Das Outing - Ich bin was ich bin

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Re: Wie reagiert ihr, wenn...

Beitragvon Mellanie » 18.07.2013, 12:46

Also ich lache eher und spiele es herunter, schließlich habe ich meine Geschichte noch nicht fertig und auch nichts veröffentlicht. Meine Mutter hat es gleich der ganzen Verwandtschaft erzählt, das hat mir sehr geschmeichelt. :love:
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Re: Wie reagiert ihr, wenn...

Beitragvon [Lena] » 18.07.2013, 13:17

Hmmm.

Also mein Freund ist total stolz auf mich und liebt meine Geschichten (Wer weiß, wieso...)
Sonst wissen eigentlich nicht so viele Leute davon. Ich bin eine absolute Perfektionistin und wenn etwas noch nicht fertig ist, dann zeige ich es auch noch nicht.
Geht mir auch so mit gemaltem oder gezeichneten. Wenn es noch nicht fertig ist, dann soll es noch keiner sehen.

Dass ich Schreibe, weiß eigentlich so gut wie jeder in meiner FAMILIE. Aber sie wissen halt, dass ich mir gerne Geschichten ausdenke und bei Familienfeiern für lustige Gedichte oder Reden zuständig bin. Aber das wars. Gelesen hat meine Mom bis jetzt nur eine Kurzgeschichte und die fand sie nicht schlecht, aber vertraut mal auf die Meinung eines Familienmitglieds, die dich ja nicht verletzten will :D

Mein Freund schaut mir des öfteren über die Schulter und wenn ich gar keine Idee oder keinen PLan mehr habe, wie es weitergehen soll, dann ist er die erste Anlaufstelle für neue Ideen. Er schreibt selbst und wir ergänzen uns da ganz gut.

Trotzdem hab auch ich ein komisches Gefühl in der Magengegend, wenn ich Freunden absage, weil ich grad so im Schreibfluss bin und sie mich fragen, wieso ich denn nicht kann.
Sie finden es alle toll, dass ich ab und zu schreibe, aber trotzdem wissen sie nicht, dass ich mehr als "Hobbyschreiben" will. Ich mein, ich bin noch jung. Ich hab (hoffentlich) noch mein ganzes Leben vor mir und Zeit ohne Ende, um irgendwann einen Roman fertigzustellen und eventuell sogar veröffentlichen zu können.

Wie dann meine Umwelt darauf reagieren würde, das weiß ich nicht genau.
IN Büchern werden ja immer wieder eigene Fantasien usw. verarbeitet und es wäre dann doch seltsam, wenn alle erfahren würden, was ich mir insgeheim so wünsche :D

Wenn ihr versteht, was ich meine :D
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Dingelchen » 18.07.2013, 14:11

Also ich persönlich hab manchmal eher die Angst, dass die Leute Fragen, was ich so schreibe :mrgreen: . Besonders wenns nur so entfernte Bekannte sind *g*.
Ansonsten hab ich überhaupt kein Problem damit, zu meinem Hobby zu stehen. Ich bin halbwegs der deutschen Sprache mächtig (ist ja heute auch nicht mehr selbstverständlich), mach mir Gedanken über sehr vieles, beobachte gerne, und habe gewisse Interessen. Was ist daran denn bitte schlecht? ;)

Gut, vielleicht gibt es manchmal Vorurteile von wegen zurückgezogener, schüchtener Autor im Elfenbeinturm, aber ich persönlich habe diese Erfahrung noch nicht gemacht. Mach das zwar nur hobbymäßig, hatte allerdings mal mit dem Gedanken gespielt, ein spezielles Studium in dieser Richtung zu machen, was im Großen und Ganzen auch ganz gut aufgenommen wurde. Bis auf "Bringt dir das was, kann man davon leben?", aber so siehts ja mit etlichen anderen Studienrichtungen auch aus :mrgreen:

Für mich zählen Geschichten und Kreativität, die für meinen Geschmack vor lauter Autobiographien oder Gesellschaftliche und soziale Themen etwas untergehen.

