicht. Meine letzte Freundin hatte ich in der Schule und die Zeiten waren schon lange vorbei. Frauen wollten nur das Geld erfolgreicher Männer, nicht deren Liebe.
Trotzdem konnte ich mich nicht davon abbringen, sie wieder mit meinem Blick einzufangen und genau dann, als mein Blick auf sie fiel, trat der alte Mann zur Seite und offenbarte mir die Sicht auf sie. Jetzt sah ich sie von oben bis unten. Sie trug eine zerrissene Jeans und ein enges, braunes Shirt und einen Moment war ich wütend auf mich selbst, weil ich mich dabei erwischte wie ich uns verglich und darüber nachdachte, wie wir zusammen wohl aussähen. Doch ich verdrängte den Gedanken und suchte nach mehr Negativem an dieser Frau. Rein äußerlich würden wir schon nicht zueinander passen. Sie, mit ihren halbzerfetzten Jeans und ich, mit meinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd. Um meinen Hals hing eine graue Krawatte. Wir würden aussehen, als hätte ich sie frisch von der Straße geholt.
Und trotzdem war ich von ihr gefesselt. Es sah schön aus, was sie trug. Vor allem aber war es schön, wie sie es trug. Mit einer elfengleichen Bewegung drehte sie sich zu mir um und wir sahen uns zum ersten Mal direkt an. Sie schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nicht erwiderte und dann verschwand es wieder. Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mir herauf. Dann ging sie zu der Sängerin, die gerade das letzte Lied zu Ende gespielt hatte und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Durch meinen Kopf schwirrten einhundert Gedanken. Sie ist schön, auch wenn wir nicht zusammenpassen. Sie ist schön, trotz ihrer zu roten Wangen und diese Jeans ist schön, aber nur weil sie es ist, die sie trägt. Das Mädchen umging die Lautsprecher und holte aus einem Haufen Jacken und Taschen ihre Tasche heraus. Was erwartest du eigentlich? Dass sie dir hinterherläuft und dich bittet, ihr zurückzulächeln? Die Menschenmenge hatte sich schon längst verabschiedet und ich sah das Mädchen mit ihrer mittelgroßen, schwarzen Tasche die Straße runtergehen. Der Stil der Tasche passte so gar nicht zu dieser Jeans.
Zuletzt geändert von neska am 08.03.2015, 13:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon Sasskia » 06.03.2015, 10:24

Huhu neska!

Spontane Ideen. Ich liebe spontane Ideen!
Allerdings enden die bei mir immer irgendwo in der Mitte der Geschichte :XD:

Na schön, hier geht es um deinen Text.

Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag.


Du beginnst gleich mit der "Begegnung", doch dann folgt 3 ganze Absätze nicht eine einzige Erklärung, welche Begegnung du meinen könntest. Das verwirrt mich.
Vielleicht wäre besser: ...Es war ein leuchtender Sommertag. Das ...

Und wenn du mit "war" beginnst, irritiert mich der Zeitsprung von :

Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen bin, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Das deutsche Licht kann nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. Hier fühlt es sich an, als befände ...


Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen war ... mein Vorschlag dazu.

Mit langsamen, dennoch entschlossenen Schritten begab ich mich in die Richtung meiner Wohnung.

Und wo ist die? Irgendwo in Italien, wo es aufdringliche Straßenhändler gibt? Wenn die Aktivitäten auf der Straße zur Grundlage der Geschichte gehören, will ich auch wissen, wo das ist.

Dann wechselst du wieder bis zum Ende des Absatzes die Zeit:

Man kommt auf den Straßen nur mühsam voran. An den Straßenseiten empfangen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen. Mich kennen sie zu gut, um es zu versuchen. Letztes Jahr habe ich ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt. Mich stören sie; sie sind aufdringlich und lassen erst locker, wenn man mit der ganzen Familie vor ihnen flüchtet und es schafft, sie abzuhängen. Sonst drehen sie einem so oder so ihre gefälschten Uhren und Brillen an.


Den ersten Satz hätte ich auch noch getrennt und versucht, die "Straßen-" Wiederholungen zu umgehen.

Es gab häufiger Bands an den Straßenseiten, doch nur wenige, die einem auffallen

... wieder ein Zeitenwechsel.


Dann beschreibst du die Sängerin in allen Details. Warum? Um sie geht es doch gar nicht?
Und weshalb glaubst du, sie war nicht schön? Liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters?
Dann wäre es klar deine Entscheidung, ob schön oder attraktiv oder einfach nur durchschnittlich ist.

Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar. Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten.

Sein Haar war wohl für deinen Geschmack zu lang, oder gibt es da eine allgemein vorgeschriebene tolerierbare Haarlänge?
Also, räusper, den Friseurtermin kann ich mir jederzeit leisten. Hingehen wird teuer :XD:

Okay, noch ein Absatz über verschiedenen Musikgeschmack, doch dann kommt SIE :girl:

Ganz viel "sie" und nicht, das Mädchen, die junge Frau. Das stört mich ein wenig, da SIE ja mächtig Eindruck auf dich gemacht hat. Und das sollte irgendwie deutlicher herauskommen.

Aber dann verwirrst du mich völlig:

-Du bist zuerst enttäuscht, weil sie halbzerfetzte Jeans trägt, aber das ist nicht negativ?
-Andererseits würde es aussehen, als hättest du sie von der Straße geholt? :roll:

Aber okay, sie gefällt dir. Aber weshalb sprichst du sie nicht an? Feig? Oder war dein Hinweis, dass du nie ernsthaftes Interesse an Frauen gehabt hast, auf deine Vorliebe für Männer gemünzt?

Und trotzdem fühlte ich mich von ihr gefesselt. Es sah schön aus, was sie trug. Vor allem aber war es schön, wie sie es trug. Mit einer elfengleichen Bewegung drehte sie sich zu mir um und wir sahen uns zum ersten Mal direkt an.


Da sollte der großen Liebe doch nichts mehr im Weg stehen! Du bist ja schon gefesselt. Ich seh euch schon im Sonnenuntergang verschwinden ....

Sie schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nicht erwiderte und dann verschwand es wieder. Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mich herauf.


... doch nur ihr Lächeln verschwindet. :cry:

Und verflixt, was interessiert dich die Tasche, wenn die potentielle Liebe deines Lebens am Horizont verschwindet? Oder doch kein Interesse an Frauen? :-|

Bis auf die Zeitenwechsel hat mir dein Schreibstil gut gefallen.
Den Aufbau der Begegnung könntest du vielleicht besser strukturieren, vor allem, um mehr Atmosphäre herzustellen.
Und ich weiß eigentlich mehr über die Sängerin, als über die junge Frau mit den zerissenen Jeans. :roll:

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon Akirai » 06.03.2015, 14:47

Hallo Neska!

Eines vorne weg: Ich bin nicht der typische Romanzenleser. Dass ich doch hier schreibe heißt: Deine Story hat mir gefallen :mrgreen:
Und für einen spontanen Einfall finde ich sie wirklich ausgesprochen gut. Ich bin so frei und zitiere den ganzen Text und schreibe einfach meine unverfälschten und authentischen Lesegedanken dahinter - um die Sprache hat sich schon ein Vorposter gekümmert, daher spare ich mir das.

