[Fanty]Der einsame Jäger (überarbeitet) (1/4)

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[Fanty]Der einsame Jäger (überarbeitet) (1/4)

Beitragvon after eight » 21.07.2015, 10:43

Liebe Schreibwerkstättler,

ich habe viele Verbesserungsvorschläge bekommen. Vielen Dank an alle Kommentatoren!
Nun habe ich den ersten Teil überarbeitet und viel geändert. Der Verlauf wird etwas anders sein, Mado habe ich ganz rausgeworfen (kill your darlings und so :cry: ) und Ven ist jetzt ein ziemliches Weichei. :lol:
Ich bin mir nicht sicher, ob diese Version jetzt besser oder schlechter ist, deswegen würde ich mich über Eure Meinungen sehr freuen!

Ganz liebe Grüße
after eight



Es war eine Jagd wie keine andere. Die Anspannung, die Ari, Rena und Ven verfolgte, war nur schwer zu ignorieren. Dafür stand zu viel auf dem Spiel.
Als sie nach mehreren Stunden Fußmarsch eine Pause einlegten, kühlten Ari und Ven ihre Füße im Bach. Ari konnte nicht still sein und erzählte Geschichten von Ryuk, dem Speerträger. Einmal hatte er - angeblich - einen Wolfmenschen ganz alleine im Kampf besiegt.
„Weißt du, was er dann gemacht hat?“
„Hm?“
„Er hat sich das Fell übergeworfen und die anderen Wolfsmenschen dachten, dass er einer von ihnen ist!“
Ven bedachte Ari mit einem Seitenblick. Sein dunkles Gesicht war mit Sommersprossen gesprenkelt. Die braunen Augen funkelten ihm entgegen.
„Du weißt schon, dass das nur Geschichten sind, oder?“
„Was? Nein! Wolfmenschen gibt es wirklich!“
„Genauso wie Hornfische, Hautstreifer, Waldriesen-“, Ven blickte hinauf in die Baumkronen und zählte alle von Aris Kreaturen auf, an die er sich noch erinnern konnte. Es waren viele.
Auf Aris Gesicht breitete sich ein Grinsen aus.
„Warte, die Hautstreifer sind nicht von mir!“
„Von dir? Du gibst es also zu?“
„Nein, es ist alles wahr!“
Ari sprang auf und platschte mit den Füßen durch das Wasser. Ven wurde nassgespritzt, aber in der drückenden Hitze machte es ihm nichts aus. Wenn die Jagd doch bloß schon geschafft wäre!
Nun stand er ebenfalls auf und folgte Ari über die Steine dorthin, wo der Bach mit seichten Wellen das Ufer berührte. Ari war klein und schmächtig – kaum zu glauben, dass nur ein Sommer zwischen ihm und Ven lag. Ven hatte große Lust, ihn zurück ins Wasser zu schubsen, aber eigentlich waren sie zu alt für solche Spielchen.
„Ich wollte euch gerade rufen.“
An einem mit Moos und Kletten bewachsenen Baum lehnte Rena. An ihrem Gürtel hing ein frisch aufgefüllter Trinkschlauch, ihren Bogen hatte sie geschultert.
„Ich habe was gefunden.“
„Was?“, Ari lief auf sie zu. Der Junge ging ihr nur bis zur Schulter. Im Gegensatz zu Ari hatte sie helleres Haar, es schien sonnengebleicht.
„Spuren, nicht weit von hier.“
„Was für welche?“
Ven spannte sich an, als Renas Blick ihn traf. Sie machte das immer, ihre Augen konnten Knochen brechen.
„Raubkatze.“
Raubkatze. Obwohl sich ein flaues Gefühl in seinem Magen ausbreitete, zwang er sich zu einem Lächeln. „Perfekt! Wir töten sie und gehen zurück zum Stamm.“
„Ein Schritt nach dem anderen.“, entgegnete sie kühl und er wurde wieder ernst.
„Quatsch!“, mischte sich Ari ein und boxte Rena gegen die Schulter. Für ihn konnte es wohl nicht schnell genug gehen, denn er reckte sich und spähte in den Wald. „Also, wo ist die Katze?“
„Etwas den Hügel hoch. Kommt mit.“
Sie setzten sich in Bewegung. Ven ging als zweites, Ari hinten, und Ven missfiel es, dass sich Rena anscheinend für ihre Anführerin hielt.
„Was für eine Katze ist es?“, fragte er sie.
„Bin nicht sicher. Den Abdrücken nach zu urteilen ein Tiger.“
Er schluckte. So einen hatte er noch nie gejagt, höchstens davon gehört. Die anderen Männer im Stamm erzählten die wildesten Geschichten, so wie Ari.
„Ryuk hat mal einen Tiger gezähmt.“
Rena stöhnte auf. „Nicht schon wieder deine Lügen, Ari! Werd erwachsen!“
„Lass ihn doch.“ Sollte er doch seine Geschichten spinnen, dachte Ven, immerhin endeten die immer gut.
Dieser Teil des Waldes war besonders dicht. Zwischen Farnen, Büschen und Baumstämmen fanden sie kaum noch Platz zum Gehen. Es roch grün – nach Moos, Rinde und Brennnesseln. Überall waren diese Mückenschwärme, die sich an ihre Fersen hefteten und nicht von ihnen ablassen wollten.
„Hier.“
Sie kamen zum Stehen. Rena wies auf den Boden, wo zwischen den feuchten Blättern leichte Spuren zu sehen waren. Sie waren etwa so groß wie Vens Faust, die fünf Ballen lagen weit auseinander. Ven hatte mal Leopardenspuren gesehen, die bei weitem nicht so groß waren. Beinahe konnte er sich vorstellen, wie das Biest durch den Wald streifte. Muskeln, die sich unter dem goldenen Fell abzeichneten, der Blick lauernd, suchend.
Mit den Fingern fuhr Ari über die Spuren. „Sind nicht mehr warm. Was meinst du, wie weit sie weg ist?“
„Ein paar Stunden wahrscheinlich, wir sollten uns beeilen.“
Eigentlich wollte Ven nicht fragen, doch er konnte nicht anders. „Wie sollen wir sie töten?“
Wieder bedachte ihn Rena mit diesem Blick. „Pfeile, dein Speer, dein Messer? Womit tötet man denn Tiere?“
Rena war einfach eine arrogante Zicke. „Was ist dein Problem?“
Einen Moment lang öffnete sie den Mund, dann entschied sie, dass er es anscheinend nicht wert war. „Vergiss es.“
„Dann lass mich gefälligst in Ruhe!“, knurrte er.
Sie verengte die Augen, drehte sich um und begann, den Spuren zu folgen. Hinter Ven kicherte Ari vor sich hin.
Das Gelände stieg an. Sie mussten auf Vorsprünge zwischen Wurzeln und Steinen treten und sich an Ästen festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ven stieg das Blut in den Kopf. Von seinem dunklen Haaransatz lief ihm der Schweiß über die Stirn. Verdammte Hitze. Man konnte kaum atmen, geschweige denn klar denken. Ven spürte das Gewicht seines Lederbeutels auf dem Rücken. Weil er der Größte war, musste er das meiste ihrer Vorräte tragen, zusätzlich zu seinem Speer und dem Knochenmesser an seinem Gürtel.
Vor ihm trat Rena zwischen zwei Stämmen hindurch. Ihr Haar verfing sich in ein paar Zweigen, doch das schien sie nicht zu stören. Ven betrachtete ihren Nacken, wo ihre bernsteinfarbene Haut glänzte. Würde er die Hand ausstrecken und sie berühren, würde sie ihm wahrscheinlich den Arm abreißen.

Je tiefer sie in den Wald vordrangen, desto steiniger wurde der Weg. Die Spuren des Tigers wurden immer schwieriger zu erkennen. Immer wieder sah Rena sich um und runzelte die Stirn. Es sah nicht gut aus.
„Das ist zwecklos. Siehst du überhaupt noch was?“
Sie antwortete nicht. Ven drehte sich zu Ari um, doch der zwinkerte ihm nur zu. „Das wird schon!“
Als er wieder nach vorne sah, war Rena schon fast hinter den dichten Blättern verschwunden.
„Kommt!“, rief sie.
Hinter einem letzten Busch, den Ven mit der Hand zur Seite schob, lichtete sich der Wald. Die dunstige Luft schimmerte im Licht. Der ganze Hang war mit grauen Brocken übersäht. Es sah aus, als habe eine große Hand sie dort hingestreut.





Version 1: (Zum Lesen bitte scrollen)
Die Rast war vorbei. Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten.
„Kommt weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Ich bin bereit.“
Ven nickte ihm zu und wandte sich zu Rena, die hinter ihm stand.
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“
Zufrieden erwiderte er ihr Lächeln. Sie war die geborene Jägerin. Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen. Ari stieß mit geschultertem Bogen zu ihnen, da rief jemand Vens Namen.
Mado.
Sie traten sich gegenüber. Im Vergleich zu seinem Bruder war Ven dünn und hager. Aber er brauchte kein breites Kreuz und keine breiten Schultern, solange er auf Mado herabschauen konnte.
„Können wir reden?“
„Natürlich.“, antwortete er, bewegte sich aber kein Stück. Mado zögerte und sah ihm dann in die Augen.
„Viel weiter können wir nicht gehen.“
Mit gehobenen Augenbrauen machte Ven eine Geste in Richtung der zwei anderen. „Geht vor.“
Ihre Schritte entfernten sich durch knackende Zweige und Tannennadeln. Beinahe konnte er Renas Blick auf sich spüren, doch er fixierte seinen Bruder. „Wie bitte?“
Der Anblick von Mados gerunzelter Stirn war nichts Neues. Er fand immer einen Grund, sich zu sorgen. „Es wird gefährlicher, je weiter wir gehen.“
Es war offensichtlich, was er wirklich sagen wollte. „Du hast Angst.“
„Nein - ich mache mir Sorgen um Rena und Ari.“
Ven stieß Luft durch die Zähne. Ausreden. „Um Rena? Wirklich?“
„Mehr um Ari.“, antwortete Mado zögernd, „Er ist zu jung für so eine lange Jagd.“
„Er ist alt genug um zu jagen wie ein richtiger Mann. Wenn es ihm zu anstrengend wird, kann er es ja sagen.“
„Das macht er doch niemals.“
„Gut. Dann machen wir weiter.“, schloss Ven. Als er weitergehen wollte, zuckte Mados Hand nach vorne. Der Griff schloss sich fest um seinen Unterarm. Nichts, woraus er sich nicht befreien konnte, um Mado die Faust in den Magen zu rammen. Zurück hielt ihn nur die Neugierde. Würde sich sein erhabener Bruder mit ihm prügeln?
„Wenn ich sage wir gehen zurück, dann gehen wir zurück.“
Mado konnte nicht bestimmt klingen. Ein Versuch war alles, was er zu Stande brachte. Doch abseits des Tons war etwas in seiner Körperhaltung, die zurückgerollten Schultern vielleicht, das Ven etwas Respekt abverlangte.
„Wieso?“
„Weil ich der Anführer bin.“
Der Respekt verflog und machte einem heißen Gefühl in seinem Magen Platz. „Nicht hier.“ Er betonte jedes Wort. „Hier habe ich das Sagen. Wir kriegen die Katze und töten sie. Ende.“
„Und dann, wie kommen wir zurück? Hast du eine Ahnung, wie weit es ist? Kennst du noch den Weg?“
„Du nicht? Was kommst du jetzt damit an, du bist doch dabei gewesen. Geh zurück, wenn du ein Feigling sein willst.“ Ven musste lächeln. Seltsam, dass sein Bruder gerade jetzt seine Stimme fand, wo sie kurz vorm Ziel standen.
Mado hielt seinem Blick nicht lange Stand und ließ Ven langsam los. Ohne ein weiteres Wort zu verschwenden folgte Ven Rena und Ari tiefer in den Wald.