Aber ein Buch ist nun mal eines der Medien, womit man zig Menschen gut erreichen kann. Von daher finde ich gesellschaftliche und soziale Themen in Büchern berechtigt. Und gerade diese Themen wurden schon vor Jahrhunderten in Büchern abgehandelt.
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Helfstyna » 18.07.2013, 22:20

Ich habe festgestellt, dass es gar nicht so ein extremes "Outing" ist, weil viel mehr Leute schreiben, als man sich eigentlich vorstellen kann.
Bei mir kommt allerdings noch hinzu, dass ich lange beruflich geschrieben habe (Tageszeitung) und es da für viele nicht wirklich verwunderlich war, dass ich auch so vor mich "hinkritzele".

Aber ich sehe da jetzt auch keinen großen Unterschied zu anderen Hobbies. Die einen Zeichnen, andere Stricken, der nächste geht Angeln, ich schreibe eben.
Schiefe Blicke gibt es höchstens mal, wenn ich damit rausrücke dass mein Herz für Horror schlägt, aber das bin ich gewöhnt :XD:
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Brigantia » 19.07.2013, 07:55

Meiner Familie und meinen Freunden habe ich nie gesagt, dass ich schreibe. Das gehört schon immer zu mir. Wie andere schon immer reiten, schreibe ich eben schon immer. Was die Menschen verwundert ist, dass wir immer noch in einem beschaulichen Ein-Familien-Haus wohnen, immer noch nur ein in die Jahre gekommenes Auto fahren und nicht ständig in der Welt unterwegs sind. Wo wir doch jetzt so viel Geld haben. :mrgreen:
Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnllichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen.
(Boris Pasternak)
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Wolfstraum » 20.07.2013, 19:31

Das ich schreibe, das weiß eigentlich jeder, der mich kennt. Nicht weil ich es sagen würde, sondern weil man mich selten erwischt, wie ich etwas anderes tue wenn ich gerade Zeit habe. Vielleicht hilft mir da auch ein bisschen weiter, dass mein Ehemann Germanist ist und meine Schreibsucht dementsprechend immer und immer wieder aus voller Kraft unterstützt. Er selbst ist zwar nicht schreibaffin, aber ihm etwas vorzulesen und dann die wissenschaftliche Meinung zu hören, ist für mich immer wieder hilfreich.

Für mich selbst bedeutet es aber wenig, was andere Menschen über das denken, was ich tue. Ich leiste mir den Luxus, darüber zu stehen. Natürlich fällt man damit auf die Nase, man verliert einige oberflächliche Bekannte, die damit nicht umgehen können. Aber für mich ist eher wichtig, dass ich mir selbst treu bleibe. Andere Menschen gehen auf den Fußballplatz - ich besuche die Welten, die ich mir ausdenke. Andere sammeln vielleicht Karten oder kleine Porzellanfiguren - ich sammle Bücher und geschriebene Worte.

Wenn ich wütend bin, dann schreibe ich eine Szene in der ich diese Wut abbauen kann und bin danach so erschöpft wie nach einer Stunde im Fitnessstudio - aber entspannter. Wenn ich glücklich bin, dann schreibe ich glückliche Szenen. Das hilft mir persönlich in einem Alltag zurecht zu kommen, in dem sich Menschen immer weniger füreinander interessieren. Sicher habe ich oft genug gehört, dass schreiben eine brotlose Kunst darstellt. Ebenso oft dass sich noch immer der Gedanke des Genies hält. Wenn ich mich davon beeindrucken lassen würde, mir würde der Kopf vor unerzählter Geschichten platzen. Wenn sich jeder davon beeindrucken lassen würde, die Welt wäre deutlich ärmer.

