[Spannung]Das Monster

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung]Das Monster

Beitragvon HFillyen » 08.07.2014, 12:46

Hallo zusammen,

ich habe mich entschlossen, auch einmal eine meine Kurzgeschichten hier zu veröffentlichen und mich eurer Kritik zu stellen. Die Geschichte war für mich eine Art Experiment und ein Projekt der Sorte "Einfach 'mal sehen...". Ich freue mich über jede Art der Kritik, egal ob positiv oder negativ.

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Das Monster

Emil schreckte auf. War da nicht ein Geräusch gewesen? Er lag in seinem Bett und wagte es nicht, sich zu bewegen. Still und ruhig lag er da und lauschte in das dunkle Zimmer. In seinen Ohren hörte er das Trommeln seines rasenden Herzens und auf seiner Stirn spürte er einen Schweißtropfen hinablaufen. Es vergingen einige Momente, doch nichts war zu hören. Emil drehte sich auf die Seite und langsam kehrte die Müdigkeit wieder zu ihm zurück. Da war es wieder! Ein hohles Kratzen. Emil war sofort wieder hellwach. Erneut verging einige Zeit ohne einen Laut, doch mit der Nachtruhe war es vorbei. In einer fließenden Bewegung schwang sich Emil aus dem Bett und sprintete zum Lichtschalter. Mit einem Klick flutete Licht das Zimmer. Er sah sich hektisch um und schnaufte noch immer vor Aufregung. Nichts war zu sehen. Nichts war zu hören. Stille. Er nahm all seinen Mut zusammen und begann alles abzusuchen. Er blickte in Schränke, Schubladen und unter das Bett, ohne etwas zu finden. Er schaltete das Licht aus und gleich darauf wieder ein, da er nicht in einem finsteren Raum liegen wollte. Er entfernte die kleine Leselampe von seinem Schreibtisch und stellte sie auf den Boden, direkt neben seinem Bett. Er knipste die kleine Lampe an, die leise summend einen hellen Lichtkegel an die Wand warf. Dann schaltete er das große Licht aus und kuschelte sich wieder in sein Bett. Er drehte sich um und lag nun mit dem Rücken zum Raum. Eine Weile beobachtete er seinen Schatten in Form eines Hügels, dann fielen ihm die Augen zu. Er träumte von einem Wesen, das heimlich durch sein Zimmer schlich und immer näher kam. Es war groß und dünn, mit langen Klauen. Gerade als es ihn erreichte, wachte er auf. Es war dunkel. Emil spürte, dass etwas nicht stimmte. Irgendetwas fühlte sich falsch an. Da war es wieder, dieses Geräusch. Diesmal lauter und eindringlicher. Er lag noch immer in seinem Bett, als ihn etwas am Hals berührte. Druck baute sich auf und ein Zucken fuhr ihm durch den Körper. Dann lag er im Bett und starrte fassungslos in den Raum. Er hatte geträumt. Schweißnass und mit schreckgeweiteten Augen setzte er sich auf und versuchte sich zu sammeln. Es war ein Albtraum, sagte er zu sich selbst, wischte mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn, atmete tief durch und ging sich mit zitternden Knien umziehen. Selten hatte er so etwas erlebt und ihm war mehr als mulmig zumute, als er seine Bettdecke und das Kissen umdrehte und wieder in das Bett kroch. Die kleine Lampe brannte noch immer. Wieder beobachtete er seinen Schatten an der Wand und überlegte, ob er auch das unheimliche Geräusch nur im Traum gehört hatte. Gerade als ihm die Augen langsam zufielen, hörte er es erneut. Emil wollte sich umdrehen, traute sich aber nicht. Zu groß war die Angst vor dem Ungewissen. Es rumpelte kurz und dann, Stille. Er starrte auf seinen Schatten, der plötzlich anfing zu wachsen und begann seltsame Formen anzunehmen. Etwas war hinter ihm im Zimmer und es kam langsam näher. Der Schreck lähmte ihn. Er konnte weder schreien, noch eine Bewegung ausführen. Wie ein Brett lag er da und beobachtete den anschwellenden Schatten an der Wand. Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen. Etwas berührte ihn. In seinem Ohr fing es an zu pfeifen, der Magen verkrampfte sich und Übelkeit stieg in ihm auf. Sein Puls raste, vor den Augen tanzten flimmernde Punkte. Dann, wie aus dem Nichts, hörte er ein Brummen. Sein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich. Er kannte dieses Geräusch. Das Brummen schwoll an und da wurde es Emil auf einen Schlag klar. Er drehte sich um und starrte in das Gesicht von Donner, seinem Kater. Er atmete erleichtert aus und streichelte das flauschige Fell, während er anfing, über sich selbst zu lachen. Donner sah Emil fragend an, kuschelte sich schnurrend an ihn und beide schliefen ein. Am nächsten Morgen fand Emil einen umgeworfenen Karton, den er unter seinem Schreibtisch abgestellt hatte. An der Innenseite waren kleine Kratzer. Donner hatte sich in dem Karton verkrochen und ihm eine der schlimmsten Nächte seines Lebens beschert. Mit einem breiten Grinsen zerkleinerte Emil den Karton und warf ihn in die Papiertonne.

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Re: Das Monster

Beitragvon magico » 08.07.2014, 13:19

Hallo HFillyen,

na dann wollen wir "einfach mal sehen", was deine Geschichte so hergibt.

In seinen Ohren hörte er das Trommeln seines rasenden Herzens...


Womit, außer mit den Ohren, kann man sonst hören? Du beziehst dich sicher auf das "in" seinen Ohren, aber da hört man nicht das Herz, sondern das Rauschen des Blutes.

Ein hohles Kratzen.


Darunter kann ich mir gar nix vorstellen. Wie klingt denn ein hohles Kratzen?

Mit einem Klick flutete Licht das Zimmer.


