Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

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Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Saftkeks » 14.07.2015, 14:12

Aloha ihr Lieben,

obwohl ich noch mitten in der Planung stecke, ist mir natürlich klar, wie mein Buch anfangen wird. Es gibt eine globale Umweltkatastrophe, dh innerhalb der ersten Szene.

Nur schwanke ich noch zwischen zwei Optionen (im folgenden als Beispiele wiedergegeben).

1. Idylle. Ein Tierjunges tobt durch ein Paradies. Vllt 1,5 Seiten lang. Bemerkt eine Veränderung in der Luft. Erleidet im nächsten Satz katastrophenbedingt einen furchtbaren Tod. Zoom-out, Katastrophe im globalen Kontext, was passiert etc. Schnitt zum Prota.

2. Katastrophe. Also sowas (Beispiel): "Der Meteor schlug im Pazifischen Ozean ein, und was nicht an Wasser verdampfte, überschwemmte die Kontinente. Knapp vier Milliarden Menschen ertranken.
Hans, der in seiner Almhütte saß und den Kühen beim Mampfen zusah, bemerkte nichts davon, nicht einmal die winzigen Wellen in seinem Kaffee."

Option 1 schafft ein emotionales "Oooooh aber das arme Babykaninchen!!". Allerdings kontrastiert das mMn nicht so schön die sichere Welt, in der sich der Prota noch befindet, mit der Katastrophe. Dazu kommt ja auch noch, dass man mit einem 'Knall' beginnen soll.

Ich bin auf Meinungen gespannt!
Zuletzt geändert von Julestrel am 18.08.2015, 08:41, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Von "Kreatives Schreiben" nach "Plot-Hilfe" verschoben.
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon KleineLady1981 » 14.07.2015, 14:43

Ahoihoi.

Also, ich würde die 2. Variante bevorzugen.
Allein schon, weil ich keinen Bock häte, eineinhalb Seiten lang über ein kuschliges Tierbaby zu lesen, das letztlich für die Geschichte keine Relevanz hat.


Warum zeigst du nicht gleich zu Beginn den Prota, wie er eben an einem für ihn über die Maßen idyllischen Tag durch die Welt latscht. Fehlt nur der Gedanke "Hmm, irgendwie läuft das alles heute ziemlich gut. Zu gut." Und dann kannst du deine Katastrophe eintreten lassen.

Oder du beginnst gleich nach der Katastrophe (je nachdem, wie deine Story geplottet ist und worum es geht) und lässt ihn dann den letzten Moment in Gedanken Revue passieren.

Aber das Tierbaby würde ich ganz fix aus den Überlegungen schubsen.

Federgruß
Kady
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Anchesa » 14.07.2015, 14:50

Ich finde Option zwei auch um Längen besser. Was immer cool ist, finde ich jetzt, sind so Zeitungsausschnitte, oder Teile von Nachrichten. Also alles sehr sachlich und man merkt ganz langsam, wie es eskaliert. Wird gerne bei Zombieapokalypsen und so genutzt.
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon DirkAuberlen » 14.07.2015, 15:50

Naja im Prinzip sehe ich für deinen Ausgangspunkt drei Möglichkeiten (die ja auch alle schon genannt wurden) zu starten:

1.aus der Sicht einer Person (personal): Eine Person erlebt ihren Alltag mit den ganz normalen Sorgen, dann kommt das Ereignis. Wie erlebt sie diese Katastrophe? Wie verändert dies ihr Leben? => situative bzw. szenisch Darstellung

2. aus einer übergeordneten Sicht (auktorial): Visualisierung der verheerenden Auswirkungen der Katastrophe. Dabei kannst du von Schauplatz zu Schauplatz springen, verschiedene Perspektiven wählen etc. um das globale Ausmaße für den Leser entweder narrativ, dass heißt erzählerisch durch Beschreibungen, oder szenisch dazustellen.

3. als eine Art Ereignis-Kollage (Zeitungsartikel, Medienberichte): Wie wird die Katastrophe medial wahrgenommen?

das mit dem Häschen lassen wir mal ;-), es sei denn, du möchtest die Story aus der Sicht eines Tieres schreiben.

Die Frage, die du dir jedoch zu allererst stellen solltest ist: Was ist die Intension oder Funktion deiner ersten Szene?

Spannung aufbauen?
Schockieren?
Figuren vorstellen?
Weltenkonstuktion?
Storyeröffnung?
etc...

Erst wenn du das für dich geklärt hast, kannst du dir überlegen, welche der oberen drei Varianten, das für dich bestmöglich umsetzt.