Im alten Land hatte Ven jeden Baumstamm und Ast auswendig gekannt. Der Stamm hatte dort seine Heimat gefunden und alles vertrieben, was ihm gefährlich werden konnte. Gefahren und Herausforderungen. Das neue Land aber hatte noch kein Stammesbruder betreten. Ven fühlte sich wie einer seiner Vorfahren, wenn er den Spuren der großen Katze folgte. Dort, wo er herkam, war die letzte von ihnen lange verschwunden. Er würde ihr den Speer ins Herz rammen und den ganzen Stamm wissen lassen, wozu er fähig war. Mado wollte aufgeben. Ein schwacher Anführer.
Hinter ihm war er ganz still, als sie durch das Unterholz stapften, über Schichten von Blättern und abgestorbenen Wurzeln. Durch die Baumkronen schimmerte goldenes Licht.
„Wo sind sie?“ Mado schloss zu ihm auf. Tatsächlich, sie hätten Ari und Rena längst erreichen müssen. Er blickte sich um. Rechts von ihnen lag ein umgefallener Baum, dessen Stamm mit Moos bedeckt war. Ein leichter Wind ließ die Blätter rascheln. Etwas trug er herüber, das Vens Ohren kitzelte. Jemand schrie nach Hilfe. Dann ein tiefes Knurren.
Über den Baumstamm. Durch die Büsche, Knacken und Knarzen unter ihren Füßen. Ven hatte seinen Speer fest mit der Hand umschlossen. Neben ihm keuchte Mado. Man musste ihn nicht ansehen um zu wissen, dass er sich fürchtete. Doch auch Ven rauschte das Blut durch die Ohren. Da hinten! Ein Aufblitzen hinter den Blättern. Ein paar Meter weiter, da stoppten sie. Rena und Ari hatten ihre Speere auf die Katze gerichtet und sie vor einen Baum getrieben. Das Tier, das Ven vielleicht bis zur Hüfte ging, hatte das braune Fell gesträubt. Die fingerlangen Zähne glänzten vom Geifer. Vens Blick sprang von der Bestie zu Rena, der etwas Blut den Arm hinabrann. Sie wirkte versteinert. Ari hingegen konnte seinen Speer nur mit Mühe hochhalten, weil er so zitterte.
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Mado, die Stimme nur ein Flüstern.
„Rena, geh nach rechts. Ari links.“ Ven konnte nur die Katze anstarren. „Ich nehme die Mitte.“
Sie gehorchten. Ganz langsam schnitten Ari und Rena dem Biest die Fluchtwege ab. Ven näherte sich, die Waffe erhoben. Aus dem Augenwinkel sah er ein Zucken. Ari war gestolpert, fing sich aber wieder.
„Ari!“
Hastig nickte er. „Ich schaffe das, Ven!“
Natürlich würde er das. Sie schlossen den Kreis. Mado trat neben ihn, aber Ven hatte keine Zeit sich um ihn zu kümmern. Spannung erfüllte seinen ganzen Körper. Fast nicht auszuhalten. Er tauschte einen Blick mit Rena.
„Jetzt!“
Ein Satz nach vorne, dann stieß sie dem Tier ihren Speer in die Flanke. Blut spritzte. Es heulte auf und schlug nach der Pranke nach ihr, doch sie wich aus, ohne ihren Platz aufzugeben.
„Ari!“, rief Ven. Gleich würde die Katze nicht mehr fliehen können. Der Todesstoß gehörte ihm selbst.
Nichts geschah. Ven sah, dass Ari zögerte. Und die Katze sprang. Er war verloren. Rena brüllte etwas, Ven ließ den Speer nach vorne schnellen. Doch er erwischte nur Luft.



Part 2 : Nächster
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon Telandril » 21.07.2015, 16:41

Hallo After Eight,

mich interessiert zunächst sehr wie es mit deiner Geschichte weiter gehen soll und was du generell für deine Kurzgeschichten geplant hast. Du hast zwar gesagt das es eine Reihe von einander unabhängiger Handlungen sein soll, aber vielleicht lässt du dir es ja offen das an die Geschichten eine Saga oder ähnliches zu knüpfen.

Nun zu deinem gewünschten Feedback.

Ich finde den Beginn jetzt nicht so spannend, wie die das Ende. Man will halt nachdem man die Charaktere kennengelernt hat wissen wie es weiter geht, also hast du schon Interesse mit dem Anfang geweckt, nur für mich mehr durch deine Charaktere als durch die Handlung selbst.

Deine Charaktere sind durchaus glaubwürdig und es lassen sich schnell Vermutungen über die Beziehungen zwischen den Charakteren anstellen. Mir fehlen allerdings ein wenig konkrete Gedankengänge der einzelnen Personen bzw. der Geschwister. Außerdem hätte ich gerne noch einige Infos zu den beiden gehabt, zu ihrem emotionalen bzw. familiären Verhältnis. ( Vielleicht auch Geschmackssache )

Von den Konflikten her, ist die Geschichte sehr gut aufgestellt und man erfährt ja bereits zu Beginn die ersten Konfliktsituationen. Du verdeutlichst sehr schön die angespannte Stimmung in der Gruppe und zwischen den beiden Geschwistern.
Allerdings sind die Dialoge teilweise ein wenig knapp, was sehr schade ist.

Beispiel: "„Er ist alt genug um zu jagen wie ein richtiger Mann. Wenn es ihm zu anstrengend wird, kann er es ja sagen.“
„Das macht er doch niemals.“

Leider kann ich den Rest irgendwie nicht kopieren, aufjedenfall kam dann :

Ok dann gehen wir weiter. schloss er

und das fand ich ein wenig schade, da der offensichtliche Konflikt der die komplette Gruppe betraf, vorwiegend den jungen Ari, so abrupt geendet ist. Außerdem fand ich es schade das sich die Charaktere meist mit der ersten Antwort des gegenüber zufrieden geben.


Abschließend will ich noch einmal zusammenfassen:

+ Du stellst die Athmosphäre der kompletten Situation schön heraus
+ Du hast dir eine spannende und vorallem glaubwürdige Beziehung zwischen den Charakteren ausgedacht und ein gemeinesames Ziel das dazu anregt wissen zu wollen wie es weiter geht.


- Die emotionale Gefühlswelt der einzelnen gerät ein wenig zu kurz
- Die in Dialogen eingebauten Konflikte sind ein wenig abrupt und lassen ein wenig die Konflikte an Spannung verlieren.


Trotzdem eine sehr kreative Idee, ich fände es schön wenn du weiter daran arbeiten würdest und bin gespannt wie es weiter geht.

Gruß Marcel
Telandril
 
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon after eight » 22.07.2015, 12:35

Lieber Telandril,

vielen Dank für Deine Rückmeldung, ich habe mich sehr gefreut. Du hast den Nagel echt auf den Kopf getroffen!
Die Interaktion der Charaktere zu schreiben hat mir Spaß gemacht und da die Charaktere Dein Interesse geweckt haben, scheine ich schon mal eine Sache richtig gemacht zu haben.
Was mir allerdings schwer fällt, ist es, eine logische und spannende Handlung aufzustellen. Deswegen kommt es, dass die Charaktere oft schwächer reagieren als es ihnen eigentlich entsprechen würde, weil ich halt irgendwie zum nächsten Punkt kommen will.
Dies auszumerzen und die Gefühlswelt der einzelnen Charaktere deutlicher zu machen werde ich in der Überarbeitung versuchen (die Überarbeitung werde ich hier auch reinstellen, aber erst wenn alle Teile der Geschichte schon hier hochgeladen sind).

Im nächsten Part geht es an dieser Stelle weiter, d.h. die Teile bauen aufeinander auf, ich musste die Kurzgeschichte nur aufteilen wegen der 1000-Wörter-Begrenzung. Deswegen werden es wahrscheinlich 3-4 Teile.

Zu guter Letzt noch mal vielen Dank für Deinen Kommentar, er hilft mir sehr weiter. Weitere Meinungen wären aber trotzdem erwünscht, immer her damit! :girl:

Herzliche Grüße
after eight
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon Lionera » 24.07.2015, 17:14

Hallo after eight,

ich möchte mich im Großen und Ganzen Telandrils Meinung anschließen. Mich hat deine Geschichte gefesselt und ich würde gerne wissen, wie es weiter geht.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, waren äußerliche Beschreibungen der Charaktere. Ich habe erfahren, dass Ven groß, aber eher schmächtig ist. Mehr jedoch leider nicht. Ich persönlich möchte mir die Charaktere, in deren Welt ich eintauche, gerne bildlich vorstellen können.
Dazu müsstest du nicht absatzweise Abhandlungen schreiben, sondern hier und da kleine Beschreibungen einfügen.

z.B., einfach mal aus der Luft gegriffen:
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben und in ihren blauen Augen funkelt die Vorfreude, „Er wird langsam müde.“


„Mehr um Ari.“, antwortete Mado und fuhr sich unsicher mit einer Hand durch seine schwarzen Haare, „Er ist zu jung für so eine lange Jagd.“


Auch hat mir die Beschreibung der Katze gefehlt. Ich gehe als Leser natürlich davon aus, dass es sich nicht um eine Hauskatze handelt, die die Gruppe mit Speeren verfolgt. Jedoch wie kann ich sie mir vorstellen? Wie eine Art Säbelzahntiger? Warum verfolgen sie die Katze? Aus Sicherheitsgründen? Wegen Nahrung? Aus Prestigé?

Die Gespräche unter den Charakteren sind gut aufgebaut, enden jedoch teilweise abrupt. Sicherlich möchte der ein oder andere nicht weiter- oder widersprechen, jedoch hätte ich mich hier über ein paar Gedanken des jeweiligen Akteurs gefreut, um ihn und seine Gefühlswelt besser kennenzulernen.


Ich hoffe, es ist verständlich, wie ich es meine. Ich wünsche dir viel Spaß beim weiteren Schreiben und hoffe, dass dich mein Hinweis weiterbringt.
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon Pferdinand » 27.07.2015, 20:52

Hey :dasheye:

Die folgende Übersicht ist weniger eine Bewertung, als eine Einstufung, an welchen Bereichen dein Text meiner Meinung nach noch Verbesserungspotential innehat.

Pferdinands Potentialdiagramm
- Titel: ■■■■■
- Einstieg: ■■■■
- Handlung: □□□□
- Charaktere: ■■□□□□
- Spannung: ■■□□□
- Stil: ■■■■
- Gesamt: ■■■□□

Umfassend
(1) Gesamteindruck
Okay, ich muss zugeben, das hier ist ein interessanter Fall. Ich finde deinen Schreibstil an sich äußerst sauber und rein. Er liest sich klar und flüssig. Woran ich mich allerdings stoße ist, WAS du mit deinen Worten so elegant ausdrückst. Dein Text besteht inhaltlich zu einem großen Prozentsatz aus Nebensächlichkeiten. Ich werde versuchen im Detail darauf einzugehen.

Hier bin ich in einer kleinen Zwickmühle, da ich nicht weiß wie alt du bist. Ich vermute du gehörst zu den verhältnismäßig jüngeren Schreiberlingen – dann würde ich deinen Text nämlich als außerordentlich gut bezeichnen. Aber deiner Beschreibung entnehme ich, dass du knallhart und ohne Vorurteile beurteilt werden willst ;) Ich werde dir also zu allem im Detail meine Meinung geben und begründen – sieh es wie einen Ideen-Supermarkt an, du entscheidest selbst was du kaufst.

(2) Titel
Zum Titel kann ich noch nicht viel sagen, jedoch weckt bei mir Interesse und wirkt erstmal so, als würde sich die Bedeutung im Laufe der Geschichte noch ergeben.

(3) Einstieg
Die Rast war vorbei. Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten.

Okay, dein Beginn klingt gut. Das finde ich immer sehr wichtig und damit wäre ich hier zufrieden.
Wenn ich ihn aber logisch-überlegend betrachte, frage ich mich: Die Rast ist vorbei, klar dass sie jetzt keine Zeit mehr für anderes haben. Zeit dafür wäre ja während der Rast gewesen.
Glaube das lässt sich jedoch ganz leicht beheben: „Die Rast war nur kurz.“
Dann ergeben alle weiteren Teile plötzlich Sinn.

Ansonsten gut. Regt zum Weiterlesen an und wirft die Frage auf, wer denn hier im Wald unterwegs ist.

(4) Rechtschreibung
Zwei Kleinigkeiten zur wörtlichen Rede:
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre => ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“

Ist die wörtliche Rede ein Aussagesatz und folgt darauf ein Anhang, wer etwas macht/sagt (keine Ahnung wie das genau heißt), so fällt der Punkt weg. Der „Anhang“ wird nie groß geschrieben.
Ansonsten sehr angenehme Rechtschreibung und Grammatik.

(5) Anmerkungen zu Formulierungen und Inhalt
„Kommt weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Ich bin bereit.“
Ven nickte ihm zu und wandte sich zu Rena, die hinter ihm stand.
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“
Zufrieden erwiderte er ihr Lächeln. Sie war die geborene Jägerin. Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen.


Inhaltlich: Aha, es gibt Tannen und Pilze. Wir befinden uns also eher in nördlicheren Wäldern.

Ich liste einfach mal die Kleinigkeiten auf, die mir auffallen
- Ari springt auf (signalisiert damit, dass er bereit ist) und sagt dann, dass er bereit ist.

- Ven wirkt hier sehr kommentierend. Ich sehe seine Reaktion auf jedes kleine Geschehen. Ari ist bereit, Ven nickt ihm zu. Ven dreht sich um. Ven erwidert Renas Lächeln. Er macht hier insgesamt sehr viel, sagt damit aber verhältnismäßig wenig aus.

- Rena steht hinter ihm und kommentiert dann die Spuren. Wenn sie ihre Erkenntnis schon hatte, warum hat sie das nicht während der Pause erwähnt, die sie offenbar hatten. Stand sie nur hinter ihm herum, um zu warten, bis der Regisseur endlich „Action“ ruft? Wahrscheinlicher wäre so eine Aussage, wenn sie gerade über die Spuren gebeugt ist und dann ihre frisch gewonnene Erkenntnis kund tut.

- Renas Lippen verziehen sich nach oben = Lächeln? Du meinst hier wahrscheinlich die Mundwinkel? Lippen nach oben verziehen ergibt zumindest in meiner Vorstellung eine ziemlich amüsante Frosch-Schnute.

