Der Aha-Effekt bei meinem Prota

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Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 02:44

Liebe Schreiberlinge,

ich leide schon seit einiger Zeit an einem Problem in meinem Plot. Grundsätzlich ist alles recht gut strukturiert, ein Spannungsbogen ist vorhanden und weiß auch schon, wie alles enden soll.

Wer mir aber Sorgen bereitet ist meine Protagonistin. Ein wesentlicher Charakterzug ist es nämlich, dass sie konfliktscheu ist. Sie fühlt sich von Konflikten regelrecht bedroht und versucht deshalb, alles über innerliches Akzeptieren oder Kompromisse ihrerseits zu lösen, ohne dass sie es wagt, ihr "Nein" auszusprechen.
Im Roman wird sie richtig aktiv und macht und tut vieles, nur um einem ganz bestimmten Konflikt aus dem Weg zu gehen, anstatt einfach "Nein" zu sagen. Man könnte fast sagen, sie ist in gewisser Weise intrigant, um sich nicht mit ihrem Großvater zu zerstreiten.

Ich möchte gern, dass meine Prota am Ende (bzw. kurz vor dem Ende) des Romans begreift,

1. dass Konflikte Entwicklung und persönliches Wachstum bedeuten, selbst wenn es nach hinten losgeht mit der Beziehung zu einem anderen Menschen
2. dass das Unterdrücken von Konflikten nicht nur ihrem persönlichen Glück im Weg steht, sondern auch das Glück (oder zumindest der Zufriedenheit) anderer verhindern (kann). Auf gut deutsch: Klarheit tut auch anderen gut.

Was mir fehlt, ist ein Aha-Erlebnis für diese Erkenntnis. Weil ich noch am Plotten bin, müsste ich auch nicht alles komplett umschreiben, sondern eben nur den Plot anpassen. Daher bin ich diesbezüglich sehr flexibel.

Jetzt mal zu den literarischen Fakten, denn danach werdet ihr mich bestimmt fragen. :girl:

Die Geschichte spielt in London im Jahre 1811 (Urban Fantasy mit Krimi-Elementen). Ich muss dazu sagen, dass es - obwohl Fantasy - ich keinen modernen, weiblichen Charakter erschaffen habe. Sie ist ein Kind ihrer Zeit und das Ablegen ihrer Konflikt-Angst soll sie nicht zu einer emanzipierten Frau im heutigen Sinne werden lassen. Aber auch Frauen damals haben mal "nein" gesagt und nicht ALLES in sich hineingefressen und heruntergeschluckt, wie es meine Prota derzeit tut.

Story (ist zumindest diesbezüglich recht banal):
Meine Protagonistin soll auf Wunsch ihres Großvaters einen Mann heiraten, den sie nicht mag und der auch nicht die Bohne zu ihr passt (nein, es ist keine Romanze, bei der sie sich am Ende doch in ihn verliebt).
Es handelt sich hierbei um einen fließenden Übergang zwischen Zwangsehe und arrangierter Ehe.
Das heißt: Sie könnte "nein" sagen. Aber sie wagt es eben nicht, sich dagegen zu wehren, weil sie grundsätzlich konfliktscheu ist.

Vielleicht fällt mir das alles nur so schwer, weil ich ihre Ängste (von ihrem einzig lebenden Verwandten abgelehnt zu werden bzw. ihm das Herz zu brechen) nachvollziehbar finde. Aber der Knackpunkt ist ihr Charakterzug (weil sie immer so fühlt und handelt) und nicht dieser spezielle Fall von Konflikt-Angst.

Ich brauche aber diese Erkenntnis über Konflikte für Ereignisse, die dann später folgen. Sonst wäre mein Prota später out-of-character.

Und genau darüber grüble ich nun schon eine halbe Ewigkeit. :oops:

Habt ihr Ideen? Vielleicht sogar eigene Erfahrungen? (Konflikt-Angst ist ja kein Problem der damaligen Zeit)

Vielen Dank

LG
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Zuletzt geändert von Julestrel am 26.05.2015, 08:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Sasskia » 25.05.2015, 07:37

Guten Morgen Zytra!