Merkwürdigerweise scheint man davon auszugehen, dass Romane veröffentlichen nur in den USA wirklich klappt. Vielleicht stimmt das. Vielleicht sind meine Geschichten nicht gut genug, um irgendwo anders zu landen als in meinem eigenen Wohnzimmerschrank. Das für mich wichtige ist, dass diese Geschichten nicht mehr in meinem Kopf sind. Sie lenken mich nicht mehr ab und behindern mich nicht im Alltag. Das ist es, was jeder in meiner Umgebung akzeptieren muss. Und glücklicherweise tun das auch die Menschen, die mir wirklich wichtig sind.
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon koagl » 29.07.2013, 00:41

Ich schreibe mittlerweile seit ein paar Jährchen, habe aber nie wirklich jemanden davon erzählt ... Bis meine erste Geschichte in einer Anthologie aufgenommen wurde und sich dieser Umstand nach und nach herumsprach.

Frage 1: Du schreibst? - Ja
Frage 2: Wirklich? - Ja
Frage 3: Kann ich die Geschichte mal lesen? - Ja
Frage 4: Wie viel Kohle bekommt man für so eine Veröffentlichung? ...
Dann wird's meistens schwierig. Irgendwie kann sich niemand vorstellen, dass man auch ohne finanziellen Hintergrund in seiner Freizeit zu Stift und Papier greift. Dass es sich um ein Hobby handelt, und vor der ersten Romanveröffentlichung (sollte es überhaupt jemals dazu kommen) über Geld kein Wort zu verlieren ist, muss immer erst dazugesagt werden.
Ja, Leute! Es macht mir Spaß zu schreiben. Jetzt ist es raus. :twisted:

Am Ende eines langen Gesprächs darüber bekomme ich dann meist zu hören: Cool, hätte ich nicht von Dir gedacht. Siehst nicht aus, als würdest Du schreiben. - Aber wie hat man denn als Autor auszusehen? :XD:
Muss man verrückt sein, um andere für normal zu halten, oder fällt nur mir das so schwer?
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Aphrodite » 02.08.2013, 13:10

Was Wolfstraum schreibt, damit identifiziere ich mich im großen und ganzen.
Das einzige, was ich halbwegs "professionell" schreibe, sind Rezensionen, Artikel, Sachtexte, sprich non-fiktional. Bei den fiktionalen Texten fließen vielmehr meine ganzen Emotionen ein, für die ich mich manchmal vor anderen schäme. In meinen Texten schaffe ich es mir über mein inneres Chaos klar zu werden und mich zu sammeln. Das ist einfach etwas, was mir so ein Mensch oder andere Hobbies nicht geben können. Das stößt viele vor den Kopf oder sie können es nicht nachvollziehen. Musik zu machen, dafür erntet man oftmals mehr Verständnis. Vor allem so populäre Instrumente wie Klavier oder Gitarre. Aber zu schreiben? Da erinnern sich viele allzu gern an den Deutschunterricht in der 10. Klasse und rümpfen angewidert die Nase. Schade, dabei sind doch Worte nicht nur ein sehr klares Mittel, um ein Gefühl Ausdruck zu verleihen, sondern auch ein sehr direktes.
Ich für meinen Teil spreche nicht so gerne über meine Leidenschaft, weil die erste Frage sonst immer lautet: "Darf ich mal lesen?"
Und wenn ich nein sage, stößt das nicht nur auf Unverständnis, sondern auch auf Pikiertheit. Ich stoße andere damit vor den Kopf. Aber ich zeige ungern Menschen, die mir wichtig genug sind, dass sie meine Geschichten lesen dürften, meine Schätze, weil sie oft meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Was ist schon perfekt, wenn es um Emotionen geht? Nichts ist subjektiver oder kantiger. Nichts zeigt so viel vom inneren Soufflé, wie ich es so gerne nenne. Bei dem kleinsten, falschen Geräusch, fällt es in sich zusammen. So fühle ich mich oft mit meinen eigenen Geschichten. Und letztlich ist es doch etwas zutiefst egoistisches, sie nicht zu zeigen, weil es nur um die eigene Angst vor Ablehnung geht. Daher habe ich mich hier angemeldet, um zu wachsen. Sowohl schreiberisch, als auch emotional.
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon bumblebeee » 04.08.2013, 20:52