- Für Ven ist es „die Katze“, für Rena ist es „er“. Wieso verwenden sie verschiedene Begriffe. Und: Wieso ist es für sie eine Katze? Wenn ein Stadtmensch das erste Mal eine Raubkatze sieht, kann sie ihm wie eine große Katze vorkommen. Aber sollten Stammesmenschen nicht eher Raubkatzen kennen und kleine Katzen sehr amüsant und ungewohnt finden? Oder hält ihr Stamm Hauskatzen?

Vorschlag:
„Kommt, weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Die Spuren führen gen Westen“, Rena war über die Abdrücke im Boden gebeugt, „Er wird langsam müde.“
Sie war die geborene Jägerin.[, dachte Ven.] Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen.

So sparst du dir Handlungen, Gesten und Worte, die eigentlich gar nichts aussagen und bringst trotzdem das gleiche rüber. Deine Geschichte wird schneller und damit spannender.

Ari stieß mit geschultertem Bogen zu ihnen, da rief jemand Vens Namen.
Mado.
Sie traten sich gegenüber. Im Vergleich zu seinem Bruder war Ven dünn und hager. Aber er brauchte kein breites Kreuz und keine breiten Schultern, solange er auf Mado herabschauen konnte.
„Können wir reden?“
„Natürlich.“, antwortete er, bewegte sich aber kein Stück. Mado zögerte und sah ihm dann in die Augen.
„Viel weiter können wir nicht gehen.“
Mit gehobenen Augenbrauen machte Ven eine Geste in Richtung der zwei anderen. „Geht vor.“


Was passiert hier in elf Sätzen? Mado tritt zur Gruppe und meint zu Ven, dass sie nicht viel weiter gehen können. Ari und Rena gehen voraus. Ende.
Außerdem erfahren wir, dass Mado kräftiger ist als Ven.

Das ist okay für einen ersten Entwurf, aber vor allem bei einer Kurzgeschichte – da sie so kurz ist – muss jedes Wort das du verwendest auch seinen Platz in der Geschichte haben.

Im Detail:
- Ari tritt mit geschultertem Bogen dazu. Ari ist bereits aufgesprungen. Jetzt erfahren wir noch, dass er drei Schritte getan hat, und dass er einen Bogen besitzt. Wenn du den Bogen unterbringen möchtest, dann mach es während er aufspringt: „der sofort aufsprang und seinen Bogen schulterte.“

- Mado kündigt sich erst selbst an, indem er Vens Namen ruft. Dann kündigt er an, dass er etwas sagen möchte. Er steht Ven gegenüber, aber erst als dieser zustimmt, dass Mado etwas sagen darf, blickt Mado ihm in die Augen. Du siehst vielleicht selbst, dass hier recht viel gesagt wird, ohne dass etwas geschieht.

- Ven braucht kein breites Kreuz und keine breiten Schultern (Leute mit einem breiten Kreuz haben häufiger breite Schultern), solange er auf seinen Bruder herabschauen kann. Ich schätze du möchtest hiermit sagen, dass er größer ist. Es beinhaltet jedoch gleichzeitig „auf jemanden herabschauen“, was Ven als (scheinbaren) Hauptcharakter nicht unbedingt in einem sympathischen Licht darstellt.

- Sie befinden sich mitten in einem unbekannten Gebiet. Sie sind kurz vor ihrem Ziel. Aber da Mado etwas sagen möchte, müssen sie sich aufteilen. Wirkt ein bisschen, als würde das nur geschehen, damit die Handlung später stattfinden kann.


Erstmal weiter


Ihre Schritte entfernten sich durch knackende Zweige und Tannennadeln. Beinahe konnte er Renas Blick auf sich spüren, doch er fixierte seinen Bruder. „Wie bitte?“
Der Anblick von Mados gerunzelter Stirn war nichts Neues. Er fand immer einen Grund, sich zu sorgen. „Es wird gefährlicher, je weiter wir gehen.“
Es war offensichtlich, was er wirklich sagen wollte. „Du hast Angst.“
„Nein - ich mache mir Sorgen um Rena und Ari.“
Ven stieß Luft durch die Zähne. Ausreden. „Um Rena? Wirklich?“
„Mehr um Ari.“, antwortete Mado zögernd, „Er ist zu jung für so eine lange Jagd.“
„Er ist alt genug um zu jagen wie ein richtiger Mann. Wenn es ihm zu anstrengend wird, kann er es ja sagen.“
„Das macht er doch niemals.“
„Gut. Dann machen wir weiter.“, schloss Ven.
Als er weitergehen wollte, zuckte Mados Hand nach vorne. Der Griff schloss sich fest um seinen Unterarm. Nichts, woraus er sich nicht befreien konnte, um Mado die Faust in den Magen zu rammen. Zurück hielt ihn nur die Neugierde. Würde sich sein erhabener Bruder mit ihm prügeln?
„Wenn ich sage wir gehen zurück, dann gehen wir zurück.“
Mado konnte nicht bestimmt klingen. Ein Versuch war alles, was er zu Stande brachte. Doch abseits des Tons war etwas in seiner Körperhaltung, die zurückgerollten Schultern vielleicht, das Ven etwas Respekt abverlangte.
„Wieso?“
„Weil ich der Anführer bin.“
Der Respekt verflog und machte einem heißen Gefühl in seinem Magen Platz. „Nicht hier.“ Er betonte jedes Wort. „Hier habe ich das Sagen. Wir kriegen die Katze und töten sie. Ende.“
„Und dann, wie kommen wir zurück? Hast du eine Ahnung, wie weit es ist? Kennst du noch den Weg?“
„Du nicht? Was kommst du jetzt damit an, du bist doch dabei gewesen. Geh zurück, wenn du ein Feigling sein willst.“ Ven musste lächeln. Seltsam, dass sein Bruder gerade jetzt seine Stimme fand, wo sie kurz vorm Ziel standen.
Mado hielt seinem Blick nicht lange Stand und ließ Ven langsam los. Ohne ein weiteres Wort zu verschwenden folgte Ven Rena und Ari tiefer in den Wald.


Zusammenfassung (stark übertrieben dargestellt) M: Es ist zu gefährlich. V: Du hast doch nur Angst. M: Es ist zu gefährlich für Ari. V: Nein, ist es nicht. M: Doch. V: Nein. M: Du machst was sich sage. V: Wieso? M: Weil ich der Anführer bin. V: Hier bin ich der Anführer. M: Ich habe aber recht.
Das klingt jetzt natürlich in der Form etwas krass.

Vorschlag:
„Wir können nicht weiter gehen!“, Mado trat zur Gruppe hinzu.
Ven blickte seinen Bruder missbilligend an, welcher zwar kräftiger, aber auch ein gutes Stück kleiner war. „Wir werden weiter gehen. Wir werden diese Katze nicht entkommen lassen.“
„Es wird mit jedem Schritt gefährlicher!“
Ven stieß Luft durch die Zähne. Ausreden. „Du hast Angst.“
„Ari ist viel zu jung für so eine lange Jagd.“


An der Stelle könnte Ari sich dann einmischen und für sich selbst sprechen. Vielleicht protestiert er. Mado kann dann zurecht darauf hinweisen, dass Ari zu stolz sei um sich eine Schwäche hier einzugestehen. Hieraus könnte dann ebenfalls ein Konflikt zwischen Mado und Ven entbrennen.
Meine persönliche Meinung zu ihrem Streit ist, dass er noch intensiver wird, wenn es dir gelingt etwas mehr Dynamik einzubauen. Bisher ist es ein ziemliches hin und her – beide behaupten abwechselnd in verschiedener Form recht zu haben und wirken überhaupt sehr kindisch.
Ich weiß nicht, ob klar ist, was ich hier meine. Wenn es nicht verständlich ist führe ich hier gerne noch mehr aus.

Klar, wenn du die Handlung sich auf diese Weise entfalten lässt, dann müssen sich auch die weiteren Szenen etwas ändern. Wahrscheinlich würden sie der Katze zu viert begegnen. Vielleicht wäre das sogar noch spannender. Der Leser kriegt genau mit, was passiert, er erlebt den Kampf. Und die wichtige Stelle, in der Ari zögert, kann ja trotzdem genauso geschehen. Sie passt vielleicht sogar noch besser ins Geschehen, da Ari vorher schon besser als Charakter vorgestellt wurde (wenn er sich selbst im Streitgespräch verteidigt).
Außerdem kannst du es so umgehen, eine Begründung dafür finden zu müssen, warum sie sich hier aufteilen müssen.

Im alten Land hatte Ven jeden Baumstamm und Ast auswendig gekannt. Der Stamm hatte dort seine Heimat gefunden und alles vertrieben, was ihm gefährlich werden konnte. Gefahren und Herausforderungen. Das neue Land aber hatte noch kein Stammesbruder betreten. Ven fühlte sich wie einer seiner Vorfahren, wenn er den Spuren der großen Katze folgte. Dort, wo er herkam, war die letzte von ihnen lange verschwunden. Er würde ihr den Speer ins Herz rammen und den ganzen Stamm wissen lassen, wozu er fähig war. Mado wollte aufgeben. Ein schwacher Anführer.

Das hier ist ein erzählender Paragraph, in dem dein Schreibstil gut zum Vorschein kommt. Gefällt mir sehr gut und hilft mir, mich in Ven hinein zu versetzen.

Hinter ihm war er ganz still, als sie durch das Unterholz stapften, über Schichten von Blättern und abgestorbenen Wurzeln. Durch die Baumkronen schimmerte goldenes Licht.

Hinter ihm war er ganz still => Zweimal er. Mindestens einen Namen musst du einfügen, sonst wird hier nicht klar wer gemeint ist.
Schichten von Blättern => Waren wir nicht eben noch in einem Nadelwald?

„Wo sind sie?“ Mado schloss zu ihm auf. Tatsächlich, sie hätten Ari und Rena längst erreichen müssen. Er blickte sich um. Rechts von ihnen lag ein umgefallener Baum, dessen Stamm mit Moos bedeckt war. Ein leichter Wind ließ die Blätter rascheln. Etwas trug er herüber, das Vens Ohren kitzelte. Jemand schrie nach Hilfe. Dann ein tiefes Knurren.


Wieder sehr schön geschrieben! Hier müsstest du natürlich etwas ändern, wenn sie sich nicht aufteilen, aber ich werde den folgenden Teil einfach unter dem Vorgedanken durchsehen, dass es einen vernünftigen Grund gab sich aufzuteilen.

1. Wieso hätten sie sie längst erreichen müssen? Hatte er ihnen gesagt, sie sollen nur langsam vorausgehen? Oder haben Ven und Mado sich besonders beeilt? Im Text finde ich nichts hierzu.

2. Wieder Blätter statt Nadeln.

3. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber würden die Jäger wirklich um Hilfe schreien, wenn sie auf ihre Beute stoßen? Haben sie nicht ein bestimmtes Zeichen, um sich untereinander zu verständigen? Und etwas vorher unterhalten sie sich darüber, dass sie den Weg zurück nicht mehr sicher finden würden. Für ein Volk, dass in der Natur leben soll, kann ich mir schwer vorstellen, dass sie nicht wissen, wie man im Wald einen Weg markiert (Äste umknicken, mit dem Messer in Bäume ritzen, …)

Über den Baumstamm. Durch die Büsche, Knacken und Knarzen unter ihren Füßen. Ven hatte seinen Speer fest mit der Hand umschlossen. Neben ihm keuchte Mado. Man musste ihn nicht ansehen um zu wissen, dass er sich fürchtete. Doch auch Ven rauschte das Blut durch die Ohren.


Ich persönlich bin ein Fan von solch kurzen Sätzen, um Spannung zu erzeugen. Hier fehlt aber für mich eine Angabe, was sie über Baumstamm und durch Büsche machen. Eine Art „Go-Signal“, wie „Sie rannten los.“

„keuchen“ und „Blut durch die Ohren rauschen“ sind beides Beschreibungen, die für mich nicht präzise genug sind. Ich verbinde nichts damit, kann mir nicht genau etwas darunter vorstellen, deswegen wirken sie für mich etwas unpassend oder nicht plastisch.

Da hinten! Ein Aufblitzen hinter den Blättern. Ein paar Meter weiter, da stoppten sie. Rena und Ari hatten ihre Speere auf die Katze gerichtet und sie vor einen Baum getrieben. Das Tier, das Ven vielleicht bis zur Hüfte ging, hatte das braune Fell gesträubt. Die fingerlangen Zähne glänzten vom Geifer. Vens Blick sprang von der Bestie zu Rena, der etwas Blut den Arm hinabrann. Sie wirkte versteinert. Ari hingegen konnte seinen Speer nur mit Mühe hochhalten, weil er so zitterte.


da stoppten sie => stoppten sie

vom Geifer => vor Geifer (Dativ ist dem Genitiv sein Tod und so)

„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Mado, die Stimme nur ein Flüstern.
„Rena, geh nach rechts. Ari links.“ Ven konnte nur die Katze anstarren. „Ich nehme die Mitte.“
Sie gehorchten.