Nun, dass ihre Konfliktscheu nur davon herrührt, um nicht von ihrem Großvater abgelehnt zu werden, oder ihm das Herz zu brechen, ist mir zu wenig.
Die Angst, abgelehnt, bzw. nicht geliebt zu werden, resultiert ja oft aus einem sehr geringen Selbstwertgefühl. Wieso hat sie also keins?
Wie sieht denn das Verhältnis Großvater-Enkelin aus? Liebt der Großvater denn deine Prota? Will er, dass sie glücklich ist, oder ist sie ein lästiges Anhängsel, das er zwangsverheiraten will, um sie loszuwerden?
Vielleicht könnte auch der zukünftige Ehemann zum "Aha-Effekt" beitragen, indem er sie als "meinungsloses" Püppchen abqualifiziert und sie somit aufrüttelt.
Sie könnte auch einer Intrige auf die Spur kommen, wo die einzige Lösung das Bekenntnis zu sich selbst und den ehrlichen Gefühlen ist.
Ich hoffe, ich konnte dir einige Denkanstösse vermitteln :dasheye:
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Pusteblume » 25.05.2015, 08:37

Das mit der Konfliktscheue kann ich gut nachvollziehen, ich bin selbst auch so :oops:
Soweit ich weiß (und auch nach eigenen Erfahrungen) erträgt ein Mensch solange etwas, bis die innere Spannung zu große wird. Anders ausgedrückt, bis der Faden reißt und sie aktiv wird und etwas unternimmt um diese Spannung zu "entspannen". In der Psychotherapie heißt es mitunter, dass jemand erst etwas unternimmt, wenn der innere "Druck" zu groß wird. Daher wäre also eine Möglichkeit, deine Protagonistin in eine Situation zu bringen in der die "Kosten" des nicht-auflehnens größer sind, als wenn sie weiterhin heuchelt dass diese Verkupplung okay für sie ist. (Hoffe du verstehst was ich meine :) )
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon psynonym » 25.05.2015, 11:14

Sasskia hat geschrieben:Nun, dass ihre Konfliktscheu nur davon herrührt, um nicht von ihrem Großvater abgelehnt zu werden, oder ihm das Herz zu brechen, ist mir zu wenig.
Die Angst, abgelehnt, bzw. nicht geliebt zu werden, resultiert ja oft aus einem sehr geringen Selbstwertgefühl. Wieso hat sie also keins?
Wie sieht denn das Verhältnis Großvater-Enkelin aus? Liebt der Großvater denn deine Prota? Will er, dass sie glücklich ist, oder ist sie ein lästiges Anhängsel, das er zwangsverheiraten will, um sie loszuwerden?
Vielleicht könnte auch der zukünftige Ehemann zum "Aha-Effekt" beitragen, indem er sie als "meinungsloses" Püppchen abqualifiziert und sie somit aufrüttelt.


Ich schließe mich Sasskia an!
Dass sie nur Konflikten aus dem Weg geht, ist wirklich ein bisschen wenig. Mein Vorschlag wäre, nicht nur auf das Verhältnis zwischen Großvater und Enkelin einzugehen, sondern auch auf die Zeit! Immerhin haben sich Frauen im englischsprachigen Raum noch nicht emanzipiert (das war erst im 20. Jahrhundert) und waren dem Mann unterstellt. Wichtig wäre also hier:
- Verhältnis Großvater zu Enkelin
- unterwürfiges Verhalten aufgrund der damaligen Zeit.