Flutete klingt nach Katastrophe/Überschwemmung. Eventuell "durchflutete"?

Er entfernte die kleine Leselampe von seinem Schreibtisch und stellte sie auf den Boden, direkt neben seinem Bett.


Er knipste die kleine Lampe an, die leise summend einen hellen Lichtkegel an die Wand warf.


Da die Deckenbeleuchtung noch an ist, kann die kleine Lampe keinen Lichtkegel werfen. Diese Beschreibung könntest du zeitlich nur verwenden, nachdem das "große" Licht ausgeschaltet wurde.

Dann schaltete er das große Licht aus und kuschelte sich wieder in sein Bett.


Unschön formuliert.

Druck baute sich auf und ein Zucken fuhr ihm durch den Körper.


Das klingt sehr physikalisch. Eventuell könntest du schreiben, dass er spürte, wie sich etwas an bzw. in seinen Hals drückte.

... und überlegte, ob er auch das unheimliche Geräusch nur im Traum gehört hatte.


Würde ich umstellen: "... und überlegte, ob er das unheimliche Geräusch auch (ebenfalls) nur im Traum gehört hatte."

Es rumpelte kurz und dann, Stille.


Um die Pause besser hervorzuheben, würde ich "..." oder "-" statt dem Komma benutzen.

Etwas war hinter ihm im Zimmer und es kam langsam näher. Der Schreck lähmte ihn. Er konnte weder schreien, noch eine Bewegung ausführen. Wie ein Brett lag er da und beobachtete den anschwellenden Schatten an der Wand. Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen. Etwas berührte ihn. In seinem Ohr fing es an zu pfeifen, der Magen verkrampfte sich und Übelkeit stieg in ihm auf. Sein Puls raste, vor den Augen tanzten flimmernde Punkte.


Der beste Abschnitt deines Textes. Schöner Spannungsaufbau.

Sein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich. Er kannte dieses Geräusch.


Diese zwei Sätze tauschen, sonst fragt man sich, was du nun plötzlich mit seinem Hirn sagen willst.

Am nächsten Morgen fand Emil einen umgeworfenen Karton, den er unter seinem Schreibtisch abgestellt hatte.


Und den hatte er beim Durchsuchen des Zimmers nicht beachtet? Das wäre so ziemlich das erste wo ich nachgesehen hätte. Aber gut... sonst würde die Geschichte ja nicht funktionieren.


Fazit:

Nette kleine Geschichte. Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck fast nicht zu bemängeln.
Zwei Sachen werden mir allerdings nicht klar genug:

1. Wo steht das Bett und wo die kleine Lampe? Man weiß nie, auf welcher Wand er nun den Schatten sieht und plötzlich gibt es ein "hinter ihm" im Raum? Steht das Bett nicht an der Wand? Eventuell, weil er mit dem Gesicht zur Wand liegt? Na ja... jedenfalls verwirrt das ab und zu.

2. Ist Emil ein Kind? Ich vermute es fast, wenn ich mir das Verhalten so ansehe. Dann passt es allerdings kaum, dass er den Pappkarton selbst in die Papiertonne wirft. Vielleicht ein älteres Kind.


Grüße, magico
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Re: Das Monster

Beitragvon Diemen » 08.07.2014, 13:55

Hallo auch an dich!
Eines vorweg: Es gibt nur positive Kritik. Beim Schreiben geht's nur voran oder gar nicht. :)

Still und ruhig lag er da ...

Eine Form von Stille reicht. Still und ruhig ist wie hart und fest.

Es vergingen einige Momente,...

Ein Moment ist wie Milch und Wasser eine Sache, die in sich nicht geschlossen ist. Man kann Momente nicht zählen. Besser wäre, wenn du sagts: einige Sekunden oder Minuten.

Mit einem Klick flutete Licht das Zimmer.

Hier stimme ich meinem Vorposter zu. Suche nach einer anderen Formulierung.

Er nahm all seinen Mut zusammen und begann alles abzusuchen. Er blickte in Schränke, Schubladen und unter das Bett, ohne etwas zu finden. Er schaltete das Licht aus und gleich darauf wieder ein, da er nicht in einem finsteren Raum liegen wollte. Er entfernte die kleine Leselampe von seinem Schreibtisch und stellte sie auf den Boden, direkt neben seinem Bett. Er knipste die kleine Lampe an, die leise summend einen hellen Lichtkegel an die Wand warf.

Achte auf Wortwiederholungen, vor allem bei Satzanfängen.

Es war ein Albtraum, sagte er zu sich selbst,

Das kannst du in direkter Rede schreiben, also mit den Anführungszeichen, um den Lesefluss zu fördern.

... atmete tief durch und ging sich mit zitternden Knien umziehen.

Hier habe ich zunächst geglaubt der Prot. zieht sich seine Straßenkleidung an. Erst später wurde mir klar, dass er sein Schlafgewand tauschte, weil dieses durchnässt war. Das kannst du leicht deutlicher machen.

Er konnte nichts fühlen.

Er fühlt eine ganze Menge, wie du ja ausführlich beschreibst. :wink:

Donner sah Emil fragend an, ...

Auch, wenn wir Katzenmenschen uns gerne einreden alles Mögliche in unseren vierbeinigen Kameraden zu erkennen: Katzen haben eine ausgesprochen ausdrucksarme Mimik. Fragend schauen können sie nicht.


Dein Text liest sich sehr flüssig und findet eine schlüssige Konklusion. Ein großes Problem, dass ich beim Lesen und editieren hatte war, dass du überhaupt keine Absätze gemacht hast. Für manchen Leser ist das ein Grund gar nicht erst anzufangen. Bitte denke beim nächsten Mal daran deinen Text in verdaubare Happen zu zerteilen. :)

Ansonsten hat mir die Geschichte gut gefallen. Weiter so!
Diemen
 
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 08.07.2014, 19:55

Hallo magico,
hallo Diemen,

vielen Dank dass ihr euch die Zeit genommen habt meine kleine Geschichte zu kommentieren, hat mich wirklich riesig gefreut! :mrgreen:

Ich werde in den nächsten Tagen nochmals genauer auf eure Kommentare eingehen und auch den Text entsprechend anpassen und korrigieren.