Hier verliert die Geschichte für mich wieder etwas von der eben gewonnenen Spannung und Glaubwürdigkeit. Mados Frage wirkt für mich etwas fehl am Platz, er sieht schließlich, in welcher Situation die beiden sich befinden. Ven gibt anschließend sehr spezifische Anweisungen, wer sich in welche Richtung zu bewegen hat, was dem Leser jedoch nicht viel hilft, da er gar nicht genau weiß, wer an welcher Stelle steht. Hier wäre abstrakter besser, damit niemand in seinen eigenen Visualisationen gestört wird. Vielleicht wenn Ven einfach ein „Zeichen zum Umzingeln“ gibt. So läufst du nicht Gefahr den Leser aus seiner Vorstellung herauszuwerfen und sparst dir gleichzeitig unnötige Details.

Versteh mich nicht falsch, ich mag Details, aber ich finde, sie sollten stets einen Existenzgrund haben. Ein Detail macht meiner Meinung nach nur Sinn, wenn es der Geschichte einen Mehrwert irgendeiner Art gibt. Das Rena nach rechts geht und Ari nach links ist hier erstmal wenig erleuchtend.

Ganz langsam schnitten Ari und Rena dem Biest die Fluchtwege ab. Ven näherte sich, die Waffe erhoben. Aus dem Augenwinkel sah er ein Zucken. Ari war gestolpert, fing sich aber wieder.


Gefällt mir wieder gut. Nur ein „Zucken“ ist für mich etwas ganz anderes als ein „Stolpern“. Eine (hecktische) Bewegung aus dem Augenwinkel wirkt für mich z.B. kongruenter.

„Ari!“
Hastig nickte er. „Ich schaffe das, Ven!“
Natürlich würde er das. Sie schlossen den Kreis. Mado trat neben ihn, aber Ven hatte keine Zeit sich um ihn zu kümmern. Spannung erfüllte seinen ganzen Körper. Fast nicht auszuhalten. Er tauschte einen Blick mit Rena.


Hier wird wieder wörtliche Rede kommentiert:
Ari => Ari nickt
Ich schaffe das, Ven => Ven stimmt in Gedanken zu
Das ist etwas überflüssig und nimmt eher Spannung, als dass es welche hinzufügt.

„Ari!“
„Ich schaffe das, Ven!“

Das tut den Job ebenso.

Und dass Ven „keine Zeit hat, sich um Mado zu kümmern“ wirkt hier fehl am Platz. Kann Mado nicht für sich selbst denken? Weiß er nicht, was er zu tun hat? Falls nein, warum ist er dann dabei? Das geht auch wieder auf den vorherigen Punkt zurück. Es muss nicht alles aus Vens Sicht kommentiert werden. Ein „Mado trat neben ihn.“ sagt alles aus, was du aussagen musst.

„Jetzt!“
Ein Satz nach vorne, dann stieß sie dem Tier ihren Speer in die Flanke. Blut spritzte. Es heulte auf und schlug nach der Pranke nach ihr, doch sie wich aus, ohne ihren Platz aufzugeben.

Ein Speer bleibt meistens erstmal in seinem Opfer stecken. Hierbei kann noch kein Blut spritzen. Selbst wenn sie ihn mit Kraft wieder herauszieht, ist spritzendes Blut unwahrscheinlich. Wenn nicht direkt eine Hauptschlagader geöffnet wird, verschließen sich Wunden erst einmal für einen Schockmoment. Und selbst danach wird Blut eher herabfließen, als wild durch die Gegend spritzen.

„Ari!“, rief Ven. Gleich würde die Katze nicht mehr fliehen können. Der Todesstoß gehörte ihm selbst.
Nichts geschah. Ven sah, dass Ari zögerte. Und die Katze sprang. Er war verloren. Rena brüllte etwas, Ven ließ den Speer nach vorne schnellen. Doch er erwischte nur Luft.


Hier ist erstmal nicht ganz klar, was mit Vens Ruf gemeint ist. Anscheinend möchte Ven, dass Ari die Katze tötet, aber das kommt hier nicht ganz rüber.

Auch „gehörte ihm selbst“ bezieht sich in deiner Satzstruktur eher auf Ven. Das braucht noch etwas Klarstellung.

(6) Charaktere
Ven: Scheint sich für den Anführer der Gruppe zu halten, obwohl sein Bruder der eigentliche Anführer zu sein scheint. Er wirkt ein wenig herablassend und bestimmend, gleichzeitig ein wenig naiv, da er Argumente nicht ernstnimmt, und statt dessen einfach seinen eigenen Vermutungen vertraut („natürlich wird er es schaffen“).

Ari: Er wirkt motiviert und stolz, möchte sich keine Angst eingestehen, fürchtet sich aber natürlich trotzdem.

Rena: Sie ist eine erfahrene Jägerin.

Mado: Der stets besorgte Bruder, der obwohl er scheinbar der kräftigere ist, sich nicht durchzusetzen können scheint. Er wirkt allgemein etwas fehlt am Platz.

Sind die Charaktere glaubwürdig?
Jein. In deinen erzählenden und beschreibenden Passagen wirken deine Charaktere auf mich sehr echt und ich kann mich gut in sie hineinversetzen. In den Abschnitten der wörtlichen Rede dagegen, stellen sie eher Stereotype dar. Hier würde ich mir wünschen, dass du dir selbst noch ein paar Fragen zu den Charakteren stellst. Wie fühlen sie jeweils? Was wollen sie erreichen? Wie würden sie das am ehesten ausdrücken?


(7) Fazit
Gibt es genug Konflikte?
Da es eine Kurzgeschichte ist, muss hier kein großes Aufgebot an Konflikten auf den Tisch kommen. Ein sauber dargestellter Konflikt reicht hier um mich zu fesseln. Deine Nebenkonflikte sind an sich schon glaubwürdig, werden aber dadurch, dass sie sich durch hin und her im Dialog festfahren, sehr langsam und ziehen das Tempo und die Spannung der Geschichte etwas herunter.

Wie schätzt ihr diesen Beginn ein? Weckt er euer Interesse?
Ja, er weckt mein Interesse. Was möglicherweise auch am Cliffhanger am Ende liegen mag.
Wieso sind die Stammesjünglinge auf Katzenjagd unterwegs? Wieso mussten sie in diesen Wald umziehen? Was haben sie vor, sobald die Aufgabe erledigt ist? Und natürlich: Wie wird der Kampf ausgehen?

Das klingt jetzt insgesamt vielleicht recht hart, deswegen möchte ich nochmal deinen Schreibstil hervorheben, den ich wirklich sehr beeindruckend finde. Am meisten verbessern kannst du deine Geschichte meiner Meinung nach, indem du an deinem Dialog arbeitest.

Der Dialog in einer Geschichte ist etwas anders als der in der Realität. In echt sagen wir einfach, was uns in den Kopf kommt. In der Geschichte, auch wenn es so rüber kommt, wenn es gut gemacht ist, steckt doch viel mehr darin. Der Dialog ist viel kondensierter und intensiver. Nichts Überflüssiges hat darin Platz. Vor allem nicht in einer Kurzgeschichte.
Eine interessante Geschichte mit verschiedenen Schwächen und Stärken.

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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon after eight » 27.07.2015, 22:31

Hey Pferdinand!


Mensch, vielen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung und den Aufwand, den Du betrieben hast. Einige Dinge, die Du angesprochen hast, wusste ich schon, den Großteil habe ich nie so vor Augen geführt bekommen. Könnte daran liegen, dass erst eine handvoll Leute meine Sachen gelesen haben!
Meiner Meinung nach wird es höchste Zeit, dass sich das ändert, denn man kann sich alleine nicht unendlich verbessern (wie man sieht :lol: ).
Vielen Dank auch für das Lob. Was mein Alter betrifft - ich bin gerade achtzehn geworden und fühle mich verhältnismäßig alt! :XD:

Nun aber zu Deiner Rückmeldung:

„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre => ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“


Ist die wörtliche Rede ein Aussagesatz und folgt darauf ein Anhang, wer etwas macht/sagt (keine Ahnung wie das genau heißt), so fällt der Punkt weg. Der „Anhang“ wird nie groß geschrieben.
Ansonsten sehr angenehme Rechtschreibung und Grammatik.


Danke, das kriege ich immer durcheinander!


„Kommt weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Ich bin bereit.“
Ven nickte ihm zu und wandte sich zu Rena, die hinter ihm stand.
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“
Zufrieden erwiderte er ihr Lächeln. Sie war die geborene Jägerin. Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen.


Inhaltlich: Aha, es gibt Tannen und Pilze. Wir befinden uns also eher in nördlicheren Wäldern.
Ich liste einfach mal die Kleinigkeiten auf, die mir auffallen
- Ari springt auf (signalisiert damit, dass er bereit ist) und sagt dann, dass er bereit ist.

- Ven wirkt hier sehr kommentierend. Ich sehe seine Reaktion auf jedes kleine Geschehen. Ari ist bereit, Ven nickt ihm zu. Ven dreht sich um. Ven erwidert Renas Lächeln. Er macht hier insgesamt sehr viel, sagt damit aber verhältnismäßig wenig aus.



Ari stieß mit geschultertem Bogen zu ihnen, da rief jemand Vens Namen.
Mado.
Sie traten sich gegenüber. Im Vergleich zu seinem Bruder war Ven dünn und hager. Aber er brauchte kein breites Kreuz und keine breiten Schultern, solange er auf Mado herabschauen konnte.
„Können wir reden?“
„Natürlich.“, antwortete er, bewegte sich aber kein Stück. Mado zögerte und sah ihm dann in die Augen.
„Viel weiter können wir nicht gehen.“
Mit gehobenen Augenbrauen machte Ven eine Geste in Richtung der zwei anderen. „Geht vor.“


Was passiert hier in elf Sätzen? Mado tritt zur Gruppe und meint zu Ven, dass sie nicht viel weiter gehen können. Ari und Rena gehen voraus. Ende.
Außerdem erfahren wir, dass Mado kräftiger ist als Ven.
Das ist okay für einen ersten Entwurf, aber vor allem bei einer Kurzgeschichte – da sie so kurz ist – muss jedes Wort das du verwendest auch seinen Platz in der Geschichte haben.
Im Detail:
- Ari tritt mit geschultertem Bogen dazu. Ari ist bereits aufgesprungen. Jetzt erfahren wir noch, dass er drei Schritte getan hat, und dass er einen Bogen besitzt. Wenn du den Bogen unterbringen möchtest, dann mach es während er aufspringt: „der sofort aufsprang und seinen Bogen schulterte.“

- Mado kündigt sich erst selbst an, indem er Vens Namen ruft. Dann kündigt er an, dass er etwas sagen möchte. Er steht Ven gegenüber, aber erst als dieser zustimmt, dass Mado etwas sagen darf, blickt Mado ihm in die Augen. Du siehst vielleicht selbst, dass hier recht viel gesagt wird, ohne dass etwas geschieht.


Das leuchtet mir alles sehr gut ein. Ich denke man kann diese Punkte unter dem Überbegriff "weniger labern, mehr machen" zusammenfassen. Wäre mir so nie aufgefallen, vor allem, da ich immer davon überzeugt war, ich müsste mehr Reaktionen beschreiben und Emotionen zeigen. Bringt aber nicht viel, wenn man sich wiederholt und damit das Tempo flöten geht. Ist registriert, vielen Dank.


- Rena steht hinter ihm und kommentiert dann die Spuren. Wenn sie ihre Erkenntnis schon hatte, warum hat sie das nicht während der Pause erwähnt, die sie offenbar hatten. Stand sie nur hinter ihm herum, um zu warten, bis der Regisseur endlich „Action“ ruft? Wahrscheinlicher wäre so eine Aussage, wenn sie gerade über die Spuren gebeugt ist und dann ihre frisch gewonnene Erkenntnis kund tut.

- Renas Lippen verziehen sich nach oben = Lächeln? Du meinst hier wahrscheinlich die Mundwinkel? Lippen nach oben verziehen ergibt zumindest in meiner Vorstellung eine ziemlich amüsante Frosch-Schnute.

- Für Ven ist es „die Katze“, für Rena ist es „er“. Wieso verwenden sie verschiedene Begriffe. Und: Wieso ist es für sie eine Katze? Wenn ein Stadtmensch das erste Mal eine Raubkatze sieht, kann sie ihm wie eine große Katze vorkommen. Aber sollten Stammesmenschen nicht eher Raubkatzen kennen und kleine Katzen sehr amüsant und ungewohnt finden? Oder hält ihr Stamm Hauskatzen?

- Sie befinden sich mitten in einem unbekannten Gebiet. Sie sind kurz vor ihrem Ziel. Aber da Mado etwas sagen möchte, müssen sie sich aufteilen. Wirkt ein bisschen, als würde das nur geschehen, damit die Handlung später stattfinden kann.

Hinter ihm war er ganz still, als sie durch das Unterholz stapften, über Schichten von Blättern und abgestorbenen Wurzeln. Durch die Baumkronen schimmerte goldenes Licht.


Hinter ihm war er ganz still => Zweimal er. Mindestens einen Namen musst du einfügen, sonst wird hier nicht klar wer gemeint ist.
Schichten von Blättern => Waren wir nicht eben noch in einem Nadelwald?