Was ich auch ähnlich wie Sasskia sehe, dass noch jemand anderes deiner Prota dabei helfen muss/soll, ihr zu diesem "Aha-Effekt" zu verhelfen. Meist sind solche Leute, die den Konflikt scheuen, so in ihrer Eigenart festgefahren, dass es jemanden von Außen braucht, um wachgerüttelt zu werden. Meist passiert so etwas auch in solchen Moment wo der absolute Konflikthöhepunkt angekommen ist, d. h. wo der Punkt gekommen ist, dass nichts anderes mehr helfen kann als "Nein" zu sagen, um aus dieser verfahrenen Situation rauszukommen.

liebe Grüße
Psynonym
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 14:26

Hallo,

vielen, lieben Dank für eure Antworten. :) :dasheye:

Mir war nicht bewusst, dass es für meine Frage so wichtig ist, die Gründe für ihre Konfliktscheue zu erläutern, weshalb ich das hier (um das Eingangsposting nicht noch länger zu machen) weggelassen hatte. Aber da ihr danach fragt, möchte ich natürlich antworten: Sie ist ein Bastard und bis zu ihrem 12. Lebensjahr auch entsprechend gesellschaftlich ausgegrenzt so aufgewachsen (wobei ihre Mutter tot ist und ihr Vater sich schlicht nicht interessiert, sodass es da auch keinen irgendwie gearteten Rückhalt aus dieser Richtung gab). Erst danach wurde sie von ihrem Großvater aufgenommen und ist deshalb abhängig von seinem Wohlwollen (sowohl emotional als auch finanziell).
Das Verhältnis zu ihm ist grau bzw. zwiespältig. Natürlich will er das Beste für sie und möchte seinen gesellschaftlichen Einfluss nutzen (solange er noch lebt), um sie wieder gesellschaftlich zu integrieren (was durch eine arrangierte Ehe mit einem Mann, der ihre Herkunft für sehr viel Geld akzeptiert, durchaus ein anerkannter Weg ist). Aber dass es gerade DIESER Mann ist, hat egoistische Gründe, die ihm sehr wichtig sind.

Allerdings plotte ich ja noch und bin flexibel und ihr habt mich da auf einen Gedanken gebracht:

@ Sasskia und pseudonym:
Der Anstoß von außen ist ein guter Gedanke, wobei das nicht ihr Zukünftiger sein darf (in meiner Konstellation). Der Gedanke mit der Intrige scheint mir aber fast besser zu greifen. Zumindest rattern da bei mir gerade die inneren Räder und quietschen ganz laut. :dasheye:

Deshalb würde ich mich mit dieser Idee gern hiermit an Pusteblume wenden, weil du sagtest, du wärst auch konfliktscheu:

@ Pusteblume: Ich möchte dich nicht "missbrauchen" oder so. Also falls du meine Fragen nicht beantworten möchtest, ist das ok für mich. Aber falls doch, dann wären dies meine Fragen:

Könntest du dir vorstellen, dass bei dir der Knoten platzt, wenn du erfährst, dass die Ehe sich als damals illegaler Inzest erweist?
(das ist bisher ein Gedankenspiel, zu dem mich Sasskia und pseudonym gebracht haben, wobei dieser Inzest nicht so krass ist, dass wir von Geschwistern sprechen, sondern von Halbonkel und Halbnichte, was damals verboten war, heute in England aber erlaubt ist. In meiner Konstellation weiß nur offiziell niemand außer den Beteiligten von dieser Verwandtschaft).

Pseudonym schrieb, dass es Hilfe von einer dritten Person von außen geben sollte, weil konfliktscheue Menschen von außen wachgerüttelt werden müssten. Das erscheint mir äußerst stimmt, denn immer, wenn ich mich in die Lage meiner Prota versetze, fange ich an wie sie zu denken und suche mir Ausflüchte, warum das doch alles in Ordnung geht oder "nicht so schlimm" ist etc.
Siehst du das auch so, wenn du von diesem Inzest erfahren würdest? Immerhin ist es ja kein Geschwisterinzest und (obwohl illegal) doch recht weit entfernt noch (Cousins und Cousinen durften heiraten, obwohl sie sich näherstanden).