neska hat geschrieben:
Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag. Zuerst dachte ich: eigentlich muss ich jetzt meckern, denn ich mag es nicht, wenn ich am Anfang keine Namen erfahre. Tatsächlich macht es mich aber neugierig. Also lass das :mrgreen: Das Licht spiegelte sich im Springbrunnen und wegen der Hitze schwitzte ich ein wenig. Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen bin war, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Du sprichst mir so was von aus der Seele!! *Fan des Ich-Erzählers sei*Das deutsche Licht kann nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. Hier fühlt es sich an, als befände sich die Quelle des Lichts direkt über unseren Köpfen und als würde es uns in seine Wärme und Helligkeit einschließen.
Mit langsamen, dennoch entschlossenen Schritten die Kombination.. gibts das? Langsam und entschlossen? Verbalisier es doch: Ich schlenderte von x zu meiner Wohnung. ach ja, war da nicht gerade oben noch ein Springbrunnen? Wo ist der denn jetzt hin= :shock: begab ich mich in die Richtung meiner Wohnung. Man kommt auf den Straßen nur mühsam voran, an den Straßenseiten empfangen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen. Vielleicht hier noch ein bisschen Beschreibung von der Stadt? Außerdem Frage: Wenn es sich hierbei um einen reichen Typen handelt, kommen die Schwarzhändler denn dann wirklich in das Reichenviertel? :?: Mich kennen sie zu gut, um es zu versuchen. Letztes Jahr habe ich ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt. LolMich stören sie; Überflüssig, denn das dachte ich mir nach dem vorherigen Satz schon.sie sind aufdringlich und lassen erst locker, wenn man mit der ganzen Familie hat er Familie? Ich dachte, er lebt alein=vor ihnen flüchtet und es schafft, sie abzuhängen. Sonst drehen sie einem so oder so ihre gefälschten Uhren und Brillen an.
Als ich die Straße weiter entlangging, erregte eine Band meine Aufmerksamkeit. Es gab häufiger Bands an den Straßenseiten, doch nur wenige, die einem auffallen. Hier fehlt ein: Ich blieb stehen. Die Sängerin trug ein schwarzes Shirt, das am unteren Rand in ein dunkles Grau, dann in ein Helles und schließlich in Weiß verlief. Das Shirt war so lang, dass ich mir nicht sicher war, ob die Frau eine Hose trug, wahrscheinlich nicht. Irgendwie irritiert mich der Satz. Ich kann aber nicht sagen, warum... Ich war mir nicht sicher, ob sie schön aussah. Sie hatte etwas Einzigartiges sowie etwas Eigenartiges, aber ich glaube sie war nicht schön. Ihre Beine waren übersät mit Narben und ihr linkes Knie war aufgeschürft. Das Lied war laut aber langsam, emotional. Der Gitarrist saß auf einem Hocker und hatte kein Hemd an. Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar. Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten. Die Beschreibung stößt mir auf... erst sie, dann lied, dann Gitarrist... das hat alles keine Verbindung zueinander. Irgendwas: Mein Blick glitt von der Sängerin zum Gitarristen und dann etc. ? So als Vorschlag.
Als das Lied leise zu Ende ging,Vorschlag: verklang warfen einige Zuschauer Geld in das Glas vor der Sängerin und der Rest klatschte laut. Ich nicht. Dann stimmte die Band ein weiteres Lied an; Meine Frage an den Ich-Erzähler: Wieso bleibst du dann noch stehen?es klang noch trauriger als das Lied zuvor und die Sängerin schloss gefühlvoll die Augen und atmete laut ein. Die Bemerkung ist irgendwie auch ein Stolperstein.Stark mit der Hand gestikulierend sang sie von einer Mutter und ihrem Kind und Drogen und Alkohol. Ich versuchte wegzuhören. Dann geh doch einfach :mrgreen: Und während mein Blick durch die Menge schweifte entdeckte ich sie. *damm damm damm*.. Tschuldigung :mrgreen:
Sie lächelte berührt und bewegte sich im Rhythmus der Musik langsam hin und her. Sie hatte rote Wangen, vielleicht etwas zu Rot aber sie hatte schönes Haar. Wie weit steht er von ihr weg, dass ihm zuerst die Wangen auffallen? Und wieso steht das Haar im Kontrast zu den Wangen? (Immerhin steht da ein aber)Es schien zu glänzen und umspielte ihr Gesicht. In diesem Moment glaubte ich, die Sonne schien noch heller auf sie hinab und beleuchtete nur sie. *awwww* :girl: Ich beobachtete die Frau noch eine Weile heimlich, denn ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde gaffen. Dann stellte sich ein älterer Herr in mein Blickfeld und ich verlor sie aus den Augen.
Als das nächste Lied verstummte, trat sie ein Stück nach vorne und klatschte laut. Sie und die Sängerin tauschten kurz einen Blick aus und dann stimmte der Schlagzeuger das nächste Stück an, bei dem es diesmal schneller zuging. Auf einmal spürte ich ihren Blick auf mir ruhen Hat er sie nicht gerade noch heimlich beobachtet? Wieso spürt er da ihren Blick? und ich fühlte mich unwohl, also blickte ich zurück und sah, wie sie schnell ihren Blick abwandte. Dann sah ich wieder den Herrn mit dem weißen Bart.
Eine Weile schaltete ich die Musik aus wie kann er die Musik ausschalten?und mir wurde mulmig, denn mir war nicht wohl bei dem Gedanken, dass ich diese Frau angucken wollte. Ich hatte nie ernsthaftes Interesse an Frauen gehabt, jedenfalls nicht für eine lange, feste Beziehung. Ich war erfolgreich und wollte Spaß, mehr aber nicht.
Trotzdem konnte ich mich nicht davon abbringen, sie wieder mit meinem Blick einzufangen und genau dann, als ich sie angucken wollte, trat der alte Mann zur Seite und offenbarte mir die Sicht auf sie. Dann würde ich vorher schreiben, dass er nur ihr Gesicht / Oberkörper sieht, als sie sich zur Musik im Takt bewegt. Jetzt sah ich sie von oben bis unten. Sie trug eine zerrissene Jeans und ein enges, braunes Shirt und einen Moment war ich verwirrt, oder ein wenig enttäuscht, weil ich mich dabei erwischte wie ich uns verglich und darüber nachdachte, wie wir zusammen wohl wären aussähen :wink: . Doch ich verdrängte den Gedanken und suchte nach etwas Negativem an dieser Frau. Irgendwie eine süße Reaktion :mrgreen: Passt aber nicht, denn er hat ja schon was negatives gefunden: Ihr Äußeres. Denn er ist davon enttäuscht. Rein äußerlich würden wir schon nicht zueinander passen. Sie, mit ihren halbzerfetzten Jeans und ich, mit meinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd. Um meinen Hals hing eine graue Krawatte. Wir würden aussehen, als hätte ich sie frisch von der Straße geholt. Flashback zu pretty woman?
Und trotzdem fühlte ich mich von ihr gefesselt. Es sah schön aus, was sie trug. Vor allem aber war es schön, wie sie es trug. Mit einer elfengleichen Bewegung drehte sie sich zu mir um und wir sahen uns zum ersten Mal direkt an. Er hat doch schon vorhin zurückgesehen?Sie schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nicht erwiderte und dann verschwand es wieder. Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mich mirherauf. Dann ging sie zu der Sängerin, die gerade das letzte Lied zu Ende gespielt hatte und gab ihr ein Küsschen auf die Wange.
Durch meinen Kopf schwirrten einhundert Gedanken. Erst starre ich sie an und kann meinen Blick nicht von ihr abwenden und dann, wenn sie ihn erwidert und mir zulächelt, stehe ich bloß da und mache nichts. Dass muss alles in die Vergangenheit oder als direkter Gedanke gekennzeichnet werden.Gleiches gilt für den folgenden Satz. Kein Wunder, dass sie geht.
Sie verabschiedet sich von ihrer Freundin und geht die Straße runter. Zeitensprung! Auch das gehört alles in die Vergangenheit. Ich sehe eine Handtasche, die vorher nicht zu erkennen war whut? Vorhin hat er sie doch ganz gesehen?: eine mittelgroße, schwarze Tasche. Die Tasche ist passte so gar nicht zu dieser Jeans. Und der Leser fragt sich: Was ist in der Tasche? :mrgreen:


Ja, Fazit: Ein paar kleine Logikböcke sind drinnen und auch die Sprache ähnelt ab und zu eher gesprochener Sprache als Schriftsprache. Aber mit hats gefallen und ich würde gerne weiterlesen. Wenn du mehr Texte dieser Art schreibst, brauchst du dich hier nicht vor der Veröffentlichung fürchten :wink:

LG
Aki
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon neska » 08.03.2015, 12:22

Hallo Sasskia und Aki ! Danke, dass ihr meinen Text gelesen habt, ich freue mich über eure Kritik und werde mit Sicherheit Einiges an meiner Geschichte ändern. :)

Zu Sasskias Kommentar:

Du beginnst gleich mit der "Begegnung", doch dann folgt 3 ganze Absätze nicht eine einzige Erklärung, welche Begegnung du meinen könntest. Das verwirrt mich.
Vielleicht wäre besser: ...Es war ein leuchtender Sommertag.