Einen schönen Abend euch noch!

MfG
HFillyen
 
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Re: Das Monster

Beitragvon DrJones » 01.08.2014, 16:46

Hallo HFillyen,

Deine Geschichte ist zum Teil spannend, doch die Spannungskurve hat einen
ungewöhnlichen Verlauf. Es steigert sich nicht kontinuierlich, sondern eher sprunghaft,
mit ungewöhnlichen Sprüngen nach unten. Vielleicht lag's ja an der Katze ... :wink:
Dennoch unterm Strich eine ganz spannende Geschichte mit einer netten Pointe am Schluss. :)



HFillyen hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich habe mich entschlossen, auch einmal eine meine Kurzgeschichten hier zu veröffentlichen und mich eurer Kritik zu stellen. Die Geschichte war für mich eine Art Experiment und ein Projekt der Sorte "Einfach 'mal sehen...". Ich freue mich über jede Art der Kritik, egal ob positiv oder negativ.

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Das Monster

Emil schreckte auf. War da nicht ein Geräusch gewesen?

Ist mir grammatikalisch zu überkorrekt. Besser: War da gerade ein Geräusch?


Er lag in seinem Bett und wagte es nicht, sich zu bewegen. Still und ruhig lag er da und lauschte in das dunkle Zimmer.

Ich würde hier nicht Begriffe wie "still" oder "ruhig" wählen, da Du ja genau
das Gegenteil beim Leser erzeugen willst. Oder?


In seinen Ohren hörte er das Trommeln seines rasenden Herzens und auf seiner Stirn spürte er einen Schweißtropfen hinablaufen.

Im Gegensatz zu still und ruhig? Für mich zu sprunghafter Anstieg der Spannungskurve. Lass' ihn
doch erstmal lauschen, bevor er so überreagiert.


Es vergingen einige Momente, doch nichts war zu hören. Emil drehte sich auf die Seite und langsam kehrte die Müdigkeit wieder zu ihm zurück. Da war es wieder! Ein hohles Kratzen.

Das gefällt mir ganz gut! :)

Emil war sofort wieder hellwach.

Das finde ich so übertrieben. Er hat doch eben noch geschlafen.

Erneut verging einige Zeit ohne einen Laut, doch mit der Nachtruhe war es vorbei.

Das sind nicht seine Worte, sondern vom Autoren in den Mund gelegt. Das spürt man hier. :(

In einer fließenden Bewegung schwang sich Emil aus dem Bett und sprintete zum Lichtschalter.

Zu übermotiviert. Übertrieben. Der hat doch gerade noch geschlafen. Da darf er ruhig zum Schalter trotten
oder ähnliches.


Mit einem Klick flutete Licht das Zimmer.

Irgendwas stimmt an dem Satz nicht. An sich ganz schön, aber ... Sorry. :oops:

Er sah sich hektisch um und schnaufte noch immer vor Aufregung.

Warum ist der denn gleich auf 100? Ich frage mich als Leser, ob es da schonmal einen
ähnlichen Vorfall gegeben hatte. Nicht ganz plausibel für mich.


Nichts war zu hören. Stille.

Doppelung. Dramatisch ganz okay. Ist mir aber zuviel.


Er nahm all seinen Mut zusammen und begann alles abzusuchen.

Zweimal "all".


Er blickte in Schränke, Schubladen und unter das Bett, ohne etwas zu finden.


Er geht mir danach zu schnell wieder ins Bett. Auch das "ohne etwas zu finden" ist zwar eine effektive
Abkürzung, hier aber hätte ich mir mehr Suchen gewünscht. Etwa so: Sah hinter den Vorhang,
öffnete die Zimmertür...

Er schaltete das Licht aus und gleich darauf wieder ein, da er nicht in einem finsteren Raum liegen wollte.

"und gleich darauf wieder ein" ist suboptimal.

Er entfernte die kleine Leselampe von seinem Schreibtisch und stellte sie auf den Boden, direkt neben seinem Bett. Er knipste die kleine Lampe an, die leise summend einen hellen Lichtkegel an die Wand warf.

Die Sätze beginnen zu oft mit "Er". Etwas mehr Variation mit "Emil" wäre schön.

Das mit dem "leise summend"
ist ein nettes kleines Detail, das mir sehr gefällt. Das kann ich mir gut vorstellen. :D :D


Dann schaltete er das große Licht aus und kuschelte sich wieder in sein Bett.

Von "kuschelte" sollte hier keine Rede mehr sein. Dein Protagonist ist beunruhigt ob dieser seltsamen
Geräusche. Wie kann er sich da ins Bett kuscheln?!


Er drehte sich um und lag nun mit dem Rücken zum Raum.

Finde ich nicht ganz plausibel. Wenn Du Angst hast, dann willst Du doch den Raum überblicken!
Rücken zur Wand, also.


Eine Weile beobachtete er seinen Schatten in Form eines Hügels, dann fielen ihm die Augen zu. Er träumte von einem Wesen, das heimlich durch sein Zimmer schlichund immer näher kam. Es war groß und dünn, mit langen Klauen. Das Wesen näherte sich ihm. Gerade als es ihn erreichte, wachte er auf. Es war dunkel. Wer hatte die Lampe neben seinem Bett ausgeschaltet? Emil spürte, dass etwas nicht stimmte. Irgendetwas fühlte sich falsch an.

Das gefällt mir, diese instinktive Unruhe. :)

Da war es wieder, dieses Geräusch. Diesmal lauter und eindringlicher. Er lag noch immer in seinem Bett, als ihn etwas am Hals berührte.