1. Wieso hätten sie sie längst erreichen müssen? Hatte er ihnen gesagt, sie sollen nur langsam vorausgehen? Oder haben Ven und Mado sich besonders beeilt? Im Text finde ich nichts hierzu.

2. Wieder Blätter statt Nadeln.

3. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber würden die Jäger wirklich um Hilfe schreien, wenn sie auf ihre Beute stoßen? Haben sie nicht ein bestimmtes Zeichen, um sich untereinander zu verständigen? Und etwas vorher unterhalten sie sich darüber, dass sie den Weg zurück nicht mehr sicher finden würden. Für ein Volk, dass in der Natur leben soll, kann ich mir schwer vorstellen, dass sie nicht wissen, wie man im Wald einen Weg markiert (Äste umknicken, mit dem Messer in Bäume ritzen, …)


Über den Baumstamm. Durch die Büsche, Knacken und Knarzen unter ihren Füßen. Ven hatte seinen Speer fest mit der Hand umschlossen. Neben ihm keuchte Mado. Man musste ihn nicht ansehen um zu wissen, dass er sich fürchtete. Doch auch Ven rauschte das Blut durch die Ohren.

Ich persönlich bin ein Fan von solch kurzen Sätzen, um Spannung zu erzeugen. Hier fehlt aber für mich eine Angabe, was sie über Baumstamm und durch Büsche machen. Eine Art „Go-Signal“, wie „Sie rannten los.“

„keuchen“ und „Blut durch die Ohren rauschen“ sind beides Beschreibungen, die für mich nicht präzise genug sind. Ich verbinde nichts damit, kann mir nicht genau etwas darunter vorstellen, deswegen wirken sie für mich etwas unpassend oder nicht plastisch.


Da hinten! Ein Aufblitzen hinter den Blättern. Ein paar Meter weiter, da stoppten sie. Rena und Ari hatten ihre Speere auf die Katze gerichtet und sie vor einen Baum getrieben. Das Tier, das Ven vielleicht bis zur Hüfte ging, hatte das braune Fell gesträubt. Die fingerlangen Zähne glänzten vom Geifer. Vens Blick sprang von der Bestie zu Rena, der etwas Blut den Arm hinabrann. Sie wirkte versteinert. Ari hingegen konnte seinen Speer nur mit Mühe hochhalten, weil er so zitterte.

da stoppten sie => stoppten sie

vom Geifer => vor Geifer (Dativ ist dem Genitiv sein Tod und so)


„Jetzt!“
Ein Satz nach vorne, dann stieß sie dem Tier ihren Speer in die Flanke. Blut spritzte. Es heulte auf und schlug nach der Pranke nach ihr, doch sie wich aus, ohne ihren Platz aufzugeben.

Ein Speer bleibt meistens erstmal in seinem Opfer stecken. Hierbei kann noch kein Blut spritzen. Selbst wenn sie ihn mit Kraft wieder herauszieht, ist spritzendes Blut unwahrscheinlich. Wenn nicht direkt eine Hauptschlagader geöffnet wird, verschließen sich Wunden erst einmal für einen Schockmoment. Und selbst danach wird Blut eher herabfließen, als wild durch die Gegend spritzen.


„Ari!“, rief Ven. Gleich würde die Katze nicht mehr fliehen können. Der Todesstoß gehörte ihm selbst.
Nichts geschah. Ven sah, dass Ari zögerte. Und die Katze sprang. Er war verloren. Rena brüllte etwas, Ven ließ den Speer nach vorne schnellen. Doch er erwischte nur Luft.

Hier ist erstmal nicht ganz klar, was mit Vens Ruf gemeint ist. Anscheinend möchte Ven, dass Ari die Katze tötet, aber das kommt hier nicht ganz rüber.
Auch „gehörte ihm selbst“ bezieht sich in deiner Satzstruktur eher auf Ven. Das braucht noch etwas Klarstellung.


Diese Aspekte sind Logikfehler, "Stilblüten", oder schlichtweg die Momente, wo ich die Logik für den Plot über Bord geworfen habe. Ich werde die Stellen mithilfe Deiner Anmerkungen überarbeiten, wie wohl die ganze Geschichte.


Ven: Scheint sich für den Anführer der Gruppe zu halten, obwohl sein Bruder der eigentliche Anführer zu sein scheint. Er wirkt ein wenig herablassend und bestimmend, gleichzeitig ein wenig naiv, da er Argumente nicht ernstnimmt, und statt dessen einfach seinen eigenen Vermutungen vertraut („natürlich wird er es schaffen“).

Ari: Er wirkt motiviert und stolz, möchte sich keine Angst eingestehen, fürchtet sich aber natürlich trotzdem.

Rena: Sie ist eine erfahrene Jägerin.

Mado: Der stets besorgte Bruder, der obwohl er scheinbar der kräftigere ist, sich nicht durchzusetzen können scheint. Er wirkt allgemein etwas fehlt am Platz.


Also hier habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge: Ven kommt schon mal richtig rüber, er sollte auch unsympathisch wirken (mein erster Versuch an einem "Antihelden"). Wenn ich Dich aber vorhin richtig verstanden habe, kommentiert er einen Tick zuviel. Das sehe ich genauso und will versuchen, ihn etwas diskreter unsympathisch zu machen.

Ari kommt auch einigermaßen rüber, auch wenn ich ihn dringend noch ausarbeiten muss. Mado und Rena, naja, zeigen sich noch etwas schwach. Hätte ich nicht gedacht. Es ist gut zu wissen wie es jemand anderes sieht! :dasheye:

Sind die Charaktere glaubwürdig?
Jein. In deinen erzählenden und beschreibenden Passagen wirken deine Charaktere auf mich sehr echt und ich kann mich gut in sie hineinversetzen. In den Abschnitten der wörtlichen Rede dagegen, stellen sie eher Stereotype dar. Hier würde ich mir wünschen, dass du dir selbst noch ein paar Fragen zu den Charakteren stellst. Wie fühlen sie jeweils? Was wollen sie erreichen? Wie würden sie das am ehesten ausdrücken?


Ja, die Dialoge! Ich werde mich noch mal intensiver mit den Charakteren beschäftigen, damit ich sie lebensechter gestalten kann. Darauf freue ich mich ehrlich gesagt, das macht mir am meisten Spaß.


Jeder Deiner Punkte hat für mich Hand und Fuß. Mit Deinen Vorschlägen werde ich mich genau auseinandersetzen. Es ist neu für mich, meinen Text so auseinandergepflückt zu bekommen, aber es kommt mir nicht hart vor. Dir haben ja auch einige Dinge gefallen und das freut mich sehr!
Vielen Dank für dieses konstruktive Feedback! Irgendwie habe ich jetzt wieder richtig Lust, mich an die Geschichte zu setzen.

Liebe Grüße
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon after eight » 27.07.2015, 22:36

Liebe Lionera,

auch Deine Rückmeldung hilft mir sehr weiter.
Ja - Beschreibungen habe ich kaum drinnen, weil ich bei jeder eingestreuten Kleinigkeit gleich das Gefühl hatte, den Leser zu bombardieren. Aber von nichts kommt nichts! Ich werde es einbauen.

Auch die Gespräche und der Handlungsrahmen - wie die anderen auch schon angesprochen haben - stehen ganz oben auf meiner Liste beim Überarbeiten.

Vielen Dank auch an Dich!

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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon Ankh » 29.07.2015, 16:37

after eight hat geschrieben:Ich würde mich sehr über ehrliche Kommentare freuen.


Kommt! :)


Die Rast war vorbei. Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten.
„Kommt weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Ich bin bereit.“
Ven nickte ihm zu und wandte sich zu Rena, die hinter ihm stand.
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“
Zufrieden erwiderte er ihr Lächeln. Sie war die geborene Jägerin. Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen. Ari stieß mit geschultertem Bogen zu ihnen, da rief jemand Vens Namen.
Mado.


Hier hast du nun in 10 Zeilen vier Personen eingeführt. Die einzige, von der ich dabei ein bisschen was erfahren habe, ist die Jägerin Rena. Die anderen sind nur Namen, die du einen nach dem anderen auf den Tisch geworfen hast, ohne dass ich dazu ein Bild bekomme.

Mit Bild meine ich jetzt um Himmels Willen keine ausführliche Beschreibung ihres Äußeren. Aber jeweils ein, zwei Sätze, die sie charakterisieren, wären nicht schlecht. Am besten geht das, wenn du die Figuren dabei zeigst, wie sie sich auf für sie typische Weise verhalten. Also konstruiere eine Situation, bei der ihre jeweilige Art deutlich wird.
Statt "sie war die geborene Jägerin" zu behaupten, solltest du zeigen, dass sie das ist. Dass sie an der Spur erkennt, dass die Beute langsam müde wird, ist dazu schonmal geeignet. Wenn du jetzt noch beschreibst, wie sie vorher einen Teil ihrer Rastzeit dazu opfert, die Spuren zu untersuchen, dann können wir uns selbst ein Bild davon machen, dass die Jagd für sie wichtig ist und sie dabei auch nicht ganz unfähig zu sein scheint.

Ähnliche Sätze solltest du auch für Ari finden. Später wird deutlich, dass er ein eher junger, unerfahrener Jäger ist. Deute das schon hier an. Gib uns seine Motivation, warum er trotzdem dabei ist. Ist er neugierig und will lernen? Ist er gezwungen worden mitzukommen und fürchtet oder langweilt sich nun, oder kann er kaum mithalten bei der Tour?

Ven und Mado werden im Folgenden dagegen hauptsächlich durch ihre Beziehung untereinander charakterisiert:

Sie traten sich gegenüber. Im Vergleich zu seinem Bruder war Ven dünn und hager. ist das nicht irgendwie das gleiche? Aber er brauchte kein breites Kreuz und keine breiten Schultern, solange er auf Mado herabschauen konnte.
„Können wir reden?“
„Natürlich.“, antwortete er, bewegte sich aber kein Stück. Mado zögerte und sah ihm dann in die Augen.
„Viel weiter können wir nicht gehen.“
Mit gehobenen Augenbrauen machte Ven eine Geste in Richtung der zwei anderen. „Geht vor.“
Ihre Schritte entfernten sich durch knackende Zweige und Tannennadeln. Beinahe konnte er Renas Blick auf sich spüren, doch er fixierte seinen Bruder. „Wie bitte?“
Der Anblick von Mados gerunzelter Stirn war nichts Neues. Er fand immer einen Grund, sich zu sorgen. „Es wird gefährlicher, je weiter wir gehen.“
Es war offensichtlich, was er wirklich sagen wollte. „Du hast Angst.“
„Nein - ich mache mir Sorgen um Rena und Ari.“
Ven stieß Luft durch die Zähne. Ausreden. „Um Rena? Wirklich?“
„Mehr um Ari.“, antwortete Mado zögernd, „Er ist zu jung für so eine lange Jagd.“
„Er ist alt genug um zu jagen wie ein richtiger Mann. Wenn es ihm zu anstrengend wird, kann er es ja sagen.“
„Das macht er doch niemals.“
„Gut. Dann machen wir weiter.“, schloss Ven. Als er weitergehen wollte, zuckte Mados Hand nach vorne. Der Griff schloss sich fest um seinen Unterarm. Nichts, woraus er sich nicht befreien konnte, um Mado die Faust in den Magen zu rammen. Zurück hielt ihn nur die Neugierde. Würde sich sein erhabener Bruder mit ihm prügeln?
„Wenn ich sage wir gehen zurück, dann gehen wir zurück.“
Mado konnte nicht bestimmt klingen. Ein Versuch war alles, was er zu Stande brachte. Doch abseits des Tons war etwas in seiner Körperhaltung, die zurückgerollten Schultern vielleicht, das Ven etwas Respekt abverlangte.
„Wieso?“
„Weil ich der Anführer bin.“
Der Respekt verflog und machte einem heißen Gefühl in seinem Magen Platz. „Nicht hier.“ Er betonte jedes Wort. „Hier habe ich das Sagen. Wir kriegen die Katze und töten sie. Ende.“
„Und dann, wie kommen wir zurück? Hast du eine Ahnung, wie weit es ist? Kennst du noch den Weg?“
„Du nicht? Was kommst du jetzt damit an, du bist doch dabei gewesen. Geh zurück, wenn du ein Feigling sein willst.“ Ven musste lächeln. Seltsam, dass sein Bruder gerade jetzt seine Stimme fand, wo sie kurz vorm Ziel standen.
Mado hielt seinem Blick nicht lange Stand und ließ Ven langsam los. Ohne ein weiteres Wort zu verschwenden folgte Ven Rena und Ari tiefer in den Wald.


Okay, hier haben wir also zwei Brüder. Ven, aus dessen Sicht wir die Geschichte erleben, ist eher groß und hager, und aus der Gegenüberstellung schließe ich, dass sein Bruder Mado eher breit gebaut ist. So weit so gut.

Mado wendet sich mit Bedenken an Ven. Was genau ihn beunruhigt, erfahren wir nicht. Er macht sich vage Sorgen um Ari, der dem Leser bisher eher fröhlich und motiviert erscheint. Ven bürstet diese Sorgen ziemlich gleichgültig ab.