Eigentlich war das Absicht, dass am Anfang nur von einer Begegnung gesprochen wird, obwohl der Leser nichts davon weiß. :P

Und wenn du mit "war" beginnst, irritiert mich der Zeitsprung von :
Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen bin, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Das deutsche Licht kann nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. Hier fühlt es sich an, als befände ...


Ich hab echt lange über die Sache mit den Zeitsprüngen nachgedacht, irgendwie finde ich keine Lösung. Einerseits hast du natürlich recht, dass ich die Vergangenheit benutzen müsste. Ich erklär kurz meinen Gedanken: Ich dachte mir als ich den Text geschrieben habe, dass es ja eine Erklärung ist oder eine Erzählung oder so etwas Ähnliches. Ich bin mir echt nicht sicher, ich werde es nochmal mit der Vergangenheit probieren, danke, das ist mir am Anfang echt gar nicht aufgefallen. :D

Mit langsamen, dennoch entschlossenen Schritten begab ich mich in die Richtung meiner Wohnung.

Und wo ist die? Irgendwo in Italien, wo es aufdringliche Straßenhändler gibt? Wenn die Aktivitäten auf der Straße zur Grundlage der Geschichte gehören, will ich auch wissen, wo das ist.


Da ich die Geschichte spontan und ohne Recherche geschrieben habe, habe ich leider keine genaue Idee, wo genau die Geschichte spielt. Aber da ich im Juli in Rom bin werde ich auf jeden Fall Ausschau nach einem geeigneten Ort suchen. :P

Man kommt auf den Straßen nur mühsam voran. An den Straßenseiten empfangen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen. Mich kennen sie zu gut, um es zu versuchen. Letztes Jahr habe ich ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt. Mich stören sie; sie sind aufdringlich und lassen erst locker, wenn man mit der ganzen Familie vor ihnen flüchtet und es schafft, sie abzuhängen. Sonst drehen sie einem so oder so ihre gefälschten Uhren und Brillen an.


Auch hier dachte ich wieder, dass es ja allgemein und immer so ist und damit vielleicht das Präsens geeigneter wäre, bin mir aber auch hier nicht mehr sicher und werde darüber sicher nochmal nachdenken. :o

Dann beschreibst du die Sängerin in allen Details. Warum? Um sie geht es doch gar nicht?
Und weshalb glaubst du, sie war nicht schön? Liegt Schönheit nicht im Auge des Betrachters?
Dann wäre es klar deine Entscheidung, ob schön oder attraktiv oder einfach nur durchschnittlich ist.


Ja, jetzt kommen wir zu den wirklich interessanten Fragen. Wieso ich die Sängerin in allen Details beschreibe? Weil er sie anguckt und sich Gedanken über sie macht. "Er" hat seinen eigenen Kopf :lol: . Er guckt die Sängerin an und mustert sie von oben bis unten. Dann kommt er zu dem Entschluss, dass er sie nicht schön findet. Natürlich liegt Schönheit im Auge des Betrachters: Mein Protagonist findet sie nicht schön. Das bedeuetet nicht, dass sie wirklich nicht schön ist.

Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar. Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten.

Sein Haar war wohl für deinen Geschmack zu lang, oder gibt es da eine allgemein vorgeschriebene tolerierbare Haarlänge?
Also, räusper, den Friseurtermin kann ich mir jederzeit leisten. Hingehen wird teuer


Für den Geschmack meines Protagonisten ist sein Haar zu lang. :lol: Langsam sollte klar werden, dass mein Prota nicht gerade der nette, durchschnittlich verdienende Junge von Nebenan ist. :D

Ganz viel "sie" und nicht, das Mädchen, die junge Frau. Das stört mich ein wenig, da SIE ja mächtig Eindruck auf dich gemacht hat. Und das sollte irgendwie deutlicher herauskommen.


Ja, da werde ich mir mehr einfallen lassen. :)

Aber dann verwirrst du mich völlig:

-Du bist zuerst enttäuscht, weil sie halbzerfetzte Jeans trägt, aber das ist nicht negativ?
-Andererseits würde es aussehen, als hättest du sie von der Straße geholt?


Das habe ich falsch ausgedrückt. Ich meine: Er findet sie zwar attraktiv, aber er kann sich aufgrund seines Rufs oder wie auch immer man das nennen will, nicht vorstellen, mit ihr zusammen zu sein. Ist es nicht klar geworden, dass er und sie total gegensätzlich sind.. ? :cry:


Aber okay, sie gefällt dir. Aber weshalb sprichst du sie nicht an? Feig? Oder war dein Hinweis, dass du nie ernsthaftes Interesse an Frauen gehabt hast, auf deine Vorliebe für Männer gemünzt?


Ja, sie gefällt meinem Prota. Er spricht sie nicht an, weil er zu arrogant ist und um seinen Ruf fürchtet. Da muss ich wohl deutlicher werden.

Und verflixt, was interessiert dich die Tasche, wenn die potentielle Liebe deines Lebens am Horizont verschwindet? Oder doch kein Interesse an Frauen?


Vielleicht schreibe ich ja noch weiter, die Tasche passt nicht zum Stil der zerrissenen Jeans, die mein Prota nicht so passend findet. Die Tasche hingegen schon...
Ich denke ich werde noch eine Teil schreiben. :D

Und ich weiß eigentlich mehr über die Sängerin, als über die junge Frau mit den zerissenen Jeans.

Macht sie das nicht interessant? :(
Oder macht sie das langweilig?

Auf jeden Fall: Danke für deine Kritik, ich werde den Text nochmal überarbeiten. :)


Aki:

Mit langsamen, dennoch entschlossenen Schritten die Kombination.. gibts das? Langsam und entschlossen? Verbalisier es doch: Ich schlenderte von x zu meiner Wohnung. ach ja, war da nicht gerade oben noch ein Springbrunnen? Wo ist der denn jetzt hin=


Das ist eine gute Frage, vielleicht: Mit langsam Schritten steuerte ich meine Wohnung an?
Man kann um ihn rumgehen, der nimmt ja nicht die ganze Straße ein. :P

Vielleicht hier noch ein bisschen Beschreibung von der Stadt? Außerdem Frage: Wenn es sich hierbei um einen reichen Typen handelt, kommen die Schwarzhändler denn dann wirklich in das Reichenviertel?


Ja, die Beschreibung der Stadt kommt noch. :D
Eher geht eher durch das "Normalenviertel". Reiche gehen ja nicht immer nur durch Bonzenstraßen, sie müssen ja trotzdem durch die anderen Straßen. :roll:

hat er Familie? Ich dachte, er lebt alein


Das meint er allgemein. So hab ich es erlebt, als ich in Italien war. :D Er hat keine Familie!

. Die Beschreibung stößt mir auf... erst sie, dann lied, dann Gitarrist... das hat alles keine Verbindung zueinander. Irgendwas: Mein Blick glitt von der Sängerin zum Gitarristen und dann etc. ? So als Vorschlag.


Danke, gute Idee !

Meine Frage an den Ich-Erzähler: Wieso bleibst du dann noch stehen?


Gute Frage, die berechtigt ist. Ich werde noch eine Grund einbauen, der ihn zum bleiben zwingt/bewegt. Auch wenn es nur die Menschenmasse ist, durch die er nicht durchkommt bis er "sie" entdeckt.