Deine Leser sind nicht dumm. Natürlich lag er noch um Bett, solange Du nichts anderes schreibst.

Druck baute sich auf und ein Zucken fuhr ihm durch den Körper.

Welcher Druck? Musste er mal aufs Klo? Welches Zucken? Erscheint
mir so übertrieben!


Dann lag er im Bett und starrte fassungslos in den Raum.

Ist das Licht nun wieder an? Bin verwirrt. Aber vielleicht ist das okay, da es Dein Protagonist
auch ist. Aber es ist mir zu unklar.


Er hatte geträumt.

Wieso ist er sich da so sicher? Lass' ihn doch zweifeln: Hatte er geträumt?

Schweißnass und mit schreckgeweiteten Augen setzte er sich auf und versuchte sich zu sammeln.

Unmotiviert!! Eben sagt er noch, er hätte geträumt, und jetzt ist er schweißnass und hat schreckgeweitete
Augen. Mache Dir doch einen Geschichtenplan, wo Du die Spannungskurve aufzeichnest und an jedem
Punkt schreibst Du, was passiert und wie sich die Panik/Angst des Emils steigert.


Es war nur ein Albtraum, versuchte er sich einzuredensagte er zu sich selbst, wischte sich mit dem seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn, atmete tief durch und ging sich mit zitternden Knien umziehen.

Er zieht sich um?! Wozu?

Selten hatte er so etwas erlebt und ihm war mehr als mulmig zumute, als er seine Bettdecke und das Kissen umdrehte und wieder in das Bett kroch.

Jetzt geht er doch wieder ins Bett. Ich dachte, er wollte sich umziehen...

Die kleine Lampe brannte noch immer. Wieder beobachtete er seinen Schatten an der Wand und überlegte, ob er auch das unheimliche Geräusch nur im Traum gehört hatte. Gerade als ihm die Augen langsam zufielen, hörte er es erneut. Emil wollte sich umdrehen, traute sich aber nicht. Zu groß war die Angst vor dem Ungewissen. Es rumpelte kurz und dann, Stille. Er starrte auf seinen Schatten, der plötzlich anfing zu wachsen und begann, seltsame Formen anzunehmen.

Mit dem Schatten gefällt mir. :) Seine Liegeposition nicht. :x


Etwas war hinter ihm im Zimmerund es kam langsam näher. Der Schreck lähmte ihn. Emil war wie gelähmt. Er konnte weder schreien, noch eine Bewegung ausführen.Wie ein Brett lag er da und beobachtete den anschwellenden Schatten an der Wand.

Du wiederholst dieselbe Aussage zu oft.

Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen. Etwas berührte ihn. In seinem Ohr fing es an zu pfeifen, der Magen verkrampfte sich und Übelkeit stieg in ihm auf.

Das "Pfeifen im Ohr" läßt mehr auf einen alten Menschen tippen. Passt nicht zu Emil.
Oder ist Emil alt?


Sein Puls raste, vor den Augen tanzten flimmernde Punkte.

Das ist einfach zuviel des Guten. Es wird unrealistisch. :( :(

Dann, wie aus dem Nichts,hörte er ein Brummen. Sein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich. Er kannte dieses Geräusch. Das Brummen schwoll anund da wurde es Emil auf einen Schlag klar.

Streichen, sonst killst Du die Pointe.

Er drehte sich um und starrte in das Gesicht von Donner, seinem Kater. Er Erleichtert atmete Emil aus und streichelte Donners flauschiges Fell, während er anfing, über sich selbst zu lachen. Er schüttelte den Kopf und lachte. Donner sah Emil fragend an, kuschelte sich schnurrend an ihnund beide schliefen ein.

Zu sprunghaft.

Am nächsten Morgen fand Emil einen umgeworfenen Karton, den er unter seinem Schreibtisch abgestellt hatte. An der Innenseite waren kleine Kratzer. Donner hatte sich in dem Karton verkrochen und ihm eine der schlimmsten Nächte seines Lebens beschert. Mit einem breiten Grinsen zerkleinerte Emil den Karton und warf ihn in die Papiertonne.

Du räumst hier am Ende Deiner Geschichte nochmal gründlich auf. Ich denke, das ist in dem Umfang
nicht nötig. Jeder weiß, dass es Donner war mit dem Kratzen. Vorschlag:

Am nächsten Morgen zerkleinerte Emil einen Karton aus seinem Zimmer, der auf der Innenseite zerkratzt war.

Das reicht völlig aus. Den Rest denkt sich der aufmerksame und kluge Leser selbst.
Man darf den Leser nicht immer so mit der Nase draufstuken und das zwei- dreimal... Irgendwann
verschränkt er dann zu Recht die Arme vor der Brust.


H. Fillyen


Also ich fand die Geschichte zum Teil spannend mit einer drolligen Pointe am Ende.


Viele Grüße,

DrJones
Zuletzt geändert von DrJones am 11.02.2015, 21:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 01.08.2014, 17:35

Hallo DrJones,

vielen Dank auch an Dich für die ausführliche und ehrliche Kritik! :mrgreen:

Wie bereits weiter unten angekündigt, werde ich noch auf alle Kritiken eingehen und den Text auch entsprechend anpassen und verändern - aktuell zieht sich das alles nur ein bisschen in die Länge.

Einen schönen Abend noch!

MfG
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Re: Das Monster

Beitragvon Smallskx » 11.09.2014, 22:34

Hallo H.Fillyen,

ich dachte, weil mir die Kurzgeschichte eigentlich sehr gut gefallen hat, lasse ich auch mal einen Kommentar da.