Bei mir ist es so, dass viele es wissen. Dummerweise sagen sie dann immer: Die schreibt ja 100 Seiten am Tag (stimmt nicht ... leider) oder Hast du keine Hobbys oder warum schreibst du? Andere ignorieren mich. Die die keine Trottel sind sagen aber schon mal: Du schreibst gut ,ne? :D
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon Mindelu » 07.10.2013, 12:02

Außer meinem Freund weiß niemand, das ich schreibe und ich möchte auch, das das so bleibt.^^

Ich werde das nicht mal erzählen, wenn ich was veröffentlicht habe. Wenn die Leute es selber erfahren, sehen usw. ok, wenn sie mich drauf ansprechen, rede ich sogar mit ihnen darüber, aber ich renne nicht rum und erzähle es von selbst, oder werfe es mal nebenbei bei einem Gespräch mit ein.

Ich möchte mir einfach nicht den Emotionalen Druck aussetzten, das ein"Outing" mit sich brächte. Vorallem vor einer erfolgreichen Veröffentlichung.
Dann wird man ständig gefragt, wann sein Buch denn nun endlich mal erscheint. Manche rümpfen angewiedert die Nase oder man sieht den blanken Neid in ihren Augen aufblitzen. Das sind dann auch die, die dir Pest und Galle an den Hals wünschen und dein Vorhaben so mit schlechten Energien beschmutzen.

Es wird bestimmt auch welche geben, die das ganz toll finden und dich sogar unterstüzten und ihre Hilfe anbieten. Das ist dann aber eher selten und noch seltener Ernst gemeint...

Ich bin da gebrandmarkt.^^ Ich habe immer ganz tolle inovative Ideen und alles was die Gegenüberseite kann ist einen mit abschätzigen Blicken zu "checken". Und sich still denken: "Das wird doch sowieso nix." Wirkliche Begeisterung und Mitgerissenwerden (durch meine Ideen) habe ich leider nur ein einziges Mal erlebt. Dabei geht es ja oft nicht ums Ziel, sondern um den Weg und um das Abenteuer den Spaß und die neuen Erfahrungen, die man auf dem Weg sammelt. Aber das scheint der durchschnitts Bundesbürger nicht zu raffen ...
Man das klingt jetzt ganz schon deprimiert und negativ. :| Ist aber leider die Wahrheit.
Wahrscheinlich bin ich auch zu viel durch mein tristes, lästerisches, neidisches, nichts gönnendes, intrigantes Umfeld geprägt.
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Re: Das Outing - Ich bin was ich bin

Beitragvon TallyLC » 12.04.2015, 16:16

Nun, bei mir wissen es leider zu viele.
Ich weiß gar nicht genau wie die das erfahren haben, dass ich in meiner Freizeit am liebsten schreibe. O.o
Gut, dass meine Deutschlehrerin das weiß ist kein Wunder, schließlich musste Mum ihr unbedingt mein frühestes Werk zeigen. :oops:
Aber woher zur Hölle wissen das jetzt auch noch so viele Bekannte aus der Schule?!
Ok, bis vor kurzem habe ich den Unterricht hauptsächlich damit verbracht auf meinem Collegeblock zu plotten und zu schreiben, aber die können ja unmöglich erkennen was ich genau da schreibe.
Aber ich finde es sehr schlecht dass so viele aus meiner Schule wissen dass ich schreibe, denn ich werde immer damit verbunden. Sobald es im Deutschunterricht eine Lektüre gibt und wir über die Protas usw. diskutieren und ich recht viel dazu sage (sagen kann), spüre ich schon einige Blicke auf mir.
Das ist genau dasselbe wie mit Harry Potter, irgendwie bin ich jetzt auch noch als Potterfan bekannt. O.o
Ich glaube die Schüler in meinen Kursen haben Zugriff auf die Daten der NSA... :XD:

LIebe Grüße,
Tally :writing:
Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben. -Johann Wolfgang von Goethe
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