Wie weit steht er von ihr weg, dass ihm zuerst die Wangen auffallen? Und wieso steht das Haar im Kontrast zu den Wangen? (Immerhin steht da ein aber)


Er findet ihre Wangen zu rot, aber das Haar findet er schön. :)
Vielleicht fällt einem echt zuerst das Haar auf .. :o

Hat er sie nicht gerade noch heimlich beobachtet? Wieso spürt er da ihren Blick?

Anscheinend ist er nicht der Einzige, der jemanden entdeckt hat. :oops:

Irgendwie eine süße Reaktion Passt aber nicht, denn er hat ja schon was negatives gefunden: Ihr Äußeres. Denn er ist davon enttäuscht.


Muss ich besser ausdrücken in der Überarbeitung. Du hast recht, er findet ja schon ihre Kleidung nicht so schön und auch die Wangen. Das ist schlecht ausgedrückt. :oops:

Danke, für deinen Kommentar. :)

Ich würde gerne weiterschreiben, mal sehen, vielleicht wird daraus ja auch mehr als nur eine Kurzgeschichte. :lol:

Danke :girl:
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon KleineLady1981 » 10.03.2015, 10:32

Hallo neska.

Ich hab mir viel Zeit für deinen Text genommen. Entsprechend lang ist der Kommentar geworden. Bedenke bitte, dass das alles meine persönliche Meinung ist. Ich habe keinen der anderen Kommentare vorher gelesen. Also, immer dran denken: Subjektive Meinung :wink: :girl:

Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag. Das Licht spiegelte sich im Springbrunnen und wegen der Hitze schwitzte ich ein wenig. (Hitze und ein wenig schwitzen klingt etwas gegensätzlich. Vielleicht besser Wärme oder wegen der hohen Temperaturen oder präziser: Es war 38°C im Schatten und ich schwitzte.) Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen war, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Das deutsche Licht konnte nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. (Das mit Deutschland klingt nach einem Urlaub oder einer Dienstreise. Ich finde es fraglich, dass er dann das Deutsche Licht an seinem besten und strahlendsten Tag beurteilen kann. Btw. lässt sich strahlend wirklich so steigern?) Hier fühlte es sich an, als befände sich die Quelle des Lichts direkt über unseren Köpfen und als würde es uns in seine Wärme und Helligkeit einschließen.
Mit langsamen Schritten steuerte ich meinen Wagen an. (Klingt, als stünde der nur ein paar Meter entfernt, was aber zum restlichen Text nicht ganz passt, finde ich.) Ich wohnte etwas außerhalb von Rom, denn ich mochte es nicht, im Zentrum zu wohnen. Dort hatte man nie seine Ruhe. Aus diesem Grund war ich letztes Jahr auch aus Rom weggezogen.


Im Grunde eine schöne Einleitung, aber für die Geschichte eher irrelevant. Der Hinweis auf Deutschland, wann er umgezogen ist, warum er umgezogen ist. Alles nicht wichtig. Würde ich streichen.
Der Anfang beginnt auch mit dem Wetter, eigentlich etwas, was man nicht tun sollte ;) Ich würde es in dem Fall auch nicht machen. Du kannst das Wetter einflechten, aber die klimatischen Bedingungen scheinen mir für die Geschichte nicht wichtig.

Man kam auf den Straßen Roms nur mühsam voran. Auf den breiten Gehwegen empfingen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen. Mich kannten sie zu gut, um es zu versuchen. Letztes Jahr hatte ich ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt. Sie störten nur; sie waren aufdringlich und ließen erst locker, wenn man vor ihnen flüchtete und es schaffte, sie abzuhängen. Sonst drehten sie einem so oder so ihre gefälschten Uhren und Brillen an.
Links und rechts der Straße befanden sich kleine Geschäfte, die Massen an Kundschaft empfingen. Die Straße war dicht befahren, ab und an hupte jemand.


Die Schwarzhändler scheinen mir charakteristisch zu sein, deshalb würde ich die durchaus erwähnen. Aber weniger beschreiben (wie du es tust) als mehr zeigen. Etwa, wie der Protagonist sich eben durch Roms Straßen drängelt und ein Schwarzhändler versucht, ihm etwas aufzudrängen. Entweder blockt der Prota ihn einfach nur ab oder der Schwarzhändler erkennt zufällig, wer er ist.
Was ich persönlich aber eher für unrealistisch halte, bei der Menge an Menschen, die sich tagtäglich an ihnen vorbei schieben. Er wird nicht neben dem Händler gestanden haben, als er die Polizei auf sie gehetzt hat. Und wenn doch, halte ich das für ziemlich dumm.

Zeige, wie der Prota zwischen den Leibern, die sich durch die Straßen schieben, schwitzt und zu allem Überfluss noch von einem Schwarzhändler angelabert wird. Vielleicht ist der Prota eh schon was gereizt, weil er spät dran ist, oder einen schwierigen Kunden hatte. Aus den Geschäften strömen immer mehr Leute dazu. Und als er schließlich nicht mehr weiterkommt und genervt aufgibt, merkt er erst die Musik die gespielt wird und hört zu (er hat ja auch keine andere Wahl).

Als ich mich weiter durch die überfüllten Straßen Roms kämpfte, blieb ich mehr oder weniger unfreiwillig vor einer Band stehen. Ich wollte weitergehen, aber ich merkte schnell, dass es keinen Sinn hatte. Also gab ich auf und hörte der Band zu. Ich konnte die Sängerin sehen, die gerade den Mikrofonständer herunterschraubte. Sie trug ein schwarzes Shirt, das am unteren Rand in ein dunkles Grau, dann in ein Helles und schließlich in Weiß verlief. Das Shirt war so lang, dass ich mir nicht sicher war, ob die Frau eine Hose trug, wahrscheinlich nicht. Ich wusste nicht, ob sie schön aussah. Ihre Beine waren übersät mit Narben und ihr linkes Knie war aufgeschürft.


Du beschreibst die Sängerin so detailliert, dass ich erst dachte, sie wäre der Gegenpart. Den Satz, den ich dir markiert habe, würde ich weglassen. Er ist nicht wichtig. Weder im Sinne der Story, noch allgemein. Weiterhin, wenn der Protagonist die Narben auf den Beinen und die Schürfwunde auf dem Knie sehen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Mädel keine Hose trägt, oder eine wirklich kurze. Deine Formulierung finde ich in diesem Sinne widerspenstig.

Der Schlagzeuger schlug seine Sticks viermal aufeinander und dann stimmte die Band ein langsames Lied an. (Ich kenn das nur, dass der Drummer das macht, wenn anschließend der Saal gerockt wird. Vor langsamen Songs hab ich das noch nie mitbekommen.) Mein Blick glitt zum Gitarristen, der auf einem Hocker saß und kein Hemd anhatte. Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar. Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten. Aus guten Verhältnissen schienen die Bandmitglieder nicht zu kommen.


Die Formulierung „zu langes Haar“ ist eine Wertung. Über den Prota erfährt man nicht sehr viel, so dass ich nicht einordnen kann, inwiefern er es wertet. Ich würde die Wertung rausnehmen und die Beobachtung neutraler gestalten (passt auch zu deinem späteren Hinweis auf seine besseren Verhältnisse). Der letzte Satz ist mir zu sehr behauptet. Nur weil das Mädel vernarbt und verletzt ist, und der Gitarrist lange Haare und kein Hemd (im sommersonnigwarmen Rom, während selbst der Prota schwitzt) trägt, heißt das nicht, dass sie aus schlechten Verhältnissen kommen. Entweder präzisierst du das, indem du mehr Details aufzeigst, die diesen Schluss nahe legen, oder du lässt den Protagonisten lediglich ihren Kleidungsstil bemängeln.

Als das Lied leise ausklang, warfen einige Zuschauer Geld in das Glas vor der Sängerin und der Rest klatschte laut. Ich nicht. Dann stimmte die Band ein weiteres Lied an; es klang noch trauriger als das Lied zuvor und die Sängerin schloss gefühlvoll die Augen und atmete laut ein. Stark mit der Hand gestikulierend sang sie von einer Mutter und ihrem Kind und Drogen und Alkohol. Ich versuchte wegzuhören. Und während mein Blick durch die Menge schweifte entdeckte ich sie.