Anfangs wusste ich nicht so was ich von der Idee halten sollte. Ich hatte einfach mal so nach dem Zufallsprinzip auf das Thema geklickt und dann die ersten paar Sätze gelesen und da wusste man ja schon so ungefähr was Sache war. Junge liegt abends im Bett, hört gruselige Geräusche - kennt man ja irgendwie. Die Geschichte hat mich trotzdem gepackt. Für eine Kurzgeschichte richtig spannend. Ich konnte mich vollkommen in Emils Lage hineinversetzen. Die Verbesserungen, die ich unten noch anhänge, sind möglicherweise geschmacksabhängig. Du musst sie nicht annehmen aber ich schreibe sie einfach trotzdem mal auf. :)

Er schaltete das Licht aus und gleich darauf wieder ein, da er nicht in einem finsteren Raum liegen wollte. Er entfernte die kleine Leselampe von seinem Schreibtisch und stellte sie auf den Boden, direkt neben seinem Bett. Er knipste die kleine Lampe an, die leise summend einen hellen Lichtkegel an die Wand warf. Dann schaltete er das große Licht aus und kuschelte sich wieder in sein Bett. Er drehte sich um und lag nun mit dem Rücken zum Raum.


Die Wortwiederholung am Satzanfang macht sich in den ersten drei Sätzen gut, sie lässt das Ganze wie eine Aufzählung klingen und verdeutlicht Emils Nervosität. Bei den folgenden Sätzen stört mich es mich allerdings irgendwie, dass du den gleichen Satzbau benutzt hast. Vielleicht " Dann schaltete er das große Licht aus, kuschelte sich wieder in sein Bett und vergrub sein Gesicht im Kissen. Er lag nun mit dem Rücken zum Raum." ?

Eine Weile beobachtete er seinen Schatten in Form eines Hügels, dann fielen ihm die Augen zu. Er träumte von einem Wesen, das heimlich durch sein Zimmer schlich und immer näher kam. Es war groß und dünn, mit langen Klauen. Gerade als es ihn erreichte, wachte er auf.


Die markierte Stelle würde ich etwas ausführlicher oder bildlicher schreiben, um mehr Spannung zu erzeugen. Vielleicht wie sich das Wesen auf ihn zu bewegt oder die Klauen ausstreckt.

Er lag noch immer in seinem Bett, als ihn etwas am Hals berührte.


Die Stelle fand ich gut!! Ist zwar schlicht geschrieben, hat bei mir aber eine enorme Wirkung hervorgerufen. Ab dieser Stelle war ich dann richtig in der Geschichte drin.

Dann lag er im Bett und starrte fassungslos in den Raum.


Fassungslos passt nicht ganz wie ich finde. Vielleicht nervös oder beunruhigt?

Emil wollte sich umdrehen, traute sich aber nicht. Zu groß war die Angst vor dem Ungewissen. Es rumpelte kurz und dann, Stille.


Der Teil ist gut gelungen aber ich würde hinter dem ", Stille." vielleicht einen Absatz machen.

Er konnte weder schreien, noch eine Bewegung ausführen. Wie ein Brett lag er da und beobachtete den anschwellenden Schatten an der Wand. Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen. Etwas berührte ihn. In seinem Ohr fing es an zu pfeifen, der Magen verkrampfte sich und Übelkeit stieg in ihm auf. Sein Puls raste, vor den Augen tanzten flimmernde Punkte.


Zu nebensächlich. Die Spannung steigt mit den Aufzählungen "Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen." und um das zu halten, musst du entweder wieder in den Aufzählungsrhythmus rein oder ihn mit den anderen beiden Sätzen verbinden, damit die Spannungskurve weiter in die Höhe gehen kann. Momentan wird sie mit dem Satz etwas gebremst. Eine Möglichkeit: "Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen, spürte dann eine Berührung an seinem Bein. In Emils Ohr fing es an zu pfeifen und Übelkeit stieg in ihm auf." Den folgenden Satz würde ich streichen, sonst "überbeschreibst" du das.

ein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich.


Würde ich streichen.

Sein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich. Er kannte dieses Geräusch. Das Brummen schwoll an und da wurde es Emil auf einen Schlag klar. Er drehte sich um und starrte in das Gesicht von Donner, seinem Kater.


Ich persönlich fände es spannender, wenn Emil bis zu dem Zeitpunkt an dem er Donner sieht im Unklaren über das Geräusch bleibt aber das ist wirklich nur eine kleine Bemerkung am Rande!

Er atmete erleichtert aus und streichelte das flauschige Fell, während er anfing, über sich selbst zu lachen. Donner sah Emil fragend an, kuschelte sich schnurrend an ihn und beide schliefen ein.


Geht mir ein wenig zu schnell. Ich würde erst beschreiben wie Emil seinen Schockzustand überwindet bevor er anfängt zu lachen.

Ansonsten fand ich den Text - wie bereits gesagt - richtig gut. Am besten war die Stelle, wo er spürte, dass ihn etwas am Hals berührt. Himmel, wenn ich mir das nur vorstelle. Ich hätte zu dem Zeitpunkt schon längst einen Herzinfarkt bekommen. :D
Die Pointe am Schluss war echt knuffig.
Und ich mag den Namen Donner. :3

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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 15.09.2014, 21:45

Hallo Smallskx,

auch Dir vielen Dank, dass Du meine kleine Geschichte gelesen und kommentiert hast. :D

Ich habe bereits angefangen die Kommentare zu lesen und bereite auch schon eine entsprechende Antwort, sowie eine überarbeitete Version des Textes vor - Dich nehme ich da natürlich noch gerne hinzu. Es dauert leider etwas länger als geplant, wird aber definitiv noch zu Ende gebracht. Ich lasse mir nur gerne etwas Zeit - man soll ja auch aus seinen Fehlern lernen.

MfG
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Re: Das Monster

Beitragvon WindupBird » 26.09.2014, 09:47

Hallo HFillyen,

mir hat deine Geschichte gut gefallen und ich würde, auch wenn du bereits mit der Überarbeitung begonnen hast, gerne noch meinen Senf dazu geben..