Auf einer tieferen Ebene spüren wir eine gewisse Spannung zwischen den Brüdern, aber es wird nicht klar, woher diese Spannungen kommen. Ven stellt bei seinem Bruder - vermutlich nicht zum ersten Mal - mangelndes Durchsetzungsvermögen fest. Dennoch erfahren wir, dass Mado der Anführer ist - nur nicht auf der Jagd. Genaueres bleibt aber völlig im Dunkeln.

Das ganze wirkt ziemlich schwammig. Man diskuiert, kommt aber zu keinem Ergebnis. Durch die Szene werden aber auch die Charaktere und ihre Situation nicht wirklich deutlicher. Sie wirft nur ein paar Fragen auf, die aber im Folgenden nicht weiterverfolgt, sondern komplett ignoriert werden:
Ist die Jagd/der Wald Vens Zuständigkeitsbereich? Oder meutert er gegen seinen Bruder, sobald sie sich von ihrer Gemeinschaft entfernen? Warum ist ein Mensch mit so wenig Durchsetzungsvermögen ein Anführer? Warum begibt sich ein Anführer einer offensichtlich größeren Gruppe mit drei Leuten auf eine tagelange Jagd, anstatt sich um den Rest der Gruppe zu kümmern? Offenbar hat Ven doch alles gut im Griff hier draußen. Warum nimmt er die Bedenken seines Bruders nicht ernst? Er dürfte ihn doch kennen und wissen, dass er nur spricht, wenn ihm etwas auf den Nägeln brennt.

Das Ganze fängt an, interessant zu werden, aber nachdem ein bisschen an der Oberfläche gekratzt wurde wird das Thema ergebnislos fallengelassen, und man bricht auf, ohne dass das Gespräch irgendeine Auswirkung auf die Handlung hat.

Im alten Land hatte Ven jeden Baumstamm und Ast auswendig gekannt. Der Stamm hatte dort seine Heimat gefunden und alles vertrieben, was ihm gefährlich werden konnte. Gefahren und Herausforderungen. Das neue Land aber hatte noch kein Stammesbruder betreten. Ven fühlte sich wie einer seiner Vorfahren, wenn er den Spuren der großen Katze folgte. Dort, wo er herkam, war die letzte von ihnen lange verschwunden. Er würde ihr den Speer ins Herz rammen und den ganzen Stamm wissen lassen, wozu er fähig war. Mado wollte aufgeben. Ein schwacher Anführer.


Er jagt die Katze also nur, um sich zu beweisen? Oder weil sie den Stamm bedroht? Und wenn der Stamm irgendwo anders seine Heimat gefunden hat, warum sind sie dann jetzt hier?

Hinter ihm war er ganz still, als sie durch das Unterholz stapften, über Schichten von Blättern und abgestorbenen Wurzeln. Durch die Baumkronen schimmerte goldenes Licht.
„Wo sind sie?“ Mado schloss zu ihm auf.


Wieso ist es hinter ihm still, wenn sein Bruder hinter ihm "stapft"?

Tatsächlich, sie hätten Ari und Rena längst erreichen müssen. Er blickte sich um. Rechts von ihnen lag ein umgefallener Baum, dessen Stamm mit Moos bedeckt war. Ein leichter Wind ließ die Blätter rascheln. Etwas trug er herüber, das Vens Ohren kitzelte. Jemand schrie nach Hilfe. Dann ein tiefes Knurren.
Über den Baumstamm. Durch die Büsche, Knacken und Knarzen unter ihren Füßen. Ven hatte seinen Speer fest mit der Hand umschlossen.


Das ist seht schön beschrieben, die kurzen fragmentarischen Sätze verdeutlichen gut die Hast.

Neben ihm keuchte Mado. Man musste ihn nicht ansehen um zu wissen, dass er sich fürchtete.


Vielleicht keucht er einfach, weil er rennt?!

Doch auch Ven rauschte das Blut durch die Ohren. Da hinten! Ein Aufblitzen hinter den Blättern. Ein paar Meter weiter, da stoppten sie. Rena und Ari hatten ihre Speere auf die Katze gerichtet und sie vor einen Baum getrieben. Das Tier, das Ven vielleicht bis zur Hüfte ging, hatte das braune Fell gesträubt. Die fingerlangen Zähne glänzten vom Geifer. Vens Blick sprang von der Bestie zu Rena, der etwas Blut den Arm hinabrann. Sie wirkte versteinert. Ari hingegen konnte seinen Speer nur mit Mühe hochhalten, weil er so zitterte.
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Mado, die Stimme nur ein Flüstern.
„Rena, geh nach rechts. Ari links.“ Ven konnte nur die Katze anstarren. „Ich nehme die Mitte.“


Hat Mado keine Aufgabe?

Sie gehorchten. Ganz langsam schnitten Ari und Rena dem Biest die Fluchtwege ab. Ven näherte sich, die Waffe erhoben. Aus dem Augenwinkel sah er ein Zucken. Ari war gestolpert, fing sich aber wieder.


Und die Katze reagiert überhaupt nicht darauf, kein Zucken, kein Fauchen? Sie ist schließlich der Fokus hier, du musst schon beschreiben, warum ein Stolpern jetzt gerade ungünstig ist.

„Ari!“
Hastig nickte er. „Ich schaffe das, Ven!“
Natürlich würde er das.


Warum ist Ven da so sicher? Eben ist der Junge noch gestolpert. Vorhin hat Mado Bedenken geäußert. Du solltest uns zumindest einen Grund liefern, warum Ven trotzdem so unerschütterliches Vertrauen in den Jungen legt. Ist er sein Sohn, und Ven will nicht wahrhaben, dass er nichts taugt? Dann wäre es nachvollziehbar. So ist es nur fahrlässig.

Sie schlossen den Kreis. Mado trat neben ihn, aber Ven hatte keine Zeit sich um ihn zu kümmern.


Warum soll er sich auch um ihn kümmern? Ich gehe mal davon aus, dass auch Mado seinen Speer auf die Katze richtet, dazu braucht er nicht Vens Aufmerksamkeit.


Spannung erfüllte seinen ganzen Körper. Fast nicht auszuhalten.


Klingt doof. Warum soll er jetzt plötzlich zappelig werden?

Er tauschte einen Blick mit Rena.
„Jetzt!“
Ein Satz nach vorne, dann stieß sie dem Tier ihren Speer in die Flanke. Blut spritzte. Es heulte auf Katzen Fauchen eher ... und schlug nach mit der Pranke nach ihr, doch sie wich aus, ohne ihren Platz aufzugeben.


Welchen Platz? Sie springt erst nach vorne, dann weicht sie aus. Wenn sie etwas nicht aufgibt, dann wohl eher den Speer, der in der Katze steckt.

„Ari!“, rief Ven. Gleich würde die Katze nicht mehr fliehen können. Der Todesstoß gehörte ihm selbst.
Nichts geschah.


Was hindert ihn, jetzt zuzustößen? Ist das eine Art ritualisiertes Töten, warum er erst als dritter zustoßen darf, warum die Jägerin nicht schon versuchen konnte, die Katze zu töten?

Ven sah, dass Ari zögerte.


Hat er im Angesicht einer Raubkatze wirklich Gelegenheit, nach Ari zu schauen? Er merkte, dass er zögerte.

Und die Katze sprang. Er war verloren. Rena brüllte etwas, Ven ließ den Speer nach vorne schnellen. Doch er erwischte nur Luft.


Wirft er den Speer etwa, oder was meinst du mit "nach vorne schnellen?" Er richtet den Speer doch schon die ganze Zeit auf die Katze. Und warum weiß er sofort, dass er verloren ist? Rena hat das Vieh angepiekt und konnte ihm trotzdem ausweichen, ohne dass ihr jemand half, das Viel abzulenken. Warum geht die Katze überhaupt auf Ven los und nicht auf die Person, die sie verwundet hat?

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Wie schätzt ihr diesen Beginn ein? Weckt er euer Interesse?
Sind die Charaktere glaubwürdig?
Gibt es genug Konflikte?


Der Text an sich ist flüssig geschrieben, und man hat die Situation auch ganz gut vor Augen. Allerdings bleiben die Charaktere zu blass, und es werden ganz viele Fragen angerissen und sofort wieder fallengelassen, ohne dass man hinterher irgendwie schlauer ist. Fragen anreißen ist prinzipiell gut, um dem Leser Lust auf mehr zu machen, aber ganz verwirrt und ohne neue Information sollte man ihn dann auch wieder nicht stehen lassen. Wenn du z.B. andeutest, dass es zwischen Ven und Mado Konflikte gibt, dann lass ihn wenigstens besorgt sein, dass dieser Konflikt seine Jagd ruiniert. Bisher zeichnet sich Ven hauptsächlich dadurch aus, dass er alles Warnzeichen für aufkommende Probleme gekonnt ignoriert, und das macht ihn nicht gerade zu einem Protagonisten, um den es schade ist, wenn er von einer Katze zerfleischt wird. :wink:
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon after eight » 29.07.2015, 17:10

Hey Ankh!

Vielen Dank auch für Deine Rückmeldung!

Ich würde mich sehr über ehrliche Kommentare freuen.

Kommt! :)


Da hat sich meine Geduld doch gelohnt. Ich freue mich sehr, dass so viele was zu der Geschichte schreiben!

Die Rast war vorbei. Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten.
„Kommt weiter!“ Ven stampfte mit seinem Speer auf die feuchte Erde. Am Fuße einer Tanne hatte sich Ari niedergelassen, der sofort aufsprang.
„Ich bin bereit.“
Ven nickte ihm zu und wandte sich zu Rena, die hinter ihm stand.
„Die Spuren führen gen Westen.“, Ihre Lippen verzogen sich nach oben, „Er wird langsam müde.“
Zufrieden erwiderte er ihr Lächeln. Sie war die geborene Jägerin. Bald würden sie der Katze gemeinsam das Fell abziehen. Ari stieß mit geschultertem Bogen zu ihnen, da rief jemand Vens Namen.
Mado.

Hier hast du nun in 10 Zeilen vier Personen eingeführt. Die einzige, von der ich dabei ein bisschen was erfahren habe, ist die Jägerin Rena. Die anderen sind nur Namen, die du einen nach dem anderen auf den Tisch geworfen hast, ohne dass ich dazu ein Bild bekomme.

Mit Bild meine ich jetzt um Himmels Willen keine ausführliche Beschreibung ihres Äußeren. Aber jeweils ein, zwei Sätze, die sie charakterisieren, wären nicht schlecht. Am besten geht das, wenn du die Figuren dabei zeigst, wie sie sich auf für sie typische Weise verhalten. Also konstruiere eine Situation, bei der ihre jeweilige Art deutlich wird.
Statt "sie war die geborene Jägerin" zu behaupten, solltest du zeigen, dass sie das ist. Dass sie an der Spur erkennt, dass die Beute langsam müde wird, ist dazu schonmal geeignet. Wenn du jetzt noch beschreibst, wie sie vorher einen Teil ihrer Rastzeit dazu opfert, die Spuren zu untersuchen, dann können wir uns selbst ein Bild davon machen, dass die Jagd für sie wichtig ist und sie dabei auch nicht ganz unfähig zu sein scheint.

Ähnliche Sätze solltest du auch für Ari finden. Später wird deutlich, dass er ein eher junger, unerfahrener Jäger ist. Deute das schon hier an. Gib uns seine Motivation, warum er trotzdem dabei ist. Ist er neugierig und will lernen? Ist er gezwungen worden mitzukommen und fürchtet oder langweilt sich nun, oder kann er kaum mithalten bei der Tour?


Charaktere einführen finde ich schwer. Es gibt diesen dünnen Grad zwischen zu viel/zu wenig Informationen, showing/telling und so weiter. Aber das sind wirklich gute Tipps. Ich werde es mal ausprobieren, danke.

Okay, hier haben wir also zwei Brüder. Ven, aus dessen Sicht wir die Geschichte erleben, ist eher groß und hager, und aus der Gegenüberstellung schließe ich, dass sein Bruder Mado eher breit gebaut ist. So weit so gut.

Mado wendet sich mit Bedenken an Ven. Was genau ihn beunruhigt, erfahren wir nicht. Er macht sich vage Sorgen um Ari, der dem Leser bisher eher fröhlich und motiviert erscheint. Ven bürstet diese Sorgen ziemlich gleichgültig ab.

Auf einer tieferen Ebene spüren wir eine gewisse Spannung zwischen den Brüdern, aber es wird nicht klar, woher diese Spannungen kommen. Ven stellt bei seinem Bruder - vermutlich nicht zum ersten Mal - mangelndes Durchsetzungsvermögen fest. Dennoch erfahren wir, dass Mado der Anführer ist - nur nicht auf der Jagd. Genaueres bleibt aber völlig im Dunkeln.