„es klang noch trauriger als das Lied zuvor“
ist mir zu sehr behauptet. Zeig es. Lass die Klänge der Gitarre ruhig und wehmütig klingen, den Schlagzeuger einen langsamen, schleppenden Takt anschlagen.
„schloss gefühlvoll die Augen“
das Adjektiv kannst du streichen, ist meiner Meinung nach überflüssig.
Das laute Einatmen lässt mich stolpern, weil ich versuche es mir vorzustellen und es mir nicht gelingen will.
„stark mit der Hand gestikulierend“
scheint mir nicht die richtige Wortwahl zu sein. Politiker die aggressive Reden halten gestikulieren stark. Das passt nicht zu einem Herz-Schmerz-Song.
Warum versucht der Protagonist wegzuhören? Berührt ihn der Song und er will das nicht? Entweder gibst du hier einen Hinweis auf den Charakter oder du nimmst den Satz raus. Vielleicht langweilt er sich auch nur, was zum nächsten Satz eher passt, das Blicke schweifen lassen.
Dass er jetzt die relevante Person entdeckt hat mich überrascht. Leider nicht unbedingt positiv. Dadurch, ich schrieb es oben schon, dass du die Sängerin so genau beschrieben hast im Vergleich zu den anderen Gestalten, hielt ich sie für das Gegenstück. Dass er dann aber eine andere sieht und hin und weg ist, hat mich etwas aus dem Erzählfluss gerissen.

Ihr Gesicht war der Band zugewandt, ich sah sie nur von der Seite. Ihr Oberkörper war alles, was ich sehen konnte und sie bewegte ihn im Rhythmus der Musik langsam hin und her. Ihr Haar gefiel mir, es war schön geschnitten und sah gepflegt aus. Die Wangen der jungen Frau waren rot, vielleicht etwas zu Rot.


Der erste Satz holpert etwas. Zumal du im nächsten Satz auch wieder das Verb Sehen verwendest.
„Schön geschnitten und sah gepflegt aus“
ist beschrieben. Da kannst du mehr rausholen, zumal ich mir unter „Schön geschnitten“ nichts vorstellen kann. Trägt sie eine Kurzhaarfrisur? Einen Bob? Fransige Stufen, die auf die Schultern fallen? Sei präziser und lass ihr Haar in der Sommersonne glänzen, leuchten, funkeln, whatever. Der letzte Satz ist zu passiv. Für einen Vorschlag fehlt mir aber Information. Warum waren ihren Wangen rot? Der Halbsatz könnte implizieren, dass sie zu viel Rouge aufgetan hat. Oder haben sich ihre Wangen im Zusammenhang mit der Musik gerötet?

In diesem Moment glaubte ich, die Sonne schien noch heller auf sie hinab und beleuchtete nur sie. Ich beobachtete die Frau noch eine Weile heimlich, denn ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde gaffen. Dann stellte sich ein älterer Herr in mein Blickfeld und ich verlor sie aus den Augen. Die Menschenmasse, die mich zum Stehenbleiben verleitet hatte, löste sich langsam auf. Ich machte keine Anstalten zu gehen.


Heimlich scheint mir nicht das richtige Wort zu sein. Ich stell mir dabei jemanden vor, der um die Häuserecke lugt, um nicht erwischt zu werden ;) Vielleicht besser verstohlen. Warum sollte sie denken, er würde gaffen? Denkst du das, wenn du jemandes Blick triffst? Gaffen hat immer so was von offenem Mund und raushängender Zunge für mich. Wie Silvester, wenn er Tweety sieht, oder Jim Carrey in „Die Maske“. ^^
„Ein älterer Herr schob sich in mein Blickfeld und ich verlor sie aus den Augen.“ Fände ich besser, weil aktiver. Weniger erzählt und mehr erlebt.
Warum machte er keine Anstalten zu gehen? Und warum löste sich die Menschenmenge auf, wenn die Band noch spielt? Haben die Zuhörer genug von schwermütigen Liedern an fröhlichen Sommertagen? Für gewöhnlich würden einzelne gehen, neue kommen. Aber dass sich eine Menge auflöst, wenn die Band noch spielt und die Musik nicht nach geschlagenen Katzen klingt, kommt mir seltsam an.

Als das nächste Lied die Sängerin verstummte, trat sie die Frau ein Stück nach vorne und klatschte laut. Sie und die Sängerin tauschten kurz einen Blick aus und dann stimmte der Schlagzeuger ein schnelleres Stück an. Im nächsten Moment spürte ich ihren Blick auf mir ruhen und ich fragte mich, ob sie mich erwischt hatte, als ich sie angeschaut hatte. Ich fühlte mich unwohl, also blickte ich zurück und sah, wie sie schnell ihren Blick abwandte. Dann sah ich wieder den Herrn mit dem weißen Bart.


Kann man leise klatschen? Das Adjektiv würde ich weglassen oder ersetzen durch etwas wie enthusiastisch oder begeistert oder so.
Was hat es mit dem Blick auf sich? Hat er eine Bedeutung? Lächeln sie sich vielleicht kurz an? Der Satz klingt, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen dem Blick und dem Lied von vorher. Für mich jedenfalls. Kennen die beiden sich?
Er spürt ihren Blick auf sich ruhen. Aber er hat sie die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen. Er muss also gesehen haben, wie sieh den Kopf wendet und ihn offen anschaut. Die Fragen, die der Prota sich stellt, würde ich erlebter schreiben.
„Hatte sie gesehen, wie ich sie die ganze Zeit angestarrt hatte?“
Den Satz „Ich fühlte mich unwohl...“ verstehe ich nicht. Wenn mich jemand ansieht und ich mich dabei nicht wohlfühle, versuche ich entweder mich dem Blick zu entziehen oder ich starre wütend zurück (was aber i. d. R. nichts bringt, deshalb ziehe ich die erste Variante vor). Wie schaut sie ihn an? Neugierig? Lächelt sie? Ist sie eher beunruhigt, beinahe aufgebracht? Welches Gefühl wird mit dem Blick transportiert?
Den weißen Bart hast du vorher nicht erwähnt. Entweder nochmal weiter oben mit einbauen oder du bleibst bei altem Mann ;)

Ich wollte das Mädchen nicht angucken.


Warum wollte er das Mädchen nicht anschauen (ein dauernd, ständig oder ununterbrochen in dem Satz fände ich passend)?

Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass ich immer noch hier bei einer gewöhnlichen Straßenband am Rand stand und eine Frau zu beobachten, die offensichtlich nicht in meiner Liga spielte.


Zum Einen, Grammatikfehler. Richtig wäre:
„Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass ich immer noch hier bei einer gewöhnlichen Straßenband am Rand stand und eine Frau beobachtete, die offensichtlich nicht in meiner Liga spielte.“
Das mit der Liga kommt mir jetzt auch zu plötzlich. In dem Text kommt bisher nicht rüber, in welcher Liga der Protagonist wirkt und auch die des Mädchens kommt nicht klar an. Sie ist nur ein hübsches Ding mit gepflegten Haaren und roten Wangen. Auch das Magen zusammenziehen kann ich nicht recht einordnen. Für mich klingt das nach Angst. Ich weiß aber nicht, ob du das damit ausdrücken wolltest.

Ich hatte nie ernsthaftes Interesse an Frauen gehabt, ich wollte Spaß, mehr nicht. Meine letzte feste Freundin hatte ich in der Schule und die Zeiten waren schon lange vorbei. Frauen wollten nur das Geld erfolgreicher Männer, nicht deren Liebe.


