Deadline - Prolog

Re: Deadline - Prolog

 
Schnell sehr spannend. Ich steh nicht so auf die Detailverliebten Schreiber, deshalb mag ich deinen Stil. Kommt da noch mehr?

von vivasol

Re: Deadline - Prolog

 
Hallo Rotkäppchen,

also ich muss schon sagen, alle Achtung! Dein Prolog liest sich rund und flüssig. Und du baust von Anfang an mächtig Spannung auf. Ich bin hin und weg.

Wenn ich hier jetzt trotzdem mit ein paar Anmerkungen komme, dann nur, weil du wissen sollst, dass mich dein Text beschäftigt hat und ich einfach meine, es kann ja nicht schaden.

1. Falls es nicht von rasender Bedeutung ist, könntest du wegen mir den Hinweis
Kassel, 31. Dezember 2007 – kurz vor Mitternacht

ruhig weglassen. Ich kann nichts dafür, aber ich denke bei solchen Angaben immer gleich an Haarspray, etwa in der Art
Kassel, wieder mal Regen, Ihr Haar ist geschützt

Aber Spaß beiseite, der Countdown, die verfrühten Raketen, eisige Nacht, da erübrigt sich jeder Vorab-Hinweis auf Silvester. Sollte es dir im Grunde nur darum gehen, den Leser wissen zu lassen, dass die Handlung in einer Stadt in Deutschland spielt, ließe sich das sicher auch innerhalb des Textes unterbringen. Meine Meinung.

2. Im Zeitalter von Selbstmordattentaten und anderer terroristischer Spielarten ist mir persönlich das Wort "Explosion" einen Hauch zu negativ behaftet, um es mit etwas Erfreulichem in Verbindung zu bringen. Statt
mich an den farbenfrohen Explosionen zu erfreuen

, was irgendwie nach Blut klingt, wie ich finde, würde ich daher nach einer anderen Formulierung suchen wollen. Was spricht gegen "Silvesterfeuerwerk"?

3. Du hast den Ort des Geschehens, die Kaskaden, kursiv gesetzt. Handelt es sich um ein Bauwerk, das man kennen sollte? Bitte entschuldige, ich gebe es offen zu, ich bin mit den Sehenswürdigkeiten Kassels nicht bewandert und würde mich über eine kurze Beschreibung freuen. Ehrlich jetzt, wie sehen diese Kaskaden aus? Kann sich der Verfolgte da leicht verstecken? Wo genau muss er da hinauf laufen? Wo führt das da hin?
Ähnlich geht es mir mit dem "Herkules". Ist das ein Berg? Oder ein Denkmal oder so?

4. Im Text ist von Stimmen die Rede, später von Trubel. Trotzdem habe ich keine so rechte Vorstellung davon, wie viele Menschen sich da so in etwa Tummeln. Sind es Dutzende, Hunderte oder gar mehr? Der Hinweis "inmitten einiger Hundert Zeugen" kommt, wie ich finde, sehr spät und geht in dem Satz wegen spannenderer Elemente als beiläufig unter. Könntest du das nicht vielleicht schon etwas früher bringen? Ein Wörtchen wie "Massen", auf die jemand zuhält, reicht schon.

5. Sehr gut gefällt mir die Szene mit den Jugendlichen. Wirklich plastisch und von der Länge her genau richtig.

6. Hingegen hier ließe sich evtl. noch etwas feilen:
Verzweiflung wallte in mir auf, ich sah keinen Ausweg mehr, als ich den Mann plötzlich in die entgegengesetzte Richtung lossprinten sah.

Keinen Ausweg mehr zu sehen, wenn man den Verfolger in die entgegen gesetzte Richtung lossprinten sieht, erscheint mir nicht wirklich schlüssig. Falls du eine zeitliche Reihenfolge beschreibst, dann vielleicht lieber "Da sah ich den Mann plötzlich ... lossprinten." oder "Da sprintete er plötzlich ... los."
Im Übrigen finde ich es gewagt, sich sicher zu fühlen, wenn man nur einen von mehreren Verfolgern ausmachen konnte. Aber gut, der Mann ist in Panik, und da denkt man wohl weniger logisch, sondern handelt mehr intuitiv, würde ich jetzt mal vermuten.

7. Du hast den Leser längst an der Angel, keine Frage. Jeder wird umblättern, um weiterzulesen. Doch vielleicht lässt sich aus dem letzten Absatz deines Prologs noch ein bisschen mehr herauskitzeln.
Ich musste mir ein Versteck suchen, denn in meine Wohnung zurückzukehren war unmöglich. Das Risiko war zu hoch, dass die Leute, die hinter mir her waren, sie überwachten.

Wir dürfen an den Gedanken deines Ich-Erzählers teilhaben. Warum dann nicht auch richtig? Warum nicht etwas in der Art: "Ein Versteck musste her! Nach Hause konnte ich nicht. Unmöglich. Das Risiko war einfach zu hoch."? Auf jeden Fall direkter, authentischer macht es, so glaube ich, noch griffiger.


Aber wie gesagt, von mir aus lässt du es auch einfach so, wie es ist. Vier Augen, fünf Meinungen, ist doch normal. ;-)

In diesem Sinne, und viel Spaß noch beim Weiterschreiben,
Eloycia

von Eloycia

Re: Deadline - Prolog

 
Hallo Eloycia!

Vielen Dank, dass du dich mit meinem Text auseinander gesetzt hast, besonders für deine netten Worte und Tipps. Es freut mich, dass der Text nach so langer Zeit noch Beachtung findet.

Ad 1: Ich muss dir voll und ganz Recht geben, DWT lässt grüßen :wink:.

Ad 3/4: Der Herkules ist das Wahrzeichen unserer schönen Stadt. Ich gebe zu, man muss ihn nicht kennen :wink: . Ich bemühe mich zur Zeit den Leitsatz: "Schreibe über das, was du kennst und was dir vertraut ist" zu beherzigen. Daher setze ich alle realen Plätze, Straßennamen, Bauwerke usw. kursiv.
Hier ein Link zum Herkules: http://de.wikipedia.org/wiki/Herkules_(Kassel)
Der Herkules ist der höchste Punkt in Kassel und man hat einen fantastischen Ausblick über die ganze Stadt. An Silvester tummeln sich dort oben Hunderte Menschen um den Ausblick zu genießen.

Ad 7: Auch hier hast du Recht, deine Formulierung wirkt authentischer, ich werde es in der Art überarbeiten.

Viele Grüße und eine schöne Weihnachtszeit wünscht dir
das Rotkäppchen

Edit:

@ Vivasol: Auch dir vielen Dank für deinen Kommentar.

von rotkäppchen

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