HFillyen hat geschrieben:Emil schreckte auf. War da nicht ein Geräusch gewesen? Er lag in seinem Bett und wagte es nicht, sich zu bewegen. Still und ruhig lag er da und lauschte in das dunkle Zimmer. In seinen Ohren hörte er das Trommeln seines rasenden Herzens und auf seiner Stirn spürte er einen Schweißtropfen hinablaufen.


Die bereits angesprochenen Punkte werde ich nicht erneut aufgreifen, aber ich empfinde Emils anfängliche Reaktion auch als etwas übertrieben. Mir gefällt es, dass er das Geräusch zunächst in Frage stellt, aber anstatt mit Panik könnte er im ersten Schritt doch mit erhöhter Wachsamkeit reagieren?
Alternativ könnte er das Geräusch auch sicher wahrnehmen (anstatt das Auftreten zu hinterfragen) und es als äußerst beunruhigend einschätzen bzw. es mit etwas beängstigendem, bereits bekannten assoziieren. (Diese Variante würde meines Erachtens zwar die Reaktion erklären, dafür aber den allmählichen Spannungsaufbau stören.)

HFillyen hat geschrieben:Emil war sofort wieder hellwach.

Ich würde schreiben: "Emil war jetzt hellwach." Anfangs war er nur aufmerksam, denn er gaubte ein Geräusch vernommen zu haben. Jetzt aber kommt die (kindliche?) Angst, denn das Geräusch ist da und in seinem Zimmer!

HFillyen hat geschrieben:In einer fließenden Bewegung schwang sich Emil aus dem Bett und sprintete zum Lichtschalter.

Wenn es sich bei Emil um ein Kind handelt, finde ich das Verhalten glaubwürdig.

HFillyen hat geschrieben:Dann schaltete er das große Licht aus und kuschelte sich wieder in sein Bett.

Kuscheln verbinde ich mit Wohlbehagen, das passt hier nicht rein. Er konnte zwar keine direkte Gefahr erkennen, doch das Geräusch war da und so schnell fährt er nicht runter.

HFillyen hat geschrieben:Er drehte sich um und lag nun mit dem Rücken zum Raum.

Ich muss DrJones damit Recht geben, dass der Rücken zur Wand greifbarer wärer, aber schließlich funktioniert sonst dein Spiel mit den Schatten nicht, welches mir sehr gut gefallen hat :)
Zudem erklärst du ja später, dass er zuviel Angst hat sich der Gefahr bzw. dem Ungewissen direkt zu konfrontieren, er bevorzugt das vermeintlich schützende Einhüllen in seine Bettdecke.

HFillyen hat geschrieben:Er lag noch immer in seinem Bett, als ihn etwas am Hals berührte. Druck baute sich auf und ein Zucken fuhr ihm durch den Körper.

Gefällt mir sehr gut dieser Teil! Bei der Beschreibung des Zuckens denke ich sofort an Einschlafmyoklonien.. Erst ist er wieder am eindämmern, seine Phantasie baut das Szenarie auf und dann das Zucken, sehr schön :)

Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie die kleine Lampe direkt neben dem Bett solche Schatten werfen soll, aber die Situation kommt trotzdem rüber und man kann die Szene gut verstehen.
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 09.10.2014, 10:46

WindupBird hat geschrieben:Hallo HFillyen,

mir hat deine Geschichte gut gefallen und ich würde, auch wenn du bereits mit der Überarbeitung begonnen hast, gerne noch meinen Senf dazu geben..

Super, danke Dir für den Kommentar. Umso mehr verschiedene Beiträge man hat, umso besser kann man den Text überarbeiten ... :mrgreen:

MfG
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Re: Das Monster

Beitragvon Heisenberg » 09.10.2014, 16:36

Moin,

ich möchte dann auch mal meine (mehr oder minder wichtigen) Gedanken hinterlassen.

Vorab:
Was mich etwas stört, sind fehlende Absätze. Das macht es manchmal ermüdend, zu lesen, rein optisch. Das ist natürlich schnell zu verbessern, daher nur als Rat / Anmerkung / Vorschlag!

Allgemeines

Das beginnt und entwickelt sich natürlich als "klassische" kleine Gruselgeschichte: Person liegt im Bett (wahlweise zu ersetzen mit: "Ist allein daheim" etc. etc.) und hört mysteriöse beängstigende Geräusche, und das ganze Unheil nimmt seinen Lauf. Die bekannte Monstergeschichte, die - das ist kein Vorwurf - schon gefühlte tausendmal erzählt worden ist, mehr oder weniger interessant.
Und da liegt dann auch der Knackpunkt: Man kann eine Geschichte, die es schon hundertfach so oder ähnlich gegeben hat, entweder trotzdem interessant oder sterbenslangweilig erzählen. Tatsächlich ist es dir zumindest gelungen (und das war, das verstehe ich so, auch Ziel der Übung), das bekannte Thema zwar nicht unbedingt neu zu erfinden, aber durchaus spannend genug zu erzählen, dass man auch bis zum Ende liest. Zur Pointe schreibe ich später noch etwas.

Details

Der Anfang:
Emil schreckte auf. War da nicht ein Geräusch gewesen?

Das ist natürlich der typische Beginn. Ist riskant, ich hätte beinahe hier schon abgebrochen. Aber wenigstens stimmt das vom Tempus her. Außerdem lese ich meist bis zum Ende. Erwähnen möchte ich es dennoch. Ich habe jetzt zwar keinen Gegenvorschlag, aber vielleicht gibt es da noch Möglichkeiten, die dir noch einfallen?

Er lag in seinem Bett und wagte es nicht, sich zu bewegen. Still und ruhig lag er da und lauschte in das dunkle Zimmer.