Hier zeigst du erstmals was über den Charakter. Ich würde das aber irgendwie früher einbauen. Zum einen, weil dann direkt klar ist, ob der Prota männlich oder weiblich ist (bei Ich-Perspektive gehe ich als Weiblein grundsätzlich davon aus, dass es ein Weiblein ist, sofern nichts Gegenteiliges geschrieben ist. Das sollte aber schon am Anfang sein, wenn man anfängt, sich in die Figur einzufühlen). Zum anderen, weil es mir als Leser die Möglichkeit gibt, sein Handeln und sein Denken ganz anders zu bewerten.
Ich würde diese drei Sätze sogar als Anfang des Textes setzen. Gerade den ersten finde ich einen guten Einstieg.

Trotzdem konnte ich mich nicht davon abbringen, sie wieder mit meinem Blick einzufangen und genau dann, als mein Blick auf sie fiel, trat der alte Mann zur Seite und offenbarte mir die Sicht auf sie.


Zwei Blicke in einem Satz, obwohl er ihn doch nie abgewandt hatte. Sie hat weggesehen, der Prota nicht. Der konnte den Blick nicht abwenden. Er versuchte es, doch er kam immer wieder zu ihr zurück, wie ferngesteuert, wie ein Eisennagel zu einem Magneten (ok, es gibt bessere Vergleiche, aber ich hatte noch kein Frühstück ^^). Zeig uns, wie er versucht, ihr zu widerstehen, wie es ihn verwirrt, dass er es nicht kann, gib uns mehr Gefühl.
„...offenbarte mir die Sicht auf sie.“
finde ich etwas steif.
„...und gab die Sicht auf das gesamte Wesen frei.“
Oder so... Den nächsten Satz kannst du dann streichen, so oder so:

Jetzt sah ich sie von oben bis unten. Sie trug eine zerrissene Jeans und ein enges, braunes Shirt und einen Moment war ich wütend auf mich selbst, weil ich mich dabei erwischte wie ich uns verglich und darüber nachdachte, wie wir zusammen wohl aussähen. Doch ich verdrängte den Gedanken und suchte nach mehr Negativem an dieser Frau. Rein äußerlich würden wir schon nicht zueinander passen. Sie, mit ihren halbzerfetzten Jeans und ich, mit meinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd. Um meinen Hals hing eine graue Krawatte. Wir würden aussehen, als hätte ich sie frisch von der Straße geholt.


Das geht mir zu schnell. Er sieht nur die Hose und das Shirt und fängt direkt an, sich mit ihr zu vergleichen, sie zu bewerten und zu verurteilen. Zerfetzte Hosen, zerschlissene Jeans sind heutzutage kein Merkmal mehr für den Lebensstandard eines Menschen. Da musst du schon mehr auffahren, um den Unterschied zwischen dem Schlipsträger und dem Mädchen deutlich zu machen. Gegensätze ziehen sich an, zeig es uns (denk mal an Pretty Woman, wie Julia Roberts aufgemacht war im Vergleich zu Richard Gere in Schlips und Kragen).

Und trotzdem war ich von ihr gefesselt. Es sah schön aus, was sie trug. Vor allem aber war es schön, wie sie es trug. Mit einer elfengleichen Bewegung drehte sie sich zu mir um und wir sahen uns zum ersten Mal direkt an. Sie schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nicht erwiderte und dann verschwand es wieder. Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mir herauf. Dann ging sie zu der Sängerin, die gerade das letzte Lied zu Ende gespielt hatte und gab ihr einen Kuss auf die Wange.


Elfengleich ist abgenutzt, es sagt nichts mehr aus.
Sie hat ihn doch vorhin schon angesehen, ihr Blick hatte auf ihm geruht und sie hatte weggeschaut, als er zurückgestarrt hatte (obwohl er sie die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen hat).
Warum erwidert er das Lächeln nicht? Will er nicht? Kann er nicht? Gehorchen ihm seine Muskeln nicht mehr, als ihr Blick direkt durch seine Augen in seine Seele floss? Verschwand das Lächeln, das breite Lächeln (breit ist in dem Sinne auch nicht sehr romantisch ^^), oder verebbte es eher, als sie merkte, dass er es nicht erwiderte? Erstarb es langsam?
„Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mir herauf.“
Der Satz verwirrt mich. Sie ist vermutlich eher verunsichert, zögerlich. Wie muss ich mir das Zucken vorstellen? Das von unten heraufschauen find ich eher praktikabel, wenn man direkt voreinander steht. Aber nicht über die Entfernung.
Was hat es mit dem Kuss auf sich? Kennen die beiden sich doch oder wollte das Mädchen sich nur für den tollen Song bedanken?

Durch meinen Kopf schwirrten einhundert Gedanken. Sie ist schön, auch wenn wir nicht zusammenpassen. Sie ist schön, trotz ihrer zu roten Wangen und diese Jeans ist schön, aber nur weil sie es ist, die sie trägt. Das Mädchen umging die Lautsprecher und holte aus einem Haufen Jacken und Taschen ihre Tasche heraus.


Hunderte von Gedanken, oder unzählige? ;) Beschrieben, nicht gezeigt. Was für Gedanken waren es? Reiß sie kurz an, lass sie uns sehen. Die Sätze danach könnten zwar die Gedanken sein, die Sätze sind aber zu lang, um als schwirrender Gedanke rüber zu kommen. Sie müssten, meines Erachtens kürzer sein, unsteter. Zumal du die Zeit wechselst. Auch wenn es Gedanken sind, musst du in der gewählten Zeitform bleiben. Du kannst sie nur bei Rückblenden oder Vorausblenden ändern.

„Sie war schön. Trotz der zu roten Wangen. Trotz der Jeans. Das macht sie nur noch schöner.“
Irgendwie so. Wobei das Wort schön zum einen nichtssagend ist und zum anderen zu oft verwendet wird in deinem Text.
Das mit dem Jacken-Taschen-Haufen kommt mir komisch vor. Sie sind auf offener Straße. Eine No-Name-Band steht dort an einer Ecke, einem Geschäft und spielt für Münzen. Da gibt es keine Garderobe oder so. Die Leute bleiben stehen, hören zu oder gehen weiter. Wo kommt der Haufen her?

Was erwartest du eigentlich? Dass sie dir hinterherläuft und dich bittet, ihr zurückzulächeln? Die Menschenmenge hatte sich schon längst verabschiedet und ich sah das Mädchen mit ihrer mittelgroßen, schwarzen Tasche die Straße runtergehen. Der Stil der Tasche passte so gar nicht zu dieser Jeans.


Der Gedankengang kommt zu sehr aus dem Nichts. Ist er enttäuscht, als er merkt, dass sie offenbar aufbricht? Dass sie nicht doch noch einen Blick für sie übrig hat? Dass er sich ärgert, nicht zurückgelächelt zu haben und sie innerlich um eine zweite Chance anbettelt?

Die mittelgroße schwarze Tasche ist zu undeutlich. Nichts davon lässt auf den Stil schließen, den du im nächsten Satz anmerkst.

Ich denke, im Kern der Geschichte geht es darum, andere nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Der Protagonist tut genau das. Bei der Sängerin, dem Gitarristen, dem Mädchen. Am Ende soll aber durch die Tasche gezeigt werden, dass der äußere Schein trügen kann, der erste Eindruck nicht immer der richtige ist. Das ist rübergekommen.

Aber du kannst viel mehr aus dem Text rausholen, wenn du mehr zeigst, wenn du die Figuren lebendiger werden lässt, ihnen mehr Charakter gibst. Mach die Gegensätze härter, deutlicher. Überleg dir genau, welchen Typ Frau dein Protagonist absolut verurteilen und geringschätzen würde. Vielleicht was mit Punk- oder Gothic-Touch? Mehrere Ohrringe, ein Nasenring, ein Lippenpiercing? Vielleicht noch ein Tattoo am Fußknöchel. Wilde große Locken? Rote Haare? Was würde überhaupt nicht in seine Armani-Anzug-Schlips-Ich-Bin-Wichtig-Welt passen?

Mach dir Gedanken über deinen Protagonisten und gib ihm ein Leben. Der Rest ergibt sich dann von ganz alleine.

