Hallo Ro-Mu,
Es passiert eine ganze Menge in Deinem Garten. Das erzählst Du. Dennoch bleibe ich merkwürdig unberührt. Geschichten haben einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Diese Geschichte, so scheint mir, hat nur eine Mitte, sie weckt eine Erwartung in mir und ist dann zu Ende. Mit einem Satz...
Welcher das Grün und Weiß und Rot verdunkelt, so, als würde er den Farbton auf einer Skala, jeweils ein Stück weit in Richtung Trübe verschieben.
..der zwar Objekt und Prädikat aber kein Subjekt hat.
Aber beginnen möchte ich am Anfang (kein schlechter Ort um zu beginnen):
Sie wiegen sich im Wind, die Bäume.
Der (verdrehte) Satzbau soll etwas bewirken. Aber was, außer ein Stocken beim Lesen ?
Schön würde mir der Satz gefallen:
"Die Bäume wiegen sich im Wind"
Das gleiche Stocken entsteht durch den eingeschobenen Nebensatz in:
Der Dunkelrote trägt seine Krone direkt über dem weißen Ofen, der wie ein winziges Haus aussieht, als wolle er ihn vor Wind und Wetter schützen.
Ich würde den Nebensatz weglassen:
Der Dunkelrote trägt seine Krone direkt über dem weißen Ofen, als wolle er ihn vor Wind und Wetter schützen.
Dann kommt wieder etwas mit schützen:
Im Schutze seines herbstlich gefärbten Blattwerkes verstecken sich kleine Vögel.
Das scheint mir doppelt merkwürdig:
a) wegen des doppelten 'schutz' Wortes
b) die gleichen Vögel sind im nächsten Satz die, die mit Katz und Mensch das Fleckchen bewachen. Sind das also 'versteckte Wächter"?
Gefallen würde mir:
Im herbstlich gefärbten Blattwerk (tummeln/verstecken/toben/flattern...) (sich) kleine Vögel
Dann stolpere ich über den nächsten Satzdreher:
...abgeschottet vom Rest und bewahrt von einer Mauer, einer weißen, und einer grünen Hecke.
Ich kann mir vorstellen, das soll ein Stilmittel sein. Aber es stoppt ohne erkennbaren Grund den Lesefluß.
Mir gefiele:
...abgeschottet vom Rest und bewahrt von einer weißen Mauer und einer grünen Hecke.
Und vor dem Ende (s. oben) benutzt Du ein Bild, das mir fremd vorkommt:
die Sonne wird dem Winter weichen und den Garten ihrem Kontrahenten, dem Schatten, überlassen
Ein Kontrahent bezeichnet eine Person, keine Sache, und wenn es denn der Kontrahent sein muß, dann wäre er der Kontrahent des Sonnenlichts (und nicht der Sonne), meine ich. Wie wäre:
"die Sonne wird dem Winter weichen und den Garten dem Schatten überlassen".?
Gruß