Zweimal "lag", kurz hintereinander. Geht in Ordnung, wirkt aber unschön.
Dann: Er ist bestimmt nicht "ruhig", das würde ich streichen. Ebenso wie "still". Erstens wird davor bereits erwähnt, dass er es nicht wagt, sich zu bewegen. Zweitens mag ich nicht glauben, dass er wirklich noch ruhig sein kann, wenn er jetzt schon Probleme hat.
Den letzten Teil ("...und lauschte in das dunkle Zimmer") finde ich dagegen sehr gut.

Übrigens gefällt mir
Ein hohles Kratzen.

dieses Bild / diese Formulierung. Ist tatsächlich nett unheimlich.

Aber hier
Emil drehte sich auf die Seite und langsam kehrte die Müdigkeit wieder zu ihm zurück. Da war es wieder! Ein hohles Kratzen. Emil war sofort wieder hellwach.

ist mir ein Emil zuviel.
Überhaupt fällt auf, dass du sehr oft "Emil" schreibst. Es genügt völlig, den Namen zu erwähnen und dann auf "Er" umzuschalten. Es sei denn, es wird nicht klar, welches Subjekt gemeint ist.

schwang sich Emil aus dem Bett und sprintete zum Lichtschalter.

"Sprinten" ist nach meinem persönlichen Geschmack ein absolut furchtbares Wort. Aber wie gesagt, das ist eher subjektiv zu sehen.

Nichts war zu sehen. Nichts war zu hören. Stille.

Die "Stille" kommt mir hier redundant vor.

Er träumte von einem Wesen, das heimlich durch sein Zimmer schlich und immer näher kam. Es war groß und dünn, mit langen Klauen.

Hier könntest du natürlich noch etwas ausufernder werden und das Wesen en detail beschreiben. Wenn man Angst hat, kann man unter Umständen eine Menge Phantasie entwickeln...

Druck baute sich auf und ein Zucken fuhr ihm durch den Körper.

Der ganze Satz (insbesondere der Anfang) ist irgendwie schräg. Das klingt nach nichts.

Hier kommt eine leicht problematische Passage:
Dann lag er im Bett und starrte fassungslos in den Raum. Er hatte geträumt. Schweißnass und mit schreckgeweiteten Augen setzte er sich auf und versuchte sich zu sammeln. Es war ein Albtraum, sagte er zu sich selbst, wischte mit seinem Ärmel den Schweiß von der Stirn, atmete tief durch und ging sich mit zitternden Knien umziehen. Selten hatte er so etwas erlebt und ihm war mehr als mulmig zumute, als er seine Bettdecke und das Kissen umdrehte und wieder in das Bett kroch.

Den ersten Satz kannst du eigentlich weglassen. Er schwächt Satz 3 (fett) ab, der den Zustand des Protagonisten wesentlich besser und anschaulicher beschreibt.
Dass er sich umziehen geht (unterstrichen) ist verständlich, aber hier hast du eine Gelegenheit nicht ergriffen: Er könnte Angst und Panik empfinden, das Umziehen könnte ein Kampf gegen diese Gefühle, gegen die Furcht werden. Stattdessen fasst du es nur zusammen. Er muss ja immerhin das (sichere) Bett dazu verlassen und so weiter.

Dies
Wieder beobachtete er seinen Schatten an der Wand und überlegte, ob er auch das unheimliche Geräusch nur im Traum gehört hatte.

hingegen ist sehr gut. Die Frage, was eigentlich Traum und was Wirklichkeit ist, die stellt man sich in unruhigen Nächten sehr häufig.

Wie ein Brett lag er da und beobachtete den anschwellenden Schatten an der Wand. Er konnte nichts denken. Er konnte nichts fühlen. Etwas berührte ihn. In seinem Ohr fing es an zu pfeifen, der Magen verkrampfte sich und Übelkeit stieg in ihm auf. Sein Puls raste, vor den Augen tanzten flimmernde Punkte

Schönes buchstäbliches Anschwellen von (An-)Spannung und Angst.
Aber
Sein Hirn lief auf Hochtouren und irgendetwas in ihm regte sich.

diese Formulierung schwächt die ganze Vorleistung ab. Ich würde ihn streichen.
(Außerdem liest sich das seltsam...)

Zum Ende / zur Pointe:
Er kannte dieses Geräusch. Das Brummen schwoll an und da wurde es Emil auf einen Schlag klar. Er drehte sich um und starrte in das Gesicht von Donner, seinem Kater. Er atmete erleichtert aus und streichelte das flauschige Fell, während er anfing, über sich selbst zu lachen. Donner sah Emil fragend an, kuschelte sich schnurrend an ihn und beide schliefen ein. Am nächsten Morgen fand Emil einen umgeworfenen Karton, den er unter seinem Schreibtisch abgestellt hatte. An der Innenseite waren kleine Kratzer. Donner hatte sich in dem Karton verkrochen und ihm eine der schlimmsten Nächte seines Lebens beschert. Mit einem breiten Grinsen zerkleinerte Emil den Karton und warf ihn in die Papiertonne.

Hier könntest du dich lieber weiter mit dem Geräusch, den Schatten und eventuellen Erklärungsversuchen beschäftigen. Eventuell könnte Emil sich ausmalen, was das Monster mit ihm anstellen könnte und so weiter.
Die Pointe ist nicht unbedingt neu, aber absolut in Ordnung.
Sie zieht sich aber etwas zu lang, sodass sie weitaus weniger wirkt, als wenn sie urplötzlich in den letzten zwei bis drei Sätzen gekommen wäre.

Fazit

Insgesamt kein schlechter Text. Die Grundidee ist nicht neu und einfach, so wie die Pointe auch, welche etwas zu lang vor- bzw. nachbrennt.
Trotzdem hat der Text teils recht gelungene Passagen, welche die Beklemmung durchaus gut und insbesondere anschaulich machen. Hier und da vielleicht etwas kürzen, dafür anderes mehr ausbreiten (siehe: Das Umziehen z.B.).
Sprachlich geht das bis auf ein paar Schnitzer in Ordnung.