Das ganze wirkt ziemlich schwammig. Man diskuiert, kommt aber zu keinem Ergebnis. Durch die Szene werden aber auch die Charaktere und ihre Situation nicht wirklich deutlicher. Sie wirft nur ein paar Fragen auf, die aber im Folgenden nicht weiterverfolgt, sondern komplett ignoriert werden:
Ist die Jagd/der Wald Vens Zuständigkeitsbereich? Oder meutert er gegen seinen Bruder, sobald sie sich von ihrer Gemeinschaft entfernen? Warum ist ein Mensch mit so wenig Durchsetzungsvermögen ein Anführer? Warum begibt sich ein Anführer einer offensichtlich größeren Gruppe mit drei Leuten auf eine tagelange Jagd, anstatt sich um den Rest der Gruppe zu kümmern? Offenbar hat Ven doch alles gut im Griff hier draußen. Warum nimmt er die Bedenken seines Bruders nicht ernst? Er dürfte ihn doch kennen und wissen, dass er nur spricht, wenn ihm etwas auf den Nägeln brennt.

Das Ganze fängt an, interessant zu werden, aber nachdem ein bisschen an der Oberfläche gekratzt wurde wird das Thema ergebnislos fallengelassen, und man bricht auf, ohne dass das Gespräch irgendeine Auswirkung auf die Handlung hat.


Fragen über Fragen. Ja, vieles ist noch wenig ausgearbeitet. Da muss ich ran!

Im alten Land hatte Ven jeden Baumstamm und Ast auswendig gekannt. Der Stamm hatte dort seine Heimat gefunden und alles vertrieben, was ihm gefährlich werden konnte. Gefahren und Herausforderungen. Das neue Land aber hatte noch kein Stammesbruder betreten. Ven fühlte sich wie einer seiner Vorfahren, wenn er den Spuren der großen Katze folgte. Dort, wo er herkam, war die letzte von ihnen lange verschwunden. Er würde ihr den Speer ins Herz rammen und den ganzen Stamm wissen lassen, wozu er fähig war. Mado wollte aufgeben. Ein schwacher Anführer.

Er jagt die Katze also nur, um sich zu beweisen? Oder weil sie den Stamm bedroht? Und wenn der Stamm irgendwo anders seine Heimat gefunden hat, warum sind sie dann jetzt hier?


Ja, nein, der Stamm ist "umgezogen" und deswegen sind den Jägern auch die neuen Jagdgründe unbekannt. Ist alles noch ziemlich unklar :oops:

Hinter ihm war er ganz still, als sie durch das Unterholz stapften, über Schichten von Blättern und abgestorbenen Wurzeln. Durch die Baumkronen schimmerte goldenes Licht.
„Wo sind sie?“ Mado schloss zu ihm auf.

Wieso ist es hinter ihm still, wenn sein Bruder hinter ihm "stapft"?


"Er", also Mado, ist hinter ihm still.

Tatsächlich, sie hätten Ari und Rena längst erreichen müssen. Er blickte sich um. Rechts von ihnen lag ein umgefallener Baum, dessen Stamm mit Moos bedeckt war. Ein leichter Wind ließ die Blätter rascheln. Etwas trug er herüber, das Vens Ohren kitzelte. Jemand schrie nach Hilfe. Dann ein tiefes Knurren.
Über den Baumstamm. Durch die Büsche, Knacken und Knarzen unter ihren Füßen. Ven hatte seinen Speer fest mit der Hand umschlossen.

Das ist seht schön beschrieben, die kurzen fragmentarischen Sätze verdeutlichen gut die Hast.


Das freut mich, vielen Dank!

Neben ihm keuchte Mado. Man musste ihn nicht ansehen um zu wissen, dass er sich fürchtete.

Vielleicht keucht er einfach, weil er rennt?!


Vielleicht :XD:

Doch auch Ven rauschte das Blut durch die Ohren. Da hinten! Ein Aufblitzen hinter den Blättern. Ein paar Meter weiter, da stoppten sie. Rena und Ari hatten ihre Speere auf die Katze gerichtet und sie vor einen Baum getrieben. Das Tier, das Ven vielleicht bis zur Hüfte ging, hatte das braune Fell gesträubt. Die fingerlangen Zähne glänzten vom Geifer. Vens Blick sprang von der Bestie zu Rena, der etwas Blut den Arm hinabrann. Sie wirkte versteinert. Ari hingegen konnte seinen Speer nur mit Mühe hochhalten, weil er so zitterte.
„Seid ihr in Ordnung?“, fragte Mado, die Stimme nur ein Flüstern.
„Rena, geh nach rechts. Ari links.“ Ven konnte nur die Katze anstarren. „Ich nehme die Mitte.“

Hat Mado keine Aufgabe?


Doch, aber er zögert und Ven mag ihn nicht. Aber sowohl bei Deinen nächsten Kritikpunkten als auch bei den Rückmeldungen der anderen wurde angemerkt, dass das folgene Szenario nicht ganz stimmig/nachvollziehbar ist.

Sie gehorchten. Ganz langsam schnitten Ari und Rena dem Biest die Fluchtwege ab. Ven näherte sich, die Waffe erhoben. Aus dem Augenwinkel sah er ein Zucken. Ari war gestolpert, fing sich aber wieder.

Und die Katze reagiert überhaupt nicht darauf, kein Zucken, kein Fauchen? Sie ist schließlich der Fokus hier, du musst schon beschreiben, warum ein Stolpern jetzt gerade ungünstig ist.


Stimmt.

„Ari!“
Hastig nickte er. „Ich schaffe das, Ven!“
Natürlich würde er das.

Warum ist Ven da so sicher? Eben ist der Junge noch gestolpert. Vorhin hat Mado Bedenken geäußert. Du solltest uns zumindest einen Grund liefern, warum Ven trotzdem so unerschütterliches Vertrauen in den Jungen legt. Ist er sein Sohn, und Ven will nicht wahrhaben, dass er nichts taugt? Dann wäre es nachvollziehbar. So ist es nur fahrlässig.


Das ist falsch rübergekommen. Eigentlich sollte es drohend klingen, weil Ven kein Versagen in Kauf nehmen will.

Sie schlossen den Kreis. Mado trat neben ihn, aber Ven hatte keine Zeit sich um ihn zu kümmern.

Warum soll er sich auch um ihn kümmern? Ich gehe mal davon aus, dass auch Mado seinen Speer auf die Katze richtet, dazu braucht er nicht Vens Aufmerksamkeit.


Stimmt, ist überflüssig.

Spannung erfüllte seinen ganzen Körper. Fast nicht auszuhalten.

Klingt doof. Warum soll er jetzt plötzlich zappelig werden?


Er ist schon nervös, weil er kurz vorm Ziel steht. Das muss ich wohl schon früher einflechten.

Er tauschte einen Blick mit Rena.
„Jetzt!“
Ein Satz nach vorne, dann stieß sie dem Tier ihren Speer in die Flanke. Blut spritzte. Es heulte auf Katzen Fauchen eher ... und schlug nach mit der Pranke nach ihr, doch sie wich aus, ohne ihren Platz aufzugeben.

Welchen Platz? Sie springt erst nach vorne, dann weicht sie aus. Wenn sie etwas nicht aufgibt, dann wohl eher den Speer, der in der Katze steckt.


„Ari!“, rief Ven. Gleich würde die Katze nicht mehr fliehen können. Der Todesstoß gehörte ihm selbst.
Nichts geschah.

Was hindert ihn, jetzt zuzustößen? Ist das eine Art ritualisiertes Töten, warum er erst als dritter zustoßen darf, warum die Jägerin nicht schon versuchen konnte, die Katze zu töten?


Ven sah, dass Ari zögerte.

Hat er im Angesicht einer Raubkatze wirklich Gelegenheit, nach Ari zu schauen? Er merkte, dass er zögerte.


Und die Katze sprang. Er war verloren. Rena brüllte etwas, Ven ließ den Speer nach vorne schnellen. Doch er erwischte nur Luft.

Wirft er den Speer etwa, oder was meinst du mit "nach vorne schnellen?" Er richtet den Speer doch schon die ganze Zeit auf die Katze. Und warum weiß er sofort, dass er verloren ist? Rena hat das Vieh angepiekt und konnte ihm trotzdem ausweichen, ohne dass ihr jemand half, das Viel abzulenken. Warum geht die Katze überhaupt auf Ven los und nicht auf die Person, die sie verwundet hat?


Deine Punkte sind alle berechtigt. Sie bestätigen mich in der Annahme, dass diese Szene definitiv noch mehr Aufmerksamkeit braucht. Vieles - ich will eigentlich sagen das meiste - ergibt noch keinen Sinn.


Wie schätzt ihr diesen Beginn ein? Weckt er euer Interesse?
Sind die Charaktere glaubwürdig?
Gibt es genug Konflikte?

Der Text an sich ist flüssig geschrieben, und man hat die Situation auch ganz gut vor Augen. Allerdings bleiben die Charaktere zu blass, und es werden ganz viele Fragen angerissen und sofort wieder fallengelassen, ohne dass man hinterher irgendwie schlauer ist. Fragen anreißen ist prinzipiell gut, um dem Leser Lust auf mehr zu machen, aber ganz verwirrt und ohne neue Information sollte man ihn dann auch wieder nicht stehen lassen. Wenn du z.B. andeutest, dass es zwischen Ven und Mado Konflikte gibt, dann lass ihn wenigstens besorgt sein, dass dieser Konflikt seine Jagd ruiniert. Bisher zeichnet sich Ven hauptsächlich dadurch aus, dass er alles Warnzeichen für aufkommende Probleme gekonnt ignoriert, und das macht ihn nicht gerade zu einem Protagonisten, um den es schade ist, wenn er von einer Katze zerfleischt wird. :wink:


Ich bin froh darüber, dass Vens schlechter Charakter immerhin rüber kommt! Habe ich mal eine Sache richtig gemacht :XD:
Ja, die Geschichte ist eine große Baustelle. Momentan bin ich noch am Sammeln, was alles gemacht werden muss, dann werde ich mich dransetzen.

Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Sie hilft mir sehr weiter :dasheye:

Herzliche Grüße
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon HannahBoll » 29.07.2015, 17:44

Huhu!

Ich übe mich auch einmal an Kritik.


Der Beginn

Ich finde ihn etwas tollpatschig auf den allerersten Teil gesehen. Zum einen kommt man irgendwie nur stockend in die Handlung hinein. Es erinnert mehr, als stehen alle rum und warten auf den Anfang. Ein direkter Einstieg wäre gut. Die handelnden Personen sind direkt bei der Handlung. Sie verfolgen das Tier etc ...
Ich bin auch kein Fan von unvollständigen Sätzen wie "Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten." Allerdings finde ich kurze und einschlägige Sätze zu Beginn recht einladend, weil ich gerne möchte, dass man schnell in die Handlung kommt. So zack zack :D

So manch anderer Meinung, das sofort ein direktes Bild einer Figur, gleich zu Beginn herauskristallisiert werden soll, kann ich mich nicht anschließen. Für mich ist es am Beginn wichtig, zuerst die Atmosphäre zu erfassen, denn die spiegelt sich ja auch in den Figuren wieder und wenn sowohl Leser als auch die Protagonisten auf der "gleichen Wellenlänge schwimmen", ist es einfacher die Grundkonflikte zu verstehen, die mir persönlich wichtiger sind als das Aussahen. Das kann übrigens meiner Meinung nach etwas später kommen. So hebt man sich noch etwas für später auf und es wirkt nicht so wie "zuerst den ganzen nötigen Brei an Informationen" und danach alles andere.

Charaktere:
Die Charaktere an sich finde ich bis jetzt schon glaubwürdig. Man kann sich aufgrund des Textes leider kein zu detailliertes Bild davon machen, um mehr dazu zu sagen. Hauptsächlich bekommt man Einblicke in Vens Kopf, während man von Rena und Ari fast nichts erfährt außer einige äußere Umstände. Für die Textlänge ist das allerdings nicht negativ. Ich finde es eher positiv, wenn du dich bei der Länge erstmal auf einen konzentrierst (in dem Fall Ven bzw seinen Konflikt mit seinem Bruder). Das lenkt den Blick des Lesers einmal in eine Richtung und erzeugt auch Spannung. Generell wirkt es von der Aufstellung her, als geht es hauptsächlich um Ven und Rena und Ari sind "nur" so nebenbei da.

Konflikte:
Mit Kurzgeschichten bin ich nicht so bewandert, bin ich doch eher der Roman-Fan :oops: Jedoch würde es mich mehr ansprechen, wenn konkrete Verbindungen herrschen. Charaktere bekommen dann eine Konsistenz und Glaubhauftigkeit, wenn sie auch eine Geschichte haben. Vielleicht bleibt Vens Herz ja stehen, als er merkt, dass etwas mit dem jungen Ari nicht stimmt und er hat ein Flashback, weil er schon einmal in so einer Situation war und einen geliebten Menschen verlor? Vielleicht sieht Rena kurz zu ihm hinüber, um ihm klar zu machen, dass sie bereit ist, und Ven muss sich an jenen Moment erinnern, als sie am Fluss spazieren gegangen sind und sie ihn mit eben demselben Feuer angeschaut hatte? Und ganz besonders brauchst du soetwas zwischen Mado und Ven. Die angespannte Stimmung, die ich zwar spüren konnte, kann ruhig noch deutlicher ausgebaut werden. Wie fühlt Ven sich dabei? Sieht er Gefahr in seinem Bruder oder verspottet er ihn sogar, traut sich aber doch nicht, seinem Hohn so direkt Platz zu geben?