Vielen Dank nochmal für eure Mühe

LG
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon psynonym » 25.05.2015, 14:38

Na wenigstens konnten wir dich auf ein paar Ideen bringen mit unseren Gedankenanstößen ;D
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Libelle » 25.05.2015, 14:40

Konfliktscheue Menschen sind meist nicht nur in einer Hinsicht konfliktscheu, sondern auf ganzer Linie. Sie nehmen aus Angst vor Konflikten nie selbst etwas in die Hand, geben lieber nach, nur um Jahre später sich in ihrer selbsterwählten Opferrolle zu suhlen und anderen Leuten die Schuld an ihrer selbstverschuldeten Misere zu geben.

Der Aha-Effekt könnte also darin bestehen, dass sie diese Gefahr plötzlich erkennt und sich entscheiden muss. Weiß sie also von dem Inzest oder erfährt sie es erst hinterher? (Wer ist überhaupt das Inzestprodukt? Die Protagonistin oder ist der Heiratskandidat ihr Halbonkel?)

Wie steht die Protagonistin zu dem Mann? Was steht auf dem Spiel, wenn die Protagonistin »Nein« sagen würde? Wer weiß überhaupt von ihrem Bastard-Dasein? Welche Alternativen gibt es? (Kloster?)

Da du geschrieben hast, dass schon alles gut strukturiert sei: Wie endet denn die Geschichte? Heiratet sie den Mann? Tötet sie ihn am Ende? Trifft sie einen anderen Heiratskanditaten? Oder lebt sie glücklich bis an ihr Lebensende als alte, verarmte Jungfer?

Davon hängt ja dein Plot ab.
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon grit » 25.05.2015, 15:45

Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch ihr Verhältnis zu sich selbst. Mal angenommen, man geht von einer arrangierten Ehe aus und sagt sich, man lernt einander schätzen und vielleicht sogar lieben. Sie könnte sich so weit mit diesem Gedanken anfreunden und eine Heirat akzeptieren, kann sie sich doch sagen, dass es ihm in Grunde genauso geht. Jeder von ihnen könnte "Nein" sagen, doch man akzeptiert die Konventionen.
Doch dann wird sie unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs zwischen ihrem Zukünftigen und entweder seiner Geliebten, wie sie über diese geplante Heirat reden. ( Wenn der Alte mir nicht so einen Haufen Geld geboten hätte - ich hätte nicht im Traum daran gedacht, diese Vogelscheuche auch nur anzusehen ... / Pass auf, nach ein paar Wochen wird sie einen tragischen Unfall haben und dann ... )
Oder es ist ein Gespräch unter Männern, das ihr klar macht, dass dieser Mann nicht das Geringste für sie empfindet und sich auch nicht die Spur Mühe geben wird, etwas dafür zu tun, dass das etwas wird. Wenn er recht abfällig über sie redet - sie mag ein noch so geringes Selbstbewusstsein haben, aber das könnte schon ein Umdenken auslösen. Vielleicht lernt sie auch eine selbstbewusste Frau kennen, die allein im Leben steht und selbst wenn so ein Leben für sie selbst nicht denkbar wäre, es könnte ein Anstoß in die Richtung sein: Was wäre dann, wenn ich "Nein" sagte?
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 16:30

@ Libelle: In der neuen Idee, die ich durch den Thread hier habe, wäre der Heiratskandidat ihr Halbonkel. Sie würde erst kurz vor dem Ende von der Inzestsituation erfahren. Ich dachte, dass dies eventuell den letzten Kick geben könnte, sich aufzuraffen (daher meine Frage an Pusteblume).

Sie mag ihren Zukünftigen überhaupt nicht. Er ist zu alt, zu streng, zu desinteressiert an ihr und es existieren überhaupt keine Gemeinsamkeiten. Er will sie ja auch nur wegen des Geldes und nicht, weil sie ihm gefällt. Das ist ihr absolut bewusst. Da wird es auch keine Mühe seinerseits geben (@ grit).
Die Geschichte endet damit, dass sie den Mann nicht heiratet.

