Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

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Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon fringer » 07.09.2015, 13:44

Hallo liebe Schreibwerkstatt-Community,
mir wurde hier schon öfters gut geholfen, momentan stehe ich wieder vor einem kleinen Denk-Ansatz-Problem und vielleicht kann mir wieder jemand einen Schubs in die richtige Richtung geben.
Bei dem Problem handelt es sich weniger um eine Plot als vielmehr um eine Art philosophischen Frage.

Dem Hauptcharakter meiner Geschichte ist etwas schreckliches in seiner Vergangenheit passiert, bzw. hat er dies selbst durch einen Unfall verursacht. Jetzt zum Ende der Geschichte soll er dies aber absichtlich und aus freien Stücken wiederholen.

Aber so richtig will sich mir nicht der Grund dafür erschließen. Was könnte der Grund sein, etwas
schreckliches erlebtes, was man nur schwer selbst verarbeitet hat, nun aus Absicht und freiwillig zu wiederholen.

Vielleicht habt ihr ja einige Ansätze parat OHNE den Plot zu kennen (also ganz unvoreingenommen).
Ansonsten schreibe ich natürlich noch mehr von der Story bzw. das Genre.

Über jeden Ansatz wäre ich natürlich sehr dankbar.

Vielen Dank schonmal,
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon Ankh » 07.09.2015, 14:01

Ich wüsste zwei generelle Möglichkeiten: Entweder er hat einen zwingenden Grund dazu, vielleicht weil sein Leben oder das eines anderen Menschen davon abhängt. Wenn er z.B. ein Trauma wegen einem Feuer hat, seine Oma nun aber in einer brennenden Hütte liegt und die Feuerwehr nicht gleich kommt, dann könnte er sich überwinden, doch hineinzugehen, weil die Liebe zu seiner Oma eben stärker ist als seine Angst. Einen konkreten Grund, der ihn dazu treibt musst du dir natürlich aus den Fingern saugen.
Die zweite Möglichkeit ist, dass er sich bewusst seiner Phobie aussetzt, um diese Angst zu überwinden. Diese Methode ist nicht unumstritten, aber er könnte es durchaus versuchen, sich auf diese Weise selbst zu "therapieren". Das setzt natürlich voraus, dass er sich nicht unnötig in echte Gefahr bringt bzw. Sicherheitsvorkehrungen trifft.
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon Deirdre » 08.09.2015, 11:56

Hallo fringer,

Es könnte eine Mutprobe sein, oder ein Liebesbeweis, oder ein Versuch Vergebung von jemandem zu erheischen, oder einen Schatz zu erlangen. Oder die Welt zu retten. Also dein Charakter müsste ein Ziel haben, das ihm wichtig genug ist, dass er dafür seine Angst überwindet.
Du schreibst allerdings, er soll sich aus freien Stücken wieder in dieselbe Situation bringen. Ich bezweifle, inwieweit man von "aus freien Stücken" sprechen kann, wenn er sich aufgrund äußerer Umstände dazu zwingen muss, sich seiner Angst zu stellen.

Wenn es wirklich komplett freiwillig sein soll, kommst du meiner Meinung nach nicht darum herum, das Problem aufzuarbeiten. Dein Charakter muss am Ende seine Angst nicht bezwingen, sondern bereits überwunden haben. Er könnte dann die Situation wiederholen, um z.B. sich selbst zu beweisen, dass er jetzt frei von seiner Angst ist.

Liebe Grüße,
Deirdre
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon fringer » 09.09.2015, 11:28

Hallo,
erst einmal ganz vielen Dank an euch. Das waren schon sehr gute Denkanstöße. Liebe ist auf jeden Fall immer ein guter Grund verrückte oder außergewöhnliche Dinge zu tun :) Das passt vielleicht noch nicht so ganz in meine Story aber ist schon ein guter Gedanke.
In dem Fall meines Protagonisten geht es übrigens um eine "Tötung". Er hat in der Vergangenheit einen Unfalltod verschuldet und muss nun einen Tod absichtlich verursachen. Das ist die Prämisse und auch das Schwierige dies zu begründen.

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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon FrozenBambi » 09.09.2015, 12:07

Du brauchst hierzu keinen Grund. Der liegt schon darin begraben, DASS er etwas so Schreckliches erlebt hat.