Das waren einmal meine Gedanken dazu und ich hoffe, dass war jetzt irgendwie nicht voll der Mist :oops:
Liebe Grüße Hannah
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/X)

Beitragvon Ankh » 29.07.2015, 17:47

Ich bin froh darüber, dass Vens schlechter Charakter immerhin rüber kommt! Habe ich mal eine Sache richtig gemacht :XD:


Okay, ich verstehe. Du willst ihn als überheblichen Typ darstellen, der mit seiner Ignoranz das Unternehmen und seine Leute gefährdet, ja?

Dabei gibt es aber ein Problem: Du vermittelst uns das Geschehen aus seiner Sicht. Wir stehen quasi per Autorendekret von vornherein erstmal auf seiner Seite. Langsam, nach und nach stellen wir fest, dass Ven so seine Fehler hat. Die Gefahr dabei ist, dass wir uns ein schlechtes Bild von ihm machen, bevor wir merken, dass das Absicht ist: Ist er ein schlechter Jäger, oder ist er nur schlecht geschrieben?

Wenn du willst, dass deine Geschichte gelsen wird, musst du also klarmachen, dass er nicht schlecht geschrieben ist. Nur wie? Wir stecken ja trotzdem in seiner Perspektive fest. Selbst wenn wir vermuten, dass er wirklich eine Luftnummer ist, heißt das noch nicht, dass Ven das auch so sieht. Für ihn ist die Welt in Ordung. Er macht keine Fehler. Aus seiner Sicht ist er die beste Erfindung seit Schnittbrot.
Bring diese Diskrepanz zwischen seiner Sicht und der Welt drumherum rüber! Lass Mado konkrete Bedenken äußern, die wir Leser schlüssig nachvollziehen können. Lass uns vielleicht aufgrund der charakterisierenden Beobachtung von Ari schon vorher dieselben Schlüsse ziehen, dann haben wir jemanden in deiner Welt, dem wir statt dem Protagonisten unser Vertrauen schenken können, weil er denkt wie wir. Und dann lass Ven diese Bedenken, die wir und Mado unabhängig voneinander gebildet haben, so krass abbügeln, dass wir wissen, dass es eine schlechte Idee ist, auf Vens Seite zu stehen. An der Perspektive können wir als Leser nichts ändern, aber wir merken, dass wir ihn mit Vorsicht genießen müssen. Dass wir seinen Ansichten, die er so selbstbewusst vertritt, nicht blind vertrauen sollen. Mach klar, dass du als Autor durchaus willst, dass wir ihm skeptisch gegenüberstehen. Denn wenn es darum geht, ob die Geschichte gut ist oder nicht, willst du den Leser auf deiner Seite haben, wenn schon nicht auf der des Protagonisten :wink:
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Re: Der einsame Jäger (AT) (1/4)

Beitragvon after eight » 30.07.2015, 11:19

Liebe Hannah,

man, ich weiß nicht genau wie ich das geschafft habe, aber ich habe Deine Kommentare komplett übersehen. Sonst hätte ich natürlich vorher geantwortet - ich hoffe Du verzeihst mir.

Ich finde ihn etwas tollpatschig auf den allerersten Teil gesehen. Zum einen kommt man irgendwie nur stockend in die Handlung hinein. Es erinnert mehr, als stehen alle rum und warten auf den Anfang. Ein direkter Einstieg wäre gut. Die handelnden Personen sind direkt bei der Handlung. Sie verfolgen das Tier etc ...


...und Action! Ja, Du hast Recht. Ich habe schon ein Szenario im Kopf, wie man vielleicht schneller in die Story reinkommt.

Ich bin auch kein Fan von unvollständigen Sätzen wie "Keine Zeit für Gebete an die Geister. Keine Zeit für ein Feuer oder die Pilze, die sie im Wald geschnitten hatten." Allerdings finde ich kurze und einschlägige Sätze zu Beginn recht einladend, weil ich gerne möchte, dass man schnell in die Handlung kommt. So zack zack :D


Hm, ich denke das ist Geschmackssache - mir gefallen die ersten Sätze aber auch noch nicht so sehr.

So manch anderer Meinung, das sofort ein direktes Bild einer Figur, gleich zu Beginn herauskristallisiert werden soll, kann ich mich nicht anschließen. Für mich ist es am Beginn wichtig, zuerst die Atmosphäre zu erfassen, denn die spiegelt sich ja auch in den Figuren wieder und wenn sowohl Leser als auch die Protagonisten auf der "gleichen Wellenlänge schwimmen", ist es einfacher die Grundkonflikte zu verstehen, die mir persönlich wichtiger sind als das Aussahen. Das kann übrigens meiner Meinung nach etwas später kommen. So hebt man sich noch etwas für später auf und es wirkt nicht so wie "zuerst den ganzen nötigen Brei an Informationen" und danach alles andere.


Ja, obwohl es natürlich am besten ist, wenn man Atmosphäre UND Charaktere UND Konflikte möglichst schnell darstellt. Nicht einfach!

Die Charaktere an sich finde ich bis jetzt schon glaubwürdig. Man kann sich aufgrund des Textes leider kein zu detailliertes Bild davon machen, um mehr dazu zu sagen. Hauptsächlich bekommt man Einblicke in Vens Kopf, während man von Rena und Ari fast nichts erfährt außer einige äußere Umstände. Für die Textlänge ist das allerdings nicht negativ. Ich finde es eher positiv, wenn du dich bei der Länge erstmal auf einen konzentrierst (in dem Fall Ven bzw seinen Konflikt mit seinem Bruder). Das lenkt den Blick des Lesers einmal in eine Richtung und erzeugt auch Spannung. Generell wirkt es von der Aufstellung her, als geht es hauptsächlich um Ven und Rena und Ari sind "nur" so nebenbei da.


Okay, das ist schon mal gut! Ich will aber an allen Charakteren noch einmal arbeiten, natürlich sollen sie nicht nur "Beiwerk" sein.

Mit Kurzgeschichten bin ich nicht so bewandert, bin ich doch eher der Roman-Fan :oops:


Ich auch. Das ist meine erste Kurzgeschichte - und ursprünglich sollte sie nur die erste von einer Reihe Kurzgeschichten sein. Jetzt überlege ich, ob ich diese Geschichte nicht doch zu etwas größerem aufblasen soll.

Vielleicht sieht Rena kurz zu ihm hinüber, um ihm klar zu machen, dass sie bereit ist, und Ven muss sich an jenen Moment erinnern, als sie am Fluss spazieren gegangen sind und sie ihn mit eben demselben Feuer angeschaut hatte?


Hört sich heiß an :XD: ! Witzig, ich hatte tatsächlich überlegt, solche Spannungen zwischen ihnen einzubauen. Warte mal auf die erste Überarbeitung :mrgreen:

Das waren einmal meine Gedanken dazu und ich hoffe, dass war jetzt irgendwie nicht voll der Mist :oops:
Liebe Grüße Hannah


Nein, absolut nicht. Jede Rückmeldung hilft. Danke!
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Re: [Fanty]Der einsame Jäger (überarbeitet) (1/4)

Beitragvon after eight » 08.08.2015, 11:16

Liebe Schreibwerkstatt,

ich habe nun den ersten Teil überarbeitet und würde mich sehr über Meinungen darüber freuen!
Außerdem bin ich die nächsten Tage im Urlaub, werde also erstmal nicht antworten können!

Herzliche Grüße
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Re: [Fanty]Der einsame Jäger (überarbeitet) (1/4)

Beitragvon HannahBoll » 23.08.2015, 12:10

Huhu :girl:

Es hat etwas gedauert, bis ich hier wieder aktiv rein geschaut hab. Sommer und so. Man kommt einfach zu nichts regelmäßig :mrgreen:

Jetzt aber.

Grundsätzlich kann ich nicht mehr viel zu sagen. Man merkt, wie du dir Mühe gegeben hast und dass du auch lange überlegt hast, denn du hast ja einiges umgekrempelt.

Das erste, was mir aber aufgefallen ist:

Ven spannte sich an, als Renas Blick ihn traf. Sie machte das immer, ihre Augen konnten Knochen schneiden.


Heißt es nicht Knochen brechen? Zu versuchen, einen Knochen zu zerschneiden dauert lange, außer man hat eine Säge :D
Hat es sich eingeschlichen oder beabsichtigst du etwas BEstimmtes?


„Quatsch!“, Ari boxte Rena gegen die Schulter – sie zuckte zusammen – und spähte an ihr vorbei in den Wald. „Also, wo ist die Katze?“

Ich weiß nicht, irgendwie ist es etwas ... tollpatschig geschrieben und auch verwirrend. Ich musste es zwei Mal lesen. Diese - - mag ich irgendwie generell nicht. Vielleicht einfach zwei Sätze darauß machen und das weg lassen? So in etwa wie: Ari boxte Rena gegen die Schulter, worauf sie zusammen zuckte. Ihr Jagdkamerade spähte nur an ihr vorbei in den Wald, als könnte er die Raubkatze so schon ausmachen.

Es roch grün – nach Moos, Rinde und Brennnesseln.

Das gefällt mir :mrgreen:

Eigentlich wollte Ven nicht fragen, doch er konnte nicht anders. „Wie sollen wir sie töten?“
Wieder bedachte ihn Rena mit diesem Blick. „Pfeile, dein Speer, dein Messer? Womit tötet man denn Tiere?“
Rena war einfach eine arrogante Zicke. „Was ist dein Problem?“

Vielleicht könnten sie sich ja gegenseitig necken - wenn Ven der Typ dafür ist. z. B. könnte er dann schnippisch antworten: "Ich fragte wie, nicht womit." Dann könnte vorab klar werden, wie sehr sie sich nicht mögen und wie deren Verhältnis so abläuft, bevor du durch den Dialog mit Ari anmerkst, dass sie sich hassen. Klassisches Show - don't tell :D

Mehr kann ich nicht hinzufügen und letztes ist auch nur wahlweise gedacht - wenn Vens Charakter es zu lässt. Sonst kann ich nicht mehr hinzufügen und finde es eigentlich tadellos und passend. Sehr gut gemacht. Du hast dich selbst übertroffen.
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Re: [Fanty]Der einsame Jäger (überarbeitet) (1/4)

Beitragvon after eight » 23.08.2015, 15:26

Hey!

Schön, dass Du wieder reinschaust.

Ven spannte sich an, als Renas Blick ihn traf. Sie machte das immer, ihre Augen konnten Knochen schneiden.

Heißt es nicht Knochen brechen? Zu versuchen, einen Knochen zu zerschneiden dauert lange, außer man hat eine Säge :D
Hat es sich eingeschlichen oder beabsichtigst du etwas BEstimmtes?


Ich dachte an einen Laser :XD: Passt aber auf den zweiten Blick nicht so recht rein. Ich habs geändert!


„Quatsch!“, Ari boxte Rena gegen die Schulter – sie zuckte zusammen – und spähte an ihr vorbei in den Wald. „Also, wo ist die Katze?“

Ich weiß nicht, irgendwie ist es etwas ... tollpatschig geschrieben und auch verwirrend. Ich musste es zwei Mal lesen. Diese - - mag ich irgendwie generell nicht. Vielleicht einfach zwei Sätze darauß machen und das weg lassen? So in etwa wie: Ari boxte Rena gegen die Schulter, worauf sie zusammen zuckte. Ihr Jagdkamerade spähte nur an ihr vorbei in den Wald, als könnte er die Raubkatze so schon ausmachen.


Okay, das habe ich auch (hoffentlich) etwas vereinfacht. Ich weiß nur nicht so recht, wie das mit dem tollpatschig gemeint ist. Ich meine, das wird mir schon zum zweiten Mal gesagt. Woran machst Du das fest?


Es roch grün – nach Moos, Rinde und Brennnesseln.

Das gefällt mir :mrgreen:


Freut mich!


Eigentlich wollte Ven nicht fragen, doch er konnte nicht anders. „Wie sollen wir sie töten?“
Wieder bedachte ihn Rena mit diesem Blick. „Pfeile, dein Speer, dein Messer? Womit tötet man denn Tiere?“
Rena war einfach eine arrogante Zicke. „Was ist dein Problem?“

Vielleicht könnten sie sich ja gegenseitig necken - wenn Ven der Typ dafür ist. z. B. könnte er dann schnippisch antworten: "Ich fragte wie, nicht womit." Dann könnte vorab klar werden, wie sehr sie sich nicht mögen und wie deren Verhältnis so abläuft, bevor du durch den Dialog mit Ari anmerkst, dass sie sich hassen. Klassisches Show - don't tell :D


Ich habe den Dialog mit Ari rausgenommen, vielleicht ergibt es sich auch so.


Mehr kann ich nicht hinzufügen und letztes ist auch nur wahlweise gedacht - wenn Vens Charakter es zu lässt. Sonst kann ich nicht mehr hinzufügen und finde es eigentlich tadellos und passend. Sehr gut gemacht. Du hast dich selbst übertroffen.


Vielen Dank - sowohl für die Kritik als auch für das Lob!
Bis die nächsten Teile kommen kann es noch etwas dauern. Momentan organisiere ich alles ein bisschen um.

Alles Liebe
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