Dankesehr,

Gruß,

H.
Heisenberg
 
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 19.10.2014, 12:15

Hallo Heisenberg,

vielen Dank für Dein ausführliches Feedback. :mrgreen:

MfG
HFillyen
 
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 13.12.2014, 16:41

So, ich bin nun so gut wie fertig mit dem Durcharbeiten der verschiedenen Vorschläge und Anmerkungen. Es ist viel Positives und einiges Negatives an dem Text zu finden und ein erneutes Lesen von meiner Seite, hat auch noch einige kleinere und größere Mängel hervorgebracht.

Auffallend sind einige Fehler, beziehungsweise Sprünge, im Spannungsaufbau und im Ablauf, auf die ich von euch auch hingewiesen wurde. Hier muss nachgebessert werden.

Auch die teilweise häufigen Wortwiederholungen, sind mehrfach angesprochen worden, und sollten demnach ersetzt werden.

An einigen Formulierungen haben sich die Geister geschieden, weshalb ich deren Nutzung nochmals überdenken werde.

Der Protagonist ist vielleicht auch etwas zu undurchsichtig geraten, wobei dieser Punkt absichtlich so gestaltet wurde - es sollte sich möglichst jeder mit der Figur identifizieren können. Dieser Punkt wurde aber durch die teils überzogenen Reaktionen zunichte gemacht, weshalb auch hier einige größere Veränderungen angebracht wären.

Die nicht vorhandenen Absätze, die ebenfalls angesprochen wurden, sind mir im Nachhinein ebenfalls ein großer Dorn im Auge und gehören definitiv ergänzt.

Die letzten angesprochenen Punkte, waren noch das Ende, sowie das Einschalten der kleinen Lampe und der Satz mit dem Kleiderwechsel, welche alle mehrfach angesprochen wurden. Auch hier wären einige kleinere Veränderungen durchaus sinnvoll.

Positiv aufgefallen ist die allgemein wohl recht annehmbare Rechtschreibung, was mich wirklich sehr freut, da es für mich ein ausgesprochen wichtiger Punkt ist.

Außerdem wurden einige spielerische Formulierungen, sowie eine recht lange Passage mehrfach lobend erwähnt; auch das hat mich natürlich sehr gefreut.

Mein Fazit, das ich aus den zahlreichen Kommentaren ziehen kann, ist, noch etwas mehr Zeit und Überlegung in die Texte zu investieren und das Geschriebene auch eventuell einige Wochen liegen zu lassen, um im Anschluss vielleicht noch einige kleinere Patzer selbst entdecken und beheben zu können.

Ich habe mich letztlich auch dazu entschieden, diesen Text nicht zu überarbeiten, sondern eine neue und etwas längere und ausführlichere Geschichte, unter Berücksichtigung der genannten Kritikpunkte, zu verfassen. Da sich der Text wahrscheinlich teilweise stark verändert und auch einige Abschnitte neu hinzukommen, kann der "neue Text" sicherlich auch als neues Werk eingestuft werden. Der Grund dafür ist, dass etwa die Hälfte des alten Textes wegfallen, beziehungsweise ersetzt werden würden und sicherlich 3/4 der Geschichte umgeschrieben werden müsste. Eine neue Geschichte, die auf dem Gerüst der Alten aufbaut, ist - so denke ich zumindest - eine bessere Wahl.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei euch allen bedanken, dass ihr die Geschichte gelesen und so ausführlich kommentiert habt; es hat mir wirklich sehr weiter geholfen und ich werde sicher noch öfters einen Blick darauf werfen.

MfG
HFillyen
 
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Re: Das Monster

Beitragvon DrJones » 14.12.2014, 17:38

Halo HFillyen,
Warum machst Du Deine Kurzgeschichte nicht perfekt, anstatt
jetzt einen größeren Text daraus zu machen - mit den damit
verbundenen Problemen, die sich automatisch wieder ergeben?
Dann hast Du nämlich einen neuenText, den es auch wieder zu
korrigieren/überarbeiten/besprechen gilt.


Du hast auch geschrieben:

Der Grund dafür ist, dass etwa die Hälfte des alten Textes wegfallen, beziehungsweise ersetzt werden würden und sicherlich 3/4 der Geschichte umgeschrieben werden müsste. Eine neue Geschichte, die auf dem Gerüst der Alten aufbaut, ist - so denke ich zumindest - eine bessere Wahl.


Ja, das habe ich auch oft, dass 3/4 oder mehr umgeschrieben werden müssten.
Das ist oft besser als einen neuen Text zu
schreiben, in dem 190% umgeschrieben werden müsste.


Ein klein wenig verwundert und Dir einen schönen Abend wünschend,

DrJones
Zuletzt geändert von DrJones am 22.04.2015, 07:39, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Das Monster

Beitragvon HFillyen » 21.01.2015, 21:50

Hallo DrJones,

danke für Deine Rückmeldung. :mrgreen:

Im Prinzip ist es relativ egal, was ich genau mache, aber vermutlich ist es sinngemäßer, den hier präsentierten Text entsprechend anzupassen. Ich werde eine entsprechende Überarbeitung vornehmen und im alten Text die am meisten kritisierten Stellen rot, die positiv angesprochenen Stellen grün markieren und ihn - sofern das von der Moderation geduldet ist - in einem Spoiler-Button mit entsprechender Anmerkung stehen lassen. Der von mir überarbeitete Text, wird dann auch wieder hier im Startpost eingestellt. So kann man die beiden Texte gut vergleichen und sieht die vorgenommenen Änderungen recht schnell.

Es kann allerdings wieder einige Zeit vergehen, bis sich in dieser Sache etwas tut, da derzeit bereits fleißig an anderen Schreibprojekten getippt wird. :wink:

MfG
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