Sie war ursprünglich einmal verliebt, aber dieser Liebste stirbt bereits in der Mitte des Romans (und taucht als Figur niemals auf). Sie kommt dennoch bei seiner Mutter und ihren Töchtern unter. Insofern ist es ein Happy End, da sie auf diese Weise eine neue Familie findet.

Kloster ist keine Alternative. Ich muss auch gestehen, dass mir Klöster im katholischen Sinne in der Anglikanischen Kirche unbekannt sind. Da müsste ich mal recherchieren. Falls es sie gab, könnte sie das zumindest als Auffang-Schicksal für sich in Betracht ziehen, auch wenn sie dann bei der Familie ihres verstorbenen Liebsten landet.

Dass sie Bastard ist, weiß JEDER, der nur irgendwas auch nur im Entferntesten mit der Familie zu tun hat. Das war damals ein Riesenskandal, weil nichts davon heimlich geschehen ist oder vertuscht werden konnte. (da war ihre Mutter nicht besonders rücksichtsvoll)


@ grit: Die Idee mit der selbstbewussten Frau gefällt mir gut – vor allem auch, weil hier schon einmal angestoßen wurde, eine Person von außen müsse Einfluss nehmen. Warum dann nicht eine selbstbewusste Frau?
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Libelle » 25.05.2015, 17:09

Ich hatte im Eingangsbeitrag gelesen, dass deine Protagonistin ein Kind ihrer Zeit sei und eben keine Emanze. Arrangierte Heiraten waren in höheren Kreisen gang und gäbe. Die Gemeinsamkeit war meist der Stand oder sie haben von einander profitiert (er die Stand, sie das Geld oder so).

Wenn das Dasein als Bastard ein Skandal wäre, dann verstehe ich nicht, wieso deine Protagonistin so wählerisch wie eine moderne Frau ist: »Sie mag ihren Zukünftigen überhaupt nicht. Er ist zu alt, zu streng, zu desinteressiert an ihr und es existieren überhaupt keine Gemeinsamkeiten.« Sie lebte bis zum 12. Lebensjahr isoliert von der Gesellschaft und nun, da sich der Großvater ihrer angenommen hat, begreift sie doch hoffentlich, was für ein Riesenglück sie hat, dass er seinen Einfluss für sie spielen lässt? Oder hat sie etwas in der Hinterhand, so dass sie sich den Luxus des Wählerischseins leisten kann?

Warum will der Großvater ausgerechnet eine verbotene Ehe arrangieren? Macht er sich damit nicht mitschuldig an dem Verbrechen? Bringt das nicht zusätzliche Schande über die Familie zusätzlich zu dem Bastard?

Mir stellt sich zudem die Frage: Wenn das Dasein als Bastard doch so ein riesen Skandal war, wieso wird die Protagonistin so herzig von der Familie ihres Liebsten aufgenommen, selbst nach dessen Tod? Stellst du dir das wie in modernen Gesellschaften vor, dass erstmal ausgiebig gedated und was mit der Familie unternommen wird, bevor man heiratet?
Kann es sich die Familie ihres verstorbenen Liebsten sich leisten, sie durchzufüttern? Können sie es sich leisten, von der Gesellschaft schräg angesehen zu werden, weil sie so selbstlos einen Bastard und dazu noch unverheiratete Frau bei sich aufnehmen?

Für mich sind das im Moment eher wtf-Effekte, keine Aha-Effekte.
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 17:25

Liebe Libelle,

ich finde es schön, dass du dich hinterfragst. Grundsätzlich halte ich das für gut und richtig und wäre dankbar dafür, wenn das dann später auch mein Probeleser tut. :) Ich könnte dir auch ALLE diese WTF-Fragen beantworten. 8) Wirklich. Denn es sind nur WTF-Fragen, weil hier von mir alles in Kürze dargestellt wurde und natürlich größere Zusammenhänge fehlen.

Das Ganze ist aber mein Fehler. :oops: Ich hätte deine Fragen gar nicht beantworten dürfen, weil mein Bauchgefühl mir schon gesagt hat, dass die meisten Infos davon für meine ursprüngliche Frage nicht relevant sind. Ich habe damit ungewollt die WTF-Fragen provoziert und dazu beigetragen, dass das hier vom Thema abrutscht.