Dein Text ist nicht schlecht und deine Anfangsbeschreibung von Rom hat durchaus eine Stimmung und ein Bild hervorgerufen. Aber die Örtlichkeit ist in deiner Story eher Nebensache. Genauso gut könnte sich die Szene auf Honolulu abspielen, in der Arktis oder in Deutschland. Konzentriere dich mehr auf deine Figuren. Sie sollen die Stimmung, das Gefühl, den Zwiespalt und die Erkenntnis rüber bringen.

Das war jetzt viel Kritik, ich weiß. Bitte, nimm es keinesfalls persönlich, es geht nur um den Text. Und lass dich bitte auch nicht dadurch entmutigen. Nimm von meiner Kritik, was du für angebracht und richtig hältst. Den Rest lass liegen, räum ich nachher weg.

Federgruß
Kady

PS: Wenn du ein Werk überarbeitest, kannst du die neue Version in deinem ersten Beitrag einfügen und die alte Version über den Button "alteversion=" darunter in den gleichen Beitrag setzen. Hinter das = kommt die Nummer der Version:

Code: Alles auswählen
Neuer Text
[alteversion=3]Alter Text, 3. Fassung[/alteversion]


So sieht das dann fertig aus:

Neuer Text
Version 3: (Zum Lesen bitte scrollen)
Alter Text, 3. Fassung



Das hat den Vorteil, dass man schön sehen kann, was verändert wurde und man kann beide Versionen vergleichen, falls eine Änderung doch mal nicht so toll war. :wink:
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon HERZallerliebst » 01.04.2015, 16:13

Ich habe mir jetzt nicht alle Überarbeitungen durchgelesen, werde dir aber gerne mein Feedback dazu dalassen. Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen. :)

neska hat geschrieben:Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag.


Auf jeden Fall schonmal ein Einstieg, der Spannung erzeugt. Man fragt sich: Wer ist sie? Was hat sie mit dem Protagonisten am Hut? Aber trotzdem mag mir der Satz an sich nicht ganz gefallen. Hm. Aber das 'leuchten' ist wohl beabsichtigt... Das Verb verspricht eine existenzielle Begegnung. Aber mir würde grammatikalisch ein: "Das erste Mal begegnete ich ihr an einem leuchtenden Sommertag." Aber das ist wohl Geschmackssache.

Das Licht spiegelte sich im Springbrunnen und wegen der Hitze schwitzte ich ein wenig.


Es wäre schöner, wenn du hier weniger offensichtlich wärst. Das sind zwei Fakten, die du dem Leser (in diesem Fall mir :D )vor den Latz knallst. Du könntest die Situation aber noch viel plastischer gestalten, indem du beschreibst, was der Erzähler sieht. Zum Beispiel: Es war unangenehm/interessant wie sich das Licht im Wasser des Springbrunnens brach, aber ich hatte dafür keinen Blick übrig. Viel zu ekelhaft empfand ich den Schweiß, der sich in meinen Handinnenflächen sammelte.
Du weißt, was ich meine? :D

Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen war, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen. Das deutsche Licht konnte nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten. Hier fühlte es sich an, als befände sich die Quelle des Lichts direkt über unseren Köpfen und als würde es uns in seine Wärme und Helligkeit einschließen.


Okay... man erfährt indirekt was über den Erzähler, find ich gut!
Er mag Italien, er war aber auch schon mal in Deutschland.
Aber was hat es mit der "Quelle des Lichts" auf sich? Verstehe ich nicht ganz. Es würde wohl reichen, wenn du den letzten Teilsatz nimmst: "Hier fühlte es sich an, als würde es [das Licht] einen einfach in seine Wärme und Helligkeit einschließen" Eine prägnantere Beschreibung würde hier besser wirken.

Mit langsamen Schritten steuerte ich meinen Wagen an. Ich wohnte etwas außerhalb von Rom, denn ich mochte es nicht, im Zentrum zu wohnen. Dort hatte man nie seine Ruhe. Aus diesem Grund war ich letztes Jahr auch aus Rom weggezogen.


Wortwiederholung 'wohnen'. Stört mich hier etwas. Besser wäre etwas wie: Das Zentrum war mir viel zu unruhig. Dort hatte man nie seine Ruhe. Aus diesem Grund war ich letztes Jahr auch weggezogen". Mein weiß ja, dass der Erzähler aus Rom ist, deshalb kannst du dir die Wiederholung des Stadtnamens sparen.

Als ich mich weiter durch die überfüllten Straßen Roms kämpfte, blieb ich mehr oder weniger unfreiwillig vor einer Band stehen.

Auch hier kannst du dir den Stadtnamen sparen: "Als ich mich weiter durch die überfüllten Straßen kämpfte (...)"

Ich wollte weitergehen, aber ich merkte schnell, dass es keinen Sinn hatte.

Das klingt hier irgendwie auch etwas quer. Ich würde an dieser Stelle eher beschreiben, WARUM der Prota nicht weitergehen kann.

Sie trug ein schwarzes Shirt, das am unteren Rand in ein dunkles Grau, dann in ein Helles und schließlich in Weiß verlief. Das Shirt war so lang, dass ich mir nicht sicher war, ob die Frau eine Hose trug, wahrscheinlich nicht.


Solche Beschreibungen sind irgendwie etwas langweilig (bitte nicht persönlich nehmen!) Fällt dem Prota denn nur auf, was sie trägt? Was ist mit ihrer Ausstrahlung? Mit ihrer Körperhaltung? Irgendeinem auffälligen Detail? Stell dir nur vor, du beobachtest eine Sängerin auf der Straße... was würde dir als erstes auffallen?

Ich wusste nicht, ob sie schön aussah.

Den Satz find ich toll ;)

Er war trainiert, aber er hatte zu langes Haar.

Der Satz für sich ist schon sehr aussagekräftig! Toll!

Wahrscheinlich konnte er sich keinen Friseurtermin leisten. Aus guten Verhältnissen schienen die Bandmitglieder nicht zu kommen.

Hier bist du zu offensichtlich. Entweder lässt du nur den ersten Satz stehen, dann erkennt der Leser sowieso von sich aus, was der Prota von der Band hält. Oder du lässt den ersten Satz weg, dann hat der Leser immer noch die Möglichkeit, abzuwiegeln.

Die Wangen der jungen Frau waren rot, vielleicht etwas zu Rot.

Das letzte "Rot" muss kleingeschrieben werden.

In diesem Moment glaubte ich, die Sonne schien noch heller auf sie hinab und beleuchtete nur sie. Ich beobachtete die Frau noch eine Weile heimlich, denn ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde gaffen. Dann stellte sich ein älterer Herr in mein Blickfeld und ich verlor sie aus den Augen. Die Menschenmasse, die mich zum Stehenbleiben verleitet hatte, löste sich langsam auf. Ich machte keine Anstalten zu gehen.
Als das nächste Lied verstummte, trat sie ein Stück nach vorne und klatschte laut. Sie und die Sängerin tauschten kurz einen Blick aus und dann stimmte der Schlagzeuger ein schnelleres Stück an. Im nächsten Moment spürte ich ihren Blick auf mir ruhen und ich fragte mich, ob sie mich erwischt hatte, als ich sie angeschaut hatte. Ich fühlte mich unwohl, also blickte ich zurück und sah, wie sie schnell ihren Blick abwandte. Dann sah ich wieder den Herrn mit dem weißen Bart.


Das sind ein paar Wortwiederholungen. Vielleicht könntest du da andere Alternativen finden?

Ich wollte das Mädchen nicht angucken. Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass ich immer noch hier bei einer gewöhnlichen Straßenband am Rand stand und eine Frau zu beobachten am Rand stand, um eine Frau zu beobachten, die offensichtlich nicht in meiner Liga spielte.


Was verleitet den Prota dazu, zu denken, dass sie nicht in seiner Liga spielt? Das ist aus dem Vorangegangenen für mich nicht klar geworden. Er hat sie lediglich beobachtet. Aber es gab keinen Hinweis darauf, dass sie irgendwie außergewöhnlich auf ihn wirkt.