Ich hoffe das hilft dir irgendwie weiter ;-)
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Ankh » 14.07.2015, 15:56

Bitte keine 1,5 Seiten Rehkitzgehüpf! Bevor dein Meteorit einschlägt hätte ich das Buch dann vermutlich bereits weggelegt.

Das heißt aber nicht, dass du das Buch unbedingt technisch-distanziert beginnen musst. Wenn es irgend geht, binde den Protagonisten gleich irgendwie ein:

Ein glühender Felsbrocken fiel Hans direkt vor die Füße und hüpfte drei Meter, bevor er den Heuhaufen in Brand steckte. Hans nahm seine Pfeife aus dem Mund und sah von seiner Zeitung auf. Der Himmel stand in Flammen.

Dann hast du die Andeutung einer Idylle, die gestört wird, und die Action, dass da gerade was großes passiert, gleich in einem.
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Libelle » 14.07.2015, 16:01

Ich bevorzuge auch Version 2. Einfach, weil ich keinen Bezug zu dem Tierjungen habe. Es ist ja nicht einmal der Protagonist.
Im Film mag das funktionieren, weil du auf einen Blick dessen Niedlichkeit und Schutzbedürftigkeit erfassen kannst. Die Szene dauert vielleicht zehn Sekunden. Währenddessen werden noch die Namen der Beteiligten am Film eingeblendet.
Im Roman brauchst du einfach länger und der Leser denkt sich schnell: »Also eine Kanickelgeschichte wollte ich eigentlich nicht lesen.«

Bei Version 2 ist man, wenn’s gut geschrieben ist, sofort mitten in der Dramatik.
»Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.«
Karl Kraus (1874 – 1936)
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Saftkeks » 14.07.2015, 16:19

Okay nachdem ich jetzt ein paar Mal herzlich gelacht habe sehe ich ein, dass das Tierjunge zwar im Kopfkino gut war, aber beim Aufschlagen des Buchs "Der Meteorit schlug im Pazifik ein" einfach besser passen würde (es geht nicht um einen Meteorite, aber vergleichbar katastrophales), als "Als das kleine Bärenjunge an diesem Morgen aus seinem Bau kletterte, saß ein kleiner Kolibri in einem nicht weit entfernten Baum."

Kill your darlings. Deswegen hab ich gefragt. :lol:

Dennoch darf der Prota erst 1-2h nach der Katastrophe von dieser erfahren. Er ist grade anderweitig schwer beschäftigt (vergleichbar mit einem Vorstellungsgespräch in Frankreich während auf der anderen Seite der Welt der Marianengraben aufreißt) und bekommt erstmal nichts mit. Will sagen, er ist nicht unmittelbar betroffen, aber mittelbar. Aber das mach ich schon - der Teil steht fest. Die Frage war nur brennende Flauschhasis oder nicht - und die wurde ja ziiiemlich eindeutig beantwortet xD

Danke an alle!
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Milch » 14.07.2015, 16:33

Saftkeks hat geschrieben:Aloha ihr Lieben,

obwohl ich noch mitten in der Planung stecke, ist mir natürlich klar, wie mein Buch anfangen wird. Es gibt eine globale Umweltkatastrophe, dh innerhalb der ersten Szene.

Nur schwanke ich noch zwischen zwei Optionen (im folgenden als Beispiele wiedergegeben).

1. Idylle. Ein Tierjunges tobt durch ein Paradies. Vllt 1,5 Seiten lang. Bemerkt eine Veränderung in der Luft. Erleidet im nächsten Satz katastrophenbedingt einen furchtbaren Tod. Zoom-out, Katastrophe im globalen Kontext, was passiert etc. Schnitt zum Prota.


Wenn du es gut schreibst, kann es funktionieren, aber der Leser muss fühlen, wie das Tierjunge voll Übermut die Gegend erkundet, vielleicht sollte man dabei auch ein paar lustige Wortspiele benutzen, um dann vollkommen umzukippen.
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Re: Der Anfang: BÄM oder balalalalaBÄM?

Beitragvon Padrion » 14.07.2015, 21:56

Ich finde man kann schon mit der Beschreibung einer Idylle beginnen. Die sollte aber entweder nicht so lang sein oder aber von unheilvollen Andeutungen durchsetzt sein. Ob dabei ein Tierbaby eine Rolle spielen sollte? Ich denke Menschen wecken mehr Interesse. Beispiel: Ein Strand, Sonnenschein, spielende Kinder... komisch, warum hat das Vogelgezwitscher aufgehört? BÄM- Tsunami. :XD:
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