Berühmtes Beispiel sind Opfer sexueller Gewalt.
Mädchen neigen dazu, ihre Opferrolle immer wieder zu reinzenieren und werden (mitunter unbewusst) immer wieder in eine ähnliche Situation gelangen.
Jungs neigen dazu, in die Täterrolle zu schlüpfen.

Das nennt man dann auch re-enactment oder Traumawiederholung und kann in allen möglichen Formen, teilweise auch nur symbolisch vorkommen.
Allerdings würde ich mich dann zumindest grundlegend mit dem hier auseinandersetzen, um deinen Prota realitätsnah zu gestalten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Posttraum ... %C3%B6rung

Dass er ein schreckliches (ich definiere schrecklich mal als so schlimm, dass es traumatische Wirkung hat) Erlebnis, welches er überwunden hat und folglich nicht zwanghaft wiederholen muss, dennoch wiederholt, ist mMn sehr unwahrscheinlich. Zumindest in Bezug auf die Lernfähigkeit eines Menschen. Da müsste schon, wie meine Vorredner Beispiele gemacht haben, ne Menge auf dem Spiel stehen, was ihn vllt instinktiv handeln lässt.
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon Ankh » 09.09.2015, 12:19

Verstehe ich das richtig, du brauchst einen Grund, warum er abemals einen Menschen tötet? So etwas sollte eine möglichst unausweichliche Folge deines Plots sein. Er kwird bedroht und muss jemanden in Notwehr töten. Oder er findet sich in einer Verfolgungsjagd und verursacht abermals einen Unfall. Wenn dein Plot eine solche Entwicklung nicht hergibt, dann solltest du ihn ändern oder die Tötung streichen, denn aus dem heiteren Himmel heraus eine Situation schaffen, wo er wieder einen Menschen tötet, fände ich seltsam.
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon fringer » 09.09.2015, 14:03

Ihr seid super! Vielen Dank! Diese „posttraumatische Belastungsstörung“ war ein
guter Tipp. Das hilft mir sehr. Der Plot gibt solch eine Entwicklung her, denn
der Protagonist wird explizit darum gebeten die Tötung vorzunehmen. Man könnte auch von „Sterbehilfe“ sprechen. Ich versetze mich ja gern in den Charakter hinein und habe überlegt, warum
er, obwohl er dieses traumatische Erlebnis aus seiner Vergangenheit gerade so mehr oder weniger verarbeitet hat, dieser Bitte nachkommt. Daher mehr eine philosophische Frage.

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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon Ankh » 09.09.2015, 14:12

Es ist ja auch die Frage, ob er die neuerliche Tötung dann gut verkraftet. Vielleicht tut er es ja, aber hat in der Folge schwer mit seiner Entscheidung zu kämpfen? Sich einen Moment lang (aus guten Gründen) zu etwas überwinden, heißt ja nicht gleich, dass man in der Folge uneingeschränkt dazu steht und gut damit klarkommt.
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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon fringer » 09.09.2015, 14:43

Ankh, diese Problematik mit dem erneuten Verkraften ist quasi das Ende der Geschichte. Also ein offenes Ende, das kann bzw. soll der Leser dann für sich selbst entscheiden. Mir ging es vordergründlich um den Beweggrund der Tat und da hatte ich so meine Zweifel bzw. kam ich etwas mit mir in das Gehege.

EDIT: Es können aber gern noch weitere Gedanken dazu geäußert werden, interessiert mich wirklich :)

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Re: Denk-Ansatz-Problem bzw. Grund gesucht

Beitragvon DodoHH » 11.09.2015, 09:41

Zu dem Thema posttraumatische Belastungsstörung und Verarbeitung gibt es einen sehr schönen Film, in dem, anders als bei Dir geplant, der Überlebende eines Flugzeugabsturzes sich jeder Hilfe zunächst verweigert, sich quasi für unverwundbar hält (der Film heißt "Fearless", von Peter Weir) und so abdriftet, dass er mMn lebendig tot ist. Er spielt den Absturz jedoch freiwillig einmal nach (in einem furchtbaren Autounfall), um einer anderen Überlebenden neuen Lebenswillen zu schenken, die zuvor ihr Kind verloren hat. Also ein ganz anderer, aber auch sehr spannender Ansatz als bei Dir. Und das Ende muss man gesehen haben :wink:
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