Es ist jedoch nicht mein Wunsch, meinen Plot komplett bis ins Detail zu erklären und zur Diskussion zu stellen. :wink:

Vielen Dank trotzdem :)

LG
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Libelle » 25.05.2015, 17:43

Es lag nicht in meinem Interesse, deine komplette Geschichte zu erfragen. Ich bin nur der Meinung, dass Aha-Effekte (nach denen du im Eingangsbeitrag gefragt hast) nie für sich allein stehen, sondern grundsätzlich einen Kontext brauchen, in dem dieses Ereignis stattfinden kann. Wenn du kein Interesse an einer Diskussion hast, musst du die Fragen ja nicht beantworten.

wtf ist für mich die ganze Situation, was aber mit Sicherheit daran liegt, dass ich deine Geschichte nicht kenne und mir auch nicht vorstellen kann, wie du die ganzen Elemente glaubwürdig zusammenbringst. Das Aha-Erlebnis soll nicht nur für deine Protagonistin sein, nehme ich an, sondern auch für den Leser nachvollziehbar.
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 17:58

Hallo Libelle,

ich wollte dich wirklich nicht verägern oder dir ans Bein pinkeln. :girl: Ich sagte deshalb auch, dass ich die Fragen nicht hätte beantworten dürfen, weil ich nicht der Meinung bin, dass der Kontext in diesem Umfang für meine eigentliche Frage relevant ist (z.B. ist es überhaupt nicht wichtig, wie der Roman nun endet)

Dass es für dich eine WTF-Situation ist und du dir nicht vorstellen kannst, wie das funktionieren soll, glaube ich dir aufs Wort und das werfe ich dir auch nicht vor. Wie solltest du das auch anders betrachten? Da gibt es sooooo viele Hintergrunddetails, die dir fehlen. Und da gibt es soooo viele Charaktere, die Einfluss nehmen (auch auf die Entscheidungsfindung meiner Prota, ihren zukünftigen Mann nicht heiraten zu wollen). Ich meine: Du sitzt ja nicht da, liest diese groben Fakten und kannst dir die Lücken einfach so selbst füllen. :dasheye: Ich bin mir auch 100%ig sicher, dass es mir nicht anders erginge, wenn du mir dein Projekt in 5-10 Sätzen vorstellst. ;)

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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Libelle » 25.05.2015, 18:11

Mach dir keine Gedanken, du hast mich nicht beleidigt. Jeder hat eine andere Methode zu arbeiten. Wenn du meinst, dass der Kontext nicht wichtig ist für Aha-Effekt, ist das deine Entscheidung als Autor und das akzeptiere ich.

Ich bin mir 100% sicher, dass ich dir meine Geschichte in 5-10 Sätzen erzählen kann und du sie verstehst. Aber ich bin mir sicher, dass ich mit niemandem wichtige Detail-Entscheidungen innerhalb der Handlung auf Basis dieser 5-10 Sätze ausdiskutieren könnte. Zufällig enthält meine Geschichte nämlich auch einen »Aha-Effekt«, der allerdings kein austauschbarer Deus-ex-machina-Wendepunkt ist.
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Re: Der Aha-Effekt bei meinem Prota

Beitragvon Zytra » 25.05.2015, 19:07

@ Libelle: Ich bin zwar nicht so konfliktscheu wie meine Prota, aber ich bin konfliktscheu genug, dir zu deinem Projekt zu gratulieren und die Hoffnung zu äußern, dass ich - sobald ich auch 99 % der Rohfassung fertig habe - ebenso selbstbewusst darüber sprechen kann. :girl:

***

Meine Frage im Eingangsposting steht noch im Raum, falls noch jemand Anregungen hat. :dasheye:
Aber ich habe auch schon sehr guten Input bekommen. Danke nochmal an alle, die mir ihre Zeit gewidmet haben. :2thumbs:
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