Rein äußerlich würden wir schon nicht zueinander passen. Sie, mit ihren halbzerfetzten Jeans und ich, mit meinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd. Um meinen Hals hing eine graue Krawatte. Wir würden aussehen, als hätte ich sie frisch von der Straße geholt.
Und trotzdem war ich von ihr gefesselt. Es sah schön aus, was sie trug. Vor allem aber war es schön, wie sie es trug.


Den Absatz mag ich sehr! Außer die Krawatte, die Beschreibung könntest du gern weglassen. Bzw im vorigen Satz anfügen: "ich mit meinem schwarzen Anzug, dem weißen Hemd und der farblich passenden Krawatte"

Mit einer elfengleichen Bewegung drehte sie sich zu mir um und wir sahen uns zum ersten Mal direkt an. Sie schenkte mir ein breites Lächeln, das ich nicht erwiderte und dann verschwand es wieder. Verwirrt drehte sie sich von mir weg, zuckte noch einmal kurz zurück und blickte von unten zu mir herauf Die Beschreibung ist ein bisschen fad. Dann ging sie zu der Sängerin, die gerade das letzte Lied zu Ende gespielt hatte und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Es würde auch reichen, wenn du schreibst: Dann gin sie zu der Sängerin und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Durch meinen Kopf schwirrten einhundert Gedanken. Sie ist schön, auch wenn wir nicht zusammenpassen. Sie ist schön, trotz ihrer zu roten Wangen und diese Jeans ist schön, aber nur weil sie es ist, die sie trägt. Das Mädchen umging die Lautsprecher und holte aus einem Haufen Jacken und Taschen ihre Tasche heraus. Was erwartest du eigentlich? Dass sie dir hinterherläuft und dich bittet, ihr zurückzulächeln? Die Menschenmenge hatte sich schon längst verabschiedet und ich sah das Mädchen mit ihrer mittelgroßen, schwarzen Tasche Das musst du nicht unbedingt so detailliert beschreiben die Straße runtergehen. Der Stil der Tasche passte so gar nicht zu dieser Jeans. Äh ja. Der letzte Satz verwirrt mich. Passt nicht dazu? Warum? Ich weiß ja nicht, ob der Schluss so gewollt war. Er wirft zwar Fragen auf, aber irgendwie ist die Wichtigkeit dahinter auch nicht so richtig zu erkennen.


Okay, das ist die letzte Passage. Die muss mitreißen, die muss den Aha-Effekt haben. Aber irgendwie hatte ich mir was anderes erwartet. Der erste, direkte Blick muss für mich ergreifender rüberkommen. Der Absatz muss emotionaler sein. Du beschreibst nur, WAS geschieht, aber nicht so richtig, WIE es geschieht. Wie der Prota sich fühlt, was in ihm vorgeht. Wenn ich mir vorstelle, dass ich heimlich irgendwen beobachte, dann spüre ich da ein aufregendes Prickeln, als würde man was Verbotenes tun. Dann spüre ich Verlangen diese Person anzusprechen, spüre aber das mulmige Gefühl der Scham, weil ich nicht weiß, ob sie mich akzeptiert oder abweist. Wenn sie mich anlächelt, dann senke ich vielleicht verwirrt den Kopf oder schaue demonstrativ weg, weil ich keinen Kontakt will, fühle mich ertappt/überrumpelt/vorfreudig... Irgendwie ;)

Auf jeden Fall finde ich die Geschichte an sich, so wie sie ist, schonmal sehr gut. Aber mir fehlt hier einfach die emotionale Komponente, vor allem, weil sie ja unter der Kategorie "Romanze" gepostet wurde. Romanzen müssen für mich immer irgendwie anschmiegsam sein, mich berühren, mich mitreißen. Eine gewisse Leidenschaft offenbaren.

Ich freu mich aber schon, mehr von dir zu lesen!

Liebe Ostergrüße,
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Re: Das Mädchen mit den zerrissenen Jeans

Beitragvon Erich » 10.04.2015, 22:28

Hallo Neska, :D

auch ich möchte dir gerne einen Kommentar zu deiner Kurzgeschichte schreiben.
Deine Schilderung eines Moments, in dem ein etwas versnobter Karrierist eine junge Musikerin erblickt und sich nicht eingestehen will, was er da empfindet, liest sich lebendig und ist dir gut gelungen.

Hier, was mir aufgefallen ist:

Die erste Begegnung mit ihr war an einem leuchtenden Sommertag.


Gefühlsmäßig würde ich hier einen „strahlenden Sommertag“ wählen.

Seit ich vor drei Jahren in Deutschland gewesen war, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien zu schätzen.


Irgendwie klingt der erste Teil nicht schön. Auch sind drei Jahre eigentlich eine lange Zeit, dafür dass er noch immer darüber nachdenkt, wie schrecklich Deutschland im Vergleich zu Italien ist. Vielleicht:

Seit einem geschäftlichen Aufenthalt in Deutschland, wusste ich das Wetter und die Atmosphäre in Italien erst wirklich zu schätzen.

Das deutsche Licht konnte nicht einmal an seinen besten und strahlendsten Tagen mit dem Licht in Italien mithalten.


Das deutsche Licht und der deutsche Mensch usw. … Also das klingt schon komisch. :shock:

Das Sonnenlicht in Deutschland konnten nicht einmal an den strahlendsten Tagen mit dem in Italien mithalten.

 Auf den breiten Gehwegen empfingen Straßenkünstler Publikum für ihre nächste Vorstellung  und Schwarzhändler versuchten, ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen.


Wie sie die Leute empfangen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Auf den breiten Gehwegen sammelte sich das Publikum für die nächste Vorstellung der Straßenkünstler, während Schwarzhändler versuchten ihre Ware unwissenden Touristen zu verkaufen.


Als ich mich weiter durch die überfüllten Straßen Roms kämpfte, blieb ich mehr oder weniger unfreiwillig vor einer Band stehen.


Hier würde ich einfach konkret schreiben, wie er stehen blieb, diese vagen Formulierungen kommen nie gut. "Mehr oder weniger" würde ich hier streichen.

Ich wusste nicht, ob sie schön aussah.


Die Formulierung finde ich unglücklich. Eher:

Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich sie schön fand.


Mein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass ich immer noch hier bei einer gewöhnlichen Straßenband am Rand stand und eine Frau zu beobachten, die offensichtlich nicht in meiner Liga spielte.
 

Und eine Frau beobachtete …


Um meinen Hals hing eine graue Krawatte.


Entweder hat er sie so weit gelockert, dass sie wirklich um den Hals hängt, aber sonst passt das eigentlich nicht …

Sie, mit ihren halbzerfetzten Jeans und ich, mit meinem schwarzen Anzug, dem weißen Hemd und der grauen Krawatte.

Mit einer elfengleichen Bewegung


Bitte ein anderes Adjektiv hier! :nosad:

Sie ist schön, trotz ihrer zu roten Wangen und diese Jeans ist schön, aber nur weil sie es ist, die sie trägt.


Hier bin ich kurz ins Stocken gekommen:

Sie ist schön, trotz ihrer zu roten Wangen. Und diese Jeans ist schön, aber nur weil sie es ist, die sie trägt.

und ich sah das Mädchen mit ihrer mittelgroßen, schwarzen Tasche die Straße runtergehen. Der Stil der Tasche passte so gar nicht zu dieser Jeans.


Das Ende finde ich sehr interessant. Ist das eine Anspielung auf ihn? Er die schwarze Tasche, die so gar nicht zu ihr passt und trotzdem gehen sie gemeinsam die Straße runter? Vielleicht könnte man da noch mehr rausholen?

Das sind alles nur Vorschläge ...
Mir hat die Geschichte gefallen und auch wenn ich viel kritisiert habe, finde ich die Atmosphäre, die du erzeugst, sehr ansprechend und man hat ein lebhaftes Bild dieses Mannes vor Augen, der sich an einem schönen Sommertag in Italien verliebt.

lg Erich :D
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